Nikolai Roerich - Kunst, Macht und Okkultismus - Waldenfels, Ernst von
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Nikolai Roerich Maler, Magier und Liebling der Reichen Er war Maler, Okkultist, Liebling der Reichen und Mächtigen und entwickelte seine eigene mystische Lehre. Im zaristischen Russland geboten, beriet er später höchste amerikanische Regierungskreise, unterhielt aber auch Verbindungen zum Geheimdienst der jungen Sowjetunion. 1925 reiste er für drei Jahre durch Indien, China, die Mongolei und Tibet auf der Suche nach dem mythischen Zentrum der weisen Mahatmas. Roerich und seiner Lehre folgen heute noch Hunderttausende von Anhängern in Russland und der ganzen Welt.…mehr

Produktbeschreibung
Nikolai Roerich Maler, Magier und Liebling der Reichen
Er war Maler, Okkultist, Liebling der Reichen und Mächtigen und entwickelte seine eigene mystische Lehre. Im zaristischen Russland geboten, beriet er später höchste amerikanische Regierungskreise, unterhielt aber auch Verbindungen zum Geheimdienst der jungen Sowjetunion. 1925 reiste er für drei Jahre durch Indien, China, die Mongolei und Tibet auf der Suche nach dem mythischen Zentrum der weisen Mahatmas. Roerich und seiner Lehre folgen heute noch Hunderttausende von Anhängern in Russland und der ganzen Welt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Osburg
  • Seitenzahl: 559
  • Erscheinungstermin: 28. September 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 41mm x 145mm x 234mm
  • Gewicht: 930g
  • ISBN-13: 9783940731715
  • ISBN-10: 3940731714
  • Artikelnr.: 33443716
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.01.2012

Wo die weisen Männer wohnen
Eine Biografie erschließt den Maler und Okkultisten Nikolai Roerich – eine bizarre Gestalt des 20. Jahrhunderts
Im Frühjahr 1927 machte sich eine Handvoll inspirierter Menschen aus mehreren Ländern auf, um im Namen eines „wahren Buddhismus“ auf der Suche nach dem „heiligen Reich Schambala“ die Grenze nach Tibet zu überqueren. Das Unternehmen war nicht nur mutig, sondern verwegen: Tibet war zu Beginn des 20. Jahrhunderts für westliche Besucher so gut wie unerreichbar. Jeder Tibeter, der ohne Erlaubnis des Dalai Lama Ausländer ins Land ließ, hatte mit dem Tod zu rechnen. Umso erstaunlicher war es, dass die Expedition, die – allem Anschein nach – unter sowjetischem Schutz stand, tatsächlich bis nach Tibet gelangte. Welches Interesse aber konnte die sowjetische Regierung an der Erforschung einer mystischen Bewegung im Himalaya haben? Es war wohl letztlich diese Frage, die den in Ulan-Bator lebenden Berliner Publizisten Ernst von Waldenfels zu einer großen Recherche zum Leben und Wirken des russischen Mystikers, Malers, Ethnologen und Entdeckungsreisenden Nikolai Roerich veranlasste. Dabei stieß er auf eine der bizarrsten Gestalten des 20. Jahrhunderts.
Nikolai Roerich, im Jahr 1874 in St. Petersburg als Sohn eines wohlhabenden Notars geboren, hatte als Archäologe und nationalromantischer Maler begonnen und früh ein lebhaftes Interesse an der Theosophie – der um 1875 von Madame Blavatsky gegründeten okkulten Lehre – gefasst. Mit der Theosophie teilte er nicht nur den radikalen Eklektizismus, in dem sich die diversesten mystischen Überlieferungen mit den Wissenschaften mischten, sondern auch die Modernität: Man lebte und arbeitete auf der Höhe dessen, was technisch und wissenschaftlich möglich war. Nach der Oktoberrevolution siedelte er in die Vereinigten Staaten über, wo er – und vor allem seine Frau Helena, in deren mystischem Auftrag die Expedition zustande kam – nicht nur zum Gründer einer esoterischen Vereinigung wurde, zu der sich noch heute Hunderttausende von Anhänger bekennen, sondern auch zu einem der bekanntesten Künstler des Kontinents, zum Erbauer eines Hochhauses in New York und zum Stifter eines ihm selbst gewidmeten Museums. Irgendwo hinter dem Himalaya, so die esoterische Lehre, gebe es die verbotene Zone „Schambala“, wo die weisen „Mahatmas“, die heimlichen Führer der Welt herrschten. Fest davon überzeugt, irgendwie zu ihnen zu gehören, muss Nikolai Roerich mit der Expedition auch das Projekt eines weiteren persönlichen Aufstiegs verbunden haben, und sei es auf metaphysischem Terrain.
Nikolai Roerich war ein Mann der vielen Berufe und Berufungen, und er war ein soziales Genie. Er pflegte Kontakte bis in die höchsten Ränge der amerikanischen Politik. Zu seinen Jüngern zählte Henry Wallace, der damalige Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten. Selbst Präsident Roosevelt ließ sich von Roerich und dessen Frau in politischen Fragen beraten. Wenn der Wind drehte und andere Kräfte vorteilhafter erschienen, wechselte Roerich die Seiten. Das Innere Asiens war politisch und ökonomisch interessant genug, dass alle großen Mächte jener Zeit, Großbritannien eingeschlossen, ihre Absichten dort verfolgten, und es war abgelegen und fremd genug, um einen malenden Mystiker als Pionier der Einflussnahme dorthin zu schicken. Dieser nahm amerikanisches Geld und die Hilfe des russischen Geheimdienstes in Anspruch, wies sich das eine Mal als Bürger der Vereinigten Staaten aus, das andere Mal als einer der Sowjetunion. So kam es zu den erstaunlichsten Verbindungen, zwischen der kommunistischen Partei und dem Okkultismus, zwischen amerikanischem Agrarministerium und mystischer Malerei, zwischen Forschungsreisen und Elevation. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte er sich dermaßen in widerstreitenden Verpflichtungen verheddert, dass er bis zu seinem Tod im Jahr 1947 in Indien bleiben musste.
Ernst von Waldenfels hat für sein Buch „Nikolai Roerich. Kunst, Macht und Okkultismus“ gründlich recherchiert. Und wenn es auch manchmal mühsam ist, in den sich laufend wandelnden Loyalitäten den Überblick zu behaupten und jeder Bewegung der Protagonisten zu folgen, so ist der Leser doch immer wieder verblüfft: von der öffentlichen Geltung, die dieser Mann erringen konnte, von seinen offenbar im Übermaß vorhandenen Talenten, nicht zuletzt aber auch von dem Einfluss, den er auf große Financiers und mächtige Politiker ausüben konnte. Dass sich diese Geschichte in großen Teilen in den zwanziger und dreißiger Jahren auf der anderen Seite des Himalayas zuträgt, im letzten Winkel einer noch nicht ganz erschlossenen Welt – das mag schließlich nicht nur die Bedingung dafür sein, dass sie sich überhaupt zutragen konnte, sondern auch der Grund dafür, am Ende in der lückenlos entdeckten Welt nicht nur einen Fortschritt zu sehen.
CHRISTOPH STUTZ
ERNST VON WALDENFELS: Nikolai Roerich. Kunst, Macht und Okkultismus. Osburg Verlag, Berlin 2011. 560 Seiten, 26,90 Euro.
Er war ein soziales Genie mit
Kontakten bis in die höchsten
Ränge der amerikanischen Politik.
Nikolai Roerich (1847-1947) Abb. aus dem besprochenen Band
Nikolai Roerichs Gemälde „Tibet“ aus dem Jahr 1936 hängt heute in der Moskauer Tretjakow-Galerie. Foto: bridgemanart.com
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Christoph Stutz staunt nicht schlecht über einen Tausendsassa mit Kontakten bis in die höchsten diplomatischen und politischen Kreise. Dabei begann der Mann als Maler und Mystiker! Was es mit Nikolai Roerich und seiner Reise nach Tibet auf der Suche nach der verbotenen Zone "Schambala" auf sich hat, kann Stutz nun bei Ernst von Waldenfels nachlesen, der das soziale Genie Roerich in seinem Buch biografisch begleitet. Die Wirkung ist trotz ständig wechselnder Loyalitäten und Orte verblüffend. Am Ende wünscht sich der Rezensent zwar nicht gerade auf die andere Seite des Himalayas, aber doch ein bisschen zurück von der guten alten Abenteuerwelt von Tim und Struppi.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 31.03.2012

Der Prophet weiß, dass unser Schicksal in den Bergen des Himalaja entschieden wird
Als Camp David noch Shangri-La hieß: Ernst von Waldenfels beschreibt mit Freude am Detail das Leben eines esoterischen Scharlatans, wie er im Buche steht

Als die Schweizer Journalistin Grete de Francesco 1937 ihr Buch "Die Macht des Charlatans" vorlegte, war ihr nichts Geringeres gelungen als die wohl bis heute beste Phänomenologie des Hochstaplers. Mal einfach nur dreist, mal bauernschlau, zuweilen aber auch schlechthin genial, ist der Scharlatan ein Blender, der auf einem schmalen Grat balanciert zwischen ostentativ zur Schau gestellten politischen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Weihen und dem insgeheim stets befürchteten Abstieg in Armut und Ächtung.

Der Scharlatan macht ein Geheimnis aus seiner Herkunft. Gern rühmt er sich adliger Geburt, klingender akademischer Titel sowie der Verbindung zu hermetischen Kreisen. Er hat wohlhabende Gönner, verfügt über arkanes Wissen, tritt exotisch auf und hat geheimnisvolle Widersacher, die herhalten müssen, wenn Prophezeites nicht eintreten mag. Vor allem aber: er sucht Menschen, die sich nach Verwandlung und besseren Zeiten sehnen. Nun hat der Publizist Ernst von Waldenfels die Biographie eines Mannes vorgelegt, der zum Archetypen des Scharlatans à la Grete de Francesco taugt: Nikolai Roerich.

Roerich wird 1874 in Sankt Petersburg geboren. Er studiert Kunst und Rechtswissenschaften, dilettiert anfangs als Archäologe und findet mit Hilfe einflussreicher Freunde Zugang zur Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste, zu deren Sekretär er mit nur sechsundzwanzig Jahren aufrückt. Nebenbei beginnt er eine Karriere als Maler großer Ölbilder, zunächst mit altrussischen Motiven, später mit Szenen aus exotischen Welten. Durch Protektion einer Cousine des Zaren wird er 1906 zum Direktor der Kunstschule der Gesellschaft. Damit ist er eine Zentralfigur im kulturellen Leben der russischen Hauptstadt.

Nebenbei beginnt Roerich an seinem Mythos zu arbeiten: Der Urahn seines Geschlechts sei kein anderer gewesen als Rurik, der sagenhafte Begründer des ersten ostslawischen Reichs, aus dem sich später Russland entwickeln sollte. Unter seinen Vorfahren seien Tempelritter und Freimaurer gewesen und sein Vater, ein Notar, habe eine führende Rolle bei der Abschaffung der Leibeigenschaft im Zarenreich gespielt.

In der spiritistisch aufgeladenen Atmosphäre des vorrevolutionären Sankt Petersburg lernt Roerich seine spätere Frau Helena kennen. Sie ist schön, intelligent und hochgebildet. Allerdings wird sie seit früher Kindheit von Stimmen verfolgt. Jahrzehnte später wird ein Arzt notieren: "Was Frau Roerich angeht, so muss ich sagen, sie ist ein kranker Mensch. Sie leidet an einer Nervenkrankheit, die man epileptische Aura nennt. Eine Person, die unter dieser Krankheit leidet, hört oft irgendeine unsichtbare Stimme ..." Helena Roerich wird zur Muse und spirituellen Domina ihres Mannes. Beide entwickeln ein brennendes Interesse an Séancen und anderen Formen des Okkultismus.

Nach der bolschewistischen Revolution gehen die Roerichs ins Exil - über Finnland und England in die Vereinigten Staaten. Unter dem Einfluss der theosophischen Lehren von Helena Blavatsky beginnt Helena Roerich geistigen Kontakt mit den "Meistern der Weisheit" aufzunehmen, also den "Mahatmas" aus dem sagenhaften Shambala oder Shangri-La, die als mystische Weltregierung in den Bergen des Himalaja das Schicksal der Menschen leiten. Im "Meister Morya" findet sie ihren spirituellen Führer, dessen Mitteilungen sie von nun an über Jahrzehnte akribisch notiert und aus denen später mehr als ein Dutzend Bücher ihrer esoterischen Lehre, des "Agni Yoga", hervorgehen.

Geleitet von Meister Morya, beginnen Helena und der ihr ergebene Nikolai, der sich gelegentlich einen Adelstitel zulegt, ein abenteuerliches Wanderleben im Interesse des "Großen Plans". Nach dem Willen Moryas besteht er mal in der Rettung Russlands aus den Klauen des Bolschewismus und mal in der Gründung eines Staates der Erleuchteten irgendwo im Fernen Osten zwischen den Einflusszonen von Briten, Sowjets, Chinesen und Japanern - selbstverständlich mit Nikolai Roerich als seinem von den Mahatmas inspirierten Oberhaupt. Immerhin ist Roerich selbst davon überzeugt, die Reinkarnation eines Dalai Lama zu sein. Dabei gelingt es dem Pärchen, nicht nur wohlhabende Förderer zu finden und einen Zirkel ergebener Adepten aufzubauen. Mehr noch: Über den esoterisch angehauchten Henry Wallace, ehedem Landwirtschaftsminister und später Vizepräsident der Vereinigten Staaten, dringen sie und mit ihnen Meister Morya bis an das Ohr des Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Es ist mehr als nur eine beiläufig anzumerkende Fußnote, dass Roosevelt sein Feriendomizil, das heute Camp David heißt, ursprünglich Shangri-La genannt hatte. Immerhin: Roosevelt wahrte vorsichtige Distanz zu den angebotenen Botschaften aus dem Off. Wallace hingegen verschwand im politischen Nirwana, nachdem sein Hang zum buddhistischen Mystizismus publik geworden war.

Es ist ein sorgsam entworfenes Bild, das der Autor von Roerich zeichnet. Und es ist verdienstvoll, dass er es jenseits einer noch immer geblendeten Adeptenszene tut, die - vor allem im Internet - unverdrossen am idealisierten Bild ihres "Propheten der Schönheit" webt. Indes: Sosehr der flüssige Stil des Autors fasziniert, so sehr muss der Leser mit dessen Detailversessenheit kämpfen. Die Anzahl der Randpersonen und -ereignisse, die von Waldenfels in die Biographie seines Protagonisten einstreut, macht die Lektüre zu einer mnemotechnischen Herausforderung.

Zuzugeben bleibt allerdings, dass so manche kleine Abschweifung ihren Reiz hat. So kann man lesen, dass die Briten ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts große Anstrengungen unternahmen, das abgeriegelte Tibet zumindest kartographisch zu erfassen. Dazu schickte man tibetanisch anmutende Emissäre los, die vorgaben, fromme Pilger zu sein. Sie gingen mit Gebetsketten von genau einhundert Perlen und Wanderstöcken auf die Reise, in deren Knäufen Kompasse versteckt waren. Mit diesen "Rosenkränzen" zählten sie Schritte ab. Am Knauf der Stöcke kontrollierten sie die Richtung. Dadurch entstanden erste verlässliche Karten von Tibet.

So etwas erfährt man gern. Denn wie hat es ein kluger Mann einmal formuliert: Entscheidend auf dem Weg zum Image des Allwissenden ist nicht die Breite der Grundkenntnisse, sondern die Vertiefung ins entschieden Abseitige. Auch das kann man von Roerich lernen.

PETER RAWERT

Ernst von Waldenfels: "Nikolai Roerich". Kunst, Macht und Okkultismus.

Osburg Verlag, Berlin 2011. 460 S., geb., 26,90 [Euro].

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