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Die Globalisierung hat die Welt grundlegend verändert. Die radikalen Folgen dieser Revolution betreffen nicht nur abstrakte Prozesse in Wirtschaft und Politik, sondern sind konkret in unserem Alltag erlebbar. Das Lexikon der Globalisierung bereitet in mehr als 140 Einträgen die Ergebnisse der kultur- und sozialwissenschaftlichen Globalisierungsforschung in einer verständlichen und anschaulichen Sprache nicht nur für eine wissenschaftliche Leserschaft, sondern auch für eine breite Öffentlichkeit auf. Dabei steht neben der Klärung von Begriffen und Debatten die alltägliche Erfahrung von…mehr

Produktbeschreibung
Die Globalisierung hat die Welt grundlegend verändert. Die radikalen Folgen dieser Revolution betreffen nicht nur abstrakte Prozesse in Wirtschaft und Politik, sondern sind konkret in unserem Alltag erlebbar. Das Lexikon der Globalisierung bereitet in mehr als 140 Einträgen die Ergebnisse der kultur- und sozialwissenschaftlichen Globalisierungsforschung in einer verständlichen und anschaulichen Sprache nicht nur für eine wissenschaftliche Leserschaft, sondern auch für eine breite Öffentlichkeit auf. Dabei steht neben der Klärung von Begriffen und Debatten die alltägliche Erfahrung von Globalisierung im Vordergrund. Das Lexikon ist somit ein unverzichtbarer Wegweiser in der Unübersichtlichkeit der Globalisierung und ihren Kämpfen und Debatten.
Mit Beiträgen u.a. von Arjun Appadurai, Ulrich Beck, Ulf Hannerz und Salini Randeria.
  • Produktdetails
  • Global Studies
  • Verlag: Transcript
  • Seitenzahl: 536
  • Erscheinungstermin: September 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 248mm x 161mm x 48mm
  • Gewicht: 1025g
  • ISBN-13: 9783837618228
  • ISBN-10: 3837618226
  • Artikelnr.: 33376327
Autorenporträt
Fernand Kreff (Mag. phil.; ing. tech.), Sozialanthropologe und Informatiker, ist externer Lektor an der Donau-Universität Krems. 2002-2007 und 2009-2011 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des (heutigen) Instituts für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in theoretisch-epistemologischen Fragestellungen der Sozial- und Kulturanthropologie, insbesondere in der Erforschung von Globalisierungsprozessen. Eva-Maria Knoll ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und arbeitet zu Tourismus und medizinischer Mobilität in der Republik Malediven. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der sozialanthropologischen Tourismus-, Geschlechter-, Medizin- und Technologieforschung sowie im Bereich der Forschungsfinanzierung. Andre Gingrich (o. Univ.-Prof. Dr.) ist Professor für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien, Direktor des Instituts für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Wittgenstein-Preises. Seine Forschungsschwerpunkte sind Wissenschaftsgeschichte und Theorienbildung der Anthropologie, komparative und ethnografische Methoden, Sozialstruktur und Kulturgeschichte Südwestarabiens sowie Nationalismus in Europa.
Rezensionen
Besprechung von 03.04.2012
Die Risikogesellschaft muss an den zivilgesellschaftlichen Graswurzeln gepackt werden
Arbeit auf dem Theoriesektor der Occupy-Bewegung: Ein großes Lexikon versucht Ordnung in die Begriffe der Globalisierungstheorien zu bringen

Der Ritterschlag jeder Theorie ist die Aufnahme ihrer Kernbegriffe in ein Lexikon. Anders als Handbücher oder Glossare impliziert ein Lexikoneintrag eine über die jeweilige Theorie hinausreichende Bedeutung des vorgestellten Konzepts. So mutig wie frech scheint es daher, ein Lexikon vorzulegen, während sich das zugehörige Wissensfeld erst konstituiert. Es antizipiert die Kanonisierung vieler Grundbegriffe, um die noch gerungen wird.

Die Rückwirkung ist deutlich: Den verschiedenen Kontexten der versammelten Begriffe muss ebenso Rechnung getragen werden wie den keineswegs kompatiblen Verwendungsweisen. So sind die mehr als hundert Haupteinträge im "Lexikon der Globalisierung" viergeteilt: Auf die "Begriffsgeschichte" folgt jeweils eine "Diskussion", die leider nur selten den in Frage stehenden Begriff diskutiert, sondern meist einen weitgefassten Forschungsüberblick gibt. Den Schluss der Beiträge bilden "Beobachtungen aus der Praxis", wodurch die zuvor hinsichtlich der wissenschaftlichen Anschlussfähigkeit des Verhandelten nicht immer durchschaubaren Artikel an Anschaulichkeit gewinnen.

Diesen drei Kategorien geht stets der Versuch einer Definition der Stichworte voraus. So viel Klarheit wagt man denn doch, wobei am klarsten das Verwerfen ist. Ein Beispiel: "Kulturkreis ist eine irreführende, altertümliche und im Deutschen noch manchmal (meist unüberlegt) verwendete Vorstellung und Bezeichnung, wonach Kulturen kreisförmig um Zentren herum angelegt oder gruppiert sind und von dorther beeinflusst werden."

Um einen Schnellschuss handelt es sich nicht. Der über Jahre vorbereiteten und von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geförderten Publikation gingen Workshops und Forschungsprojekte voraus, in denen man sich über die thematische Streuung und den Aufbau der Beiträge verständigte. Global verwendete "Währungen" zum Beispiel hat man nicht aufgenommen, dafür aber den "Genozid", obwohl Völkermord sicher keine neoliberale Entwicklung darstellt. Der Grund ist dennoch einleuchtend: weil der erste Versuch, künftige Genozide zu verhindern, von der internationalen Gemeinschaft ausging, was hier als eine der wenigen positiven Begleiterscheinungen der Globalisierung gilt, vergleichbar wohl nur dem internationalen Schutz der Menschenrechte.

Das Lexikon will der wissenschaftlichen und der interessierten Öffentlichkeit gleichermaßen gerecht werden, weshalb spezielle und allgemeine Begriffe einträchtig nebeneinanderstehen, "Flexible Körper", "Kommodifizierung", "Métissage" und "Othering" hier, "Demokratisierung", "Sprache" und "Ethik" dort. Dabei werden auch Letztere unter besonderer Perspektive betrachtet. Ethik etwa versteht der zuständige Autor nicht als akademische Disziplin, sondern behandelt unter diesem Dachbegriff die weltweite Verbreitung bestimmter Wertvorstellungen sowie die Probleme, die entstehen, wenn diese auf lokaler Ebene mit traditionellen Praktiken wie dem weiblichen Fötizid in Indien konfligieren. Spezialistischer dagegen ist der Eintrag "Vorgestellte Gemeinschaften", hinter dem sich eine Auseinandersetzung mit Benedict Andersons aus den achtziger Jahren stammender konstruktivistischer These der Nationsbildung durch mediale Schaffung einer Ursprungslegende verbirgt, die inzwischen etwas angestaubt wirkt.

Am interessantesten sind die vielen konzeptuell dazwischenliegenden Einträge, welche in jüngerer Zeit populär gewordene Begriffe wie "Biokolonialismus", "Netzwerkgesellschaft", "McDonaldisierung", "Sonderwirtschaftszonen" oder "Tobinsteuer" aufnehmen, deren Herkunft und genaue Bedeutung nicht immer bekannt sind. Bei mehr als einhundert Autoren sind erhebliche Unterschiede in Stil und Wissenschaftlichkeit programmiert. Wenig erhellend scheint etwa, dass "Cyborgs" mit der "Entgrenzung von Körper und Raum" zu tun haben. Doch solche eher tautologischen Erklärungen stellen die Ausnahme dar. Die Autoren sind schon aus einem sehr einfachen Grund auf Verständlichkeit aus: Sie haben ein Anliegen. Denn bei aller Neutralität im Tonfall eint die meisten Beiträger die Ablehnung des Neoliberalismus.

Aufschlussreich ist der von den drei Herausgebern gemeinsam verfasste Artikel "Globalisierung" selbst: "Globalisierung zeigt sich immer zugleich als politisch-ideologisches Spannungsverhältnis: Überlokalen Interaktionen, Herrschaftsformen und Organisationssystemen ,von oben' ... wirken alternative, widerständige Graswurzel-Formen der Zivilgesellschaft ,von unten' entgegen." In dieser als unaufhebbar gekennzeichneten Dichotomie verortet sich dieses Lexikon klar auf Seiten der widerständigen Zivilgesellschaft - als Occupy-Bewegung im Theorie-Sektor.

Was von Sonderwirtschaftszonen in Asien, Afrika oder Lateinamerika zu halten ist, die vor allem Industrieländern dazu dienen, ihre Produkte unter Ausschaltung nahezu aller arbeitsrechtlichen Minimalstandards herstellen zu lassen, ist deutlich, obwohl der quellenreiche Eintrag sich des direkten Urteils enthält. Mitunter drängt der politische Impetus so in den Vordergrund, dass sich die Beiträge wie Attac-Verlautbarungen lesen, so gleich der erste Eintrag zu "Alter-Globalisierung". Die Hinterfragung der Theoriefähigkeit gerade der Kampfbegriffe der Neoliberalismus-Kritik hätte überhaupt etwas deutlicher ausfallen dürfen.

Dass Francis Fukuyamas These vom "Ende der Geschichte", die dem liberal-konservativen Lager der Vereinigten Staaten zugeordnet wird, reichlich banal ist, wird nicht verschwiegen, doch habe sie "immerhin den Vorteil, zum friedlichen Meinungsstreit einzuladen" - ganz im Gegensatz zu Samuel P. Huntingtons These vom "Clash of Civilizations". Auch prominente Beiträger hat man für einschlägige Stichworte gewonnen: Ulrich Beck gibt - virtuos die Artikelstruktur missachtend - Auskunft über "Globale Risiken" und die "Weltrisikogesellschaft", was allerdings zu einer Kurzfassung seiner bekannten Thesen führt und nicht zu einer kritischen Diskussion derselben: "In der Moderne geht es daher darum, die selbsterzeugten Katastrophen zu antizipieren und zu verhindern, also darum, produzierte Unsicherheiten zu bewältigen. Das schafft natürlich große und wachsende Märkte für Fachleute, Technologien, ExpertInnen, Gegen-ExpertInnen und Industrien: Die Weltrisikogesellschaft ist big business!"

Bei allen kleineren Einwänden - leider hat man sich in vermeintlicher Geschlechtergerechtigkeit für das große "I" entschieden, weshalb man allenthalben über Worte wie "BürgerInneninitiativen" stolpert - handelt es sich doch um ein wissenspralles, seinen Subjektivismus nicht verbergendes, ethisch wertvolles Kompendium, das der Moderation der diskursiven Analyse unserer Gegenwart einen großen Dienst erweist.

OLIVER JUNGEN.

"Lexikon der Globalisierung". Hrsg. von Fernand Kreff, Eva-Maria Knoll und Andre Gingrich.

Transkript Verlag, Bielefeld 2011. 527 S., br., 29,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Verdienstvoll findet Oliver Jungen das Lexikon der Globalisierung gleich in mehrfacher Hinsicht. So sieht er etwa den an sich heiklen Vorgang der Kanonisierung eines noch im Werden befindlichen Wissensgebietes hier durchaus positiv gewendet. Indem die mehrteiligen Einträge nämlich sowohl Begriffsgeschichte, Diskussion und Praxis behandeln und die Artikel anschaulicher werden, wie Jungen feststellt. Ferner imponiert ihm die lange Vorarbeit zur Publikation mit Workshops und Forschungsprojekten und der Umstand, dass spezielle, wissenschaftliche (Othering) sowie allgemeine Termini (Tobinsteuer) gleichermaßen Aufnahme gefunden haben. Perspektivisch ordnet er die meisten Beiträge dem antineoliberalen Lager zu. Mit einigen Ausnahmen, die ihm wie Attac-Verlautbarungen klingen, geht das (stilistisch) in Ordnung, meint er. Ein wenig mehr kritische Auseinandersetzung mit den Kampfbegriffen der Bewegung hätte er sich gewünscht. Am Verdienst des ethisch wertvollen, wissensprallen Beitrags zum Globalisierungsdiskurs aber kratzt das laut Jungen kaum.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Eine qualitätsvolle Dokumentation und Reflexion jener Verschiebung, die das Phänomen Globalisierung mit sich gebracht hat, [...] ein unerlässliches Nachschlagewerk für alle, die sich dem Anspruch des Intellektuellen stellen." Franz Gmainer-Pranzl, Polylog, 29 (2013) "Die wissenschaftlichen Beiträge sind kurz und allgemein verständlich verfasst. Ein kompaktes Nachschlagewerk, das sich gut zum Schmökern eignet." Buchkultur, 143 (2012) "[E]in wissenspralles, seinen Subjektivismus nicht verbergendes, ethisch wertvolles Kompendium, das der Moderation der diskursiven Analyse unserer Gegenwart einen wertvollen Dienst erweist." Oliver Jungen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2012 "Das 'Lexikon der Globalisierung' erfüllt seine Funktion als Nachschlagewerk voll und ganz." Josef Bordat, literaturkritik.de, 4 (2012) "In der bereits übergroßen Dichte des Globalisierungs-Buchmarktes ist das Lexikon der Globalisierung [...] ein Orientierung gebendes Flaggschiff." Klaus Kremb, Portal für Politikwissenschaft (www.pw-portal.de), 19.01.2012 "Erfreulicherweise hat dieses Lexikon neben einem kurzen Personenregister ein sehr ausführliches Fachregister sowie einen 'Ethnographischen Index'. Der Nützlichkeitsaspekt dieses Buches steht also außer Frage." Dieter Senghaas, Das Historisch-Politische Buch, 59/6 (2011) "Seinen besonderen Wert gewinnt dieses hervorragende Lexikon aus den Querverweisen. Die Beiträge eröffnen [hierdurch] mitunter überraschende Perspektiven. Der Erkenntnisgewinn durch ständig neue Blickwinkel ist beträchtlich." Werner Bührer, Süddeutsche Zeitung, 15./16.10.2011 "Vollauf gelungen." Viola Schubert-Lehnhardt, Ethica, 79/1 (2014) "Zu jedem Begriff liefern die Verfasser seine Geschichte, Diskussionen, die mit ihm zusammenhängen, sowie Beobachtungen aus der Praxis. Das Lexikon bietet viel Wissenswertes." Welt-Sichten, 12-2011/1-2012 "Ein Desiderat und überfälliges Werk zu einem Hauptaspekt im 21. Jahrhundert!" Oliver Neumann, www.lehrerbibliothek.de, 06.12.2011 "Verdienstvolles Lexikon." Siegfried Lörcher, ekz-bibliotheksservice, 05.12.2011 Besprochen in: www.umweltjournal.de, 10 (2011) RKW Bücherdienst, 4 (2011) Südwind-Magazin, 1-2 (2012) GMK-Newsletter, 1 (2012) Kunstbulletin, 4 (2012) APA - Austria Presse Agentur, 26.06.2012, Winfried Radl www.erwachsenenbildung.at, 10 (2012), Helga Moser PERIPHERIE, 129 (2013), Reinhart Kößler…mehr