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    Buch mit Leinen-Einband

2 Kundenbewertungen

Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.
Irgendwann trifft es einen und die Liebe schlägt zu. Völlig unerwartet und überraschend. So wie bei Senta und Thomas, beide Single und jenseits der Vierzig. In einer Bar in Kreuzberg begegnen sich der IT-Spezialist und die feinsinnige Geisteswissenschaftlerin, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Er ist hingerissen, und sie ist überwältigt. Sie verbringen eine verheißungsvolle erste Nacht miteinander. Schöner kann es eigentlich nicht sein. Doch kaum ist die Liebe da, kommen auch die Zweifel.…mehr

Produktbeschreibung
Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.

Irgendwann trifft es einen und die Liebe schlägt zu. Völlig unerwartet und überraschend. So wie bei Senta und Thomas, beide Single und jenseits der Vierzig. In einer Bar in Kreuzberg begegnen sich der IT-Spezialist und die feinsinnige Geisteswissenschaftlerin, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Er ist hingerissen, und sie ist überwältigt. Sie verbringen eine verheißungsvolle erste Nacht miteinander. Schöner kann es eigentlich nicht sein. Doch kaum ist die Liebe da, kommen auch die Zweifel.
  • Produktdetails
  • btb Bd.74282
  • Verlag: Btb
  • Seitenzahl: 313
  • Erscheinungstermin: Juni 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 157mm x 99mm x 19mm
  • Gewicht: 153g
  • ISBN-13: 9783442742820
  • ISBN-10: 344274282X
  • Artikelnr.: 32543342
Autorenporträt
Hanika, Iris
Iris Hanika, geboren 1962 in Würzburg, lebt seit 1979 in Berlin. 2006 erhielt Iris Hanika den Hans-Fallada-Preis. Ihr Roman »Treffen sich zwei« (2008) gelangte auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis, »Das Eigentliche« (2010) wurde mit dem European Union Prize for Literature und dem Preis der LiteraTour Nord ausgzeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 11.03.2008
Liebe! Schreck lass nach!
Iris Hanikas Großstadtmärchen „Treffen sich zwei” geht gut aus und stärkt den Wunderglauben
Eigentlich beginnt dieses Buch auf der Rückseite eines anderen Buches. Iris Hanika ließ nämlich den Satz „Oder es kommt einmal einer” auf die hintere Umschlagseite ihres letzten Werks „Musik für Flughäfen” setzen, also schon außerhalb des Textes, als ob der Satz der Absprung sei ins nächste Buch. Ob sie da schon etwas ahnte oder plante? Diesem Flughafen-Büchlein selbst, einer Serie von „failed loves”, können wir jetzt nicht weiter nachgehen, obwohl es sehr komisch ist: Da „kommen” nämlich „viele”, aber das ergibt dann eben nur eine krause Serie von One-night-stands, Enttäuschungen, Peinlichkeiten und raschem Gehen.
Denn nun gibt es etwas Wundersameres und Wichtigeres zu berichten. Es treffen sich zwei, wie der Titel richtig sagt, aber das ergibt nicht nur eine Girlande von Skizzen, Fragmenten, Kurzprosa-Seufzern und den Ansatz zu einer Erzählung von einer bis zwanzig Seiten, die immer mit einer Trennung, einem Sich-nicht-Vertragen endet. Dieses Treffen von zwei Menschenkindern, die dann sage und schreibe ganz rührende „Liebesleut’” werden, hat vielmehr 238 Seiten zur Folge, vom Verlassen des Tresens in einer lauen Sommernacht in Berlin (und ab ins Bett!) bis zu jenem Moment im September, als die ein bisschen durcheinandrige Senta leise heulend vor ihrem Thomas steht und er sagt: „Wir kriegen das schon hin.” Und also bleiben sie wohl beisammen.
Das meldenswerte Kunststück ist dabei nun erstens, dass dieser Satz wirkt wie das wunderbarste Glücksversprechen, obwohl er doch als Satz irgendwie medioker ist. Aber der tränendurchnässte Liebeswirrwarr der etwas orientierungslosen – und, das wäre die ernsthafte Diagnose: – bindungsscheuen bis bindungsunfähigen, auch nicht mehr ganz jungen Senta ist so groß, dass sie, sobald sie ahnt, dass da der volle Ernst einer Bindung, also eine dauerhafte „Liebe” – Schreck lass nach! - droht, noch verrenkter und verrückter wird.
Dieser Thomas mit den schönen, offenbar leicht schielenden Augen – also, diese Augen? Ist das nicht albern? Aber intensiv. Also: Diese Augen! - , wenn er dieselben beziehungsweise seinen Blick in sie senkt, dann fährt ihr der panischste und wohligste Schrecken durch die Glieder: Der könnte IHR SCHICKSAL sein (man muss das wirklich groß schreiben, um den ganzen Drive der Sache, das beinahe Metaphysische dieser Erfahrung anzudeuten; Senta denkt das geradezu in Großbuchstaben)!
Und man kann ja auch verstehen, dass ihr diese Überraschung das Herz zusammenkrampft und ihr Kopf wie irre arbeiten muss, um das überhaupt mal zu denken: Sie liest die französischen Theoretiker rauf und runter, und er – ist Systemberater! Hat man so was Fremdartiges schon mal gehört? Was ist denn das überhaupt, „Systemberater”? Wie kann man denken, dass diese zwei zusammenpassen? Tun sie ja zunächst zwar, aber irgendwie auch nicht, sowohl gedanklich wie auch, in gewissem Sinn, körperlich. Keine Details hier, das wird sich schon richten, so kann man sich mal missverstehen, und das Tolle ist, dass sie in Andeutungen darüber reden können, und dann verstehen sie sogar, was sie vorher nicht verstanden; man muss manchmal halt nur den Mund aufmachen.
Das Kunststück ist nun zweitens aber, dass diese Liebesgeschichte eine ganz ernsthafte und doch zugleich ironische Sprache hat. Die Liebe wird hier nicht weggehöhnt, sondern ihr wird mit Leichtigkeit Tribut gezollt. Keinen Augenblick glauben die beiden so ganz richtig an die „große Liebe”, nur eben: sie sind mitten drin und leben dieses Gefühl. Und sie – denn meist wird von der Ecke, dem Auge, dem Hirn der lieben Senta aus gedacht und erzählt – fühlt und redet (meistens mit sich selbst, obwohl es da auch die schlappmaulige, lebenserfahrene Freundin gibt) so ein bisschen girliemäßig, unkräftig, flatterhaft, denn zu „frauenhaft”, also verantwortungsvoll, gereift oder so ähnlich langt es bei ihr gar nicht. Man glaubt die ganze Zeit, eine kleinmädchenhaft süße Stimme zu hören.
So taumeln und stolpern die beiden aufeinander zu und ineinander, und glaubten wir noch an Wunder und hemmungslose Emphase, müssten wir sagen: „Oh, welch ein Glück! Ein Großstadtmärchen! Es gibt doch noch Wunder!” Und das Mirakel begibt sich so strahlend, dass man eine Weile jene rationalen Zweifel vergisst, die einen doch befallen müssen, wenn man in einem nüchternen Moment daran denkt, dass fünfzig Prozent aller Ehen in dem geschilderten Milieu scheitern, Punkt, Aus, Basta, schauen wir der Wahrheit ins Auge.
Aber das ist eben nicht alles in der Welt. Nein, da wird vom rührenden Glück zweier Tölpel erzählt, durchaus heutiger Tölpel in durchaus heftig-heutiger Sprache – na ja, wie die Leute halt in Berlin so reden, und dann wird auch wieder ganz albern-schwebend erzählt von Momenten, in denen die beiden lächelnd und zart einverstanden sind damit, in der Welt zu sein, in diesem Moment, in dieser Stadt, und das Tolle ist, dass man tief bewegt mit den beiden sympathisiert und denkt: So geht es manchmal auch, ja, doch, solche Erfahrungen gelungenen Lebens kann man bisweilen schon machen. Und endlich kann ich mich mal lesend mit einer geglückten Liebe amüsieren, und zwar nicht unter meinem Niveau. Das hat mit ihrer Prosa die Iris Hanika getan. JÖRG DREWS
Iris Hanika
Treffen sich zwei
Roman. Literaturverlag Droschl, Graz/Wien 2007. 238 Seiten, 19 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Besprechung von 12.03.2008
Am Nullpunkt geht's erst richtig rund
Die Wildnis, das Ich: Iris Hanika hat einen Liebesroman auf den Spuren Kleists geschrieben / Von Ingeborg Harms

Es ist das Kreuz der großen Liebe, dass alle Worte für sie längst verbraucht sind. Deshalb nennt Iris Hanika ihren Roman einfach "Treffen sich zwei", als wollte sie einen Witz erzählen. Doch schon im Vorspann weicht der lockere Ton einer hymnischen Evokation des Monats August. Dieser Registerwechsel ist Programm: Die Sprache fährt bei Hanika vom ersten Satz an Achterbahn.

So geht es bei der Blickaufnahme in einer Kreuzberger Kneipe noch schwer bergauf, denn Thomas' Augen kommen "angekrochen", allerdings nur, um Senta sogleich "ins Herz hinunter" zu fahren. Umstandslos landen beide im selben Bett, das sie drei Tage lang nicht mehr verlassen. Bliebe es bei diesem Einverständnis, wäre das eher Stoff für ein Schäferspiel als für einen Roman. Doch schon beim Wiedersehen ist Senta ein Liebhaber peinlich, der zu lange Beine und zu "schlaffe Brüstchen" hat, sein Geld als Systemberater verdient, eine "Top-down-Analyse" seiner Gefühle vornimmt und "Es war sehr schön" zum Abschied sagt.

Im Gegensatz zu ihr geht Thomas das Leben nüchtern und analytisch an. Wo Senta vom "Einbruch des Wunders ins wirkliche Leben" schwärmt, notiert er nur ein neues Programm und fragt sich, ob die Systeme beider miteinander "kompatibel" sind. "Das Speicherlöschprogramm war korrekt angestoßen worden und wurde präzise abgearbeitet", heißt es, als Thomas den beruflichen Ärger mit ein paar Bieren hinunterspült. Senta hält er zunächst für eine Erscheinung aus dem Science-Fiction-Thriller "Matrix": Kein Wunder, dass er ihren Rücken beim Spaziergang wie ein Mousepad dirigiert.

Die Tochter von Wagner-Anhängern bewegt sich in anderen Sphären: Der erste Gefühlsüberschwang wirbelt in ihrem Kopf einen Partikelsturm klassischer Liebesprosa auf. Das ist nicht ohne Komik, denn dem hohen Ton fällt die nachhallende Fleischeslust übermütig ins Wort. Hat Senta eben noch sappho- und vosserisiert, so nennt sie Thomas im nächsten Atemzug gerührt einen "Zwutschkerl" und grübelt über die "Umlaufbahn der wundersamen Geschehnisse" nach, "in welche sie das Schicksal mit seinem Flitzegummi geschossen hatte".

Nach Abbruch eines geisteswissenschaftlichen Studiums jobbt Senta in einer Galerie. Offenbar hat ihr eine Überdosis Literatur die eigene Stimme verschlagen. Verse, Werbesprüche und Sexratgeber-Floskeln steigen wie pythische Dämpfe auf, wenn sie sich einen Reim auf die Romanze zu machen versucht. Dabei hat ein Bob-Dylan-Song dieselbe orientierende Funktion wie die Songlines der Aborigines, nur dass die Wildnis in diesem Fall das eigene Ich ist.

Nichts, scheint der Roman zu sagen, ist so klischeereich wie die große Liebe. Doch je größer die Beziehungskrise, desto weniger sperrig wirkt das sprachliche Treibgut. Es wird zum Feuerholz der lodernden Gefühle und kocht die kühnsten Metaphern auf. Das bedrängte Herz verwandelt sich in eine "Stalinorgel", Thomas' Gesicht in eines "ohne Befestigungsanlagen" und jenes "alles versaut . . . selber schuld", das Senta wie ein Mantra vor sich her sagt, in die "Doppelhelix der um ihr Leben bangenden Liebe".

"Treffen sich zwei" ist ein aufregendes Buch, weil es nicht am Nullpunkt der Authentizität stehen bleibt, sondern in der vorgeprägten Sprache unbekümmert seinen Weg sucht. Aus den Sackgassen rhetorischer Selbstaufladung katapultiert es sich durch Stilwechsel lässig heraus, wobei die Seitensprünge vom Graciánschen Handorakel bis zum Nachschlagewerk zur Berufsbildung reichen.

Senta ist die Verkörperung dieses Erzählens im EKG-Stil: "Dass jemand tatsächlich mit Lichtgeschwindigkeit zwischen den verschiedenen Möglichkeiten seiner seelischen Verfasstheit hin und her springen konnte", wundert sich ihre Freundin. Iris Hanika hat das rhetorische Mittel des Pathos für die Liebesprosa entdeckt, ein beständiges Fallen aus der Leseerwartung, das sich ergibt, wenn man Pop und Pathos auf gut Glück aneinandersetzt.

Ihr Lehrmeister ist Heinrich von Kleist, der die unerhörte Wendung der Novelle zum Erzählprinzip gemacht hat. Der Roman steckt voller Kleist-Hommagen. Thomas glaubt seine neue Geliebte des Nachts in einer Lichterscheinung zu sehen wie Käthchen den Grafen Wetter vom Stahl. Die "Marquise von O****" wird mehrmals direkt zitiert: als Folie für einen überstürzten Beischlaf, bei dem sich Senta im Rückblick missbraucht vorkommt.

Doch vor allem Kleists "Penthesilea" wird von der Autorin beliehen, wenn es darum geht, dass Liebe blitzschnell in Hass umkippen kann. Die Szene, die Senta ihrem Liebhaber öffentlich macht, ist so verletzend, dass er sich abrupt aus ihrem Leben zurückzieht. Iris Hanika führt Sentas Rollenspiel der gekränkten Unschuld als letztes Mittel vor, sich vor dem Skandalon des Liebens zu schützen. Erst als jeder Kontakt mit Thomas unterbunden ist und sie sich die Beziehung zu ihm als Irrtum schönredet, ist die Verbindung des Gefühls zu seiner sprachlichen Inszenierung ganz gekappt.

Jetzt entfaltet jene tellurisch-stumme Anziehung von neuem ihre Kraft, die man nicht nur aus der ersten Begegnung des Paars, sondern auch aus Kleists "Käthchen" und Goethes "Wahlverwandtschaften" kennt. So kommt es zu einem bezaubernd kleinlauten Happy End, das den Leser tatsächlich davon überzeugt, dass Senta und Thomas füreinander programmiert gewesen sind.

Iris Hanika: "Treffen sich zwei". Roman. Droschl Verlag, Graz und Wien 2008. 238 S., geb., 19,- [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die zwei, die sich dem Versprechen des Titels folgend treffen, könnten unterschiedlicher kaum sein: Thomas, ein nüchterner Systemberater auf der einen, Senta, eine für die Wunder des Alltags aufgeschlossene, abgebrochene Geisteswissenschaftlerin auf der anderen Seite. Sehr verschiedene Welten begegnen sich hier und sehr verschiedene Sprachen. Letzteres ist wohl auch die Pointe von Iris Hanikas Roman, die, wie Ingeborg Harms feststellt, gar nicht auf der Suche ist nach einer eigenen Sprache für diese Liebe, sondern sich gekonnt "in einer vorgeprägten Sprache" bewegt. Oder genauer: mehrere Sprachen durch abrupte "Stilwechsel" miteinander konfrontiert und immer wieder "Pop und Pathos" aufeinander reagieren lässt. Als großes Vorbild der Autorin werde von Hanika selbst Kleist per Zitat und Hommage immer wieder ins Spiel gebracht, die "Penthesilea" vor allem, in der Liebe sich "blitzschnell", so Harms, in Hass verwandelt. Die Rezensentin urteilt kaum einmal explizit, die Kritik lässt dennoch keinen Zweifel, dass ihr nicht nur das "bezaubernd kleinlaute Happy End" ausnehmend gut gefallen hat.

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