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Leuchtend wie ein Gemälde Rembrandts Amsterdam, März 1664. Hat die achtzehnjährige Dänin Elsje ihre Zimmerwirtin mit einem Beil erschlagen, weil sie die Miete nicht bezahlen konnte? War der Streit eskaliert, als sie sich gegen die mögliche Forderung ihrer Vermieterin, ihren Körper zu verkaufen, verwahrte? Jedenfalls galt Elsje als Mörderin. Und sie bereute nicht ... So wurde ihr Leichnam, nachdem man sie öffentlich erdrosselt hatte, zur Abschreckung ausgestellt.
Rembrandt, gerade verwitwet und wirtschaftlich ruiniert, folgt dem Weg ihres Leichnams vor die Stadt und hält dort ihr Bild fest.
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Produktbeschreibung
Leuchtend wie ein Gemälde Rembrandts
Amsterdam, März 1664. Hat die achtzehnjährige Dänin Elsje ihre Zimmerwirtin mit einem Beil erschlagen, weil sie die Miete nicht bezahlen konnte? War der Streit eskaliert, als sie sich gegen die mögliche Forderung ihrer Vermieterin, ihren Körper zu verkaufen, verwahrte? Jedenfalls galt Elsje als Mörderin. Und sie bereute nicht ... So wurde ihr Leichnam, nachdem man sie öffentlich erdrosselt hatte, zur Abschreckung ausgestellt.

Rembrandt, gerade verwitwet und wirtschaftlich ruiniert, folgt dem Weg ihres Leichnams vor die Stadt und hält dort ihr Bild fest. In detailgetreu recherchierten, packenden historischen Szenen und sinnlichen Beschreibungen erzählt Margriet de Moor von der Begegnung eines "sehr dummen Mädchens und eines Mannes, der absolut nicht weiß, wohin mit seinem Kummer, aber viel vom Malen versteht".
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.14190
  • Verlag: Dtv
  • Seitenzahl: 299
  • Erscheinungstermin: Januar 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 122mm x 26mm
  • Gewicht: 286g
  • ISBN-13: 9783423141901
  • ISBN-10: 3423141905
  • Artikelnr.: 35650058
Autorenporträt
Moor, Margriet de
Margriet de Moor, geboren 1941, studierte in Den Haag Gesang und Klavier. Nach einer Karriere als Sängerin, vor allem mit Liedern des 20. Jahrhunderts, studierte sie in Amsterdam Kunstgeschichte und Architektur. Sie veröffentlichte zunächst die Erzählungsbände "Rückenansicht" (dtv 11743) und "Doppelportrait" (dtv 11922). Schon ihr erster Roman "Erst grau, dann weiß, dann blau" (dtv 12073) wurde ein sensationeller Erfolg und in alle Weltsprachen übersetzt.

Beuningen, Helga van
Helga van Beuningen (geboren 1945) absolvierte ein Studium der Englischen und Niederländischen Sprache an der Universität Heidelberg, das sie mit dem Übersetzer-Diplom abschloss. Anschließend unterrichtete sie 15 Jahre lang Niederländisch und ist seit 1984 als freie Übersetzerin in Bad Segeberg ansässig. Zu den von ihr übertragenen Autoren gehören Cees Nooteboom, Adrianus F. Th. van der Heijden und Margriet de Moor.
Rezensionen
Besprechung von 09.06.2011
Das Antlitz eines müden Engels
Rembrandt und das Mädchen, das seine Zimmerwirtin erschlug: Margriet de Moor erzählt einen Kriminalfall aus dem Amsterdam des 17. Jahrhunderts
Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein Stoffpüppchen, aber die geschlossenen Augen und ihr kleiner, schief gezogener Mund erinnern an ein müdes Kind, das von etwas Lästigem am Einschlafen gehindert wird. Leise Empörung spricht aus ihren Zügen, Empörung darüber, dass man sie, die gerade Achtzehnjährige, in der Stadt Amsterdam zu Tode gewürgt und ihren Körper zum Richtplatz auf dem Volewijk geschafft hat, um dort am Schandpfahl ausgestellt und „van de locht en’t gevogelte verteerd te worden“.
Bevor Luft und Vögel begonnen hatten die Überreste der Elsje Christiaens zu verzehren, bevor die Verwesung ihre Züge entstellen konnte, hat Rembrandt sie im Mai 1664 verewigt. Die Datierung seiner beiden Zeichnungen verdanken wir der Amsterdamer Historikerin Isa van Eeghen, die dafür die Gerichtsakten eines Vierteljahrhunderts durchstöbert hat. Ihr Landsmann Geert Mak hat den Fall in seiner Geschichte Amsterdams aufgegriffen, und sie beide haben Margriet de Moor zu einem Roman inspiriert, der sich dorthin vorwagt, wo die Malerei über die Poesie triumphiert.
Für Rembrandt war die Sache einfach. Er konnte nach der Natur malen, ohne etwas erklären zu müssen. Weit schwieriger war dieser Fall für die Schriftstellerin de Moor, denn der Maler hat das Mädchen nur als Leichnam gesehen, wohl nie zu Lebzeiten, und der Trick, den beiden eine Affäre anzudichten, kann hier nicht funktionieren, weil Elsjes Schicksal dann wohl eine andere Wendung genommen hätte. Nichts deutet auch darauf hin, dass der Anblick der Toten Rembrandts Weltsicht verändert hätte – schließlich hatte er damals schon die zweite Frau begraben, hatte Kinder, Haus und Vermögen verloren. Margriet de Moor nennt ihn nie beim Namen, fasst aber bekannte Momente aus Rembrandts Biographie und Werkgeschichte in den Rahmen jenes einen Tages, der ihn und das Mädchen für ein paar Augenblicke vereinen wird.
Wer die Ära Rembrandts nicht kennt, gewinnt faszinierende Einblicke ins Goldene Zeitalter der Niederlande, aber de Moors Roman steht dabei auch im langen Schatten von Simon Schamas Monumentalwerk „Rembrandts Augen“, das enzyklopädische Gelehrsamkeit mit hoher Erzählkunst verbindet. Doch so viel es von Rembrandt zu erzählen gibt, so wenig sagt das über Elsje, dieses fast unbeschriebene Blatt, auf dem sich Margriet de Moors Phantasie hätte frei entfalten können. Doch ihr Roman konzentriert sich zunächst auf Elsjes Reise von Aarhus nach Amsterdam. Stürme und Packeis bringen das Mädchen fast noch einmal nach Hause zurück, und de Moor zeigt ihre Heldin als weibliches Gegenstück zum Hans im Glück. Immer wieder wird sie vor drohendem Schiffbruch in ein kommodes Quartier gerettet, um bald der nächsten Unbill entgegenzueilen. Wenn Elsje einmal den Mund aufmacht, kommt wenig Historisches heraus: „Wahnsinnig lecker“, lobt sie den Inhalt eines Proviantkorbs, was so wenig nach 17. Jahrhundert klingt wie der Lärm eines „tutenden“ Schiffs Jahrhunderte vor Erfindung der Dampfsirene.
An anderen Stellen bekennt de Moor, dass Panzersperren und Allergien in der Rembrandt-Zeit noch unbekannt gewesen seien, und man könnte so etwas als Verfremdung durchgehen lassen. Dass neben Tizian auch van Gogh und Caspar David Friedrich durch den Roman geistern, mag man als kunsthistorische Weiterung goutieren, aber warum darf Elsje im dänischen Ribe zwar die jütländischen Ochsentreiber als „Cowboys“ mit „Lassos“, aber nicht das eigentliche Wahrzeichen der Stadt bestaunen – den Dom und dessen unübersehbaren Turm?
Man hat den Eindruck, de Moors Feder habe sich dagegen gesträubt, dem Bildnis ihrer Heldin mehr Nuancen und Substanz zuwachsen zu lassen als die Akten und die Zeichnungen Rembrandts hergeben. Doch dessen kleine Bilder, die es längst nach New York verschlagen hat, faszinieren gerade durch das Rätsel, das man ihnen nicht sofort ansieht. Elsjes argloses Gesicht lenkt vom Werkzeug ihres Verbrechens ab, das zu ihrer Linken an einem Querbalken hängt. Es ist das Beil, mit dem sie im April 1664 ihre Vermieterin erschlagen hat.
Erst kurz zuvor aus dem dänischen Jütland nach Amsterdam gekommen, um sich als Dienstmädchen zu verdingen, war Elsje mit dieser Frau in einen Streit um das Logiergeld geraten, das sie noch nicht zahlen konnte. Der Streit eskalierte, die Wirtin griff zum Besen, das Beil lag da, und Geert Mak hat schon auf Simon Schamas Überlegung hingewiesen, dass die Wirtin Elsje zur Prostitution gedrängt und so deren Attacke provoziert haben könnte. In den Gerichtsakten stehe nichts darüber, fährt Mak fort, aber Margriet de Moor hat sich die dichterische Freiheit genommen, gerade dieses Motiv zu strapazieren.
De Moors Elsje ist eine wahre Unschuld vom Lande, die männlichen Gefühlen nichts entgegenzusetzen hat. Dass die arglose Achtzehnjährige es immerhin bis Amsterdam gebracht hat, erklärt de Moor mit einem Trick: Im Roman ist Elsjes Halbschwester ihr auf diesem Weg vorausgegangen und hat der Jüngeren mit dem Reisegeld auch den Anstoß hinterlassen, ihr in die Niederlande zu folgen. Doch so plausibel dort eine Nötigung zur Prostitution als Motiv zunächst erscheinen mag, ist dies ein eher „gefühltes“ Argument, denn trotz der florierenden Kuppelei in Amsterdam hat es in den Jahren davor keine vergleichbaren Beilattacken gegeben.
Eher am Rande greift de Moor den überlieferten Umstand auf, dass Elsje, bevor sie in Panik und blutbefleckter Kleidung aus dem Haus floh, noch die Reisetruhe eines anderen Gastes aufgebrochen, daraus etwas Leinenzeug und aus einer weiteren einen Mantel entwendet hatte. Angesichts der Schwere der Hauptanklage hat das Gericht dies nicht weiter erörtert, aber was könnte solches „Diebesfieber“, wie de Moor es nennt, was könnte diese unsinnige Raffsucht über Elsjes geistige Verfassung verraten?
Dass Elsje zur Tatzeit, warum auch immer, außer sich war, ohne Sinn und Verstand, eher Totschlägerin als Mörderin? Die Einzigen, die sie danach näher hätten befragen können, haben dies angesichts ihres Geständnisses und fehlender Reuebekundungen unterlassen.
Was bleibt, ist eine zum Tode verurteilte und gerichtete Achtzehnjährige mit dem Antlitz eines müden Engels. Auch im Roman bleibt das rätselhaft. Wenn die Erzählerin am Schluss den Maler und das Mädchen endlich zusammenkommen lässt, wird ihr Blick immer malerischer, erfasst mit Rembrandts Augen „die steif gewordenen Arme, Jungmädchenarme, die ein Stück nach vorn ragten. Ihre Hände, die untätigen jungen, kräftigen Hände von Elsje Christiaens. Das unvermeidliche Beil. Das Gesicht“. Das ist auch eine Verneigung der Romanautorin vor dem Genie des Malers, der, mit Händen, Feder und Pinsel nachspürend, fühlend, denkend, alles, was es angesichts des toten Mädchens Wichtiges zu sagen gab, schon auf zwei kleinen Bildern gezeigt hat.
ULRICH BARON
MARGRIET DE MOOR: Der Maler und das Mädchen. Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Carl Hanser Verlag, München 2011. 303 Seiten, 19,90 Euro.
Elsje ist eine wahre Unschuld vom
Lande, die männlichen Gefühlen
nichts entgegenzusetzen hat.
Das ist auch eine
Verneigung der Romanautorin
vor dem Genie des Malers.
Rembrandts Zeichnung zeigt Elsje am Galgen (1664); darunter Margriet de Moor, die niederländische Autorin. Fotos: bpk/Metropolitan Museum, Hollandse Hoogte/laif
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Margriet de Moors historischer Roman um ein Mädchen, das seine Zimmerwirtin erschlug und nach seiner Hinrichtung von Rembrandt in zwei Zeichnungen festgehalten wurde, hat Ulrich Baron nicht recht überzeugt. Für den mit der Epoche nicht so vertrauten Leser bietet der Roman zwar einige anschauliche Einblicke, gibt der Rezensent zu. Stören tun ihn allerdings die für das 17. Jahrhundert anachronistischen Einfälle, Vergleiche und Formulierungen, auch wenn er sich zumindest vorstellen kann, dass die Autorin sie als "Verfremdungen" bewusst platziert hat. Verwunderlich scheint es Baron dagegen, dass de Moor bei der Figur des Mädchens, über die die Forschung nicht viel weiß, ihre schriftstellerische Fantasie nicht stärker hat spielen lassen. Wenn die Autorin Rembrandt eine Affäre mit der 18-Jährigen andichtet, findet er das wiederum wenig plausibel, und de Moors Betonung, das Mädchen sei durch die versuchte Nötigung zur Prostitution von ihrer Vermieterin zur Tat getrieben worden, tut er als "'gefühltes' Argument" ab. Immerhin, wenn die Autorin auf die Zeichnungen zu sprechen kommt, würdigt Baron das als gelungene Hommage an das Maler-Genie Rembrandts.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Es geht, wie fast immer in ihrem Werk, um das Verhältnis von Leben und Kunst. Ein ebenso kühner wie grandioser Roman." Martin Lüdke, Frankfurter Rundschau, 26.02.11 "Margriet de Moor zeigt in dichten Erzählpassagen ihre hohe handwerkliche Kunst. ... Sie versucht, dem Blick des Malers auf die Welt nachzuspüren. ... Eine lohnende Lektüre." Sigrid Löffler, Deutschlandradio Kultur, 04.02.11 "Margriet de Moor macht aus dieser Geschichte etwas sehr Besonderes, Anrührendes, Schönes." Denis Scheck, ARD druckfrisch, 30.01.11 "Voller farbiger Szenen, die eine ungeheure Leuchtkraft haben - ähnlich wie die Bilder des Meisters." Franziska Wolffheim, Brigitte woman, 15.07.11 "Ein wunderschöner, berührender Künstler-Roman mit vielen starken Szenen." Brigitte, 27.07.11
"Auch als Hörbuch beeindruckend."