Öl und Blut im Orient - Bey, Essad
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Essad Bey erzählt mit viel Geist und Witz von seiner Kindheit in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, sowie von seiner Flucht vor der Russischen Revolution 1917, die ihn zuerst quer durch den halben Orient, dann durch den Kaukasus und schließlich nach Istanbul führt - wo dieses Buch endet - bevor er in Berlin eintrifft.…mehr

Produktbeschreibung
Essad Bey erzählt mit viel Geist und Witz von seiner Kindheit in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, sowie von seiner Flucht vor der Russischen Revolution 1917, die ihn zuerst quer durch den halben Orient, dann durch den Kaukasus und schließlich nach Istanbul führt - wo dieses Buch endet - bevor er in Berlin eintrifft.
  • Produktdetails
  • Verlag: Books on Demand / Maurer
  • Überarbeitete Neuausgabe der Erstauflage von 1929
  • Seitenzahl: 270
  • Erscheinungstermin: Februar 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 234mm x 156mm x 16mm
  • Gewicht: 420g
  • ISBN-13: 9783929345308
  • ISBN-10: 3929345307
  • Artikelnr.: 23524978
Autorenporträt
Bey, Essad
Essad Bey was born in 1905, his birth was registered in Kiev. He grew up in Baku. His father gained his wealth in the oil business. When the Russian Revolution broke out, both fled their home country and arrived 1921 in Berlin. Lev converted to Islam in 1922 and assumed the name Essad Bey. Before he died in Italy in 1942 at the age of 36 years, he'd written 16 books, among with are two novels under the pseudonym of Kurban Said, "Ali and Nino" and "The Girl from the Golden Horn". He also wrote countless articles for newspapers and many adventure stories for magazines.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 31.08.2018

Abenteuer eines Chamäleons
„Öl und Blut im Orient“: Vor neunzig Jahren begannen unsere Islamdebatten
mit dem Buch des 24-jährigen, zum Islam konvertierten Juden Essad Bey
VON STEFAN WEIDNER
Man verschlingt dieses Buch in einem Zug, aber bis zum Schluss wissen wir nicht, worum es sich eigentlich handelt: Um ein orientalisches Märchen, um einen Schelmenroman, eine romanhafte Autobiografie, einen Augenzeugenbericht, eine Kulturgeschichte, ein zeitgeschichtliches Sachbuch, eine antibolschewistische Propagandaschrift? Die Frage nach Genre und Wahrheitsgehalt ist alles andere als akademisch. Die leichthin angeschlagenen Themen sind bis heute von größter Sprengkraft.
So schillernd wie das Buch ist sein Autor. Zu seinen Lebzeiten (1905 – 1942) war Essad Bey zwar berühmt und berüchtigt, aber kaum jemand wusste, wer er wirklich war: Für die einen ein Jude, für die anderen ein Muslim, für die einen ein Deutscher, für die anderen ein Russe oder einfach nur ein Spion, Hochstapler, Scharlatan. Halbwegs gesicherte Informationen haben wir über ihn erst seit der großartigen Biografie von Tom Reiss, „Der Orientalist“ (Deutsch 2008).
Lev Nussimbaum, wie er ursprünglich hieß, war das einzige Kind eines im Ölgeschäft zu Wohlstand gekommenen ukrainisch-jüdischen Kaufmanns. Von der bolschewistischen Revolution aus Baku nach Europa vertrieben, ging er in Berlin auf das russische Gymnasium. 1922 konvertierte er in Berlin zum Islam; weniger aus religiösen Gründen als aus Faszination für eine Kultur, die er als offenherziger und kosmopolitischer erlebt hatte als die der Kommunisten und Nationalisten, die seine Familie vertrieben und enteignet hatten. Aus Lev wurde der arabische Name für Löwe, Essad. Unter diesem Namen veröffentlichte er die meisten seiner Bücher, allerdings nicht sein bekanntestes. Wie Reiss nachgewiesen hat, ist Essad Bey nämlich auch der Autor von „Ali und Nino“, einem populären, noch heute lesenswerten Liebesroman aus dem Kaukasus, geschrieben auf Deutsch und publiziert 1937 in Wien unter dem Pseudonym Kurban Said.
Bereits mit Anfang zwanzig regelmäßiger Mitarbeiter der renommierten „Literarischen Welt“, wurde Essad Bey mit seinem nun wieder aufgelegten Erstling auf einen Schlag ein skandalumwitterter Bestsellerautor, gegen den pensionierte deutsche Generäle ebenso polemisierten wie eine kuriose Allianz aus Bolschewisten, Muslimen und Antisemiten.
Obwohl von 1935 an mit Publikationsverbot belegt (deshalb das Pseudonym Kurban Said) und zur Flucht nach Italien genötigt, blieb er bis zu seinem frühen Tod aufgrund einer Gefäßkrankheit ein Anhänger der Faschisten. Ihnen allein traute er zu, den Bolschewismus zu besiegen. Zwar war er ein Vielschreiber. Doch dass er nahezu völlig aus unserem kulturellen Gedächtnis gelöscht wurde, ist ein Unglück. Er war nicht nur einer der wenigen Vorkriegsautoren, die ein populäres, kundiges und sympathisches Orientbild vermittelten; er war von heute aus gesehen auch Urahn und Vorfahre all jener aus der islamischen Welt zugewanderten Autoren, die sich für das Deutsche als ihre Literatursprache entschieden haben. Und auch nach neunzig Jahren liest sich „Öl und Blut im Orient“ wie eben erst geschrieben.
So wenig Essad Bey davor zurückschreckt, die im Titel anklingenden Klischees zu bedienen, so sehr hat er sich zugleich den Kampf gegen Vorurteile auf die Fahnen geschrieben. Nach einigen süffisanten Anekdoten aus dem Harem eines Sultans erklärt Essad Bey aus Anlass der bolschewistischen Plünderungen Bakus von 1918: „Ein Harem ist in den Häusern des Mittelstandes das Zimmer, das die Frau des Hauses – meistens nur eine – mit ihren Kindern bewohnt.“ Und setzt hinzu: „Auch ich wurde geplündert; ich führte die Leute selbst durch mein Zimmer und machte sie auf das und jenes aufmerksam, was sie eventuell gebrauchen könnten. Sie dankten verwundert und griffen zu.“
Mit dem Harem verhält es sich wie mit den europäischen Ethnologen, die nach Baku kommen, um Dinge zu finden, welche die Einwohner seit jeher kannten. Den Tempel der Feueranbeter zum Beispiel, dessen Entdeckung „trotz eifrigen Suchens der Gelehrten nur einem glücklichen Zufall zu verdanken gewesen sei“, wie Essad Bey ironisch schreibt, steht „inmitten des Ölbetriebs und ist ein beliebter Ausflugsort der Stadtbewohner.“
Mit einem Federstrich werden die Anthropologen abgefertigt, die Schädel vermessend durch die Welt zogen: „Die Leute auf dem Lande haben nämlich keine Schädel, die den üblichen Proportionen entsprechen. Der Schädel des Bauern ist willkürlich geformt und entspricht nicht seinen Rassemerkmalen, sondern dem Schönheitssinn seiner Eltern oder noch besser der geltenden Mode“ – Kinderschädel sind formbar! Auch sonst erteilt Essad Bey allen Konzepten von Blut und Rasse eine entschiedene Absage. Mag er mit den Faschisten sympathisiert haben, in seinen Schriften ist er ein Humanist. Die Verbrechen der Bolschewisten werden klar benannt; aber dieselbe Empörung gilt der katastrophalen Situation der einfachen Arbeiter auf den Ölfeldern.
Dabei erspart uns Essad Bey weder die brutalen Details der durchaus wechselseitigen Massaker von Muslimen und Armeniern, noch die nicht weniger brutale Vorgehensweise mal der deutschen, mal der englischen Eroberer Bakus. Das alles wird zusammengehalten vom erzählerischen Rahmen der mit zahlreichen, teils sicher erfundenen Anekdoten angereicherten Jugend- und Fluchtgeschichte. Wir wissen seit der Biografie von Tom Reiss aber auch, dass erschreckend viel daran wahr ist: Die behütete Kindheit inmitten der verfeindeten Ölbarone von Baku, die vorrevolutionären Wirren, der Selbstmord der Mutter, die eine Freundin des jungen Stalin war, die Flucht über das Meer und durch die Wüste, die Verstecke in Kellern und Palästen, bei Freunden und Fremden.
Essad Bey ist ein Simplicissimus des zwanzigsten Jahrhunderts, nur dass der Orient sich seit 1914 nicht in einem dreißigjährigen, sondern einem über hundertjährigen Krieg befindet. Trotzdem wünscht man sich beinah, es würde in der Realität so zugehen wie in diesem Buch: „Die Rettung kam, wie immer, unerwartet und im letzten Augenblick, fast wie in einem Kolportageroman schlimmster Sorte.“
Bis der unerwartete Augenblick endlich eintritt, können wir uns mit diesem bibliophil gestalteten Buch trösten, abgerundet durch eine biografische Skizze über den Autor von Sebastian Januszewski und eine Ortsbegehung Marko Martins in Baku, wo die Erbdiktatur der Aliyevs die blutige Groteske, die Essad Bey geschildert hat, laufend um neue Spielarten erweitert.
Mit einem Federstrich fertigt
Essad Bey die Anthropologen ab,
die ständig Schädel vermessen
Dieser Mann war ein
Simplicissimus des
zwanzigsten Jahrhunderts
Der „Tempel der Feueranbeter“ in Suratschani bei Baku, hier in einer undatierten Aufnahme eines russischen Fotografen. Als Essad Bey den Tempel nach dem Ersten Weltkrieg besucht, steht er „inmitten des Ölbetriebs und ist ein beliebter Ausflugsort der Stadtbewohner“.
Foto: oh
Essad Bey: Öl und Blut im Orient. Autobiographischer Bericht. Mit einem Nachwort von Sebastian Januszewski und einem Essay von Marko Martin. Die Andere Bibliothek, Berlin 2018. 360 Seiten, 42 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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"Man verschlingt dieses Buch in einem Zug ... " Stefan Weidner Süddeutsche Zeitung 20180831

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ist dieses Buch nun ein orientalisches Märchen, ein Schelmenroman, eine Autobiografie oder eine antibolschewistische Propagandaschrift, fragt sich Rezensent Stefan Weidner nach der Lektüre von Essad Beys 1929 erstmals veröffentlichten Werk "Öl und Blut im Orient". Im Grunde egal, denn das Buch "schillert" wie sein Autor, fährt der Kritiker fort, der zunächst Beys Biografie resümiert: Geboren unter dem Namen Lev Nussimbaum als Sohn eines ukrainisch-jüdischen Ölbarons, floh er im Zuge der bolschewistischen Revolution von Baku nach Berlin, konvertierte zum Islam, publizierte früh in der "Literarischen Welt", schrieb nach einem Publikationsverbot unter dem Namen Kurban Said und floh nach Italien, wo er sich bis zu seinem frühen Tod den Faschisten anschloss. Von Faschismus entdeckt der Rezensent in diesem seiner Meinung nach brandaktuellen Werk allerdings keine Spur - vielmehr lernt er den Autor als "Humanisten" kennen, der ein ebenso aufgeschlossenes wie kenntnisreiches Bild des Orients vermittele, gegen Klischees und "Blut- und Boden"-Konzepte anschreibe, die Verbrechen der Bolschewisten benenne, zudem amüsante Anekdoten liefere. Die "bibliophile" Edition, das instruktive Bey-Porträt von Sebastian Januszewski und Marko Martins Ortsbegehung in Baku lassen den Rezensenten eine klare Leseempfehlung aussprechen.

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