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Seit mehr als 30 Jahren ist Pete „Maverick“ Mitchell (Tom Cruise) als Top-Pilot für die Navy im Einsatz. Als furchtloser Testflieger lotet er die Grenzen des Möglichen aus und drückt sich vor der Beförderung, die ihn auf den Boden verbannen würde. Als er eine Gruppe von Top-Gun-Auszubildenden für eine Sondermission trainieren soll, trifft er auf Lt. Bradley Bradshaw (Miles Teller) mit dem Spitznamen „Rooster“, den Sohn von Mavericks verstorbenem Co-Piloten und Freund Nick Bradshaw, „Goose“. Konfrontiert mit den Geistern der Vergangenheit, ist Maverick gezwungen, sich seinen tiefsten Ängsten zu…mehr

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Produktbeschreibung
Seit mehr als 30 Jahren ist Pete „Maverick“ Mitchell (Tom Cruise) als Top-Pilot für die Navy im Einsatz. Als furchtloser Testflieger lotet er die Grenzen des Möglichen aus und drückt sich vor der Beförderung, die ihn auf den Boden verbannen würde. Als er eine Gruppe von Top-Gun-Auszubildenden für eine Sondermission trainieren soll, trifft er auf Lt. Bradley Bradshaw (Miles Teller) mit dem Spitznamen „Rooster“, den Sohn von Mavericks verstorbenem Co-Piloten und Freund Nick Bradshaw, „Goose“. Konfrontiert mit den Geistern der Vergangenheit, ist Maverick gezwungen, sich seinen tiefsten Ängsten zu stellen, denn die Sondermission wird von allen, die für diesen Einsatz auserwählt werden, das ultimative Opfer fordern.

Bonusmaterial

Mediumbox: DVD Amary Case
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Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.05.2022

Einer muss es halt richten

Der Flugzeugflüsterer: Tom Cruise poliert in "Top Gun: Maverick" sein Heldenimage durch Bombenwerfen à la Hollywood und darf auch einmal Gala-Uniform tragen.

Mit Eliteeinheiten ist das so eine Sache. Sie sollten aus den Besten ihres Faches bestehen, männlich/weiblich/divers natürlich, aber wenn Hollywood eine solche Truppe aufstellt, dann zählen da auch noch ein paar andere Faktoren. So ist es wohl zu erklären, dass in der Fliegerschwadron, die Tom Cruise in seinem neuen Action-Abenteuer befehligt, nicht nur Kollegen mit verschiedenen Migrationshintergründen - und eine Quotenfrau - zu finden sind, sondern auch einer, dessen (dramaturgisches) Hauptmerkmal offenkundig darin besteht, dass er Brillenträger ist. Auch eine Auswahl der Besten der Besten braucht einen Nerd, so können wir das deuten. Und beim Formationsflug ist er dann nicht einmal der Letzte. Trotzdem ist dieser Robert "Bob" Floyd in erster Linie Füllmaterial in einer maximal auf eine Person zugeschnittenen Heldengeschichte.

Denn "Top Gun: Maverick" gehört einzig und allein Tom Cruise. Geld werden auch viele andere Menschen verdienen mit dieser Neuauflage eines paradigmatischen Hollywood-Films aus dem Jahr 1986: der Produzent Jerry Bruckheimer in erster Linie oder der chinesische Medienkonzern Tencent, der finanziell beteiligt ist. Für Cruise aber ist Geld längst Nebensache, für ihn geht es um den Mythos des erfolgreichsten amerikanischen Schauspielers seiner Generation. Und das bedeutet eben inzwischen bald vierzig Jahre, in denen er mit seiner Ausstrahlung nicht nur ein Bild von Männlichkeit prägt, sondern ein ganzes Genre von Filmen, in denen die Komplexitäten einer vielfach vernetzten und zunehmend agonal globalisierten Welt der Handlungsmacht eines Einzelnen unterworfen werden. Als Cruise 1986 zum ersten Mal den Piloten Pete Mitchell spielte, wirkte er jung und unbedarft, schon damals gehörte es aber zu seinem Image, dass er legitime Hierarchien überging. Militärische Operationen bedürfen der Abstimmung und der Planung, Cruise aber spielte Mitchell mit dem Ethos eines Westernhelden, der die wichtigen Dinge mit sich allein ausmacht.

So ist es nun auch wieder in "Top Gun: Maverick", in dem wir wieder auf Pete "Maverick" Mitchell treffen. Er ist noch immer Captain in der US Navy, das heißt, er hat sich allen Beförderungen entzogen, und er hat es folgerichtig mit Vorgesetzten zu tun, die er wieder durch Eigenmächtigkeiten vor vollendete Tatsachen stellen kann. So kapert Mitchell gleich zu Beginn einen Tarnkappenbomber und beschleunigt ihn bis auf eine Geschwindigkeit von Mach 10. Mit welchem Gasfuß er das macht oder ob er sich da in irgendeiner Weise als Antriebsflüsterer betätigt, bleibt ein wenig unklar. Mit den Flugzeugen ist es in "Top Gun" ein wenig wie mit den Pferden in den alten Filmen, sie tragen den am besten, der sie versteht. Und Mitchell versteht sich auf fliegende Kisten: F-14, F-16, schwere Waffen, die auf Flugzeugträgern leicht landen müssen.

Amerika hat in den Jahren seit dem ersten "Top Gun" zunehmend auch sein militärisches Selbstbild verändert. Inzwischen kennen wir vor allem Bilder wie aus dem Irak oder aus Somalia, wo die Einsatzkräfte sich hinter hohen Mauern und in schweren Schutzanzügen sehr defensiv zeigten, stets bedroht durch Sprengstofffallen und unsichtbare Feinde. Die Flieger der Navy sind dazu eine Ausnahme, wie übrigens auch zu dem Umstand, dass ihre Einsätze inzwischen längst vielfach durch Drohnenoperationen ersetzt wurden, in denen Kriege ferngesteuert geführt werden. Die "New York Times" brachte erst vor wenigen Wochen einen großen Bericht darüber, wie stark die Einsätze in diesen Luftkriegen die Zivilbevölkerungen etwa in Syrien und im Irak in Mitleidenschaft gezogen haben.

Es schadet nicht, sich diese bedrückenden Umstände vor Augen zu führen, wenn man die Mission in "Top Gun: Maverick" auf ihre Plausibilität prüft. Die ist nämlich bewusst abstrakt gehalten, ein Angriff auf eine Urananreicherungslage in einem namenlosen Land, bei dem sogar die Vegetation und die Jahreszeit (es liegt Schnee) darauf hindeuten sollen, dass nicht immer gleich der Iran gemeint ist. Russland hingegen könnte passen, ist aber längst Atommacht, scheidet also auch aus. So wird Amerika in der Geopolitik von Hollywood zunehmend zu einer feindlosen Supermacht, denn alles, was sich dem Hegemon tatsächlich in den Weg stellt, entzieht sich wegen verschiedener Rücksichten der Repräsentation.

Die Aufgabe in "Top Gun: Maverick" hat aber mit Politik sowieso nichts zu tun, sondern mit den Attraktionen des Genres: ein Talkessel, zu dem man durch einen Canyon fliegen muss, woraufhin es einmal heftig hinunter und dann noch halsbrecherischer wieder hinauf geht. Das sind dann die Szenen, in denen sogar Tom Cruise Helm tragen muss, der davor in einer bezeichnenden Szene auf einem Kawasaki-Motorrad neben einem Jet auf einer Startbahn herjagt, die Haare im Wind, die Nase im Kerosinrausch, ganz so, als könnte er sowieso mit jedem Gerät jederzeit abheben.

Dass Tom Cruise (im Juli wird er 60) sich um ewige Jugend bemüht, ist in seinem Metier naheliegend. Aber es ist doch erstaunlich, wie sehr er dabei inzwischen landesväterliche Züge in dieses Charakterprofil aufzunehmen vermag. In "Top Gun: Maverick" gönnt er sich eine kleine Konkurrenzstudie mit Jon Hamm, der nach seiner Rolle als Don Draper in der Serie "Mad Men" eine Weile als einer der attraktivsten Männer in Amerika galt. Hamm spielt Beau "Cyclone" Simpson, bei dem die Abzeichen auf der Union kaum zu zählen sind, der aber mit bierernster Miene jede neue Extravaganz von Mitchell kommentieren muss.

Es lohnt sich, nebenbei ein wenig auf diese Minirolle zu achten, denn man kann darin die Nuancen studieren, die aus einem Star ein absolutes Idol machen. Cruise ist zwar für seine Egotrips bekannt, es kursieren auch zahlreiche Geschichten über sein nicht immer pflegeleichtes Verhalten bei den Dreharbeiten, und es sind nicht zuletzt die Drehbücher, die er am stärksten seiner Ein-Mann-Agenda unterwirft. In "Top Gun: Maverick" gewinnt diese Agenda nun aber geradezu staatstragende und integrierende Qualität. Er versöhnt nicht nur die bis heute normativen Reagan-Jahre (als Amerika sich für eine Weile zur letzten Weltmacht aufschwang) mit einer Gegenwart, in der diese Rolle mehr als unklar ist. Er bietet auch ein Bild weißer Stärke, auf das sich seine Fans in einer anderen Form einlassen können, als es ein größenfanatischer Grobian wie Donald Trump seiner Basis vorlebt. Der "Maverick" - ein Captain und Gentleman - hat sein Gegenüber in einer Frau namens Penny, die in ihrer Fliegerkneipe den eigentlich utopischen Ort dieses Films betreibt. Hier gibt es dann einen Moment, in dem auch die weiße Gala-Uniform einmal gebraucht wird.

Der Topos von der letzten Supermacht verfolgt Amerika nun schon eine Weile, und politisch hat das eher zu verstörenden Reaktionen geführt (der erratische Isolationismus unter Trump, die demütigenden Umstände beim Rückzug aus Afghanistan). Der alte Gleichschritt zwischen harter und weicher Macht (die Flugzeugträger kontrollieren die Weltmeere und Hollywood die Leinwände) funktioniert nun aber in "Top Gun: Maverick" noch einmal erstaunlich gut. Dieser Film holt wirklich die ganze Welt in eine Pilotenkanzel, in der dann die Druckverhältnisse (10 g!) die Gesichtszüge kurzzeitig entgleisen lassen. Am Ende aber ist das Zahnpastagrinsen (Cruise lächelt nie) strahlender denn je, und man muss gar nicht das Gefühl haben, einem Probelauf des Militarismus zugeschaut zu haben, sondern vielleicht sogar eher einer Übung in dessen Sublimierung. BERT REBHANDL

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