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Succinct, accessible, and authoritative, Thomas Piketty's The Economics of Inequality is the ideal place to start for those who want to understand the fundamental issues at the heart of one the most pressing concerns in contemporary economics and politics. This work now appears in English for the first time.…mehr

Produktbeschreibung
Succinct, accessible, and authoritative, Thomas Piketty's The Economics of Inequality is the ideal place to start for those who want to understand the fundamental issues at the heart of one the most pressing concerns in contemporary economics and politics. This work now appears in English for the first time.
Autorenporträt
Thomas Piketty, geboren 1971, ist Professor an der Pariser École d'economie. 2013 erhielt er den Yrjö Jahnsson Preis der European Economic Association.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 21.12.2015

Ärgerliche Ungleichheit
Ein neues Buch Thomas Pikettys mit älteren Texten

Thomas Piketty lehrt Wirtschaftswissenschaft in Paris. Er ist mit seinem Buch über das Kapital im 21. Jahrhundert berühmt geworden. Deshalb ist sein älteres Buch zur Ungleichheit jetzt ins Englische übersetzt worden. Das Buch soll Studenten als kurze Einführung dienen und kann auch zu seinem späteren Werk hinführen. Obwohl Piketty sich bei der philosophischen Begründung seiner Wertvorstellungen sehr zurückhält, vertritt er eine konsequent egalitäre Position und untersucht Umverteilungsvorschläge immer sowohl unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit als auch der Effizienz. Das Buch besteht aus vier Kapiteln, die sich mit Messung und Entwicklung der Ungleichheit beschäftigen, danach mit der Ungleichheit von Kapital und Arbeit, dann mit der Ungleichheit der Arbeitseinkommen und am Schluss mit Instrumenten der Umverteilung.

Zunächst zeigt er am Beispiel Frankreichs, dass Arbeitseinkommen eine annähernd doppelt so wichtige Einkommensquelle wie Transfers einschließlich der Renten sind, dass Kapitaleinkünfte in der Nähe von nur fünf Prozent liegen und selbst bei Korrektur der üblichen Unterschätzung nur auf rund 10 Prozent steigen. Wie erwartet steigt die Bedeutung der Kapitaleinkünfte und von selbständiger Arbeit bei den begüterten Schichten, aber selbst bei den oberen fünf Prozent dominiert das Arbeitseinkommen. Wer mehr als 90 Prozent der Beschäftigten verdient, hat in Frankreich ein gut dreimal so hohes Einkommen wie derjenige, der nur gerade mehr als die unteren 10 Prozent verdient. In Skandinavien und auch in Deutschland ist der Multiplikator etwas niedriger, in Großbritannien etwas und in den Vereinigten Staaten deutlich höher.

Von 1870 bis Ende des 20. Jahrhunderts haben sich die Arbeitereinkommen in Frankreich kaufkraftbereinigt verachtfacht. Der Multiplikator zwischen dem armen 10. Perzentil und dem recht privilegierten 90. Perzentil heute ist also viel geringer als der zwischen armen und reichen Ländern oder Einkommen Ende des 19. und Ende des 20. Jahrhunderts. Implizit gibt der Kapitalismuskritiker Piketty zu, dass auf lange Sicht Wirtschaftswachstum die wichtigere Determinante der Lebensbedingungen der Armen ist als Ungleichheit. Die mit dem Namen Kuznets verknüpfte These, wonach die Ungleichheit bei wirtschaftlicher Entwicklung zunächst zunimmt, dann aber wieder abnimmt, hält Piketty für falsch, vor allem auch weil seit einigen Jahrzehnten in vielen reichen Ländern die Ungleichheit wieder zunimmt.

Wenn eine wechselseitige Substitution von Arbeit und Kapital oder von qualifizierter und unqualifizierter Arbeit unmöglich wäre, dann wären nach Piketty Lohnerhöhungen für wenig Qualifizierte zu Lasten der Kapitaleigner oder der Hochqualifizierten möglich. Weil Substitution bis zu einem gewissen Grad möglich ist, empfiehlt Piketty Umverteilungsmaßnahmen über Steuern und Transfers. Aus dem Fehlen perfekter Kapitalmärkte schließt er ebenfalls auf die Notwendigkeit von Staatseingriffen und hält sogar Effizienzsteigerungen dadurch für möglich.

Im Detail sind die Ausführungen oft plausibel. Aber die Gefahr, Marktversagen durch Staatsversagen zu ersetzen, wird nicht systematisch behandelt. Obwohl Piketty sich der Grenzen von Umverteilung bei Beibehaltung des Privateigentums am Produktivkapital und des Preissystems bewusst ist, hält er die fiskalische Umverteilung des Staates für völlig unzureichend. Er zeigt am Beispiel Frankreichs, dass die durchschnittliche Steuer- und Abgabenlast vom ärmsten bis zum reichsten Dezil nur mäßig ansteigt, bei den mittleren Dezilen ein Minimum erreicht und gerade bei den Ärmsten durch die Kombination von Entzug von Sozialleistungen und Einsetzen von Besteuerung hoch ist. Für die kaum vorhandene Umverteilung unter den Arbeitskräften macht er die Proportionalität der Sozialabgaben verantwortlich. Das Buch ist so gut lesbar, wie es ein Text sein kann, der Theorie und Empirie immer wieder verbindet, also nicht immer leicht.

ERICH WEEDE

Thomas Piketty: The Economics of Inequality. Harvard University Press (Belknap), Cambridge MA 2015, 142 Seiten, 22,95 Dollar.

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