Thomas Jefferson - Nicolaisen, Peter
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Thomas Jefferson, der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, war einer der führenden Politiker in der jungen amerikanischen Republik. Er vertrat die USA am Hofe Ludwigs XIV. und wurde später ihr dritter Präsident. Nicht weniger bestimmend als in Politik und Gesetzgebung wirkte er auf den Gebieten von Wissenschaft und Kultur, ob als Architekt, Archäologe, Kunstsammler oder als einer der Planer der Hauptstadt Washington. Noch in unserer Zeit orientieren sich amerikanische Präsidenten an seinem Vorbild.…mehr

Produktbeschreibung
Thomas Jefferson, der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, war einer der führenden Politiker in der jungen amerikanischen Republik. Er vertrat die USA am Hofe Ludwigs XIV. und wurde später ihr dritter Präsident. Nicht weniger bestimmend als in Politik und Gesetzgebung wirkte er auf den Gebieten von Wissenschaft und Kultur, ob als Architekt, Archäologe, Kunstsammler oder als einer der Planer der Hauptstadt Washington. Noch in unserer Zeit orientieren sich amerikanische Präsidenten an seinem Vorbild.
  • Produktdetails
  • rororo Monographien Nr.405
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 160
  • Erscheinungstermin: September 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 116mm x 12mm
  • Gewicht: 151g
  • ISBN-13: 9783499504051
  • ISBN-10: 3499504057
  • Artikelnr.: 05793994
Autorenporträt
Nicolaisen, Peter
Peter Nicolaisen, geb. 1936 in Hamburg, lehrte bis zu seiner Pensionierung englische und amerikanische Literatur an den Universitäten Flensburg und Kiel. Veröffentlichungen über Ernest Hemingway, William Faulkner, die Literatur der amerikanischen Südstaaten. Für «rowohlts monographien» schrieb er die Bände über Thomas Jefferson, William Faulkner und Joseph Conrad. Peter Nicolaisen starb 2013 in Flensburg.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.11.1995

Naturgeschichte der Freiheit
Auf Thomas Jeffersons Spuren / Von Alexandre Métraux

Ging man im Jahr 1820, aus westlicher Richtung kommend, durch die Gärten, die Thomas Jefferson nach seinen Vorstellungen auf Monticello, seiner Residenz in Virginia, hatte bauen lassen, fiel der Blick auf ein geräumiges Haus, das zu beiden Seiten von einer Baumreihe gesäumt war. Die Baumreihen, die zu einem kleinen Pavillon führten, bildeten gleichsam einen Hof, der zum Flanieren zwischen Stauden-und Blumenbeeten einlud. Ein Portikus mit einem antiken Dreiecksgiebel zur Zierde, eine leicht zum Mittelpunkt des Gebäudes versetzte Kuppel, als Kontrapunkt zum eckigen Mauerwerk der Flügel gesetzt - so hatte Jefferson, der in die Baukunst Andrea Palladios verliebte Architekt, sein Haus gewollt. Was er über Jahre zuerst in Skizzen vorweggenommen, dann nach den Regeln der Baukunst modelliert und mehrfach verändert hatte, war weder ein Lustgarten noch ein Musentempel, sondern das ländliche Refugium eines Staatsmanns, der am 4. Juli 1826, exakt fünfzig Jahre nach der Unterzeichnung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, so hoch angesehen wie verschuldet starb - am selben Tag wie John Adams, sein Vorgänger im Amt des Staatspräsidenten, auch er ein Unterzeichner des Freiheitsdokuments.

Jefferson war in Zahlen und Beobachtungsprotokolle vernarrt. Er führte Buch über das Wetter, seine zweihundert Sklaven, die Ernten, das Wachstum der Pflanzen in den Beeten seines Gartens und noch manches mehr. Das ist allerdings, wie die von Peter Nicolaisen verfaßte Biographie zu vermitteln weiß, nur als Oberflächenerscheinung einer wissenschaftlichen Leidenschaft zu sehen, die auch der politischen Arbeit zugute kam. Die jungen Vereinigten Staaten, die um der Behauptung ihrer Autonomie willen mit dem englischen Königreich Krieg führten, waren für die Gründerväter, bei aller Differenz ihrer Temperamente, kein Objekt, mit dem man auf der Suche nach einer republikanischen Gesellschaftsordnung experimentieren durfte. Gedankenexperimente und konkrete Forschungen hatten im politischen Handeln, nebst der obligaten Mobilisierung des "common sense", zwar durchaus ihre Rolle zu spielen, jedoch nur zur Vorbereitung von Entscheidungen, die von der Legislative und der Exekutive zum Wohl der Nation zu treffen waren.

Die Karriere des am 13. April 1743 in Shadwell, Virginia, geborenen Thomas Jefferson als eines Staatsmannes, der mit seinen völkerrechtlichen und gesellschaftspolitischen Anschauungen bei seinen anglophilen Widersachern bald Spott, bald Zorn hervorrief, und als eines Amateurforschers, der den Vergleich mit dem damaligen Wissenschaftsgiganten Benjamin Franklin keineswegs zu scheuen brauchte, auf 160 Druckseiten konzis darzustellen, erfordert viel narratives Geschick. Schon die aus Jeffersons Feder stammenden Quellen füllen mehr als fünfundzwanzig Bände; mehrere davon enthalten die immense Korrespondenz, die fast lückenlos überliefert ist, weil der unermüdliche Briefeschreiber die empfangenen Botschaften sorgfältig archivierte und für seine Schreibarbeit einen Polygraphen erfunden hatte - ein Kopiergerät, das die Verdoppelung des Schriftzugs bewerkstelligte.

Die Monographie Peter Nicolaisens gibt der Lebensgeschichte Jeffersons eine einprägsame Kontur. Das gilt auch für das Buch des französischen Amerikanisten Claude Fohlen, der die Paris-Episode Jeffersons zu einem gut lesbaren Text verdichtet hat. Fohlen schildert, wie die Vereinigten Staaten während des Unabhängigkeitskrieges Waffen und andere lebenswichtige Güter aus Frankreich importiert hatten und - mangels Liquidität - auf diplomatischem Wege Umschuldungen bei den europäischen Kreditgebern zu erwirken und neue Handelsverträge zu schließen versuchten. Zu diesem Zweck wurde Jefferson nach Europa entsandt. Am 5. August 1784 traf er in Paris ein, wo er sich bis zum 26. September 1789 aufhielt, um zuerst den kränkelnden Franklin zu entlasten und dann, nach dessen Rückkehr in die Neue Welt, selbständig Verhandlungen zu führen - und nebenbei der Gelehrsamkeit und dem Kunstgenuß zu frönen.

In seinem Gepäck führte Jefferson das auf Monticello abgeschlossene Manuskript seiner "Betrachtungen über den Staat Virginia" mit. Entstanden war diese - nach damaligen Begriffen - naturhistorische Studie als Antwort auf Fragen, die der französische Gesandte in Philadelphia, François Marbois, 1780 an angesehene Mitglieder des amerikanischen Kongresses gerichtet hatte. Diese Betrachtungen wurden 1786 in Paris zuerst in der Originalsprache, kurz danach in französischer Übersetzung veröffentlicht. Sie enthalten eine üppige Beschreibung der Naturgegebenheiten Virginias. An prominenter Stelle findet sich eine Textpassage, in der Jefferson seine naturhistorischen Beobachtungen zu einem Generalangriff auf eine These Georges Louis Buffons bündelte - mit dem Gespür eines Staatsmanns, den die politischen und ökonomischen Implikationen jener These nicht zur Ruhe kommen ließen. Buffon nämlich hatte behauptet, die klimatischen Bedingungen der Neuen Welt seien der Entfaltung der Lebensformen abträglich. Kurz gesagt: es ging um die Degenerationstheorie.

Nun wurden Temperatur, Licht und Feuchtigkeit, die Beschaffenheit des Bodens, Überfluß oder Kargheit der, wie es damals gelegentlich hieß, "natürlichen Produktionen", von Gelehrten des 18. Jahrhunderts immer wieder mit der Entwicklungsgeschichte der Lebensformen in Zusammenhang gebracht. Mit den klimatologisch-geographischen Theorien ließen sich die Bedingungen namhaft machen, die für Gedeih oder Verderb von Pflanzen, Tieren und Menschenverbänden verantwortlich sind. Die Gelehrten bedienten sich der Handels- und Kriegsflotten als des verkehrstechnischen Unterbaus ihrer Beobachtungen: Exotische Pflanzen- und Tierspezies wurden über die Weltmeere nach Europa geschifft und in umgekehrter Richtung Vertreter europäischer Arten in die Kolonien exportiert - dies alles für biologische Versuchsreihen unter variierenden Umweltbedingungen und zwecks Optimierung der Landwirtschaft.

In der Auseinandersetzung mit Buffons Degenerationsthese schwebte Jefferson zweierlei vor. Einerseits wollte er mit schlichten Tierkörpermessungen und anderen quantitativen Daten eine falsche Theorie aus der Welt schaffen. So ließ er denn Buffon ein Widmungsexemplar der "Betrachtungen" samt dem Skelett einer, verglichen mit ihren europäischen Verwandten, überdimensionierten nordamerikanischen Elchart überbringen. Buffon, in seiner Eitelkeit getroffen, lenkte nur halbherzig ein. Daneben mußte Jefferson daran gelegen sein, emigrationswilligen Europäern (und amerikanischen Sklavenhändlern) die Angst vor angeblichen Degenerationsgefahren in der Neuen Welt zu nehmen.

Daß Jefferson, Franklin, John Adams und James Madison im Bannkreis des Newtonianismus als einer sozial wirksamen Denkform standen, ist seit langem bekannt. Doch die Geschichtswissenschaft hat sich kaum darum bemüht, den Konsequenzen dieser Tatsache nachzuforschen. Der Nachlässigkeit Clios hat der in Harvard lehrende Wissenschaftshistoriker Bernard Cohen entgegenwirken wollen. Beim Durchbuchstabieren des Newtonianismus ist der Autor indes gleichsam auf halber Strecke ins Stocken geraten. So wird einem zwar beigebracht, daß Jefferson Newtons "Principia" studiert, daß er unter Anwendung der Newtonschen Kalkülregeln einen neuartigen Pflug gebaut (und dafür 1807 eine Auszeichnung der französischen Gesellschaft für Agronomie erhalten) oder daß er dem für die Unabhängigkeitserklärung vorgeschlagenen Ausdruck "Laws of Nature", mit denen die Lossagung von der widernatürlichen Bindung an die britische Krone begründet wurde, nicht einen naturrechtlichen, sondern einen naturwissenschaftlichen Sinn unterlegt hat. Aber aus wissenschaftshistorischem Purismus dem einen oder anderen Politiker der amerikanischen Gründerzeit Abweichungen vom Kanon der Newtonschen Lehren anzulasten, fördert die Einsicht in die Zusammenhänge zwischen dem gesellschaftspolitischen Diskurs und den um 1750 längst zum modischen Newtonianismus stilisierten naturwissenschaftlichen Begleittexten nicht - bei aller Anerkennung der ansonsten gelungenen Interpretationen wenig bekannter Quellen.

Peter Nicolaisen: "Thomas Jefferson". rororo-monographie. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1995. 160 S., Abb., kt., 12,90 DM.

Claude Fohlen: "Jefferson à Paris 1784-

1789". Perrin, Paris 1995. 238 S., kt., 108 frz. Franc.

I. Bernard Cohen: "Science and the Founding Fathers". Science in the Political Thought of Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, John Adams and James Madison. W. W. Norton, New York, London 1995. 360 S., geb., Abb., 17,95 brit. Pfund.

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