Stimmen der Straße - Dick, Philip K.

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Kalifornien, Anfang der fünfziger Jahre. Eigentlich führt Stuart Hadley ein glückliches Leben. Er stammt aus einer wohlsituierten Familie, sein Job bietet gute Perspektiven und seine Frau wird bald ihr erstes Kind zur Welt bringen. Aber Stuart Hadley ist ein Getriebener, unzufrieden mit seinem vermeintlich so vollkommenen Leben. Ständig ist er auf der Suche, ohne zu wissen, wonach. Als er sich mit einer rätselhaften Frau namens Marsha Frazier einlässt, die eine neofaschistische Zeitschrift herausgibt, gerät sein Leben außer Kontrolle. Durch sie lernt Hadley den charismatischen Sektenführer…mehr

Produktbeschreibung
Kalifornien, Anfang der fünfziger Jahre. Eigentlich führt Stuart Hadley ein glückliches Leben. Er stammt aus einer wohlsituierten Familie, sein Job bietet gute Perspektiven und seine Frau wird bald ihr erstes Kind zur Welt bringen. Aber Stuart Hadley ist ein Getriebener, unzufrieden mit seinem vermeintlich so vollkommenen Leben. Ständig ist er auf der Suche, ohne zu wissen, wonach. Als er sich mit einer rätselhaften Frau namens Marsha Frazier einlässt, die eine neofaschistische Zeitschrift herausgibt, gerät sein Leben außer Kontrolle. Durch sie lernt Hadley den charismatischen Sektenführer Theodor Beckheim kennen, der ihm helfen soll, endlich zu sich selbst zu finden ... In Philip K. Dicks frühen Gesellschaftsromanen findet sich bereits jene Thematik, die ihn später als Science-Fiction-Autor berühmt machen sollte: die Suche nach Identität in einer trügerischen Welt. So demaskierte er bereits in seinem 1953 abgeschlossenen, erst posthum veröffentlichten Roman "Stimmen der Straße" den Amerikanischen Traum als fatale Illusion, die dunklen, subversiven Mächten das Feld bereitet.
  • Produktdetails
  • Verlag: Liebeskind
  • Seitenzahl: 396
  • Erscheinungstermin: August 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 149mm x 35mm
  • Gewicht: 588g
  • ISBN-13: 9783935890724
  • ISBN-10: 3935890729
  • Artikelnr.: 29610882
Autorenporträt
Philip K. Dick, 1928 in Chicago geboren, gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Science-Fiction-Autoren. Er schrieb 45 Romane und über 120 Kurzgeschichten, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Trotzdem konnte er zeit seines Lebens kaum vom Schreiben leben, die literarische Anerkennung durch ein breites Publikum blieb ihm lange verwehrt. Erst nach seinem Tod wurde sein Werk auch über die Grenzen der Science-Fiction hinaus bekannt, vor allem durch erfolgreiche Verfilmungen wie Ridley Scotts "Blade Runner" oder Steven Spielbergs "Minority Report". Philip K. Dick starb 1982 in Kalifornien an den Folgen eines Schlaganfalls.
Rezensionen
Besprechung von 26.10.2010
Dielen des Universums
Parzivals Amoklauf: Philip K. Dicks Frühwerk

Wer mit Philip K. Dick bislang nur Replikanten, Androide und elektrische Schafe verbunden hat, dürfte sich zunächst wundern über diesen realistisch gehaltenen Roman. In seinen knapp dreißig Schaffensjahren schrieb Dick etwa fünfzig Bücher, vor allem Romane und Erzählungen. Die acht frühen realistischen, sogenannten mainstream novels sind erst posthum erschienen und kommen auch hierzulande erst nach und nach auf den Markt. Wie manche seiner frühen Werke evoziert "Stimmen der Straße" das Amerika der fünfziger Jahre, den Koreakrieg und die McCarthy-Ära, die Drohung der Atombombe, den Kalten Krieg und eine materialistisch orientierte Welt, in der es vor allem um lebenserleichternde Maschinen geht: solche, mit denen man vorwärtskommt, also Autos, und solche, die einen aus der Welt bringen, nämlich Fernseh- und Hifi-Geräte.

Dick selbst arbeitete mit sechzehn Jahren in einem Radio- und Fernsehladen. Er schätzte die Tüftler und Bastler, sie werden immer wieder in seinen Werken auftauchen. Der Roman erzählt vom Schicksal eines intellektuellen Rebellen in Kalifornien, der mit seiner Arbeit als Fernsehmonteur und sich selbst unzufrieden ist. Der Träumer, immer auf dem Weg ins Anderswo, stellt die Sinnfrage in einem materialistisch vermüllenden Amerika. Aber dem neuen Parzival, der mit Naturkostläden als Antwort nicht zufrieden ist, bleibt nur der Ausbruch. Kaum wird ihm der Aufstieg in der Hierarchie des Ladens geboten, kommt es zur Eruption. Stuart Hadley lässt seine Frau im Stich, flieht mit ihrem gemeinsamen Baby, prügelt und besäuft sich und findet sich in den Deponien dieser Welt wieder.

Geschickt zeigt Dick, wie der Held umzingelt wird von Ansprüchen der Familie und Gesellschaft, wie er zunehmend zum Gejagten wird. Zunächst scheint die Sekte eines schwarzen Predigers, der die Apokalypse an die Wand malt, Zuflucht zu bieten. Eine andere Falle stellt jene dürre Frau dar, die bei Oswald Mosley in England war und eine faschistische Zeitschrift herausgibt, Juden und Schwarze eigentlich hasst, aber doch mit dem Prediger zusammenlebt. Hadley ist fasziniert und abgestoßen zugleich. Es kommt zu einer grausamen Szene zwischen ihr und dem Fernsehmonteur, der sie vergewaltigen will. Damit beginnt für den Antihelden eine Spirale der Flucht, des Hasses und der Zerstörung. Man wundert sich, dass der Protagonist am Ende doch noch die Kurve kriegt - er hat es seiner Frau zu verdanken, die ihm alles verzeiht, wie auch Dick in seinem schwierigen Leben vieles den Frauen zu verdanken hatte.

Eine Alternative, und hier nimmt Dick die Hippie-Bewegung vorweg, scheint schließlich nur noch auf einer Fahrt in die stadtferne Natur auf, denn dort, zwischen Obstbäumen und Ziegen, wird Hadley bewusst, dass es noch eine Menge Dinge gibt, die darauf warten, getan zu werden. Das klingt nach Eskapismus, doch wer rückblickend von Dicks Science Fiction aus diesen Roman liest, wird so manche Anknüpfungen finden: Die amerikanischen Vorstädte und der triste Alltag wuchern fort in der technischen Zukunft. Deutschland und der Faschismus, die im vorliegenden Roman angedeutet werden, behandelte der Germanist und Wagnerliebhaber in der Alternativgeschichte "Das Orakel vom Berg". Auch Verfolgungswahn, Halluzination, Apokalypse und die Frage nach dem, was eigentlich Wirklichkeit ist, sind keimhaft in "Stimmen der Straße" angelegt. Bald sollten sie mental, virtuell und jenseits der gewohnten Gefüge von Zeit und Raum erprobt werden, in Dicks Romanen "Valis" oder "Simulacra" etwa. "In meinen Romanen", sagte Dick einmal, "werden die Fußbodendielen des Universums sichtbar." In dieser Vorstadtgeschichte sind die Dielen des Universums noch sehr amerikanisch, doch die Messerschneiden schauen schon heraus.

ELMAR SCHENKEL

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Elmar Schenkel kann sogar in diesem frühen realistischen Roman von Philip K. Dick schon die später in seinen Replikanten- und Androiden-Sagas auftauchenden Motive erkennen: Die Tristheit der Vorstädte und des Alltags, Halluzinationen, die Apokalypse. Hier freilich Teil einer Geschichte aus dem Amerika der 50er Jahre. Wie ein Fernsehmonteur, ein Träumer, plötzlich ausschert aus einer schwer materialistisch orientierten Welt, wie er in eine Spirale aus Flucht, Hass und Zerstörung gerät und erst zur Natur und schließlich wieder zu seiner Frau zurückfindet, das trägt für Schenkel nur auf den ersten Blick eskapistische Züge.

© Perlentaucher Medien GmbH