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Dämonische Katzen und manische Schriftsteller - 13 Geschichten von klassisch bis modern
Sie erwarten ihn schon. In einem verlassenen Haus, in einem großen, leeren Zimmer stehen 13 Stühle. Nur einer ist noch nicht besetzt. 12 merkwürdige Gestalten warten dort, jeder vor einer brennenden Kerze. Sie streiten, sie lachen und dann erzählen sie, einer nach dem anderen, ihre Geschichte: von Tod und Verderben, von Mord und Rache. Bis nur noch Jack übrig ist, nur noch eine Kerze, allein im Dunkeln. Und er endlich begreift, welche Geschichte er erzählen muss ...…mehr

Produktbeschreibung
Dämonische Katzen und manische Schriftsteller - 13 Geschichten von klassisch bis modern

Sie erwarten ihn schon. In einem verlassenen Haus, in einem großen, leeren Zimmer stehen 13 Stühle. Nur einer ist noch nicht besetzt. 12 merkwürdige Gestalten warten dort, jeder vor einer brennenden Kerze. Sie streiten, sie lachen und dann erzählen sie, einer nach dem anderen, ihre Geschichte: von Tod und Verderben, von Mord und Rache. Bis nur noch Jack übrig ist, nur noch eine Kerze, allein im Dunkeln. Und er endlich begreift, welche Geschichte er erzählen muss ...
  • Produktdetails
  • Verlag: Carlsen; Königskinder
  • Seitenzahl: 304
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Erscheinungstermin: 26. September 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 144mm x 28mm
  • Gewicht: 406g
  • ISBN-13: 9783551560247
  • ISBN-10: 3551560242
  • Artikelnr.: 44905609
Autorenporträt
Shelton, Dave
Dave Shelton ist in Leicester geboren und aufgewachsen und lebte heute mit Pam, Mila und einer Katze in Cambridge, England. Er findet, man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit frühstücken oder ein Bad nehmen. Er liebt Comics, Kricket und Kreuzworträtsel. Für sein erstes Buch "Bär im Boot" gewann er den Luchs-Preis.
Rezensionen
Besprechung von 26.11.2016
Auf der Schwelle

Das ist die Rache der Matrosen: Dave Sheltons Zyklus von Geistergeschichten erfreut als Variation.

Von Tilman Spreckelsen

Natürlich kann Jack nicht wissen, was ihn hinter der Tür erwartet. Dass es zwölf seltsame Personen sind, Männer, Frauen und Kinder, die da um einen Holztisch sitzen, jeder mit einer trüb flackernden Kerze vor der Nase - wie hätte er darauf kommen sollen? Aber dass er dies oder Schlimmeres, natürlich auch Besseres, in Kauf nehmen würde, nur um zu sehen, was die Tür verbirgt, ist rasch klar. Dem neugierigen Kind war es unmöglich, noch einmal umzukehren, das einsame Haus einfach wieder zu verlassen, als es den Lichtschein sah, der unter der Tür auf den Gang sickerte.

Dave Shelton, dessen vergnügt rätselhafter Roman "Bär im Boot" 2013 auch auf Deutsch erschienen ist, hat die Eröffnungsszene für sein aktuelles Buch "Der 13. Stuhl" gut gewählt: Der Junge, der auf der Schwelle noch ausharrt, bevor er seiner Neugier folgt, in die sich eine gehörige Portion Angstlust mischt, wird im Grunde den gesamten Roman über auf einer Art Schwelle stehen. Denn die Gesellschaft, in die er da geraten ist und die ihn anstandslos aufnimmt, ihm einen Stuhl und eine Kerze anweist, besteht aus lauter Toten, die rasch noch, bevor jeder von ihnen demonstrativ und schwer symbolisch die jeweils eigene Kerze ausbläst, eine Geschichte erzählen.

Eine Geistergeschichte, wie es sich gehört, und Jack, der das Spiel zunehmend durchschaut, hört sich all das interessiert an: wie der Taschendieb an ein Opfer gerät, das seinerseits lange Finger macht, oder die Geschichte vom Spukhaus, in dem es zwar in einem einzigen Zimmer nicht spukt, dort aber trotzdem besonders gruselig zugeht, oder die von den Seeleuten, die sich kollektiv und seltsam miteinander verbunden an jenem einen Kameraden rächen, der sie dem Meer und den Haien preisgegeben hat.

Natürlich kennt man derlei Geschichtenzyklen, und hält man sich vor Augen, was zuletzt etwa der britische Autor Chris Priestley in diesem Genre geleistet hat, dann liegt die Latte hoch; die Herausforderung ist jeweils, die Binnengeschichten mit dem Rahmen überraschend zu verknüpfen, ohne zu früh verraten, worin genau dieser Zusammenhang besteht. Und natürlich dürfen die einzelnen Geistererzählungen keine Konfektionsware sein.

Beide Klippen umschifft Shelton bravourös, so wie er beherzigt, dass es auf dem Feld der Spukerzählung nicht um das Erfinden nie gehörter Konstellationen geht, sondern um das überraschende Variieren und um das Spiel mit den Erwartungen. Vor allem aber nimmt er in der letzten Geschichte die Anfangsszene noch einmal aufs Schönste auf und schickt einen Epilog hinterher, der sie neuerlich spiegelt. Die Geschichte, so kann man sich das deuten, geht weiter, so lange es Kinder und Türen gibt, unter denen ein Lichtschein nach außen dringt. Und Autoren, die daraus ihre Funken schlagen.

Dave Shelton: "Der 13. Stuhl".

Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Verlag Königskinder, Hamburg 2016. 304 S., geb., 17,99 [Euro]. Ab 12 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 04.04.2017
Ein Stuhl zu viel
Dave Shelton schreckt mit Geschworenen
Ein neugieriger Junge betritt ein altes, verlassenes Haus, die Holzdielen knarzen, eine dunkle Tür lockt ihn, er tritt ein – und da sitzen schon zwölf Gestalten an einem runden Tisch, jeder vor einer brennenden Kerze. Der 13. Stuhl ist leer, er scheint auf Jack zu warten. Ohne Umschweife landet auch der Leser mitten in der Geisterrunde, und dann geht es los. Die zwölf Geschworenen dieser nächtlichen Séance stellen sich vor, es sind alte und junge darunter, Frauen und Männer, sie lachen und streiten ein wenig, dann fängt einer nach dem anderen an, seine Geschichte zu erzählen. Ein bleicher alter Mann ist der Zeremonienmeister, oder das Medium, ganz wie man will.
Der Gruselfaktor ist hoch, es geht um Untote, um gefährliche magische Augenblicke, aber eigentlich um den Tod. Der ist bekanntermaßen unausweichlich, aber in diesen Geschichten kommt er auf die absonderlichste und grausigste Weise daher. Nicht weich gespült und jugendliterarisch in Watte gepackt. Sondern direkt aus dem Leben gegriffen, blutig, drastisch, quälend. Es geht um Mord und Totschlag, Schuld und Sühne, um dämonische Katzen und gespenstische Bäume. Der Wahnsinn verfolgt die Erzähler in vielen Facetten.
Dabei sind die zwölf Geschworenen ganz normale Leute, ein Schulmädchen und ein Taxifahrer, ein Professor und ein Holzfäller, ein Seemann und der Sohn eines Bestatters. Jeder berichtet in seinem ganz eigenen Ton, während die Kerzen langsam herunterbrennen. Dann ist Jack dran, der wie gebannt gelauscht hat. Und er weiß, was er jetzt erzählen muss.
Der britische Autor und Zeichner Dave Shelton hat sich schon in seinem viel gepriesenen Kinderbuch „Bär im Boot“ auf bezaubernde Weise mit dem Tod beschäftigt. „Der 13. Stuhl“ variiert das Thema und lebt von dem Schaudern, das einen beim Lesen überkommt, gepaart mit schwarzem Humor. Und weil sein kleiner Protagonist, der neugierige Jack, geblieben ist und die Angst überwunden hat, weiß er am Ende, was zu tun ist. Er hat geredet.
Und am Ende gilt ja doch: Wer sich gruselt, fühlt sich lebendig. (ab 13 Jahre und für Erwachsene.
MARTINA SCHERF
Dave Shelton: Der 13. Stuhl. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Carlsen Verlag (Königskinder), Hamburg 2016. 304 Seiten, 17,99 Euro.
Ein bleicher alter Mann als
Zeremonienmeister
der nächtlichen Séance
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"Der Gruselfaktor ist hoch", Süddeutsche Zeitung, Martina Scherf, 04.04.2017