Everything Is Illuminated - Foer, Jonathan Safran
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Produktdetails
  • Verlag: TURTLEBACK BOOKS
  • Bound for Schoo
  • Seitenzahl: 288
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahre
  • Erscheinungstermin: 14. April 2015
  • Englisch
  • Abmessung: 203mm x 134mm x 27mm
  • Gewicht: 308g
  • ISBN-13: 9780606365444
  • ISBN-10: 0606365443
  • Artikelnr.: 41749207
Autorenporträt
Jonathan Safran Foer wurde 1977 geboren und studierte in Princeton Philosophie und Literatur. Sein erster Roman "Alles ist erleuchtet" war ein sensationeller Erfolg in den USA. Foer lebt und schreibt in New York an seinem zweiten Roman.
Rezensionen
Besprechung von 04.09.2004
Die Komödie des begabten Kindes
Jonathan Safran Foer in der American Academy
Als 1979 der Bestseller „Das Drama des begabten Kindes” von Alice Miller erschien, war Jonathan Safran Foer gerade zwei Jahre alt. Er wuchs in Washington DC auf und wusste weder, von welchen Gefahren ein begabtes Kind umstellt ist, noch ahnte er, dass er selber einmal ein Erfolgsbuch schreiben würde. Später ging er auf eine private High School, dann an die Princeton University, studierte dort Philosophie und belegte Kurse in Creative Writing. Dabei wurde er von Joyce Carol Oates und Jeffrey Eugenides adoptiert.
Seit im Frühjahr 2002 sein Romandebüt „Everything is illuminated” (deutsch: Alles ist erleuchtet, 2003) erschien, ist Jonathan Safran Foer ein Erfolgsautor. Derzeit schreibt er ein Libretto für die Staatsoper in Berlin, am Donnerstagabend eröffnete er das Herbstprogramm der American Academy am Wannsee mit einer denkwürdigen Lesung. Angekündigt war nichts als der Titel seines zweiten, gerade in der Rohfassung fertiggestellten Romans, der im Frühjahr 2005 erscheinen soll: „Extremely loud and incredibly close”.
Jonathan Safran Foer ist inzwischen 27, aber am Pult scheint ein schmaler, überwacher College-Boy zu stehen, der es nicht erwarten kann, sein Referat zu halten. Kaum hat er die ersten Sätze seines Manuskripts gelesen, ist jemand noch Jüngerer im Raum: Oscar, ein sehr begabtes Kind, neun Jahre alt. Es ist der Ich-Erzähler des Romans, und es sprudelt seine Sätze aus sich heraus, als müsse es eine Wette gewinnen, in der der Quotient aus Silbenzahl und Sekundenzahl eine Hauptrolle spielt. Das Kind erzählt, wie es seinem Vater Löcher über Kosmologie und Zeugung in den Bauch fragt, und wie der Vater die New York Times mit rotem Stift liest und in jedem Artikel irgendeinen Fehler findet.
Das begabte Kind ist stolz darauf, einen Vater zu haben, der klüger ist als die New York Times und schreibt gerne Briefe an Prominente, zum Beispiel an eines seiner Idole, den Physiker Stephen Hawking. Es betreibt Archäologie im Central Park. Und es hat eine Mutter, der es lieber nicht erklärt, wie vielen Personen es Nachschlüssel der Wohnung gegeben hat. Das altkluge Kind ist wahrscheinlich eine ziemliche Nervensäge.
Aber vor allem ist es komisch. Der 27-jährige Autor, sein Bauchredner, tut alles, um Oscar der Alice-Miller-Welt zu entführen. In Foers Welt spielt sich das Drama des begabten Kindes nicht als Tragödie ab, sondern als Komödie. Die Pointendichte seiner Oscar-Suada steht der eines Entertainers auf einem Kreuzfahrtschiff nicht nach.
In Foers Erstling suchte ein junger amerikanischer Schriftsteller in der Ukraine nach den Spuren einer Frau, von der die Familienlegende wissen will, sie habe seinen jüdischen Großvater vor den Nazis gerettet. Schon in diesem Roman waren die Stimmenimitationen aus der Gegenwart des Amerikaners und seines ukrainischen Übersetzers stärker als die Mimikry mit dem Epischen, mit einer Schtetl-Chronik aus alten Zeiten.
Wenn das Eingangskapitel nicht täuscht, hat Foer sich in seinem zweiten Roman auf den Kern seines Talents konzentriert: die Auflösung der Erzählung in der rhetorischen Performance. Die Ermunterung zum Rollenspiel, zum Auftreten, zur Selbstdarstellung im amerikanischen Schulsystem dürfte dazu mehr beigetragen haben als der Bücherschrank der Eltern. Nicht nur Oscar, auch sein Autor ist eher ein Kind der elektronischen Medien und sich überlagernden musikalischen Tonspuren als eine Leseratte.
Die rhetorische Virtuosität läuft nicht leer. Immer dichter mischen sich schwarze Flocken in das Pointengestöber, beginnen Worte wie „the worst day” und Imperfektformen den Vater ins Jenseits zu rücken. Gehirn und Phantasie des begabten Kindes laufen auf Hochtouren, um eine Leerstelle zu füllen. Am Ende dieses ersten Kapitels hat das Gehirn die Erinnerung an die Stimme des Vater auf dem Anrufbeantworter abgerufen. Im letzten Satz ist Oscar selbst am Apparat, am anderen Ende der Vater. Es ist kurz nach 9 Uhr morgens. Das Datum kennt jeder, darum muss es nicht genannt werden.
Gewiss, das ist ein Cliffhanger wie aus dem Creative-Writing-Kurs. Aber diese traurig-komische Suada eines begabten Kindes könnte eine ernst zu nehmende Antwort der amerikanischen Literatur auf den 11. September 2001 werden.
LOTHAR MÜLLER
Jonathan Safran Foer
Foto: Marion Ettlinger
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