Benutzername: Ina's Little Bakery
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Bewertungen

Insgesamt 267 Bewertungen
Bewertung vom 01.08.2017
Karma Girl / Bigtime Bd.1
Estep, Jennifer

Karma Girl / Bigtime Bd.1


sehr gut

Es sollte der Schönste Tag ihres Lebens werden, doch irgendwie beschleicht Carmen ein sehr ungutes Gefühl. Als sie diesem nachgeht, erwischt sie ihren Verlobten und ihre beste Freundin in eindeutiger Position.
Was alles noch schlimmer macht: Sie sind Superheld und Erzschurkin.

Ihr geschundenes Herz sinnt auf Rache und so macht es sich die Reporterin zur Aufgabe, ab sofort sämtliche Helden und Schurken zu demaskieren.

Doch dann geht ein Fall gehörig nach hinten los und plötzlich sieht sich Carmen Auge in Auge mit der größten Schurkenbande Big Time's: der Terrible Trinity. Deren Anführererin Malefica unterbreitet ihr einen, sehr einseitigen, Deal: Carmen soll die Identität des Anführers der Superhelden-Kombo Fearless Five aufdecken. Tut sie dies nicht, dann wird sie schon bald zum Versuchskaninchen der TT's werden....

Meinung:
Schon seit der Mythos-Academy bin ich ein riesengroßer Fan der Autorin und genau deshalb habe ich auch gar nicht lange überlegt und das Buch mehr oder weniger "blind" gekauft. Das heißt, ich habe mir im Vorfeld nicht die Mühe gemacht überhaupt mal auf den Klappentext zu gucken, nur das es um Superhelden geht, war mir bewusst.

Ja naja, und was soll ich sagen, ich habe den Kauf nicht eine Minuten lang bereut. Eher im Gegenteil, ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und bin froh, das ich mich nicht von, im Vorfeld immer wieder aufgetauchten mittelmäßigen Wertungen, habe abschrecken lassen.

Jennifer Estep hat hier einen Auftakt zu einer herrlich amüsanten Reihe geschaffen, die man bitte nicht so ernst nehmen sollte, denn das Ganze hat viele Züge einer Parodie und wie auch in allen Superheldenfilmen und Comics ist das Ende bereits von Beginn an schon abzusehen, denn auch wenn das Böse nie schläft, ahnt man doch eigentlich schon, das nur die Guten gewinnen können.

Die Story ist spannend geschrieben, es gibt, hervorgerufen durch Carmens manchmal etwas tolpatschige Art den ein oder anderen Lacher, ironische Schmunzler, aber auch ein gewisses Maß an Coolness und erotischem Prickeln.
Es ist eine rundum gelungene und bunte Mischung, die mir richtig viel Spaß gemacht hat.

Was dieses Buch nicht ist, ist ein Jugendroman ! Das wollte ich an dieser Stelle mal noch kurz erwähnt haben. Irgendwie, und hier betone ich nochmal, das ich den Klappentext nie aufmerksam gelesen habe, bin ich davon ausgegangen, das es in die Jugendschiene geht...äh nein, tut es nicht. Altersempfehlung deshalb: ab 16 Jahren würde ich sagen.

Bewertung vom 05.07.2017
Stell dir vor, dass ich dich liebe
Niven, Jennifer

Stell dir vor, dass ich dich liebe


ausgezeichnet

STELL DIR VOR, DASS ICH DICH LIEBE ist so ein wundervolles Buch, das sich mit aktuellen Themen wie Bodyshaming und Mobbing, mit Vorurteilen, aber auch mit einer besonderen Krankheit beschäftigt. Es ist ein Buch darüber, das es ABSOLUT okay ist, so zu sein wie man ist. Und ein Buch, das ihr Euch unbedingt alle auf die Wunschliste setzen solltet !!!

Nach dem Tod ihrer Mutter bricht für Libby, damals noch ein Kind, eine Welt zusammen, sie zieht sich in sich selbst zurück und findet nur Trost im Essen. Leider wirkt sich das in den kommenden Jahren sehr auf ihre Gesundheit aus; sie wird zu Amerikas dickstem Teenager. Erst eine handfeste Panikattacke und ein Kran, der sie aus ihrem eigenen Haus befreit, bringen das große Erwachen. Es zeigt Libby auf, das sie so nicht weitermachen kann, das sie ihr komplettes Leben umkrempeln, abspecken und ins Leben zurückkehren muss und sie reißt ihren Vater aus seiner eigenen Trauer und er erkennt, das er Libby viel zu lange sich selbst überlassen hat.

Libby kehrt also als "neuer" Mensch ins Leben und auch in den Schulalltag zurück, der reichlich Tücken mit sich bringt, denn obwohl sie sich vom Gewicht her mehr als halbiert hat, ist sie nach wie vor dick und diese Tatsache bietet ihren Mitschülern reichlich Raum für fiesen Spott.
Doch Libby lässt sich davon nicht beeindrucken und das wiederum hat mich stark beeindruckt. Sie ist eine megataffe Protagonistin, die für ihre Ziele und Träume kämpft. Ich mochte sie unglaublich gern, weil sie so echt und realistisch dargestellt war.

Auch Jack, Libbys männlicher Gegenpart, war mir von Beginn an sympathisch. Er leidet an Prosopagnosie. Gesichtsblindheit. Eine Krankheit, von der ich vor diesem Roman noch nie etwas gehört habe. Um es einfach zu erklären: Jack kann sich keine Gesichter merken. Er erkennt Menschen nur anhand verschiedener Merkmale, wie etwa an der Stimme, an der Frisur oder am Körperbau. Selbst seine eigene Familie muss er sich immer wieder aufs Neue zusammenpuzzlen.

Das er diese Krankheit hat ist sein Geheimnis und macht sein Leben alles andere als leicht, weil er oft den einen Mitschüler mit einem anderen verwechselt oder nicht weiß wen er gerade vor sich hat. Das bringt so einige Komplikationen mit sich.
Und dann tritt Libby in sein Leben und irgendwie passieren plötzlich Dinge, die keiner von beiden je geahnt hätte. Sie unterstützen sich gegenseitig und nach einer zögerlich erwachenden Freundschaft kommt irgendwann Liebe ins Spiel.

Was mir an dieser Geschichte, neben den wirklich großartig gezeichneten Charakteren gefallen hat, war der komplexe Plot, der sich mit allerhand wichtigen Themen befasst, in dem aber, durch Jennifer Nivens angenehmen Schreibstil auch eine gewisse Leichtigkeit mitschwingt. Außerdem baut sie persönliche Erfahrungen und Wissen zu Prosopagnosie und zum Thema Gewicht und damit verbundenem Mobbing ein.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Liebesgeschichte steht nicht unbedingt im Zentrum, sondern entwickelt sich ziemlich ruhig und eher am Rande. Vordergründig geht es um Dinge wie Selbstakzeptanz; darum das man sich selbst so annimmt, wie man eben ist. Mit allen Ecken und Kanten. Es geht um das Begreifen, das man es wert ist ! Immer !

Das Ende hat mich, wie der Rest der Geschichte, absolut zufriedengestellt, auch wenn Jennifer Niven hier vielleicht ein bisschen tief in die Kitschkiste gegriffen hat. Es war perfekt so wie es war und ich habe das Buch wirklich wahnsinnig gerne gelesen.

Bewertung vom 22.05.2017
Das Gedächtnis der Insel
Buder, Christian

Das Gedächtnis der Insel


sehr gut

Ich erhielt "Das Gedächtnis der Insel" im Rahmen der Aktion BUCHFLÜSTERER zum Vorablesen und obwohl ich zunächst skeptisch aufgrund der Thematik war, die mich auf den ersten Blick nicht wirklich ansprach, so muss ich sagen, das mich Christian Buder mit seinem Werk schlussendlich doch positiv überraschen konnte.

Die Geschichte, in der es um den Archäologen Yann geht, dessen Mutter vor vielen Jahren bei einem Schiffsunglück ums Leben kam, kehrt auf seine Heimatinsel, zur Beerdigung seines Vaters, zurück. Während den Vorbereitungen zieht ein Sturm auf und Yann beginnt gemeinsam mit seiner Kindheitsfreundin Gwen die Vergangenheit aufzuarbeiten, zu hinterfragen und das Geheimnis um das Verschwinden seiner Mutter aufzudecken.

Christian Buder hat einen sehr bildgewaltigen und spannenden Schreibstil, der mich, obwohl mich das Thema ja eingang gar nicht interessiert hat, total in seinen Bann schlagen konnte, so das ich mich voll und ganz auf die Geschichte einlassen konnte. Die Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet und die Handlung punktet mit überraschenden Wendungen.

Empfehlenswert !

Bewertung vom 09.05.2017
Das Glück hat vier Farben
Moore, Lisa

Das Glück hat vier Farben


ausgezeichnet

Dieses Buch ist einfach rundum perfekt, ich habe nichts zu bemängeln, noch nicht einmal Kleinigkeiten. Man könnte es direkt 1:1 verfilmen, haha, so viel Spaß hat dieses Buch gemacht.

Und das obwohl hier eine ganze Bandbreite an Gefühlen, Problemen und Themen abgehandelt wird. Aber vielleicht ist es gerade deshalb so gut, weil jeder Leser, der zu diesem Buch greift, auf Dinge stoßen wird, die er auf sein eigenes Leben projizieren kann.

Da gibt es zum Beispiel die Konflikte zwischen Flannery und ihrer Mutter Miranda. Ganz alltägliche Dinge, aber auch Vorwürfe von Seiten der Tochter, denn Miranda ist alleinerziehend und lebt von der Sozialhilfe, was sich natürlich auf Flannery auswirkt. Nicht mal ein Biobuch ist drin, stattdessen neigt Miranda dazu, das Geld für unnützen Kram aus dem Fenster zu werfen. Die Rollen der Beiden sind ziemlich häufig vertauscht und das geht Flannery gehörig auf die Nerven, weil sie einfach das sein will, was sie ist: Ein Teenager !
Hinzu kommt der Wunsch nach einem Vater, denn ihren eigenen hat Flannery nie kennen gelernt und andere Männer, die sie vielleicht als Ersatz hätte akzeptieren können, sind längt passé.
Trotz dieser zwei Punkte ist das Band, das sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder verbindet, ein sehr sehr Starkes. Die Drei halten zusammen wie Pech und Schwefel, da passt kein Blatt Papier dazwischen und das ist wunderbar zu sehen. So sollte Familie sein, auch wenns nicht immer leicht ist.

Weiterhin geht es um Veränderung. In Flannerys Leben, in Bezug auf ihre Freundschaften, auf Leute die sie schon lange kennt. Das Leben bringt immer wieder Umstände hervor, die dazu führen können, das sich Leute vielleicht von einem abwenden, auch wenn man die Gründe nicht direkt deuten kann. So geht es Flannery in Bezug auf ihre beste Freundin Amber, die plötzlich einen Freund hat und zu cool für Flannery und deren Probleme ist. Dabei brodelt auch bei Amber deutlich mehr unter der Oberfläche, als für ihre Umwelt zu sehen ist.

Naja und um das ganze Gefühlswirrwarr noch so richtig kompliziert zu machen, ist Flannery auch noch in Tyronne verknallt, der allerdings auch nicht mehr der Junge ist, den sie einst so gut gekannt hat. Sie verrennt sich da in falsche Vorstellungen, sieht immer noch den kleinen Jungen vor sich, mit dem sie früher im Garten Zaubertränke aus Gras und Blumen gemixt hat. Doch der echte Tyronne hat ein ziemlich vermurkstes Leben und jede Menge Probleme. Einzig positiver Aspekt an ihrer Verliebtheit: Er bringt Flannery für ihr Wirtschaftsprojekt auf die Idee mit den Zaubertränken, die im Klappentext angesprochen werden und die, obwohl sie doch eigentlich keine Wirkung haben, eben doch eine besondere Magie entfalten.

Ich mochte dieses Buch wirklich wirklich sehr. Hab ich schon erwähnt, ne ?!

Dies ist nicht nur dem Plot geschuldet, sondern auch den wirklich ganz liebevoll gezeichneten Protagonisten, allen voran natürlich Flannery, die uns in ihr Leben und ihre Gedanken Einblick gewährt. Immer wieder lösen bestimmte Szenarien oder Momente Flashbacks bei ihr aus, in denen sie sich sehr ausgeprägt an die Vergangenheit erinnert. Das fand ich als Leserin sehr spannend und es brachte mir Flannerys Sehnsüchte, Wünsche und Ängste noch näher. Ich konnte mich wirklich voll und ganz in sie hineinversetzen.

Der Schreibstil:
Ein weiterer Pluspunkt; denn er ist gespickt mit unglaublich viel Wortwitz und unterhaltsamen Metaphern, liest sich leicht, flüssig und ist überraschend packend, so das man förmlich durchrauscht, durch die Geschichte.

Fazit:
Für mich war "Das Glück hat vier Farben" ein wirklich gelungenes Jugendbuch, ja sogar ein echtes Highlight und genau deshalb möchte ich es Euch unbedingt ans Herz legen, sofern ihr für dieses Genre offen seid !

Bewertung vom 27.04.2017
Der Schwarze Schlüssel / Das Juwel Bd.3
Ewing, Amy

Der Schwarze Schlüssel / Das Juwel Bd.3


ausgezeichnet

Wenn man weiß, das man den letzten Band einer Reihe in den Händen hält und sich bald von lieb gewonnenen Charakteren und einer großartigen Geschichte trennen muss, dann schwingt da nicht nur Wehmut mit, sondern die Erwartungen an diesen finalen Band sind unglaublich hoch.
Zumindest ist das bei mir so, denn ich erwarte einfach, das eine phänomenal gut erzählte Reihe, die mich von Anfang an begeistern konnte, sich am Ende noch einmal steigert und mich vor allem zufrieden zurücklässt.

Amy Ewing ist dies mit ihrem finalen Band "Der schwarze Schlüssel" vollends geglückt. Sie hat mich nicht nur sofort zurück ins Geschehen katapultiert, sondern noch einmal für jede Menge Überraschungen gesorgt, die Spannung bis zum Schluß hoch gehalten und die Geschichte in einem wirklich fulminanten Showdown zu einem Abschluß gebracht, der mich mit einem absolut guten Gefühl zurücklässt.

Wer die Reihe noch nicht gelesen hat, der möge den nächsten Absatz bitte überfliegen, da ich Spoiler nicht komplett ausschließen kann !!!

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In "Der schwarze Schlüssel" erleben wir alles was geschieht, aus Sicht von Violet, deren Kräfte sich mittlerweile noch gesteigert haben und die zu einer wichtigen Figur für den Widerstand geworden ist. Sie soll die Paladininnen, die Surrogate, im Kampf gegen den Adel anführen, sie leiten und gemeinsam mit ihnen die große Mauer die das Juwel umgibt, zum Einsturz bringen.
Doch sie muss auch ihre Schwester Hazel retten, die von der Herzogin am See entführt wurde und Violets Platz als Surrogat einnehmen soll.
Violet ist hin- und hergerissen, einerseits will sie ihre Schwester beschützen, andererseits will sie ihren Freunden und dem Widerstand helfen.
Doch wenn sie im Juwel auffliegt, dann ist alles verloren....
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Weiter will ich auf die Handlung gar nicht eingehen. Allerdings kann ich sagen, das es, auch wenn die Geschichte jetzt abgeschlossen ist, vielleicht doch noch Stoff für das ein oder andere Sequel geben könnte. Beispielsweise würde ich mich sehr darüber freuen, etwas über Ash zu lesen. Denn der ficht in diesem Band seinen ganz eigenen Kampf auf. Schon in Band 2 haben wir erlebt, wie nutzlos er sich fühlt und wie sehnlich er sich wünscht den Widerstand zu unterstützen und einfach mehr zu sein, als ein Gefährte. Im dritten Band bekommt er seine Chance, doch leider bekommt man die als Leser nur am Rande, durch ein paar wenige zusammenfassende Sätze, mit. Das fand ich ein bisschen schade. Einerseits. Andererseits fand ich es aber auch gut, das sich Amy Ewing auf Violets Sicht beschränkt hat. Das garantiert nämlich einen durchweg angenehmen Lesefluß.

Was mir außerdem sehr gut gefallen hat war die Entwicklung der Charaktere. Allen voran natürlich Violet, die ja von Anfang an schon immer eine tapfere und mutige Kämpferin war, bereit sich gegen den Adel aufzulehnen.
In diesem letzten Band ist sie sehr zwiegespalten, macht sich viele Vorwürfe, zeigt zwischen den Zeilen ihre Angst und ihre Zweifel, doch als es darauf ankommt, wird sie von ihrem starken Willen und ihrem Mut getrieben und tut letztendlich immer das was richtig ist.
Auch die Nebencharaktere entwickeln sich und die Ansichten der ein oder anderen Figur werden zur Überraschung.

Wie schon in den beiden Vorgängerbänden fliegt man auch in diesem letzten Band viel zu fix durch die Seiten und das Ende kommt viel zu schnell und definitiv mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Fazit:

Für mich war "Der schwarze Schlüssel" ein perfektes Finale der Trilogie um Violet Lasting und das Juwel !

Amy Ewing fesselt von der ersten Seite an, begeistert durch fantastische Elemente und eine immerwährende Spannung, durch großartige, facettenreiche Charaktere und bringt ihre Trilogie in einem fulminanten Showdown zu einem würdigen Abschluß, der mich glücklich zurück lässt.

Bewertung vom 09.04.2017
Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden
Barr, Emily

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden


sehr gut

Meinung:
Was mich an diesem YA Debüt von Emily Barr noch vor dem Klappentext ansprach, war definitv dieses wundervolle Cover. Es ist bezaubernd und wohl der Mädchentraum schlechthin, mit seinem bonbonrosa Hintergrund, den verschiedenen Schrifttypen, den Schnörkeln und, was man hier leider nicht sehen kann, mit seiner Spotlack Lackierung. Wunderschön.

Auch inhaltlich sprach mich die Geschichte sehr an, denn ich lese einfach zu gerne tiefgründigere Coming-of-Age Romane und da passt dieses Buch einfach perfekt.

Der Einstieg hat mich etwas irritiert, denn die Geschichte wird aus Floras Sicht erzählt und die lebt in ihrer völlig eigenen Welt. Durch ihre Amnesie kann sie sich nur an Dinge erinnern, die sie entweder vor ihrem 10. Lebensjahr erlebt hat oder die sie sich auf irgendeine Art und Weise notiert. Das bedeutet, das sie, sobald sie einen neuen Blackout hat, immer wieder von vorne beginnen muss, sich an verschiedene Sachen zu erinnern und so wird alles immer wiederholt.
"Sie ist Flora. Sie ist 17. Sie hat einen Jungen geküsst."
Sich an diese Erzählweise zu gewöhnen, war nicht so leicht und ich hatte ehrlich gesagt schon ein wenig Angst, das mir das im Verlauf der Geschichte auf die Nerven gehen könnte.

Glücklicherweise war diese Angst unbegründet, denn Flora macht die Wiederholungen durch ihren Charakter und ihre "verrückten" Handlungen absolut wett. Ja, ich fühlte mich durch diese Erzählweise sogar sehr eng mit Flora verbunden, konnte ihre Ängste und Zweifel nachvollziehen und bewunderte ihren unerschrockenen Mut.
Sie ist eine junge Frau, die in den Gedanken einer 10-jährigen feststeckt, die sich davon aber befreien möchte. Man spürt ganz deutlich was in ihrem Unterbewusstsein passiert und das sie sich in ihrem Inneren doch an viel mehr Dinge erinnert, als ihr Gehirn zulässt. Es ist ganz schwer, Flora auch nur ansatzweise zu beschreiben, denn für mich ist sie eine wahnsinnig komplexe Figur.

Besonders mochte ich ihre kleinen Eigenheiten, mit denen sie sich wichtige, manchmal auch nichtige, Dinge gemerkt hat. Ich hab sie mir bildlich dabei vorgestellt, wie sie sich auf die Arme kritzelt, im ganzen Haus Post its verteilt oder in ihren Notizbüchern liest.

Ein bisschen weniger begeistert als Floras Charakterzeichnung, hat mich der Plot. Zwar fand ich die Idee wirklich großartig und ich finde, das Emily Barr hier eine wirklich sehr facettenreiche Geschichte geschaffen hat, aber es gab auch sehr viele Logikfehler, die ich nicht so ganz nachvollziehen konnte und bei denen ich immer wieder zwischen: "Das Buch ist so unglaublich gut" und "Das ist doch sowas von an den Haaren herbeigezogen" schwankte.
Doch unbestritten ist die Tatsache, das mich Emily Barr mit der Geschichte um Flora in ihren Bann gezogen hat. Ich wollte trotz aller Unstimmigkeiten und teilweise vorhersehbaren Entwicklungen immer weiter und weiter und weiter lesen. Und am Ende wurde ich sogar durch einen extremen Plottwist noch einmal überrascht. Ich hatte echt das Bedürfnis direkt ins Buch kriechen zu wollen um einigen Leuten die Meinung zu geigen.

Das Ende kam sehr emotional und überraschend daher und auch wenn ich mir noch zwei oder vielleicht drei Seiten mehr gewünscht hätte, bin ich doch zufrieden damit.

Fazit:
Im Gesamten, und mit einem Tag Abstand betrachtet, muss ich sagen, das Floras Abenteuer vielleicht nicht ganz so rund und auch nicht ganz so perfekt durchdacht war, wie ich mir das gewünscht hätte, ABER Emily Barr hat mich damit sehr berührt, sie hat mich an die Seiten gefesselt und sie hat vorallem eine Botschaft gesendet, nämlich die, das es sich im Leben manchmal lohnt alles zu wagen und einfach mutig zu sein. Aller Widrigkeiten zum Trotz.

Bewertung vom 06.04.2017
Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans
Lee, Mackenzi

Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans


ausgezeichnet

Sir Henry Montague, genannt Monty, ist das reinste Ärgernis für seinen ( furchtbaren ) Vater, denn obwohl sich der Spross für die Familiengeschäfte und Belange interessieren sollte, treibt er sich viel lieber herum, schaut permanent zu tief ins Glas und fröhnt ganz ungeniert der Fleischeslust.
Als letzte Verwarnung und in der Hoffnung, das man den Spross vielleicht doch noch irgendwie erzieht, schickt man Monty, in Begleitung seines besten Freundes Percy und seiner Schwester Felicity, auf Cavaliersreise. Monty wäre aber nicht Monty, wenn er nicht, trotz eines Anstandswauwaus eine Party aus dieser langweilig angelegten Reise machen würde.
Schon in Paris schlittert er in Turbulenzen, die weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen....

Meinung:
Ich möchte nicht allzu sehr auf den Inhalt des Buches eingehen, da ich besonders in Bezug auf die Königskinder die Erfahrung gemacht habe, das man sie am besten selbst erlebt und genießt, ohne vorher allzu viel von der Geschichte zu wissen. Immer wieder erlebe ich an mir selbst, wie ich eines der Bücher im Regal ein wenig nach hinten schiebe, weil ich denke: "Ach, ich weiß nicht ob mich das so interessiert" und immer wieder werde ich dann überrascht, weil es mich wie im Fall von "Cavaliersreise" dann doch absolut und unausweichlich packt und nicht mehr loslassen will.

Mackenzi Lee schafft mit CAVALIERSREISE einen Roman, der ganz sicher nicht nur junge Leser begeistern und verzaubern wird.
Es ist eine feinhumorige, intelligente und vor allem spannende Abenteuerreise durchs wunderschöne Europa des 18. Jahrhunderts, in der Themen wie Homo-/Bi-Sexualität, die Frage nach Herkunft und Rang und ein heute nur schwer nachvollziehbares Frauenbild im Fokus stehen und dafür sorgen, das unsere herzallerliebst gezeichneten Protagonisten einer Menge Widerstände und Probleme trotzen müssen und sich auf dieser, stellenweise auch recht skurillen Reise, vor allem immer wieder selbst begegnen.

Monty, ach Monty. Er ist ein Protagonist, bei dem ich oft nicht wusste, ob ich ihn hassen oder lieben will. Er ist egoistisch, verhält sich gerade zu Beginn sehr rücksichtslos, er "säuft wie ein Loch", treibt sich in Spelunken herum und gerät durch seine tollpatschige Art immer wieder in ernste Schwierigkeiten.

Im Verlauf der Geschichte macht er eine wahnsinnig große Wandlung durch, die mich auf ganzer Linie begeistert und immer mehr für ihn eingenommen hat. Aber auch Percy hat sich ziemlich schnell einen Platz in meinem Herz sichern können und besonders Felicity hat mich total überrascht.

Was ich außerdem ganz großartig fand, war neben dem erfrischend altmodischen; irgendwie aber auch modernen und sehr bildhaften Schreibstil, die Vielfältigkeit der ernsten und auch heute wieder und immer noch brandaktuellen Themen die Mackenzi Lee in diese Geschichte einbringt und mit spannenden Abenteuern und auch ganz viel Romantik verbindet.

Ich kann, muss und will eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen !
Ihr solltet CAVALIERSREISE wirklich unbedingt lesen.

Bewertung vom 04.04.2017
All die verborgenen Dinge
Moore Fitzgerald, Sarah

All die verborgenen Dinge


gut

Mintys Welt steht Kopf. Behütet aufgewachsen und von ihren Eltern geliebt, findet sie sich in einer Situation wieder, in der sie Beide plötzlich gar nicht mehr verstehen kann. Sie haben sich getrennt und Minty hat das Gefühl sich von beiden Elternteilen immer mehr zu entfremden oder ist es andersherum ? Minty weiß nicht mehr wer sie ist und wo sie steht, sie begreift nicht, warum ihre Mutter nicht zugeben kann, das es ihr nach der Trennung schlecht geht und sie hat keine Ahnung was ihr Vater nur an seiner neuen Frau findet.
In all dieses Gefühlschaos platzt Ned. Ein schweigsamer Junge, der mit seiner Großmutter in einem alten Wohnwagen in Nettlebog wohnt und der Nachts die abenteuerlichsten Dinge tut.
Minty ist fasziniert von Ned und fest entschlossen ihn als Freund zu gewinnen.....

Meinung:
Das Cover besticht durch seine kräftigen, freundlichen Farben und wann immer ich das Buch betrachte oder kurz zur Hand nehme, kann ich fast den Sommer spüren.
Von der Optik passt es im Übrigen auch perfekt zu Sarah Moore Fitzgeralds erstem, bei Fischer erschienenen, Titel "Das Apfelkuchenwunder".

Sarah Moore Fitzpatrick hat einen leichten Schreibstil. Ihre Sätze sind kurz und ihr Stil ist flüssig und sprachlich wirklich schön. Die Geschichte erzählt sie aus Mintys Sicht. Gut gewählt, denn so bekommt der Leser direkt einen guten Zugang zu ihrer Gefühls- und Gedankenwelt. Ich mochte sie sehr gerne und es hat Spaß gemacht Zeit mit ihr zu verbringen. Sie ist ein nettes Mädchen, das nicht so recht weiß wo es steht und versucht seinen Platz im Leben zu finden. Besonders nach der Trennung ihrer Eltern fällt ihr das schwer. Ned wird ein wichtiger Bestandteil auf dieser Suche nach sich selbst, denn er zeigt ihr, mehr unbewusst, was alles in ihr steckt.

Auch die Handlung fand ich toll, zumindest anfangs. Sarah Moore Fitzpatrick versucht eine ausgewogene Mischung aus unbeschwerter Jugend und ernsthaften Themen zu kreieren, was ihr zunächst auch gelingt. Es geht unter anderem um Selbstfindung, aber auch darum Vorurteile zu bekämpfen, es geht um Mut und um Freundschaft. Im weiteren Verlauf werden Neds Pferde allerdings immer wichtiger und rücken in den Fokus. Einerseits war das für mich nachvollziehbar, weil Minty ja über sich hinauswachsen will und soll, was ihr durch die Liebe zu den Pferden gelingt, aber andererseits rutschten andere, wichtigere Themen dadurch in den Hintergrund und wurden zu oberflächlich behandelt.

Das Ende war mir zu wenig durchdacht und kam leider viel zu plötzlich.

Fazit:
Würde ich zur Zielgruppe der 12-14-Jährigen gehören und hätte obendrein noch ein Faible für Pferde, so hätte mich "All die verborgenen Dinge" wohl sehr sehr glücklich gemacht.

Da dies aber nicht der Fall ist muss ich leider sagen, das mich die Geschichte zwiespältig zurücklässt. Sarah Moore Fitzpatrick hat einen schönen, flüssigen Schreibstil; Idee und Ansätze sind wirklich toll, doch in der Umsetzung wurde an Tiefe gespart, es gibt zu viele Oberflächlichkeiten und ein irgendwie abruptes Ende.

Bewertung vom 28.03.2017
Das Schloss in den Wolken
Montgomery, Lucy Maud

Das Schloss in den Wolken


ausgezeichnet

Viel zu lange schon lag dieser liebreizende, neuaufgelegte Klassiker nun schon auf dem Stapel meiner ungelesenen Bücher, bis ich ihn jetzt, durch das #JdKöKi endlich zur Hand nahm.
Hätte ich das doch nur schon viel früher getan !!! Denn in diesem zart anmutenden Büchlein schlummert eine absolut innige und amüsante Geschichte, die mein Herz im Sturm erobert hat und sich in die Riege meiner Lieblingsgeschichten einreihen wird.

Lucy Maud Montgomery erzählt in beschwingtem, leichten, den 1920er-Jahren entsprechenden Ton; den man durchaus als "etwas aus der Mode geraten" bezeichnen möchte, den ich aber gerade deshalb so herrlich erfrischend fand; die Geschichte von Valancy Stirling.

Valancy ist 29 Jahre alt und noch immer unverheiratet, für die damalige Zeit also eine "alte Jungfer", was ihre bucklige Verwandtschaft niemals müde wird, ihr unter die Nase zu reiben. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Tante zusammen und hat schon lange wirklich genug von den blöden Witzen auf ihre Kosten, aber vor allem davon, das man sie andauernd herumkommandiert und in eine Rolle zwängt in der sie gar nicht sein möchte.
Als sie eines Tages eine erschütternde Nachricht erhält, hat sie schließlich genug und fasst einen Entschluss. Sie hat genug von ihrem öden Leben, all den Konventionen, die ihr die Luft abschnüren. Und genau deshalb zieht sie aus und beginnt zu Leben !
Zum Entsetzen aller Stirlings, die meinen sie sei verrückt geworden.

"Das Schloss in den Wolken" ist eine herrliche Komödie, aber auch eine berührende und tiefgründige Geschichte über das Leben, die Liebe, über Vorurteile und die Angst. Und eine Hommage an die kanadische Wildnis mit all ihren Facetten, die mich wirklich beeindruckt hat.
Lucy Maud Montgomerys Darstellungen der Natur sind detaillert und so bildlich, das man sich wünscht man wäre dort.

Auch ihre Charaktere hat sie großartig ausgearbeitet. Sie sind auf entzückende Art alle etwas eigenwillig und verschroben, aber genau das macht sie so liebenswert.
Die Geschichte wird aus Sicht einer dritten Person erzählt, was manchmal ja durchaus dafür sorgt, das man nur schwerlich einen wirklich guten Zugang zu den Figuren bekommt. Dies war hier überhaupt nicht der Fall, ich war von Anfang an, an Valancys Seite und habe sie und auch alle anderen Figuren, auch wenn sie manchmal noch so nervig waren und übertrieben handelten, in mein Herz geschlossen. Valancy ist für mich eine Heldin. Sie ist gutherzig und schlau, vielleicht nicht besonders hübsch vom Äußeren, doch wunderschön im Inneren.

Hach, ich bin verzaubert und hätte ewig weiterlesen mögen. Das Ende kommt hier wirklich viel zu schnell, dafür aber mit wirklich überraschenden Wendungen die ich bis zuletzt nicht habe kommen sehen.

"Das Schloss in den Wolken" ist ein wahrlich perfektes Königskind.

Bewertung vom 27.03.2017
To the Stars - Wenn du die Sterne berührst / Thatch Bd.2
McAdams, Molly

To the Stars - Wenn du die Sterne berührst / Thatch Bd.2


sehr gut

Meinung:
Das "To the Stars" der zweite Band einer Reihe ist, habe ich erst gemerkt, als zwei Nebenfiguren ins Spiel kamen, bei denen direkt klar war: Da muss es eine Vorgeschichte geben. Dr. Google hat mir dann mitgeteilt, das dem tatsächlich so ist. "Letting Go" heißt der Vorgänger und beide Bücher kann man unabhängig voneinander lesen. Allerdings spoilert man sich dann, wie in meinem Fall, ein ganz kleines bisschen. Fand ich jetzt allerdings weniger schlimm, vielleicht aber auch deshalb, weil ich nicht sicher bin, ob ich Band 1 überhaupt lesen möchte.

Denn mit Molly McAdams verbindet mich mittlerweile, wie mit so vielen anderen Autorinnen des Genre New Adult, eine Art Hassliebe. Mal überraschen mich ihre Bücher durch geschickte Plottwists, mal enttäuschen sie durch zu viel Kitsch und zu viel Vorhersehbarkeit. Deshalb bin ich mittlerweile sehr vorsichtig, wenn ich mich für eins ihrer Bücher entscheide und höre schon beim Lesen des Klappentextes auf mein Bauchgefühl, das bei "To the Stars" ein recht eindeutiges Signal gesendet hat.
Und tatsächlich hat mich die Geschichte von Harlow und Knox sehr berührt.

Die beiden treffen sich auf einem Konzert und irgendwie sprühen sofort die Funken und sie wissen: Sie gehören zueinander. Doch der Altersunterschied macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, denn Harlow ist gerade mal süße 15, während Knox in einigen Wochen die Volljährigkeit erreicht.
Er verspricht Harlow, auf sie zu warten.
Doch dann,mit Harlows 18. Geburtstag, kommt alles anders. Harlow hat nicht gewartet und bindet sich an einen anderen Mann, der ihr das Leben nach der Hochzeit zur Hölle macht. Jeder Tag wird zu einem Martyrium für die junge Frau und es wird noch schlimmer, als sie Knox zufällig, nach Jahren, wiedertrifft. Knox, der nie aufgehört hat sie zu lieben, der an ihrem Verhalten sofort erkennt, das mit ihr etwas nicht stimmt und der fest entschlossen ist, sie aus ihrer grauenhaften Ehe zu befreien....

Die Handlung wendet sich in eine völlig andere Richtung als erwartet und plötzlich spielt das Thema Häusliche Gewalt die zentrale Rolle. Molly McAdams Schilderungen sind so anschaulich beschrieben, das ich ein ums andere Mal ins Buch hätte kriechen wollen um selbst gewalttätig gegenüber Harlows Ehemann zu werden. Es hat mich unfassbar wütend gemacht, was er Harlow antut, sowohl physisch als auch psychisch.
In Knox sieht sie einen Rettungsanker, doch sie weiß auch, das damit auch alles nur noch schlimmer werden kann. Und ER kann nicht tatenlos zusehen.

Ich fand die Geschichte wirklich sehr sehr spannend. Schon alleine deshalb weil es immer wieder Situationen gibt, in denen sowohl Harlow als auch Knox beinah fahrlässig agieren und man das Gefühl hat, das sie gleich auffliegen. Das sorgte durchaus für den ein oder anderen Adrenalinschub und konnte mich fesseln.

Im letzten Drittel lässt die Autorin dann aber leider total nach, was mich zu einem kleinen Punktabzug veranlasst. Hier geschehen Dinge für meinen Geschmack viel zu einfach und zu wenig durchdacht und Molly McAdams driftet mal wieder, wie schon bei Taking Chances, in den Friede-Freude-Eierkuchen-Modus ab.
Das Ende hätte man anders lösen können, hätte ich persönlich auch viel spannender gefunden, aber okay.

Fazit:
In seiner Gesamtheit betrachtet, fand ich "To the Stars" wirklich gut und vor allem sehr sehr spannend. Ich mochte die Protagonisten und den angenehmen Schreibstil. Weniger überzeugen konnte mich die Autorin allerdings mit der Auflösung und dem Ende der Geschichte, da wäre, für meinen Geschmack, weniger deutlich mehr gewesen.