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Seit die Seuche alles in ihrem Bann hält, darf Matteo seine Wohnung nicht mehr verlassen. Vom Fenster aus beobachtet er eine prachtvoll blühende Magnolie, ansonsten ist das Leben in der kleinen Stadt beinahe zum Erliegen gekommen. Gäbe es nicht die Nichte, die sich um ihn kümmert, und eine Nachbarin, die Blumen und Wein vor seine Tür stellt, wäre er ganz auf sich allein gestellt - seine Frau ist vor wenigen Jahren gestorben. Um die unerhörte Zeit der Pandemie zu meistern, schmiedet Matteo einen Überlebensplan. Sechs Bücher, die vom Alten Testament bis in die Gegenwart führen und sich mit…mehr

Produktbeschreibung
Seit die Seuche alles in ihrem Bann hält, darf Matteo seine Wohnung nicht mehr verlassen. Vom Fenster aus beobachtet er eine prachtvoll blühende Magnolie, ansonsten ist das Leben in der kleinen Stadt beinahe zum Erliegen gekommen. Gäbe es nicht die Nichte, die sich um ihn kümmert, und eine Nachbarin, die Blumen und Wein vor seine Tür stellt, wäre er ganz auf sich allein gestellt - seine Frau ist vor wenigen Jahren gestorben. Um die unerhörte Zeit der Pandemie zu meistern, schmiedet Matteo einen Überlebensplan. Sechs Bücher, die vom Alten Testament bis in die Gegenwart führen und sich mit Seuchen beschäftigen, verschaffen ihm Einsichten über das Leben, das ihm am Ende kostbarer erscheinen wird als je zuvor.
  • Produktdetails
  • Verlag: Kein & Aber
  • 2., Neuausg.
  • Seitenzahl: 202
  • Erscheinungstermin: 1. Juni 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 118mm x 25mm
  • Gewicht: 242g
  • ISBN-13: 9783036958378
  • ISBN-10: 3036958371
  • Artikelnr.: 59263976
Autorenporträt
Meyer, Martin
Martin Meyer, geboren 1951, ist Journalist, Publizist und Buchautor. 1974 trat er in die Feuilletonredaktion der "Neuen Zürcher Zeitung" ein, die er während 23 Jahren leitete. Er wurde u. a. mit dem Kythera-Preis und dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet. Zu seinen Veröffentlichungen gehören "Albert Camus". "Die Freiheit leben" (2013), "Gerade gestern. Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten" (2018) sowie gemeinsam mit Rüdiger Safranski und Michael Krüger Klassiker! (2019). Martin Meyer lebt in Zürich.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.06.2020

Die Pest, fürwahr
Martin Meyers Erzählung "Corona"

Ein gebildetes Buch. Eines über Kafka und Camus, über die Bibel und die Pest, über Thomas Mann und Proust. Kein Wunder bei diesem Autor. Martin Meyer war mehr als zwanzig Jahre lang Feuilletonchef der "Neuen Zürcher Zeitung", und seine zahlreichen Buchpublikationen weisen ihn als profunden Literaturkenner aus. Was macht ein solch lese- und schreibfreudiger Mensch in solchen Zeiten? Meyer hat sich gleich nach Beginn des europaweiten Lockdowns hingesetzt und binnen weniger Wochen eine zweihundertseitige Erzählung verfasst, die ein ebenso tatkräftiger Verlag heute schon auf den Markt bringt. Ihr Titel lautet schlicht "Corona".

Das Buch ist eines der ersten belletristischen Werke zum Thema, und nach allem, was zu hören ist, dürften viele weitere folgen, aber wer meint, es ginge Meyer mit und in diesem Buch nur um die literarische Ausschlachtung der Pandemie, unterschätzt ihn. So etwas überlässt er noch etwas eiligeren Autoren wie den beiden Rostockern Matti Sund und Dorit Biel, die bereits im Mai ihren Roman "Das Corona-Ende" (Steffen Verlag, Berlin) herausgebracht haben: eine stilistisch wie psychologisch desaströs geratene Krankengeschichte um einen fiktiven Schriftsteller, der sich die Angst vorm Sterben und eine Ehekrise vom Leib schreibt. Wahrscheinlich war das Buch im Buch schon vorher fertig, und das Verfassergespann musste nur noch in vierzehntägiger Schreibklausur die aktuelle Rahmengeschichte um die Ansteckung ihres Protagonisten drumher- um stricken, ehe dann alles gut ausgeht.

Bei Meyer dagegen läuft die Handlung ins Offene aus, auch wenn sein Protagonist am Schluss noch ein eindrucksvolles Zeichen der Vitalität von sich gibt: "Das Leben ging weiter. Matteo wollte es mit ganzer Kraft umarmen, wie am ersten Tag." Nun mag man sich fragen, welcher erste Tag damit gemeint ist: der des Säuglings, der jener mittlerweile über siebzigjährige Matteo einmal war, sicher nicht. Es ist vielmehr die belebende Kraft des Lesens, die in "Corona" beschworen wird, denn Matteo ist Buchhändler, ein besonders anspruchsvoller in seiner ungenannten italienischen Heimatstadt, die man wohl mit Lucca identifizieren kann. Matteos Frau ist vor kurzem gestorben, und nun wird seine Einsamkeit noch durch den Zwang zur gesellschaftlichen Isolation vermehrt. Was macht ein leidenschaftlicher Leser in einer derart scheußlichen Situation? "Der Plan war der folgende: Matteo würde sich ein paar Bücher zur Seele nehmen, die sich zu früheren Zeiten mit der Seuche befasst hatten." Es geht in "Corona" also auch um eine Corona literarischer Größen.

Besonders originell ist Matteos Auswahl von Seuchenbüchern indes nicht, obwohl zumindest dem deutschen Publikum der Schweizer Klassiker "Die schwarze Spinne" von Jeremias Gotthelf nicht ganz so präsent sein dürfte wie die zuletzt allenthalben herbeizitierten Pest- und Choleraschilderungen von Boccaccio, Daniel Defoe, Thomas Mann oder Camus. Aber Matteo ficht das nicht an; er hält ja kaum Kontakt zur Welt außerhalb seiner Bücher, also leitet ihn die eigene Erinnerung zu diesen Texten, die im inneren Gespräch dann kurz referiert und betreffs ihrer Relevanz fürs aktuelle Erleben bewertet werden.

Das ist viel Stoff für eine Erzählung - immerhin ein Parforceritt durch die Weltliteratur - und doch auch wenig, denn Matteo bleibt zu sehr Abziehbild seines eigenen Autors (der kluge Bücher etwa zu Camus oder Thomas Mann geschrieben hat). Gibt es Abgründiges in der Figur des Buchhändlers? Wie sollte es das geben? Matteo hat doch Höhenangst. Das ist eines der wenigen Details, die über die Klischeecharakterisierung eines alternden Büchermenschen hinausgehen. Hätte doch Martin Meyer selbst beim Schreiben etwas weniger Höhenangst gehabt.

Wenn er zu albernen Wortspielen wie "Die Krone der Schöpfung, creationis corona, war zur Katastrophenmütze des Planeten geworden" greifen muss, merkt man leider doch recht überdeutlich die Kürze der Zeit, die auf die Abfassung und wohl mehr noch auf die Politur dieses Textes verwendet worden ist. Einmal stellt Matteo zu Camus' "Pest" fest: "Sie nahm ihren Titel buchstäblich und realistisch bis in die kleinsten Einzelheiten." Das bezeichnet genau, woran es Meyers "Corona" gebricht. Es nimmt alles literaturgeschichtlich. Ein eingebildetes Buch.

ANDREAS PLATTHAUS

Martin Meyer: "Corona". Erzählung.

Kein & Aber Verlag, Zürich 2020. 205 S., geb., 20,- [Euro].

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