Taliban - Rashid, Ahmed
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Die afghanischen Taliban sind Inbegriff eines rigiden Islamismus. Seit sie 1996 die Macht in Kabul übernommen haben, ist das Land zur Drehscheibe des internationalen Terrorismus geworden. Der Krieg gegen die Taliban nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war nur scheinbar ein Erfolg. Erneut kontrollieren die bärtigen Gotteskämpfer große Teile Afghanistans, verhindern den Wiederaufbau und terrorisieren die Bevölkerung. Erneut ist Afghanistan weltpolitischer Krisenherd Nr. 1, und dieses Mal kämpfen - und sterben - auch deutsche Soldaten. Angesichts der Zuspitzung der Situation hat der…mehr

Produktbeschreibung
Die afghanischen Taliban sind Inbegriff eines rigiden Islamismus. Seit sie 1996 die Macht in Kabul übernommen haben, ist das Land zur Drehscheibe des internationalen Terrorismus geworden. Der Krieg gegen die Taliban nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war nur scheinbar ein Erfolg. Erneut kontrollieren die bärtigen Gotteskämpfer große Teile Afghanistans, verhindern den Wiederaufbau und terrorisieren die Bevölkerung. Erneut ist Afghanistan weltpolitischer Krisenherd Nr. 1, und dieses Mal kämpfen - und sterben - auch deutsche Soldaten. Angesichts der Zuspitzung der Situation hat der pakistanische Journalist Ahmed Rashid sein hochspannendes Buch über die Taliban erweitert und aktualisiert. Er legt dar, woher die Taliban kommen, wie sie ihre heutige Machtstellung erlangt und gegen den Westen verteidigt haben und in welches komplizierte politische Spiel um Macht und Erdöl sie verstrickt sind.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1958
  • Verlag: Beck
  • Originaltitel: Taliban. The Power of Militant Islam in Afghanistan and Beyond
  • 2. Aufl.
  • Erscheinungstermin: Juli 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 125mm x 34mm
  • Gewicht: 462g
  • ISBN-13: 9783406606281
  • ISBN-10: 3406606288
  • Artikelnr.: 29007119
Autorenporträt
Ahmed Rashid, geb. 1948, lebt als Journalist in Lahore, Pakistan. Seit Jahren berichtet er für die renommierte britische Tageszeitung Daily Telegraph und andere Medien aus der Region. Für seine kritische Berichterstattung erhielt er im Frühjahr 2001 den Nisar Osamani Award der pakistanischen Menschenrechtsgesellschaft.

Rita Seuß arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren mit Bernhard Jendricke zusammen. Gemeinsam haben sie neben Romanen von Clare Clark Werke von Gore Vidal, Peter Heather und Jeremy Scahill ins Deutsche übertragen.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 13.09.2010

Einladung an die Taliban
Ahmed Rashid über Fehler der US-Politik in Afghanistan
Der Anruf am Abend des 11. September kam nicht überraschend. Beide Gesprächspartner wussten, dass sich ihre Welt vor wenigen Stunden verändert hatte, nachdem zwei Passagierflugzeuge in die New Yorker Zwillingstürme geflogen waren. Am einen Ende der Telefonleitung sprach Hamid Karsai, ein Paschtune aus dem Süden Afghanistans, der 1994 vor den Taliban nach Pakistan geflohen war und den Islamisten den Mord an seinem Vater vorwarf. Er telefonierte mit seinem Freund Ahmed Rashid, dem wohl besten Kenner des Extremismus in Zentralasien. Vom Ausgang des Gesprächs berichtet Rashid nicht. Auf jeden Fall stieg Karsai wenige Tage später auf ein Motorrad, um nach Afghanistan zu fahren und bei der Rückeroberung des Landes zu helfen, dessen Präsident er bald werden sollte.
Ahmed Rashid publizierte im Jahr 2000 das Buch „Taliban“ , das nach den Anschlägen in New York zum Standardwerk wurde und nun in aktualisierter Fassung erschienen ist. Nach dem 11. September 2001 besuchte er die neuen Verstecke der Taliban, er traf sich weiterhin mit Karsai und wurde einmal von US-Präsident Barack Obama eingeladen. Diese Erfahrungen fasste er in dem Buch „Sturz ins Chaos“ zusammen. Darin beschreibt Rashid verpasste Gelegenheiten bei Afghanistans Wiederaufbau.
Es begann mit Karsais Motorradfahrt in die von Taliban kontrollierte südafghanische Stadt Tarin Kot: Dort versucht Karsai, Paschtunen für den Kampf gegen die Islamisten zu gewinnen, während US-Kampfflugzeuge die Gotteskrieger im Norden des Landes attackieren. Die Taliban erkennen die Gefahr, die Karsai in ihrem Hoheitsgebiet verbreitet, und schicken einen Konvoi von 100 Geländewagen mit insgesamt 1000 Mann, um ihn zu fassen. Doch als eine amerikanische Präzisionsbombe 30 Fahrzeuge des Konvois zerstört, ist der Kampfeswille der Gotteskrieger gebrochen. Wenige Tage später erfährt Karsai noch in Afghanistan, dass er auf der Bonner Konferenz von verschiedenen afghanischen Fraktionen zum Übergangspräsidenten seines Landes bestimmt wurde.
Doch während die Taliban auf der Flucht sind, ergibt sich bereits das erste Hindernis für Afghanistan: das doppelte Spiel der Pakistaner. So sind Anfang November 2001 Tausende Islamisten nördlich der Stadt Kundus in die Enge getrieben. Pakistans Präsident Pervez Musharraf sorgt sich jedoch um Agenten seines Geheimdienstes ISI, die mit den Taliban in Kundus gekämpft haben. Er ruft US-Präsident George W. Bush an und setzt eine Feuerpause durch. In den folgenden Nächten fliegen pakistanische Flugzeuge bis zu 1000 Kämpfer aus – darunter etliche Anführer der Taliban und der al-Qaida. Während die US-Regierung die Aktion leugnet, jubeln ISI-Offiziere über den „Great Escape“, der ihren Einfluss über die Islamisten verstärkt. Amerikanische Soldaten, die die Aktion von einer Anhöhe verfolgen, nennen sie nur „Operation Böse Luftbrücke“.
Damit beschreiben sie auch ein zweites Problem: die verfehlte Strategie der USA. Diese hat 2001 nur das Ziel, Mitglieder von al-Qaida zu fassen. Nachdem es dafür der Hilfe des ISI bedarf, erhält Islamabad freie Hand, die afghanischen Taliban weiter zu stützen, solange nur arabische Al-Qaida-Kämpfer ausgeliefert werden. Zugleich stärkt die CIA gefürchtete Warlords. Bis zum Frühsommer 2002 heuert die CIA 45 000 Söldner an, die auch Zugriff auf versteckte Waffen erhalten, die sie später an die Taliban verkaufen. Die Afghanen erkennen, dass die USA die Taliban durch neue Gewaltherrscher ersetzen.
Somit schafft Washington einen Nährboden an Frustration, auf den die Taliban bei ihrer Rückkehr bauen. Präsident Bush, der sich für den Wiederaufbau des Landes nicht interessiert, konzentriert sich zunehmend auf den geplanten Krieg gegen den Irak. Damit lädt er die Taliban und den ISI förmlich ein, Afghanistan zurückzuerobern. JANEK SCHMIDT
AHMED RASHID: Taliban. Afghanistans Gotteskämpfer und der neue Krieg am Hindukusch. Aus dem Englischen von Harald Riemann und Rita Seuß. Verlag C. H. Beck, München 2010. 480 Seiten, 14, 95 Euro.
AHMED RASHID: Sturz ins Chaos. Afghanistan, Pakistan und die Rückkehr der Taliban. Aus dem Englischen von Alexandra Steffes und Henning Hoff. Edition Weltkiosk, Berlin 2010. 340 Seiten, 19, 90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.10.2010

Am Abgrund
Der pakistanische Journalist Rashid bietet aufschlussreiche Hintergründe über die Krisenregion Afghanistan

Deutsche Soldaten stehen in Afghanistan erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg in einem Kampfeinsatz. Trotz ausführlicher Berichterstattung fällt auf, dass es über Hintergründe und Ziele der ISAF-Operationen oft nur vage Kenntnisse gibt. Wer sind eigentlich die Taliban, wie steht der Kampf gegen die Al Qaida, welche Ziele verfolgen die unterschiedlichen Parteien am Hindukusch, welche Rolle spielt Pakistan, wie lange wird der Einsatz noch dauern - und mit welchem Ergebnis wird er enden? Der pakistanische Journalist Ahmed Rashid gibt in zwei Studien Antworten darauf. Sein im Jahr 2000 erstmals erschienenes Buch zu Entstehungsgeschichte und Machtübernahme sowie zu den Zielen und der Führungs- und Organisationsstruktur der Taliban (Koranschüler) wurde jetzt um ein die jüngste Entwicklung erfassendes Kapitel erweitert.

Rashid schildert die Entstehung der Taliban während des Dschihad gegen die sowjetische Besetzung (1979 bis 1989) in afghanischen und pakistanischen Flüchtlingslagern und den 1994 beginnenden unaufhaltsamen Aufstieg von einer "Bauernarmee" zur internationalen Terrororganisation, unterstützt durch den pakistanischen Geheimdienst (ISI). Im Süden beginnend, gewannen die Taliban bald die Kontrolle nahezu über ganz Afghanistan. Ihre Herrschaft brachte nach dem Ende des Bürgerkrieges (1992 bis 1994) zwar Sicherheit und Ordnung, aber um welchen Preis? Die Kehrseite war die Durchsetzung eines rigorosen religiösen Regimes, das mit der kompromisslosen Durchsetzung des islamischen Rechts (Scharia) die Bevölkerung terrorisierte. Frauen wurden Ausbildung und Arbeit verwehrt, Vergnügungen aller Art verboten. Verstöße zogen drakonische Strafen nach sich. Finanzielle Grundlage der archaischen Ordnung waren, neben Zuwendungen aus Pakistan und anderen arabischen Staaten, Steuern aus der gigantischen Opiumproduktion Afghanistans. Die Taliban gaben dem islamischen Fundamentalismus eine Form, "die jeden Kompromiss und jedes politische System, abgesehen vom eigenen, strikt ablehnt."

Ausführlich beleuchtet Rashid die Rolle der Vereinigten Staaten und Pakistans. Die Vereinigten Staaten ermöglichten den Aufstieg der Taliban, indem sie nach dem Rückzug der Sowjetunion Afghanistan im Stich ließen. Die zunehmend antiwestliche Ausrichtung der Bewegung beeinflusste vor allem Osama Bin Ladin, dessen Al Qaida die Taliban seit 1997 Unterschlupf in Südafghanistan gewährten. Afghanistan wurde damit zur Drehscheibe des internationalen Terrors. Pakistan trug zu dieser Entwicklung entscheidend bei, weil es die Taliban aus außenpolitischen und strategischen Gründen unterstützte.

Der von Al Qaida geplante Anschlag vom 11. September 2001 in New York, der zum militärischen Eingreifen der Vereinigten Staaten und der Nato sowie zum Sturz der Taliban führte, bildet den Ausgangspunkt für die zweite Studie. Unter dem plakativen Titel "Sturz ins Chaos" zeichnet Rashid die Entwicklung Afghanistans und Pakistans bis in die Gegenwart nach und bewertet dabei das Vorgehen der Vereinigten Staaten und der Nato überaus kritisch. Zwar sei es gelungen, die Taliban zu vertreiben. Diese hätten jedoch nach Pakistan ausweichen, sich dort regenerieren und - unterstützt vom ISI - den Kampf um Afghanistan so erfolgreich wieder aufnehmen können, dass sie heute wieder erhebliche Teile des Landes kontrollieren. Rashid macht Fehler der Bush-Administration hierfür verantwortlich. Die Regierung in Washington habe sich zu sehr auf den Irak-Krieg und zu wenig auf Afghanistan konzentriert. Ziele wie Staatsaufbau, Stabilisierung und Wiederaufbau am Hindukusch blieben zweitrangig. Dabei hätten mehr Geld und mehr Truppen das Blatt zu einem frühen Zeitpunkt wenden können. Die internationale Gemeinschaft versuchte von Kabul aus einen Zentralstaat unter Präsident Karsai zu installieren. Aber auch dieser scheiterte an den Problemen des Landes - wie Drogen oder Korruption. Auf den Raum Kabul begrenzt, verlor die afghanische Regierung die Kontrolle über den Rest des Landes an die Warlords und die wieder erstarkten Taliban. Auch die Nato zeigte sich außerstande, die von ihr gesteckten Ziele zu erreichen, da es an der Bereitschaft fehlte, Truppen und Geld im notwendigen Umfang bereitzustellen. Aber auch nationale Vorbehalte - Rashid nennt besonders Deutschland - lähmten den Streitkräfteeinsatz. Erst Präsident Obama leitete durch die Entsendung substantieller Verstärkungen einen Kurswechsel ein, kündigte aber gleichzeitig auch den Beginn des Rückzugs für 2011 an.

Pakistans permanente Unterstützung der Terroristen zog eine Talibanisierung und Destabilisierung des eigenen Landes nach sich, das heute ebenso wie Afghanistan am Abgrund steht. Bei einem weiteren Zerfall des pakistanischen Staates kann nicht ausgeschlossen werden, dass selbst die gut gehüteten pakistanischen Atomwaffen in die Hände von Terroristen gelangen. Die Unentschlossenheit des Westens - so das Fazit - habe die Erfolge der Taliban überhaupt erst ermöglicht. Vor diesem Hintergrund warnt Rashid die westliche Staatengemeinschaft vor einem "Run zum Raus". Vielmehr könnten zunächst allein weitere Truppenverstärkungen zum Erfolg führen. Wer sich über Afghanistan und die überaus komplexe Lage in der zentralasiatischen Krisenregion informieren will, dem bieten Rashids sachkundige Bücher einen exzellenten Einstieg.

HANS EHLERT.

Ahmed Rashid: Taliban. Afghanistans Gotteskämpfer und der neue Krieg am Hindukusch. C. H. Beck Verlag, München 2010. 480 S., 14,95 [Euro].

Ahmed Rashid: Sturz ins Chaos. Afghanistan, Pakistan und die Rückkehr der Taliban. Leske Verlag, Düsseldorf 2010. 340 S., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Lobend äußert sich Jörn Schulz über die Neuauflage von Ahmed Rashids Standardwerk über die Taliban. Er schätzt den pakistanischen Journalisten als exzellenten Kenner der Gotteskämpfer und der Konflikte in und um Afghanistan. Dass in der vorliegenden Neuauflage des 2000 veröffentlichten Buchs "Taliban" die historische Darstellung nicht aktualisiert wurde, hält er nicht für weiter tragisch, da nur Details hätten ergänzt werden können, die nichts am Gesamtbild änderten. Zudem hebt er die zwei ergänzenden Kapitel hervor, welche die weitere Entwicklung des Konflikts beschreiben. Schulz hebt hervor, dass Rashid Fehlentwicklungen klar benenne. Das Buch führt für ihn auch überzeugend die verheerende Entwicklung des Afghanistankriegs sowie die Destabilisierung Pakistan vor Augen. Er will nicht verschweigen, dass sich der Autor für die Intervention ausländischer Kräfte ausspricht, wenn er auch für eine klügere Intervention plädiert.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Es handelt sich zweifellos um die beste und ausführlichste Analyse, die wir über das komplexe und überaus tragische Geschehen in Afghanistan und in der Region bis heute besitzen." (Neue Zürcher Zeitung) "Wer die Ereignisse in Afghanistan, wer das große Spiel um Macht, Stammesehre und Öl verstehen will, wer eine Erklärung sucht für die Motive der Taliban, der kommt um Ahmed Rashid und die tiefen Einblicke seines Berichtes nicht herum." (Süddeutsche Zeitung)