Was für ein schöner Sonntag! - Semprún, Jorge
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Der Erfahrungsbericht des KZ-Häftlings No. 44904 (S) alias Gérald alias Jorge Semprun weitet sich zu einem autobiographischen Gesamtporträt, in seiner Erinnerung werden die verschiedensten Lebensabschnitte, Begebenheiten und Begegnungen wieder lebendig: die Emigration, das Studium an der Sorbonne, sein Engagement als Widerstandskämpfer, die Verhaftung und Deportation, die heimlichen Reisen nach Genf und Prag, Ostberlin und die Sowjetunion Anfang der sechziger Jahre, die Ferien auf der Krim im Kreise wichtiger Funktionäre, die Diskussionen mit kritischen Kommunisten wie Adam Schaff, die…mehr

Produktbeschreibung
Der Erfahrungsbericht des KZ-Häftlings No. 44904 (S) alias Gérald alias Jorge Semprun weitet sich zu einem autobiographischen Gesamtporträt, in seiner Erinnerung werden die verschiedensten Lebensabschnitte, Begebenheiten und Begegnungen wieder lebendig: die Emigration, das Studium an der Sorbonne, sein Engagement als Widerstandskämpfer, die Verhaftung und Deportation, die heimlichen Reisen nach Genf und Prag, Ostberlin und die Sowjetunion Anfang der sechziger Jahre, die Ferien auf der Krim im Kreise wichtiger Funktionäre, die Diskussionen mit kritischen Kommunisten wie Adam Schaff, die Auseinandersetzung mit Carillo, dem ehemaligen Generalsekretär der spanischen KP. Später die Schauprozesse in Prag, wo auch Mithäftlinge aus dem KZ verurteilt werden. Auch an Diskussionen der Intellektuellen in Paris erinnert sich Semprun zurück: an die Gespräche mit Sartre, Simone de Beauvoir oder Yves Berger; er berichtet von den Dreharbeiten mit Yves Montand und Costa Gavras für die Filme »Das Geständnis« oder »Der Krieg ist aus«. »Was für ein schöner Sonntag!« ist ein zeitgeschichtliches Dokument, eine poetische Autobiographie und gleichzeitig die sehr persönliche, leidenschaftliche, oft sehr ironische und bittere Auseinandersetzung des »Renegaten« Semprun mit dem Kommunismus.
  • Produktdetails
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.972
  • Verlag: Suhrkamp
  • Artikelnr. des Verlages: 37472
  • 7. Aufl.
  • Seitenzahl: 394
  • Erscheinungstermin: 24. Dezember 1983
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 108mm x 22mm
  • Gewicht: 239g
  • ISBN-13: 9783518374726
  • ISBN-10: 3518374729
  • Artikelnr.: 24366809
Autorenporträt
Semprún, Jorge
Jorge Semprún wurde am 10. Dezember 1923 in Madrid geboren. Mit 14 Jahren musste er bei Beginn des spanischen Bürgerkrieges mit seiner Familie nach Paris fliehen. Dort besuchte er das Lycée Henri IV und studiert Philosophie an der Sorbonne. 1941 trat er unter dem Pseudonym 'Gérard' der kommunistischen Résistance-Bewegung 'Francs-Tireurs et Partisans' bei. Die deutsche Gestapo verhaftete ihn 1943, und Semprun wurde in das KZ Buchenwald deportiert. Nach der Befreiung 1945 kehrte er nach Paris zurück. Ab 1953 koordinierte er als Mitglied des ZK der spanischen Exil-KP im Geheimen den Widerstand gegen das Franco-Regime in Paris. Unter dem Pseudonym Federico Sánchez arbeitete er zwischen 1957 und 1962 im Untergrund der kommunistischen Partei im franquistischen Spanien. 1964 wurde er wegen Abweichung von der Parteilinie aus der KP ausgeschlossen. Seitdem widmete sich Semprun seiner schriftstellerischen Tätigkeit. In den sechziger Jahren wurde er erstmals als Drehbuchautor bekannt; mit berühmten Filmen wie beispielsweise La guerre est finie (Der Krieg ist aus) von 1966, Z von 1968 und L'aveu (Das Geständnis) von 1970. Nach seiner Amtszeit als spanischer Kultusminister von 1988 - 1991 lebte Jorge Semprún bis zu seinem Tod (2011) in Paris.
Rezensionen
Besprechung von 10.07.2004
Band 17
Weil man die Wahrheit erfinden muss
Jorge Semprúns Roman „Was für ein schöner Sonntag!”
Ein Gefangener schaut frühmorgens gen Himmel, er ruft, ganz laut: „Was für ein schöner Sonntag!” Der Gefangene ist ein Freund von Jorge Semprún. Nein, ein Freund ist er eigentlich nicht, im KZ sagt man „Kumpel”. Freunde sind miteinander, Kumpel harren aus, nebeneinander. So war es im KZ - bestenfalls. Als Semprún nach Buchenwald kam, war er 21 Jahre alt. Die Bücher, in denen er seither vom KZ erzählt hat, handeln aber nicht allein davon, wie er als junger Mann die Zeit im Lager erlebte. Sein ganzes Leben ist es, das er zum Thema macht in seinen Büchern. Und in keinem anderen seiner Romane, die er deshalb als Romane schreibt, weil „man die Wahrheit ein bisschen erfinden muss”, hat er das bisher so ausführlich getan wie in „Was für ein schöner Sonntag!”. Die Geschichte der beiden Regime, die das zwanzigste Jahrhundert geprägt haben, die des Nazismus und die des sowjetischen Totalitarismus, ist die Geschichte Jorge Semprúns.
Semprún hat viele Jahre lang im Untergrund für die verbotene Kommunistische Partei Spaniens gearbeitet. Anfangs war er ein überzeugter Stalinist. Doch zu Beginn der sechziger Jahre löste er sich von der KP. 1964 wurde er aus der Partei ausgeschlossen.
Der Tod im Lager, dem er entronnen war, und der Tod, der ihm in einem der Gefängnisse Francos drohte: Diese beiden hatten nichts miteinander zu tun. Jahrelang nicht. Bis 1952 bei den Slansky-Prozessen in Prag auch ein tschechischer Kommunist verurteilt wurde, von dem Semprún wusste, dass er unschuldig war. Dieser Mann, DIESER MANN,]Josef Frank, sollte angeblich als Gefangener in Buchenwald mit den Nazis kollaboriert haben.
Das konnte nicht sein, Semprún wusste es: Er hatte damals im Lager zusammen mit Frank für die KP gearbeitet. Wäre dieser ein Büttel der Nazis gewesen, dann hätte Semprún den Tag im Jahr 1952 nicht erlebt, an dem sein ehemaliger Kumpel von den Kommunisten hingerichtet wurde. Der Tod Franks erinnerte Semprún daran, dass er nach dem KZ nicht neu zu leben begonnen hatte. Sein Leben: Es trug nur ein frisches Kleid. Und dem Tod in seinem alten Kleid, altbekannt und nie zerschlissen, ist Semprún noch öfter begegnet.
Als er 1980 „Was für ein schöner Sonntag!” veröffentlichte, hatte er es oftmals erlebt, dass er der Vergangenheit wieder begegnet war. Spiegelungen der Erinnerung, das Déjà-vu, die seltsamen Koinzidenzen des Daseins bestimmen die Form seiner Erzählung. Sein Leben nimmt Semprún nicht als kontinuierlichen Ablauf wahr, sondern als „die gesamte Zeit des Bereits-Gesehenen, des Bereits-Erlebten, der Wiederholung, des Gleichen bis zum Überdruss”, das just durch die stete Wiederholung irgendwann ein neues Gesicht gewinnt. „Was für ein schöner Sonntag!” folgt den Assoziationen der Erinnerung. Und so viel Semprún darin vom KZ erzählt, so sehr er sich darin über seine Zeit als Kommunist Rechenschaft gibt, umgreift das Buch in Wahrheit alle Reminiszenzen, mit denen und in denen er lebt: die mal staubigen, mal schneebedeckten Landschaften, die er gesehen hat; die Klänge der Lieder, die in Hinterhöfen gesungen wurden, an denen sein Weg ihn vorbeiführte; die Wimpern der Frauen, die er traf und in deren Blicken er, wie es Menschen so geht, sich immer auch selbst gespiegelt fand.
FRANZISKA AUGSTEIN
Jorge Semprún
Foto: Suhrkamp Verlag
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