• Buch mit Leinen-Einband

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In den "Abwrackern" hat Hans-Olaf Henkel diagnostiziert: Es droht eine massive Geldentwertung. Jetzt sieht er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Denn: Der Einbruch kommt noch viel schneller und heftiger über uns. Die Stabilität des Euro ist zum Spielball tagespolitischer Erfordernisse geworden. Doch die Abwiegler machen beruhigende Miene zu dem bösen Spiel, mit dem sie unsere Währung zugrunde richten. Hans-Olaf Henkel hat sich seinerzeit als BDI-Präsident für die Einführung des Euro stark gemacht. Mittlerweile ist er vom Befürworter zum schärfsten Gegner des Euro geworden. Sein…mehr

Produktbeschreibung
In den "Abwrackern" hat Hans-Olaf Henkel diagnostiziert: Es droht eine massive Geldentwertung. Jetzt sieht er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Denn: Der Einbruch kommt noch viel schneller und heftiger über uns. Die Stabilität des Euro ist zum Spielball tagespolitischer Erfordernisse geworden. Doch die Abwiegler machen beruhigende Miene zu dem bösen Spiel, mit dem sie unsere Währung zugrunde richten. Hans-Olaf Henkel hat sich seinerzeit als BDI-Präsident für die Einführung des Euro stark gemacht. Mittlerweile ist er vom Befürworter zum schärfsten Gegner des Euro geworden. Sein unschlagbarer Vorteil: Er kennt keine Denkverbote. Henkels Vorschläge mögen radikal und unorthodox sein sie sind vor allem eins: wirkungsvoll. Ein streitbares Plädoyer für die Besinnung auf unsere Wirtschaftskraft!
  • Produktdetails
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 207
  • Erscheinungstermin: 23. November 2010
  • Abmessung: 215mm x 135mm
  • Gewicht: 352g
  • ISBN-13: 9783453182844
  • ISBN-10: 3453182847
  • Artikelnr.: 31342622
Rezensionen
Besprechung von 07.12.2010
Keulende Krieger
Standort-Kritiker Hans-Olaf Henkel will
den Euro preisgeben, um Deutschland zu retten.
„Ich bekenne mich schuldig.“ Das ist schon mal ein geschickter Anfang für eine wirtschaftspolitische Kampfschrift, in der der Autor vehement gegen seine bisherigen Überzeugungen argumentiert. Hans-Olaf Henkel knöpft sich den Euro vor, er will die Gemeinschaftswährung abschaffen, je schneller, desto besser. Damit bezieht er eindeutig Stellung in einer brisanten Diskussion, die bisher vor allem unter Professoren geführt wird, während die Deutschen insgesamt den Euro auch zehn Jahre nach seiner Einführung immer noch nicht mögen, aber auch nicht gegen ihn auf die Straße ziehen würden.
Der frühere Spitzenmanager (unter anderem Europa-Chef des Computerkonzerns IBM) trägt seinen Straßenkampf seit Jahren auf dem Buchmarkt aus – durchaus erfolgreich. Die mehr oder weniger autobiografisch gefärbten Kampfschriften – zuletzt „Die Abwracker“ über die Verursacher der Finanzkrise – halten sich lange weit oben auf den Bestsellerlisten. Nun hat sich Henkel, der nach eigenem Bekunden so schnell kein Buch mehr schreiben wollte, beim Urlaub auf Sylt die Wut über den Euro und dessen Jünger von der Seele geschrieben.
Dieses Zahlungsmittel bedroht die Zukunft Deutschlands, weiß Henkel ganz sicher. Ausgerechnet jener Henkel, der als Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) geholfen hat, den Euro einzuführen. Ja, das war ein Fehler, sagt er heute, „die größte Fehleinschätzung meiner beruflichen Laufbahn“. Er führt zu seiner Entschuldigung an, dass er dem Versprechen der Politik geglaubt habe, dass dieser Euro durch eine europaweite Stabilitätskultur flankiert werde. Dazu sei es aber nicht gekommen. Im Gegenteil, besonders in der Ära des Kanzlers Gerhard Schröder sei die Stabilität immer weiter gelockert worden.
Das stimmt und ist eines der großen aktuellen Probleme. Die Schuldenkrise ist ernst, Verharmlosung ist nicht angebracht. Darüber kann, darüber muss man klug diskutieren, bitte auch unter Berücksichtigung der politischen Zwänge. Man kann es natürlich auch mit dem Holzhammer versuchen wie Henkel: „Deutschland wird ausverkauft – wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet“, heißt sein Untertitel, und für den, der es gerne noch einfacher hätte, geht es auf der Rückseite weiter: „Verramscher am Werk!“
Nun sind Umschlagworte das eine, der Text im Buch ein anderes, aber dort klingt es nicht weniger martialisch: Anders als versprochen, glänze Deutschland seit Beginn der Währungsunion als Zahlmeister, während andere Länder ungeniert kassierten. Die milliardenteuren Rettungsschirme setzten den Wohlstand des Landes aufs Spiel.
In der Tat kann Henkel auf viele öffentliche Äußerungen verweisen, die seine wachsende Skepsis gegen die Gemeinschaftswährung dokumentieren. Die Skepsis ist mittlerweile in offene Ablehnung umgeschlagen, und das prägt seinen Stil. Henkel, der seinen Gegnern gerne „Schaum vor dem Mund“ vorhält, wütet selbst ohne Unterlass und ohne Ansehen der Person. Die Tonlage wechselt zwischen Aggression und Wehleidigkeit. Der Mann, der in konservativen Kreisen hohes Ansehen hat, gefällt sich selbst in der Rolle als Outlaw. Sein Standpunkt ist kompromisslos. „Ich bin kein Rechthaber“, sagt er trotzig in Interviews – um Satz für Satz genau das zu sein. Einer, der sich pausenlos angegriffen fühlt. Der heftig austeilt, aber Kritik an seiner Position nur schwer ertragen kann.
Gleich sein erstes Kapitel heißt denn auch „Die Maulkorb-Republik“ und zählt so ziemlich alle Prominente auf, die in jüngster Zeit mit radikalen Positionen Aufsehen und Widerspruch erregten, von Ernst Nolte über Erika Steinbach bis Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“). Letzterer hat es Henkel besonders angetan. Schon die Aufmachung der Bücher ist so ähnlich, dass dies kein Zufall sein wird: plakative Lettern auf rot (Sarrazin) beziehungsweise schwarz (Henkel). Der ehemalige Bundesbanker ist für Henkel ein vom Establishment Unverstandener wie er selbst. Gegen beide wird nach ihrer eigenen Weltsicht die Moralkeule geschwungen; Henkel gibt verräterisch der Versuchung nach, von sich selbst in dritter Person zu sprechen: „So mag man Henkel und Sarrazin als nicht ernstzunehmende oder moralisch verkommene Einzelgänger bezeichnen – die Mehrheit ist auf ihrer Seite. Aber was kümmert Politiker die Mehrheit.“
Deutschlands Weg in den Euro zeichnet er allzu einseitig nach. Alles ist schlecht. Dass der Euro noch reüssieren kann, hält er für abwegig. Die Wortwahl ist gewaltig. Die Gesetzesänderungen im Zuge der Eurorettungsaktionen bezeichnet er als „Putsch“, die Auflösung des engen Schutzschirms von Maastricht zugunsten aller Eurostaaten ist „Untreue“, und die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung „Betrug“. Leider ist Henkel auch anfällig für Verschwörungstheorien. So erwähnt er (nur ein Beispiel) ein Treffen von Hedgefondsmanagern in New York, bei dem ein „Großangriff“ auf den Euro verabredet worden sein soll, einschließlich der „aktiven Bearbeitung der Weltpresse“. Das alles ist längst widerlegt. Dass der Euro eine Friedenswährung ist, einen stabilen Währungsraum geschaffen hat und der deutschen Exportindustrie Wachstum sichert, wird erwähnt, aber als Propaganda abgetan.
Natürlich kann es den kalten Krieger Henkel auch nicht beirren, dass Experten vor einem Scheitern des Euro warnen, weil das Europa und Deutschland in dramatische Turbulenzen bringen würde: alles Quatsch. Wer so argumentiere, sei entweder ahnungsloser Politiker oder wisse es eigentlich besser, dürfe darüber aber kraft Amtes nicht reden, behauptet er.
Er selbst ist großzügig beim Lösen der Probleme. Im Interview empfahl er erst vor kurzem, die D-Mark wieder einzuführen. So, als ginge das mal so eben. Tresor auf, D-Mark raus, basta. In seinem Buch ist er nun für die mildere Form eines Nord- und einen Süd-Euro. Das ist ökonomisch ein interessanter Gedanke, politisch bleibt es Illusion. MARC BEISE
Hans-Olaf Henkel
Rettet unser Geld!
Deutschland wird ausverkauft –
Wie der Euro-Betrug unseren
Wohlstand gefährdet. Heyne Verlag,
München 2010. 208 Seiten, 19,99 Euro.
Der Mann, der in konservativen
Kreisen hohes Ansehen
hat, gefällt sich als Outlaw
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Besprechung von 31.01.2011
Putsch in Brüssel
Hans-Olaf Henkel will den Euro spalten

Vom französischen Präsidenten François Mitterrand ist die Äußerung überliefert, er liebe Deutschland so sehr, dass er gerne zwei Deutschlands habe. Bekanntlich setzten die Franzosen dann als Bedingung für die Wiedervereinigung das Aufgehen der D-Mark in der Europäischen Währungsunion durch. Hans-Olaf Henkel schreibt nun ironisch, er liebe den Euro so sehr, dass er sich zwei Euros wünsche: einen Nord- und einen Süd-Euro.

Den Vorschlag, die Währungsunion aufzuspalten, kann man mutig oder tollkühn, verantwortungslos oder visionär nennen. Dem ehemaligen Spitzenmanager Henkel sind viele Adjektive angehängt worden. Auch dass er eitel und rechthaberisch sei, heißt es. Sein neues Buch schwankt zwischen Selbstanklage (Ich bekenne mich schuldig", denn Henkel zählte als BDI-Präsident in den neunziger Jahren zu den großen Euro-Befürwortern) und Anklage der politischen Klasse. "Untreue" wirft er ihr vor. Die Bundesregierung habe sich erpressen lassen und setze mit milliardenschweren Euro-Rettungspaketen zu viel Steuergeld der Deutschen aufs Spiel.

Das Volk nimmt die Polemik begierig auf, sein Buch ist ein Bestseller. Wer aufmerksam Zeitung liest und die Irrungen und Wirrungen der Währungsunion in den vergangenen Jahren und besonders die Zuspitzung der Schuldenkrise 2010 verfolgt hat, der erfährt wenig Neues in Henkels Buch. In dieser geballten Form wirkt der Bericht, wie der Euro auf die schiefe Bahn geriet, dennoch beeindruckend.

Henkel ist kein Mann für Differenzierungen und Abwägungen, eher hantiert er mit dem verbalen Holzhammer gegen die "Maulkorb"-Republik, die alles unter den Teppich der "Political Correctness" kehre. Das Brüsseler Treffen im Mai 2010, als in einer Nacht- und -Nebel-Aktion ein großer Schutzschirm für Euro-Pleitekandidaten aufgespannt wurde, nennt Henkel einen Putsch, weil wichtige vertragliche Regeln (insbesondere die "No-bail-out"-Klausel) gebrochen wurden. Völlig unnötig ist aber, dass Henkel hierbei die Verschwörungstheorie eines Angriffs von Hedge-Fonds gegen den Euro aufwärmt.

Der Euro wird nicht von außen angegriffen, sondern leidet unter einer Aushöhlung von innen. Henkel zieht nicht nur über die Südländer her, deren Mentalität nicht zu einem stabilen Euro passe; auch die Kernländer Deutschland und Frankreich geißelt er, die entscheidend die Maastricht-Defizitregeln aufgeweicht haben. Grundsätzliche Skepsis zeigt Henkel gegen Frankreich: Es sei zu zentralistisch, zu dirigistisch. Paris wolle die EU ebenfalls zentralistisch und dirigistisch formen.

Alles in allem hat Henkel einen zwar einseitigen, doch lesenswerten Diskussionsbeitrag geliefert. Sein Schlusskapitel über die Aufspaltung des Euro ist jedoch argumentativ zu dünn: Wie dies technisch zu bewältigen wäre, ohne dass Wechselkursturbulenzen oder gar Bank-Runs drohen, darüber verliert er wenig Worte. Seiner Ansicht nach wäre aber ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende, der den Deutschen in einer dauerhaften Transferunion drohe.

PHILIP PLICKERT.

Hans-Olaf Henkel: Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft.

Heyne-Verlag, München 2010, 207 Seiten, 19,99 Euro

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Dieser Autor ist kein Mann der Political Correctness oder des sprachlichen Feingefühls, das stellt Philip Plickert schnell fest. Macht ihm aber nichts. In seinem Wechsel aus Selbst- und Fremdanklage scheint dem Rezensenten Hans-Olaf Henkel dennoch sympathisch. Nicht mal der irrwitzige Vorschlag, den Euro aufzuspalten, kann den toleranten Rezensenten verärgern. Gern liest er den ganzen Schlamassel der Währungsunion bis hin zum Gau 2010 noch einmal wie hier, mit dem verbalen Holzhammer zusammengestaucht. So argumentationsarm und einseitig Henkel auch ist (Verschwörungstheorien, Frankreich-Schelte hin oder her), lesenswert findet Plickert das Buch immer noch.

© Perlentaucher Medien GmbH