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2 Kundenbewertungen

Ein modernes Märchen: Phantastisch, geheimnisvoll, spannend und mit viel Kunst erzählt.
Zu seinem zehnten Geburtstag wird Loren von seiner Ziehtante Alma ins New Yorker Planetarium eingeladen. Am Ende der Vorstellung wird er von einer Fremden mit einer wartenden Limousine entführt. Er landet bei dem schwerreichen Junius Samax in einem luxuriösen Hotel in Las Vegas. Dort wächst Loren unter dem Namen Enzo in unendlichem Reichtum auf, während Alma die Welt durchstreift. 15 Jahre später findet sie ihn wieder und er ist dem Geheimnis seiner Herkunft so nah wie nie zuvor ...…mehr

Produktbeschreibung
Ein modernes Märchen: Phantastisch, geheimnisvoll, spannend und mit viel Kunst erzählt.
Zu seinem zehnten Geburtstag wird Loren von seiner Ziehtante Alma ins New Yorker Planetarium eingeladen. Am Ende der Vorstellung wird er von einer Fremden mit einer wartenden Limousine entführt. Er landet bei dem schwerreichen Junius Samax in einem luxuriösen Hotel in Las Vegas. Dort wächst Loren unter dem Namen Enzo in unendlichem Reichtum auf, während Alma die Welt durchstreift. 15 Jahre später findet sie ihn wieder und er ist dem Geheimnis seiner Herkunft so nah wie nie zuvor ...
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.21312
  • Verlag: Dtv
  • Originaltitel: A Trip to the Stars
  • Seitenzahl: 670
  • Erscheinungstermin: 21. Juni 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 120mm x 34mm
  • Gewicht: 478g
  • ISBN-13: 9783423213127
  • ISBN-10: 3423213124
  • Artikelnr.: 32590509
Autorenporträt
Nicholas Christopher, geboren 1951 in New York. Veröffentlichung von Romanen, Lyrikbänden sowie einer Untersuchung über den 'Film noir'. Ehrungen u. a. durch die Guggenheim Foundation, der Academy of American Poets, der Poetry Society of America und dem National Endowment for the Arts. Der Autor lehrte in Yale und an der New York University, jetzt Professor und ständiges Mitglied der Writing Division der School of the Arts an der Columbia University. Er lebt in New York.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.05.2003

Wer sucht, hat nichts verloren
Nicholas Christopher läßt die Esoterik auf den Hund kommen

Es beginnt mit einer Kindesentführung im Jahr 1965. An seinem zehnten Geburtstag besucht Loren ein New Yorker Planetarium und sieht sich mit seiner attraktiven Adoptivtante Alma die Vorstellung "Eine Reise zu den Sternen" an. Aber die Frau, die ihn auf dem Weg zum Ausgang an den Arm nimmt, ist - bei Licht besehen - nicht Tante Alma. Die wird Loren erst fünfzehn Jahre oder sechshundertfünfzig Seiten später wiedertreffen. Vorerst wird er in ein Auto bugsiert und zu einem Mann namens Junius Samax gefahren, der behauptet, sein leiblicher Onkel zu sein.

"Eine Reise zu den Sternen" lautet auch der Titel des vierten, bereits vielgelobten Romans von Nicholas Christopher, einem magischen Realisten der nordamerikanischen Art. An komplizierte Familienverstrickungen und menschliche Verluste wird man sich bei der - durchaus spannenden - Lektüre gewöhnen müssen. Loren hat seine wahren Eltern nie gekannt; seine Adoptiveltern sind bei einem Autounfall gestorben. Alma hat sich und den Jungen mit schlechtbezahlten Jobs so gerade eben durchgebracht. Der Onkel, der Loren entführen ließ und ihn fortan Enzo nennt, bietet dagegen eine märchenhafte Lebensperspektive. Am Rand von Las Vegas bewohnt Junius Samax ein großes Hotel, das er wie ein privates Gästehaus führt. Das "Canopus" ist ein Ort für Träumer; seine Pforten öffnen sich ins Wunderbare, Phantastische.

Samax erscheint als Las-Vegas-Version eines Renaissancefürsten. Er ist ein schwerreicher Mann mit ruhigen, präzisen Bewegungen; einsam, erhaben, geheimnisumweht und im Halbweltmilieu der Glücksspieler und Gangster ebenso zu Hause wie in dem der Banker oder Wissenschaftler. Im Hotel sammelt er schillernde Figuren um sich wie den Gedächtniskünstler Doméniko Labusi oder den Spinnenforscher Zaren Eboli - Gestalten, die zu Mentoren in Enzos Bildungsroman werden, der gleichermaßen die klassischen wie die esoterischen Disziplinen umfaßt.

Enzos Jugend im Hotel wird in stetem Wechsel mit der abenteuerlichen Odyssee erzählt, die Alma nach dem Verlust des Jungen durchmacht. Freiwillig meldet sie sich bei der Navy zum Krankenschwesterdienst, macht den Vietnam-Krieg mit und verliebt sich bald heftig in einen abgestürzten Flieger, der, wie sich später herausstellt, niemand anderes als Enzos leiblicher Vater ist. Solche Zufälle wird man nur so lange als unwahrscheinlich kritisieren, wie man sie nicht als Erzählprinzip eines Romans begriffen hat, der mit dem Chaos des wirklichen Lebens nicht verwechselt werden möchte und statt dessen eine ausgetüftelte, um Wahrscheinlichkeit unbekümmerte Konstruktion aufbietet.

Während die Enzo-Kapitel das Surreale pflegen, ist die Alma-Handlung zugleich ein beeindruckendes Panorama der Hippie-Jahre: Drogen, Rock und Vietnam. Mit ihrem tollkühnen Flieger verbringt Alma ein paar liebevolle Tage in Manila. Aber kaum wiederhergestellt, ruft ihn der nächste Einsatz. Und bald verlieren sich auch seine Spuren: "missing in action". Alma irrt fortan durch die pazifische Inselwelt, immer auf der Suche nach dem Geliebten. Jenseits des Krieges liegen die psychedelischen Küsten. Auf Hawaii freundet sie sich mit einem Rockstar an. Der eigenen Hits müde, widmet der Mann sich hier seiner spirituellen Einkehr in den Buddhismus.

Suche ist seit je Treibmittel des Erzählens. Irgend etwas wird immer gesucht: eine Frau oder die Gerechtigkeit, der heilige Gral oder der verlorene Sohn, eine Stelle als Landvermesser, die verlorene Zeit oder schlicht "der Mörder". Erzählen bedeutet: einen Helden losschicken und suchen lassen. Und nie wurde mehr gesucht als in diesem Roman. Die meisten Gäste des "Canopus" geben sich ominösen Forschungen hin. Der eine sucht Atlantis, der andere Vampire, ein dritter Antiquitäten, ein vierter ausschließlich Gemälde, die Adam mit Nabel darstellen. Und wie es sich für ein Buch über die Sechziger und Siebziger gehört: Man ist fortwährend auf der Suche nach sich selbst. Vor allem aber suchen sich die Figuren des großformatigen Familienentzweiungsromans gegenseitig. Das menschliche Durcheinander wurde einst von den verfeindeten Patriarchen zweier Clans, den Finanzmagnaten Nilus Samax und Vitale Cassiel, angerichtet. Am Anfang allen Übels stand eine schöne Frau, die erst den einen und dann den anderen Mann zum Narren hielt. Im Finale führen die Linien zusammen, Loren alias Enzo kann das Rätsel seiner Herkunft lösen und wird gewissermaßen zum Lorenzo synthetisiert.

Liebhaber des Ominösen kommen in diesem Buch auf ihre Kosten. Da gibt es einen "Mann aus Rauch", niemals zugestellte Briefe in vergessenen Postkästen, gottverlassene Geisterstädte, rasante Feuersbrünste, bewußtseinserweiternde Spinnenbisse, rätselhafte Kästchen, verschluckte Schlüsselchen, paranoide Geheimwissenschaften, mysteriöse Amulette und Dolche aus scharfgeschliffenem Eis, die nach der Mordtat mitsamt den Fingerabdrücken hinwegschmelzen. Vor allem gibt es viel Astronomie und Sternenmotivik: Selbst Enzos Hund (ein ziemlich esoterisches Tier) heißt "Sirius", man fährt einen Ford "Galaxie", die Jazzband spielt leise "Stella by Starlight". Junius Samax, der sich in seinen Gewächshäusern der Pomologie verschrieben hat, gelingt die Kreuzung "Samax Astrofructus", und Almas Vietnam-Kämpfer und Himmelsstürmer bricht im letzten Kapitel, ruhelos wie eh und je, tatsächlich zu den Sternen auf: In geheimer Mission schießt ihn eine Saturn-Rakete mit 160 Millionen Pferdestärken auf die Rückseite des Mondes.

Die Lebensläufe der Figuren unterliegen determinierten Bewegungen wie die Gestirne am Himmel; gelegentlich kreuzen sich dabei ihre existentiellen Umlaufbahnen. Es ist ein Roman aus dem Geist der Geometrie, wobei der Autor ein besonderes Faible für den Quincunx hat - die Anordnung in der Form einer Fünf auf dem Würfel, wie sie etwa die vier Frauenfiguren Dolores, Denise, Della und Doris mit Samax in der Mitte bilden. "Konstellation" heißt das Zauberwort. Noch auf einem weiblichen Gesäß entdeckt Enzo "eine Konstellation von Schönheitsflecken".

Die Qualitäten des Romans sind unübersehbar: Zwischen Las Vegas und Saigon, Griechenland und Honolulu entwickelt das Buch eine Weltläufigkeit, wie man sie in deutschen Romanen selten findet. Das schiere epische Durchhaltevermögen imponiert. Der 1951 geborene und zunächst als Lyriker hervorgetretene Christopher ist ein enzyklopädischer Autor, der über Astronomie ebenso wohlinformiert und unterhaltsam schreiben kann wie über Spinnenforschung, Jazzdrums und den B-52-Bomber. Das den Roman kennzeichnende Trennungs- und Verwaisungssyndrom wäre indes auch ein psychologisches Thema gewesen. Aber eines ist Nicholas Christopher ganz gewiß nicht: ein psychologischer Erzähler. Bei aller Neugier auf den Fortgang der Handlung nimmt man nicht wirklich Anteil an den überkomplexen Schicksalswegen, weil das Zwischenmenschliche ohne Nuance beschrieben wird. Gelegentlich wirken die Figuren wie Automatenmenschen, die Gefühle bloß simulieren. "Eine Reise zu den Sternen" ist ein Romanuhrwerk, das über 660 Seiten präzise abschnurrt, dabei aber ziemlich mechanisch klingt.

WOLFGANG SCHNEIDER.

Nicholas Christopher: "Eine Reise zu den Sternen". Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Roberto de Hollanda und Pociao. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2002. 662 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

"Erzählerisch gelungen" findet Rezensent Kolja Mensing im Aufmacher zur Herbstbeilage der taz diesen Roman von Nicholas Christopher, der "das Amerika der Sechziger- und Siebzigerjahre wie eine Projektion in der Kuppel eines Planetariums vorüberziehen lässt". Sein Lob gilt allen Ebenen des Romans. Sowohl die poetische Sprache, die Fantastisches und Übersinnliches sehr schön und gleichzeitig realitätsnah, ja fast "zwangsläufig? wie die Bewegungen der Gestirne am Himmel" beschreibe, als auch die Handlung und die Beschreibung der Charaktere lassen den Rezensenten begeistert zurück. Über die Figuren des Roman schwärmt Mensing, sie setzten sich "aus glitzernden Einfällen und funkelnden Gedanken" zusammen. So entsteht eine Geschichte, in der Menschen sowohl nach ihren Ursprüngen forschen als auch ihre Zukunft suchen. Dabei geht es nach Mensing "um nichts anderes geht als um die Gabe, angesichts des Nichts nicht zu erstarren, sondern Geschichten zu erzählen". Ein "beängstigend perfekter Roman" ist da entstanden, der genug Schönheit und Tiefgang besitzt, um in seiner Perfektion nicht zu technisch zu wirken - so das begeisterte Fazit des Rezensenten.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Atemberaubende Zufälle, magische Episoden, dramatische Begegnungen, das Geheimnis der Gestirne - das sind die Elemente der Geschichte, die wie Champagnerperlen in Nicholas Christophers brillantem Roman emporsteigen." (Publishers Weekly)