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Flüchtlinge aus allen Ländern Europas treffen 1940 zu Tausenden in Marseille ein. Sie hetzen nach Visa, Stempeln, Bescheinigungen, ohne die sie den Kontinent nicht verlassen können. Im Chaos der Stadt, in den Cafés, auf der Jagd von Behörde zu Behörde kreuzen sich ihre Wege. Unter ihnen der Ich-Erzähler, der eine schmerzliche Liebe zu der Frau durchlebt, die rastlos ihren Mann sucht, an dessen Tod sie nicht glauben will. Mit falschen Papieren und - durch Zufall - mit der Hinterlassenschaft jenes Toten ausgestattet, erhält er durch glückliche Umstände eine Passage nach Übersee. Doch er gibt sie…mehr

Produktbeschreibung
Flüchtlinge aus allen Ländern Europas treffen 1940 zu Tausenden in Marseille ein. Sie hetzen nach Visa, Stempeln, Bescheinigungen, ohne die sie den Kontinent nicht verlassen können. Im Chaos der Stadt, in den Cafés, auf der Jagd von Behörde zu Behörde kreuzen sich ihre Wege. Unter ihnen der Ich-Erzähler, der eine schmerzliche Liebe zu der Frau durchlebt, die rastlos ihren Mann sucht, an dessen Tod sie nicht glauben will. Mit falschen Papieren und - durch Zufall - mit der Hinterlassenschaft jenes Toten ausgestattet, erhält er durch glückliche Umstände eine Passage nach Übersee. Doch er gibt sie zurück. Auf ihrer eigenen Odyssee von Marseille nach Mexiko - unmittelbar unter dem Eindruck ihrer persönlichen Erlebnisse - begann Anna Seghers an diesem Roman zu arbeiten. Dennoch spiegelt er die Ereignisse nicht einfach wider, sondern ist ein Werk großer Kunst und Künstlichkeit, voll Ironie, Spiel und scheinbarer Leichtigkeit.
Mit diesem Band liegt die erste authentische Buchausgabe von "Transit" vor. Sie basiert auf der ersten deutschen Veröffentlichung in der "Berliner Zeitung" von August bis November 1947, die erheblich von allen bisherigen Buchpublikationen abweicht und sprachliche wie stilistische Eigenheiten der Autorin erhalten hat. Anmerkungen und Kommentar erläutern die komplizierte Geschichte und die vielschichtige Struktur des Romans, der, so Heinrich Böll, "zum schönsten wurde, den Anna Seghers geschrieben hat".

Die neue Edition der Werke von Anna Seghers wird herausgegeben von Helen Fehervary und Bernhard Spies. Angelegt auf 24 Bände, umfaßt die Leseausgabe, an der international renommierte Forscher beteiligt sind, alle literarischen und theoretischen Schriften der Autorin - die veröffentlichten wie die noch nicht gedruckten -, ergänzt durch eine Auswahl der Briefe. Jeder Band enthält einen Anhang mit Erläuterungen und einen Kommentar, basierend auf dem neuesten Stand der Forschung. Alle Bände in Leinen gebunden, mit Fadenheftung und Leseband.

Bereits erschienen: Das siebte Kreuz (ISBN 3-351-3454-7)
  • Produktdetails
  • Aufbau Taschenbücher Bd.5153
  • Verlag: Aufbau Tb
  • 17. Aufl.
  • Seitenzahl: 290
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm
  • Gewicht: 245g
  • ISBN-13: 9783746651538
  • ISBN-10: 3746651530
  • Artikelnr.: 05186633
Autorenporträt
Anna Seghers wurde 1900 als Netty Reiling in Mainz geboren. Von 1920 bis 1924 studierte sie in Heidelberg und Köln Kunstgeschichte und Sinologie, Promotion. Nach der Heirat mit dem Ungarn László Radványi lebte sie ab 1925 in Berlin. 1928 Kleist-Preis; Eintritt in die KPD. Nach dem Machtantritt Hitlers Flucht nach Paris, 1941 von Marseille nach Mexiko. 1947 kehrte sie nach Berlin zurück, im gleichen Jahr Verleihung des Georg-Büchner-Preises. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates und Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste. Von 1952 bis 1978 Vositzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Sie starb 1983 in Berlin.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 29.09.2007

Fluchtpunkt Marseille
Anna Seghers: „Transit”
Als sie ihr Roman-Manuskript fertig hatte, war es eher Monate als Jahre her, dass Anna Seghers am eigenen Leib erfahren und als Zeugin erlebt hatte, was sie in „Transit” schildert: den Stillstand am Hafen von Marseille 1940, nach dem Einfall der Wehrmacht in Frankreich. Ihre Bücher waren von den Nazis verbrannt worden, sie, Mitglied der KPD, floh nach Paris, dann mit Mann und Kindern weiter nach Marseille und schließlich, vierzig Jahre alt, nach Mexiko. In der Hafenstadt war sie eine von vielen Menschen auf der Flucht vor Verfolgung und womöglich Ermordung, die festsitzen, „weil hier Europa zu Ende war”. Künstler, Politische, Straffällige, schräge Typen und anständige Leute in der Falle. Die einen ahnen, was ihnen droht, die anderen sind bereits aus Lagern entkommen, wieder andere sind bloß hysterisch. Alle unterliegen einer undurchschaubaren Behördenwillkür mit ständig wechselnden Ausreise-Konditionen, der Bedrohung durch Razzien und Denunzianten und besonders dem „Transitgeflüster”, wie Seghers die wuchernden Gerüchte tauft, die den Flüchtlingen zermürbende Wechselbäder von Panik und Hoffnung bescheren.
Den Titel verdankt das Buch dem unter den „Abfahrtssüchtigen” und „Visumsbesessenen” zum Fetisch gediehenen Begriff „Transit”, der Durchreisegenehmigung, ohne die man keine Ausreiseerlaubnis bekam, sofern man ein Einreisevisum und womöglich ein Affidavit besaß – jeder Begriff, jeder Schein ein anderes bürokratisches Monstrum, dessen Erwerb unabdingbar war neben einem der raren Plätze auf einem Schiff. Spätestens vor den Fahrkartenschaltern der Schifffahrtslinien und den Visa-Abteilungen der Ziel- und Durchreisestaaten ist das Gemeinschaftsgefühl verflogen. Die einen machen mit der Not ihre Geschäfte, manche spielen sich auf als Retter und Wohltäter, andere sind schamlose Verräter.
In ihren Figuren verdichtet sie alle möglichen Schicksale, besonders ihr eigenes vertracktes Problem, die Identität der flüchtigen Anna Seghers mit der bürgerlichen Netty Radvani nachzuweisen. Ihr Held und Erzähler Seidler, dem Literatur nichts bedeutet, hat den Namen eines Schriftstellers Weidler übernommen, der sich in Paris umbrachte. Doch er stiehlt sich nicht einfach in eine andere Identität, er erlangt sie auf dem mexikanischen Konsulat, weil der Beamte, der den Schwindel offenbar durchschaut, die Sache sportlich nimmt und sein intellektuelles Vergnügen daran hat.
„Transit” gilt als beinah historisches Zeugnis vom Schicksal der Flüchtenden. Aber der Verzweiflung der Bedrohten gegenüber steht der skeptisch distanzierte Seidler, gutmütiger Schelm und kapriziöser Held zugleich.
Nicht zuletzt aus seinen Stimmungen zwischen Ratlosigkeit und Zuversicht rührt die anhaltende Spannung des Romans und daraus, dass er die Situation kaum selbst versteht, von der er erzählt. RUDOLF VON BITTER
Anna Seghers Foto: SV-Bilderdienst
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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"Transit gehört zu den Büchern, die in mein Leben eingreifen, an denen mein Leben weiterschreibt, so daß ich sie alle paar Jahre zur Hand nehmen muß, um zu sehen, was inzwischen mit mir und mit ihnen passiert ist." - Christa Wolf