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Die Wissenschaft des Alltags
Was hat Sex mit Physik zu tun? Was passiert beim Eintunken des Kekses in den Tee? Len Fisher beschreibt auf äußerst kurzweilige Weise die Wissenschaft der alltäglichen Dinge und lässt die Leser reich an verblüffender Erkenntnis zurück.
Wissenschaftler gelten im Allgemeinen als etwas schrullig, seltsam und realitätsfern. Ehrfürchtig und neugierig zugleich werden sie aus der Distanz beäugt - doch niemand wagt zu fragen, wieso sie gerade den Beruf des Forschers gewählt haben und wie ihre tägliche Arbeit aussieht. Die meisten Menschen fürchten, sie könnten die…mehr

Produktbeschreibung
Die Wissenschaft des Alltags

Was hat Sex mit Physik zu tun? Was passiert beim Eintunken des Kekses in den Tee? Len Fisher beschreibt auf äußerst kurzweilige Weise die Wissenschaft der alltäglichen Dinge und lässt die Leser reich an verblüffender Erkenntnis zurück.

Wissenschaftler gelten im Allgemeinen als etwas schrullig, seltsam und realitätsfern. Ehrfürchtig und neugierig zugleich werden sie aus der Distanz beäugt - doch niemand wagt zu fragen, wieso sie gerade den Beruf des Forschers gewählt haben und wie ihre tägliche Arbeit aussieht. Die meisten Menschen fürchten, sie könnten die Antworten auf ihre Fragen nicht begreifen und als dumm dastehen. Eine unberechtigte Angst, denn gerade die Naturwissenschaften haben viel mehr mit dem Alltagsleben zu tun, als man glaubt.

Die Wissenschaft der Alltagsdinge ist einer der erfolgversprechendsten Wege, Nichtwissenschaftlern die Wissenschaften nahe zu bringen. Darum erklärt Len Fisher die Welt der Naturwissenschaften anhand der Chemie des morgendlichen Frühstückseis, der Physik der Heimwerkerei, der Statistik des Supermarkt-Kassenzettels, des Geheimnisses eines gut gezapften Bieres und des Zusammenhangs von Hydrostatik und Sex. Jedes Kapitel handelt von einer vertrauten Aktivität im Tagesablauf und stellt ein wichtiges wissenschaftliches Konzept vor, das dabei zum Tragen kommt.

Fishers immer überraschendes und unterhaltsames Buch macht eine Grundannahme über die Aufgabe der Wissenschaft so deutlich, wie kaum ein zweites: In der Wissenschaft geht es darum, die Welt zu verstehen. Dabei zeigt sich, dass die tiefsten Wahrheiten in den scheinbar banalsten Bereichen des Lebens versteckt sein können. Darüber hinaus haben Wissenschaftler auch noch die gesellschaftliche Verantwortung, öffentlich zu machen, was Wissenschaft ist und was sie kann. Und dazu leistet dieses Buch einen nicht unwesentlichen Beitrag.

  • Produktdetails
  • Verlag: CAMPUS VERLAG
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783593371931
  • ISBN-10: 3593371936
  • Artikelnr.: 11164878
Autorenporträt
Len Fisher ist Physiker an der Universität Bristol und Kolumnist des Guardian. Der gebürtige Australier wendet Grundsätze der Physik, Chemie und Biologie auf Lebensmittel an, mit verblüffenden Ergebnissen. Sein Experiment über die Eintunkzeit von Keksen machte ihn berühmt und brachte ihm den Ig-Nobelpreis, eine Parodie auf den Nobelpreis, für Physik ein. Fisher ist Mitglied der Royal Society of Chemistry und aufgrund seiner exotischen Projekte ein gefragter Interviewpartner in den Medien.
Inhaltsangabe
Einleitung: Die Physik der kleinen Dinge
1.Die Kunst und Wissenschaft des Kekseintunkens
2.Wie der Naturwissenschaftler sein Frühstücksei kocht
3.Zen oder die Kunst, einen Hammer zu schwingen Werkzeuge mit Hebelwirkung Werkzeuge mit Keilwirkung Schlagwerkzeuge
4.Wie Sie am klügsten Ihren Kassenzettel überprüfen Achten Sie auf Euro, Pfund und Franken!
Rechenkünste im Supermarkt Statistische Tricks Preisvergleich Einkaufsstrategien
5.Die Kunst, einen Bumerang zu werfen
6.Catch-as-Catch-can: Von der Kunst, einen Ball zu fangen
7.Seifenblasen, Bierschaum und der Sinn des Lebens Wenn sich Seifenmoleküle zusammentun Die Gestalt der Moleküle Die große Synthese
8.Geschmackssache Essen und die Erregung aller Sinne Das Auge isst mit Kauprozesse Riechen und schmecken, Genuss und Schmerz Geschmackslawinen
9.Sex und Physik Erste Stufe: Fertigmachen zum Start Zweite Stufe: Das Rennen beginnt Dritte Stufe: Dem Ziel entgegen Forscherdrang und gesellschaftliche Verantwortung: eine Schlussbetrachtung

Anhang
1: Mayer, Joule und der Energiebegriff
2: Was treiben die Moleküle beim Kochen, Braten und Backen?
Anmerkungen
Register
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.05.2003

Wer vieles weiß, will alles wissen
Der Donut im Tee, das Ei in Methyl, die Spermien im Triathlon: Len Fisher sprengt die Physik

Hochschullehrer sind oft pompös. Auf dem langen Weg zu den höheren akademischen Weihen haben sie gelernt, ihr Arbeitsgebiet möglichst großartig darzustellen, damit auch ein schwacher Abglanz auf sie falle. Um so erfrischender ist es, wenn einmal einer aus der Reihe tanzt und den Klassenclown spielt. Len Fisher ist so jemand. Er ist süchtig nach Physik wie ein Alkoholiker nach seinem täglichen Quantum. Dabei gleicht er mehr dem Clochard mit der Rotweinflasche als dem Connaisseur, der erst eine halbe Stunde schwafelt, ehe er zum Korkenzieher greift.

Fishers Buch "Reise zum Mittelpunkt des Frühstückseis - Streifzüge durch die Physik der alltäglichen Dinge" macht gerade deshalb Spaß, weil es über Sachen berichtet, die man nicht unbedingt wissen muß. Dieses Buch ist nicht Pflicht, sondern Kür. Fisher ist Physiker an der Universität Bristol. So steht es jedenfalls im Klappentext. Aber vermutlich ist die Schublade der Physik zu eng für ihn. Sein Interesse geht mehr in die Breite als in die Tiefe, was man bei einem Sachbuchautor ja nur loben kann. Er weiß viel, aber er will alles wissen.

Weil Fisher so ein bunter Hund ist, ist er ein Liebling der Medien. Für eine Werbekampagne untersuchte er einmal, wie man am besten seinen Keks in den Tee (oder Kaffee) eintunkt. Damit erregte er in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Australien großes Aufsehen. Flexibel, wie ein begnadeter Pädagoge nun einmal ist, erweiterte er den Forschungsbereich im amerikanischen Frühstücksfernsehen gleich um die Donuts. In einem Land, wo die zweite Tasse Kaffee auf Kosten des Hauses geht, verwendet man schließlich Hochleistungs-Hefekringel zum Aufsaugen der anfallenden Flüssigkeitsmengen. Auf dem Schutzumschlag der englischen Originalausgabe ist dann auch ein wunderbares Bild von Sir Isaak Newton, der versonnen beobachtet, wie ein Donut vom Baum fällt.

Das Problem mit den Keksen ist, daß sie des öfteren in der Flüssigkeit zerfallen. Die nasse Hälfte sinkt dann auf den Boden der Tasse, statt ihren Zweck zu erfüllen. Fishers Lösung bekämpft das Übel gleich an zwei Fronten. Einerseits empfiehlt er, den Keks waagerecht in den Tee zu tunken, und zweitens sollen die Fabrikanten den Keks auf der teeabgewandten Seite mit Schokolade stabilisieren. Irgendwie entpuppt sich Fisher hier aber doch als ein weltfremder Bewohner des Elfenbeinturms. Erstens ist so ein waagerechter Keks oft zu groß für eine Standardtasse, zweitens verbrennt man sich die Finger, und drittens mag man wie Trude Herr vielleicht gar keine Schokolade. Man wundert sich deshalb auch nicht, daß der Forscher für diese Untersuchungen den Ig-Nobelpreis bekommen hat. Dieser wird vom renommierten Wissenschafts-Satiremagazin "Annals of Improbable Research" sowohl für Forschung verliehen, "die nie wiederholt werden kann - und besser auch nicht wiederholt werden sollte", als auch für Projekte, "die das öffentliche Interesse an Forschung anregen". Fisher rätselt noch, was in seinem Fall zutrifft.

Natürlich hat das alles auch einen profunden Hintergrund. Der Tee bewegt sich (vermutlich) im Keks aufgrund der sogenannten "kapillaren Hebung" wie der Saft in den Bäumen und die Tinte im Löschpapier. Edward W. Washburn hat schon 1921 die zugehörige Gleichung aufgestellt. Aber seien wir ehrlich: Wir Laien vergessen das Washburnsche Gesetz sofort wieder. Doch vielleicht haben wir ein wenig gelernt, wie Naturwissenschaft funktioniert.

Das erste Kapitel, das über die Kekse, füllt nur ein Zehntel des Buchs, aber sein Schema wiederholt sich. Der Apparat des experimentellen Wissenschaftlers wird auf etwas Alltägliches angewandt. Dabei kommt Fischer vom Hundertsten ins Tausendste und - wen wundert's? - das Tausendste, ist eigentlich viel interessanter. Das ursprüngliche Problem hat mehr die Funktion des Teelöffels Zucker, der die Medizin versüßt, und erstaunlicherweise funktioniert das sogar meistens. Und wenn es mal nicht funktioniert, gibt es Fisher mit entwaffnender Ehrlichkeit zu: "Am Schluß meiner Untersuchung von Werkzeugen war ich etwas enttäuscht." Den wahren Profi erkennt man daran, daß ihn solche Erkenntnisse nicht am Publizieren hindern.

Ein weiteres Beispiel sollte genügen, um potentiellen Lesern den Mund wäßrig zu machen: "Wie der Naturwissenschaftler sein Frühstücksei kocht": Gemeint ist ein perfektes weiches Ei mit festem Eiweiß und flüssigem Eigelb. Die theoretisch beste Methode wäre es, den Luftdruck so zu reduzieren, daß das Kochwasser einen Siedepunkt zwischen 64° C und 67° C hat. Dafür benötigt man leider eine etwas aufwendige Apparatur. Oder man kocht das Ei in siedendem Methylalkohol. (Vorher prüfen, ob man alle Versicherungsprämien bezahlt hat!) Am einfachsten wäre es natürlich, eine Versuchsreihe durchzuführen, bis man ein optimales Ergebnis erzielt, und in Zukunft nur noch Eier der gleichen Größe und gleichen Temperatur zu verwenden. Aber ein solches Vorgehen ist erkenntnislose Ingenieurwissenschaft und keine Physik und deshalb zutiefst unbefriedigend. Worum geht es noch? Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Werkzeugen wie Hammer und Schraubenzieher, mit der statistischen Analyse von Kassenzetteln der Supermärkte, mit Bumerangs und mit dem Fangen von Bällen.

Etwas anders als der Rest des Buchs ist das Kapitel "Seifenblasen, Bierschaum und der Sinn des Lebens". Hier geht es um die Frage, wie die Geometrie von Seifenmolekülen entscheidet, welche Strukturen sie bilden. Manche Seifen schäumen und manche nicht. Geschirrspülmittel müßten nicht schäumen, aber man richtet es so ein, weil die Kunden es erwarten. Auf diesem Gebiet hat Fisher selbst intensiv geforscht, vielleicht kaspert er deshalb hier deutlich weniger als sonst. Zumindest seinem Leben hat der Stoff, aus dem die Schäume sind, einen Sinn gegeben.

Das Buch fährt fort mit Untersuchungen darüber, wo der Geschmack von gutem Essen herkommt. Nur das Ende enttäuscht unsere Erwartungen grausam. Das Kapitel "Sex und Physik" beschäftigt sich im wesentlichen nicht mit Sex, sondern nur mit Après-Sex. Es schildert in aller Ausführlichkeit, wie die Spermatozoen ihrem Ziel zustreben. Dabei handelt es sich um eine Art Triathlon: das Eindringen in den Zervix-Schleim, das Schwimmen durch ihn hindurch und die finale Eroberung der Eizelle. Sieger wird, wer am meisten von Physik versteht. Len Fisher zitiert einmal das Motto eines von ihm geliebten Buchs von Silvanus P. Thompson: "Was ein Narr versteht, versteht auch ein zweiter." So ist es.

ERNST HORST

Len Fisher: "Reise zum Mittelpunkt des Frühstückseis". Streifzüge durch die Physik der alltäglichen Dinge. Aus dem Englischen von Carl Freytag. Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York 2003. 290 S., 30 Abb., geb., 21,50 [Euro].

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literaturtest.de
Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in den Alltag
Gleich zu Beginn seiner Reise zum Mittelpunkt des Frühstückseis spricht Len Fisher das Grundproblem eines jeden Wissenschaftlers an, der seine Forschung einem Laienpublikum erklären möchte: Sie sprechen einfach nicht die gleiche Sprache. Das hat zur Folge, dass die wichtigsten und grundlegenden naturwissenschaftlichen Gesetze für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar sind und Wissenschaft ein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Fishers "Streifzüge durch die Physik der alltäglichen Dinge" sind der beste Beweis dafür, dass das nicht so sein muss.
Von Keksen, Frühstückseiern und Bratensoßen
Auf über 200 Seiten ist Fisher dem Alltag auf der Spur und stellt dabei jeweils das ein Phänomen erklärende wissenschaftliche Konzept vor. Er untersucht, warum ein kurzer Schraubenzieher weniger effektiv ist als ein langer, wie sich Kekse beim Eintunken in den Tee verhalten und welche Barrieren Spermien auf dem Weg zur Eizelle überwinden müssen. Wer wissen will, wie man im Supermarkt am schnellsten seinen Kassenzettel nachrechnet, kommt genauso auf seine Kosten wie der Liebhaber von Bratensoße, der eine Menge über Wärmeleitung lernen kann.
Alltagsphänomene
Fisher gelingt es auf wunderbar unterhaltsame Weise, die Wissenschaft vom Elfenbeinturm mitten ins Leben zu holen und selbst solche Menschen für physikalische Phänomene zu begeistern, die früher im Physikunterricht regelmäßig abgeschaltet haben.
(Eva Hepper)

"Fisher erklärt so anschaulich, wie man sich das von seinem Physiklehrer gewünscht hätte, und schafft es, auch die komplexesten Vorgänge verständlich zu machen."
(changeX vom: 18.03.03)
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Man muss zwar, gibt Sabine Sütterlin zu, nicht unbedingt die Austrittsgeschwindigkeit des Spermas bei einer Ejakulation kennen, aber dennoch sollte man unbedingt dieses Buch lesen, das diese Information und viele andere naturwissenschaftliche Miniaturen über die alltäglichsten Dinge versammelt. Und warum? Sütterlin liefert gleich mehrere überzeugende Gründe: Erstens sei das Buch "umwerfend komisch". Zweitens führe es ganz locker, aber "grundseriös in das Wesen des naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinns ein". Und drittens leiste man mit dem Kauf des Buches einen Beitrag zur "Resozialisierung" des armen Len Fisher, der endlich nicht mehr das Gefühl haben müsse, als Naturwissenschaftler vom Mars zu kommen. Er wird sich, verspricht Sütterlin, revanchieren: mit unterhaltsamen "wissenschaftshistorischen Exkursen, Anekdoten aus dem Forscheralltag und Anmerkungen, die oft unerwartete Wendungen ins Skurrile nehmen". Und wer würde nicht gern wissen, wie man anhand von Seifenschaum die Entstehung des irdischen Lebens erklären könnte?

© Perlentaucher Medien GmbH