Liebe in Zeiten des Hochverrats - Weisenborn, Joy; Weisenborn, Günther
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Liebe gedeiht auch in Zeiten des Hochverrats - hinter Gittern, in Zuchthäusern, selbst im Angesicht des Galgens. Für Joy und Günther Weisenborn war sie eine Art Lebens-Mittel, das ihnen Zuversicht und Mut gab. Ihre Tagebücher und Briefe sind berührende Dokumente, die zeigen, wie zwei Gegner des Dritten Reiches die Endphase des Zweiten Weltkrieges überlebten.
Am 26. September 1942 wurden die Weisenborns verhaftet. Sie gehörten zum Freundeskreis um Harro Schulze-Boysen, der auf vielfältige Weise Widerstand leistete gegen den Nationalsozialismus. Die Gestapo rechnete ihn einer angeblich von
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Produktbeschreibung
Liebe gedeiht auch in Zeiten des Hochverrats - hinter Gittern, in Zuchthäusern, selbst im Angesicht des Galgens. Für Joy und Günther Weisenborn war sie eine Art Lebens-Mittel, das ihnen Zuversicht und Mut gab. Ihre Tagebücher und Briefe sind berührende Dokumente, die zeigen, wie zwei Gegner des Dritten Reiches die Endphase des Zweiten Weltkrieges überlebten.

Am 26. September 1942 wurden die Weisenborns verhaftet. Sie gehörten zum Freundeskreis um Harro Schulze-Boysen, der auf vielfältige Weise Widerstand leistete gegen den Nationalsozialismus. Die Gestapo rechnete ihn einer angeblich von Moskau gesteuerten Widerstandsgruppe zu, die sie auf den Namen "Rote Kapelle" taufte. In der Haftzeit schrieben sich der prominente Schriftsteller und seine Frau Briefe. So bewahrten sie sich ihr eigenes privates Reich, das sogar dem allmächtig scheinenden NS-Regime Grenzen setzte. Nach ihrer Entlassung im April 1943 führte Joy zudem ein Tagebuch, das hier erstmals veröffentlicht wird. Die sehr persönlichen Dokumente legen Zeugnis ab von einer großen Liebe und einer Gegenwelt, die sich - trotz Isolation und Todesangst - nicht unterkriegen ließ.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 298
  • Erscheinungstermin: September 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 146mm x 25mm
  • Gewicht: 524g
  • ISBN-13: 9783406714221
  • ISBN-10: 3406714226
  • Artikelnr.: 48001902
Autorenporträt
Christian und Sebastian Weisenborn sind die Söhne von Joy und Günther Weisenborn. Der Dokumentarfilmer Christian Weisenborn hat zuletzt den Film "Die guten Feinde. Mein Vater, die Rote Kapelle und ich" gedreht, der zum Jahrestag der Verhaftung der "Roten Kapelle" im September 2017 im ZDF gezeigt wird.
Hans Woller ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Zeitgeschichte und war von 1994 bis 2015 Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte.
Inhaltsangabe
"Zu viel für ein Menschenleben" - Die Weisenborns und die "Rote Kapelle" (Hans Woller) Dokumente Die Weisenborns nach 1945 (Hans Woller) Anmerkungen Bildnachweis Personenregister
Rezensionen
"Dalos' grandios geschriebenes Buch über den letzten russischen Zaren ist die Nachzeichnung einer persönlichen und politischen Katastrophe."
Kölner Stadt-Anzeiger Online, 06. Oktober 2017

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 08.11.2017

LITERATUR
Liebesbeweise
Die Briefe Joy und Günther Weisenborns sind Dokumente aus einem brennenden Deutschland
und Zeugnisse des inneren Widerstands gegen den Nationalsozialismus
VON NICOLAS FREUND
Dieses Buch erscheint Jahrzehnte zu spät und damit genau zur rechten Zeit. Zu spät ist es, weil die „Rote Kapelle“, die Widerstandsgruppe im „Dritten Reich“, der auch Joy und Günther Weisenborn angehörten, längst Teil der Lehrpläne an allen Schulen sein und längst so bekannt sein müsste wie die „Weiße Rose“. Dass sie es noch nicht ist, hat denselben Grund, der diese nun teilweise zum ersten Mal erschienenen Dokumente aus der Gefangenschaft unfreiwillig und unangenehm aktuell macht.
Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Widerstandsgruppen galten die Mitglieder der „Roten Kapelle“ nach 1945 nicht als Helden, sondern weiter als Verräter, da sie geheimdienstlich relevante Informationen an die Russen weitergegeben hatten, also an den Feind, der nach Ende des Krieges für den Westen weiter der Feind war. Auch passten zu viele Widerstandskämpfer nicht zu dem neuen Selbstbild der deutschen Bevölkerung, die von den Verbrechen des NS-Regimes nichts gewusst haben wollte. Die Urteile des Reichskriegsgerichtes – obwohl sie keine Soldaten waren, wurden die verhafteten Mitglieder der „Roten Kapelle“ vor ein Kriegsgericht gestellt – sind jahrzehntelang nicht aufgehoben worden, erst zu Beginn des neuen Jahrtausends gab es auf Anträge noch lebender Verwandter einzelne Rehabilitierungen. Ein 2009 vom Bundestag verabschiedetes Gesetz machte alle Urteile gegen sogenannte Kriegsverräter und damit auch gegen alle Mitglieder der „Roten Kapelle“ unwirksam. Der braune Filz, der in der BRD nur teilweise entfernt worden war und der gerade an vielen Stellen wieder ans Tageslicht kommt, hatte die Legende von der „Roten Kapelle“ als moralisch verdorbener Bande radikaler Kommunisten bis weit nach Kriegsende bewahrt.
Dabei waren die Mitglieder der Gruppe weder besonders links, noch besonders organisiert. Es gab Gruppen um verschiedene Zirkel von Künstlern und Intellektuellen in Berlin wie den Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen und den Juristen Arvid Harnack, aber auch mehr oder weniger unabhängige Widerständler, die später der „Roten Kapelle“ zugerechnet wurden. Die Aktionen der Gruppe reichten vom Verstecken verfolgter Juden bis zur gezielten Weitergabe von Informationen per Funk an ausländische Geheimdienste, vor allem in die Sowjetunion. Diese Weitergabe wurde der Gruppe zum Verhängnis, weil ein sowjetischer Agent in Brüssel zu lange auf Sendung geblieben war und von der Gestapo aufgespürt werden konnte. Unter Folter verriet er seine Kontakte in Deutschland, im September 1942 kam es zu einer Verhaftungswelle von allein in Berlin etwa 120 Verdächtigen, darunter Joy und Günther Weisenborn.
Mehr als fünfzig Männer und Frauen überlebten ihre Courage im Widerstand nicht, das Kriegsgericht verurteilte sie zum Tode. Angeblich auf persönliche Anweisung Hitlers, der über die Größe der Widerstandsgruppe entsetzt gewesen sein soll, wurden die Männer an Drähten erhängt, um sie einen besonders grausamen Tod sterben zu lassen. Die Frauen wurden geköpft. „Es ist Krieg, die einen fallen in Stalingrad, die anderen in Plötzensee“, schrieb Günther Weisenborn am 5. Februar 1943 an Joy. Wie durch ein Wunder entging das Paar den Hinrichtungen. Joy kam im Frühjahr 1943 wieder frei, wahrscheinlich war in ihrem Fall selbst dem Kriegsgericht der Nazis die Beweislage zu dünn. Günther Weisenborn wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Auch in seinem Fall kann nur spekuliert werden, warum er einem Todesurteil entging. Möglicherweise war den Nazis die Hinrichtung des beliebten Schriftstellers zu heikel. Zwischen 1942 und 1945 schrieben sich Joy Weisenborn und Günther, so oft es die strengen Gefängnisbestimmungen zuließen, und Joy führte nach ihrer Entlassung ein Tagebuch.
Christian Weisenborn, einer der Söhne des Paares, hat in diesem Jahr bereits eine Dokumentation über die „Rote Kapelle“ ins Kino gebracht. Gemeinsam mit seinem Bruder Sebastian Weisenborn und Hans Woller vom Institut für Zeitgeschichte hat er nun die Briefe und Dokumente der Eltern aus den Jahren der Gefangenschaft herausgegeben und viele davon, wie die Tagebücher, so zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Sensationen sind und waren nicht zu erwarten, schon alleine, da die Briefe die Zensur der Nazis passieren mussten. Das Paar machte sich gegenseitig Mut, aber zwischen all dem säuselnden „Joyken, Fräuken“ sind die Briefe, vor allem in den Beschreibungen Joys, eindringliche Dokumente der letzten Kriegsjahre und der unerschütterlichen Solidarität zweier Menschen füreinander. „Weißt Du, diese Zeit, so hart sie auch ist, sie führt einen Menschen bis zu seinem tiefsten Innern, und das ist gut, man lernt sich selbst erst richtig kennen“, schrieb Joy am 1. November 1942. Beide überlebten diese Jahre gesundheitlich schwer angeschlagen, aber in ihrem Misstrauen allem Militärischen, allen Diskriminierungen und allen Relativierungen des Nationalsozialismus gegenüber gestärkt und bestätigt.
In einem längeren Tagebucheintrag beschreibt Joy ihre Suche nach der Mutter in Wuppertal, das von einem Luftangriff schwer getroffen worden war. „Wo war das kleine Türmchen, in dem die Tante wohnte? Weg! Einfach nicht mehr da, die ganze Straße war ein Trümmerhaufen.“ Sie sieht einen verbrannten Löschzug, tote Menschen, die aussehen wie „verkohlte Stöcke“, auch die Schulfreundin ist mit ihren Kindern bei dem Angriff ums Leben gekommen. Im Gefängnis erlebt Günther das Bombardement Berlins aus der Ferne, die Hölle im Gefängnis mit Schlägen und der ständigen Todesangst vieler Gefangener deutet er nur an. „Wir waren 36 Mann auf unserem Flur dort, von denen 2 freigelassen, 4 Freiheitsstrafen erhielten, darunter ich, der Rest Todesurteile und keine Begnadigung.“ Es sind Briefe aus einem Deutschland, das buchstäblich in Flammen aufgeht.
Es sind aber auch Briefe einer großen Liebe und sie erzählen von zwei Menschen, die gegen eine Sache kämpften, die sie für grundfalsch hielten, und die sich trotz Haft, Krieg und Entbehrungen nicht von ihrer Überzeugung abbringen ließen.
Joy und Günther Weisenborn: Liebe in Zeiten des Hochverrats. Tagebücher und Briefe aus dem Gefängnis 1942 – 1945. Hg. v. Christian Weisenborn, Sebastian Weisenborn und Hans Woller. C.H. Beck, München 2017. 298 Seiten. 24,95 Euro.
„Es ist Krieg, die einen fallen
in Stalingrad,
die anderen in Plötzensee.“
Margarete, genannt Joy, und Günther Weisenborn vor ihrer Verhaftung, etwa um das Jahr 1940.
Foto: Christian Weisenborn
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