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Das Durchleuchtungsheim in Röntgental - Erschütternde Schicksale aus einem geteilten Land
Wer einmal die DDR in Richtung Westen verlassen hatte und dann zurückkehren wollte, musste ein entnervendes Durchleuchtungs- und Umerziehungsprogramm über sich ergehen lassen. Im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental am Rande Berlins hatten die Rückkehrer wochen-, oft monatelang auszuharren, bis sie zurück zu ihren Familien durften. Viele erlitten einen "Lagerkoller", mehrere nahmen sich dort das Leben. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall hat der ZDF-Reporter Ulrich Stoll zahlreiche Rückkehrer besucht und…mehr

Produktbeschreibung
Das Durchleuchtungsheim in Röntgental - Erschütternde Schicksale aus einem geteilten Land
Wer einmal die DDR in Richtung Westen verlassen hatte und dann zurückkehren wollte, musste ein entnervendes Durchleuchtungs- und Umerziehungsprogramm über sich ergehen lassen. Im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental am Rande Berlins hatten die Rückkehrer wochen-, oft monatelang auszuharren, bis sie zurück zu ihren Familien durften. Viele erlitten einen "Lagerkoller", mehrere nahmen sich dort das Leben. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall hat der ZDF-Reporter Ulrich Stoll zahlreiche Rückkehrer besucht und ihre Geschichten rekonstruiert. Er traf auf Familien, die erpresst und als Geiseln genommen wurden, um republikflüchtige Angehörige zur Rückkehr zu bewegen. Er hörte von Skepsis und Argwohn im gesellschaftlichen Umfeld, in dem die Rückkehrer nicht willkommen waren, sondern bespitzelt und als "Verräter am Sozialismus" ausgegrenzt wurden. Ein Buch voller erschütternder persönlicher Schicksale.
  • Produktdetails
  • Ch. Links Verlag
  • Verlag: Ch. Links Verlag
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 18. September 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 128mm x 18mm
  • Gewicht: 264g
  • ISBN-13: 9783861535447
  • ISBN-10: 3861535440
  • Artikelnr.: 26359763
Autorenporträt
Ulrich Stoll: Jahrgang 1959; Studium der Geschichte, Literatur- und Theaterwissenschaft in München; seit 1984 freier Journalist für den WDR (»ZAK«, »Monitor«), seit 2001 Reporter des ZDF-Magazins »Frontal 21«; Autor zahlreicher TV-Dokumentationen für ARD, ZDF und ARTE.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.11.2009

Passfälscher und Zeitungsenten

Fluchthilfe aus dem SED-Staat, Rückkehr in die DDR und geistig-politische Republikflucht: Erinnerungen an das geteilte Deutschland.

Von Detlef Kühn

In den Jahren des Kalten Krieges gab es viele Wanderungsbewegungen - meistens in Ost-West-Richtung. Allein das Gebiet der DDR verließen nach dem Krieg mindestens 3œ Millionen Menschen, zumeist illegal, also ohne die Genehmigung der dortigen Behörden. Vor allem mit der Errichtung der Mauer am 13. August 1961 wurde eine Flucht aus der DDR lebensgefährlich, da an den Grenzen des Ostblocks rücksichtslos auf Flüchtlinge geschossen wurde. Fluchthelfer aus dem Westen riskierten oft Freiheit und Leben, um Verwandte und Freunde aus der DDR herauszuholen.

Einen besonders abenteuerlichen Fall von Fluchthilfe aus dem Jahre 1974 schildert Rüdiger von Fritsch. Der Autor, der damals gerade das Abitur bestanden hatte, studierte später Geschichte und Germanistik, trat in den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik ein und brachte es unter anderem zum Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes. Zusammen mit seinem älteren Bruder verhalf er ihrem gemeinsamen Vetter Tom aus Thüringen und zwei Schulfreunden mit Hilfe verfälschter Pässe über Bulgarien glücklich in die Freiheit. Der offenbar einschlägig begabte junge Mann bildete sich im Selbststudium zum perfekten Passfälscher aus und versah geliehene westdeutsche Pässe nicht nur mit Fotos der Fluchtwilligen, sondern auch mit imitierten bulgarischen Einreisestempeln, die Voraussetzung für die Weiterreise der nach Bulgarien gereisten DDR-Bürger in die Türkei waren. Dabei blieben Komplikationen nicht aus. Der erste Versuch musste wegen einer technischen Panne abgebrochen werden. Bulgarien hatte plötzlich die Farbe seiner Einreisestempel geändert, so dass die verfälschten Pässe wertlos waren. Erst der zweite Versuch war erfolgreich. Fritsch schildert ausführlich technische Probleme und ihre Lösung. Immerhin hatte er nach eigenen Angaben mindestens sechs Bekannte dazu bewegt, ihm ihre echten Pässe für Verfälschungen zur Verfügung zu stellen, was ja auch in der Bundesrepublik strafbar war. Die bewiesene Kaltblütigkeit wird ihm auch später in seiner Karriere genutzt haben. Sein Buch ist spannend und schildert zutreffend die Verhältnisse im geteilten Deutschland.

Natürlich gab es nicht nur Menschen, die um fast jeden Preis aus der DDR heraus in den Westen wollten, sondern auch Westdeutsche, die sich aus ideologischen, wirtschaftlichen oder familiären Gründen entschlossen, ihr Heil in der DDR zu suchen. In den fünfziger Jahren waren das noch ein paar hunderttausend. Nach dem Bau der Mauer wurden es deutlich weniger. Viele von ihnen wurden, nach intensiver Prüfung in einem Aufnahmelager, von den DDR-Behörden abgewiesen, entweder weil man ihnen misstraute oder sie nicht für integrierbar hielt. Interessanter waren schon die Rückkehrer, also ehemalige DDR-Bürger, die das Land legal oder illegal verlassen hatten und dann im Westen beruflich nicht Fuß fassen konnten, Heimweh hatten oder gar mit der Androhung von Repressalien gegenüber Angehörigen zur Rückkehr genötigt wurden. 1985 behauptete das "Neue Deutschland", rund 20 000 ehemalige DDR-Bürger wollten - enttäuscht von den Verhältnissen im Kapitalismus - zurückkehren. Das war maßlos übertrieben und erwies sich bald als Zeitungsente; aber ein paar hundert Rückkehrer im Jahr gab es schon. Sie wurden wochenlang intensiv überprüft, bevor sie entweder in ihren Heimatort entlassen oder einem Strafverfahren wegen Republikflucht unterworfen wurden. Ulrich Stolls Buch ist keine Gesamtgeschichte der DDR-Rückkehrer, sondern eine Sammlung von einem Dutzend Fällen aus den achtziger Jahren. Das Werk entstand als Begleitmaterial zu einem Fernsehfilm des Autors.

Anfangs unterhielt die DDR mehrere Auffanglager für Rückkehrer und Übersiedler, bei ihrem Ende gab es nur noch das Zentrale Aufnahmeheim (ZAH) Röntgental bei Zepernick nördlich von Berlin, wo 1989 noch eine Handvoll Personen "betreut" wurden. Die Staatssicherheit hatte alles fest im Griff. Sie misstraute den Rückkehrern mehr denn je, unterstellte den meisten, sie seien Agenten westlicher Geheimdienste. Wer einmal im Westen war, blieb stigmatisiert, selbst wenn er in der DDR wieder beruflich eingegliedert wurde.

Bekanntlich verlassen auch noch nach der Wiedervereinigung jährlich viele tausend Deutsche die neuen Länder, um im Westen ihre berufliche Zukunft zu finden. Hans-Dieter Schütt, geboren 1948 in Ohrdruf/Thüringen, gehört nicht zu ihnen. Der frühere Chefredakteur der Zeitung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) "Junge Welt", Auflage eineinhalb Millionen Exemplare täglich, ist geblieben und arbeitet seit 1993 als Feuilletonredakteur des ehemaligen Zentralorgans der SED "Neues Deutschland", jetzt nur noch eine sozialistische Tageszeitung. Er begeht geistig-politische Republikflucht nach dem Ende der DDR. Schütt schont weder die DDR noch sich selbst. Er pflegt einen nachdenklich-philosophierenden Stil, der manchmal überladen wirkt. Sein Erschrecken über das, was er sich damals im Dienste der Partei und der Weltrevolution bis zum Schluss geleistet hat, erscheint ehrlich, ebenso seine Freude darüber, dass so etwas heute - bei aller Kritik an den Verhältnissen im wiedervereinigten Deutschland - weder nötig noch möglich ist. Insofern ist er der DDR entkommen, zwar beschädigt, vor allem wohl in seinem Selbstwertgefühl, aber dennoch glücklich über neue Möglichkeiten. Das ist seine Botschaft.

Schütts lesenswertes Buch bringt manche interessante Information eines Insiders der DDR. Der Apparat, zu dem er gehörte, lief weiter bis zum (bitteren?) Ende am 20. November 1989, als andere Überlebenskünstler dem Chefredakteur seine Machtmittel aus der Hand nahmen. Schütt quält sich noch immer mit der DDR herum. Am Ende seines Buches schreibt er: "Nun erwarte ich den stirnkühlenden Moment, da mich die DDR nicht mehr interessiert. Er kommt, dieser Augenblick, ich bin sicher ..." Viele seiner Zeitgenossen in der untergegangenen DDR und anderswo sind bereits so weit. Ist das besser? Jedenfalls ist Schütts Buch nichts für Nostalgiker der DDR.

Rüdiger von Fritsch: Die Sache mit Tom. Eine Flucht in Deutschland. Wjs Verlag, Berlin 2009. 238 S., 19,95 [Euro].

Ulrich Stoll: Einmal Freiheit und zurück. Die Geschichte der DDR-Rückkehrer. Ch. Links Verlag, Berlin 2009. 204 S., 16,90 [Euro].

Hans-Dieter Schütt: Glücklich beschädigt. Republikflucht nach dem Ende der DDR. Wjs Verlag, Berlin 2009. 221 S., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.01.2010

Die späte Rache an den „Republikflüchtlingen”
Zuerst wurden sie angelockt: Kommt zurück, flötete das DDR-Regime, wir vergeben euch eure Flucht und heißen euch willkommen. Doch kaum waren sie wieder in der alten Heimat, da wurden sie festgenommen. Man isolierte sie von der Familie, man machte ihnen Angst und quälte sie mit Verhören. Am Ende entließ man sie, verängstigt und psychisch gebrochen. Nicht wenige DDR-Rückkehrer ertrugen dies nicht und setzten ihrem Leben ein Ende. Schätzungen gehen heute davon aus, dass an die 70 000 Menschen zwischen Mauerbau und Mauerfall eine Rückkehr oder Einreise in die DDR beantragten. Die meisten gaben familiäre Gründe an, sie alle hatten den Versprechungen geglaubt, dass man ihnen verzeihen werde.
Es war reiner Zufall, wie der Berliner Journalist Ulrich Stoll auf die Geschichte der DDR-Rückkehrer stieß. Schon vor mehr als 20 Jahren hatte ihn das Thema interessiert. 1985 erschien im Neuen Deutschland die sensationelle Nachricht, dass angeblich 20000 DDR-Bürger aus der BRD wieder in ihre Heimat zurück wollten. In dem Artikel wurden zahlreiche Namen und Adressen in Westdeutschland genannt, Stoll machte sich auf die Suche. Doch die blieb ergebnislos. Entweder waren die Angaben falsch, oder man wollte nicht mit ihm reden.
Doch das Thema ließ Stoll nicht los. Irgendwann nach der Wende stieß er in der Birthler-Behörde auf ein Filmfragment, einen Propaganda-Beitrag aus den 80er Jahren mit Porträts und Interviews reumütiger „Republikflüchtlinge”. Wieder machte er sich auf die Suche, und diesmal fand er seine Zeitzeugen. In jeweils eigenen Kapiteln berichtet Stoll nun über einige dieser Schicksale. Manches wirkt etwas überzeichnet. Stoll ist im Hauptberuf Fernsehjournalist und hatte das Drehbuch schon im Kopf, als er sein Buch schrieb. Doch die lebensnahen Schilderungen haben den Vorteil, dass sie den Leser mitnehmen. Man riecht den Angstschweiß vor den Verhören, man hört das Knacken im Telefon, wenn die Stasi mal wieder mithört.
Zynismus, Grausamkeit und die offensichtlichen Rechtsbeugungen sind so erschütternd, dass man vieles kaum glauben mag. Aber der Autor hat sich abgesichert, fast jede Äußerung ist durch Interviews und durch einen Verweis auf Akten der Birthler-Behörde belegt. Jahrelang hat sich niemand für das Schicksal der DDR-Rückkehrer interessiert. Damit ist nun Schluss. Stoll hat eine Internetseite eingerichtet: www.ddr-rueckkehrer.de. Hier können sich Betroffene informieren und miteinander in Kontakt treten. Einen Erfolg gibt es bereits: Vor dem ehemaligen Auffanglager in Röntgental, heute ein Altenheim, wird nun eine Info-Tafel angebracht, die (in relativ dürren Worten) auf die Vergangenheit verweist. Keine Wiedergutmachung für schreiendes Unrecht. Aber doch ein kleines Zeichen. DOROTHEA HEINTZE
ULRICH STOLL: Einmal Freiheit und zurück. Die Geschichte der DDR-Rückkehrer. Links Verlag, Berlin 2009. 208 Seiten, 16,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ein Buch über reumütige "Republikflüchtlinge" hat Dorothea Heintze bislang vergeblich gesucht. Jetzt liegt es vor ihr, gestützt auf Zeitzeugenberichte und Akten der Birthler-Behörde und reißt einiges auf. Die Einzelschicksale rühren Heintze, wenn sie manches auch leicht überzeichnet findet. Schon kann sie den Angstschweiß bei den Verhören riechen. Der Zynismus und die Grausamkeit des Machtapparats der DDR erschüttern sie zutiefst. Dass diese Schicksale jetzt öffentlich werden, hält Heintze für eine Notwendigkeit.

© Perlentaucher Medien GmbH
Der ZDF-Reporter Ulrich Stoll erzählt in seinem jetzt erschienenen Buch die zum Teil äußerst tragischen Schicksale von acht DDR-Heimkehrern und eröffnet damit einen Einblick in ein bisher völlig unbekanntes Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. Stefan Locke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Die Geschichten, die dieses Buch erzählt, machen den Leser wütend und ratlos. Jedem, der auch nur ansatzweise an Ostalgie leidet, sei die Lektüre wärmstens empfohlen. Dorothea Heintze, NDR Info Hilflos und wütend machen diese betont sachlichen Biografien, hinter denen sich menschliche Katastrophen offenbaren. Ulrich Stoll hat sich zum Sprecher einer über den Jubiläumsfeiern fast vergessenen Minderheit gemacht. Dafür gebührt ihm Dank - und Anerkennung für eine journalistische Spitzenleistung. Irene Schröder, Badisches Tagblatt