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Ein heißer Sommer in Salzburg 1935. Drei Jahre vor dem Anschluß wirbt die Festspielstadt damit, sie sei noch eine Insel der Seligen. Auf Schloß Leopoldskron treffen außergewöhnliche Menschen zusammen, die nicht nur ihre durch Hitler bedrohte Gegenwart, sondern auch ihre Vergangenheit verbindet: Max Reinhardt und Helene Thimig, Alma Mahler-Werfel und Franz Werfel, Eleonora von Mendelssohn und ihr Bruder Francesco, Carl Zuckmayr, Ferenc Molnßr und Kurt Weill. Und der alte, aber sexuell rastlose Maestro Toscanini, Weltstar und Frauenheld, Antifaschist und selbst Diktator. Aus wahren Begebenheiten…mehr

Produktbeschreibung
Ein heißer Sommer in Salzburg 1935. Drei Jahre vor dem Anschluß wirbt die Festspielstadt damit, sie sei noch eine Insel der Seligen. Auf Schloß Leopoldskron treffen außergewöhnliche Menschen zusammen, die nicht nur ihre durch Hitler bedrohte Gegenwart, sondern auch ihre Vergangenheit verbindet: Max Reinhardt und Helene Thimig, Alma Mahler-Werfel und Franz Werfel, Eleonora von Mendelssohn und ihr Bruder Francesco, Carl Zuckmayr, Ferenc Molnßr und Kurt Weill. Und der alte, aber sexuell rastlose Maestro Toscanini, Weltstar und Frauenheld, Antifaschist und selbst Diktator.
Aus wahren Begebenheiten erschafft Lea Singer ein politisch und psychologisch brisantes Kammerspiel, das die Ereignisse jenes Sommers atmosphärisch dicht und bedrängend aufleben läßt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Dva
  • Seitenzahl: 219
  • Erscheinungstermin: August 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783421042170
  • ISBN-10: 3421042179
  • Artikelnr.: 33749347
Autorenporträt
Lea Singer studierte Kunstgeschichte, Literatur- und Musikwissenschaften und wurde in München promoviert. Dort lebt und arbeitet sie als Schriftstellerin, Publizistin und Sachbuchautorin. Sie hat einige Romane über große Persönlichkeiten und Begebenheiten der Musikgeschichte geschrieben. 2010 erhielt sie den renommierten "Hannelore-Greve-Literaturpreis" für ihr belletristisches Gesamtwerk.
Rezensionen
Wieder einmal lasse Lea Singer historische Personen in einer fiktiven Inszenierung auftreten, führt uns Rezensentin Laura Weissmüller in die aparte Sachlage des Jahres 1935 ein. Der Ort der Handlung, Schloss Leopoldskron, hat tatsächlich Max Reinhardt gehört, der im Roman eine illustre Runde von Stars und Sternchen zur Festivalzeit in Salzburg als Gastgeber eingeladen habe. Der Rezensentin zufolge gelingt der Autorin nun das schier Unmögliche, es werde keineswegs kitschig, obwohl die vielen geistreichen Menschen viele geistreiche Dialoge führten und überhaupt alles wie aus dem Ei gepellt wirke. Mit "charmanter Leichtigkeit" und viel Esprit entwerfe die Autorin eine Art "Barockgemälde", das nur in seiner Handlung ein wenig zu inszeniert wirke. Mit ihrer gelungenen Sprache, so die Rezensentin, verwandle Lea Singer das artifizielle "Gesellschaftsstück" jedoch zu einer stets unterhaltsamen Lektüre.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 21.11.2006
Das letzte künstliche Paradies
Lea Singers Salzburg-Roman „Vier Farben der Treue”
Wer Salzburg zu Festspielzeiten kennt, weiß, dass die Stadt im August eine extra Schicht Rouge auflegt. Genauso handhaben es ihre Gäste: Sie rauschen mit glänzenden Roben in Richtung Felsenreitschule, positionieren sich im Café Bazar möglichst öffentlich und hoffen ansonsten, dass ihnen das Wetter keinen Strich durch ihre fein ausgeklügelte Rechnung macht. Ähnlich bühnentauglich geht es im Roman „Vier Farben der Treue” von Lea Singer auf dem Schloss Leopoldskron zu. Das prächtige Anwesen in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum befand sich seit 1918 im Besitz des Theaterregisseurs Max Reinhardt und kann Anfang der 30er Jahre mit einer Gästeliste aufwarten, die jeden Festivaldirektor vor Neid erblassen lässt. Allein die Personenkonstellationen liefern damit theatertaugliche Zusammentreffen, vom beklemmenden Gesellschaftsdrama bis hin zur leichten Komödie.
Einen literarischen Selbstläufer hat sich deswegen wohl auch Lea Singer erhofft, als sie die Handlung ihres vierten Historienromans in dem Rokokoschlösschen ansiedelte. Während einiger heißer Augusttage des Jahres 1935 lässt sie den Festspielinitiator mit seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Helene Thimig, so illustre Gäste wie den Dichter Franz Werfel samt Gattin Alma Mahler-Werfel, den Komponisten Kurt Weill sowie den kapriziösen Dirigentenstar Arturo Toscanini empfangen. Der undurchsichtige Rudolf K. Kommer zieht dabei als Majordomus geschickt die Fäden im Hintergrund, indem er die Tischordnung zum Drehbuch umfunktioniert und entscheidet, wie die herrlich dekadenten Soireen verlaufen. Das erinnert an neuzeitliche Hoffeste, wo vermeintlich falsch gesetzte Gesandte schon mal ganze Länderbeziehungen ins Wanken bringen konnten.
Leopoldskron bietet jedenfalls die perfekte Kulisse für die filmreifen Auftritte der Gäste. Ihr Zeitvertreib wirkt dagegen angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung zweieinhalb Jahre nach Hitlers Machtergreifung wie ein luxuriöses Ablenkungsmanöver. Aber Politik ist auf dem knapp 50 Hektar großen Besitz kaum mehr als eine Fußnote oder wie einer der Gäste zynisch bemerkt: „Wir befinden uns hier schließlich in einem der letzten künstlichen Paradiese, wo nichts das Auge, den vollendeten Stil oder gar die gute Laune stört.”
Die Wahrheit ist vulgär
Das Sommervergnügen erzählt Singer aus der Sicht der schönen Eleonora von Mendelssohn, die an ihrer als Liebe fehlinterpretierten Schwärmerei für den Theaterfürsten Reinhardt sowie der Dirigentendiva Toscanini zu zerbrechen droht. Immer wieder schafft es dabei die in Kunstgeschichte sowie Musik- und Literaturwissenschaft promovierte Schriftstellerin mit ihrer Sprache, die menschliche Komödie, die historisch kurz vor der Tragödie steht, wie ein überbordendes Barockgemälde zu entwerfen. Dann traktieren sich die Schlossbewohner in geistreichen Dialogen mit alles andere als wohlerzogenen Spitzen, wobei Hochmut Pflicht, Wahrheit vulgär und eine gut positionierte Pointe die obersten Maximen sind. Selbst die Bewegungen erscheinen da wie für die Nahaufnahme einstudiert: „Molnár nahm das Monokel aus dem Auge, Lid und Braue fielen herab wie eine Draperie. In seinem fahlen Gesicht wetterleuchtete es, während er mit einem großen Taschentuch das Glas putzte.”
Manchmal wendet jedoch die Autorin das barocke Grundwissen etwas zu inflationär an: Caravaggios Narcissus muss dann ebenso herhalten wie Berninis äußerst weltlich verzückte Theresa, die sich übrigens nicht im Petersdom, sondern in der Santa Maria della Vittoria-Kirche in Rom befindet. Gleichzeitig hat sich Singer mal wieder dem Risiko ausgesetzt, historische Persönlichkeiten in ein eigenes Drehbuch einzuspinnen. Das, was eigentlich mit einem Fragezeichen belegt sein müsste, wird als etwas Fixes ausgegeben. Dafür hat die Autorin scheinbar alles perfekt arrangiert: Die edlen Düfte aus der Küche, die hübsche Tapete des chinesischen Zimmers und das feine Porzellan, auf dem der Kaviar serviert wird. Nur wirkt fast ebenso arrangiert leider streckenweise die Handlung und verkommt dabei zum reinen Dekor.
Aber genauso wie man die Zuckerstadt Salzburg für eine Kulisse halten kann und verwundert ist, wenn sich hinter den Fassaden doch festes Mauerwerk verbirgt, gelingt es der Schriftstellerin, ihre Eigenkreation der Geschichte immer wieder mit charmanter Leichtigkeit vor Kitsch zu bewahren und damit die Runde um Max Reinhardt zu einem kurzweiligen Gesellschaftsstück zu verknüpfen.LAURA WEISSMÜLLER
LEA SINGER: Vier Farben der Treue. Roman. Deutsche Verlags Anstalt, München 2006. 219 Seiten, 17,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Besprechung von 04.04.2007
Tänze auf dem Vulkan
Die Klatschgeschichte unserer Kultur: Lea Singers neuer Roman

"Die Herrschaften sollen daran denken, was auf sie zukommt." Die Köchin Anna meint ihr üppiges Abendessen, aber auf die Gäste, die sich 1935 auf Schloss Leopoldskron versammelt haben, kommt tatsächlich Schlimmes zu: Anschluss, Krieg, Exil oder gar der Tod. Aber daran will man auf der Insel der Seligen noch nicht denken. "Das Schöne an diesen Festspielsommern ist ja gerade, dass jeder der letzte sein kann", sagt Max Reinhardt, der hochverschuldete Hausherr. "Man hat den Geschmack der Vergänglichkeit auf der Zunge." Auf die Herrschaften warten exquisite Genüsse, Champagner, Kaviar, ein "Fidelio" von Toscanini, geistreiche Tischgespräche, erotisches Getändel. Danach kann die Sintflut ruhig kommen.

Reinhardt hat die Bühne bereitet, "Kätchen" Kommer, sein genialer Majordomus, der "die Juden jodeln und die Nazis jüdeln lässt", gibt sibyllinische Regieanweisungen, und alle spielen mit: Hofrätinnen und Herrenreiter, Dandys und Diven, Berliner Salonbolschewisten und Austrofaschisten mit Wiener Schmäh. Kurt Weill und Fritzi Massary sind da, Ferenc Molnár und Rudolf Forster, Franz Werfel samt seiner berüchtigten "Genieamme", Toscanini und seine Anbeterin Eleonora von Mendelssohn; ihr dekadenter Bruder Peter kommt im weißen Leinenanzug, Gaudibursch Carl Zuckmayr in Lederhosen. Der grüne Hügel von Bayreuth ist bereits braun, und die Salzburger Nächte sind auch schon gewitterschwül. Aber wenn die Kultur untergeht, dann bitte als Festspiel und große Oper, dirigiert vom Maestro persönlich und inszeniert von Reinhardt.

Alles ist mithin Theater: Pose, Kulisse und Kostüm. Es gibt große Auftritte, funkelnde Bonmots, pathetische Monologe, auch eher schmierentheatralische Stilmittel wie heimliche Lauscher und Späher am Schlüsselloch. Wenn "Luxusverwahrloste" über Treue und Verrat in Politik und Liebe reden, wenn schamlos eitle Künstler im Jahr 1935 zusammenkommen, muss es wohl zugehen wie in Klaus Manns "Mephisto". Zuckmayr fühlt sich sogar an Versailles am Tag vor der Erstürmung der Bastille erinnert, "nur bewusster, geistig klarer und lichter, wie es einer musischen Elite geziemt".

Lea Singer kennt das Milieu und kann schreiben; ihre historischen Romane über Marie-Antoinette, Mozarts Frau ("Das Nackte Leben") und eine "WahnsinnsLiebe" in der Wiener Künstlerboheme um 1900 bezeugen es. Auch diesmal hat sie wieder viel Pikantes und Interessantes aus einschlägigen Memoiren ausgegraben und zum Teil wörtlich eingearbeitet: Wer wen mit wem betrog oder "schmieriges Literatenferkel" nannte. "Vier Farben der Treue" vergisst keine "avventura amorosa" von Toscanini, keine Affäre von Alma Mahler-Werfel, keine boshafte Sottise von Reinhardt. Es ist eine wohlrecherchierte kulturgeschichtliche Studie, vielleicht sogar ein Theaterstück. Aber kein guter Roman.

In spätbarockem Luxus schwelgend, Opfer ihrer Süchte und Sehnsüchte, verlieren die prominenten Gäste alle Hemmungen und die Autorin jede Distanz. Almschi und Franzl, Liesl (Bergner) und Kurti (Weill): Man kennt sich und hasst sich, man schäkert und intrigiert, und Singer lauscht nur zu gern an der Tür, wenn die Großen sich klein und gemein machen. Es gibt auch eine Art Handlung. Eleonora, die ungeliebte Kulturzicke, die schon mehr als einen großen, alten Künstler mit ihren "begehrlichen Überfallen" heimsuchte, ist nach Salzburg gekommen, um ihren alten Freund Reinhardt (es darf aber auch der noch ältere Arturo sein) ins rettende Exil und vor den Traualtar zu führen; dass alle Beteiligten verheiratet sind, stört niemanden.

Aber obwohl Ele reicher, schöner, jünger, klüger und mondäner als der alte Drachen Mahler-Werfel ist, hat sie bei den Männern weniger Glück; möglicherweise fehlt ihrem Parfum die "koprophile Note" der dämonischen Domina. Max, der Heuchler, ist für eine Affäre, aber nicht für Amerika zu haben; Arturo, der alte Gockel, kehrt immer wieder zu seiner Carla zurück. Als Genie-Groupie wie als Fluchthelferin gescheitert, greift die arme reiche Frau am Ende zur Spritze; ob es Morphium oder Gift ist, bleibt offen.

Nicht zufällig erinnert das Schicksal der Mendelssohn-Geschwister an das von Klaus und Erika Mann: Eleonora starb (übrigens nach einer Affäre mit dem alten Toscanini) 1951 unter ungeklärten Umständen, ihr Bruder Paul nach einer Odyssee durch Entziehungs- und psychiatrische Kliniken 1972 in New York. Das steht in einem "kommentierten Personenregister", das auch dringend nötig ist. Singer lässt nämlich zahllose Puppen auf dem Vulkan tanzen und bei Tisch "funkelnde Namen fallen, als streute eine Märchenkönigin Juwelen". Churchill und Goebbels, Einstein und die Duse, Karl Kraus und Werner Krauß, Gründgens und Freud: Zu jedem Kulturträger hat sie eine pikante Anekdote, eine frivoles Bonmot parat.

"Warum gleiten wir immer ins Erotische ab, wenn wir beim Politischen sind?" In der sexuellen Treulosigkeit bahnt sich natürlich der Verrat der Intellektuellen an. Mit dem Gründgens-Spezi Francesco zu reden: "Die Treuen kennen nur die banale Liebe. Die Untreuen kennen den Abgrund, die Tiefe, die Tragödie." Die Untreue schillert rot und braun, privat und politisch, vor allem aber in den grellen Farben von Klatsch und Kitsch: Lea Singers Decamerone des Exils ist vor allem eine chronique scandaleuse des Salonantifaschismus.

MARTIN HALTER

Lea Singer: "Vier Farben der Treue". Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006. 222 S., geb., 17,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Fabelhaft, umwerfend, grandios. Dieses Buch ist in allen Sätzen erotisierend. Eine fast göttliche Prosa." - Süddeutsche Zeitung

"Ein Glücksfall für literarische Feinschmecker." - Die Welt

Zu Wahnsinns Liebe:

"Singers Roman ist ein sinnliches Erlebnis, erzielt mit Worten das, was wahrer Kunst zugeschrieben wird: eine geradezu synästhetische Wirkung." - Stuttgarter Nachrichten

Zu Das nackte Leben:

"Mit Sinn für Atmosphäre schafft die Autorin eine Welt des Rokoko, so wie sie fernab des höfischen Zeremoniells in Wien, Prag und Salzburg zu erleben war." - Deutschlandradio Kultur

"Einfühlsam erzählt." - Brigitte

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Wieder einmal lasse Lea Singer historische Personen in einer fiktiven Inszenierung auftreten, führt uns Rezensentin Laura Weissmüller in die aparte Sachlage des Jahres 1935 ein. Der Ort der Handlung, Schloss Leopoldskron, hat tatsächlich Max Reinhardt gehört, der im Roman eine illustre Runde von Stars und Sternchen zur Festivalzeit in Salzburg als Gastgeber eingeladen habe. Der Rezensentin zufolge gelingt der Autorin nun das schier Unmögliche, es werde keineswegs kitschig, obwohl die vielen geistreichen Menschen viele geistreiche Dialoge führten und überhaupt alles wie aus dem Ei gepellt wirke. Mit "charmanter Leichtigkeit" und viel Esprit entwerfe die Autorin eine Art "Barockgemälde", das nur in seiner Handlung ein wenig zu inszeniert wirke. Mit ihrer gelungenen Sprache, so die Rezensentin, verwandle Lea Singer das artifizielle "Gesellschaftsstück" jedoch zu einer stets unterhaltsamen Lektüre.

© Perlentaucher Medien GmbH