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Eine Hütte an einem Berghang in den Alpen, umgeben von Fels und karger Natur. Hier will eine Frau das Wesen der Einsamkeit erforschen. Sie erlegt sich die Einschränkungen des Alleinseins auf, um seine Freiheiten zu erfahren. Systematisch setzt sie sich mit ihrer Umgebung auseinander: erkundet, vermisst, pflanzt, erntet, trainiert Körper und Geist, trotzt dabei den immer extremeren Wetterverhältnissen. Jedes Mal, wenn die Felsmassen unter dem Donner erzittern, scheint das Ende der Welt ein Stück näher zu rücken - doch noch etwas anderes nähert sich ihr in ihrer Ausgesetztheit. Ein Mensch? Ein…mehr

Produktbeschreibung
Eine Hütte an einem Berghang in den Alpen, umgeben von Fels und karger Natur. Hier will eine Frau das Wesen der Einsamkeit erforschen. Sie erlegt sich die Einschränkungen des Alleinseins auf, um seine Freiheiten zu erfahren. Systematisch setzt sie sich mit ihrer Umgebung auseinander: erkundet, vermisst, pflanzt, erntet, trainiert Körper und Geist, trotzt dabei den immer extremeren Wetterverhältnissen. Jedes Mal, wenn die Felsmassen unter dem Donner erzittern, scheint das Ende der Welt ein Stück näher zu rücken - doch noch etwas anderes nähert sich ihr in ihrer Ausgesetztheit. Ein Mensch? Ein Tier? Was oder wer auch immer der Eindringling ist, zwischen den sturmumtosten Gipfeln, ausgesetzt dem rohen Spiel der Elemente, auf einem schmalen Grat zwischen Wahn und Erkenntnis, braut sich etwas zusammen. Die Wege der beiden Eremiten werden sich bald kreuzen - denn die Welt fordert zum Spiel auf, und spielen kann man nicht mit sich allein.
  • Produktdetails
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Originaltitel: Le Grand Jeu
  • Seitenzahl: 185
  • Erscheinungstermin: 2. Februar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 129mm x 22mm
  • Gewicht: 292g
  • ISBN-13: 9783957575265
  • ISBN-10: 3957575265
  • Artikelnr.: 49913546
Autorenporträt
Minard, Céline§§Céline Minard, 1969 in Rouen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Paris. Ihre Bücher wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Franz-Hessel-Preis für So Long Luise (20011) und mit dem Prix Virilo (2013) und dem Prix du Livre Inter (2014) für faillir être flingué.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.02.2018

Die Aufmerksamkeitsathletin
Nüchtern, präsent bis zur Euphorie und einfach da: Céline Minard besiedelt in ihrem Roman „Das große Spiel“ das Hochgebirge
Eine Frau. Allein in der Natur. An der Grenze zur Unwirtlichkeit hat sie ihr Lager aufgeschlagen, eine „Lebensröhre“, verankert auf einem Granitvorsprung, halb ragt sie ins Leere, wie ein Flugzeugrumpf, der zwischen Abgrund und Fels schwebt. Eine kühne Kunststoff-Konstruktion, so schlicht wie es geht, aber hochmodern und mit Panorama-Rundfenster in die Schlucht.
Oft wird sie im Verlauf des Textes die großartige Kulisse beschreiben, die sie von hier aus sieht, ohne dass je der Name eines der umliegenden Gipfel genannt wird. Es gibt kein Handy, nie wird ein Monat oder die Länge eines Zeitraums genannt. Hier oben scheinen Namen und die gestundete Zeit, ja alle Geschehnisse und Spielregeln aus der Welt da unten nichts mehr zu gelten, man weiß am Ende nicht, ob das Ganze in den Pyrenäen oder den Alpen gespielt hat, man kennt nicht mal den Namen der Frau geschweige denn ihre Vorgeschichte, und doch hat man selten so intensive Zeit mit einem Menschen verbracht wie nach der Lektüre dieses Romans.
Céline Minard geht immer aufs Ganze. Ob Schelmenroman, Science-Fiction, testamentarische Lebensbeichte oder mittelalterliche Erzählung – in jedem ihrer Bücher stürzt die Pariser Autorin sich kopfüber in ein neues Genre, ja sie scheint sich die Genres anzuziehen wie einen Kampfanzug und dann zu schauen, wie weit man das jeweilige Erzählgewebe dehnen kann, ohne dass es zerreißt. In ihrem 2014 auf Deutsch erschienenen Western „Mit heiler Haut“ ist es ihr sogar gelungen, das vielleicht lebloseste und gewiss männlichste aller Genres neu zu beleben, mit einer Heldin, deren sarkastische Sprüche tiefer ins Herz ihrer Gegner treffen als jede Kugel es könnte.
Nie aber war sie wohl so in ihrem Element wie in dieser Robinsonade, einem Abenteuerroman, angesiedelt auf ungefähr 2000 Metern Höhe: Die Erzählerin hat sich in dieser kargen Landschaft 200 Hektar Land gekauft. Jetzt will sie die Einsamkeit erforschen, wie andere vor ihr fremde Länder erkundet haben. Planvolle Landnahme, genaue Vermessung, täglicher Ackerbau. Gefährliche Erkundungsgänge durchs steile Felsgestein, das Anlegen von Beeten, Angeln, Jäten, Solarzellen anschließen – der praktische Alltag wird knapp und minutiös zugleich geschildert. Wäre man in den Alpen längere Zeit auf sich gestellt und hätte nichts als dieses Buch dabei, kann sein, dass es einen retten würde.
Sie scheint keine Angst zu haben hier oben, im Gegenteil, sie will nirgends anders sein: „Diese Welt der Abgeschiedenheit, der Leere, der großen Kälte, der bleiernen Hitze, des harten Felsens, der Stille und der Schreie der Tiere lässt einem kaum eine Wahl. Sie ist ein genauer Lotse (...) Ich habe ihr zutiefst zugestimmt.“
Paul Valéry schrieb einmal, man könne die Sprache auf zweierlei Weise beherrschen: „entweder wie der Athlet seine Muskeln oder wie der Anatom die Muskeln. Zweierlei (Er)Kenntnis. Man muss Anatom und Athlet vereinigen.“ Minard ist erzählerische Athletin, ihr Text ist so muskulös und sehnig wie ihre Protagonistin. Das fängt schon damit an, dass Minard selbst immer wieder monatelang in den Bergen unterwegs ist, sie klettert leidenschaftlich, man spürt das, wenn sie davon schreibt, jeder Handgriff sitzt, im Text wie im Gelände. Gleichzeitig hat der Roman in seiner erzählerischen Ökonomie selbst etwas Athletisches, von der ersten Seite an ist er straff gespannt wie ein Seil oder wie ein Bogen, der in das Abenteuer zielt, das hier oben wartet.
Minard ist aber zugleich souveräne Anatomin und das hebt ihr Buch über so viele andere Abenteuerromane oder Survival-Geschichten heraus. Die studierte Philosophin schickt ihre Heldin nicht in die Einsamkeit, um ihre Vergangenheit zu reflektieren, Alpenlyrik zu verzapfen oder sich selbst in ihrem anstrengenden Tun zu vergessen, sondern um, im Gegenteil, radikal da zu sein, präsent bis zur Euphorie. „Könnte man sich nicht einen Athleten der Aufmerksamkeit vorstellen, der imstande wäre, eine Gegenwart von mehreren Dutzend Jahren zu bilden“, fragt sie. „Oder könnte man sich nicht eine Aufmerksamkeit von solcher Qualität vorstellen, dass sie eine lang andauernde Gegenwart in den Bruchteil einer Sekunde kondensieren könnte?“
Wittgenstein in seiner norwegischen Hütte fällt einem ein. Oder Marc Aurel, der stoische Lebenspragmatiker. Sie selbst nennt ihre Behausung mal „meine Tonne“ und erweist sich so als ferne Verwandte des Diogenes, der so radikal nach dem Glück fragte und danach, was der Mensch wirklich braucht für das Leben, das hier oft „Das große Spiel“ genannt wird.
So ist das Buch also Abenteuerroman und philosophisches Tagebuch in einem. Käme man dieser Frau mit luftigen Fragen nach Sinn und Zweck des Daseins, sie würde einen wahrscheinlich zum Jäten oder Klettern schicken. Der Sinn des Lebens ist das Leben, also lebe. Käme man ihr mit Sonnenuntergangsgeschwärme, würde sie einen vielleicht sogar wortlos über den Abhang schubsen. Nichts läge diesem Text ferner als Naturkitsch, Minard ist eine sehr nüchterne Erzählerin. Gerade dadurch aber wirken die jähen Glücksmomente „inmitten der Berge, zwischen Felsen, Meteoren, Wiesen, dünnem Sauerstoff und Anstrengung“ so ungemein stark, die kurzen Sätze der Erfüllung wie Brühwürfel, die im Gedächtnis aufgehen und noch lange nachschmecken. Nathalie Mälzer, die schon die letzten beiden Romane von Minard mustergültig ins Deutsche übersetzt hat, trifft glücklicherweise beides, den nüchternen Tagebuchton wie den fast schon poetisch knappen Stil der philosophischen Skizzen.
Und dann, plötzlich, scheint noch ein zweiter Mensch in dieser Wildnis zu sein. Gerätschaften verschwinden. Geräusche kommen aus dem Wald. Die unheimlichen Anzeichen werden so gekonnt in der kargen Idylle dieses Textes verteilt, dass man still hofft, Céline Minard möge sich bei ihrem nächsten Roman mal am Horrorgenre versuchen. Hier oben aber begegnet die Erzählerin dem seltsamen anderen Menschen mit der Heiterkeit dessen, der nichts zu verlieren hat. Der den Mut hat, sich wirklich dem Leben auszusetzen. Und der am Ende, auf einem der umliegenden Gipfel, alles riskiert.
ALEX RÜHLE
Hier oben scheinen die Namen
und die gestundete Zeit aus der
Welt unten nichts mehr zu gelten
Was braucht man wirklich
für das Leben, das hier nur als
„das große Spiel“ erscheint?
Céline Minard.
Foto: Joel Saget / AFP Photo
Céline Minard: „Das große Spiel“. Roman. Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2018.
192 Seiten, 20 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Alex Rühle schaut staunend und bewundernd zu Céline Minard auf, wenn von einem radikalen Rückzug auf 2000 Meter Höhe erzählt, wo sich die Erzählerin in aller Einsamkeit die gewaltige Natur aneignet. Rühle feiert geradezu, wie scharfsinnig Minard Abenteuerroman und philosophisches Tagebuch verflicht, dabei mit Horrorelementen nicht spart und die Konfrontation mit der Natur unverfälscht und imposant schildert, ohne jemals einer Romantisierung zu verfallen. An der nüchternen Erzählweise der französischen Schriftstellerin, die von Western bis Sciencefiction alle Genres stilsicher zu beherrschen scheint, erkennt und schätzt Rühle: Hier geht es nicht um das Grübeln über den Sinn des Lebens im asketischen Rückzug, es geht um das Leben selbst. So besticht das Buch mit präzisen und klaren Sätzen, die die eigene Begeisterung der Autorin für das Klettern und die Berge spiegeln: "Jeder Handgriff sitzt, im Text wie im Gelände", hält Rühle überwältigt fest.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.07.2018

Die großeAbkapselung

Anarchisch-alpiner Buddhismus: Die französische Autorin Céline Minard ist eine versierte Genre-Jongleurin. Jetzt hat sie mit "Das große Spiel" einen Überlebensroman geschrieben.

Eine elementare Versuchskonstellation: Als Haus eine Überlebenskapsel, "eine Lebensröhre", an einen steilen Berghang geheftet. Vorräte - von Trockenfrüchten bis Rum - und gutes Werkzeug, um einen Garten zu kultivieren, Berge zu erklimmen, Tiere zu erlegen. Ein wildes Territorium von zweihundert Hektar. Der feste Vorsatz, sich eine Methode aufzuerlegen, die aus nützlichen Gesten und beruhigenden Routinen besteht. Das sind die Vorgaben, die sich die anonyme Erzählerin und Protagonistin macht, die Céline Minard "Das große Spiel" spielen lässt. Sie berichtet, wie es sich im Laufe eines halben Jahres, zwischen Frühjahr und Herbst, in luftiger Höhe entwickelt.

Céline Minard hat das deutsche Publikum durch den Western "Mit heiler Haut" und die rockige Lebensbeichte "So long, Luise" als versierte Genre-Jongleurin kennengelernt: Dieses Mal versucht sie sich in dem des Überlebensromans. Auf den Fußstapfen Hemingways lässt sie ihre Protagonistin auf die Wildnis prallen, auch wenn das namenlose Bergmassiv am ehesten in den europäischen Alpen zu vermuten wäre. Während die Berge in "So long, Luise" Schauplatz einer drogenbefeuerten Orgie waren, dienen sie nun als Kulisse einer asketischen Existenz: "Die Gesten der Autarkie ausüben, einfache, alltägliche Gesten, das waren die Gewohnheiten, die ich mir zulegen wollte. Ich habe dieses Gebiet mit seinen besonderen Bedingungen besetzt, ein Gebiet, das es mir erlaubt, nicht jeden Morgen einem Undankbaren, einem Schwachsinnigen, einem Neider zu begegnen. Das mir die Freiheit lässt, an andere Dinge zu denken, bei einer nützlichen und mechanischen Tätigkeit."

Der Beginn der alpinen Abkapselung lässt sich gut an: Es ist Frühling, der Garten gedeiht, unsere Namenlose fischt Forellen und entdeckt schöne oder ihre bergsteigerischen Talente herausfordernde Ecken. Ein kleine Felsplateau, mitten im Hang gelegen, ist beides: "Ich stand auf einem vielleicht zwanzig Quadratmeter großen Vorsprung, auf dem ein Rinnsal durch einen Teppich aus Moos und Gräsern strömte. Es gab Blumen. Steinbrech und Katzenpfötchen. Der Fels war grün überwuchert. Die Temperatur war angenehm. Man konnte seine Kletterschuhe ausziehen und barfuß laufen. Es fehlte nichts als Vogelzwitschern. Oder eine Leier. Es fehlte nichts, denn es gab das Plätschern des Baches."

Céline Minard liefert einen locus amoenus, einen Lustort, der nach der klassischen Definition von Ernst Robert Curtius entworfen scheint. Obendrein spielt sie mit der Referenz, die Erwähnung der Hirtenmusik und der Fund eines Vergil-Bandes belegen, dass sie den Topos kennt. Vor allem setzt Minard ihr eigenes Programm: Weder Leierspiel noch Vogelsang braucht es, wenn die elementare Natur zu Wort kommt.

In dieser mal erhabenen, mal idyllischen Szenerie findet sich die Erzählerin gut ein - bis sich eines Tages ein Mensch zeigt. Und was für einer! "Das Gesicht war frappant, ein runder Schädel, mit einem kurzen weißen Flaum bedeckt, aufgeblasene Wangen, hohl und bartlos, kaum erkennbare Brauen, lange Wimpern, Haut wie Pergament." Der Sonderling sieht aus wie ein "Wollpaket" und setzt einen zwanzig Zentimeter langen Fingernagel geschickt ein. Es scheint sich um einen Mönch zu handeln, der auf dem Gebiet der Erzählerin seine Gewohnheiten pflegt, wie nächtliche Gongschläge im Wald verraten. Durch den Neuzugang lässt er sich nicht abschrecken; auch den schwer zugänglichen Lustort besetzt er, stürzt frech die dort gelagerten Rumvorräte. Die gesuchte Einsamkeit ist dahin.

Die Erzählerin weiß anfangs nicht, ob sie dieses halb animalische Etwas überhaupt als Mitmensch ernst nehmen soll. Beunruhigend ist es: "Was treibt dieser verdammte Mönch auf meinem Territorium? Ist es ein Überfall, eine durchstreifende Inbesitznahme, Unruhestiftung?" Ein Territorialstreit flammt auf, der Mönch lässt sich jedoch nicht einschüchtern und erwidert Provokationen mit gelassener Schamlosigkeit: "Aber ich kann ihm nicht drohen. Wer sollte einem Idioten ein Versprechen geben (mit Ausnahme eines anderen Idioten)? Man muss den anderen Idioten spielen. Also werde ich den anderen Idioten spielen. Die Idiotin. Ja!" So wird das Wollpaket zum Prüfstein des Projekts Einsamkeit.

Das Wesen erweist sich als unerwartet komplex. Es ist gar kein Mönch, sondern eine Frau, die zwar obszön schmutzig und fürchterlich primitiv ist, aber zugleich äußerst behende: Sie baut eine Seiltanzanlage und betanzt sie mit der ekstatischen Grazie eines Derwischs, zeigt beeindruckende Talente als Diebin und Bergsteigerin. Neben der animalischen Seite beweist sie große geistige Kraft, der Leser bekommt mehr und mehr den Eindruck, ein fast phantastisches Wesen vor sich zu haben, irgendwo zwischen Murmeltier und Nonne - eine buddhistische Meditations- und Saufkünstlerin. Nach einer Erzählung über einen chinesischen General verleiht die Heldin ihr den Namen Dongbin, der eines Unsterblichen der taoistischen Mythologie. Sie fragt sich, ob sie ihr nacheifern soll: "Heißt Seelenfrieden finden, beweglich und dumm wie ein Huhn zu werden?" Am Ende des halben Jahres hat sie eine Art Modus Vivendi mit ihr gefunden: Die Abgeschiedenheit, die darin besteht, "nicht die Perspektive einer Rettung zu haben", wird Dongbin kaum aufheben - dazu ist sie viel zu unfassbar. Die Erzählerin begreift das putzige Wesen vielmehr als Teil des großen Spiels, weil erst durch einen Menschen, und sei dieser ein halbes Tier, ihre eigene Existenz ganz in die Waagschale geworfen wird.

Céline Minard wiederum gelingt mit "Das große Spiel" ein Roman, der ausgewogener und besser dosiert ist als "So long, Luise". Sie entwirft eine spannende fundamentalexistentielle Konstellation, und durch ihre feine Art, immer einen Schritt zur Seite zu gehen, versteht sie es, die Erwartung stets aufs Neue anzuschüren. Sie ist selbst ein wenig eine Dongbin, welche Landmarken unmerklich verrückt und dem Leser die Orientierung raubt - nur einen Hauch, aber doch genug, um ihm die Erfahrung des Neuen zu bieten. Die Literatur als anarchisch-alpiner Buddhismus: eine spannende Partie.

NIKLAS BENDER

Céline Minard: "Das große Spiel".

Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer. Matthes & Seitz, Berlin 2018. 192 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Die Einsamkeit ist das Trainigscamp, was sie sucht ist das Leben an sich.« - Petra Lohrmann, gute-literatur-meine-empfehlung.de Petra Lohrmann Gute Literatur - Meine Empfehlung 20180501