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Das Buch: Die größte Erfindung der Menschheit. Zu diesem Schluss kommen Umberto Eco und Jean-Claude Carriere, Autoren aus Italien und Frankreich, die zusammenkamen, um sich über die Zukunft des Buches zu unterhalten. In einer rasanten Reise durch die Zeit, von der Papyrusrolle über Gutenberg bis zum E-Book sprechen sie über die Faszination von Bibliotheken, welche Bücher sie vor dem Feuer retten würden, und über die Frage, ob es Sinn macht, "Krieg und Frieden" als E-Book zu lesen. Die originellen, unterhaltsamen und höchst informativen Anekdoten der beiden Passionierten sind ein Muss für alle, die das Buch als Gegenstand lieben.…mehr

Produktbeschreibung
Das Buch: Die größte Erfindung der Menschheit. Zu diesem Schluss kommen Umberto Eco und Jean-Claude Carriere, Autoren aus Italien und Frankreich, die zusammenkamen, um sich über die Zukunft des Buches zu unterhalten. In einer rasanten Reise durch die Zeit, von der Papyrusrolle über Gutenberg bis zum E-Book sprechen sie über die Faszination von Bibliotheken, welche Bücher sie vor dem Feuer retten würden, und über die Frage, ob es Sinn macht, "Krieg und Frieden" als E-Book zu lesen. Die originellen, unterhaltsamen und höchst informativen Anekdoten der beiden Passionierten sind ein Muss für alle, die das Buch als Gegenstand lieben.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 284
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 284 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 438g
  • ISBN-13: 9783446235779
  • ISBN-10: 3446235779
  • Best.Nr.: 29504869
Autorenporträt
Umberto Eco, geboren 1932 in Alessandria, lebte zuletzt in Mailand. Er studierte Pädagogik und Philosophie und promovierte 1954 an der Universität Turin. Anschließend arbeitete er beim Italienischen Fernsehen und war als freier Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation in Turin, Mailand und Florenz tätig. Seit 1971 unterrichtet eer Semiotik in Bologna. Eco erhielt neben zahlreichen Auszeichnungen den "Premio Strega" (1981) und wurde u. a.1988 zum Ehrendoktor der Pariser Sorbonne ernannt.
Er verfasste zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Literatur, der Kunst und nicht zuletzt der Ästhetik des Mittelalters. Seine Romane "Der Name der Rose" und "Das Foucaultsche Pendel" sind Welterfolge geworden.
2011 wurde Umberto Eco mit dem "Premio Pavese" ausgezeichnet und 2014 erhielt er den "Gutenberg-Preis" der Landeshauptstadt Mainz und der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft. Er verstarb 2016.
Rezensionen
Besprechung von 24.11.2010
Der Löffel, die Schere, das Rad
Ein Gespräch unter Bibliophilen: Umberto Eco und Jean-Claude Carrière über „Die große Zukunft des Buches“
Dieses Buch muss man eigentlich nicht lesen – wenn Umberto Ecos „Theorie der Dezimierung“ zutrifft, nach der „es genügt, eines von zehn Büchern zu lesen“. Bei den anderen, so Eco weiter, reiche „ein Blick in die Bibliographie und die Fußnoten, um zu erkennen, ob die angegebenen Referenzen ernst zu nehmen sind oder nicht.“ Die nach einer solchen Prüfung für interessant und ernsthaft befundenen Bücher brauche man erst recht nicht zu lesen, weil sie mit Sicherheit in einem der jeweils zehnten Bücher, deren Lektüre man sich vorgenommen hat, besprochen, zitiert und kommentiert würden.
Es ist nicht ganz klar, in welche Kategorie Umberto Ecos und Jean-Claude Carrières Gesprächsbuch über die Freuden des Büchersammelns und -habens gehört; man liest es, wenn man sich einmal zur Lektüre entschlossen hat, mit Gewinn, schon weil ihm Einsichten wie die Theorie der Dezimierung und andere geistreiche Bemerkungen aus Ecos unerschöpflichem Fundus zu entnehmen sind. Ein leiser Zweifel am Genre des Gesprächsbuchs meldet sich trotzdem; und wenn schon ein Gesprächsbuch, hätte man nicht dafür sorgen müssen, dass Eco einen ebenbürtigen und notfalls auch einmal kritischen Gesprächspartner bekommt?
In diesem Buch spielt jedenfalls Umberto Eco unüberhörbar die erste Geige: der französische Drehbuchautor Jean-Claude Carrière kann ihm allenfalls der Länge nach, nicht aber der Güte seiner Gesprächsbeiträge nach das Wasser reichen. Zu loben ist der Umstand, dass beide Gesprächspartner das Thema „Die große Zukunft des Buches“ von Beginn an gründlich verfehlen. Im französischen Original heißt das Buch „N’espérez pas vous débarrasser des livres“, also etwa „Glauben Sie nicht, Sie würden die Bücher los“. Darum geht es, weniger um die große Zukunft als vielmehr um die Beharrlichkeit und Beständigkeit des Buches, solange es erstens Bibliophile wie Eco und Carrière mit ihren Sammlungen gibt und solange zweitens kein Industriestandard in Sicht ist, der auch nur annähernd die geniale Einfachheit des Buches erreichte. Das Buch sei, sagt Eco, „wie der Löffel, der Hammer, das Rad oder die Schere“. Oder wie das Fahrrad, die Brille und die alphabetische Schrift.
Das habe er auch schon so ähnlich vor zwanzig Jahren gesagt, betont Eco; etwas Neues habe er zu diesem Thema nicht beizutragen. Aber auch das schon einmal Gesagte verdient Beachtung, jedenfalls, wenn Eco es noch einmal sagt, den man keinen Moment lang mit einem konservativen Bücherwurm verwechseln sollte. Als Protagonist der Semiotik und Verfechter des „offenen Kunstwerks“ ist Eco völlig unverdächtig, einem Medien-Traditionalismus das Wort zu reden. Man würde ihn missverstehen, wenn man ihn als emphatischen Verteidiger des Buches und der Buchkultur bezeichnete. „Möglich ist alles“, sagt er einmal. „Bücher können schon morgen nur noch für eine Handvoll unbekehrbarer Liebhaber von Interesse sein, die ihre rückwärtsgewandte Neugier in Museen und Bibliotheken befriedigen.“ Möglich ist alles, aber dennoch scheint es ihm äußerst unwahrscheinlich, dass ein anderer Datenträger die Funktion des Buches vollständig übernehmen könnte. Ebenso unwahrscheinlich findet es Eco, dass, wie es gern behauptet wird, eine „visuelle Kultur“ an die Stelle der alphabetischen Kultur getreten sei oder noch treten werde. Im Gegenteil: „Durch das Internet sind wir ins Zeitalter des Alphabets zurückgekehrt.“
Das Internet zwingt uns, die User, zum unablässigen Schreiben und Lesen. Wird man aber jemals einen so monumentalen Roman wie „Krieg und Frieden“ auf dem Computer lesen können und, vor allem, wollen? Schön wäre es, man könnte an dieser Stelle auf die Dauerhaftigkeit alles Gedruckten verweisen. Aber es bröckelt und bröselt dahin, der Säurefraß setzt dem kulturellen Erbe zu, und welche Möglichkeit der Bewahrung des Alten gibt es, wenn nicht seine Digitalisierung? Das Gleiche gilt, wie Carrière bemerkt, für den Film, und es gilt ebenso für die Malerei. Aber auch über die Haltbarkeit der Digitalisate ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Zu den Eigenschaften der materiellen Kultur gehört ihr Zerfall.
Was an diesem Buch gefällt, ist die Gelassenheit, mit der sich die beiden alten Bücherfreunde über das Vergnügen und Laster der Bibliophilie austauschen; wie entspannt sie sich über Probleme des Sammelns unterhalten, über Fragen des Erwerbs, des Verlusts, der Aussonderung von Büchern und wie sie darüber nachdenken, was aus ihren Büchern wird, wenn sie nicht mehr leben. Vor Prophezeiungen, was das Schicksal ihrer eigenen Bücher – ebenso wie das Schicksal der Buchkultur insgesamt – betrifft, wollen sie sich hüten, eingedenk einer Erfahrung, die Eco, der nimmermüde Anekdotier, zum Besten gibt.
Einmal in den sechziger Jahren, er war noch Verlagslektor, habe man ihm das Buch eines amerikanischen Soziologen angeboten, der für die Jahre um 1968 den Auftritt einer neuen Generation junger Menschen ankündigte. Deren äußeres Merkmal werde ein militärischer Bürstenhaarschnitt sein, verbunden mit einem völligen Desinteresse an Politik. Tatsächlich sollte das Buch ins Italienische übersetzt werden, aber es kam zu Verzögerungen, sodass Umberto Eco, nachdem die ersten Studentendemonstrationen in Berkeley die Fehldiagnose an den Tag gebracht hatten, das Manuskript ungedruckt und erleichtert in den Papierkorb befördern konnte. So kann es gehen mit Prophezeiungen, auch mit solchen über die Zukunft des Buches.
CHRISTOPH BARTMANN
UMBERTO ECO / JEAN-CLAUDE CARRIÈRE: Die große Zukunft des Buches. Aus dem Französischen von Barbara Kleiner. Carl Hanser Verlag, München 2010. 288 Seiten, 19, 90 Euro.
Über die Haltbarkeit der
Digitalisate ist das letzte
Wort noch nicht gesprochen
„Durch das Internet
sind wir ins Zeitalter
des Alphabets zurückgekehrt“
Hier hat die Zukunft des Buches längst begonnen: Die Biblioteca Sala Borsa im Palazzo d’Accursio in Bologna, der alten Universitätsstadt, in der Umberto Eco von 1971 bis 2007 als Professor für Semiotik lehrte. Foto: Bildagentur Huber
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Besprechung von 10.12.2010
Löffelperfektion

Der Semiotiker Umberto Eco trifft den französischen Schriftsteller und Drehbuchautor Jean-Claude Carrière - und die Herren reden über ihre stattlichen Bibliotheken, ihre Liebe zum Buch, ihre Sammelleidenschaft, die mäßige Haltbarkeit von elektronischen Datenträgern und darüber, was mit den Büchern nach dem Tod ihrer Besitzer geschehen soll. Ein Gesprächsband also, ein Genre, zu dem man in Frankreich gern greift, hierzulande muss es schon der Papst sein, wenn die intellektuelle Causerie nicht in der Nische bleiben soll. Der Journalist Jean-Philippe de Tonnac hat die beiden bald achtzigjährigen Bibliophilen zusammengespannt und sich bemüht, einen Gesprächsfaden zu organisieren, was nicht durchgehend gelingt. Im Original kokettiert das Buch mit dem Titel "Glauben Sie nicht, Sie würden die Bücher los", im Deutschen wurde daraus die tapfere Fanfare "Die große Zukunft des Buches". Eco ist die gewichtigere Figur, er ist wie stets in Geberlaune, reiht Anekdote an Anekdote, spannt den Bogen weit und sagt doch immer wieder Dinge, die er seit Jahrzehnten sagt, etwa dass das Buch ähnlich perfekt wie ein Löffel sei. Und natürlich kennt Carrière die knappe Lebenszeit, die einem wahren Leser bleibt: "Sie ist schrecklich, die Lage der Sterbenden, wenn ihre letzte Stunde gekommen ist und sie feststellen, dass sie Proust noch nicht gelesen haben." Vielleicht, weil sie stattdessen für Bücher wie das vorliegende zu viel Zeit geopfert haben? (Umberto Eco und Jean-Claude Carrière: "Die große Zukunft des Buches". Aus dem Französischen von Barbara Kleiner. Carl Hanser Verlag, München 2010. 288 S., geb., 19,90 [Euro].) hhm

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Stefana Sabin schätzt diesen Band mit Gesprächen von Umberto Eco und Jean-Claude Carriere über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Buchs. Sie hebt hervor, dass die beiden keine pädagogischen Vorschläge machen oder kulturpolitische Thesen aufstellen. Auch räumten sie ein, dass elektronische Lesegeräte das Lesen verändern werden. Letztlich aber hielten sie wie selbstverständlich an ihrem Bildungsbegriff fest. Das Fazit der Rezensentin: "Plaudereien zwischen zwei klugen alten Herren", den sie gern gefolgt ist.

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"Ein Genuss für alle Bibliophilen." Stern, 02.09.10 "Ein mitreißendes Plädoyer; eine Hommage an alle, die mit dem Buch Kultur geschaffen, bewahrt und transportiert haben." Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur, 16.08.10 "Was an diesem Buch gefällt, ist die Gelassenheit, mit der sich die beiden alten Bücherfreunde über das Vergnügen und Laster der Bibliophilie austauschen." Christoph Bartmann, Süddeutsche Zeitung, 23.11.10 "Am Ende weiß man auch bei diesem Buch nicht zu sagen, warum man es vor allem gelesen hat - wegen seiner luziden Gedanken oder aus Freude am Lesen, die es entfacht." Ulrich Baron, Die Welt, 31.12.10