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Asiens Antwort auf den westlichen Imperialismus: »Provokant, beschämend und überzeugend« The Times Nachdem die letzten Erben des Mogul-Reiches getötet und der Sommerpalast in Peking zerstört war, schien die asiatische Welt vom Westen besiegt. Erstmals erzählt der Essayist und Schriftsteller Pankaj Mishra, wie in dieser Situation Intellektuelle in Indien, China und Afghanistan eine Fülle an Ideen entwickelten, die zur Grundlage für ein neues Asien wurden. Sie waren es, die Mao und Gandhi inspirierten und neue Strömungen des Islam anregten. Von hier aus nahmen die verschiedenen Länder ihren…mehr

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Produktbeschreibung
Asiens Antwort auf den westlichen Imperialismus: »Provokant, beschämend und überzeugend« The Times Nachdem die letzten Erben des Mogul-Reiches getötet und der Sommerpalast in Peking zerstört war, schien die asiatische Welt vom Westen besiegt. Erstmals erzählt der Essayist und Schriftsteller Pankaj Mishra, wie in dieser Situation Intellektuelle in Indien, China und Afghanistan eine Fülle an Ideen entwickelten, die zur Grundlage für ein neues Asien wurden. Sie waren es, die Mao und Gandhi inspirierten und neue Strömungen des Islam anregten. Von hier aus nahmen die verschiedenen Länder ihren jeweiligen Weg in die Moderne. Unterhaltsam und eindringlich schildert Pankaj Mishra die Entstehung des antikolonialen Denkens und seine Folgen. Ein Buch, das einen völlig neuen Blick auf die Geschichte der Welt bietet und den Schlüssel liefert, um das heutige Asien zu verstehen. »Brillant. Mishra spiegelt den tradierten westlichen Blick auf Asien zurück. Moderne Geschichte, wie sie die Mehrheit der Weltbevölkerung erfahren hat - von der Türkei bis China. Großartig.« Orhan Pamuk »Lebendig ... fesselnd ... >Aus den Ruinen des Empires< hat die Kraft, nicht nur zu belehren, sondern zu schockieren.« Mark Mazower, Financial Times

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  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Seitenzahl: 448
  • Erscheinungstermin: 23.10.2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783104027463
  • Artikelnr.: 39683828
Autorenporträt
Pankaj Mishra, geboren 1969 in Nordindien, schreibt seit über zehn Jahren regelmäßig für die »New York Review of Books«, den »New Yorker« und den »Guardian« über den indischen Subkontinent, über Afghanistan und China. Er gehört zu den großen Intellektuellen des modernen Asien und hat zahlreiche Essays in »Lettre International« und »Cicero« veröffentlicht; auf Deutsch sind darüber hinaus der Roman »Benares oder Eine Erziehung des Herzens« und der Essayband »Lockruf des Westens. Modernes Indien« erschienen. Pankaj Mishra war u. a. Gastprofessor am Wellesley College und am University College London. Für sein Buch »Aus den Ruinen des Empires«, das 2013 bei S. Fischer erschien, erhielt er 2014 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Bei S. Fischer sind von ihm außerdem »Begegnungen mit China und seinen Nachbarn« und »Das Zeitalter des Zorns. Eine Geschichte der Gegenwart« erschienen. Er lebt abwechselnd in London und in Mashobra, einem Dorf am Rande des Himalaya.

Literaturpreise:

2014 Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
2014 Windham Campbell Literature Prize der Yale University
2013 Crossword Book Award for Nonfiction
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.08.2014

Nicht länger unbesiegbare Weiße
Westliche Eroberer, die "Auferstehung" Asiens und die "Rache des Ostens"

Im 15. Jahrhundert begannen die Europäer die Begrenztheit ihres Kontinents hinter sich zu lassen. Von geradezu welthistorischer Symbolik war es, dass 1434, als die Portugiesen Kap Bojador an der afrikanischen Westküste nicht mehr wie bisher üblich als Endpunkt der Seefahrt betrachteten, der chinesische Kaiser die Einstellung eigener Entdeckungsfahrten verfügte, die nach Arabien und Ostafrika geführt hatten. China kapselte sich ab, während die Europäer mit ihrem Entdeckerdrang in alle Richtungen des Globus zu expandieren anfingen. Im Zuge der von England ausgehenden Industriellen Revolution erfuhr dieser Prozess eine Dynamik, die - in den Worten des Autors - zur "Unterjochung Asiens" führte.

In der Tat waren die asiatischen Gesellschaften dem Ansturm des auch die Vereinigten Staaten von Amerika einschließenden Westens nicht gewachsen. In ihrer Opferrolle waren sie "nicht nur zornig, sondern auch neidisch auf ihre Eroberer." Zum Teil versuchten sie, vom Westen zu lernen, und kollaborierten mit den neuen Herren. Andere leisteten Widerstand, was aber angesichts ihrer militärischen Unterlegenheit aussichtslos war. Europa trat janusköpfig auf. Seine Innovationskraft brachte nicht nur neue Produktionsweisen in einer arbeitsteiligen Wirtschaft und Wachstum in einer erstmals in Ansätzen globalisierten Welt hervor. Seine Truppen kannten auch keine Nachsicht, wenn sich jemand den westlichen Segnungen verweigern wollte. Aufstände in Indien und China wurden brutal niedergeschlagen. In den Opium-Kriegen wurde die Öffnung Chinas für den westlichen Handel erzwungen. Von den militärischen Strafmaßnahmen gegen Peking erlangte die Einäscherung des kaiserlichen Sommerpalastes durch britische Truppen 1860 traurige Berühmtheit.

All dies beschreibt der als Publizist und Literat namhafte indische Autor zunächst auf anschauliche, wenn auch nichts Neues bietende Weise, um sodann zu seinem eigentlichen Thema zu kommen. Wie sind die "subalternen Völker" Asiens dieser schier ausweglos erscheinenden Lage begegnet? Ganz entschieden um die asiatische Perspektive des Geschehens bemüht, wählt er einen originellen Zugriff und befasst sich mit dem politischen Denken der "frühmodernen Asiaten" insgesamt, vorrangig aber mit dem aus Nordwestpersien stammenden Jamal al-Din al-Afghani (1838-1897), der in Iran als "geistiger Vater der Islamischen Revolution verehrt" wird; mit Liang Qichao (1873-1929), der als "erster moderner Intellektueller Chinas" zur Inspirationsquelle unter anderen für Mao Tse-tung wurde; und schließlich mit dem indischen Dichter Rabindranath Tagore (1861-1941), der mit seinem Freund Gandhi darin übereinstimmte, es solle in Indien nicht zu einer "englischen Herrschaft ohne Engländer" kommen. Mit anderen Worten: Der westliche Entwurf der Moderne könne keine Blaupause für Indien darstellen. Diese Autoren, so unterschiedlich und auch nicht ohne innere Widersprüche sie sich äußerten, hätten den Beginn der "langen Revolte gegen den Westen" markiert. Sie wären Pioniere im Erneuerungsprozess Asiens.

Das Dilemma der Intellektuellen damals - wie auch der ihnen nachfolgenden Politiker - ist darin zu sehen, dass sie sich vom Westen emanzipieren wollten, zugleich aber ein gewisses Maß an Organisation und Effizienz nach westlichem Muster nicht vermeiden konnten. Für einige Zeit erschien Japan als gelungenes Beispiel für Reformen und die Modernisierung von Staat und Gesellschaft. Hier schien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der "Werkzeugkasten der Moderne" mit Erfolg geöffnet worden zu sein. Als ein Beweis konnte der Sieg der japanischen Flotte 1905 über Russland in der Seeschlacht von Tsushima angesehen werden: "Die Weißen, Eroberer der Welt, waren nicht länger unbesiegbar."

Zugleich war seit dem chinesisch-japanischen Krieg um Korea 1894 deutlich geworden, wie sich die japanische Stärke in eine aggressive Politik verwandeln konnte, die dem europäischen Imperialismus nicht nachstand. Seit den 1930er Jahren expandierte Japan auf Kosten Chinas, während des Zweiten Weltkriegs aber auch des Westens. Zugleich erklärte Japan propagandistisch geschickt die "Befreiung Asiens" zum Kriegsziel. Mit der Einnahme Singapurs im Februar 1942 erhielt das britische Empire einen psychologisch verheerenden Schlag. Jetzt begann die "Auferstehung" Asiens "aus den Ruinen" älterer asiatischer und neuerer europäischer Reiche. Mishra rechtfertigt weder Japans Vorgehen, wozu auch die in China verübten Massaker gehörten, noch den späteren chinesischen Kommunismus in Gestalt von Maos Kulturrevolution. Im Gang der Geschichte dagegen habe dies seinen Sinn gehabt. Der Westen sei in der Defensive und habe sich heute in eine "provinzielle Neurose" zurückgezogen. Dem stehe der "Aufstieg Asiens" gegenüber: "In vielerlei Hinsicht ist dies die Rache des Ostens."

Dabei lässt es der Autor bei seiner abschließenden, in unsere Gegenwart führenden Skizze nicht bewenden. Er bringt die Stimmenvielfalt Asiens zum Sprechen und will dabei eine "um Asien zentrierte Sicht" vermeiden. Dies kommt in seiner scharfen Kritik am "Traumland religiös-politischer Rache" von Muslimen oder an den "protzerhaften Eliten" Indiens und Chinas zum Ausdruck, die in ihrer Fixierung auf Wirtschaftswachstum und westlichen Lebensstil die tiefen sozialen Gegensätze in ihren Gesellschaften ignorieren. Mishra vermisst eine "überzeugende universalistische Antwort auf westliche Vorstellungen von Politik und Ökonomie". Vielleicht könnte ein stärker differenzierender Begriff des Westens weiterhelfen. Auf jeden Fall sollte wohl an den Anspruch auf Deutungshoheit die wechselseitige Bereitschaft zum Zuhören treten.

GOTTFRIED NIEDHART

Pankaj Mishra: Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013. 441 S., 26,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Was der Publizist und Schriftsteller Pankaj Mishra in diesem Buch darlegt, scheint Gottfried Niedhart so anschaulich wie altbekannt. Es geht um die Eroberung Asiens durch den Westen. Wenn der Autor allerdings ausholt, um Asiens Umgang mit westlichem Handeln aus asiatischer Perspektive zu beschreiben, spitzt der Rezensent die Ohren. Originell findet er Mishras Zugriff über die Stimmen politischer Denker, wie Jamal al-Din al-Afghani, Liang Qichao und Rabindranath Tagore, die im Buch als Pioniere eines Erneuerungsprozesses in Asien dargestellt werden, wie Niedhart erklärt. Dass der Autor seine Darstellung bis in die Gegenwart reichen lässt und schließlich kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er die neuen asiatischen Eliten und ihre blinde Fixierung auf wirtschaftliches Wachstum und westlichen Lebensstil kritisiert, scheint dem Rezensenten Ausweis einer differenzierten Betrachtung zu sein.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.01.2014

Schluss mit den
nutzlosen Träumen
Pankaj Mishra zeigt, wie das angeblich statische
Asien sich vom Westen emanzipierte
VON ANDREAS ECKERT
Die Seeschlacht bei Tsushima im Mai 1905 war im Vergleich zu vielen anderen militärischen Auseinandersetzungen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht besonders blutig. Sie entfaltete jedoch eine immense Wirkung. In den engen Gewässern der Koreastraße besiegte eine kleine japanische Flotte unter dem Kommando des Admirals Togo Heihachiro einen großen Teil der russischen Seestreitkräfte.
  Erstmals seit dem Mittelalter hatte ein außereuropäisches Land eine europäische Macht in einem größeren Krieg niedergerungen. Der Triumph Japans wirkte in den kolonisierten Teilen der Welt wie ein Donnerhall. Gandhi, damals noch ein unbekannter Rechtsanwalt in Südafrika, schrieb: „Die Wurzeln des japanischen Sieges haben sich so weit ausgebreitet, dass wir die Früchte, die er einmal tragen wird, noch gar nicht zu erkennen vermögen.“
  Ein junger osmanischer Soldat namens Mustafa Kemal, der später als Kemal Ata-türk die Republik Türkei begründete, erblickte in Japan das Vorbild für eine Stärkung des Osmanischen Reiches gegen die Bedrohung durch den westlichen Imperialismus. Und in den Vereinigten Staaten sprach W.E.B. Du Bois, der Panafrikanist und afroamerikanische Politiker, von einem weltweiten Ausbruch „farbigen Stolzes“.
  Viele Menschen in der nichteuropäischen Welt sahen in der militärischen Demütigung Russlands die Widerlegung der rassistischen Rangordnungen des Westens. „Das Gerede von der Bürde des weißen Mannes“, schrieb der indische Gelehrte Benoy Kumar Sarkar, „ ist zu einem Anachronismus geworden – außer für die blindesten Fanatiker.“ Wenngleich die europäische Kolonialherrschaft in Asien noch einige Jahrzehnte andauern sollte, gilt der japanisch-russische Krieg als eine Art Startsignal der Entkolonialisierung.
  Nachdem über eine lange Zeit Asien als stagnierender und vom Westen besiegter Kontinent erschien, kam unter den Völkern der Region plötzlich neue Hoffnung auf – die Hoffnung, so der chinesische Nationalist Sun Yat-sen, „das Joch der europäischen Einschnürung und Herrschaft abzuschütteln und die ihnen zustehende Stellung in Asien zurückzugewinnen“. Dies gelang, zur Überraschung der Europäer und nach ihnen der Amerikaner, die sich eine geraume Weile gar nicht vorstellen konnten, dass asiatische Gesellschaften sich ihnen erfolgreich entgegenstellen könnten.
  Die Auferstehung Asiens aus den Ruinen asiatischer wie auch europäischer Reiche ist in der Geschichtsschreibung nordatlantischer Provenienz bis vor Kurzem eher lapidar behandelt worden. Das zwanzigste Jahrhundert: Das waren die beiden Weltkriege, der Kalte Krieg, der Fall der Mauer. Eine neuere, global orientierte Richtung der Historiografie verweist hingegen auf die immense Bedeutung der Dekolonisation und insbesondere des Aufstiegs Asiens.
  Pankaj Mishra greift in seinem engagierten Buch nicht zuletzt auf diese Fachliteratur zurück, um einige frühe Denker und Akteure dieses Prozesses vorzustellen. Aus diversen Texten und Quellen webt er eine faszinierende Geschichte, die analytische Schärfe mit Erzählkunst verbindet. In einer Mischung aus Biografie und historischem Essay legt er dar, welche Wege asiatische Denker im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert ersannen, um Asien aus dem vermeintlichen Stillstand zu führen.
  Im Zentrum des Buches stehen zwei Intellektuelle, die hierzulande kaum bekannt sind. Jamal al-Din al-Afghani (1838 bis 1897), Muslim, scharfzüngiger Journalist, Lehrer und Agitator, der in Kaffeehäusern und Moscheen arbeitete und im Laufe seines Lebens aus Afghanistan, Indien, der Türkei und Ägypten ausgewiesen wurde. Mishra porträtiert ihn als widersprüchlichen, zuweilen wankelmütigen Denker, der seine Ideen ebenso wie seine Garderobe geschmeidig lokalen Gegebenheiten anpasste. In seinen frühen Tagen war er eher liberal gesinnt, kritisierte den Fanatismus und die politische Tyrannei islamischer Gesellschaften und setzte sich für eine bessere Ausbildung von Frauen ein.
  Schon früh, als die europäische Präsenz sich noch weitgehend auf Indien beschränkte, spürte al-Afghani bereits die Gefahren, die muslimischen Ländern drohten. Er erkannte, schreibt Mishra, „dass die Geschichte sich nicht um den Gott des Koran kümmerte und die (...) Völker des Westens (...) nun mit noch zuvor bei der Ausdehnung von Reichen eingesetzten Mitteln muslimische und andere außerwestliche Völker unterjochten.“
  Al-Afghani radikalisierte sich zunehmend und trat für bewaffneten Kampf und gewalttätigen Widerstand gegen die westlichen Imperialisten ein. Sein einziger sichtlicher politischer Erfolg war jedoch die Organisation eines Rauchboykotts, der den Schah von Persien dazu zwang, ein an eine ausländische Firma vergebenes Tabakmonopol zurückzunehmen.
  Al-Afghani, der sich selbst als „unbedeutenden Mann in bäuerlicher Kleidung“ bezeichnete, starb verbittert und vom Krebs zerfressen. Sein langfristiger Einfluss ist jedoch enorm. Er prägte ganz wesentlich das Vokabular der antiwestlichen islamischen Rhetorik des 20. Jahrhunderts. Islamisten unterschiedlichster Couleur erblicken in ihm einen bahnbrechenden, antiimperialistischen Führer und Denker. Mishra vergleicht al-Afghani bezüglich seiner Wirkung gar mit Karl Marx.
  Sechs Jahre nach al-Afghanis Tod reiste der chinesische Intellektuelle Liang Qichao (1873 bis 1929), der zweite Hauptprotagonist in Mishras Buch, in die Vereinigten Staaten. Überzeugt, dass China mit dem Konfuzianismus brechen müsse, hoffte er in Nordamerika auf Inspiration. Was er sah, war ein Land mit extremer Ungleichheit und massiver politischer Korruption. „70 Prozent des gesamten Vermögens Amerikas befinden sich in den Händen von 20 000 Reichen“, berichtete er voller Empörung. Und mit Entsetzen konstatierte Liang den Rassismus gegenüber Schwarzen und Chinesen. Nein, die amerikanische Demokratie konnte kein Vorbild für China sein. „Ich bin nicht länger benebelt von nutzlosen Phantasien; ich werde nicht mehr von schönen Träumen erzählen. Kurz gesagt, das chinesische Volk muss für den Augenblick eine autokratische Herrschaft akzeptieren.“ In seinen weiteren politischen Manövern erwies er sich als wenig erfolgreich, aber seine Gedanken beeinflussten die großen asiatischen Revolutionäre von Mao bis Ho Chi Minh.
  Liang wie auch al-Afghani prägten wesentlich jenen Prozess, durch den in Asien antiwestliche Ressentiments und Niedergangsängste in den Aufbau von Massenbewegungen und ehrgeizige Programme zum Aufbau von Staaten umgewandelt wurden. Vielen anderen Denkern kam in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu: vertrauten Personen wie Rabindranath Tagore, dem späteren Nobelpreisträger für Literatur, aber eben auch zahlreichen, hierzulande bestenfalls Eingeweihten bekannten Intellektuellen. Mishra gibt auf äußerst lesenswerte und zugleich fundierte Weise Nachhilfeunterricht zu einem lange ignorierten, aber zentralen Kapitel der jüngeren Geschichte.
Pankaj Mishra: Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens. Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Mit einem Nachwort von Detlev Claussen. S. Fischer Verlag, 2013. 441 Seiten, 26,99 Euro.
Andreas Eckert ist Professor für die Geschichte Afrikas an der Humboldt Universität zu Berlin.
Al-Afghani hatte posthum großen
Einfluss, zu Lebzeiten gelang ihm
aber nur ein Rauchboykott
Kein Vorbild für China: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereiste der chinesische Intellektuelle
Liang Quichao die USA. Was er dort sah, hat ihn verstört. Unsere Zeichnung entnehmen wir dem großartigen Bildband des politischen Wiener Karikaturisten Oliver Schopf: „Beim Schopf gepackt“
(Molden Verlag, 2013, 25 Euro).
Zeichnung: Schopf
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Pankaj Mishra hat ein provokantes Buch geschrieben. Eines, das in der Geschichte nach Antworten auf unsere Zukunft sucht. Ariane Binder 3sat (Kulturzeit) 20140124