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Bestsellerautor Bruno Preisendörfers nächste Zeitreise: Auf der Spur der Philosophie der Alltagsgegenstände und dem, was sie mit uns machen.1963, als der Erstklässler Bruno Preisendörfer aufgeregt seinen ersten Schulweg antrat, hing an seinem Schulranzen noch ein Wischläppchen für seine Schiefertafel, gerechnet wurde mit Stift und Rechenschieber, Musik hörte man im Radio oder auf LP und nur 14% der Bevölkerung hatten ein Telefon - die Preisendörfers gehörten nicht dazu, einen Fernseher gab es bei ihnen daheim auch nicht und auch keine Schreibmaschine, mit der man z. B. das Manuskript zu diesem…mehr

Produktbeschreibung
Bestsellerautor Bruno Preisendörfers nächste Zeitreise: Auf der Spur der Philosophie der Alltagsgegenstände und dem, was sie mit uns machen.1963, als der Erstklässler Bruno Preisendörfer aufgeregt seinen ersten Schulweg antrat, hing an seinem Schulranzen noch ein Wischläppchen für seine Schiefertafel, gerechnet wurde mit Stift und Rechenschieber, Musik hörte man im Radio oder auf LP und nur 14% der Bevölkerung hatten ein Telefon - die Preisendörfers gehörten nicht dazu, einen Fernseher gab es bei ihnen daheim auch nicht und auch keine Schreibmaschine, mit der man z. B. das Manuskript zu diesem Buch hätte schreiben können. Mit einer Mischung aus Irritation, Faszination und verschmitztem Staunen lässt Preisendörfer die rasante Entwicklung Revue passieren, die seinem persönlichen Alltag im Laufe weniger Jahrzehnte widerfuhr. Manchmal mit ein wenig Nostalgie, manchmal fasziniert, immer aber mit Neugier und dem Bewusstsein, dass auch jede Zukunft nur allzu bald ihre Vergangenheit hat.
Preisendörfer wäre dabei nicht Preisendörfer, beleuchtete er nicht mit wachem Blick und stilistischer Raffinesse, was die jeweiligen Kulturtechniken mit ihren Benutzern machten und wie sie sich auf das jeweilige Sozialgefüge auswirkten - wenn sich die gesamte Familie um einen Fernseher versammelt, lebt man anders, als wenn jeder ein Tablet hat; mit physischen LPs war Musikhören etwas anderes als mit Streamen; und wenn jeder ein Handy hat, entwickelt sich auch kein erbitterter Kampf um das einzige Telefon mehr.
  • Produktdetails
  • Verlag: Galiani-Berlin
  • Artikelnr. des Verlages: 4002183
  • Seitenzahl: 265
  • Erscheinungstermin: 8. März 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 145mm x 27mm
  • Gewicht: 438g
  • ISBN-13: 9783869711669
  • ISBN-10: 3869711663
  • Artikelnr.: 49601523
Autorenporträt
Preisendörfer, Bruno§Bruno Preisendörfer ist Publizist und Schriftsteller. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u. a.: Die letzte Zigarette und Der waghalsige Reisende. Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben. Seine beiden Bücher Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit (2015) und Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit (2016) waren Bestseller. 2018 erschien Die Verwandlung der Dinge. Eine Zeitreise von 1950 bis morgen, 2019 folgte Als die Musik in Deutschland spielte. Reise in die Bachzeit.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Das Grundproblem vieler historischer Bücher besteht darin, dass ihre Autoren zwar unglaublich viel wissen, dieses Wissen jedoch kaum in sprachlich ansprechender Form zu vermitteln verstehen. Dieses Problem hat Bruno Preisendörfer nicht. Seine letzten beiden Bücher, in denen er uns auf Reisen in die Goethe- und die Lutherzeit mitgenommen hat, sind nicht umsonst zu kleinen Bestsellern geworden. Dieses Mal reist der Autor in seiner "Zeitreise von 1950 bis morgen" nicht ganz so weit in die Vergangenheit, was den Vorteil hat, dass die meisten seiner Leser jede Menge Wiedererkennungseffekte haben. Ob es das Wählscheibentelefon ist oder die LP, ob Preisendörfer über den Weg vom klobigen TV-Gerät zum Online-Streaming schreibt oder ob es um die Medien geht, mit denen wir Texte verfassen und rezipieren: Immer weiß der Historiker launig, jedoch trotzdem wissenschaftlich exakt zu erzählen, immer hat der Leser einen überraschenden Erkenntnisgewinn in Verbindung mit Spaß an der Lektüre. Preisendörfer führt uns die Verwandlung der Dinge so plastisch vor Augen, dass wir ebenfalls zu begreifen beginnen, wie die Dinge auch uns und unseren Geist verwandeln. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis: Dieses Buch ist die beste Illustration dieses ewig gültigen Satzes.

© BÜCHERmagazin, Carsten Tergast (ct)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.06.2018

Als Barbie über Käthe Kruse triumphierte

Funde im Gerätekeller: Martin Meyer und Bruno Preisendörfer blicken zurück auf das verblassende zwanzigste Jahrhundert.

Nostalgie selbst scheint zeitenthoben zu sein, weil Menschen zu allen Zeiten der eigenen Jugend nachtrauern. Es fällt trotzdem schwer, sich vorzustellen, dass sich Digital Na(t)ives einmal genauso gerührt an Telegram oder Snapchat erinnern werden wie die heute Sechzigjährigen an Tastentelefone und das erste Durchblättern des "Playboy". Immerhin, so ließe sich ins Feld führen, wurden Letztere Zeugen eines Kulturbruchs, der die Welt in ein Davor und ein Danach teilt: die elektronische Verschaltung, die den Zwischenraum zwischen den Ereignissen abgeschafft hat. Wie selig erscheinen manch einem da prädigitale Rituale der Verzögerung. Freilich dachten frühere Generationen schon ähnlich, etwa über den Kutschenkulturschock Eisenbahn.

Zwei persönliche Rückblicke auf das allmählich verblassende zwanzigste Jahrhundert sind in dieser Saison erschienen, mal heiter, mal polemisch, mal von "Verwandlung" sprechend, mal von "Verschwinden". Beide Bücher stammen von Publizisten reiferen Alters, und beide zielen auf Altersgenossen, die es ebenfalls nicht fassen können, dass mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen sein soll, seit die Märklin-Lok "Krokodil" unter dem Christbaum lag. Für eine simple Verklärung des Vergangenen sind die Autoren zu klug, amüsieren sich etwa über historisch-ästhetische Irrwege wie den Spannteppich oder die Fototapete. Blind den Fortschritt feiern möchten sie aber noch viel weniger.

Vor allem bei Martin Meyer, dem ehemaligen Feuilletonleiter der "Neuen Zürcher Zeitung", ist die Gegenwartskritik allgegenwärtig: "Im Augenblick des Geschehenden muss über dieses bereits berichtet werden. Selbst die Sekunde eines schweigenden Nichts wird abgetrieben. Alles ist immer Jetzt. Damit verändert sich geschichtlich aufgeladene Erfahrung." Der Abschaffung der technisch-medial bedingten Reaktionszeit korrespondiere also ein Reflexions-Manko, das der Autor als Signatur unserer Epoche begreift. Das mag nicht falsch sein. Meyer aber geht noch weiter und attestiert der Neomoderne eine Art strukturelle Egozentrik, weil in einer "Welt ohne Götter und Himmel" das Selbstvergessen "zugunsten eines Größeren" abhandengekommen sei. Das ist die alte, knarzende Klage über den Nihilismus: "Wir stürzen immer tiefer ins Nichts."

Man muss diese Ansicht glücklicherweise nicht teilen, um diese phänomenologisch inspirierten und mit eigenen Erfahrungen beglaubigten Reflexionen zu goutieren: der Lego-Kult als Nachspielen des Wiederaufbaus; die einstige Aufgeräumtheit des deutschen Waldes, bevor nach dem Sturm "Lothar" die neue Unterholz-Doktrin griff; die Kapitulation in Sachen "Schönschrift" als Vergehen an Friedrich Schillers Freiheit-folgt-Kunst-Idealismus; der Einbruch der "James Bond"-Coolness ins "Seldwyla" der schweizerischen Provinz, "Barbies" Triumph über die an naive Bauernmalerei erinnernden Käthe-Kruse-Puppen oder die verschwitzte Erotik der Hula-Hoop-Manie als nachgeholte Pubertät und Vorschein einer sexuellen Befreiung ohne Grenzen. Solche Miniaturen sind so kurzweilig wie erhellend.

Anderes ist vorhersehbarer, etwa die Polemik über Tattoos als "Selbstbeschädigungen". Meyer hält es mit dem Einritzen von Liebesschwüren in Baumstämme, wo sie in Würde altern dürfen.

Der Kulturwissenschaftler Bruno Preisendörfer, der mit seinen gelehrten "Reisen" in die Goethe- oder Lutherzeit einem großen Publikum bekannt geworden ist, geht die Sache eher ironisch an, indem er etwa Linien auszieht, die im animierten "Kot-Emoji" des neuen iPhone X enden. Auch eine Lesart der Geschichte zur Bildung der Menschheit. Im Habitus unterscheiden sich die beiden Bücher aber noch weitergehend, denn Preisendörfer widmet sich seinem Gegenstand nicht nur mit amüsiertem Kopfschütteln, sondern auch mit einer Akkuratesse, die dem auf essayistische Pirouetten abonnierten Meyer fremd ist.

Bei Preisendörfers "Zeitreise", die in sechs Kapiteln die Instrumente des Schreibens, Hörens, Sehens und Fernsprechens thematisiert, handelt es sich um eine mit Anekdoten gespickte Mediengeschichte des vergangenen Jahrhunderts. Es stellt sich hier allerdings die Frage nach dem Publikum: Wer dabei gewesen ist, braucht wohl kaum derart kleinteilige Erklärungen zu Geräten wie Schreibmaschine oder VHS-Rekorder. Auch ein weiterer Schnelldurchlauf zur Internet-Entwicklung fehlte gewiss niemandem. Und ob Jüngere sich durch Nachrufe noch einmal an überstiegene Stufen der kommunikationstechnischen Alltagskultur heranführen lassen, kann zumindest bezweifelt werden: "Auf den letzten Seiten des Ratgebers von 1975 bewirbt das Versandhaus Neckermann, das es seit 2012 nicht mehr gibt, in einer Anzeige die Taschenrechner der Firma Commodore, die es seit 1994 nicht mehr gibt." Nihil aeternum est, viel mehr gibt es dabei nicht zu lernen.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen der rasanten Technikentwicklung, beispielsweise das Gefühl eines Kontrollverlusts durch das Entschwinden alles Haptischen im Zeitalter des Streamings, interessieren Preisendörfer wenig. Er hat dafür einige Trivialitäten parat: "der Flow der Zukunft kommt aus dem Netz". Wenn man aber gar nichts lernen will, sondern wie im "Manufactum"-Geschäft (nicht "Shop") ein wenig in Vintage-Erinnerungen schwelgen, an Schiefertafeln, Tintenkiller oder Floppy-Discs, dann ist man mit dieser positivistischen Dinggeschichte gut bedient. Manche vergessene Kuriosität ist dabei zu entdecken, so die "Illusionsnachhilfe" Wasserlinse, mit der man in der DDR das Fernsehbild vergrößerte und zugleich verwässerte. Sogar Tipps gibt das Buch, etwa den, sich der Tortur des Erlernens des Zehn-Finger-Tippens zu unterziehen: "Übrigens lässt sich das als alter Mensch nachholen: am Schirm."

Dass Preisendörfers persönliche Einsprengsel nicht immer rasend interessant scheinen - Erinnerungen an Taxifahrten, das Vergessen des ersten Kusses, die Bestückung des Schreibtischs -, macht der Autor durch seine propere Gutgelauntheit wett. So sieht er etwa im "Belfie"-Trend - Selfies des eigenen Hinterns - nicht gleich eine Metapher auf den großen Verfall, wie sie der über Plastikspielzeug ("horrend"), zeitgenössische Kunst ("alles seit vielen Jahrzehnten ähnlich"), Tramfahrten ("heute kein Vergnügen mehr") oder akademische Verirrungen ("man verrennt sich in die Gender-Themen") murrende Meyer in seinem philosophisch gleichwohl reichhaltigeren Werk überall entdeckt.

Preisendörfer bleibt locker, sieht die Gegenwart als "eine Art Jetlag zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, wie sie einmal gewesen sein wird". Da lässt sich über Setzfibeln und Heintje-Kassetten ebenso schmunzeln wie über Handysocken. Die Zeit mag fliegen, aber der Mensch lahmt immer hinterher. Das ist doch ein Trost.

OLIVER JUNGEN

Bruno Preisendörfer: "Die Verwandlung der Dinge". Eine Zeitreise von 1950 bis morgen.

Galiani Berlin Verlag, Berlin 2018. 272 S., geb., 20,- [Euro].

Martin Meyer:

"Gerade gestern". Vom

allmählichen Verschwinden des Gewohnten.

Carl Hanser Verlag,

München 2018.

320 S., geb., 23,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Oliver Jungen lobt die Akkuratesse, mit der sich der Kulturwissenschaftler Bruno Preisendörfer nach dem 20. Jahrhundert umdreht. Nicht weniger als eine Mediengeschichte des vergangenen Jahrhunderts kommt dabei laut Jungen heraus, wenn der Autor Instrumente des Schreibens, Hörens, Sehens und Fernsprechens thematisiert. Auch wenn es Jungen manche Erklärung (zum VHS-Rekorder etwa) allzu kleinteilig findet und nicht jedes Verschwinden (Neckermann, Commodore Rechner) zusammen mit dem Autor beweinen möchte, an der ein oder anderen Kuriosität kann er sich doch erfreuen. Vor allem der Optimismus des Autors sogar angesichts von Handy-Socken und Belfies scheint ihm ansteckend.

© Perlentaucher Medien GmbH
Keine Frage, dieses Buch ist höchst unterhaltsam und doch weit mehr als bloß unterhaltsam. Marcel Proust musste ein Gebäck auf der Zunge zergehen lassen, um seine Kindheit wiederzufinden. Wir haben Bruno Preisendörfer. Historiker rekonstruieren eine Geschichte, die so niemand erlebt hat. Preisendörfer erinnert an Dinge, die wir alle mal gekannt hatten, die aber der Fortschritt nach und nach durch neue Dinge ersetzt hat und die dann nach einiger Zeit auch wieder verschwanden. Walter van Rossum Deutschlandfunk