Redaktionstipp: Krimi des Monats

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Krimi des Monats September

Totensee

Sophie Czerny

Eine Mutter, deren Tochter entführt wurde, ist verzweifelt.

Eine Ermittlerin, deren Tochter entführt wurde, ist bereit zu töten.

Gnadenloser Pageturn-Thriller , der dich nicht mehr schlafen lässt

Ada Sabel ist am absoluten Tiefpunkt: Niemand glaubt der suspendierten Kommissarin vom LKA Wien, dass ihre 14-jährige Tochter entführt wurde. Seit fünf Monaten muss sie die Ungewissheit ertragen, ob Mara noch am Leben ist. Und mit jedem Tag, an dem sie keinen Hinweis auf Maras Verbleib findet, wächst die Strichliste aus Schnitten an ihren Armen. Bis zu Tag 145, als am Ufer des Donaukanals eine kopflose Leiche auftaucht, auf deren Rücken Adas Name in blutigen Buchstaben eingeritzt ist.

Ada ist sich sicher: Die Botschaft stammt von Maras Entführer. Fieberhaft folgt Ada der Spur auf eigene Faust – nicht ahnend, dass sie mit jedem Schritt auch den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit näherkommt …

Nervenaufreibende Spannung aus Wien. Ein abgründiger Psychothriller für Leser*innen von Karin Slaughter, Bernhard Aichner und für alle Fans von Lisbeth Salander

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Buch (Taschenbuch)

16,99 €

Krimi des Monats September

KRIMITIPP DES MONATS: Sophie Czerny, „Totensee“

 

TEXT

 

Es ist nicht ganz einfach, über Sophie Czernys Thrillerdebüt „Totensee“ zu schreiben, ohne zu spoilern. Die Autorin erzählt eine packende Geschichte über Schuld, verdrängte Traumata und darüber, was diese anrichten können. Dabei nimmt sie uns in ihrer Story mit zu vielen Orten und Schauplätzen und springt immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her.

 

Die Hauptfigur, Ermittlerin Ada Sabel, ist noch keine 40, aber fühlt sich emotional wie eine alte Frau. Seit Kurzem. Denn ihre Tochter Mara ist seit fünf Monaten verschwunden. Eigentlich hat Ada sehr viel Energie, doch die „Ereignisse der letzten Monate hatten ihr Kraftreservoir von der Größe eines Stausees zu der einer Regenpfütze schrumpfen lassen“. Ein verschwundenes Kind, eine Jugendliche – der Albtraum aller Eltern. Verzweiflung, Angst, Gefühle von Ohnmacht und die Frage, ob man selbst auch Schuld trägt – das alles treibt Ada um.

 

Eine geheimnisvolle Leiche – ohne Kopf

 

Vor allem aber ist sich Ada sicher: Mara ist nicht einfach abgehauen, sondern wurde entführt. Leider glaubt ihr das niemand so richtig, denn Ada Sabel ist kein einfacher Mensch. Eine Grenzgängerin, die sich ritzt und Adrenalinkicks nur bei der Hochschaubahn im Wiener Prater oder bei anonymem Sex erlebt. Emotionale Nähe geht gar nicht, auch nicht mit ihrer Tochter. Dass Ada aktuell suspendiert ist, macht die Sache nicht einfacher. Dann taucht eine Leiche auf. Ihr Kopf fehlt, und auf ihren Rücken wurde ein Name geritzt: „ADA“.

 

Immer wieder wechseln wir die Orte. Von Wien geht es nach Berlin, wo eine Frau namens Frida zur Polizei gehen will. Zu viel Schuld laste auf ihr, sie wolle reinen Tisch machen – und hat einen alten Bekannten zum Gespräch gebeten. Kurz darauf ist sie tot, erstickt mit einem Zierkissen. Wie kam Fridas Leiche von Berlin in den Wiener Donaukanal? Und wer hat „ADA“ in ihren Rücken geritzt – und warum?

 

Bei den erzählerischen Trips in die Vergangenheit gibt es einen Schauplatz, der immer wiederkehrt: ein katholisches Heim in der Nähe von München. Es ist ein Ort des Schreckens – und wir erleben ihn. 14 Jahre reicht all das zurück. An diesem Ort helfen weder Weinen noch Betteln: „Und sollte ER dich irgendwann holen, mach einfach die Augen zu und stell dir vor, du wärst an einem anderen Ort. Irgendwo, wo es schön ist, hörst du?“ Wer neu ist, bekommt diesen Satz zu hören. Seine Bedeutung: „Willkommen in der Hölle!“

 

Eine Suche als Höllentrip

 

Welche Verbindung gibt es zwischen diesem grauenhaften Kinderheim, der toten Frida und Ada, der Ermittlerin? Welche Rolle spielt der Mann mit dem Armstumpf, den Frida zum Gespräch gebeten hat? Und wer hat Adas Tochter entführt? Dabei ist sich Ada sicher: Maras Entführer verfolgt einen schrecklichen Plan. Auch über ihn erfahren wir nach und nach mehr – unter anderem, dass Mara nicht sein erstes Opfer ist.

 

Für Ada wird die Suche nach ihrer Tochter zum Höllentrip. Ihre Vergangenheit hatte sie begraben, so tief, dass sie keinen Zugang mehr zu ihr hatte. Doch nun kommt Stück um Stück ans Licht, muss ans Licht kommen, damit Ada verstehen kann, worum es hier geht und mit welchen Dämonen sie es zu tun hat. Diese Suche wird Ada alles abverlangen. Aber wird es ihr auch gelingen, ihre Tochter Mara zu retten?

 

„Ein rasantes Thrillerdebüt, das einen nicht zu Atem kommen lässt“, das sagt Bestsellerautorin Ursula Poznanski über „Totensee“. Rasant ist er wahrlich, dieser Thriller. Dabei bindet die Autorin die Szenenwechsel zwischen den vielen Schauplätzen gekonnt in die Dramaturgie und ihr Tempo ein, nimmt uns mit in die Dunkelheit von „Totensee“. Ein herausragendes Debüt, zugleich beklemmend und mitreißend – und mit einer einzigartigen Ermittlerin!

 

ERMITTLERINNENPORTRÄT ADA SABEL


Wenn Ada Sabel aufwacht, rast ihr Herz, und sie ist klatschnass geschwitzt. Albträume peinigen sie schon sehr lange – und seit fünf Monaten begleitet sie ein Schmerz, der kaum auszuhalten ist: Ihre Tochter Mara ist verschwunden. Ada ist sich sicher, dass sie entführt wurde. Ada fühlt sich seither „wie eine Greisin“.

 

Adas Wohnung in Wien wirkt, als wäre sie gerade erst eingezogen. Ist sie aber nicht. Neben dem Bett gibt es nur noch ein Sofa, der Rest der „Einrichtung“ besteht aus Kartons. Und seit Maras Verschwinden trägt Ada die Sachen ihrer Teenager-Tochter: schwarzes „Grufti“-Outfit, bodenlanger Kapuzenmantel, Lederkorsage, dazu Springerstiefel und ein Kreuz um den Hals.

 

Dass Ada Sabel ein fotografisches Gedächtnis hat, hilft ihr zwar bei ihren unorthodoxen Ermittlungen, die sie als gerade Suspendierte oft ohne Genehmigung führt. Doch mit ihren Abgründen ist Ada allein. Und diese haben eine Geschichte, die lange vor Maras Entführung begonnen hat. Ada schneidet sich, immer wieder tropft Blut aus den Verbänden, die sie sich anlegt. Ihr Ventil, wenn gar nichts mehr geht: Sie betritt eine Bar, fragt: „Irgendwer Bock auf Sex?“ – und natürlich findet sich immer einer, der Bock hat. Oft genug hilft aber auch diese „Methode“ nicht, sie spürt einfach nichts mehr, vor allem: sich selbst nicht mehr. Was hilft, um das Gefühl herzustellen, überhaupt noch am Leben zu sein? Manchmal die Fahrt mit einer der Hochschaubahnen im Wiener Prater. Der Adrenalinkick beim freien Fall setzt eine „längst vergessene Wärme“ frei.

 

Als Mutter war Ada nie so wie die meisten anderen Mütter. Das hat ihr Mara auch oft vorgeworfen. Keine Umarmung, kaum körperliche Nähe, kein Kuss. Welche Traumata Ada zu dem Menschen gemacht haben, der sie nun ist, das erfahren wir in „Totensee“. Denn für manche Kinder ist der Ort, an dem sie sein müssen, nichts anderes als die Hölle. Und wer diese Hölle überlebt, trägt Narben davon und einen Schmerz in sich, der oft genug unbeherrschbar scheint. Und dann zu Wut wird ...

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