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Die historischen Studien untersuchen die Zusammenhänge zwischen ideologischer Grundlage, wirtschaftlichem Nützlichkeitsdenken und politischer Praxis im Umgang mit den "Fremden" in Deutschland im Verlaufe des 20. Jahrhunderts. Folgende Themenkomplexe werden diskutiert: - die politischen und geistesgeschichtlichen Traditionen des Rassismus; - die Widersprüche zwischen wirtschaftlichen und ideologischen Zielsetzungen bei der Beschäftigung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern; - das Verhalten der deutschen Arbeiterschaft während der Diktatur; - die Ausgrenzung der ausländischen Opfer des…mehr

Produktbeschreibung
Die historischen Studien untersuchen die Zusammenhänge zwischen ideologischer Grundlage, wirtschaftlichem Nützlichkeitsdenken und politischer Praxis im Umgang mit den "Fremden" in Deutschland im Verlaufe des 20. Jahrhunderts. Folgende Themenkomplexe werden diskutiert:
- die politischen und geistesgeschichtlichen Traditionen des Rassismus;
- die Widersprüche zwischen wirtschaftlichen und ideologischen Zielsetzungen bei der Beschäftigung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern;
- das Verhalten der deutschen Arbeiterschaft während der Diktatur;
- die Ausgrenzung der ausländischen Opfer des NS-Regimes bei der westdeutschen "Wiedergutmachung" nach 1945/49;
- die Versuche der "Vergangenheitsbewältigung" in beiden deutschen Staaten;
- die Entwicklung der deutschen Ausländerpolitik.
(Dieser Text bezieht sich auf eine frühere Ausgabe.)
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.30043
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 125mm x 20mm
  • Gewicht: 298g
  • ISBN-13: 9783596300433
  • ISBN-10: 3596300436
  • Artikelnr.: 41814221
Autorenporträt
Herbert, Ulrich
Ulrich Herbert, geboren 1951, ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg i.Br. - 1999 erhielt er den renommierten Leibniz-Preis.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.11.1995

Deutsch rasserein
Über Arbeit, Volkstum, Weltanschauung im Nationalsozialismus

Ulrich Herbert: Arbeit, Volkstum, Weltanschauung. Über Fremde und Deutsche im 20. Jahrhundert. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1995. 272 Seiten, 26,90 Mark.

Wo immer Rassenhaß und Fremdenfeindlichkeit wirksam werden, haben sie spezifische Ursachen und Anlässe. Auch das Verhältnis der Deutschen zu Fremden im eigenen Land und zu Mitbürgern, die als fremd empfunden werden, ist von eigener Art. Es fußt auf dem Bewußtsein von einer ethnisch fundierten Einheit des deutschen Staatsvolkes. Dieses wiederum hat seine historischen Wurzeln in den Entwicklungen, die schließlich zur Entstehung der "verspäteten Nation" der Deutschen geführt haben, und findet bis heute seine rechtliche Stütze in dem ethnisch definierten deutschen Staatsangehörigkeitsrecht.

Die Erforschung der exzessiven rassistischen Fremdenfeindlichkeit im Deutschland der Nazizeit setzte - sieht man von der mörderischen Systematik des Holocaust ab - erst relativ spät ein. Der Freiburger Historiker Ulrich Herbert behandelt in seinem Buch über das Verhältnis von Deutschen zu Fremden im 20. Jahrhundert, in dem er neun Aufsätze aus den letzten Jahren zusammengefaßt hat, markante Teile dieser Thematik. Sein Ausgangspunkt ist eine dreifache Fragestellung: Was wird in Deutschland gemeinhin und mit welchen Auswirkungen als "fremd" und was als "deutsch" verstanden? Auf welcher ideologischen Grundlage kam es zu dem exzessiven und mörderischen Rassen- und Fremdenhaß in Nazi-Deutschland? Und wie wurden (in engem Zusammenhang mit ihm) in Deutschland Arbeit und Leistungsfähigkeit von Deutschen einerseits und von Ausländern andererseits bewertet?

Der zeitliche Bogen spannt sich von den Anfängen völkisch-rassistischen Denkens und einer Beschäftigung von unterprivilegierten ausländischen Arbeitern (vor allem aus Polen) in Deutschland zu Beginn des Jahrhunderts bis zu den (nur kursorisch behandelten) Problemen des heutigen Umgangs mit ausländischen Arbeitnehmern und Asylbewerbern. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt bei dem Zusammenhang zwischen deutschem Rassismus und der Arbeit von Ausländern in und für Deutschland bis hin zu deren Vernichtung durch Arbeit. Nachgezeichnet wird die Entwicklung von einem "Radauantisemitismus" (mit seinem Höhepunkt 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht") zu einem als "wissenschaftlich" verstandenen Antisemitismus mit seinem Höhepunkt im Holocaust. Bemerkenswert ist die Darstellung der Schwierigkeiten, die die Nazi-Ideologen hatten, als sie während des Zweiten Weltkrieges für die Kriegsindustrie ausländische Arbeitskräfte benötigten, gleichzeitig aber "die deutsche Rasse rein halten" wollten. Und deutlich wird, wie sich im Kriege eine gewisse (amtlich geschürte) Angst in der deutschen Bevölkerung gegenüber den vielen ausländischen Zwangsarbeitern mit einer Lethargie gegenüber deren Unterdrückung und Vernichtung verband.

Kritisch, da als zu restriktiv, sieht der Autor die deutschen Verfahren für Wiedergutmachung an den im Zweiten Weltkrieg zur Arbeit in Deutschland gezwungenen Ausländern und die einschlägige, das Unrecht und die Grausamkeiten häufig minimierende Rechtsprechung (für die er Beispiele gibt). Er findet es beunruhigend, daß hier nur "gezahlt wurde, damit endlich Ruhe gegeben wird, ohne den Gegenstand der Forderung selbst öffentlich und nachdenklich zu debattieren".

Angesichts der Bedeutung des Themas und dessen, was der Autor zu ihm zu sagen hat, hätte man sich statt einer Aufsatzsammlung ein systematisches Werk gewünscht. Denn zuzustimmen ist dem Fazit des Autors zur Rezeption des Nationalsozialismus in Deutschland: "Mit dem zunehmenden Abstand von diesem Berg an Geschichte wird seine Größe erst sichtbar, und vieles, was wir heute als spezifisch nationalsozialistisch ansehen, galt vordem als solches nicht, wie die Verfolgung der sogenannten ,Asozialen', der ,Zigeuner' . . ., oder auch die Heranziehung von Millionen ausländischer Zwangsarbeiter. Die ,Vergangenheitsbewältigung' in Deutschland war und ist also ein Prozeß der kontinuierlichen Selbstvergewisserung über die fortwirkenden Traditionen der NS-Vergangenheit, deren Ausmaß und Gestalt sich nur schrittweise erschließen." HANS ARNOLD

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