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1895, fünf Jahre bevor West-Samoa deutsche Kolonie wurde, besuchte der elegante Abenteurer Otto Ehrenfried Ehlers diese Inseln. Anreisend über Australien, dessen deutsche Einwanderer er zunächst in seiner deutschtümelnden Art einer genauen Inspektion unterzieht, landet er unter den Klängen der"Wacht am Rhein"in einem Paradies, das er abschließend unbedingt zur Inbesitznahme empfiehlt. Bis zu diesem Ergebnis beschreibt Ehlers nicht nur detailliert sachliche Umstände, die seinen Bericht zu einem wichtigen Zeitdokument machen - mit seinem pointiert spleenigen Witz verschafft er dem Leser auch das…mehr

Produktbeschreibung
1895, fünf Jahre bevor West-Samoa deutsche Kolonie wurde, besuchte der elegante Abenteurer Otto Ehrenfried Ehlers diese Inseln. Anreisend über Australien, dessen deutsche Einwanderer er zunächst in seiner deutschtümelnden Art einer genauen Inspektion unterzieht, landet er unter den Klängen der"Wacht am Rhein"in einem Paradies, das er abschließend unbedingt zur Inbesitznahme empfiehlt. Bis zu diesem Ergebnis beschreibt Ehlers nicht nur detailliert sachliche Umstände, die seinen Bericht zu einem wichtigen Zeitdokument machen - mit seinem pointiert spleenigen Witz verschafft er dem Leser auch das Vergnügen, trotz seiner deutschen Überheblichkeit, seines krassen Chauvinismus und seiner snobistischen Selbstsorge immer wieder herzlich über ihn lachen zu können.
  • Produktdetails
  • Verlag: Lilienfeld Verlag
  • Seitenzahl: 187
  • Erscheinungstermin: März 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 132mm x 20mm
  • Gewicht: 317g
  • ISBN-13: 9783940357045
  • ISBN-10: 3940357049
  • Artikelnr.: 23405867
Autorenporträt
Otto Ehrenfried Ehlers (1855 - 1895) entschloß sich mit 32 Jahren dazu, seinen Gutshof in Pommern zu verlassen und nach Afrika zu gehen, wo er 1887 bis 1889 verschiedene Unternehmungen durchführte und u. a. an der Besteigung des Kilimandscharo scheiterte. Ab 1890 reiste er durch Indien, Indochina, China und Korea und wurde in der Folge und lange über seinen Tod hinaus durch seine dandyhaft-witzigen Schilderungen zu einem der beliebtesten Reiseschriftsteller seiner Zeit. Im Anschluß an seine Samoareise faßte Ehlers den verhängnisvollen Entschluß, als erster Europäer Papua-Neuguinea zu durchqueren. Trotz aller Warnungen brach er dort 1895 ungenügend vorbereitet zu dieser Expedition auf, die in einem Fiasko endete: Einheimische Begleiter töteten Ehlers und andere Expeditionsteilnehmer und verübten wahrscheinlich Hungerkannibalismus an ihnen.
Rezensionen
Besprechung von 05.05.2008
Leckerbissen des Kolonialismus
Chauvinistisch und unterhaltsam: Wie ein deutscher Dandy von Samoa schwärmte
Es ist erstaunlich, wie unterhaltsam es sein kann, wenn ein reaktionärer Schnösel über fremde Länder schreibt. Otto Ehrenfried Ehlers, ein Snob aus Pommern, machte sich 1894 nach Samoa auf, das seinerzeit gemeinsam von den Engländern, den Amerikanern und den Deutschen in einer Weise verwaltet wurde, welche Ehlers’ Vorstellung von einer ehren- und tugendhaften, kurz: rein deutschen Länderhoheit nicht entsprach. Dabei sei das Land „von paradiesischer Schönheit und die Bevölkerung die liebenswürdigste unter dem Planeten”, schreibt Ehlers, und ein deutsches Samoa wäre „für uns eine wertvolle Kolonie”.
Im Kaiserreich teilten die geldgebenden Autoritäten diese Empathie nur bedingt, und dass das Land 1899 doch noch vom Deutschen Kaiserreich kolonialisiert wurde, war wohl eher den Schwärmereien Otto Ehlers’ und anderer Reiseschriftsteller zu verdanken als wirklichem politischen Interesse an der „Perle der Südsee” – so heißt Ehlers’ Reisebericht von 1895, den der junge Düsseldorfer Lilienfeld Verlag jetzt neu herausgebracht hat, im Untertitel. Das seinerzeit äußerst populäre Buch liest sich wie das Ästhetenlamento eines schwer nationalistisch montierten Müßiggängers, dessen Augen voller Bewunderung für die paradiesische Schönheit Samoas sind, während an sein Ohr ständig „die Klänge der herrlichen Wacht am Rhein” wehen.
Es war Mitte der 1890er Jahre in Mode, von dem pazifischen Inselstaat verzaubert zu sein, und Ehlers wollte offenbar, so schreibt der Bamberger Kolonialhistoriker Hermann Joseph Hiery in seinem Nachwort, mit seiner „Mischung aus Fakten, Erzählung und bewusst offenbleibenden, die Phantasie anregenden Andeutungen” den Weg Samoas in die Hände deutschen Kolonialherrentums ebnen. Ehlers besaß Geschick und Schmeichelkunst genug, um preiswert und bequem mit dem deutschen „Lloyd” diese Reise zu machen, zumal die Schiffsgesellschaft den piekfeinen Dandy zu besonders günstigen Konditionen mitnahm – was Ehlers in seinem Bericht auch kokett und witzig eingesteht. Die Reise geht über Sydney und Melbourne oder, nein, Ehlers kann es schöner sagen: „Am folgenden Morgen betrat ich in aller Frühe den einzigen von mir bisher noch nicht entweihten Erdteil, Australien.”
Schon hier interessiert Otto Ehlers vor allem, wie es seinen hier eingewanderten deutschen Landsleuten ergeht, und er kämpft mächtig mit seinem Ekel, sobald er feststellt, dass die in Sydney lebenden deutschen Damen Englisch sprechen: „Daß die Kinder solcher Frauen – hoffentlich hat die Vorsehung ein Einsehen und schlägt sie mit Unfruchtbarkeit – schon bevor sie geboren, dem Deutschtum verloren sind, liegt auf der Hand.”
Hochmut, Witz und Eleganz
Ehlers war ein Mann mit geschmeidgem Corpsgeist, der an den Samoanern vornehmlich deren Lust am Krieg bewunderte, und der es bedauerte, dass die Europäer ihnen das Kämpfen untersagt haben. Sein Urteil über die Eingeborenen speist sich natürlich aus dem üblichen europäischem Hochmut und Rassismus, und er garniert all dies immer wieder mit seinen herrenreiterhaften Bonmots: „Nach Aussage der nach Samoa gebrachten Salomoninsulaner soll unser Fleisch bei den Kannibalen aber keineswegs als der Leckerbissen gelten, der zu sein wir uns einbilden”, schreibt Ehlers – aber der mit seiner weiteren Biographie vertraute Leser wird ihm hier eine fatale kulinarische Fehleinschätzung attestieren. Otto Ehlers wurde nämlich im Erscheinungsjahr seines Samoa-Buches in Neuguinea ermordet und anschließend von dortigen Eingeborenen verspeist – ein Fall von Hungerkannibalismus offenbar, und sicher auch eine Folge von Ehlers’ hasardeurhaftem Gehabe.
Es geht in dieser mit abgespreizten Fingern geschriebenen Reisebeschreibung viel um Heldentum und unverfälschtes Mannesvolk, weshalb Ehlers gerade jene Europäer verachtet, die in gestärkten Röcken und Beinkleidern auftreten, „und damit jenen Zierfiguren glichen, mit denen geschmacklose Konditoren bei festlichen Anlässen Torten und Kuchenpyramiden zu verunzieren pflegen”. Nein, Herr Ehlers schätzte das Bürgertum nicht und karikierte es scharf und vergnüglich, etwa wenn er dessen seltsame Liebe zum aus zerkauten Blättern zubereiteten Ekelgetränk Kava mit der Bemerkung quittiert, „dass der Mensch es mit etwas gutem Willen auch allmählich dahin bringen kann, seifenwassersüchtig zu werden” .
Ehlers’ gleichermaßen deutschnationale wie europakritische Samoa-Euphorie hat die deutsche Kolonialpolitik in nicht geringem Maß beeinflusst. Wie Hiery in seinem Nachwort schreibt, hat Wilhelm Solf, der erste deutsche Gouverneur in Apia, alles unternommen, um die traditionelle Lebensweise der Samoaner zu erhalten und vor europäischen Einflüssen zu bewahren.
Otto Ehlers zog es jedoch weiter Richtung Neuguinea, nachdem er gehört hatte, dass es bis dato noch niemandem gelungen war, die Insel von Norden nach Süden zu durchqueren, und er hoffte, als erster Deutscher den Kilimandscharo besteigen zu können. Furcht hatte er nicht: Der pommersche Dandy hat die Schönheit der Fremde gesucht, die Gefahr und die zauberhaften Meeresbuchten, in deren klarem Wasser er sich eitel spiegeln konnte. Otto Ehrenfried Ehlers war ein chauvinistisches Scheusal und gleichzeitig, wie dieses äußerst unterhaltsame Buch beweist, ein eleganter und witziger Causeur. Ein Jammer, dass er so früh aufgegessen wurde. HILMAR KLUTE
OTTO E. EHLERS: Samoa. Perle der Südsee. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2008. 188 Seiten, 19,90 Euro.
Otto E. Ehlers schrieb 1895 in seinem Reisebericht über die „Perle der Südsee”, „von paradiesischer Schönheit” sei Samoa – hier ein zeitgenössisches Foto – „und die Bevölkerung die liebenswürdigste unter dem Planeten”. Zur Jahrhundertwende wurde West-Samoa, auch aufgrund solcher Anpreisungen, deutsche Kolonie. Foto: Hermann Joseph Hiery
Otto E. Ehlers war ein pommerscher Snob, der in der Fremde Schönheit und Gefahr suchte und im Jahre 1895 Kannibalen zum Opfer fiel. Foto: Verlag
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Besprechung von 18.09.2008
Hüftschwünge unter Palmen

Die "Perle der Südsee", die Otto E. Ehlers 1894 erforschte und die das Deutsche Reich 1899 zusammen mit den mikronesischen Inselgruppen von Palau, der Marianen und Karolinen der spanischen Krone abkaufte, gibt es so nicht mehr. Der Autor selbst ist mehr als hundert Jahre tot - vermutlich wurde er kurz nach Erscheinen der "Samoa"-Erstausgabe während einer Neuguinea-Expedition von Kannibalen verspeist. Es bleibt sein Reisebuch, das in den anderthalb Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg nicht unerheblich dazu beitrug, die Kolonien-Skeptiker im Reichstag zu besänftigen. Die Diskussion um die Wirtschaftlichkeit der fernen Territorien sollte freilich bald beendet sein. Im 1919 unterzeichneten Versailler Vertrag wurde Deutschand verpflichtet, den Platz an der Südseesonne wieder zu räumen. Ein hymnischer Gesang noch von Gottfried Benn auf die verlorene deutsche Südsee - "Rot ist der Abend auf der Insel von Palau" - und das koloniale Intermezzo im Pazifik war vergessen. Umso begrüßenswerter ist die Neuauflage von Ehlers' Buch. Staunend liest man, dass sich die deutschen Kolonialisten im Gegensatz zu anderen Europäern selbst "in den heißen Tagesstunden . . . von oben bis unten geharnischt", soll heißen in gestärktem Hemd und weißer Jacke, zeigten. Die Samoaner sahen es lockerer, was Ehlers, dem Dandy und Abenteurer aus Hamburg, durchaus gefiel: "Nur Anmut gürtete ihre Lenden" bei dem lasziven Siva-Tanz. Noch Generationen später ist man von Ehlers süffisanter Schilderung der Hüftschwünge angetan - da kann der erste Teil ruhig den "Eindruck von Zimmergymnastik" hinterlassen.

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"Samoa. Die Perle der Südsee" von Otto E. Ehlers. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2008. 187 Seiten. Gebunden, 19,90 Euro.

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Freudig begrüßt Hilmar Klute diese Ausgabe von Otto Ehrenfried Ehlers' Reisebericht "Samoa - Perle der Südsee" von 1895, der seinerzeit überaus populär war. Erstaunt hat ihn, wie unterhaltsam dieses Buch des snobistischen Preußen Ehlers doch ist. Schließlich handelt es sich bei dem Autor seines Erachtens um einen Chauvinisten und "reaktionären Schnösel", der von der Schönheit Samoas und der Liebenswürdigkeit seiner Bewohner schwärmt, zugleich aber von Hochmut und Rassismus geprägt ist. Er verweist auf die große Wirkung des Buchs, das mit seiner ebenso deutschnationalen wie europakritischen "Samoa-Euphorie" die deutsche Kolonialpolitik merklich beeinflusst habe. Besonders amüsant findet Klute die beißende Kritik an europäischen Bürgern, denen er in der Südsee begegnet.

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