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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin

Viel wusste ich bislang nicht über Ludendorff. In dieser Ludendorff - Biografie stellt Nebelin mir das "Rätsel Ludendorff" gleich unter mehreren Gesichtspunkten vor. Es macht …


  • Format: PDF

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Eine deutsche Verhängnisgestalt Erich Ludendorff (1865-1937) war eine der Schlüsselfiguren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Als gefeierter Generalissimus des Ersten Weltkriegs und Erfinder des »totalen Kriegs«, als Ikone der völkischen Bewegung und ideologischer Wegbereiter des Nationalsozialismus.…mehr

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Produktbeschreibung
Eine deutsche Verhängnisgestalt Erich Ludendorff (1865-1937) war eine der Schlüsselfiguren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Als gefeierter Generalissimus des Ersten Weltkriegs und Erfinder des »totalen Kriegs«, als Ikone der völkischen Bewegung und ideologischer Wegbereiter des Nationalsozialismus.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Random House ebook
  • Seitenzahl: 752
  • Erscheinungstermin: 11.04.2011
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783641545734
  • Artikelnr.: 37212225
Autorenporträt
Manfred Nebelin, geboren 1955 in Leverkusen, lehrt als Privatdozent Neuere und Neueste Geschichte an der Technischen Universität Dresden. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Zeitgeschichte vorgelegt. Seine Forschungsschwerpunkte bilden der Erste Weltkrieg, die Zeit des Nationalsozialismus sowie die politische Geschichte Europas im 20. Jahrhundert.
Rezensionen
Besprechung von 06.06.2011
Die Karriere des fleißigen Grobians
Der Mann neben Hindenburg: Manfred Nebelin schildert den Aufstieg und die Machtfülle und den Fall des Erich Ludendorff im Ersten Weltkrieg
Erich Ludendorff war während des Ersten Weltkriegs die vielleicht mächtigste Persönlichkeit Deutschlands. Zwar kennt jeder heute noch den Namen, aber Ludendorff-Straßen oder -Gymnasien gibt es nicht mehr, weil es bei den Nazis davon zu viele gegeben hat. Wir verfügen auch über einige Biographien, die aber, weil zu einseitig militärfromm wie die von Franz Uhle-Wettler (1994) oder nicht in deutscher Sprache publiziert wie Martin Kitchens „The Silent Dictatorship“ (1976), wenig Spuren hinterlassen haben.
Diese Melange von enormer militärischer und politischer Bedeutung und vollständiger Abwesenheit der Person Ludendorffs im heutigen historischen Bewusstsein liegt wohl nicht zuletzt daran, dass einer erschöpfenden Biographie nach wie vor die Weigerung der Ludendorff-Erben entgegensteht, endlich den Hauptteil von dessen Nachlass der Forschung zur Verfügung zu stellen. Denn es mangelt an Primärquellen, wenngleich es einen kleinen Bestand im Freiburger Militärarchiv gibt, neuerdings angereichert durch einige Privatbriefe Ludendorffs.
Manfred Nebelin hat sich trotz dieser Hindernisse getraut, das Wagnis einzugehen. Die Arbeit ist 2009 als Habilitationsleistung von der TU Dresden anerkannt worden und die jetzt vorliegende Druckfassung ist – leider – offensichtlich ganz oder fast unverändert. Das zeigt der riesige Anmerkungsapparat von nicht weniger als 170 Seiten, der leicht um die Hälfte hätte gekürzt werden können.
Gleichwohl aber ist dieses Buch kein Steinbruch akademischer Gelehrsamkeit, sondern sehr gut, manchmal sogar fesselnd zu lesen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Nebelin eine ausgewogene, gut nachvollziehbare Art der Verbindung von historischer Erzählung und Präsentation der wichtigsten Quellen gefunden hat. Verdienstvoll ist auch, dass Nebelin, noch intensiver als die ältere Biographie von Uhle-Wettler, den familiären Hintergrund und die formative Periode Ludendorffs nachzeichnet: Die so schwierige Überwindung eines angeborenen Sprachfehlers, die Entwicklung des offensichtlich hochbegabten Jungen zum Klassenprimus der Plöner Kadettenanstalt, der die vom Vater – einem ostelbischen Rittergutsbesitzer – ersehnte Militärkarriere bravissimo absolvierte. Seine große Begabung, sein ungeheurer Fleiß, seine Weltoffenheit (er reiste für längere Zeit nach Sankt Petersburg, um Russisch zu lernen) ließen ihn, obwohl er nicht dem Adel angehörte, die militärische Karriere quasi im Steilflug bewältigen: Bereits mit 17 war er Leutnant und im Alter von 29 Jahren – 1891 – wurde er zum Hauptmann im Generalstab befördert. Er wurde bekannt durch die Publikation von Manöverkritiken und Leitfäden für die Offiziersausbildung. Auch die Tatsache, dass schon der junge Mann und Offizier bei allem Karrierismus nicht vor den ärgsten Grobheiten gegenüber seinen Vorgesetzten zurückscheute (so sehr, dass der Kaiser ihn Zeit seines Lebens ablehnte), wird in dieser Arbeit ungemein sorgfältig herausgearbeitet.
Beeindruckend (wenngleich sachlich nichts Neues bringend) ist die ebenso flüssige wie detaillierte und quellennahe Beschreibung der Aktivitäten Ludendorffs im Vorfeld des Ersten Weltkrieges, also insbesondere sein Einfluss auf militärische Planung und Aufrüstung vor 1914. Seit April 1911 war er Chef der Aufmarschabteilung im Generalstab und Initiator des berühmten „Moltke-Ludendorff-Memorandums“ vom Dezember 1912. Darin erhob der Generalstab an die zögerliche Regierung die Forderung, endlich mit dem „Volk in Waffen“ ernst zu machen und eine Vergrößerung des Stehenden Heeres um 300 000 Mann zu bewerkstelligen.
Dieser gigantomanische Plan scheiterte aber an Regierung und Parlament, was die Nationalisten aller Prägungen noch in der Hitlerzeit als ausschlagend für die deutsche Niederlage im 1. Weltkrieg angesehen haben. Ludendorff, so Nebelin mit einer von Michael Geyer übernommenen, aber mir absolut nicht einleuchtenden These, sei somit der Initiator einer Radikalmilitarisierung der deutschen Gesellschaft gewesen. Solche ab und an eingestreuten globalen Thesen können aber nicht verbergen, dass die Darstellung, bei aller Reichhaltigkeit en détail, doch eher chronologisch referierend ist und offensichtlich strukturierende Fragestellungen scheut: Was heißt damals „Militarisierung“; wieso kann man Ludendorff überhaupt als „Diktator“ bezeichnen, wie es ja schon der Titel des Buches behauptet? Jemand, der ungeheuer viele Anweisungen erteilt und noch mehr Memoranden diktiert, ist doch deshalb noch kein Diktator! Solche Charakterisierungen bleiben ungemein vage, vor allem, weil die entscheidende Frage permanent umgangen wird, nämlich wie die Machtverteilung zwischen dem Chef der Obersten Heeresleitung, Hindenburg, und dessen Stabschef Ludendorff funktionierte.
Diese substantielle Fehlstelle ist nicht zuletzt das Resultat der Tatsache, dass die 2007 erschienene und vieldiskutierte große Hindenburg-Biographie von Wolfram Pyta zwar in der Bibliographie notiert, nicht aber kritisch verarbeitet wurde, obwohl doch wirklich Ludendorff ohne Hindenburg nicht existiert (und anders herum)! Nichts wäre in der Tat wichtiger gewesen, als gerade gegen die bei Pyta manchmal überwuchernde Fokussierung auf Hindenburg die These zu setzen, dass doch eigentlich Ludendorff die Führungsperson im untrennbaren Gespann der beiden „Dioskuren“ des Ersten Weltkriegs gewesen sei. Wenn bei Pyta Ludendorff wohl etwas zu stark von seinem Protagonisten Hindenburg erdrückt wird, so wählt Nebelin den Weg, Hindenburg oft über zig Seiten hinweg nicht einmal zu erwähnen. Sicherlich ist richtig, dass vor allem Ludendorff die konkreten politischen und militärischen Schachzüge der Obersten Heeresleitung ersann und ausführte. Sehr deutlich wird bei Nebelin beispielsweise die effiziente Kooperation Ludendorffs mit Wirtschaftsführern und einzelnen Politikern während des Krieges. Und man wird angesichts dieser zum Teil bislang nicht bekannten Korrespondenzen die bislang weitestgehend akzeptierte These von Gerald Feldman überdenken müssen, dass die Oberste Heeresleitung ihr Programm der radikalen Industrialisierung des Krieges („Hindenburg-Programm“) von 1916 ganz gegen die Realitäten und Möglichkeiten der deutschen Wirtschaft habe durchziehen wollen.
Doch wer vom „Diktator“ Ludendorff spricht, darf von dessen öffentlicher Wirkung nicht schweigen. Wir erfahren aber in dieser Biographie nahezu nichts über Ludendorffs „Charisma“, sein Bild in der deutschen Öffentlichkeit, sein Verhältnis zu den Parteien und Agitationsverbänden, insbesondere dem Alldeutschen Verband. Wenn nebenbei berichtet wird, wie Ludendorff noch im April 1918 weitestreichende Kriegsziele forderte, so hätte man auch erfahren wollen, wie stark dieses manifeste Eingreifen des Militärs in die Politik Zustimmung erhielt und mit den Anschauungen des extremen Nationalismus übereinstimmte. War Ludendorff überhaupt ein Nationalist? Als solcher geriert er sich in der hier leider nur noch exkursartig angesprochenen Nachkriegszeit. Aber die detaillierte biographische Darstellung der Jahre bis 1918 spart auch diese Frage vollständig aus.
Der Leser verabschiedet sich von diesem dicken Wälzer mit leichter Wehmut: Insgesamt hat man eine sehr gut lesbare, quellennahe und detaillierte Geschichte des Ersten Weltkriegs gelesen, und der junge Ludendorff hat an Gesicht gewonnen. Aber eine Ludendorff-Biographie, die davon lebt, dass sie Hindenburg gleichsam aus dessen Geschichte hinauswirft, die zudem das Problem der Öffentlichkeit und der öffentlichen Wirkung des Protagonisten beiseite lässt, kann kaum den Anspruch erheben, zumindest vorläufig definitiv zu sein. GERD KRUMEICH
MANFRED NEBELIN: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2011. 752 S., 39,99 Euro.
War der Generalstabsoffizier
wirklich der Initiator
einer Radikalmilitarisierung?
Viel zu wenig erfährt der Leser
über Ludendorffs Bild in
der deutschen Öffentlichkeit
Der Chef der Obersten Heeresleitung, Paul von Hindenburg, Kaiser Wilhelm II. und Erich Ludendorff (rechts) im Großen Hauptquartier, 1917. Foto: Scherl
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Besprechung von 18.07.2011
In der Hölle der Materialschlachten
Ludendorff als Symbolfigur für Deutschlands Absturz in die extreme Irrationalität

Biographien, sosehr das Publikum sie liebt, sind in der deutschen Geschichtswissenschaft - anders als etwa in der angelsächsischen - nie eine besonders hoch geschätzte historiographische Gattung gewesen. Gleichwohl werden sie glücklicherweise geschrieben, wenn man auch manchmal lange warten muss. Fast einhundert Jahre nachdem Erich Ludendorff weithin sichtbar die Bühne der Geschichte betreten hatte, hat nun der Dresdner Historiker Manfred Nebelin die erste großdimensionierte (500 Seiten Text und fast 200 Seiten Anmerkungen), professionell aus der Gesamtheit der verfügbaren Quellen erarbeitete Biographie des "Feldherrn des Weltkrieges" - wie ihn seine Bewunderer nannten, solange es noch welche gab - vorgelegt. Sieht man genau hin, sind es dann freilich doch nur die Kriegsjahre (das Buch endet mit der Flucht Ludendorffs nach Schweden im November 1918), ergänzt durch die sehr willkommene Darstellung des atemberaubend raschen Vorkriegsaufstiegs des ehrgeizigen jungen Offiziers bürgerlicher Herkunft bis in die Schlüsselposition des Chefs der Aufmarschabteilung des Großen Generalstabs. Eine Zwei-Drittel-Biographie also, vor allem aber ein Beitrag zur Geschichte des Ersten Weltkrieges.

Nebelin zerbricht sich denn auch nicht allzu sehr den Kopf darüber, wie man heutzutage als Historiker das Projekt einer Biographie angehen sollte. Er schreibt sein Ludendorff-Buch, und das ist eher gut so, mit einer gewissen konzeptionellen Unbefangenheit; stets, das ist einer der Vorzüge des Buches, sehr nah an den in eindrucksvoller Fülle aufgespürten und ausgewerteten Quellen; organisiert um die großen historischen Entscheidungskonstellationen, in denen Ludendorff eine Schlüsselrolle gespielt hat - die Heeresvermehrung von 1913; das Ringen mit Falkenhayn um die Strategie auf dem östlichen Kriegsschauplatz in den Jahren 1914 bis 1916; die Ablösung Falkenhayns als Chef des Generalstabs im August 1916; den Entschluss zum uneingeschränkten U-Boot-Krieg und den Sturz des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg 1917; schließlich die "Ludendorff-Offensive" im Frühjahr 1918, die letzte gewaltige Kraftanstrengung Deutschlands, die den Sieg erzwingen sollte und in der Niederlage endete. Durchgehend ist der Autor um ein differenzierendes Urteil bemüht, eine Bemühung, die beim Gegenstand Ludendorff weder einfach noch selbstverständlich ist.

Die Stärken des Buches, noch einmal, liegen in seiner Quellennähe, in seinem Materialreichtum, im Detail. Aber gerade diese Stärken lassen auch eine Schwäche deutlich hervortreten. Es fehlt an bilanzierenden Reflexionen über die Kernfragen, die sich einem Ludendorff-Biographen stellen: Was ist über den "Feldherrn" Ludendorff zu sagen? War Ludendorff wirklich ein "Diktator"? Trifft das Urteil, mit dem das Buch den Leser entlässt: Ludendorff eine deutsche "Verhängnisgestalt"?

Es hat unter Kundigen nie einen Zweifel daran gegeben, dass Ludendorff, nicht Hindenburg der eigentliche Kopf der deutschen Kriegführung war. Nebelin bekräftigt diese Einschätzung. Auch macht er deutlich, dass Ludendorff Außerordentliches wohl eher als unerhört willens- und durchsetzungsstarker Organisator der deutschen Kriegsanstrengungen denn als strategischer Kopf geleistet hat. Gewiss: Tannenberg im Jahr 1914. Aber schon für die folgenden zwei Jahre im Osten stellt sich die Frage, ob in Ludendorffs Fixierung auf ein zweites, kriegsentscheidendes Tannenberg, ein gigantisches Cannae, nicht eine dogmatische Starrheit sichtbar wird. Und als Ludendorff 1916 dann die Gesamtverantwortung zufiel, musste auch er akzeptieren, dass es in dem mörderischen Stellungskrieg der Westfront im Grunde gar keinen Raum für operatives Denken und Handeln, für Strategie also, gab. Mehr als die Perfektionierung der Taktik - zunächst der Verteidigung und dann, 1918, des Angriffs - war in der Hölle der Materialschlachten nicht möglich.

Das Urteil über das Vabanquespiel der Offensive von 1918 fällt im Allgemeinen hart aus. Auch Nebelin setzt da keinen anderen Akzent. Man wird freilich, um Ludendorff gerecht zu werden, zumindest fragen müssen, welche Alternativen zu diesem verzweifelten Versuch Deutschland 1918 denn noch hatte. In Paris und London gab es, jedenfalls seit die Regierungschefs Clemenceau und Lloyd George hießen, keinerlei Kompromissbereitschaft mehr. Man setzte auf Sieg und nichts als Sieg, gerade so wie Ludendorff. Sollte Deutschland kapitulieren, ohne besiegt zu sein? Vermutlich war das Kaiserreich seit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in einer militärisch wie politisch aussichtslosen Lage. In aussichtslosen Lagen Entscheidungen zu treffen, die der Nachwelt einleuchten, ist schwierig.

Den "Diktator" Ludendorff rückt Nebelin mit dem Untertitel des Buches ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber trifft der Begriff die Verhältnisse? Allenfalls für das eine Jahr zwischen dem Sturz Bethmann-Hollwegs im Juli 1917 und dem Scheitern der großen Offensive im Westen hat er eine gewisse Plausibilität. Durchgehend gilt, dass Ludendorff nur so lange mächtig war, wie Hindenburg zu ihm stand. Bis zum Scheitern Bethmann-Hollwegs war zudem der Kaiser vor allem in den entscheidenden Personalfragen in einem keineswegs nur formalen Sinn die letzte Instanz. Am hartnäckigen und lange erfolglos geführten Kampf Ludendorffs zuerst gegen Falkenhayn und dann gegen Bethmann-Hollweg zeigt Nebelin das selbst auf. Auch an den Reichstag, die Gewerkschaften, die süddeutschen Staaten ist zu denken, wenn man sich ein Urteil über die Machtverhältnisse im Deutschland der Kriegsjahre bilden will. Ludendorff war vorübergehend der mächtigste Mann in Deutschland, ein Diktator, lässt man dem Begriff seine präzise Bedeutung, war er nicht.

Schließlich: die "deutsche Verhängnisgestalt" Ludendorff. Das Wort verweist auf das deutsche Verhängnis, auf Hitler also. War Ludendorff ein Wegbereiter Hitlers? Anders als Hindenburg hat Ludendorff nach 1918 keine Weichen mehr gestellt, auch 1933 nicht. Die Last, die Ludendorff, sekundiert von Hindenburg, mit der Erfindung der Dolchstoßlegende - der schäbigen Weigerung einzugestehen, dass Deutschland den Krieg militärisch verloren hatte -, der Republik aufbürdete, hat fraglos zu ihrem Scheitern beigetragen, Aber die Formel von der deutschen Verhängnisgestalt meint doch wohl mehr. Was sie meint, wird bei Nebelin schon deshalb nicht ganz klar, weil der Ludendorff der Jahre 1918 bis 1937 bei ihm nicht mehr auftritt.

Was immer über Ludendorffs aktive Mitwirkung am deutschen Verhängnis zu sagen ist: mit seiner radikalen Wirklichkeitsverweigerung bis zum bitteren Ende, seinem Unverhältnis zur Politik als Kunst zur Bewahrung des Friedens nach innen wie nach außen, seinem Geschichtsbild, in dem er das Leben der Völker nur als Gegeneinander, nie als ein Miteinander denken konnte, stellt sich Ludendorff jedenfalls als herausragende Symbolfigur des Absturzes Deutschlands in jene extreme politische Irrationalität dar, die eine der Bedingungen der Möglichkeit Hitlers war. Das anschaulich vor Augen zu führen, ohne Ludendorff zu dämonisieren, ist eine beachtliche Leistung von Nebelins Buch.

PETER GRAF KIELMANSEGG

Manfred Nebelin: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2011. 752 S., 39,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Insgesamt eine sehr gut lesbare, quellennahe und detaillierte Geschichte des Ersten Weltkriegs, und der junge Ludendorff hat an Gesicht gewonnen.«

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Manfred Nebelins Biografie über Erich Ludendorff bei Gerd Krumeich hinterlassen. Er schätzt die Quellennähe, den Detailreichtum und die gute Lesbarkeit des Werks. Gelungen scheint ihm auch die Verbindung von historischer Erzählung und Präsentation der Quellen. Zudem lobt er die Darstellung von Kindheit und Jugend Ludendorffs und  seines familiären Hintergrunds. Auch den Aufstieg Ludendorffs und seine Aktivitäten im Vorfeld des Ersten Weltkrieges findet er eindrucksvoll dargestellt. Auf der anderen Seite moniert Krumeich, dass das Verhältnis Ludendorffs zu Hindenburg chronisch unterbelichtet bleibt, für ihn das große Minus dieses Werks. Zudem findet er in dem Buch so gut wie nichts über das Charisma und die öffentliche Wirkung des Generals. Insofern kann Nebelins Arbeit seines strengen Erachtens nach nicht den Anspruch erheben, "zumindest vorläufig definitiv zu sein".

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