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>Wiedersehen mit Brideshead < ist das englische Gegenstück zum amerikanischen >Großen Gatsby

  • Geräte: eReader
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Produktbeschreibung
>Wiedersehen mit Brideshead< ist das englische Gegenstück zum amerikanischen >Großen Gatsby<: das Porträt der Schönen und Reichen in den Jahren zwischen den Weltkriegen, die Chronik einer Vertreibung aus dem Paradies bei Anbruch der modernen Zeit - und die Geschichte einer unmöglichen Liebe.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, D ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Diogenes Verlag AG
  • Seitenzahl: 464
  • Erscheinungstermin: 25.09.2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783257603439
  • Artikelnr.: 39521182
Autorenporträt
Evelyn Waugh, geboren 1903 in Hampstead, war Maler, Lehrer, Reporter und Kunsttischler, bis er in der Schriftstellerei sein Metier fand und zu einem der wichtigsten englischen Autoren des 20. Jahrhunderts wurde. Im Krieg diente Waugh als Offizier. Waugh, der seit seiner Studienzeit eine Neigung zu dandyhafter Extravaganz pflegte, liebte es, das Publikum durch kontroverse Äußerungen zu provozieren. Er starb 1966 in Taunton, Somerset.

Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 03.12.2013

Imperialer Hangover
„Wiedersehen mit Brideshead“ ist ein moderner Klassiker.
Nun liegt der Roman in einer zeitgemäßen Neuübersetzung vor
VON CHRISTOPHER SCHMIDT
Na, liebe Erstsemester, noch immer kein WG-Zimmer gefunden? Ihr braucht eine beheizte Unterkunft, um bis nachmittags auszuschlafen, das Geld, damit ihr die Nächte durchfeiern könnt, und den Studienplatz als Alibi für beides? Nun, im Oxford des Jahres 1923 ist das nicht viel anders, nur geht das Komasaufen als Oberklassensport entschieden standesgemäßer vonstatten. Da fließt der Champagner schon zum Frühstück, dazu werden ein paar Kiebitzeier eingeworfen, und zur Spritztour im offenen Cabriolet gehört eine Flasche Château Peyraguey nebst einem Körbchen Erdbeeren – welch Gipfel der Dekadenz!
  Für die schwelgerische Beschreibung erlesener Köstlichkeiten entschuldigt sich Evelyn Waugh im Vorwort zu „Wiedersehen mit Brideshead“. Als Grund führt er die Hungerphantasien der Kriegsjahre an, in denen der Roman entstand. Wenn nicht gerade ein edler Tropfen vernichtet wird, lassen sich die jungen Kampftrinker im Buch böse Bemerkungen über weniger enthemmte Mitstudenten auf der Lästerzunge zergehen. Außer sexuell aufgeschlossener Männerfreundschaft pflegt man seinen täglichen Hangover und grundsätzlichen Ennui. Denn man ist faul, stinkreich und elitär – und leider geil. Wehe dem, der hier im spießigen Tweedanzug aufschlägt. Taubengrauer Flanell, dazu weißes Crêpe de Chine und die Charvet-Krawatte müssen schon sein. Damit ist man ganz weit vorn, so wie Lord Sebastian, Sebastian Flyte, Libertin, Obersnob und Stilikone der hübsch wohlstandsverwahrlosten Jeunesse dorée am College.
  Als Sebastian durch das offene Fenster in die Erdgeschosswohnung des Ich-Erzählers Charles Ryder kotzt, ist das der Beginn einer wunderbaren, unausgesprochen homoerotischen Freundschaft. Doch lange kann das nicht gut gehen – Sebastian wird wegen seiner alkoholischen Exzesse relegiert und landet nach einer Reihe gescheiterter Entziehungskuren in Marokko, wo sich sein deutscher Lover von ihm aushalten lässt. Später geht dieser Schmierlappen zur SS. In Sebastian, dem Schnöselexemplar einer Infantilgesellschaft, stets begleitet von seinem Teddybären Aloysius, endet die männliche Linie der Marchmains – einer Familie, der das „alte Geld“ ausgeht, ohne dass neues hinzukommt. Charles Ryder wird zum Chronisten dieses Niedergangs, in dem sich der Sturz einer ganzen Gesellschaftsklasse und letztlich des britischen Empires spiegelt.
  „Wiedersehen mit Brideshead“ ist einer der großen Verfallsromane der Weltliteratur, ein Abgesang auf die dem Untergang geweihte alte Welt. Als Infanteriehauptmann im Zweiten Weltkrieg kehrt Charles Ryder nach Brideshead, ins verwaiste Landhaus der Marchmains, zurück, seine Kompanie bezieht dort Quartier. Das ruft Erinnerungen an seine Jugend wach, an die Verstoßung aus jenem Paradies, als die Twenties noch röhrten, bevor sie elend verröchelten. Der Roman ist längst ein Klassiker, Höhepunkt und Abschluss des Genres der Herrenhausliteratur. Seinen Erfolg verdankt das Buch auch der elfteiligen, bis dahin teuersten englischen Fernsehserie aus den Achtzigern mit dem jungen Jeremy Irons, einem TV-Movie, bevor es dieses Unwort überhaupt gab.
  Als der Roman 1945 erschien, fanden allerdings zunächst viele, das sei durchaus nicht ihre Tasse Tee. Allzu rückschrittlich und untertänig beuge Waugh das Knie vor der abgedankten Adelsgesellschaft, hieß es. Vor allem seine Verklärung des Katholizismus – Waugh war selbst mit 27 konvertiert – irritierte die Kritiker, schließlich ist es dessen Verbotskultur, die den Ich-Erzähler gleich zweimal um die Liebe seines Lebens bringt. Waughs religiöse Wandlung muss man wohl als dandyeske Kapriole und Teil einer persönlichen Traumatherapie verbuchen. Es ging ihm um den Distinktionsgewinn gegenüber einer Massenkultur. Ähnlich wie im heutigen Feuilleton-Katholizismus sprach aus der Sehnsucht nach festen Formen und Ritualen der Protest gegen eine schrecklich unglamouröse, profane Gegenwart.
  Evelyn Waugh, der Offizier und Gentleman, war ein reaktionärer Provokateur, der noch die konservativen Tories des Bolschewismus verdächtigte, ein glühender Patriot, selbstmörderischer Frontkämpfer und gusseiserner Familienpatriarch – unsäglich eitel und borniert aus Prinzip. Ein Anti-Modernist, der alles Neue und Ausländische verteufelte. In einem berüchtigten BBC-Interview verteidigte er 1953 die Todesstrafe und erklärte sich bereit, zur Not selbst den Strick in die Hand zu nehmen. Und nach dem Mann auf der Straße gefragt, sagte er: „So jemandem bin ich noch nie begegnet.“
  Gleichwohl ist „Wiedersehen mit Brideshead“ keineswegs ein Werk, das einseitig einer vermeintlich heroischeren Epoche huldigt und in efeuumrankter Morbidezza schwelgt. Vielmehr zeigt Waughs ebenso elegisch wie ironisch intonierter Roman die innere Fäulnis des überlebten Klassensystems. Schon dass Charles sich in seinem Beruf als Maler auf die Darstellung englischer Landsitze kapriziert, verdeutlicht, wie sehr die alte Ordnung in die Phase ihrer Musealisierung eingetreten ist. Den Ruhm und Wohlstand, den er aus dieser ästhetischen Sterbebegleitung zieht, empfindet er selbst als parasitär.   
  In seinem Element ist der große Satiriker Waugh, wenn er die Überfahrt von Charles und seiner amerikanischen Frau auf einem Luxusliner nach England schildert. An Bord beginnt die langjährige Amour fou mit Sebastians Schwester Julia. Auch sie ist ein „Sorgenkind“ und von nicht minder androgynem Reiz als ihr Bruder. „Ihr Geschlecht“, so Charles über die Geschwister, „war der einzige konkrete Unterschied zwischen dem Vertrauten und dem Fremden.“
  Von einer Schiffsreise handelt ebenfalls die Erzählung „Kreuzfahrt“, ein hinreißend gehässiges Stück Rollenprosa aus der Sicht eines pseudo-naiven Backfischs, der in aller Unbefangenheit die Frivolitäten an Bord schildert. Die Geschichte findet sich in dem Band „Ausflug ins wirkliche Leben“, einer Art Zugabe zu „Brideshead“. Die Auswahl versammelt Erzählungen Waughs, fünf davon erstmals auf Deutsch, alle in einem schnellen, kolloquialen Ton gehalten und ersichtlich für mondäne Gesellschaftsmagazine geschrieben. Mit sarkastischer Delikatesse kreisen die Texte um das zerbeulte Ego, das Highbrow-Engländer davontragen, wenn sie mit der Realität kollidieren. Und die stiff upper lip sich maliziös zu kräuseln beginnt.
  Da wird etwa ein Expeditionsreisender im Dschungel von einem Kolonisten festgehalten, damit er ihm bis ans Ende seines Lebens Dickens-Romane vorliest. Oder eine betagte Lady arrangiert eine Party, zu der niemand eingeladen ist, einzig, um die Gäste, die ungeladen kommen, bloßzustellen. Auch Charles Ryder aus „Brideshead“ hat einen Auftritt, Episoden aus seiner Schulzeit werden hier nachgetragen.
  Waughs schmerzlich schönes Hauptwerk aber bleibt dieser Roman, der nach über fünfzig Jahren erstmals in einer neuen, erfrischend spritzigen Sprachgestalt vorliegt. Die Übersetzerin pociao hat ihn in ein Deutsch übertragen, das an die nervös vibrierenden Dialoge einer Screwball-Comedy erinnert. Im Vergleich zerbröseln die Vorgänger wie ranzige Shortbread Fingers. Manche Wortfindung zoomt den Roman sehr nah an die Gegenwart, etwa Ausdrücke wie „angesagt“, „halbgar“ oder „kaputt“ in Bezug auf Sebastian, von dem es einmal heißt, er sei „schwer abgestürzt“ – dieser Sound flutscht britpoppig ins Ohr.   Leicht zusammenzucken lässt einen nur der „Medienzar“, schon weil Waugh die zu seiner Zeit neuen Medien, Radio und  Fernsehen kategorisch ablehnte. „Zeitungsmagnat“ wie im Original hätte esauch getan. Aber ein großer Roman wie dieser hält das aus. Denn „Wiedersehen mit Brideshead“ ist kein Nippes für anglophile Wachsjacken-Nostalgiker, sondern der betörende Schwanengesang auf eine Epoche. Natürlich – weg war der Roman nie, aber deutsche Leser mussten lange warten auf ein Wiedersehen mit dem „Wiedersehen“.
         
Evelyn Waugh: Wiedersehen mit Brideshead. Roman. Aus dem Englischen von pociao. Mit einem Nachwort von Daniel Kampa. Diogenes Verlag, Zürich 2013. 544 S., 26,90 Euro. E-Book 19,99 Euro.
Evelyn Waugh: Ausflug ins wirkliche Leben und andere Meistererzählungen. Aus dem Englischen von Otto Bayer, Elisabeth Schnack, Matthias Fienbork und Hans-Ulrich Möhring. Diogenes Verlag, Zürich 2013. 480 S., 19,90 Euro. E-Book 17,99 Euro.
Den Roman flankiert ein
schöner Band mit ausgewählten
Erzählungen des Autors
„,Hier essen wir normalerweise, wenn wir allein sind‘, sagte Sebastian. ,Es ist so gemütlich.‘“ Szene aus Julian Jarrolds Verfilmung von „Wiedersehen in Brideshead“ aus dem Jahr 2008.
FOTO: DPA
Evelyn Waugh , (1903– 1966), war so etwas wie ein schreibender Berufs-Brite. Zu seinem Verdruss wurde „Brideshead“ zuerst in den USA ein Bestseller – trotz Waughs Warnhinweis, das Buch sei nicht komisch gemeint. FOTO: GETTY IMAGES
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.11.2013

Wie ein Wetterleuchten

Nicht nur für "Downton-Abbey"-Fans: "Wiedersehen mit Brideshead" gehört zu den anrührendsten Romanen der Weltliteratur. Jetzt liegt Evelyn Waughs Klassiker in neuer Übersetzung vor.

Ein Snob zu sein war diesem Autor Selbstverpflichtung. Denn ohne vorsätzliche Distanznahme zu allem, was er als graues Massenleben der Moderne wahrnahm, hätten ihm die Scharfsicht wie die grimme Lust gefehlt, die zeitgenössische Gesellschaft Englands derart gnadenlos zu porträtieren. Zeitlebens fühlte er sich als ein Spätgeborener, der von der eigentlichen Licht- und Glanzepoche, der er sich zugehörig fühlt, nur mehr ein letztes Flackern matter Strahlen miterleben kann. Dass er nur dem gehobenen Bürgertum und nicht der Aristokratie entstammte, verschaffte ihm zusätzlich Antrieb, den Status wie den schon fast entrückten Typus des Gentleman mit Hingabe zu kultivieren, in dem er die höchste Leistung englischer Kulturentwicklung sah. Womöglich lässt sich auch die Konversion zum römischen Katholizismus, die er mit 27 Jahren vollzog, als ein Versuch verstehen, jeglichen Verdacht der Nähe zur glanzlos nüchternen Geschäftswelt seiner Gegenwart zu tilgen. Sonstige Loyalitäten kannte Evelyn Waugh (1903 bis 1966) nicht. Das stärkste Mittel aber, das ihm seinen Distinktionsgewinn verschaffen sollte, war das Schreiben. Ihm verdanken wir einige der amüsantesten und hellsichtigsten Erzählungen des zwanzigsten Jahrhunderts - und einen der anrührendsten Romane.

"Wiedersehen mit Brideshead", erschienen im Mai 1945, ist längst als Klassiker der Spätmoderne etabliert und vor dreißig Jahren in der opulenten Produktion als Elfteiler mit Jeremy Irons und Lawrence Olivier, der bis dahin teuersten britischen Fernsehserie, die auch von der ARD gezeigt wurde, ungemein populär geworden. Mit diesem Roman gelang dem Autor das unerreichte Meisterstück, das beliebte Genre der englischen Herrenhausliteratur im Triumph von Stil und Kunstverstand zu krönen und es zugleich als die vergebliche Verklärung einer niedergehenden Gesellschaft zu entlarven - eine gekonnte und bis ins Detail faszinierende Verbindung von Abgesang und Abrechnung, bei der alles elegisch Schwelgerische, dem wir uns nur allzu gern hingeben würden, mit harten und zunehmend verstörenden Signalen eines notwendigen Rückzugs vom Vergangenen durchsetzt ist. Ganz wie ein halbes Jahrhundert zuvor Tschechows "Kirschgarten" bewegt diesen Text nicht nur die schwärmerische Nostalgie für eine feinsinnige Adelswelt; er vibriert vielmehr bereits von der Energie jenes unbekannten Neuen, das sich bald darauf historisch Bahn bricht.

Der Roman erzählt von den Erinnerungen eines Malers namens Charles Ryder, der als Offizier im Zweiten Weltkrieg mit seiner Kompanie in einem alten Herrenhaus Quartier nimmt, das er aus vormaliger Glanzzeit in den zwanziger Jahren kannte. Das unerwartete Wiedersehen löst eine Kette von Reminiszenzen aus und nötigt ihn, teils zögerlich, teils glühend engagiert, zur Rückschau auf das Vorkriegsleben, als sich die neue Zeit schon wie ein Wetterleuchten ankündigte. Damals geriet Charles, Sohn aus gutbürgerlichen, doch belanglosen Verhältnissen, beim Studium in Oxford in den Umkreis einer Clique von Ästheten, Dandys und Exzentrikern, die ihn durch ihr auffälliges Treiben zunächst sehr befremden, dann aber immer mehr in ihren Bann ziehen. Zum Frühstück speist man Kiebitzeier mit Hummerragout, man trägt Crêpe de Chine und Charvet-Krawatte, und zum Sonntags-Picknick mit dem Automobil darf die Flasche Château Peyraguey nicht fehlen. Insbesondere Sebastian Flyte, Zentralfigur dieser jeunesse dorée, übt magische Anziehungskraft auf Charles auf: ein androgyner, leidenschaftlich exzessiver und generöser Jüngling, Liebhaber des Luxuslebens wie auch eines Teddybärs mit Namen Aloysius, den er bei gesellschaftlichen Anlässen mit sich zu führen pflegt.

Die immer engere und dringendere, unausgesprochen homoerotische Freundschaft zu Sebastian ist der Leitfaden, anhand dessen Charles durchs Labyrinth seiner Erinnerungen streift. Sebastian eröffnete ihm erst Einblick in die wundersame Welt von Brideshead, dem arkadischen Landsitz, um den das Leben seiner katholischen Adelsfamilie kreist; doch bald schon ist es Sebastian, zunehmend dem Spleen und dem Alkohol verfallen, der den unaufhaltsamen Niedergang dieser Wunderwelt sowohl betreibt wie demonstriert. Dabei vergeht die Zeit, die Wege trennen sich, das Leben nimmt so seinen Lauf, man hört nicht mehr viel voneinander. Als Charles zu späterer Zeit dem Brideshead-Bann aufs Neue unterliegt, ist es die Schwester Julia, die ihn betört, so dass er sich mit ihr auf eine jahrelange amour fou einlässt. Das Ende aber bilden Trennung, Tod und Abschied. So bleibt nur die Entzauberung. Wie alle großen Elegien kann auch dieser Roman das Vergangene nicht neu beleben. Die wahren Paradiese wie die Jugend sind immer schon verloren.

In der deutschen Neuausgabe, die jetzt zum 110. Geburtstag dieses Autors vorliegt, können wir den Text nach mehr als fünfzig Jahren in aktueller Sprachgestalt erleben. Hier ist nun nicht mehr vom "Homo-Freund", sondern vom "schwulen Freund" die Rede; wir wundern uns nicht länger über Ausdrücke wie "Bildungsgöpel", sondern finden sie mit "kultureller Tretmühle" hinreichend erklärt; und der berühmte Ausdruck Waughs für das Lebensgefühl jener jungen, elitären, Oxforder Zwischenkriegsgesellschaft, the languor of Youth, wird von der Übersetzerin pociao rundheraus mit "Trägheit der Jugend" wiedergegeben, wo bei Franz Fein zuvor noch "das süße Gefühl der Erschlaffung" stand. So klingt die Sprache zwar heutiger und frischer, doch rückt mit ihr alles Erzählte in so unwirklich klare Nähe wie die Alpen bei Föhn, dass doch vielleicht die dunstig-distanzierte Sicht auf weit Entferntes bei dem, was hier erzählt wird, etwas für sich hat.

Als eine Art Beigabe zum Roman erscheint in gleicher schöner Aufmachung eine Auswahl von fünfzehn Erzählungen, entstanden von 1932 bis 1963, fünf davon erstmals auf Deutsch. Sie zeugen insgesamt von den satirischen Talenten Waughs, die seit den dreißiger Jahren seinen Ruhm wie sein finanzielles Auskommen als Gesellschaftsautor sicherten, vielfach aber auch Gelegenheitsarbeiten waren, die man wohl mit einigem Vergnügen, jedoch ohne bleibende Erinnerungen liest. Am pointiertesten und stärksten wirkt gleich die Eröffnungserzählung "Liebe in schlechten Zeiten", die von einer verhinderten Flitterwoche handelt, in deren Verlauf eine Verkettung verpasster Zugverbindungen und neu gefundener Kontakte den grad geschlossenen Ehebund in Frage stellt.

Das alles aber überragt Waughs Kriegsroman. Geschrieben 1944, als der Autor, selbst als freiwilliger Soldat aktiv und bei einem Flugzeugabsturz verwundet, sich für einige Monate Diensturlaub von der Armee erbeten hatte, erkundet sein Buch die Frage, wofür sich zu kämpfen lohnt, und setzt mit seinen unvergesslichen Figuren Denkmäler einer Gesellschaftskultur, die im Weltkrieg unterging. Nicht nur wer "Downton Abbey"-süchtig ist und wissen will, woraus die Serie ihre Inspiration zieht, sondern alle, die ein Paradies verloren glauben, sollten diesen Roman unverzüglich lesen. Ein Wiedersehen mit Brideshead ist längst fällig.

TOBIAS DÖRING.

Evelyn Waugh: "Wiedersehen mit Brideshead".

Roman.

Aus dem Englischen von Pociao. Nachwort von Daniel Kampa. Diogenes Verlag, Zürich 2013. 540 S., geb., 26,90 [Euro].

Evelyn Waugh: "Ausflug ins wirkliche Leben und andere Meistererzählungen".

Ausgewählt von Margaux de Weck und Daniel Kampa. Diogenes Verlag, Zürich 2013. 476 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Thomas Leuchtenmüller freut sich über die Wiederbegegnung mit Evelyn Waugh, die er zahlreichen Neuauflagen und -übersetzungen zu verdanken hat. Allein der erstmals im Jahre 1945 erschienene Roman "Wiedersehen mit Brideshead" bedeutet dem Kritiker größtes Lesevergnügen: Er begleitet hier den jungen Künstler Charles Ryder, der seine Studienzeit in den zwanziger Jahren größtenteils auf dem luxuriösen englischen Landsitz seines dandyhaften Freundes Sebastian Fiyte verbringt, beobachtet wie die Familiendynastie an ihrem strengen Katholizismus, Depressionen und Alkoholismus zugrunde geht und schließlich selbst als Hauptmann im Zweiten Weltkrieg das inzwischen verwahrloste Domizil bewohnt. Der Kritiker fühlt sich während der Lektüre immer wieder an Fitzgeralds "Der große Gatsby" erinnert, registriert aber durchaus auch zahlreiche Einflechtungen des exzentrischen, konservativen und politisch unkorrekten Autors: Neben den antisemitischen, fremdenfeindlichen und sexistischen Anspielungen, stehen für Leuchtenmüller jedoch die Virtuosität, der Witz, die grandiose Sprache und die Schlagfertigkeit dieses darüber hinaus exzellent übersetzten Romans, so dass er ihn nur unbedingt empfehlen kann.

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