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Ein unfreiwilliger Abenteurer Ein Agent wider Willen im Havanna der späten Fünfziger Jahre
"Auf dem Schreibtisch lagen zwei Bücher - identische Exemplare von Lambs Shakespeare-Erzählungen. Auf einem Block, auf dem sich Hawthorne vermutlich Notizen für ihr Treffen gemacht hatte, stand: '1. Gehalt. 2. Spesen. 3. Übermittlung. 4. Charles Lamb. 5. Tinte.' Er wollte eben den Lamb aufschlagen, als eine Stimme sagte: 'Hände hoch. Arriba los manos.' - 'Las manos', verbesserte Wormold."
Liebevoll zeichnet Greene die Gestalt des Mr. Wormold und die seiner Freunde und Feinde. Der englische Kaufmann
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Produktbeschreibung
Ein unfreiwilliger Abenteurer
Ein Agent wider Willen im Havanna der späten Fünfziger Jahre

"Auf dem Schreibtisch lagen zwei Bücher - identische Exemplare von Lambs Shakespeare-Erzählungen. Auf einem Block, auf dem sich Hawthorne vermutlich Notizen für ihr Treffen gemacht hatte, stand: '1. Gehalt. 2. Spesen. 3. Übermittlung. 4. Charles Lamb. 5. Tinte.' Er wollte eben den Lamb aufschlagen, als eine Stimme sagte: 'Hände hoch. Arriba los manos.' - 'Las manos', verbesserte Wormold."

Liebevoll zeichnet Greene die Gestalt des Mr. Wormold und die seiner Freunde und Feinde. Der englische Kaufmann Wormold ist alles andere als ein Abenteurer. Er verkauft Staubsauger und möchte die Zukunft seiner extravaganten Tochter sichern. Der britische Geheimdienst sucht Agenten - und es ist für ihn eine vermeintlich sichere Geldquelle. Doch Wormold spielt mit dem Feuer.
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.12034
  • Verlag: Dtv
  • 10 . Aufl.
  • Seitenzahl: 256
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 256 S. 191 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 119mm x 20mm
  • Gewicht: 214g
  • ISBN-13: 9783423120340
  • ISBN-10: 3423120347
  • Artikelnr.: 05699535
Autorenporträt
Graham Greene wurde 1904 in Berkhampstead, Hertfordshire, geboren. Nach seinem Studium der Geschichte in Oxford arbeitete er zunächst bei der "Times" in London, danach als Filmkritiker beim "Spectator". Die großen Reisen, die er unternahm - u. a. nach Westafrika und Asien - wurden auch zum Fundus für seine schriftstellerische Tätigkeit. Er wurde mehrmals als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt und zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Greene starb 1991 in Genf.
Rezensionen
Besprechung von 08.04.2006
Band 13
Der Spion wider Willen
Graham Greenes „Unser Mann in Havanna”
Unser Mann in Havanna ist Mr. Wormold, Engländer, Besitzer eines Staubsaugerladens und seit zwanzig Jahren in Kuba. Seine Frau hat ihn in Richtung Miami verlassen, nicht ohne ihm zuvor das Versprechen abzunehmen, Milly, ihre gemeinsame Tochter, katholisch erziehen zu lassen. Weil der Strom oft ausfällt und die Angst vor einer Revolution allgegenwärtig ist, laufen Wormolds Geschäfte schlecht. Er kann die Ansprüche seiner schönen 17-jährigen Milly kaum erfüllen, der noch dazu von Hauptmann Segura, dem Folterspezialisten der Polizei, der Hof gemacht wird.
Als Mr. Wormold vom Agenten 59200 des englischen Geheimdienstes angesprochen wird, ist er schon bald Agent 59200/5 und erhält eine steuerfreie Zahlung von 150 Dollar monatlich plus 150 Dollar Spesen. Mr. Wormolds erster eigener Anwerbungsversuch hingegen gerät zum Desaster. Sein Freund, der deutsche Arzt Dr. Hasselbacher, rät ihm, seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. „Lügen Sie einfach und behalten Sie Ihre Freiheit. Die haben die Wahrheit nicht verdient.” Mr. Wormold beginnt zu schreiben, und er schreibt großartig. In schneller Folge treten die Agenten 59200/5/1-5 ihren Dienst an und erhalten gewisse Zahlungen. In London ist man von Mr. Wormolds Arbeit so beeindruckt, dass man ihm neben einem Funker auch Beatrice, eine Sekretärin, schickt . . .
Wer meint, nun sei schon ein Viertel des Romans verraten, hat noch nie Graham Greene gelesen. Nicht nur Greenes Figurenzeichnung und Dialoge, die Beschreibung der Orte und Stimmungen, seine frappierenden Vergleiche, seine Komik und Melancholie und die Vielzahl der im Roman versteckten kleinen Storys wären damit unterschlagen, sondern auch das Hauptmotiv des ganzen Buches, das erst aus verstreuten Andeutungen zusammengesetzt werden muss, bevor es zum ersten Mal aus Dr. Hasselbachers Mund ganz rein erklingt: „Sie existieren nur in meinen Gedanken . . . Beweisen Sie, dass Sie existieren.”
Vom Verhältnis zwischen Erdachtem und Realem, von Erfindung und Wirklichkeit und über die verfließenden Grenzen dazwischen handelt der Roman, der wie eine Versuchsanordnung beginnt und der Durchführung eines Experiments gleicht, weshalb sich die Handlung mit der Notwendigkeit einer Tragödie entwickelt. Es ist eine Fabel über die Macht der Worte und damit wohl die Metapher für die Zeit des Kalten Krieges, dessen Erhitzung an Kuba nur wenige Jahre später hier vorweggenommen wird. Die Konkurrenz der beiden Machtblöcke lässt die Realität unter den Deutungsmustern verschwinden und macht aus den Phantasien der Geheimdienste wiederum Realität. So ist es nur folgerichtig, wenn aus einer erdachten Figur eine tatsächliche Person wird, aus einem Lebenden ein Toter.
Deshalb führt Greene seine Figuren wie Abziehbilder ihrer selbst ein. Der Unterschied zum Groschenroman aber ist, dass die Figuren wissen, dass ihnen in diesen Verhältnissen nur noch die Klischeerollen bleiben. Beatrice belehrt Wormold: „Wir sind wieder in der Welt der Pfadfinderzeitschriften, das ist alles. Sie können sich glücklich schätzen.” „Warum?” „Es hätte der Sunday Mirror sein können. Heutzutage wird die Welt den populären Zeitschriften nachgebildet. Mein Mann entstammte dem Encounter.”
INGO SCHULZE
Graham Greene
Foto: Paul Zsolnay Verlag
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»Graham Greene ist ein Meister der Paradoxien.« Georg Hensel, Welt am Sonntag
"Aus den bröckelnden, spätkapitalistischen Kulissen Kubas saugt der Autor, der selbst einschlägige Erfahrungen mit Undercover-Arbeit hatte, hochprozentigen literarischen Honig."
Die Rheinpfalz 23.08.2008