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Benutzername: Ina's Little Bakery
Wohnort: Celle
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Danksagungen: 83 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 273 Bewertungen
Bewertung vom 10.11.2017
Turtles All the Way Down
Green, John

Turtles All the Way Down


ausgezeichnet

Ziemlich lange hat uns John Green auf einen neuen Roman warten lassen, doch jetzt ist er endlich zurück und zwar ziemlich großartig !!!

Aza Holmes, 16 Jahre alt, leidet an einer Zwangsstörung. Sie fürchtet sich vor Bakterien und was diese in ihrem Körper anrichten könnten. Diese Gedanken bestimmen und beherrschen ihren kompletten Alltag, denn stößt man sie einmal an, winden sie sich wie eine Spirale durchs Gehirn, die einfach niemals endet.

Diese Zwangsstörung stand bei diesem Buch eindeutig im Vordergrund, sie ist der Fixpunkt um den sich alles andere dreht. Klingt langweilig, ist es aber nicht, denn John Green ist einfach ein Meister der Worte und des Erzählens.
So sind Azas Zwänge und ihre psychischen Probleme zwar also Hauptakteure und trotzdem passiert so vieles Drumherum, das mich unterhalten und vor allem so köstlich amüsiert hat.

Aza und ihre beste Freundin Daisy sind nämlich eigentlich auf Detektivsuche, wenn man es so nennen will, denn Billionär Russell Pickett ist verschwunden und da er eigentlich im Knast einsitzen sollte, ist eine ziemlich fette Belohnung auf ihn ausgesetzt. Zufälligerweise kennt Aza dessen Sohn Davis und da Daisy dringend Geld fürs Collage braucht, überredet sie ihre Freundin also dazu, sich irgendwie an Davis ranzupirschen, herauszufinden wo sein Vater steckt und die Kohle abzuräumen.

Das dabei natürlich nichts nach Plan läuft ist eigentlich vorprogrammiert.

Ich mochte die Geschichte wahnsinnig gerne, zum einen weil man merkt, wie viel eigene Erfahrungen und Emotionen in Bezug auf psychische Erkrankungen und Zwangsstörungen John Green hier eingebracht hat und zum anderen, weil sie trotz dieser ernsten und wichtigen Themen so leichtfüßig und schön und amüsant und unterhaltsam ist.

Seine Figuren zeichnet Green gewohnt authentisch, liebenswert und ein wenig chaotisch. Sein Schreibstil ist brillant und seine Botschaft so wichtig, das ich mir wirklich wünschen würde, das ganz viele Menschen dieses Buch lesen.

Oft ist es nämlich einfach so, das man sich als gesunder Mensch überhaupt keine Vorstellung davon machen kann, wie es ist mit einer psychischen Erkrankung zu leben, seien es nun Zwangsstörungen wie Aza sie hat oder aber Depressionen und Co. In "Turtles all the way down" zeigt John Green sehr realistisch wie es für Betroffene ist mit ihrer Krankheit zu leben, aber auch wie sich das aufs Umfeld auswirkt und wie Familie und Freunde dies empfinden und damit umgehen. Er beschönigt nichts, sondern bringt dieses Thema nüchtern und realistisch auf den Tisch.

Ein sehr sehr geniales Werk, das ich Euch allen nur empfehlen und wirklich dringend ans Herz legen kann !

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.10.2017
Lieber Daddy-Long-Legs
Webster, Jean

Lieber Daddy-Long-Legs


ausgezeichnet

Judy Abbott hat fast ihr ganzes Leben lang im Waisenhaus gelebt und wird dort mit ihren 18 Jahren eigentlich nur noch "geduldet" weil sie der Hausherrin bei den Kleinen zur Hand geht.

Judy, die sehr belesen und gebildet ist, sieht sich schon für immer dort leben, als ihr ein geheimnisvoller Wohltäter und Investor des Waisenhauses die Möglichkeit bietet ans College zu gehen. Seine einzige Bedingung: sie muss ihn einmal im Monat über ihre Fortschritte auf dem Laufenden halten.

Und das tut sie. Ihre Briefe, die sie stets mit "Lieber Daddy Long Legs" beginnt, um dem unbekannten und geheimnisvollen Mann, der auch weiterhin unerkannt bleiben möchte, einen Namen zu geben, werden mit Fortschritt ihres Studiums immer mehr und häufen sich. Sie lässt den Unbekannten an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, erzählt von neu geschlossenen Freundschaften und von gesellschaftlichen Erlebnissen und am Ende sogar von der Liebe, die sich auf leisen Sohlen in ihr Leben geschlichen hat.

Meinung:
Ich muss gestehen, das ich mich schon beim ersten Blick auf das Cover in dieses Königskind verliebt habe, denn es ist doch ein wahrgewordener Traum für jeden Nach-Buchcover-Käufer wie mich. Deshalb und auch weil ich den Klappentext so wohlklingend fand UND die Geschichte ein neu aufgelegter Klassiker aus dem Jahre 1912 ist und ich damit bei den Königskindern ( Das Schloss in den Wolken von Lucy Maud Montgomery ) schon einmal so absolut positiv überrascht wurde, war dieses Buch das erste das ich aus dem neuen Programm MUT & LEIDENSCHAFT lesen wollte.

Und trotzdem war ich auch skeptisch, denn schließlich handelt es sich bei diesem Roman um einen BRIEFROMAN. Wir erleben Judys Geschichte also fast ausschließlich in Form von Briefen, die sie an einen unbekannten Mann schreibt. Ich finde diese Art des Erzählens immer sehr spannend, trotzdem habe ich auch jedes Mal Bedenken ob mir durch diese Art nicht vielleicht ein wenig vom Gefühl, von den Charakterzügen der einzelnen Figuren und von der Handlung verloren geht, weil man besonders im Falle von "Lieber Daddy Long Legs" nur diese eine Perspektive hat und einem keinerlei Einblick in die Gedanken des Adressaten gewährt wird. Dieser bleibt nämlich bis zum Ende eine stumme Figur.

Aber alle Bedenken waren komplett unbegründet, denn Jean Webster, die ihrer Zeit wirklich voraus war, hat hier einen wunderbaren Roman geschaffen, bei dem ich rein gar nichts vermisst habe. Sie hat mit Judy eine taffe, junge Frau erschaffen, die weiß was sie will und sich trotz der damaligen Zeit, nicht darum schert ob man ihre Gedanken vielleicht für unangemessen hält. Sie trägt das Herz auf der Zunge und geht mit einem wachen Blick durchs Leben. Sie ist herrlich und so eine unglaublich positive Figur. Es war wirklich eine wahre Freude sie auf ihrem Lebensweg ein Stück weit begleiten zu dürfen.

Doch nicht nur Judy hat mich begeistert, auch der Inhalt des Buches ist großartig und so überraschend modern, das man beinahe nicht vermuten möchte, wie alt diese Geschichte eigentlich schon ist.

Fazit:
"Lieber Daddy-Long-Legs" ist durch und durch, von der Optik, über den Inhalt bis hin zur Protagonistin, ein bezauberndes Werk, das trotz seines Alters von über 100 Jahren absolut modern und zeitgemäß ist und das ich jedem Liebhaber von Klassikern und auch sonst jedem Leser oder jeder Leserin im Alter von 13 bis 100 ans Herz legen möchte.

Ein herrliches Werk !

Bewertung vom 18.09.2017
Deine letzte Nachricht. Für immer.
Trunko, Emily

Deine letzte Nachricht. Für immer.


ausgezeichnet

"Deine letzte Nachricht. Für immer." ist ein ganz ganz großartiges und sehr bewegendes Büchlein, das mir bereits nach wenigen Seiten unter die Haut ging und dafür sorgte, das ich in Tränen ausbrach.

Dabei hatte ich das Buch eigentlich so gar nicht auf dem Schirm, auch wenn ich den Vorgänger, in dem es um nie abgeschickte Briefe ging, vom Hören-Sagen kenne und viele begeisterte Stimmen dazu vernommen habe. Ich bin einfach kein Fan von "solchen" Büchern, die aus vielen kleinen Erinnerungen und jeder Menge Illustrationen bestehen. Ja, ich verschenke solche Bücher gerne, aber selbst lesen ? Nö, eher weniger. Nun ja, jedenfalls habe ich gedacht, das ich kein Fan solcher Bücher bin. Jetzt muss ich diese Aussage und Annahme wohl mal direkt zurücknehmen, denn Emily Trunko hat mir mit ihrer Idee etwas ganz Besonderes geschenkt.

Um was geht es denn überhaupt ? Welche Idee ?
Emily Trunko rief Menschen dazu auf, auf ihrem Tumblr Blog letzte Nachrichten hochzuladen. Von Ex-Lovern, von ehemaligen Freunden, von geliebten Menschen. Diese hat sie gesammelt und nun kann man sie in diesem wirklich wunderschön illustrierten und aufgemachten Büchlein nachlesen.

Doch nicht nur das, diese Nachrichten regen definitv zum Nachdenken an. Darüber, wie man vielleicht selbst aus dem Leben anderer Menschen geht, sei es weil man sich auseiandergelebt, entfreundet oder zerstritten hat.

Mich persönlich hat es sehr berührt und nachdenklich gemacht, weil ich an eine Situation denken musste, von der ich nicht möchte, das sie für alle Zeit so stehenbleibt. Zwar brauche ich wohl noch ein wenig Zeit um in dieser Sache über meinen Schatten zu springen und auf einen einzigen bestimmten Menschen zugehen zu können, doch ich möchte nicht, das der letzte Satz zwischen uns eine Aneinanderreihung von Banalitäten bleibt.
Aber das nur so am Rande.

Es gab letzte Nachrichten bei denen ich Schmunzeln musste, aber vorallem gab es Nachrichten, bei denen mich insbesondere die angefügten Randnotizen und Anmerkungen zur Sitution betroffen machten und zu Tränen rührten.

Fazit:
"Deine letzte Nachricht. Für immer" ist ein vermeintlich unscheinbares Büchlein, das aber schon direkt nach wenigen Seiten und gelesenen Nachrichten derart unter die Haut geht, das garantiert kein Auge trocken bleibt und das auf jeden Fall zum Nachdenken anregt.

Von mir gibts eine klare Leseempfehlung !

Bewertung vom 14.09.2017
Ein angesehener Mann / Captain Sam Wyndham Bd.1
Mukherjee, Abir

Ein angesehener Mann / Captain Sam Wyndham Bd.1


gut

"Ein angesehener Mann" erreichte mich überraschend und zunächst war ich sehr skeptisch ob mich das Buch überhaupt anspricht. Der Klappentext sprach schon einmal dagegen, denn eigentlich ist so ein Roman nicht unbedingt mein Genre, doch nachdem ich die ersten durchaus positiven Stimmen zum Buch vernahm, konnte meine Neugier schließlich doch noch geweckt werden.

Und ja, ich kann nicht sagen, das mich der Roman letzten Endes vollauf überzeugen konnte, so hat er mir doch ein angenehmes Leseerlebnis beschert. Auf die Handlung möchte ich ungern eingehen, um nichts vorweg zu nehmen. Ich kann jedoch sagen, das diese eine gelungene Kombination verschiedener Genre ist und niemals langweilig wird, obwohl es ein paar Längen gibt.

Sehr gut fand ich den wirklich bildhaften Schreibstil des Autors.

Bewertung vom 14.09.2017
Schon immer nur wir / True North Bd.2
Bowen, Sarina

Schon immer nur wir / True North Bd.2


ausgezeichnet

Mit diesem zweiten Band ihrer True North Trilogie übertrumpft sich Sarina Bowen wahrlich selbst. Wo der erste Band eine gewisse Leichtigkeit und recht viel Humor und ausgelassenen Charme mit sich bringt, ist die Geschichte von Protagonist Jude und seiner Sophie eher schwermütig, bewegend und, für mich, sehr ergreifend gewesen.

Jude hat eine dunkle Vergangenheit die er gerne vergessen und endlich hinter sich lassen würde. Als Jugendlicher ist er abgestürzt, hat Drogen konsumiert, seine große Liebe Sophie belogen und schließlich einen ganz schwerwiegenden Unfall gebaut, der ihm eine Strafe hinter Gittern eingebracht hat.

Nach einem Entzug und seiner abgesessenen Strafe hilft er als Saisonarbeiter auf der Farm der Shipley's, die ihn herzlich und als Teil ihrer Familie aufnehmen. Sie geben ihm Rückhalt, kümmern sich vorbehaltlos um ihn. Doch dann kommt der Winter und auf der Farm gibt es nicht mehr genug zu tun und so muss sich Jude schließlich seiner größten Angst stellen: Der Angst, nach Hause zurückzukehren. An den Ort an dem sein persönliches Martyrium began.

Sophie hat seit Jahren nicht ein einziges Wort von Jude gehört, dabei war er ihre erste große Liebe und sie war bereit ihm zu verzeihen. Als er plötzlich zurück kommt und ihr ausgerechnet in der Kirche über den Weg läuft, wo sie einmal in der Woche aushilft und Essen für die Gemeinde zubereitet, da kommt alles wieder hoch. Sophie hat Jude nie vergessen, doch das Schicksal hat ihnen übel mitgespielt und ein Erneuerung der Beziehung steht schon alleine aufgrund sämtlicher äußerer Umstände eigentlich nicht in Frage. Doch Gefühle gehen ihren eigenen Weg. Das müssen auch Sophie und Jude schon sehr bald erkennen.

Ich habe diese Geschichte regelrecht verschlungen. Jude ist ein absolut tragischer Charakter, der permanent gegen seine inneren Dämonen ankämpft. Zum Einen ist da dieses unbändige Verlangen nach Drogen, das er jeden Tag, jede Minute seines Seins bekämpfen muss, zum Anderen ist er in seiner Heimatstadt nicht wirklich Willkommen. Jeder glaubt zu wissen, was in dieser einen verhängnisvollen Nacht geschehen ist und jeder gibt ihm die Schuld, das ein Mensch zu Tode kam. Und dann ist da noch Sophie, das Mädchen das er auch nach all den Jahren der Abwesenheit immer noch so sehr liebt.

Es ist tragisch und mein Herz wurde beim Lesen mehr als einmal gebrochen und dann wieder zusammengesetzt. Die Geschichte hat mich emotional tief berührt und ich habe immer gehofft, das die beiden allen Umständen trotzen und doch noch zu ihrem Glück kommen, das sie sich absolut verdient haben.

Was mir hier sehr gut gefällt ist, das man, obwohl man die Bände alle unabhängig voneinander lesen kann, den Charakteren aus den anderen Bänden hier wieder begegnet und sie nach wie vor eine Rolle spielen. Zwar eine Kleinere, aber doch eine Bedeutende, wie ich finde. Man bekommt einen Eindruck wie es Audrey und Griff ergeht, aber auch wie sich alle anderen weiterentwickeln. Damit man sich nicht selbst etwas vorweg nimmt, empfehle ich die Bände der Reihe nach zu lesen.

Interessant finde ich, das Sarina Bowen ihre Romane so komplett unterschiedlich gestaltet, damit zeigt sie mir als Leserin, wie vielseitig sie ist. Die Geschichte von Audrey und Griffin empfand ich als sonnig, während ich Judes Geschichte sehr sehr düster und auch ernst fand. Ich bin also gespannt, was mich im dritten und letzten Band erwartet.

Der Schreibstil ist trotz der Thematiken sehr leicht gehalten und die Autorin versteht es mich an die Seiten zu fesseln. Ich konnte mich nicht lösen und hatte das Buch in einem Rutsch ausgelesen.

Bei der Gestaltung ihrer Charaktere legt die Autorin Wert auf Authentizität, auch das hat mir gefallen, denn man kann sich in jeden Einzelnen sehr gut hineinversetzen, seine Ängste, sein Verlangen, seine Emotionen förmlich spüren.

Ganz großartiger Roman und ganz tolle Reihe, die ich definitiv weiterempfehlen kann.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.09.2017
So klingt dein Herz
Ahern, Cecelia

So klingt dein Herz


gut

Viele Jahre hat Laura für sich selbst gelebt, abgeschottet von den Menschen, im Einklang mit der Natur. Doch dann begegnet sie eines Tages dem Tontechniker Solomon und plötzlich verändert sich ihr komplettes Leben.

Solomon hat seine Freundin Bo im Schlepptau, die wie er selbst sofort erkennt, das Laura eine ganz besondere junge Frau ist, denn Laura hat eine unglaubliche Gabe: sie imitiert jedes Geräusch dieser Welt und manchmal ist es ihr nicht einmal bewusst. Bo, die als Regisseurin arbeitet, wittert eine große Chance auf eine neue Dokumention.

Laura ist erst wenig begeistert, würde sie doch am liebsten einfach für sich selbst bleiben, allerdings hat sie niemanden mehr der hin und wieder nach ihr sehen könnte oder sie mit den Dingen versorgt, die sie nicht selbst ernten oder herstellen kann. Da ihr dies wohl bewusst ist, willigt sie widerstrebend in Bo's Plan und Vorschlag ein und findet sich plötzlich in einem völlig neuen Leben wieder, der sie nicht nur in eine laute, überdrehte Welt wirft, sondern einen Talentshow-Star aus ihr macht...

Meinung:

Lange habe ich keinen Roman aus Cecelia Aherns Feder mehr gelesen und das obwohl mich deren emotionale und so wunderbar leicht und harmonisch erzählten Geschichten immer mitreißen konnten. Umso mehr freute ich mich nun also, endlich einmal wieder einen neuen Roman von ihr in die Finger zu bekommen, der nicht nur eine zarte Liebesgeschichte, sondern vor allem auch eine besondere Protagonistin und einen Hauch von Magie versprach.

Die Geschichte begann auch ganz wunderbar, ich war direkt verliebt in Solomon, der ein sehr gefühlsbetonter Mensch ist und auch Laura hat mit ihrer Einzigartigkeit mein Herz im Sturm erobert. Sie hat eine bewegende Geschichte zu erzählen, die sich dem Leser erst nach und nach und immer häppchenweise offenbart. Ihre Gabe, das Imitieren von Stimmen, ist ganz außergewöhnlich und erinnert an den "Lyrebird", einen Vogel der überwiegend in Südostaustralien und Tasmanien beheimatet ist und der ein wahrer Künstler im Imitieren von Stimmen ist.

Durch Bo, mit der ich im Gegensatz zu den meisten anderen Figuren, zu keinem Zeitpunkt warm wurde, wird Laura aus ihrer vermeintlich "heilen" und beschaulichen Welt gerissen und ins aufregende, laute und hektische Dublin geschleudert. Unbewusst, durch eine fixe Idee angestoßen und weil Bo denkt, es sei für ihre Dokumentation hilfreich, findet sich Laura außerdem schon bald als Teilnehmerin und Star einer Castingshow wieder. Doch ob sie dem damit verbundenen Druck standhalten kann und vor allem will ?

Die Castingshow von der ich eben schrieb, wird leider zu einem Problem für den ganzen Roman, denn sie nimmt ab einem gewissen Punkt so viel Raum ein, das man alles andere eher als Nebensächlichkeit empfindet. Ich wünschte, Cecelia Ahern hätte sich viel mehr auf diese aufkeimende, aber komplizierte Liebesgeschichte konzentriert und die Magie die von Anfang an zwischen Laura und Solomon herrscht genutzt und ausgebaut. Stattdessen erleben wir die Geschichte einer jungen Frau, die sich in einer künstlich aufgebauten Glitzerwelt wiederfindet und wie ein "Produkt" behandelt wird. Zumindest von Bo. Die sieht in Laura meiner Meinung nämlich nichts anderes als Profit. Das hat sie mir immer unsympathischer werden lassen.

Cecelia Ahern hat mich mit "So klingt dein Herz" gut unterhalten, mich aber emotional dieses Mal nicht so berührt wie ich das von ihr gewohnt bin und mir gewünscht hätte und deshalb hat mich dieser Roman nicht hundertpro überzeugen können.

Bewertung vom 01.08.2017
Karma Girl / Bigtime Bd.1
Estep, Jennifer

Karma Girl / Bigtime Bd.1


sehr gut

Es sollte der Schönste Tag ihres Lebens werden, doch irgendwie beschleicht Carmen ein sehr ungutes Gefühl. Als sie diesem nachgeht, erwischt sie ihren Verlobten und ihre beste Freundin in eindeutiger Position.
Was alles noch schlimmer macht: Sie sind Superheld und Erzschurkin.

Ihr geschundenes Herz sinnt auf Rache und so macht es sich die Reporterin zur Aufgabe, ab sofort sämtliche Helden und Schurken zu demaskieren.

Doch dann geht ein Fall gehörig nach hinten los und plötzlich sieht sich Carmen Auge in Auge mit der größten Schurkenbande Big Time's: der Terrible Trinity. Deren Anführererin Malefica unterbreitet ihr einen, sehr einseitigen, Deal: Carmen soll die Identität des Anführers der Superhelden-Kombo Fearless Five aufdecken. Tut sie dies nicht, dann wird sie schon bald zum Versuchskaninchen der TT's werden....

Meinung:
Schon seit der Mythos-Academy bin ich ein riesengroßer Fan der Autorin und genau deshalb habe ich auch gar nicht lange überlegt und das Buch mehr oder weniger "blind" gekauft. Das heißt, ich habe mir im Vorfeld nicht die Mühe gemacht überhaupt mal auf den Klappentext zu gucken, nur das es um Superhelden geht, war mir bewusst.

Ja naja, und was soll ich sagen, ich habe den Kauf nicht eine Minuten lang bereut. Eher im Gegenteil, ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und bin froh, das ich mich nicht von, im Vorfeld immer wieder aufgetauchten mittelmäßigen Wertungen, habe abschrecken lassen.

Jennifer Estep hat hier einen Auftakt zu einer herrlich amüsanten Reihe geschaffen, die man bitte nicht so ernst nehmen sollte, denn das Ganze hat viele Züge einer Parodie und wie auch in allen Superheldenfilmen und Comics ist das Ende bereits von Beginn an schon abzusehen, denn auch wenn das Böse nie schläft, ahnt man doch eigentlich schon, das nur die Guten gewinnen können.

Die Story ist spannend geschrieben, es gibt, hervorgerufen durch Carmens manchmal etwas tolpatschige Art den ein oder anderen Lacher, ironische Schmunzler, aber auch ein gewisses Maß an Coolness und erotischem Prickeln.
Es ist eine rundum gelungene und bunte Mischung, die mir richtig viel Spaß gemacht hat.

Was dieses Buch nicht ist, ist ein Jugendroman ! Das wollte ich an dieser Stelle mal noch kurz erwähnt haben. Irgendwie, und hier betone ich nochmal, das ich den Klappentext nie aufmerksam gelesen habe, bin ich davon ausgegangen, das es in die Jugendschiene geht...äh nein, tut es nicht. Altersempfehlung deshalb: ab 16 Jahren würde ich sagen.

Bewertung vom 05.07.2017
Stell dir vor, dass ich dich liebe
Niven, Jennifer

Stell dir vor, dass ich dich liebe


ausgezeichnet

STELL DIR VOR, DASS ICH DICH LIEBE ist so ein wundervolles Buch, das sich mit aktuellen Themen wie Bodyshaming und Mobbing, mit Vorurteilen, aber auch mit einer besonderen Krankheit beschäftigt. Es ist ein Buch darüber, das es ABSOLUT okay ist, so zu sein wie man ist. Und ein Buch, das ihr Euch unbedingt alle auf die Wunschliste setzen solltet !!!

Nach dem Tod ihrer Mutter bricht für Libby, damals noch ein Kind, eine Welt zusammen, sie zieht sich in sich selbst zurück und findet nur Trost im Essen. Leider wirkt sich das in den kommenden Jahren sehr auf ihre Gesundheit aus; sie wird zu Amerikas dickstem Teenager. Erst eine handfeste Panikattacke und ein Kran, der sie aus ihrem eigenen Haus befreit, bringen das große Erwachen. Es zeigt Libby auf, das sie so nicht weitermachen kann, das sie ihr komplettes Leben umkrempeln, abspecken und ins Leben zurückkehren muss und sie reißt ihren Vater aus seiner eigenen Trauer und er erkennt, das er Libby viel zu lange sich selbst überlassen hat.

Libby kehrt also als "neuer" Mensch ins Leben und auch in den Schulalltag zurück, der reichlich Tücken mit sich bringt, denn obwohl sie sich vom Gewicht her mehr als halbiert hat, ist sie nach wie vor dick und diese Tatsache bietet ihren Mitschülern reichlich Raum für fiesen Spott.
Doch Libby lässt sich davon nicht beeindrucken und das wiederum hat mich stark beeindruckt. Sie ist eine megataffe Protagonistin, die für ihre Ziele und Träume kämpft. Ich mochte sie unglaublich gern, weil sie so echt und realistisch dargestellt war.

Auch Jack, Libbys männlicher Gegenpart, war mir von Beginn an sympathisch. Er leidet an Prosopagnosie. Gesichtsblindheit. Eine Krankheit, von der ich vor diesem Roman noch nie etwas gehört habe. Um es einfach zu erklären: Jack kann sich keine Gesichter merken. Er erkennt Menschen nur anhand verschiedener Merkmale, wie etwa an der Stimme, an der Frisur oder am Körperbau. Selbst seine eigene Familie muss er sich immer wieder aufs Neue zusammenpuzzlen.

Das er diese Krankheit hat ist sein Geheimnis und macht sein Leben alles andere als leicht, weil er oft den einen Mitschüler mit einem anderen verwechselt oder nicht weiß wen er gerade vor sich hat. Das bringt so einige Komplikationen mit sich.
Und dann tritt Libby in sein Leben und irgendwie passieren plötzlich Dinge, die keiner von beiden je geahnt hätte. Sie unterstützen sich gegenseitig und nach einer zögerlich erwachenden Freundschaft kommt irgendwann Liebe ins Spiel.

Was mir an dieser Geschichte, neben den wirklich großartig gezeichneten Charakteren gefallen hat, war der komplexe Plot, der sich mit allerhand wichtigen Themen befasst, in dem aber, durch Jennifer Nivens angenehmen Schreibstil auch eine gewisse Leichtigkeit mitschwingt. Außerdem baut sie persönliche Erfahrungen und Wissen zu Prosopagnosie und zum Thema Gewicht und damit verbundenem Mobbing ein.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Liebesgeschichte steht nicht unbedingt im Zentrum, sondern entwickelt sich ziemlich ruhig und eher am Rande. Vordergründig geht es um Dinge wie Selbstakzeptanz; darum das man sich selbst so annimmt, wie man eben ist. Mit allen Ecken und Kanten. Es geht um das Begreifen, das man es wert ist ! Immer !

Das Ende hat mich, wie der Rest der Geschichte, absolut zufriedengestellt, auch wenn Jennifer Niven hier vielleicht ein bisschen tief in die Kitschkiste gegriffen hat. Es war perfekt so wie es war und ich habe das Buch wirklich wahnsinnig gerne gelesen.

Bewertung vom 22.05.2017
Das Gedächtnis der Insel
Buder, Christian

Das Gedächtnis der Insel


sehr gut

Ich erhielt "Das Gedächtnis der Insel" im Rahmen der Aktion BUCHFLÜSTERER zum Vorablesen und obwohl ich zunächst skeptisch aufgrund der Thematik war, die mich auf den ersten Blick nicht wirklich ansprach, so muss ich sagen, das mich Christian Buder mit seinem Werk schlussendlich doch positiv überraschen konnte.

Die Geschichte, in der es um den Archäologen Yann geht, dessen Mutter vor vielen Jahren bei einem Schiffsunglück ums Leben kam, kehrt auf seine Heimatinsel, zur Beerdigung seines Vaters, zurück. Während den Vorbereitungen zieht ein Sturm auf und Yann beginnt gemeinsam mit seiner Kindheitsfreundin Gwen die Vergangenheit aufzuarbeiten, zu hinterfragen und das Geheimnis um das Verschwinden seiner Mutter aufzudecken.

Christian Buder hat einen sehr bildgewaltigen und spannenden Schreibstil, der mich, obwohl mich das Thema ja eingang gar nicht interessiert hat, total in seinen Bann schlagen konnte, so das ich mich voll und ganz auf die Geschichte einlassen konnte. Die Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet und die Handlung punktet mit überraschenden Wendungen.

Empfehlenswert !

Bewertung vom 09.05.2017
Das Glück hat vier Farben
Moore, Lisa

Das Glück hat vier Farben


ausgezeichnet

Dieses Buch ist einfach rundum perfekt, ich habe nichts zu bemängeln, noch nicht einmal Kleinigkeiten. Man könnte es direkt 1:1 verfilmen, haha, so viel Spaß hat dieses Buch gemacht.

Und das obwohl hier eine ganze Bandbreite an Gefühlen, Problemen und Themen abgehandelt wird. Aber vielleicht ist es gerade deshalb so gut, weil jeder Leser, der zu diesem Buch greift, auf Dinge stoßen wird, die er auf sein eigenes Leben projizieren kann.

Da gibt es zum Beispiel die Konflikte zwischen Flannery und ihrer Mutter Miranda. Ganz alltägliche Dinge, aber auch Vorwürfe von Seiten der Tochter, denn Miranda ist alleinerziehend und lebt von der Sozialhilfe, was sich natürlich auf Flannery auswirkt. Nicht mal ein Biobuch ist drin, stattdessen neigt Miranda dazu, das Geld für unnützen Kram aus dem Fenster zu werfen. Die Rollen der Beiden sind ziemlich häufig vertauscht und das geht Flannery gehörig auf die Nerven, weil sie einfach das sein will, was sie ist: Ein Teenager !
Hinzu kommt der Wunsch nach einem Vater, denn ihren eigenen hat Flannery nie kennen gelernt und andere Männer, die sie vielleicht als Ersatz hätte akzeptieren können, sind längt passé.
Trotz dieser zwei Punkte ist das Band, das sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder verbindet, ein sehr sehr Starkes. Die Drei halten zusammen wie Pech und Schwefel, da passt kein Blatt Papier dazwischen und das ist wunderbar zu sehen. So sollte Familie sein, auch wenns nicht immer leicht ist.

Weiterhin geht es um Veränderung. In Flannerys Leben, in Bezug auf ihre Freundschaften, auf Leute die sie schon lange kennt. Das Leben bringt immer wieder Umstände hervor, die dazu führen können, das sich Leute vielleicht von einem abwenden, auch wenn man die Gründe nicht direkt deuten kann. So geht es Flannery in Bezug auf ihre beste Freundin Amber, die plötzlich einen Freund hat und zu cool für Flannery und deren Probleme ist. Dabei brodelt auch bei Amber deutlich mehr unter der Oberfläche, als für ihre Umwelt zu sehen ist.

Naja und um das ganze Gefühlswirrwarr noch so richtig kompliziert zu machen, ist Flannery auch noch in Tyronne verknallt, der allerdings auch nicht mehr der Junge ist, den sie einst so gut gekannt hat. Sie verrennt sich da in falsche Vorstellungen, sieht immer noch den kleinen Jungen vor sich, mit dem sie früher im Garten Zaubertränke aus Gras und Blumen gemixt hat. Doch der echte Tyronne hat ein ziemlich vermurkstes Leben und jede Menge Probleme. Einzig positiver Aspekt an ihrer Verliebtheit: Er bringt Flannery für ihr Wirtschaftsprojekt auf die Idee mit den Zaubertränken, die im Klappentext angesprochen werden und die, obwohl sie doch eigentlich keine Wirkung haben, eben doch eine besondere Magie entfalten.

Ich mochte dieses Buch wirklich wirklich sehr. Hab ich schon erwähnt, ne ?!

Dies ist nicht nur dem Plot geschuldet, sondern auch den wirklich ganz liebevoll gezeichneten Protagonisten, allen voran natürlich Flannery, die uns in ihr Leben und ihre Gedanken Einblick gewährt. Immer wieder lösen bestimmte Szenarien oder Momente Flashbacks bei ihr aus, in denen sie sich sehr ausgeprägt an die Vergangenheit erinnert. Das fand ich als Leserin sehr spannend und es brachte mir Flannerys Sehnsüchte, Wünsche und Ängste noch näher. Ich konnte mich wirklich voll und ganz in sie hineinversetzen.

Der Schreibstil:
Ein weiterer Pluspunkt; denn er ist gespickt mit unglaublich viel Wortwitz und unterhaltsamen Metaphern, liest sich leicht, flüssig und ist überraschend packend, so das man förmlich durchrauscht, durch die Geschichte.

Fazit:
Für mich war "Das Glück hat vier Farben" ein wirklich gelungenes Jugendbuch, ja sogar ein echtes Highlight und genau deshalb möchte ich es Euch unbedingt ans Herz legen, sofern ihr für dieses Genre offen seid !