Vierzig werden à la parisienne - Druckerman, Pamela
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Wie fühlt es sich an, über vierzig zu sein? Was haben wir gelernt, wenn wir so alt sind? Sind wir jetzt endgültig erwachsen? Und warum hat uns niemand davor gewarnt, dass man auch an den Armen Cellulitis haben kann? In einer Mischung aus humorvoller Autobiografie und klugen Alltagsbetrachtungen widmet sich Pamela Druckerman dem entspannten Älterwerden. Die Autorin des internationalen Bestsellers "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind" erforscht das Leben in den Vierzigern und fragt sich, ob ihr Kopf je mit ihrem Gesicht mithalten wird.…mehr

Produktbeschreibung
Wie fühlt es sich an, über vierzig zu sein? Was haben wir gelernt, wenn wir so alt sind? Sind wir jetzt endgültig erwachsen? Und warum hat uns niemand davor gewarnt, dass man auch an den Armen Cellulitis haben kann? In einer Mischung aus humorvoller Autobiografie und klugen Alltagsbetrachtungen widmet sich Pamela Druckerman dem entspannten Älterwerden. Die Autorin des internationalen Bestsellers "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind" erforscht das Leben in den Vierzigern und fragt sich, ob ihr Kopf je mit ihrem Gesicht mithalten wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Mosaik
  • Seitenzahl: 336
  • Erscheinungstermin: 11. April 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 135mm x 30mm
  • Gewicht: 406g
  • ISBN-13: 9783442392933
  • ISBN-10: 3442392934
  • Artikelnr.: 54466403
Autorenporträt
Druckerman, Pamela
Pamela Druckerman studierte Internationale Beziehungen an der Columbia University und arbeitet als freiberufliche Journalistin und Autorin. Sie schreibt für The New York Times, The Washington Post und Marie Claire. Pamela Druckerman lebt mit ihrem englischen Ehemann und ihren drei Kindern in Paris.

Zeltner, Henriette
Henriette Zeltner, geboren 1968, lebt und arbeitet in München, Tirol und New York. Sie übersetzt Sachbücher sowie Romane für Erwachsene und Jugendliche aus dem Englischen, zuletzt Angie Thomas' Romandebüt »The Hate U Give«, für das sie mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 ausgezeichnet wurde.

Burkhardt, Christiane
Christiane Burkhardt lebt und arbeitet in München. Sie übersetzt Romane und Sachbücher aus dem Italienischen, Niederländischen und Englischen und hat u. a. Werke von Paolo Cognetti, Domenico Starnone, Fabio Geda, Wytske Versteeg, Pieter Webeling, Willam Shaw und Hannah Richell ins Deutsche gebracht. Darüber hinaus unterrichtet sie literarisches Übersetzen.
Rezensionen
"Älterwerden à la française, das heißt souverän, cool und elegant bleiben. [...]Das liest sich klug, humvorvoll und sympathisch." myself
Besprechung von 19.05.2019
Frauen eines gewissen Alters

Jenseits der 40: Plötzlich verstehen Freundinnen, Männer, Kinder, Eltern, Haustiere uns nicht mehr. Da muss was passiert sein.

Von Anne Philippi

In feineren Restaurants werde ich seit kurzem mit "Madame" angesprochen, in den Vereinigten Staaten seit geraumer Zeit mit "Ma'am". Jeder hält mich für eine vollständig funktionierende Erwachsene, ja topseriöse Person. Dabei bin ich gerade mal Ende 40 und komme mir ganz anders vor.

Das ist nicht der einzige der eigenartigen Widersprüche, mit denen vor allem wir Frauen leben, sobald wir die ersten vier Lebensjahrzehnte hinter uns haben: noch so ein ominöser, angeblich bedeutsamer Schwellenwert der Lebensabschnitte. Fernsehserienerfinder imaginieren uns dann als verzweifelte "Cougars"; Schönheitsindustrie und Beziehungsratgeber eilen herbei, uns über die Verschämtheiten dieser problematischen Phase hinwegzuhelfen; jüngere Bekannte erwarten, dass wir anfangen, Silberbesteck zu sammeln, und für immer aufs Land ziehen. Wollen wir nicht. Will niemand, den ich kenne. Mich plagen auch keine Albträume, ob ich in meinem Alter Botox spritzen sollte. Ich mache es. Es hat für mich keinen moralischen Makel, und ich weiß nicht, was es bedeuten soll, "in Würde zu altern". Diese Art der Würde habe ich nicht mehr gelernt. Ich habe drei zuverlässige Schönheitsärzte und kein Interesse an Falten. Ich sehe trotzdem nicht wie ein Monster aus. Ich gehe zum Yoga, ich halte bestimmte Muskeln in Form, das ist meine Normalität.

Mir ist nicht nach Ausruhen und den meisten Frauen in meinem Umfeld auch nicht. Das ist ein komisches Gefühl, denn ich habe nicht damit gerechnet, mich in den Vierzigern so zu fühlen. Nicht so "unapologetic", wie das schöne Wort heißt: nicht so unverfroren. Und nicht so frei.

Informationen und Lektionen über diese Zeit im Leben einer Frau bestehen noch immer weitgehend aus Horrorszenarien: Körper, Gesicht, Geist gehen den Bach runter, heißt es. Wer zum Spaß "Frauen ab vierzig" googelt, liest über "Die Krise", "Das Tal des Lebens", "Warum es schwer ist, einen super Typen zu finden".

Die Sache mit der Krise stimmt. Die Tiefe der "U-Kurve", die Glücksforscher bei vielen Menschen nach dem typischen Höhenflug der Jugend und der Zufriedenheit der späten Jahre für die Vierziger konstatieren, sorgt für eine frische Perspektive auf vieles. Im Job, zu Hause, in den Ehen werden Leben neu angeschaut. Die Lebensregeln aus den Dreißigern werden oft radikal entsorgt, sie stimmen nicht mehr.

Dann aber beginnen viele von uns, im Kopf Platz für neue Dinge freizuräumen, selbst wenn wir vielen alten Vorlieben weiter frönen. Unsere freie Speicherkapazität geht an Ideen, die wir in der zweiten Hälfte unserer Existenz noch vorhaben. Ich habe keine Vorstellung davon, wie eine "Rente" aussieht. Statt dessen beginnen ich und mein Umfeld zum Beispiel mit nie da gewesener Obsession über Unvernünftiges nachzudenken: noch mal Entrepreneur zu werden zum Beispiel oder Ayahuasca-Schamane. Wir werfen keinen erwachsenen, abwägenden Blick mehr auf die Dinge. Ich selbst fühle mich unvernünftiger, unwissender, gleichzeitig fokussierter als je zuvor. Warum ist das so?

Eine Menge Mechanismen, Zuordnungen von Gefühlen und Gesetze zerfallen pünktlich nach dem vierzigsten Geburtstag. Während Männer sich übergangsweise in den Babysitter verlieben, verlassen Frauen in den Vierzigern immer häufiger Situationen, die sich wie sinkende Schiffe anfühlen. Schon in Honoré de Balzacs "Die Frau von dreißig Jahren", damals das Äquivalent zu den Vierzigern, flüchtet die Frau mit außerehelichen Affären aus ihrer Ehemisere. Wohin aber brechen wir heute aus? Und wie sehen unsere Gefängnisse aus?

Die Amerikanerin Pamela Druckerman, in Paris lebend, beschreibt in ihrem gerade erschienenen Buch "Vierzig werden à la parisienne: Hommage ans Erwachsensein" auf eine unaufgeregte, vor allem französische Art, was heute in den Vierzigern passiert und wie man sich ihnen auf eine neue Art nähern muss. Vor ein paar Jahren hatte sie Lesern erklärt, "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind" (so der Titel ihres Buches über "Erziehungsgeheimnisse aus Paris"); jetzt erklärt sie, wie es möglich ist, in den Vierzigern verheiratet zu bleiben, oder wie Sex in dieser Zeit aussieht. Inspiriert wurde sie durch ihre eigenen Mademoiselle-Momente: "Mein Leben glich plötzlich unbekannten Stufen. Zunächst war da die Zwischenstufe, in der mich der Kellner noch ,Mademoiselle' nannte. Dann aber hörte ich nur noch ,Madame'. Ohne Ironie. Nicht mal als Scherz gemeint. Das war die bisher letzte Stufe." Druckerman geht es darum, dieses neue, durchaus weibliche Gefühl zu beschreiben: als würde man in einem merkwürdigen Schlamm waten, ohne zu wissen, wann wieder fester Boden unter den Füßen zu spüren ist. Ist der feste Boden aber erreicht, wartet eine bisher ungekannte Freiheit.

Der Übergang in dieses Freiheitsgefühl ist trotzdem nicht einfach. Auch unser Gehirn macht neue Ansagen. Wir gehen, für andere zunächst unsichtbar, in dieser Zeit durch eine zweite Pubertät: physisch, hormonell, psychisch. Das heißt, wir geben uns in dieser Zeit besonders erwachsen, fühlen uns gleichzeitig aber abenteuerlustiger, kompromissloser denn je. Wir benehmen uns pubertär und reif zugleich. Wir präsentieren unserem Umfeld eine Person, die sich am präzisesten mit dem Begriff "moody bitch" umschreiben lässt. Nur in der Vierziger-Version. Heißt? Freundinnen, Männer, Kinder, Eltern, Haustiere verstehen uns nicht mehr. Zumindest kurzfristig.

Am Ende aber werden wir die Frau, die wir wirklich sind. Wir haben unserem "Schatten", wie C.G. Jung, Freud-Antipode und Begründer der analytischen Psychologie, es nannte, mindestens einmal "hallo" gesagt. Dieser Schatten ist die Person, von der wir tapfer behaupten, sie nicht zu sein. Aber gegen diesen Schatten kämpfen wir ein Leben lang. Wenn wir den Kampf gewinnen, können wir mit der neuen Person Freundschaft schließen. Und ganz neu anfangen.

Die schlimmste Folter aus den Zeiten vor unserer Bekannschaft mit dem Schatten heißt übrigens das "Man hätte sollen"-Spiel. Vor allem für Frauen. Man hätte Kinder haben sollen, am besten drei und das problemlos. Dazu eine tolle Ehe führen, Geld haben, Karriere planen, drei Eigentumswohnungen dekorieren und eine Idee für die nächsten zwanzig Jahren in der Celine-Tasche haben. Was aber ist, wenn das alles nicht eingetroffen ist, wenn wir die entsprechenden Entscheidungen nicht getroffen haben und lieber noch ein bisschen spielen wollten? Und noch ein Szenario: Was ist, wenn wir das alles hatten, und plötzlich explodiert dieses Leben vor unseren Augen?

Oftmals setzt dann die Todesmathematik ein, die in uns rechnet, wie viel Zeit wir im Leben noch zur Verfügung haben. Diese Art der Mathematik ist gut für uns. Sie arbeitet wie ein Supportsystem, um zu zeigen, wie wir mit unserer neuen Freiheit ab vierzig umgehen können. Sie zwingt uns dazu, uns weniger darum zu kümmern, was andere sagen oder von uns denken. Ob sie unser Leben seltsam finden? Möglich.

Doch unsere Idee von "Alter", die wir gelernt haben, ist nicht mehr stimmig. Heutzutage schiebt sich alles nach hinten, Zeitpläne geraten durcheinander: Kinder bekommen, Heiraten, Häuser bauen. Die Lebensstruktur des 20. Jahrhunderts, die drei Stufen Schule, Arbeit, in Rente gehen, zerfällt. Die Wechsel der Lebensphasen finden aus persönlichen Gründen statt. Oder getriggert durch Unvorhergesehenes. Immer weniger aufgrund von Fragen des biologischen Alters.

Es geht also um ein anderes "Jung", das sich spätestens gegen Ende vierzig formiert. Und all das wegen einer Revolution. Denn eigentlich besteht diese darin, sich in der Öffentlichkeit nicht mehr zu schämen, sich nicht mehr komisch zu fühlen. Ab vierzig. Was passiert, wenn wir aufhören, so zu reagieren, wie "man" es von uns erwartet? Um es provokanter zu sagen: Was ist, wenn wir trotz ein paar Ausflügen in die Pubertät toller, energetischer, attraktiver und aufgeräumter als je zuvor wirken?

Druckerman schreibt in ihrem Buch über ein Phänomen, über eine Persona, eine Haltung, die die Franzosen erfunden haben, wie sie sagt. Und die dem neuen Vierziger-Gefühl sehr nahe kommt. Es geht um die Idee der "femme libre". Der Begriff taucht im Jahr 1832 zum ersten Mal in einem französischen Pamphlet auf und besagt, Frauen sollten von ihren Ehemännern keine Befehle und Ansagen akzeptieren: "Die femme libre", so fasst die Amerikanerin Druckerman zusammen, "ist ein free spirit ohne die New-Age-Konnotationen. Sie ist um die vierzig und ist frei, das zu tun, was sie will. Durchaus mit einem ,certaine égoïsme', einem Mix aus Freiheit und Konventionen. Sie ist keine Heilige und kein Opfer." Was ist sie dann, die neue Frau ab vierzig? Ein Frauentyp, der gerade eine globale Weltordnung auf den Kopf stellt.

Pamela Druckerman, "Vierzig werden à la parisienne: Hommage ans Erwachsensein", Mosaik-Verlag, broschiert, 336 Seiten, 16 Euro.

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