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Frank Bascombe hat eine Menge erreicht, sein Leben ist aufgeräumt und erfüllt, nun könnte er als abgeklärter Genießer dem verdienten Ruhestand entgegengehen. Doch völlig unerwartet bringen eine Ehekrise und eine Krebsdiagnose alles ins Wanken. Ein reicher, nachdenklicher, aber auch grotesk komischer Roman von Richard Ford, dem amerikanischen Meistererzähler, über einen Mann in den besten Jahren und über den Wert des Lebens.
Wiedersehen mit Frank Bascombe, dem Helden von Der Sportreporter und Unabhängigkeitstag - er ist 55 Jahre alt und freut sich, mit schöner Strandvilla und zweiter Ehefrau
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Produktbeschreibung
Frank Bascombe hat eine Menge erreicht, sein Leben ist aufgeräumt und erfüllt, nun könnte er als abgeklärter Genießer dem verdienten Ruhestand entgegengehen. Doch völlig unerwartet bringen eine Ehekrise und eine Krebsdiagnose alles ins Wanken.
Ein reicher, nachdenklicher, aber auch grotesk komischer Roman von Richard Ford, dem amerikanischen Meistererzähler, über einen Mann in den besten Jahren und über den Wert des Lebens.
Wiedersehen mit Frank Bascombe, dem Helden von Der Sportreporter und Unabhängigkeitstag - er ist 55 Jahre alt und freut sich, mit schöner Strandvilla und zweiter Ehefrau Sally, auf den nächsten, ruhigeren Lebensabschnitt. Die "Permanenzphase", wie er dieses Hochplateau des erfüllten Lebens nennt, erweist sich jedoch als trügerisch: Sallys erster, tot geglaubter Ehemann taucht wieder auf, und sie geht mit ihm fort, um die Dinge zu klären. Kurz darauf wird bei Frank Prostatakrebs diagnostiziert. Und nun naht Thanksgiving, das uramerikanische Fest der Familie. Wie fest der Boden unter seinen Füßen wirklich ist, muss sich bei jedem Schritt neu zeigen.
In dem ominösen Millenniumsjahr 2000, dessen Herbst von den "gestohlenen Wahlen" und George Bushs billigem Triumph geprägt ist, zieht Frank Bascombe, der nette, vernünftige Nachbar, Bilanz. Wie die Dinge liegen in seinem Leben und an der Küste von New Jersey, das beschreibt er mit Detailschärfe und großem Humor und denkt nach über Loslassen und Verlust, über die eigene Lebensleistung und Vergänglichkeit - und über die Hoffnung, denn, ja, nach allen erdbebenartigen Umwälzungen, die dieser Roman grandios, einfühlsam und mitreißend schildert, hat Frank noch einiges vor sich.
  • Produktdetails
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Originaltitel: The Lay of the Land
  • Seitenzahl: 688
  • Erscheinungstermin: Juli 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 143mm x 4mm
  • Gewicht: 876g
  • ISBN-13: 9783827000651
  • ISBN-10: 3827000653
  • Artikelnr.: 22804414
Autorenporträt
Richard Ford, 1944 in Jackson, Mississippi, geboren, lebt heute in New Orleans und Montana. Bekannt wurde er mit seinen Romanen "Der Sportreporter" und "Unabhängigkeitstag".
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 21.07.2007

König Midas an der Küste

Frank Bascombe, der "Sportreporter", ist zurück. Er ist krank und verzweifelt und auch noch Demokrat: In seinem neuen Roman unterzieht Richard Ford das Amerika der Neunziger einer gnadenlosen Musterung.

Von Richard Kämmerlings

Früher, so erinnert sich Frank Bascombe einmal während einer langen Autofahrt, früher an der Uni, kannte er einen Jungen, "der sein ganzes Leben der ,Lektüre' von Kratzspuren kleiner Vögel auf versteinerten Klumpen uralten gelbbraunen Schlamms, womöglich Kots, widmete." Diese Kratzer entpuppten sich als Artefakte aus der Zeit um 1000 vor Christus, als vorzeitliche "Wäschequittungen", aus denen der Forscher das Leben einer fernen Kultur ertüftelte: viel Kochwäsche gleich viele Blutflecken gleich viel Gemetzel.

Und Bascombe malt sich aus, wie Archäologen dereinst aus dem Abfall am Straßenrand ihre Schlüsse ziehen werden: "Diese Zivilisation, so werden zukünftige Denker messerscharf schließen, mochte Bier. Sie benutzte bevorzugt Holz-Papier-Produkte als Auffangmaterial für Sperma und andere Körperausscheidungen. Sie litt an Hämorrhoiden, gelegentlicher Inkontinenz und erektiler Dysfunktion. Sie dachte viel über Verdauung nach. Sex war eine Tätigkeit, die sie so weit wie möglich vom Alltagsleben abspaltete."

Vielleicht fällt den Ausgräbern aber auch ein Exemplar von Richard Fords neuem Roman in die Hand, das sich erhalten hat wie die Schriftrollen aus Qumran. Das wäre ein Glücksfund. Denn damit könnte man alle weiteren Grabungen einstellen. Mit der "Lage des Landes" ließe sich ein gutes und repräsentatives Stück Amerika (Haddam, New Jersey, Stand November 2000) nachstellen, samt Straßenführung, Bebauungsplänen, Fassadenformen, Gartengestaltung, Supermarkt- und Dinerketten; der Alltag dieser Ostküsten-Hochkultur wäre in Arbeitsleben und Freizeitverhalten, Essgewohnheiten, Kleidung und Gesprächsritualen bis ins Detail zu rekonstruieren: eine Karte der Kleinstadtwelt im Maßstab eins zu eins, wie sie Borges einmal in einer berühmten Geschichte ausgesponnen hat.

Makler mit Scanner-Blick.

Nun lässt sich aus jedem guten Roman (und selbst aus einem schlechten) ein brauchbares Inventar der Welt machen, die in ihn eingegangen ist. Doch Richard Ford ist, selbst unter den anderen großen Realisten der amerikanischen Gegenwartsliteratur, ein wahrer Deskriptionsfetischist, ein unerreichter Meister des erzählerischen Settings, aber auch ein Maniac: Sein uns aus "Der Sportreporter" und "Unabhängigkeitstag" vertrautes Medium Frank Bascombe, dessen Schicksal er nun ins sechste Lebensjahrzehnt weiterbegleitet, kann einfach keinen Shop, keine Bar, kein Haus und keinen Passanten seines Mikrokosmos betrachten, ohne ihn mit soziokulturellem Scanner-Blick abzutasten, zu interpretieren und zu kategorisieren und aus der Oberfläche Schlüsse auf den allgemeinen Zustand Amerikas und der Welt zu ziehen - wie der Kommilitone Bascombes aus Schlammkratzern das Wesen einer Kultur erschloss. Er hätte Profiler werden sollen statt Makler, denkt Bascombe einmal selbstironisch. Welch einen großartigen Profiler Ford abgeben würde, macht dieser Roman - abermals - evident. Doch fühlt man sich an König Midas erinnert: Was er anfasst, wird zu Gold; doch am Ende verhungert er, weil es an Nahrhaftem fehlt.

Frank Bascombe ist längst eine der großen Gestalten der Literatur, ein repräsentativer Amerikaner, exemplarisch gerade durch seine Widersprüchlichkeit: dominant, aber schwach, gutwillig, aber egozentrisch, politisch liberal, aber voller rassistischer Vorurteile. Der neue Roman spielt um das Thanksgivings-Fest 2000, während jenes Interregnums, als der Ausgang der Wahl zwischen Bush und Gore vor den Gerichten entschieden wurde. Bascombe ist inzwischen fünfundfünfzig und damit elf Jahre älter als in "Unabhängigkeitstag" (der 1988 spielt, insofern geht die Chronologie nicht restlos auf - da ein Fehler bei diesem präzisen Autor unwahrscheinlich ist, könnte es sich um ein Fiktionssignal handeln).

Doch verglichen mit den privaten Nöten, ist die Lage des Landes trotz der Hängepartie im Wahlausgang fast noch rosig: Bascombe leidet unter Prostatakrebs, wurde gerade von seiner zweiten Frau Sally verlassen (deren vor Jahren verschollener Ehemann unvermittelt wieder aufgetaucht ist) und lädt mit einem mulmigen Gefühl seine inzwischen erwachsenen Kinder mit Partner zum Bio-Truthahn-Essen in sein Haus an der Küste ein, wo er sich als Makler selbständig gemacht hat. Bis zu den jüngsten Schicksalsschlägen hat er sich ordentlich bemüht, seine flatterhafte Seele in jenen ausgeglichenen Zustand zu balancieren, den er mit dem Psychologen Erik Erikson als Ideal der "Permanenzphase" bezeichnet: Das eigene Leben so anzunehmen, wie es ist.

Die Handlung des fast siebenhundert Seiten starken Romans besteht aus vielen kleinen Splittern: Bascombes Geschäftspartner überlegt, sich mit einem riskanten Investment selbständig zu machen. Es gibt einen rätselhaften Sprengstoffanschlag auf das Krankenhaus, in dessen Kantine Bascombe öfters Lunch isst. Ein alter Freund wird beerdigt. Bascombe wird eine Autoscheibe eingeschlagen, und er sucht verzweifelt eine Werkstatt. Er wird wegen seiner politischen Ansichten (pro Gore) in eine Prügelei verwickelt. Seine Ex-Frau Ann will wieder zu ihm zurück, dann lieber doch nicht. Er streitet sich mit seinem Sohn. Er sucht unterwegs einen Ort zum Wasserlassen (häufig). Er gerät aus heiterem Himmel vor die Flinte eines Killer-Teenagers.

Viel Erzählraum nehmen notwendigerweise die weitergesponnenen Fäden der Vorgänger ein; zwölf Jahre Weiterleben wollen erst einmal erzählt werden. Doch für sich genommen, hält diesen Roman wenig zusammen. Verglichen mit den Genre-Vorbildern wie Updikes Rabbit-Tetralogie (Bascombe ist genauso alt wie Harry Angstrom im entsprechenden vierten Band) oder Philip Roths Zuckerman-Büchern, legt Ford auf den Plot kaum Wert. Dafür entwickelt bei ihm die fast ethnographisch "dichte" Beschreibung einen eigenen Sog, der im Besonderen das Allgemeine flackernd und grell erleuchtet. Den Niedergang Amerikas, die "Lage des Landes" an der Schwelle zur finalen Katastrophe der Bush-Ära ("dieser dreist grinsende Macho-Dödel aus Texas") liest Ford aus jeder Immobilienanzeige. Doch braucht dieser böse Blick gar keinen bestimmten Anlass mehr, was für den Roman als Form bedrohlich ist; statt einer Synthese der Erzählebenen kommt es zu einer oft beliebigen Addition von - in sich grandiosen - Einzelszenen. Zu den großen Stärken des Buches zählen die wie hingetuscht wirkenden Beziehungsdramen, etwa zwischen Bascombes bisexueller Tochter Clarissa und deren lesbischer Freundin oder zwischen Sally und ihrem Rip-van-Winkle-haften Ex-Ex-Mann.

Das Ende aller Ideale.

Die politischen Ideale der amerikanischen Gründerväter, die im "Unabhängigkeitstag" selbst in ironischer Brechung noch ein Kontrapunkt zur Reagan-Ära waren, sind nun längst bedeutungslos geworden. Die Generation der Gegenkultur pflegt ihre Vorgärten und ihre Neurosen; der Terror und die Paranoia des anbrechenden Jahrtausends klingt bereits leise an: Alles wird noch schlimmer, so viel ist klar. Das Einzige, woran Bascombe noch zu glauben versucht, ist eine gesetzmäßige seelische Entwicklung, das persönliche Heil der "Permanenzphase". Doch nicht nur der Krebs hebelt dieses so typisch amerikanische, "positive" Denken aus; auch die Erinnerungen spielen Bascombe einen Streich: Der frühe Tod seine Sohnes Ralph, der schon auf den "Sportreporter" einen Schatten warf, rückt als unverwindbare Urkatastrophe neu in den Fokus.

Der beißende Spott, den der zum Grußpostkartentexter avancierte Paul über den "Entwicklungs"-Tick seines Vaters ausgießt, verstärkt noch einmal die illusionslose Botschaft, dass auch der Rückzug auf die Veredelung des Egos nur Selbstbetrug und Flucht ist. In dieser Demontage des Glaubens an persönlichen "Fortschritt", an die "Reife" des Alters liegt der radikale Kern des Buchs. Die "Lage des Landes", im Original noch schillernder "The Lay of the Land" (insgesamt hat der Übersetzer Frank Heibert großartige Arbeit geleistet), damit ist gemeint: so, wie es wirklich aussieht, das Leben, ohne die Zuckerwatte aus Psycho-Euphemismen. Wozu Bascombe wohl sagen würde, seines sei immer noch ganz O.K. - "verglichen mit dem Tod".

Die großen Fragen bleiben offen; zu viele kleine, deren Dringlichkeit von der Lebenssituation abhängt, werden aber in aller Ausführlichkeit beantwortet - von den Therapiemöglichkeiten von Prostatakrebs bis zur Thermik des Immobilienmarktes in Küstennähe. Der Roman ist ein Bohrkern in den tieferen Bodenschichten der Gegenwart; aber wie bei der von Paul à la Warhol in Vaters Garten verbuddelten "Zeitkapsel" hat sein Inhalt etwas wundertütenhaft Beliebiges. Die Folge ist ein scharfsinniger, auf die Dauer aber enervierender Essayismus. Richard Ford zeigt dabei mit jedem einzelnen Satz, welch ein großer Schriftsteller er ist, und wohl genau deswegen ist es doch kein großer Roman geworden.

- Richard Ford: "Die Lage des Landes". Roman. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Frank Heibert. Berlin Verlag, Berlin 2007. 688 S., geb., 24,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Lothar Müller warnt alle, die von einem Roman vor allem spannende Unterhaltung erwarten, vor diesem immerhin 700 Seiten langen Buch. Viel passiert ja nicht bei Frank Bascombe, dem Richard Ford nach "Der Sportreporter" und "Unabhängigkeitstag" nun einen dritten "langatmigen, aber klugen" Roman gewidmet hat. Bascombe sei ein "tatenarmes Monstrum", der Herald eines amerikanischen Fin de siecle. Alles sei hier Erosion, bemerkt Müller, das Leben bröckelt so dahin, es passiert nicht viel in den drei hier erzählten Tagen rund um das Thanksgiving 2000, und die Stimmung des Verfalls im Inhalt macht auch vor der Form der Erzählung nicht Halt. Doch Müller gefällt die "panische Redseligkeit" von Bascombe, er mag dessen Sarkasmus. Und auch die Übersetzung durch Frank Heibert scheint ihm "bis auf Kleinigkeiten" gut gelungen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 22.10.2007

Zum Meer hin
Richard Ford in der Universität München
Die Weltlage ist heute so verworren, dass man sich schon die Hände reibt, wenn jemand aus einem Land, das diese Lage entscheidend mitbestimmt, einen Roman mit dem Titel „Die Lage des Landes” vorlegt. Wohlgemerkt nicht eine, sondern die Lage des Landes. Seit Tagen hatte Richard Fords kühl durchdringender Blick aus Anzeigen herausgeschaut, als wolle er wie das finstere Cover seines Romans sagen: „Zieht euch warm an in diesen Zeiten.” Am Donnerstag las er in München und es wurde ein unerwartet friedlicher Abend, in gedämmtem Licht, das die erhabene Aula der Münchner Universität geradezu gemütlich wirken ließ. Der Roman beschließt die Trilogie um Frank Bascombe, diesen Antihelden, der sich für nichts so recht interessiert und bloß seinen Gedanken nachhängt. Ein Monolog, in dem unzählige Details aus dem Leben mit einplätschern und dessen monotoner Rhythmus die Hundertschaft von Zuhörern einlullte. Ob nun von Ford selbst gelesen oder anschließend auf Deutsch von Christian Brückner – da half keine ausgesuchte Akzentuierung aus der Eintönigkeit.
So spiegelte die Lesung den inneren Widerspruch des Romans: Die Durchschnittsseele Frank aus New Jersey, die alles ergreifend beschreibt, um nicht völlig im Mittelmaß zu versinken, – aber sich durch diesen Beschreibungswahnsinn in jener Unermesslichkeit verliert, an die der Kleinstaat New Jersey grenzt: im Ozeanischen. Das wurde auch getragen von einem Dia-Zyklus, der während der Lesung im Hintergrund ablief. Zu sehen erst die Motive der Leere: verwaiste Straßen, das Meer. Dann, wie Aufnahmen eines Beschreibungswütigen und Detailversessenen, extreme Nahaufnahmen von Alltagsdingen: der Buchrücken eines Ford-Buches, Fensterläden, Wegschilder. Besonderheiten, die Ford in diesen Zeiten für bedroht hält, – bedroht durch das Vergessen, durch die Politik und die Vernichtung im Krieg. Und so erscheint das Land auf den Fotos in seinen blassen Farben, als wäre es von einer Meergischt übersprüht, als würde das Meer, dieser große Gleichmacher, all die Dinge in sich begraben. CLAUDIO GUTTECK
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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"Frank Bascombe hat sich einen Platz neben Willy Loman und Harry Angstrom in unserer literarischen Landschaft verdient, und zwar mit trockenem Witz und einer Fin-de-Siecle-Weisheit, die ihm so schnell keiner nachmacht."(The New York Times Book Review)
"Eine große Herausforderung für den Übersetzer. Frank Heibert hat ihr glanzvoll entsprochen." (DIE ZEIT)