Die Welt und Wir
79,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Die Europäische Union ist, angefangen mit der Finanz- und Staatsschuldenkrise, mit der Bewältigung tiefgreifender Krisen beschäftigt, deren Ursachen teils in ihr selbst, in ihrer Politik oder in politischen Entwicklungen ihrer Mitgliedstaaten liegen, teils aber auch außerhalb zu verorten sind, wie es bei den Migrationsbewegungen der Fall ist. Der Sammelband widmet sich vor diesem Hintergrund außenpolitischen Fragen zu und untersucht die Kompetenzen und Instrumente der EU sowie die Praxis und die Grenzen des außenpolitischen Handelns der EU. Die Autoren wenden sich dabei den einzelnen…mehr

Produktbeschreibung
Die Europäische Union ist, angefangen mit der Finanz- und Staatsschuldenkrise, mit der Bewältigung tiefgreifender Krisen beschäftigt, deren Ursachen teils in ihr selbst, in ihrer Politik oder in politischen Entwicklungen ihrer Mitgliedstaaten liegen, teils aber auch außerhalb zu verorten sind, wie es bei den Migrationsbewegungen der Fall ist. Der Sammelband widmet sich vor diesem Hintergrund außenpolitischen Fragen zu und untersucht die Kompetenzen und Instrumente der EU sowie die Praxis und die Grenzen des außenpolitischen Handelns der EU. Die Autoren wenden sich dabei den einzelnen Politikfeldern der Asylpolitik, der Nachbarschaftspolitik, der Verteidigungspolitik, der Handelspolitik und der Investitionsschiedsgerichtsbarkeit zu. Analysiert werden soll damit auch das Potential der EU, sich über auswärtiges Handeln neu zu erfinden. Zugleich will der Band einen Beitrag zu einer Diskussion darüber leisten, ob die Union auch in ihrem auswärtigen Handeln widerspruchsfrei ihren eigenen Verfassungsprinzipien folgt.Mit Beiträgen vonDr. Roland Bank, Prof. Dr. Sigrid Boysen, Prof. Dr. Marc Bungenberg, LL.M. (Lausanne), Prof. Dr. Johan Callewaert, Prof. Dr. Sebastian Graf von Kielmansegg, Prof. Dr. Stefan Kadelbach, LL.M. (Virginia), Prof. Dr. Markus Krajewski, Prof. Dr. Stefanie Schmahl, LL.M. (Barcelona), Prof. Dr. Kirsten Schmalenbach, Dr. Roman Schmidt-Radefeldt, Prof. Dr. Wolfgang Weiß
  • Produktdetails
  • Schriften zur Europäischen Integration und Internationalen Wirtschaftsordnung .42
  • Verlag: Nomos
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 293
  • Erscheinungstermin: 8. November 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 230mm x 156mm x 17mm
  • Gewicht: 441g
  • ISBN-13: 9783848745029
  • ISBN-10: 384874502X
  • Artikelnr.: 49424205
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Marian Nebelin regt der von Stefan Kadelbach herausgegebene Band zum Weiterdenken an. Etwa wenn Kirsten Schmalenbach in einem Beitrag die Praxis der Demokratie und Menschenrechte als Verfasssungsprinzipien der EU in den Blick nimmt. Andere Problembereiche, die die Krise der EU als Krise ihrer Außenbeziehungen fassen, Asylpolitik, Außenhandelspolitik, Sicherheitspolitik, werden historisch grundiert angegangen, erklärt Nebelin die Bedeutung des Bandes. Die so gewonnene Tiefenschärfe lässt die Beiträge laut Rezensent über die Tagespolitik hinausweisen. Dass Brexit, Trump und Türkeiputsch nicht mehr aufgenommen wurden, kann er verschmerzen, den "Gutachtenstil" der Texte schon weniger. Wer diese sprachliche Hürde meistert, so Nebelin, wird mit einem nüchternen Blick ins Zentrum der Krise der EU belohnt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.07.2018

Mit großer Tiefenschärfe
Sammelband über die Außenbeziehungen der EU

Zwischen kurzlebiger Krisenliteratur und solcher, die ein Besitz für immer bleibt, gibt es eine kleine Zahl von Werken, die später für die Geschichtsschreibung zu einer wichtigen Quelle werden, während sie den Zeitgenossen nicht einschlägig waren. Gemeint sind Schriften, die ihre Zeit erfassen und durchdringen, denen aber aus irgendeinem Grund die Breitenwirkung verwehrt bleibt. In diese tragische Kategorie bedeutender Texte gehört dieser Sammelband. Bei diesem handelt es sich um eine Textsammlung, die sich mit den Außenbeziehungen der Europäischen Union befasst und damit gleich ein Bündel aktueller Auseinandersetzungen anschneidet. Dabei stehen umfassende Problembereiche im Vordergrund, in denen nach Ansicht des Herausgebers Stefan Kadelbach die Krise der EU auch als Krise ihrer Außenbeziehungen manifest wird. Konkret werden die Asylpolitik, die östliche Nachbarschaftspolitik, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sowie die Außenhandelspolitik und die Investitionsschiedsgerichtsbarkeit angesprochen.

Wert und Besonderheit des Bandes resultieren aus dem gewählten analytischen Zugriff: Durch ihre historische Grundierung gewinnen die Beiträge eine außergewöhnliche Tiefenschärfe und eine weit über die Tagespolitik hinausreichende Geltung. Deshalb ist zu verschmerzen, dass aufgrund des Redaktionsschlusses auf aktuelle Herausforderungen wie den ,Brexit', den gescheiterten Putsch in der Türkei oder die Folgen der amerikanischen Präsidentenwahl nicht gesondert eingegangen wird. Das Manko des Bandes ist vielmehr der nichtjuristische Gutachtenstil. Dadurch wird eine sprachliche Hürde aufgebaut, die jenseits der Fachleute wohl nur ernsthaft interessierte Leser überwinden. Deren Anstrengungen aber werden belohnt mit einem nüchternen Blick ins Zentrum der Krise der EU. Das auswärtige Handeln der EU ist in besonders hohem Maße durch ein Spannungsverhältnis von rechtlichen Normen, politischen Interessen und praktischen Beschränkungen gekennzeichnet. Wie Roland Banks Beitrag zeigt, wird dies spätestens seit 2015 besonders deutlich im Bereich der Asylpolitik. Damals sollte das europäische Asylsystem vom Ankunfts- auf ein Verteilungsprinzip umgestellt werden - eine Entwicklung, die aufgrund der Interessen der Einzelstaaten bis heute nicht abgeschlossen ist.

Der immer wieder spürbare Vorrang mitgliedstaatlicher Sonderinteressen vor der gemeinschaftlichen Bearbeitung internationaler Herausforderungen ist die erste von zwei Ursachen, auf welche die Probleme in den EU-Außenbeziehungen zurückgeführt werden können. Dabei kommt es mitunter sogar zu Rückkopplungseffekten: So vermutet Stefanie Schmahl, die vom Europäischen Gerichtshof geäußerte Ablehnung eines Beitritts der EU zur Europäischen Menschenrechtskonvention sei auch darauf zurückzuführen, dass die Richter befürchteten, "angesichts der gegenwärtigen Vertrauens- und Wertekrise in Europa" könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Mitgliedstaaten versuchten, über die neuen Klagemöglichkeiten "sich mancher unliebsamer Pflichten aus dem Unionsrecht zu entledigen".

Demokratie und Menschenrechte sind die ,Verfassungsprinzipien' der EU. Deren Durchsetzung und Verbreitung wird immer wieder in der Praxis beschnitten und relativiert. Die mittel- und langfristigen Folgen dieses Verhaltens sind fatal und treten besonders deutlich in der Nachbarschaftspolitik zutage. So muss, wie Kirsten Schmalenbach hervorhebt, im "Fehlen eines effektiven Anreizes, den europäischen Wertekanon - Menschenrechte, Demokratie, good governance und rule of law - nicht nur oberflächlich zu adaptieren, sondern auch zu internalisieren", eine Teilursache der fehlenden Stabilität einiger Regionen Südosteuropas ausgemacht werden.

Größte Zukunftsaufgabe der EU bleibt im auswärtigen Handeln folglich die konsequente Umsetzung ihrer vertraglich verankerten Wertegebundenheit. Im Wesen der Menschen- und Grundrechte ist Spannung dabei schon angelegt. Schließlich haben sie, wie Schmahl zu Recht betont, "als wertgebundene Orientierungsfaktoren stets die Tendenz, Strukturentscheidungen einer Rechtsordnung in Frage zu stellen und von der Hoheitsgewalt gezogene Grenzen zu überspringen". Dass der "internationale Menschenrechtsschutz gelegentlich quer zu allen nationalen oder supranationalen Kulturen" steht, müssen jedoch sowohl die EU als auch ihre Mitgliedstaaten "im Interesse des Individuums" in Kauf nehmen. Hier regt der Band zum Weiterdenken an: Hängen die innergemeinschaftlichen Legitimationsprobleme der EU nicht auch mit der Verdrängung der Tatsache zusammen, dass die Wahrung der Menschenrechte der anderen auch aus Eigeninteresse heraus notwendig ist?

MARIAN NEBELIN

Stefan Kadelbach (Hrsg.): Die Welt und Wir. Die Außenbeziehungen der Europäischen Union.

Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017. 294 S., 79,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr