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Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten fährt die 19jährige Paula zur Aufnahmeprüfung der Kunsthochschule nach Berlin. Sie wird Malerin, um den Preis der Verhärtung gegen alle und alles. Sämtliche Beziehungen zu Männern scheitern, die zu Frauen gehören zu den beständigeren, vertreiben jedoch nicht die dominierenden Grautöne aus ihren Bildern. Woher kommt diese Gleichgültigkeit gegenüber den anderen und am Ende gegen sich selbst? Wie werden wir, was wir sind?
Christoph Hein erzählt von einer Frau, die in ihrem Leben das Abenteuer der Selbstbehauptung eingeht: die Geschichte einer gelungenen Emanzipation.
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Produktbeschreibung
Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten fährt die 19jährige Paula zur Aufnahmeprüfung der Kunsthochschule nach Berlin. Sie wird Malerin, um den Preis der Verhärtung gegen alle und alles. Sämtliche Beziehungen zu Männern scheitern, die zu Frauen gehören zu den beständigeren, vertreiben jedoch nicht die dominierenden Grautöne aus ihren Bildern. Woher kommt diese Gleichgültigkeit gegenüber den anderen und am Ende gegen sich selbst? Wie werden wir, was wir sind?

Christoph Hein erzählt von einer Frau, die in ihrem Leben das Abenteuer der Selbstbehauptung eingeht:
die Geschichte einer gelungenen Emanzipation.
  • Produktdetails
  • suhrkamp taschenbuch 4004
  • Verlag: Suhrkamp
  • Artikelnr. des Verlages: 46004
  • 6. Aufl.
  • Seitenzahl: 536
  • Erscheinungstermin: 18. August 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 109mm x 30mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783518460047
  • ISBN-10: 3518460048
  • Artikelnr.: 23313847
Autorenporträt
Hein, ChristophChristoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs.Ab 1967 studierte er an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1982/83 mit seiner Novelle "Der fremde Freund / Drachenblut".Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis und Stefan-Heym-Preis.Quasthoff, ThomasFast vier Jahrzehnte lang hat Thomas Quasthoff als Sänger auf internationalen Bühnen Maßstäbe gesetzt und unzählige Menschen mit seiner Kunst erreicht und bewegt. Im Januar 2012 beendete er seine beispiellose Karriere als Sänger. Dem Gesang und der Kunst bleibt er weiter eng verbunden: unter anderem als Lehrender an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Berlin oder bei Meisterkursen. Darüber hinaus entdeckte er manch neue Talente an sich und steht als Rezitator, Kabarettist, Moderator und sogar als Schauspieler auf der Bühne.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 21.03.2007

Cordula will nicht lesen
Eiswüste, innen: Christoph Hein referiert das Leben einer Kunstmalerin und raubt ihr ein Geheimnis / Von Jochen Hieber

Der Beginn dieses Buchs weckt Interesse und Neugier - und so soll es ja auch sein. Die titelgebende "Frau Paula Trousseau", eine Kunstmalerin von etwa Mitte Vierzig, ist der Welt unter zunächst rätselhaften Umständen abhanden gekommen; ihr Jugendfreund Sebastian, der seit gut zwei Jahrzehnten nichts mehr von ihr gehört hatte, und ihr erwachsener Sohn Michael machen sich, einer testamentarischen Verfügung folgend, auf Spurensuche und Bilderschau. Was hatte es auf sich mit dieser Frau? Was war ihr Geheimnis?

Fast am Ende des Romans - es ist der sechste des 1944 geborenen Erzählers und Dramatikers Christoph Hein - gibt es ein kleines Kapitel, das in Paulas frühe Kindheit zurückblendet. Das kleine Mädchen, für ein paar Stunden den Tyranneien des Vaters und dem Dauerstreit der Eltern entronnen, sieht auf der Lichtung des nahen Waldes einem Fremden zu, der Landschaft und Natur skizziert. Unangestrengt und genau hält diese Passage auch den Beginn von Paulas lebenslanger Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen fest.

Zwischen den beiden Kapiteln aber liegen fünfhundert Seiten. Nur ganz wenige von ihnen vermögen das anregende Erzählklima und die verträgliche Handlungstemperatur zu bewahren, die der Anfang verheißt und das Fast-Ende noch einmal gewährt. Dies, es verdichtet sich rasch zur Gewissheit, geschieht mit Bedacht: Christoph Hein, bereits aus früheren Büchern als kühler Chronist bekannt, hat im harten Stil den harten Roman einer harten Frau geschrieben - atmosphärisch herrscht hier das Dauertief Paula.

Nicht, dass es der Heldin äußerlich permanent schlecht erginge. Ihr, einem Kind der frühen DDR, gelingt gegen alle familiären Widerstände und nach einem juvenilen Suizidversuch ein recht passables Studium an der Ost-Berliner Kunsthochschule Weißensee. Ein Star der Szene wird sie danach zwar nicht, kann aber von ihren Bildern und Buchillustrationen einigermaßen ordentlich leben: Die stets klamme DDR war, ideologische Botmäßigkeit oder unpolitisches Verhalten der Subventionierten vorausgesetzt, ein großzügiger Künstlerversorgungsstaat. Zudem sieht Paula fabelhaft aus, die Männer reißen sich um sie, Frauen fühlen sich zu ihr hingezogen. So mancher Offerte kommt sie gerne nach, wobei es mit Hans, ihrem ersten Mann, mit Fred, ihrem Professor, mit Jan, dem Filmschauspieler, und mit Heinrich, dem Restaurator, meist nicht eben prickelnd ist, mit ihren Freundinnen Kathi und Sibylle dafür nicht selten besonders schön.

Trotz all der Liebschaften, die sie gerade mit Männern nie ohne Berechnung eingeht, ist sie viel eher eine femme frigide als eine femme fatale. Ihr Aggregatszustand: Eiswüste, innen. "Meine Aggressivität", sagt sie stolz, "ist meine wichtigste Kraft und mein Schutzschild" und sie fügt trotzig hinzu: "Ich erwarte nicht, dass mich einer versteht." Wer aber will die weitläufige Rollenprosa einer zwar schönen und emanzipierten, vor allem jedoch reichlich und absichtsvoll unsympathischen Frau lesen, wer den Bildungsroman einer innerlich Entwicklungslosen, die ganz offensichtlich nicht einmal von ihrem Autor, dem Schriftsteller Christoph Hein, sonderlich geschätzt, geschweige denn geliebt wird?

Wohl deshalb gibt es - anders, als der Romananfang verspricht - auch kein Geheimnis um Paula. Sie ist, wie sie ist, weil sie immer so war - von klein auf seelisch verstört und zutiefst von der unwandelbar miesen Menschennatur überzeugt. Den Vorwurf eines Lehrers, wie sie selbst besäßen auch ihre Bilder "keinerlei Mitleid", versteht sie denn auch als Kompliment, als ein verdientes obendrein. Bei siebzig der fünfundachtzig Kapitel des Romans führt sie als Ich-Erzählerin Regie - gnadenlos selbstgerecht und höchstens mal etwas irritiert darüber, dass es um sie herum immer leerer und einsamer wird.

In Gestalt, Temperament und Charakter erinnert Paula Trousseau sehr an die attraktive Ärztin Claudia, die Hein vor einem Vierteljahrhundert zur herben Hauptfigur seiner Novelle "Drachenblut" machte. Deren erzählerische Prägnanz hatte auch mit genrebedingter Kürze zu tun - die Novelle umfasst 160 Seiten. Der neue Roman hingegen, ungleich umfangreicher, stellt alsbald das wirkliche Erzählen ein und begnügt sich stattdessen mit einem penibel aufzählenden Lebensreferat, mit der Fallstudie eines unausweichlichen Unglücks als Porträt und Selbstporträt.

Dokumentarisch interessant sind einige Szenen über die Künstlerboheme der DDR, über ihre kleinen Freiheiten und ihre großen Feste. Das böse Omen vom Ende des ersten Kapitels aber wird der Roman nie wieder los. Da gibt Michael ein Paket an seine Halbschwester Cordula auf. Es enthält Paulas Lebensgeschichte, von ihr selbst verfasst und für die Tochter versiegelt. Das Paket wird nie geöffnet und kommt postwendend zurück. Auch Cordula will nicht lesen.

Christoph Hein: "Frau Paula Trousseau". Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 537 S., geb., 22,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.05.2007

Das Nein des Nachlassverwalters
Gegen das Leben helfen keine Ratgeber: Christoph Heins irritierender Roman „Frau Paula Trousseau”
Was ist das für ein merkwürdiger Roman? Man liest ihn mit Neugier und Spannung, obwohl man gleich zu Anfang erfährt, wie er endet, man langweilt sich kein bisschen, obwohl er relativ kunstlos und ohne dramaturgische Kniffe um eine einzige Frau kreist, und doch weiß man am Ende nicht so recht, was man da eigentlich gelesen hat. Die Biographie einer Anfang der 50er Jahre in der DDR geborenen Malerin, die sich im Jahr 2000 das Leben nahm? Aber ob es diese Malerin wirklich gegeben hat, bleibt ungewiss, auch wenn eine Widmung („für Paula T.”) eine Art Realitätseffekt erzeugt. Doch die Irritation hat noch andere Gründe. Es sind nicht die schlechtesten Bücher, die ein bisschen schräg zum Zeitgeist stehen. Während wir sie zurechtrücken wollen, plaudern sie eine Menge aus: eben über jenen Zeitgeist.
Das Leben bietet Paula Trousseau eine Menge Chancen. Sie verspielt sie, eine nach der anderen. Immer weiter reitet sie sich hinein in die Absolutsetzung dessen, was ihr wichtig ist, nämlich malen und unabhängig sein, immer höher schraubt sie die Ansprüche an sich selbst und ihre Umgebung, bis sie am Ende ganz alleine dasteht. Noch keine fünfzig, nimmt sie sich mit Tabletten das Leben. Man findet sie in einem überwucherten Nebenarm der Loire, vier Wochen muss sie dort gelegen haben. Keiner hat sie vermisst, obwohl sie zwei erwachsene Kinder hat, einen geschiedenen Ehemann, ehemalige Liebhaber und eine beste Freundin und Liebhaberin.
Eine Heldin, die Verdacht erregt
Es ist der eine entscheidende Kunstgriff des Romans, dass sich der Autor aus dieser Geschichte heraushält. Die Suggestion, es handle sich um die Biographie einer wirklichen Person, hat eine wichtige Funktion. Sie soll uns zeigen, dass wir Paula Trousseau so nehmen müssen, wie sie ist, als hätte der Autor keine andere Wahl gehabt. Bis auf wenige Passagen lässt Christoph Hein die Hauptfigur selbst erzählen. Er wählt eine Haltung von einfühlender Distanz, die schon der auf Flauberts „Madame Bovary” verweisende Titel ankündigt. In berückender Schlichtheit weist Hein unser Bedürfnis zurück, über alles zu urteilen, was uns im Leben unterkommt.
So wird die Lektüre zum Akt einer Selbsterkundung. Während wir der Geschichte von Paula Trousseau folgen, spüren wir immer wieder den Impuls, diese Figur zu maßregeln. Paula hatte eine schwierige Kindheit, in dieser Hinsicht ist ihr unser Mitgefühl sicher. Ein autoritärer Vater, der sich in der Stadt eine Geliebte hält, während er die Familie in der Vorstadtsiedlung mit harter Hand regiert, eine Mutter, die sich vor den häuslichen Demütigungen in den Alkohol flüchtet und ein großer Bruder, der im Uranbergbau verkrüppelt wurde und das väterliche Regime durch den Terror selbstmitleidiger Hilflosigkeit ergänzt: das ist eine mächtige Hypothek fürs Leben. Doch für Paula Trousseaus Scheitern sind weder ihre Eltern verantwortlich, noch die DDR, auch die Wende, das Patriarchat und den bösen Kapitalismus zieht Hein nicht als Erklärung heran. Bleibt nur sie selbst. Irgendetwas muss sie falsch gemacht haben. Oder etwa nicht?
Schon mit neunzehn verschiebt sie ihre Hochzeit, um an der Aufnahmeprüfung für die Kunsthochschule in Berlin-Weißensee teilzunehmen. Sie besteht mit Bravour und pendelt dann als junge Ehefrau zwischen Leipzig und Berlin. Der gut situierte Gatte hat sich seine Ehe anders vorgestellt und tauscht heimlich ihre Pille gegen Placebos aus. Sie wird schwanger, bekommt das Kind aus Trotz und studiert einfach weiter. Eine Zeitlang schlägt sie sich mit dem kleinen Wesen herum, am Ende ist sie beinahe froh, als das Mädchen, für das sie keine Muttergefühle empfinden kann, bei der Scheidung dem Vater zugesprochen wird. Die Richterin fürchtet, ein Kind, das durch „Vergewaltigung” entstanden ist, wie es Paula bei der Verhandlung nennt, sei bei der Mutter nicht gut aufgehoben.
Bald hat sie einen neuen Lebensgefährten, einen deutlich älteren Kunstprofessor, dem sie Liebe vorspielt und in dessen Villa sie ihre Studienjahre zubringt, nah an all den Professoren und berühmten Künstlern, die im Haus verkehren und dort ganz anders reden als in der Öffentlichkeit. Nach Abschluss des Studiums trennt sie sich von ihm. Sie fühlt sich künstlerisch erdrückt, im Bett ist er ohnehin eine Niete, nun will sie alleine leben. So geht das fort und fort. Immer wieder findet „die hübsche Paula” einen Mann, der sie für sich gewinnen will, und wenn es gerade passt, nimmt sie ihn. Eigentlich aber fürchtet sie sich vor der Liebe und dem Leben, wirklich wichtig ist ihr nur die Kunst. Als sie von einem Schauspieler schwanger wird, trennt sie sich von ihm, ohne etwas von ihrer Schwangerschaft zu verraten. Dieses Kind will sie ganz für sich. Mit einem Mann, der dem vaterlosen Jungen gefällt, zieht sie später aufs Land. Ein paar Jahre geht das gut, bis sie ihn aus dem Haus hinauskomplimentiert. Irgendwann zieht auch der Sohn aus. Fortan lebt sie allein,
Manche machen Fehler
Mit Ausstellungen, kleineren Aufträgen kann sie sich über Wasser halten. Doch nach der Wende brechen die Kontakte ab, immer seltener finden Freunde den Weg zu ihr. Als die Isolation zu groß wird, gibt sie auf. Ihr Tod lässt den Leser ratlos zurück, nicht ohne Mitgefühl, aber auch mit dem unangenehmen Gefühl des Besserwissens. So darf man eben nicht mit anderen Menschen umgehen, liegt ihm immer wieder auf der Zunge, und er ertappt sich dabei, wie er die Stellen sucht, an denen Paula etwas hätte besser machen können. Den damals jungen Mann wünscht sie sich noch Jahrzehnte später zum Nachlassverwalter ihres Werks, und er weist sie noch einmal zurück. Mit Kunst kenne er sich nicht aus, sagt er zu ihrem Sohn, der das Ansinnen seiner toten Mutter vorträgt. Das ist die endgültige Vernichtung ihrer Existenz.
„Frau Paula Trousseau” ist ein mutiges Buch, jenseits großer Gesten. Denn was der Autor macht, ist kaum noch üblich: ein Leben so nehmen, wie es eben ist. Früher konnte man sich auf Gott, das Schicksal oder den Staat berufen, um sich mit dem abzufinden, was man zugeteilt bekommen hat. Diese Zeiten sind vorbei. Während sich politisch der Übergang vom fürsorglichen zum so genannten aktivierenden Sozialstaat vollzieht, gewöhnen wir uns immer mehr an den Gedanken, jeder Mensch sei für sein eigenes Leben verantwortlich. Als wäre das Leben eine unendliche Folge freier und bewusster Entscheidungen. Doch so ist es nicht. Menschen machen Dinge, die sich als Fehler erweisen. Niemand kann sein Leben so planen, wie es uns zahlreiche Ratgeber suggerieren wollen. Manche Biographien verunglücken irgendwann, und oft kann man nicht einmal die Stelle angeben, an der es geschehen ist. An diese simple Wahrheit erinnert Christoph Heins irritierender Roman. So gerät sie nicht ganz in Vergessenheit.MEIKE FESSMANN
CHRISTOPH HEIN: Frau Paula Trousseau. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 537 S., 22,80 Euro.
„Auf der Museumsinsel” heißt das Foto aus dem eindringlichen Bildband „In einem stillen Land. Fotografien 1965 - 1989” von Roger Melis (Lehmstedt Verlag, Leipzig 2007, 19,90 Euro, siehe SZ vom 16. April 2007).
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