Benutzername: Lesezeiten
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Bewertungen

Insgesamt 59 Bewertungen
Bewertung vom 15.08.2017
Das Mädchen im Dunkeln - Psychothriller (Gekürzt) (MP3-Download)
Blackhurst, Jenny

Das Mädchen im Dunkeln - Psychothriller (Gekürzt) (MP3-Download)


schlecht

Mit diesem Buch wollte ich nach "AchtNacht" von Sebastian Fitzek den zweiten Vorstoß in ein fremdes Genre wagen - der aber leider schon nach kurzer Zeit endete und noch erfolgloser war als der erste. Ich kann nicht für immer Jugendbücher lesen, aber es muss ja wohl auch irgendwo andere spannende Bücher geben - leider gehört dieses hier aber keinesfalls dazu.

Ich habe mich wirklich bemüht und mir sogar das Hörbuch besorgt, um mich nicht so sehr zu langweilen - vergeblich. Mir ist es vollkommen unverständlich, wie man das Buch von Jenny Blackhurst als Psychothriller bezeichnen kann, denn meiner Meinung nach ist es bestenfalls ein kurzer Groschenroman - zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich es abgebrochen habe. Zugegebenermaßen habe ich nämlich nicht viel geschafft, gerade mal knapp drei von sieben Stunden, aber ich wollte einfach nicht noch mehr meiner Zeit verschwenden.

Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzählt, aus der Sicht von Karen, Bea, Eleanor und einer vierten unbenannten Person. Außerdem gibt es - so vermute ich jedenfalls - noch irgendeine Rahmenhandlung in der Zukunft, die mich aber total verwirrt hat. Tanja Geke hat zwar eine durchaus angenehme Stimme, aber vermag es leider nicht immer, dem Zuhörer zu verdeutlichen, wo und bei wem er sich gerade befindet. Bei den Perspektivwechseln hätte man ruhig längere Pausen lassen können, denn so habe ich sie oft überhört. Außerdem hatte ich ab und zu Schwierigkeiten, wörtliche Rede von Gedanken oder die verschiedenen Dialoganteile der Protagonisten voneinander zu unterscheiden. So habe ich mir echt gewünscht, doch lieber selbst lesen zu können, denn dann merkt man sowas natürlich viel besser.

Viel mehr hat mich aber der fehlende rote Faden gestört: Das Leben der drei Freundinnen wird in aller Ausführlichkeit beschrieben, ohne dass es einen in der richtigen Geschichte auch nur einen Schritt voran bringt. Die endlosen Diskussionen und Erzählungen am Kaffeetisch über die Kindererziehung, die Haushaltsführung und die Erlebnisse in den sozialen Medien empfand ich einfach als sinnlos, denn sie spielten keine Rolle bei der Entwicklung rund um Jessica und den Mordfall. Noch dazu gibt es zu viele Personen, die zu ausschweifend charakterisiert werden und mich irgendwann bis hin zum Einschlafen langweilten.

Schnell war es also mit meiner Geduld zu Ende und - das ist für meine Verhältnisse wirklich außergewöhnlich - es reizt mich kein bisschen, zu wissen, wie dieser Möchtegern-Psychothriller wohl ausgehen mag. 


Fazit:
Meine anfängliche Neugier aufgrund des spannend klingenden Klappentextes ließ schnell nach und wandelte sich in eine deutliche Genervtheit wegen der zusammenhangslosen Aneinanderreihung belangloser Szenen dreier vom Leben gelangweilter Frauen. Es ist eine Frechheit "Das Mädchen im Dunkeln" als Psychothriller zu bezeichnen, deshalb sage ich es Euch jetzt ganz eindeutig: Gebt bloß kein Geld für diese Buch aus, denn es wäre die pure Verschwendung! Da ich mir aber nur drei von sieben Stunden angehört habe und nicht beurteilen kann, ob sich die Geschichte vielleicht noch gesteigert hätte, vergebe ich einen Stern.

Bewertung vom 10.08.2017
Love Letters to the Dead
Dellaira, Ava

Love Letters to the Dead


gut

Schon vor einigen Jahren habe ich versucht diesen Jugendroman zu lesen, musste jedoch nach einigen Kapiteln verwirrt aufgeben. Ich vermute, dass ich damals einfach noch zu jung war, um die Botschaft des Buches zu verstehen, denn diesmal hatte ich erheblich weniger Probleme. Die Grundstimmung ist wirklich düster und bedrückend - "Love Letters to the Dead" ist alles andere als ein passendes Sommerbuch - und man muss viel zwischen den Zeilen lesen, was wohl auch etwas Übung benötigt. Ein bisschen fühlte ich mich an "Als ich Dich suchte" von Lauren Oliver erinnert, denn auch hier wird beschrieben, welche fast schon irrealen Ausmaße Geschwisterliebe annehmen kann. Ava Dellaira zeigt auf dramatische Art und Weise, wie ein Todesfall eine ganze Familie zerstören kann, und auch wenn ich als Einzelkind von zwei sich noch immer liebender Eltern keinerlei persönlichen Bezug besitze, war ich ungewöhnlich oft zu tiefst getroffen.

Die Themen Erwachsenwerden und Selbstfindung spielen ebenfalls eine tragende Rolle. Was mich hierbei aber gestört hat, war das Alter der Protagonistin Laurel und ihrer Freundinnen: Wie in typischen amerikanischen Filmen, gehen die 13-jährigen jedes Wochenende auf Partys, knutschen dort mit immer neuen - natürlich älteren - Jungs und machen früh ihre ersten Alkohol- und Drogenerfahrungen. Meiner Meinung nach ist das eine zu überspitze Darstellung. Ich selbst und auch die Jugendlichen in meinem Umfeld waren jedenfalls nicht so frühreif.

Ein besonderes Erlebnis beschert das Buch dadurch, dass es komplett in Briefform geschrieben ist. Laurel schreibt ein ganzes Jahr an Kurt Cobain, Amy Winehouse, Janis Joplin uvm. und schüttet dabei ihr Herz aus. Das war durchaus abwechslungsreich, aber überforderte mich als Deutsche zugegebenermaßen das ein oder andere Mal. Oftmals reichte mein Wissen über die verstorbenen Persönlichkeiten nicht weiter als bis zum Berufsstand, wodurch ich viele Anspielungen auf deren Lebenslauf und Werke (Filme, Lieder, Gedichte) verpasst oder nicht verstanden habe.

Bewertung vom 10.08.2017
Diabolic
Kincaid, S. J.

Diabolic


sehr gut

Das Buch ist aus der Sicht von Nemesis geschrieben, einem menschenähnlichen aber gefühlslosen Wesen. Sie ist bis auf wenige Ausnahmen nicht fähig Emotionen zu spüren, weshalb der Schreibstil sehr knapp und nüchtern ausfällt. Besonders am Anfang wirkte das Geschriebene daher eher wie eine Rohfassung, die alles Wichtige grob zusammenfasst, aber absolut keine Tiefe zum Leser transportiert. Das war für mich wirklich gewöhnungsbedürftig und ich habe viel Zeit gebraucht, um mit dem Weltenbau und den Charakteren warm zu werden, aber irgendwann konnte es mich dann doch fesseln.

Es handelt sich um Science-Fiction und die zugehörigen Aspekte werden extrem gut ausgearbeitet, was man nach dem Lesen des Klappentextes eigentlich gar nicht erwartet. Gerade weil die beschriebenen Orte, Maschinen und Grandiloquay manchmal mein Vorstellungsvermögen überfordert haben, würde ich das Buch auf jeden Fall Fans von "Red Rising" oder "Rat der Neun" empfehlen.

Außerdem muss man der Geschichte auf jeden Fall zu gute halten, dass sie extrem unvorhersehbar ist: Auf Seite 230 (von knapp 500) gibt es die erste schockierende Wendung und das Buch dreht sich in eine komplett andere Richtung. Auch wenn manche Entwicklungen konstruiert erscheinen und ich ab und zu das Gefühl hatte, es "geht zu schnell", können die gesponnen Intrigen durchaus mit denen von Sarah J. Maas mithalten. Da es sich um den Debütroman von S. J. Kincaid handelt, bin ich davon überzeugt, dass sie in Zukunft noch geschickter mit Worten wird umgehen können, und bin gespannt auf den zweiten Band der "Diabolic"-Reihe.

Bewertung vom 14.07.2017
Erwachen des Lichts / Götterleuchten Bd.1
Armentrout, Jennifer L.

Erwachen des Lichts / Götterleuchten Bd.1


weniger gut

(0)
Bei der "Götterleuchten"-Trilogie handelt es sich um ein Spin-off zur "Dämonentochter"-Pentalogie, und ich muss gleich zu Beginn zugeben, dass ich das nicht wusste. Auf der Rückseite des Buches, den Klappentexten und auch im Vorwort wird nicht darauf hingewiesen, was vermutlich daran liegt, dass die Reihen in zwei verschiedenen Verlagen erscheinen bzw. erschienen sind. Auch durch die Namen habe ich leider keinen Zusammenhang feststellen können, da ich von Jennifer L. Armentrout bisher nur die "Obsidian"-Reihe gelesen hatte und somit kein Vorwissen besaß. Grundsätzlich würde ich nicht sagen, dass ich dadurch benachteiligt war, aber mein Eindruck ist eindeutig, dass "Erwachen des Lichts" doch eher für Fans geschrieben worden ist, die unbedingt wissen wollen, wie es mit Seth & Co nach "Dämonentochter - Verzaubertes Schicksal" weitergeht. Anscheinend mussten dort gegen Ende einige Figuren hart einstecken und jetzt sollen sie ihr Happy-End in dieser Reihe finden.

"Normale Leser" werden dementsprechend gründlich gespoilert, denn die Ereignisse der Hauptreihe werden ausführlichst geschildert und Figuren, die eigentlich kein einziges Mal in Erscheinung treten, von hinten bis vorne charakterisiert. Und das schlimmste daran: Diese Passagen habe ich tatsächlich genossen, denn sie waren im Gegensatz zum ganzen Rest des Buches immerhin etwas informativ. Ansonsten passiert nämlich gar nichts! Josie erfährt von ihrem Beschützer Seth, dass sie eine Halbgöttin ist, wird zur mythologischen Akademie gebracht, dort ein wenig trainiert und tritt dann gegen einen feindlichen Titanen an. Und das klingt sogar noch spannender als es in Wirklichkeit ist, denn die zwei Actionszenen - falls man sie denn überhaupt als solche bezeichnen darf - sind kurz, unspektakulär und kaum ausgearbeitet. Ganz am Rande möchte ich auch erwähnen, dass in der ersten Hälfte von "Percy Jackson - Diebe im Olymp" zu 100% dasselbe passiert. 

So sehr ich mir auch gewünscht hätte, dass die Charaktere dieses Mango wieder gut machen können, es war leider nicht so. Ganz im Gegenteil: Seth und Josie haben mich noch viel mehr gestört als die fehlende Handlung, obwohl sie auf den ersten Blick wie das Paar aus "Obsidian - Schattendunkel" wirken. Wo Daemon witzig und charmant war, ist Seth geschmacklos und pervers, wo Katy selbstbewusst und mutig war, ist Josie oberflächlich und blass.

Aber als ob Seth und Josie mich nicht schon so genug genervt hätten, ist ihre Beziehung rein körperlich und somit für den Leser absolut nicht nachvollziehbar. Und übrigens: Die Autorin scheut sich überhaupt nicht, Küsse und Bett-Szenen zu beschreiben. Tatsächlich habe ich noch kein anderes Jugendbuch gelesen, in dem sie so detailliert beschrieben wurden. Seth erzählt gefühlt alle fünf Minuten von seiner heftigen Erektion und himmelt Josies rosige Brustwarzen an - kein Wunder also, dass ich das Gefühl hatte, die Geschichte kommt überhaupt nicht voran.

Fazit:
Kaum Handlung, klischeebehaftete Hauptprotagonisten und Sexszenen am laufenden Band - mit so wenig Worten kann man "Erwachen des Lichts" beschreiben. Zwischenzeitlich war ich dermaßen enttäuscht, dass ich das Buch am liebsten gegen die Wand geworfen hätte, und ich im Endeffekt fast vier Wochen für 430 Seiten gebraucht habe. Entweder wurde die "Lux"-Reihe in Wahrheit von einer ganz andere Autorin geschrieben oder sie würde mir mit meiner mittlerweile dreijährigen Leseerfahrung auch nicht mehr so gefallen, wie sie es früher getan hat.
1,5 Sterne gibt's trotzdem für die einigermaßen actionreichen letzten 100 Seiten und dafür, dass ich als Nichtkennerin der "Dämonentochter"-Pentalogie wohl eigentlich nicht der Zielgruppe des Buches angehöre. 

Bewertung vom 28.06.2017
Gezeichnet / Rat der Neun Bd.1
Roth, Veronica

Gezeichnet / Rat der Neun Bd.1


ausgezeichnet

Veronica Roth ist eine Bestsellerautorin und ihre Trilogie "Die Bestimmung" konnte mich - genauso wie Tausend andere Menschen überall auf der Welt - vollends begeistern. Deswegen wollte ich auch ihre neue Reihe kennenlernen, allerdings habe ich mir dafür etwas Zeit gelassen. Tatsächlich habe ich im Vorfeld nämlich viele negativ gestimmte Rezensionen gelesen, das Buch seie zu kompliziert. Deswegen habe ich mir etwas überlegt, was mir im Nachhinein sehr geholfen hat und was ich Euch allen nur empfehlen kann: Nehmt Euch Zettel und Stift zur Hand oder speichert Euch meinetwegen Notizen im Handy ab und schreibt während der ersten paar Kapitel alle Namen plus Verwandschaftsverhältnisse mit. Außerdem findet sich ganz hinten ein Glossar mit den erwähnten Orten und Fremdwörtern, da könnt Ihr Euch ja ein zweites Lesezeichen reinlegen.

Nach dieser Vorkehrung stand meinem Lesevergnügen also nichts mehr im Weg, und ich stellte schnell fest: Dieses Buch macht süchtig! An vorderster Front finden sich die Hauptprotagonisten Akos und Cyra, die einen großen Teil der Genialität dieses Buches ausmachen. Akos stellt den gutmütigen, sanften und ruhigen Part da, was ich sehr erfrischend fand, da diese Rolle nun mal zumeist den Frauen teil wird. Schon von Anfang an waren mir die beiden daher überaus sympathisch, doch nach 600 Seiten habe ich noch viel mehr als das für sie gefühlt. Ihre Geschichte ist düster und brutal, doch trotzdem haben sie nicht vergessen, was Gerechtigkeit und vor allen Loyalität bedeutet. Ihre menschliche Ausstrahlung wird noch durch den fantastischen Schreibstil der Autorin unterstützt, denn sie lässt ihre Figuren alles offen, ehrlich und zügig aussprechen. Es gibt keine Geheimniskrämerei, sodass sich Cyra und Arkos nicht noch gegenseitig behindern, wie es so oft in Büchern der Fall ist. Die Dialoge waren durchgängig einfach gehalten und so formuliert, wie ich es auch selbst im echten Leben gesagt hätte. 

Das Worldbuilding ist kreativ und vielschichtig und erinnerte mich das ein oder andere Mal an die fantastische "Red Rising"-Trilogie. Verschiedene Planten, Völker sowie komplexe Machtgefüge fordern den Leser wirklich heraus, belohnen ihn aber gleichzeitig mit einer einzigartigen Geschichte. Plötzlich wartet man hinter jeder Ecke auf das nächste Geheimnis, das erst noch enthüllt werden muss, oder auf die nächste grausame Tat, die noch geschehen wird. Besonders die Gaben aller Charaktere fand ich extrem interessant, denn hier finden sich eine Vielzahl an neuen Ideen: Während Akos Immunität schon aus "Twilight" (Bella) und Cyras Schmerz aus "Goddess of Poison - Tödliche Berührung" (Twylla) bekannt sind, gibt es des weiteren Figuren, die ihre eigenen Erinnerungen gegen die anderer Menschen austauschen können oder die vollkommen unempfindlich gegenüber jeder Art von Schmerz sind und trotzdem sterben können.

Als Leser fliegt man also nur so durch die Seiten und doch sind mir ganz am Ende ein paar Dinge aufgefallen, die man hätte besser machen können: Der Leser weiß, dass es neun Hauptplaneten gibt, die jeweils ein Mitglied des Rates stellen, aber mehr auch nicht. Die Geschichte spielt immer nur auf Thuve und man hat keinerlei Hintergrundwissen über die anderen Planeten: Wie steht die Bevölkerung dort zum Strom, der ihr Sonnensystem umfließt? Wie sind die Regierungen politisch eingestellt? Wann und wie ist der sogenannte Rat der Neun entstanden? Und just in diesem Moment, in dem ich diese Rezension schreibe, kommt mir noch eine viel wichtigere Frage: Wieso nennt man diese Buch überhaupt "Rat der Neun"? Der Rat wurde in ein paar Nebensätzen erwähnt, hat ansonsten aber keinerlei Rolle gespielt. Natürlich kann das auch noch in Band 2 kommen, aber ich finde, dann hätte man diese Bezeichnung wirklich nicht als Reihentitel wählen müssen.

Bewertung vom 11.06.2017
Die Schwestern / Der schwarze Thron Bd.1
Blake, Kendare

Die Schwestern / Der schwarze Thron Bd.1


ausgezeichnet

4,5 Sterne

Drei Mädchen - eine Giftmischerin, eine Naturbegabte und eine Elementwandlerin - kämpfen um den Thron der Insel Fennbirn. Nur eine von ihnen kann die neue Königin werden, doch zuvor muss sie innerhalb eines Jahres ihre beiden Schwestern töten. Für mich war "Der schwarze Thron" eine der meist erwarteten Reihen des ganzen Jahres, denn das Grundprinzip ist fantastisch, ja, meiner Meinung nach sogar eine der besten Ideen, die in der Fantasyliteratur je da gewesen ist. Umso schöner finde ich, dass Kendare Black auch großes Talent bei der Charakterisierung ihrer Protagonisten bewiesen hat: Ob Katharine, Arsinoe, Mirabella oder einer der - zugegebenermaßen unzähligen - Nebenfiguren, sie alle sind authentisch, facettenreich und vor allem klischeefrei, sodass alle mein Herz erwärmen konnten. Schon nach kurzer Zeit habe ich gehofft, dass die Schwestern einen Ausweg finden und nun doch zusammenhalten werden, und ich hoffe es noch immer.

Um ehrlich zu sein, hatte man aber auch wirklich viel Zeit alle Personen kennenzulernen, denn das Buch ist nicht so actionreich, wie man vielleicht erwartet. Die Geschichte beginnt nicht etwa zur Erwachenszeremonie sondern vier Monate zuvor. Das heißt wir begleiten die Schwestern einzig und allein 450 Seiten lang in ihrem "normalen" Alltag, noch bevor der ganze Wettstreit um Leben und Tot überhaupt begonnen hat. Ich will keinesfalls sagen, dass es deswegen nicht spannend ist, aber durch die Vorfreude auf das spätere Geschehen war es manchmal - vor allem zu Beginn - doch ein kleines bisschen ermüdend.

Unfassbar gut gelungen, ist dafür das Zusammenspiel der einzelnen Abschnitte: Die Perspektivwechsel, die Länge der Kapitel, die Reihenfolge der Kapitel, die Autorin hat einfach ein unglaubliches Gespür für Details gezeigt. Jedes Kapitel für sich genommen ist schon großartig, philosophisch und das mehrmalige Lesen wert, doch zusammen bilden sie ein wahres Meisterwerk. Heute ziehe ich noch einen halben Stern ab, doch die Voraussetzung für Band 2 könnten gar nicht besser sein. Ich bin sicher, dass ich mich schon Ende September über einen wahren Pageturner freuen werde können, denn dann erscheint "Der schwarze Thron - Die Königin", der Abschluss dieser Dilogie.

Bewertung vom 11.06.2017
Als ich dich suchte
Oliver, Lauren

Als ich dich suchte


ausgezeichnet

Lauren Oliver war mir kein unbekannter Name, denn vor einigen Jahren habe ich schon ihre "Amor"-Trilogie gelesen und geliebt. Trotzdem war ich etwas unsicher, ob mir auch "Als ich Dich suchte" gefallen wird, denn es handelt sich diesmal eher um ein Drama und nicht um Fantasy. Trotzdem hat mich diese Schwesterngeschichte schnell gerührt und ich konnte komplett zwischen den Seiten abtauchen. Als Jugendbuch macht es sich wirklich gut, denn die Denkmuster in Daras und Nicks Kopf kamen mir sehr bekannt vor.

Der Konkurrenzkampf zwischen den Schwestern ist durchaus realistisch und übertragbar auf viele Arten zwischenmenschlicher Beziehungen. Außerdem fand ich es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich zwei Schwestern ein und dieselbe Situation wahrnehmen und empfinden können. Einzig und allein die Erzählungen aus ihrer Vergangenheit haben mich ein wenig gestört. Wieso? Die beiden sind gerade mal 16 bzw. 17 Jahre alt und haben natürlich schon unglaublich viel durchgemacht und erlebt. Absolut kein Teenager-Klischee wurde ausgelassen, denn vor allem Daras Leben scheint nur aus Party und Jungs zu bestehen.

Einen großes Reiz des Buches macht tatsächlich der Schreibstil aus: Die Geschichte ist flüssig geschrieben und ohne Stolpersteine sodass man sie sofort in einem Ruck durchlesen kann. Da ist kein Wort zu viel oder zu wenig, nichts wirkt unnatürlich oder konstruiert und durch die Zeitungsartikel und Facebooknachrichten wird alles nocheinmal aufgewertet.

Ein letztes Thema muss ich kurz noch ansprechen, auch wenn ich nicht allzu sehr spoilern möchte: Das Ende. Ganz ehrlich, die letzten paar Kapitel haben mich etwas enttäuscht. Mag sein, dass die Auflösung eigentlich gut und originell ist, aber sie lässt sich in Buchform einfach nicht gut verarbeitet. Als Leser hat man das Gefühl etwas verpasst zu haben, da es im Vorfeld einfach keine Hinweise gab.

Bewertung vom 04.06.2017
Das Herz des Verräters / Die Chroniken der Verbliebenen Bd.2
Pearson, Mary E.

Das Herz des Verräters / Die Chroniken der Verbliebenen Bd.2


ausgezeichnet

Vor wenigen Wochen habe ich den Auftaktband "Der Kuss der Lüge" von Mary E. Pearson gelesen und geglaubt bzw. gehofft, endlich mal wieder eine neue Lieblingsreihe gefunden zu haben. Genau deshalb habe ich mich unglaublich gefreut, Teil 2 schon kurz darauf in den Händen halten und auf Herz und Nieren prüfen zu dürfen. Heute möchte ich Euch erklären, wieso er mich größtenteils komplett überzeugt, aber in einer Hinsicht auch ein klein wenig enttäuscht hat.

Der Einstieg fiel mit sehr leicht, da die Geschichte mit einer Szene beginnt, auf die ich schon im ersten Band sehnsüchtig gewartet habe: Lia trifft auf den Komizar und nimmt das erste Mal eine Kostprobe, wie es dieser eine Mann schafft, einem ganzen Kontinent das Fürchten zu lehren. Ein undurchschaubarer Charakter tritt auf den Spielplan, der in seiner Bösartigkeit selbst mit den Schlimmsten der schlimmen Antagonisten mithalten kann, wie z.B. mit der Kommandantin aus "Elias & Laia" oder mit Präsident Snow aus "Die Tribute von Panem". Seine Wenigkeit konnte sogar gekonnt darüber hinwegtrösten, dass ich mich ansonsten nicht mehr an alles und jeden erinnern konnte. Bei wem das Lesen des Vorgänger also länger her ist als bei mir - und bei mir war es schon nur ein Monat -, der wird sicher nichts mehr mit den Namen Finch, Griz, Dihara, Reena, Natiya oder Greta anfangen können. In diesem Fall kann ich nur empfehlen: Lest den ersten Band direkt vorher noch ein zweites Mal! 

Im Großen und Ganzen lässt es "Das Herz des Verräters" eher ruhig angehen: Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf der Ausarbeitung der Protagonisten und der düsteren Atmosphäre und ich kann mir durchaus vorstellen, dass genau dies manche Leser als langweilig bezeichnen werden. Ja, ich würde das sogar verstehen, aber es traf keinesfalls und unter gar keinen Umständen auf mich selbst zu. Meine Gefühl lässt sich schlecht beschreiben, aber es gibt einfach so Bücher, bei denen der Inhalt vollkommen egal ist, da man sich mit den Protagonisten einfach nur wohlfühlt. Manche Autoren könnten sicher genau dasselbe wie Mary E. Pearson auf deutlich weniger Seiten erzählen, aber ich habe mich einfach nur gefreut, Lia, Kaden und Rafe so noch etwas länger begleiten zu dürfen. 

Besonders Lia ist eine erfrischende Frau, die es in Jugendbüchern so wirklich selten gibt. Stark ist wohl das Adjektiv, das sie am besten beschreibt, obwohl ich nicht körperlich sondern seelisch und moralisch stark meine. Ein wenig überrascht, hat mich die langsame Anbahnung einer Dreiecksbeziehung, denn davon bin ich eigentlich kein Fan. Da aber sowohl Kaden als auch Rafe durchweg sympathisch sind, könnte ich gut damit leben. 

Sicher fragen sich einige von Euch mittlerweile, wo denn nun meine anfangs erwähnte Kritik bleibt - deswegen, hier ist sie: Man muss sich als Leser die Antriebgründe und Pläne aller Nebencharaktere selbst herleiten, was extrem schwierig und anstrengend ist. Trotz der Perspektivwechsel und des langsamen Fortschreitens, hatte ich manchmal das Bedürfnis nach Erklärung seitens der Autorin. So war ich mir nie sicher, ob ich irgendetwas überlesen habe oder es einfach nicht richtig verstehe und im Endeffekt sind einige Fragen offen geblieben.


Fazit:
Alles in Allem kann ich klar bestätigen, dass es sich bei "Die Chroniken der Verbliebenen" um eine meiner neuen Lieblingsreihen handelt. Lia, Rafe und Kaden bieten zusammen ein sehr explosives Team, dass viel Potenzial für die zwei noch folgenden Bände bietet. "Die Gabe der Außerwählten" wird übrigen am 26. Oktober 2017 erscheinen und den Leser nun endlich auch ins dritte Königreich Dalbreck entführen. Fall die Autorin dann endlich die für sie offensichtlichen Dinge auch für den Leser erklären wird, werde ich volle Punktzahl vergeben. Heute muss ich leider noch einen halben Stern abziehen -> 4,5 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.05.2017
Verlorene Welt / Bitter & Sweet Bd.3
Harris, Linea

Verlorene Welt / Bitter & Sweet Bd.3


sehr gut

Um ehrlich zu sein, hatte ich zu Beginn dieses Buches nicht besonders hohe Erwartungen. Auch wenn ich Band 1 der "Bitter & Sweet"-Reihe 4 Sterne gegeben habe und sich Band 2 mit 4,5 nochmal gesteigert hat, dachte ich nicht, dass mich dieser Abschluss wird überzeugen können. Warum? Ich merke einfach selbst, wie meine Ansprüche in den letzten Monaten gestiegen sind, denn ich habe geniale Fantasyromane von Sarah J. Mass, Mary E. Pearson etc. kennen- und lieben gelernt. Mittlerweile gebe ich mich nur noch selten mit weniger zufrieden und werde von Büchern, die mir noch vor einem Jahr super gefallen hätten, enttäuscht. Umso überraschter bin ich, nun sagen zu können, dass mir dieser dritte Band am besten von allen gefallen hat.

Im ersten Drittel kehrt Jillian an die Winterfold Akademie zurück und beginnt ihr drittes Schuljahr. Auch wenn die Geschichte zu diesem Zeitpunkt nicht allzu spannend ist und es einige Parallelen zu den Vorgängern gibt, habe ich mich wohlgefühlt. Die Lehrer, die Schüler, das Internatsgebäude - das alles kam mir einfach unheimliche bekannt vor. Also habe ich ein wenig darüber nachgedacht, was den Reiz einer Internatsgeschichte ausmacht. Weshalb sind Harry Potter, Night School oder Mythos Academy zu solchen Bestsellern geworden? Ich für meinen Teil liebe es, Charaktere in jeder Situation und in aller Regelmäßigkeit mitzuverfolgen. Ich finde es toll, wenn sich ein solche großes Gemeinschaftsgefühl zwischen den Charakteren aufbaut, dass die Gleichaltrigen zu einer Art Ersatzfamilie werden. Beim Aufsuchen von schon bekannten Orten entwickelt sich ein gewisses Sicherheitsgefühl und vor allem ein Gefühl des Zuhauseseins.

Im zweiten Teil des Buches baut sich dann relativ schnell Action auf, denn die Verborgenheitsorganisation bedrängt Jillian und bald darauf muss sie in die Unterwelt abtauchen. Dort trifft der Leser das erste Mal auf Jills Vater Ball, der einen wirklich komplexen und interessanten Charakter darstellt. Das familiäre Treiergespann ergänzt sich richtig gut, sodass es einige dramatische aber auch emotionale Szenen gibt. Was ich ebenfalls nicht erwartet habe, war die sorgfältige Ausarbeitung des Showdown: Die Geschwindigkeit steigert sich konstant und Linea Harris setzt die magischen Elemente wirklich gekonnt ein. 

Am Ende war ich tatsächlich ein wenig traurig, mich von Jill, Ryan & Co verabschieden zu müssen und das obwohl sie mir größtenteils so unsympathisch waren. Zur Erinnerung: Schon von Anfang an konnte ich mir bei vielen von Jills Gedanken nur die Haare sträuben, denn sie ist weltfremd und naiv, zu dramatisch und selbstbetonend und wirkt über lange Strecken eher wie ein 14-jähriges Mädchen und nicht wie eine erwachsene Frau. Jills Freunde wiederum sind die Perfektion in Person, sagen immer nur Ja und Amen, während ihre Feinde unfassbar gemein und unfair handeln. Zusammengefasst waren mir die Protagonisten einfach zu extrem, zu wenig grau und zu sehr nur schwarz und weiß dargestellt. Daran war ich zugegebenermaßen aber schon gewöhnt und jeder, der dieses Buch zur Hand nimmt, weiß wohl worauf er sich einlässt


Fazit:
Zusammenfassend hat mich "Bitter & Sweet - Verlorene Welten" wirklich überrascht, denn es ist ein starker Abschlussband, der etwas geschafft hat, was die Vorgänger nicht zu leisten wussten: Jillian und ihre Freunde sind mir ein wenig ans Herz gewachsen, ihre Geschichte hätte gerne noch länger andauern dürfen. Bei dieser Reihe handelt es sich zwar um keine Pageturner, es gibt noch bessere Fantasy-Bücher, aber sie ist perfekt geeignet für alle Neulinge in dieser Genre.

Bewertung vom 19.05.2017
Worte für die Ewigkeit
Inglis, Lucy

Worte für die Ewigkeit


gut

An die Blogger unter Euch: Kennt Ihr das, wenn ihr eine Rezension so lange aufschiebt, dass ihr schon fast wieder vergessen habt, worin es in dem Buch ging? Mir geht es jedenfalls momentan mit "Worte für die Ewigkeit" so: Ich habe das Buch vor über drei Monaten gelesen, aber weiß einfach nicht, wie ich Euch meinen Eindruck beschreiben soll. Es hat mir durchaus gefallen, aber nicht so richtig gepackt, nicht so wie ich es eigentlich wollte.

Grundsätzlich gefällt mir die Idee des Buches sehr gut: Ich liebe historische Geschichten, finde im Bereich der Jugendliteratur aber leider sehr selten Passendes. Emily stammt aus einer reichen Familie, war aber noch nie so richtig glücklich, da sie von ihrer strengen Mutter kontrolliert und extrem bevormundet wird. Ihr Leben besteht nur aus Zwängen und Pflichten und sie hat keine Ahnung, wie man sich als normaler Mensch verhält. Erst bei Nate lernt sie sich selbst kennen, ihre Träume, Ängste und Wünsche. Gemeinsam mit dem Leser lernt sie auch mehr über die Indianerkultur kennen und stellt mit Erschrecken fest, wie grausam die Amerikaner Nates Volk behandeln. Ein Großteil ihrer Geschichte spielt in einer abgeschiedenen, kleinen Hütte mitten auf dem Berg. Und als ob das nicht schon traumhaft genug wäre, kommen auch Wildpferde immer mal wieder zu Besuch. Die Ortsbeschreibungen waren so detailliert, dass ich mir alles gut vorstellen konnte und jetzt am liebsten selbst dort Urlaub machen würde.


An der Beziehung zwischen Emily und Nate kann ich nicht wirklich rummeckern. Ihre Liebe entwickelt sich sehr realistisch und in einem perfekten Tempo. Anfangs sind sie beiden von Vorurteilen gequält und kommen mehr schlecht als recht miteinander aus. Doch mit der Zeit lernen sie sich zu schätzen und entwickeln Gefühle füreinander. Sie führen tiefgreifende Gespräche über die Liebe, das Leben und ihre gemeinsame Zukunft. Ihre Geschichte war einfach schön und angenehm zu lesen. Außerdem sind Emilys Kapitel auf eine ganz besondere Art und Weise geschrieben, nämlich wie ein Brief an Nate - sie spricht ihn direkt an, was die Atmosphäre ganz besonders macht.

Im Gegensatz dazu standen Hopes Kapitel, die leider in selber Menge vorkommen. Hope selbst ist sehr in sich gekehrt und schüchtern, redet kaum und wenn nur peinliches Zeug. Sie wurde mir im Verlauf zwar etwas sympathischer, aber war trotzdem viel lebloser gehalten als Emily. Mit Cal wurde ich auch überhaupt nicht warm, denn er hat einfach keinen Charakter. Wohingegen die erste Geschichte also mit emotionaler Tiefe nur so strotzte und mir mehrmals die Tränen kamen, hatte Hopes einfach keine eigene Note. Daher kam ich trotz des flüssigen Schreibstils einfach nicht voran.

Das Ende möchte ich trotzdem noch kurz thematisieren, denn es war unglaublich perfekt: In den letzten beiden Kapiteln schildern beide Mädchen einmal zusammengefasst ihre Erlebnisse, berichten was sie daraus gelernt haben und wie sie heute, ein paar Jahre später, leben. Und oh Gott, auf diesen letzten Seiten habe ich echt Rotzblasen geweint ...


Fazit:
Wir haben es hier mit einem sehr zweigeteilten Buch zu tun: Wohingegen Emilys und Nates Liebesgeschichte dramatisch, fesselnd und zu gleich tieftraurig ist, konnten Hope und Cal gar nicht bei mir punkten. Sie sind blass, leblos und langweilig. Der zweite Erzählstrang war teilweise sinnlos und das Buch hätte mir ohne ihn sicherlich besser gefallen. Zum Glück konnten mich die letzten zwei Kapitel wieder versöhnlicher stimmen und ich möchte auch die tolle Kulisse in Montana nicht vernachlässigen, sodass wir insgesamt bei 3,5 von 5 Sternen landen.