Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele - Schenz, Viola
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Alle zehn Jahre zieht ein kleines Dorf am nördlichen Alpenrand die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich. Mit seinem Passionsspiel lockt Oberammergau eine halbe Million Zuschauer aus allen Herren Ländern an. Es ist das erfolgreichste Laienspiel weltweit und zählt zum "Immateriellen Kulturerbe" der UNESCO. In mehr als hundert Aufführungen stellen die Oberammergauer die letzten sechs Tage im Leben Jesu dar - immer zur vollen Dekade, zwischen Mai und Oktober. Traditionell wirkt dabei die Hälfte der 5.400 Einwohner mit. Grundlage ist ein Pestgelübde aus dem Jahr 1633: Die Oberammergauer…mehr

Produktbeschreibung
Alle zehn Jahre zieht ein kleines Dorf am nördlichen Alpenrand die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich. Mit seinem Passionsspiel lockt Oberammergau eine halbe Million Zuschauer aus allen Herren Ländern an. Es ist das erfolgreichste Laienspiel weltweit und zählt zum "Immateriellen Kulturerbe" der UNESCO. In mehr als hundert Aufführungen stellen die Oberammergauer die letzten sechs Tage im Leben Jesu dar - immer zur vollen Dekade, zwischen Mai und Oktober. Traditionell wirkt dabei die Hälfte der 5.400 Einwohner mit.
Grundlage ist ein Pestgelübde aus dem Jahr 1633: Die Oberammergauer versprachen, regelmäßig im Ort das Leiden und Sterben Jesu nachzuspielen, falls die Pest ende. Das tat sie und schon im darauffolgenden Jahr fanden die Spiele erstmals statt. Solche geistlichen Dramen gab es damals überall in Europa, doch nur Oberammergau ist es gelungen, diese Tradition bis in die Gegenwart ununterbrochen lebendig zu halten.
Die Journalistin Viola Schenz schaut buchstäblich hinter die Kulissen. Sie erklärt, warum es die Passionsspiele überhaupt noch gibt, welche Dramen sich bisweilen in den Zwischenjahren zugetragen haben, was es mit dem "Haar- und Barterlass" auf sich hat oder wie der Regisseur Christian Stückl "den Passion" seit 1990 radikal erneuert.
  • Produktdetails
  • Verlag: Volk Verlag
  • Seitenzahl: 180
  • Erscheinungstermin: Dezember 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 243mm x 221mm x 20mm
  • Gewicht: 998g
  • ISBN-13: 9783862223169
  • ISBN-10: 3862223167
  • Artikelnr.: 57466609
Autorenporträt
Schenz, Viola
Viola Schenz, Journalistin, Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München und in den USA. Seit ihrer Ausbildung zur Redakteurin an der Deutschen Journalistenschule München ist sie für Süddeutsche Zeitung, Bayerischen Rundfunk und Neue Zürcher Zeitung tätig. Sie hat immer wieder über Oberammergau, die Passionsspiele und das Drumherum geschrieben. Bei schlechtem Wetter wohnt und arbeitet sie in München, bei schönem in Oberammergau und bei fast jedem Wetter radelt und wandert sie durchs Ammertal und -gebirge.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 29.01.2020

VON SZ-AUTOREN
Viola Schenz über
Oberammergau
Bald ist es wieder so weit: Eine halbe Million Menschen werden von Mai an in dem kleinen Alpendorf Oberammergau anrücken und sich das Leiden und Sterben Jesu anschauen, live, fünf Stunden lang, auf der weltgrößten Freilichtbühne. Seit vier Jahrhunderten führen die Oberammergauer „den Passion“ alle zehn Jahre auf und die Besucher, ob katholisch, protestantisch, andersgläubig oder atheistisch, sind fasziniert. Es ist das älteste Passionsspiel überhaupt, das erfolgreichste Laienspiel, es gehört zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Raffiniert und stur haben die Oberammergauer sein Überleben gesichert, gegen Eingriffe von Kirche und Staat. Die Passionsspiele sind ihr Schicksal, ihre Goldmine – und steter Zankapfel. Die SZ-Journalistin Viola Schenz begleitet seit Jahren die kleinen und großen Dramen darum herum. Sie erklärt, inwiefern ihr Anachronismus den Reiz der Spiele ausmacht und wie ihr Leiter Christian Stückl sie revolutioniert, um sie zu bewahren.
SZ
Viola Schenz: Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele – Ein Dorf begeistert die Welt. Volk Verlag, München 2020. 180 Seiten, 28 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.05.2020

Das Buch zur Verschiebung: Die Oberammergauer Passion gestern und morgen

"Der" Passion, wie die Oberammergauer sagen, ist wieder einmal abgesagt worden. Diesmal wegen einer Seuche. Das passt, denn wegen einer solchen war das Spiel ins Leben gerufen worden, 1634, als Dank für die überstandene Pest, der in dem damals sechshundert Seelen zählenden Dorf in den Ammergauer Alpen immerhin vierundachtzig Bewohner zum Opfer gefallen waren. Passionsspiele waren keine bayerische Erfindung, sie waren seit dem dreizehnten Jahrhundert im süddeutschen Raum verbreitet als Formen theatraler Buße, die längsten fanden in Bozen statt, sie dauerten sechs Tage. Aber keinem Ort gelang, was Oberammergau vom neunzehnten Jahrhundert an schaffte - sich zu einer Marke von weltweiter Strahlkraft zu entwickeln. Diesen Weg zeichnet die Münchner Journalistin Viola Schenz in ihrem Bildband nach, und angesichts der Tatsache, dass vom morgigen Samstag an bis in den Herbst hinein wieder eine halbe Million Besucher herbeigeströmt wären, kann man die verlegerische Entscheidung, den Bildband auch gleich noch in einer englischen Ausgabe anzubieten, nur allzu gut nachempfinden. Die Autorin kennt Geschichte und Gegenwart dieser seltsamen Lüftlmalerei-Überdosis, die aussieht, als diene das Herrgottschnitzer-Dorf als Vorbild für eine Modelleisenbahn.

Dabei kamen Text und Musik ursprünglich aus dem benachbarten Benediktinerkloster Ettal, und die Patres waren es zunächst auch, die es im Lauf der Jahrhunderte modifizierten. Verantwortlich aber war, anders als bei anderen Passionsspielen, eine weltliche Instanz - die Gemeindevorsitzenden. Das half nach der Säkularisation im Bayern des Grafen Montgelas. Was die Passion im Seelenhaushalt der Oberammergauer angerichtet hat, ist nicht ohne Pikanterie. Die bis heute notorisch streitbare Dorfgemeinschaft schenkt sich nichts; und die Anverwandlung in biblische Figuren, gar in Jesus, ist nicht allen Schauspielern gleich gut bekommen. Manche haben sich am Ende mit ihrer Rolle verwechselt. Frauen waren zuverlässig benachteiligt: Wenn es um Sittlichkeitsfragen ging, war man bei Männern großzügiger. Der bekannteste Jesus-Darsteller, Anton Lang, war ein Weltstar, der es 1923 auf die Titelseite des "Time"-Magazins schaffte, im Jahr darauf stand eine Abordnung von Oberammergauern bei Präsident Calvin Coolidge im Weißen Haus. Denn gerade die reichen Amerikaner hatten das Passionsspiel für sich entdeckt und kamen in Scharen. Auch dem "Führer" gefiel das alles sehr, und die Einheimischen wählten ihn auch 1933 mit mehr Zustimmung als der Rest des Landes. Nach dem Krieg wollte man davon nichts wissen, wurde aber zur Auseinandersetzung gezwungen, weil Stars wie Leonard Bernstein und Arthur Miller sich mit der aufs Mittelalter zurückgehenden antisemitischen Tradition der Passion nicht abfinden wollten. Jenseits des Imageschadens drohte ein finanzieller Rückschlag, den auch keiner wollte. Aber es dauerte, die seit braunen Tagen wirkenden personellen Kontinuitäten zu durchbrechen.

1986 dann eine bis heute wirkmächtige Entscheidung. Der Gemeinderat wählt den vierundzwanzigjährigen Christian Stückl zum Spielleiter, ein Holzbildhauer mit starkem Hang zum Theater. Stückl lässt keinen Stein auf dem anderen, modernisiert das Stück, bringt die Hälfte der Gemeinde gegen sich auf, schart den Rest hinter sich, der Riss sei durch Familien gegangen. Stückl ist ein rebellischer Autodidakt, der seit 2002 auch dem Münchner Volkstheater vorsteht, dabei leidenschaftlich und auf Aussöhnung zwischen den Religionen bedacht. Er sorgte, schreibt Schenz, für die "Eliminierung der antisemitischen Altlasten". Und er weiß, wie man das Spiel medial spielt.

Am Ende gibt der Band einen Ausblick auf die Neuerungen, die der Jahrgang 2020 gebracht hätte - alles schon Geschichte, denn in zwei Jahren wird es wieder anders aussehen, darauf darf man sich bei Stückl verlassen. Auf die Frage dieser Zeitung, ob er 2030 wieder als Spielleiter antrete, antwortete Stückl unlängst mit einer Gegenfrage: "Über was lacht Gott?" Und er gab die Antwort gleich selbst: "Über Planung." (hhm)

Viola Schenz: "Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele". Ein Dorf begeistert die Welt. Volk Verlag, München 2020. 180 S., Abb., geb., 28,- [Euro].

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