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Dies ist die Fortsetzung von "The Talisman", in dem Jack Sawyer, die Erfindung des erfolgreichen Freundes- und Autorenteams, mit neuen, unerwarteten Schwierigkeiten fertig werden muss. Denn nun ist er zum Mann gereift und muss sich in der harten Welt beweisen. Seine Erfahrungen kosten ihn einiges, sind jedoch von unschätzbarem Wert.

Produktbeschreibung
Dies ist die Fortsetzung von "The Talisman", in dem Jack Sawyer, die Erfindung des erfolgreichen Freundes- und Autorenteams, mit neuen, unerwarteten Schwierigkeiten fertig werden muss. Denn nun ist er zum Mann gereift und muss sich in der harten Welt beweisen. Seine Erfahrungen kosten ihn einiges, sind jedoch von unschätzbarem Wert.
Autorenporträt
Stephen King, geb. 1947 in Portland, Maine, war zunächst als Englischlehrer tätig, bevor ihm 1973 mit seinem ersten Roman 'Carrie' der Durchbruch gelang. Seither hat gilt er als einer der erfolgreichsten Schriftsteller weltweit. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. Stephen King lebt mit seiner Frau Tabitha in Bangor, Maine.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.09.2002

Der letzte Sommer vor der Pubertät
„Das schwarze Haus”: Stephen King und Peter Straub schreiben gemeinsam einen Horror-Roman
Wenn zwei Wellen sich begegnen, kommt es zum Phänomen der Interferenz. Je nachdem, wie sie aufeinandertreffen, schwächen sie sich gegenseitig ab bis zur Auslöschung, oder vereinigen sich zu einem Gebilde, das die Scheitelhöhe beider überschreitet. Was mag herauskommen, wenn Stephen King und Peter Straub zusammen ein Buch schreiben? Schwer liegt es in der Hand, fast tausendseitig, mattschwarz sind Einband und Vorsatzblatt, tiefschwarz die Schrift auf dem Titel, der Kopfschnitt ein Rabenfittich: ein verkohltes Scheit von einem Buch; und fast überflüssig anzumerken, dass es heißt „Das Schwarze Haus”.
Damit, dass es sich um die beiden renommiertesten Horror-Autoren Amerikas handelt, ist über sie noch so gut wie nichts ausgesagt. Ihre Qualitäten liegen weiter voneinander ab, als man es der Spannbreite des Genres zutraut. King hat schon oft einen untrüglichen Sinn für die dünnen Stellen in der amerikanischen Seele und Gesellschaft bewiesen, durch die das bedrohlich Fremde sickernd seinen Weg ins traulich Triviale findet. Darum kann ihn auch der Vorwurf der Trivialität nicht eigentlich treffen, der Umgang mit ihr gehört zu seiner Kunst. Im Satzbau und überhaupt in den Details sollte man diese nicht suchen wollen; Zitate kriegen ihn nicht zu fassen.
Peter Straub dagegen ist ein Schriftsteller im emphatischen Sinn der Hochkultur – ein Faktum, das leider dazu tendiert, von seinem Stoff verdunkelt zu werden. Schwer, wie von einem Traum, gibt man sich von seinen Büchern Rechenschaft. Man vermag hinterher kaum zu sagen, was man gesehen, nur, was man gefühlt hat; alle Kontur löst sich auf in Affekt. Sich an einem schlechten Wochenende mit einem Band Straub zu verkriechen, kann zu einer Leseerfahrung der reinen Bestürzung werden. (Und auch sie schwingt zwischen den Sätzen und fängt sich kaum im Zitat.)
Beiden gemeinsam jedoch ist die Fähigkeit, in die Erlebniswelt der späten Kindheit einzutauchen, wieder zwölfjährig zu werden und die hohe Empfänglichkeit, für Gutes wie Böses, zurückzugewinnen, die in diesem besonderen, kurzen Alter zur Blüte gelangt, ehe sie gleich darauf abwelkt und die grüne Frucht der Adoleszenz zeitigt. Der letzte Sommer vor der Pubertät, in den langen, langen Sommerferien der USA: das ist immer wieder Thema der beiden Autoren gewesen.
Auch schon zusammen. Im „Talisman”, ihrer ersten Koproduktion, war es um die Reise des zwölfjährigen Jack gegangen, durch diese und die andere Welt. Jetzt lebt er, als Mittdreißiger bereits im Ruhestand, für sich allein in der Kleinstadt French Landing im Westen Wisconsins. Der Ort ist von Schrecken gelähmt: Ein Killer, vom örtlichen Sensationsreporter „Fisherman” getauft, tötet Kinder und frisst sie; und nun ist auch Tyler verschwunden, blond, sensibel und ein wenig verloren unter seinen grobschlächtigen Kameraden, zwölf Jahre alt...
Der Plot entfaltet sich breit und mit ungleichmäßiger Geschwindigkeit. Erzählt wird er aus wahrhaft olympischer Perspektive: Der Erzähler gleitet herum wie eine fliegende Kamera, mal als Adler und mal als libellenhaftes Insekt, über Landschaften und durch Schlüssellöcher, und er scheut sich nicht vor dem auktorialsten „Wir” – ein Kunstgriff, den man leicht verzeiht, spürt man doch, wie sehr das Buch diese starke Klammer braucht. Spannender fast als der Fortgang der Handlung gestaltet sich dem, der das Werk beider Autoren kennt, die Frage: Was stammt von wem? Sie ist nicht so müßig wie sie scheint; sie entscheidet das Schicksal des Buchs.
Hauskatze, blöde Kuh!
Eine wasserstoffblonde, eher unsympathische Altenpflegerin sitzt an der Rezeption des Altenheims, in dem der Killer lebt, ein 85jähriger, der sich perfekt hinter Alzheimer tarnt. (Das Buch macht schon nach seinem ersten Drittel kein Hehl mehr aus seiner Täterschaft, und so sei sie hier ohne schlechtes Gewissen verraten.) Sie brütet über einem Kreuzworträtsel, das sie intellektuell überfordert. „Gegenwärtig rätselt sie über sechs waagrecht nach: zum Beispiel Garfield. Neun Buchstaben, der erste ist H, der vierte S, der fünfte K, der achte Z und der neunte E. Sie hasst solche verzwickten Lösungsworte.” Das geht natürlich auch an die Adresse des Lesers: Na? Zwei Seiten verstreichen, Dinge geschehen, die das Rätsel vergessen lassen. Dann aber wendet sich der boshafte Alte unversehens um: „Das Wort, das Sie suchen, ist Hauskatze. Garfield ist eine Hauskatze. Kapiert? Blöde Kuh.” Das breit Episodische an der Grenze zum ,Overwriting‘, das Behagen an den Namen, den die Alltagsdinge führen, die Art des Humors: Dies alles weist auf Stephen King – ebenso wie die Beschreibung der grotesken Vorlieben des Kannibalen, der Gesäßbacken bevorzugt: „Ich backe die Hälfte, brate den Rest. Mit Frühstücksspeck.” Hier ist klar der sanguinischere von den beiden Autoren am Werk, der sich auch vom Grauenhaften nicht das offene Vergnügen am schöpferischen Akt des Schreibens rauben lässt und dadurch zuweilen seine Horror-Effekte gefährdet.
So etwas täte der Melancholiker Straub nicht. Die Figur des Jack, von der, bei aller kriminalistischen Brillanz und athletischen Wohlgestalt, eine Aura der Verwaistheit wie Radioaktivität ausstrahlt; die Figur des coolen blinden Radiomoderators Henry, der sich mit unbeirrbarem Geschmack zu kleiden versteht, weil er starr der Kleiderschrankordnung seiner vor sechs Jahren an Krebs gestorbenen Frau folgt – das müssen seine Erfindungen sein.
Das Janusprojekt schlägt also wirklich eine ziemlich hohe Welle. Ins Schlingern gerät es trotzdem, und schuld daran ist wohl vor allem King. Davon, wie die hereinbrechende Präsenz des bösen Anderen beschaffen wäre, haben die Ko-Autoren einen grundverschiedenen Begriff. Nur der von Straub jedoch trägt. Für ihn handelt es sich um ein unfasslich Hiesiges, ein Schwarzes im Herzen des Schattens, den ganz gewöhnliche Objekte werfen. Niemals lässt es sich zur vollgültigen Manifestation zwingen, und darum haucht es mehr Grauen aus als irgendein farbenfrohes Monster. Auf Straubs Rechnung geht das titelgebende Schwarze Haus samt dem sinistren Spitzdach; nicht pechschwarz ist es gestrichen, sondern mit einer stumpfen, bleiernen Düsternis, vollkommen einheitlich bis ins letzte Ornament, einschließlich der Fensterscheiben. Es heißt von ihm, gerüchteweise, die Sonne schiene dort auch dann nicht, wenn sie schiene – eine Formulierung, die sich der unmittelbaren Anschaulichkeit verweigert und darum die Imagination des Lesers herausfordert.
King hingegen bringt als seinen Anteil die Motive seiner Fantasy- Romane ein, auf die er in jüngerer Zeit den Schwerpunkt des Werks verlagert hat: den Dunklen Turm, die Revolvermänner, den Scharlachroten König. Dieser versucht seit Jahrhunderten, die Zentralachse des Universums – die eben bildet der Dunkle Turm – zum Einsturz zu bringen; von den großen Stützbalken sind manche schon bedenklich angenagt. Man muss sich die Ordnung der Welten ungefähr so übereinander gelagert denken wie einen Stapel Teller im Schrank. Zwischen ihnen können begnadete Menschen und mächtige Bösewichter hin und her „flippen”, auch gekidnappte Kinder kann man so leicht eine Etage höher oder tiefer verstecken. In den Romanen, die King allein gehören, wirkt dieses Konzept nicht so plump, wie es hier erscheint, denn dort dient es als Grundlage für eine Schnitttechnik zwischen verschiedenen, je für sich lebendigen Erzählsträngen. Das „Schwarze Haus” jedoch wird von solch plötzlichen Totalen ganz erheblich beschädigt. Wen kann, wenn die Welten so leicht wechseln, im Ernst noch eine kleinstädtische Mordserie interessieren? Das Buch jedenfalls schon ziemlich bald nicht mehr. Der Mörder wird viel zu früh preisgegeben, seine Dämonenfratze ist hohl wie ein Luftballon, den fremde Giftgase blähen.
Nein, dem Genre-Roman kann man das Cross-Over nicht empfehlen; Horror und Thriller leben von den präzisen Erwartungen, die sie durch den Verlauf ihrer Geschichte wecken, es waltet in ihnen der Geist einer finsteren Notwendigkeit. Bekommt man dann eine Auflösung kredenzt, die vom wahllos bunten Trödelmarkt der Fantasy bezogen ist, fühlt man sich mit Grund verstimmt.
Dennoch sollte man nicht den Großmut Stephen Kings verkennen. Er weiß es und hat es gesagt, dass Straub der größere Autor ist. Schon zum zweiten Mal gibt er das Markenzeichen seines Namens her für ein Zwillingsprojekt mit dem besseren Mann. Existiert ein anderer Autor, der vom Herzblut seines Daseins, dem Ruhm, so bereitwillig spendet?
Tadeln muss man allein den Verlag, da er den Namen des Übersetzers (der seine Arbeit gut gemacht hat) verschweigt und ihm nicht einmal Einlass ins Kleingedruckte gönnt.
BURKHARDMÜLLER
STEPHEN KING / PETER STRAUB: Das Schwarze Haus. Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner. Wilhelm Heyne Verlag, München 2002. 832 S., 26 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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