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»Glückliches österreich - Kaum ein Land ist der kritischen Selbstbefragung so hartnäckig aus dem Weg gegangen wie die österreichische Zweite Republik seit dem Zweiten Weltkrieg. Vor der Erinnerung an die braune Vergangenheit flüchtete man sich in die rosige Zukunft.« (Neue Zürcher Zeitung) In rosiges Licht getaucht, wird österreich im Jahr 2005 gleich dreimal jubilieren. »60-50-10« lautet die Formel. Dahinter verbergen sich 60 Jahre Gründung der 2. Republik, 50 Jahre Staatsvertrag und 10 Jahre EU-Mitgliedschaft. Robert Menasse, luzider Kritiker der österreichischen Verhältnisse, hat die Zweite…mehr

Produktbeschreibung
»Glückliches österreich - Kaum ein Land ist der kritischen Selbstbefragung so hartnäckig aus dem Weg gegangen wie die österreichische Zweite Republik seit dem Zweiten Weltkrieg. Vor der Erinnerung an die braune Vergangenheit flüchtete man sich in die rosige Zukunft.« (Neue Zürcher Zeitung) In rosiges Licht getaucht, wird österreich im Jahr 2005 gleich dreimal jubilieren. »60-50-10« lautet die Formel. Dahinter verbergen sich 60 Jahre Gründung der 2. Republik, 50 Jahre Staatsvertrag und 10 Jahre EU-Mitgliedschaft.
Robert Menasse, luzider Kritiker der österreichischen Verhältnisse, hat die Zweite Republik von ihren Anfängen an untersucht und kommentiert, seine »Essays machen einem das in seiner Nähe ferne Land einsichtig. Ein vergilbter Vorhang wird beiseite geschoben, ein Fenster geöffnet: Luft und Licht kommen herein« (Neue Zürcher Zeitung).
Mit den vorliegenden Essays, aktualisiert und um neue Beiträge ergänzt, legt Robert Menasse ein Standardwerk zur österreichischen Geschichte und Politik seit dem Zweiten Weltkrieg vor - jetzt fragt sich, was zu feiern ist.
  • Produktdetails
  • suhrkamp taschenbuch 3691
  • Verlag: Suhrkamp
  • Artikelnr. des Verlages: 45691
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 455
  • Erscheinungstermin: 1. September 2021
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 111mm x 23mm
  • Gewicht: 272g
  • ISBN-13: 9783518456910
  • ISBN-10: 3518456911
  • Artikelnr.: 13282506
Autorenporträt
Menasse, Robert§
Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren und ist auch dort aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte im Jahr 1980 mit einer Arbeit über den »Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb«. Menasse lehrte anschließend sechs Jahre - zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie - an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab, u.a. über: Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.11.2000

Aussichtslos

"Erklär mir Österreich" lauten Titel, erster Essay und Anliegen von Robert Menasses neuester Essaysammlung. Das Gegengewicht zu diesem aufklärerischen Impetus liefert dann gleich der erste Satz: "Es scheint aussichtslos." Denn gerade die Versuche, Österreich mit der Eindeutigkeit von Schlagwörtern zu erklären, habe der Öffentlichkeit den Blick auf das wahre Österreich verschleiert, so Menasse. Anlaß für den Erklärungsbedarf ist die Wahl vom 3. Oktober 1999, die in den einzelnen Essays wie ein Leitmotiv umkreist wird. Dabei versucht Robert Menasse immer wieder deutlich zu machen, daß es sich bei diesem Datum keineswegs um den Sündenfall der österreichischen Politik handele. Vielmehr zeige sich eine Kontinuität in der undemokratischen Entwicklung Österreichs, die aufgrund der Medienpräsenz Haiders nicht die Beachtung findet, die Robert Menasse wünschenswert findet. (Robert Menasse: "Erklär mir Österreich". Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000. 176 S., br., 15,90 DM.)

sdm

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.08.2005

Entweder und Oder
Mutig, erhellend: Robert Menasses Essayband „Das war Österreich”
Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, fragte man gern ohne großen Umschweif: was eine Sache sei, oder, sofern vergangen, was sie war. Späteren Zeiten galt das als naiv. Dabei kann gerade Naivität des Fragens Erkenntnis speisen, vorausgesetzt, beim Antworten belässt man es nicht bei ihr.
Robert Menasse traut sich eine naive Frage zu: Was war Österreich? Beim Antworten lässt er dann die Naivität hinter sich. Österreich ist nach Menasse, der dies am Beispiel der Neutralität glanzvoll illustriert, „das Land des Entweder-und-Oder”. Für die Politik dieser Republik bestimmend ist - besser gesagt: war - das „Prinzip der Real-Fiktionen”: das Reale, etwa der mit Brief und Siegel versehene Staatsvertrag, wurde in ihr unwirklich, wie umgekehrt das Unwirkliche, die in keiner Form rechtlich eingesetzte Sozialpartnerschaft, real, wirklichkeitsbestimmend.
Eine Analyse der Zweiten Republik mit Hilfe dieser und weiterer Kategorien führt zum Ergebnis, „dass die staatlichen Strukturen Österreichs der Logik eines Museums gehorchen, das die Größe eines ganzen Landes hat”. Diesem Land als republikanischem Museum der Habsburgermonarchie entspricht der Fremdenverkehr als wesentlicher Erwerbszweig, die fortgesetzte gewinnbringende Umwandlung von Heimat in ein „Ensemble von Kulissen”. Via Tourismus wird nicht zuletzt auch das im Lande ungenügend vorhandene Publikum für Kunst und Kultur importiert, auf dass sich die Ausgaben des Staates für jene Bereiche amortisieren. Folgerichtig war der idealtypische Künstler der Zweiten Republik fixiert auf den Staat, und kam in der „Personalunion von Staatsfeind und Staatskünstler” zu sich selbst. Kurz: Was andere an sich vollziehen, bis hin zur Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, macht der Autor dieses Buches zum Gegenstand seines Nachdenkens.
Die Demontage der Phrasen
Eine vergleichbar erhellende politische Ökonomie der österreichische Nationalität samt der ihr zugehörigen Kultur, nicht zuletzt der Literatur, ist derzeit nirgends zu erhalten. Menasses Dialektik ist unwiderstehlich, selbst und vielleicht erst recht für einen Leser, welcher sich den Vorbehalt erlaubt, dass der Autor politisch manches möglicherweise nicht ganz richtig einschätzt. So hält Menasse die Europäische Union für „die Avantgarde der Idee einer Welt ohne Nationalstaaten”, während europäische Politiker täglich vorexerzieren, wie sie durch europäische Allianzen nationalen Interessen zu ganz besonderer Wucht zu verhelfen gedenken. Indes: Streit herauszufordern (und jener wäre wahrlich nicht der einzig lohnende, zu dem dieser Autor anregt), ist ja Sinn - ein Sinn - der Form Essay; ihre Selbstzerstörung geschieht, wo er Glauben einfordert, woran Menasse nur ein einziges Mal streift: in der zur moralisierenden Litanei erstarrenden Abrechnung mit der Regierung Schüssel: „Schuldig ... schuldig ... schuldig”.
Der Gegenstand Österreich hat es offenbar an sich, auf seine Kritiker abzufärben; Menasse trägt Züge eines Raunzers, wie Karl Kraus Entscheidendes von diesem Wiener Typus, den er verabscheute, zuwuchs. Indes hebt Menasse vom Raunzer ab, dass er begründet, was er sagt.
In der Demontage politischer Phrasen wirkt eine große österreichische Tradition der Sprachkritik weiter; ganz unösterreichisch ist’s zugleich, eine Lüge eine Lüge zu nennen. Durchweg hat Robert Menasse den Mut, sich die Erfolgreichen, auf der sicheren Bahn zur Ikonisierung in der österreichischen Kultur Befindlichen als Gegner zu wählen, Elfriede Jelinek etwa oder den amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer. Ein scharfer Blick, ein wacher Geist hat diese Rarität hervorgebracht: Aufklärung über Österreich.
ANDREAS DORSCHEL
ROBERT MENASSE: Das war Österreich. Gesammelte Essays zum Land ohne Eigenschaften. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005. 457 S., 14 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

"Mit großem Vergnügen" hat Franz Schuh diesen Band mit Essays zu Österreich von Robert Menasse gelesen und er hat sich an der Kombination des Untertitels von "Pathos und Ironie" herzlich gefreut. Während der österreichische "Mainstream" versuche, wie der Rezensent glaubt, Menasse "mundtot" zu machen, könne der Autor für sich beanspruchen, das heute als veraltet geltende "Model des Intellektuellen wieder flottzumachen. Bei Menasse ist ein Intellektueller nämlich einer, der den öffentlichen "Konsens" in "Dissens" überführt, so Schuh zustimmend. Die Essays reagieren auf aktuelle Anlässe, sind aber auch Ergebnis "kontinuierlicher Nachdenklichkeit", stellt der Rezensent fest, der in der alle Lebensbereiche durchdringenden österreichischen "Sozialpartnerschaft", die Harmonie" anstrebt, ohne die Konflikte zu lösen, eines der Hauptthemen Menasses erkennt.

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