Benutzername: Kritikerlady
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Bewertungen

Insgesamt 166 Bewertungen
Bewertung vom 09.08.2017
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Green, John

Das Schicksal ist ein mieser Verräter


ausgezeichnet

Hazel ist 17 Jahre alt und hat seit vier Jahren Krebs. Sie muss ständig einen Sauerstoffschlauch unter ihrer Nase tragen, weil sie sonst nicht genug Sauerstoff bekommt. Und ihre Aussichten stehen eher schlecht, nur ein experimentelles Medikament hält sie noch am Leben. Hazel hat sich damit abgefunden, dass sie nicht mehr lange leben wird. Eigentlich bleibt sie vor allem für ihre Eltern noch am Leben, denn sie weiß, dass es ihren Eltern das Herz brechen wird, wenn sie stirbt. Um ihren Eltern einen Gefallen zu tun, geht Hazel in eine Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche. Dort lernt sie den lebensbejahenden Gus kennen, dem wegen Knochenkrebs ein Unterschenkel amputiert wurde. Gus verliebt sich in Hazel, doch Hazel blockt ab. Sie kann es nicht ertragen, wenn ihr Tod noch jemanden verletzt. Hazel hat ein Lieblingsbuch, das sie aber mit vielen Fragen zurück lässt. Der Autor möchte ihr die Fragen nur persönlich beantworten – allerdings wohnt er in Amsterdam und Hazel in den USA! Die Eltern und Gus möchten Hazel ihren letzten Herzenswunsch so gerne ermöglichen, aber die Ärzte sind aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes dagegen.

Ich habe das Buch verschlungen – und es hat in mir so einige Emotionen freigesetzt. Ich konnte so manches Mal gar nicht weiterlesen, weil mir die Tränen herunter liefen und den Blick vernebelten. Ich weiß gar nicht mehr, ob mir das schon einmal beim Lesen passiert ist …

Der Schreibstil hat mich umgehauen, denn er war einfach flüssig und leicht. Man konnte das Buch gut in einem Rutsch durchlesen. Er war gar nicht so kitschig, wie man meinen könnte. Es war ganz normale Sprache, die nichts beschönigte. Die Beteiligten redeten genauso, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ich weiß, wie schwer das so zu schreiben ist, und finde es einfach nur richtig toll gelungen.

Die Charaktere der Personen waren alle toll lebendig beschrieben. Vor meinem inneren Auge erwachten sie richtig zum Leben. Und ich habe mit ihnen gelitten. Sie waren fast wie Freunde für mich. Die Charaktere sind zwar alle im jugendlichen Alter, aber trotzdem denke ich, dass es kein reines Jugendbuch ist, denn die Probleme sind nicht an ein bestimmtes Alter gebunden.

Insgesamt fand ich dieses Buch einfach fabelfaft! Alles war lebendig und die Geschichte riss mich einfach mit. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Und selten hat ein Buch solche Emotionen bei mir geweckt und mich so sehr zum Weinen gebracht. Ich weiß, dass die Handlung nicht einfach zu verkraften ist. Während des Lesens kämpfte mein Freund selbst gerade mit dieser teuflischen Krankheit. Aber das Buch ist unheimlich lebendbejahend, auch wenn es so traurig ist. Und ich kann es nur jedem empfehlen.

Dies ist eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe!

Bewertung vom 09.08.2017
Die sieben Farben des Blutes
Wilhelm, Uwe

Die sieben Farben des Blutes


weniger gut

Vor einem Jahr tötete der Serienkiller Dionysos in Berlin drei Frauen. Bevor er gefasst werden konnte, hörte er plötzlich auf. Nun ist er wieder da und hat erneut gemordet. Staatsanwältin Helena Faber nimmt die Spur wieder auf, wobei ihr Ex-Mann Robert der Kommissar in den Ermittlungen ist. Dionysos scheint mit ihnen zu spielen, denn er hinterlässt sogar Videos im Internet mit seinen Taten. Und da es ihm um die sieben Farben des Blutes zu gehen scheint, sind noch mehr Morde zu erwarten. Helena kommt bei ihren Ermittlungen dem Täter sehr nahe, denn sie steht selbst auch auf seiner Todesliste.

Schon der Klappentext hörte sich sehr spannend an und ich erwartete einen unterhaltsamen Thriller. Doch relativ schnell las ich Dinge, die ich nicht so unbedingt lesen wollte. Da war zum einen, dass sich die alleinerziehende Helena des Nachts mit einem Spielzeug vergnügt. Es mag solche Dinge ja geben – aber ich will nicht unbedingt davon lesen. Das gehört für mich nicht in einen Thriller, solange es nicht unbedingt für die Handlung erforderlich ist! Und dann wurde hier eine abscheuliche Art des Tötens gewählt, die auch immer wieder erwähnt und zur Sprache gebracht wird. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor richtigen Spaß daran hatte, diese ekligen und abscheulichen Details immer wieder zu erwähnen. Meiner Meinung nach wurde hier Ekel mal wieder mit Spannung verwechselt.

Ich wurde mit der Hauptfigur Helena Faber dann auch nicht ganz warm und ich finde ihren Charakter nicht so ganz stimmig. Ihre Gedächtnisprobleme finde ich zu konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Ihre wechselnden Bettpartner mögen Männerfantasien beflügeln, aber mich stören sie nur. Und ihren Ex-Mann verstehe ich dann auch nicht so ganz, aber das mag an mir liegen.

Die Handlung hatte meiner Meinung nach einige Längen und das Buch hätte meiner Meinung nach gerne auch etwas kürzer ausfallen dürfen, dafür hätte man nur ein paar Gedächtnisprobleme von Helena streichen müssen. Dazwischen war es dann einigermaßen spannend, auch wenn es nicht immer flüssig voran ging. Es gab Szenen, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun hatten, und die man für die Geschichte einfach nicht brauchte. Das Ende gefiel mir dann auch nicht unbedingt. Das offene Ende ist nicht so meins und rief in mir den Eindruck hervor, dass da jemand nur sicherstellen will, dass die Leser auch das nächste Buch kaufen.

Insgesamt bereue ich es nicht, das Buch gelesen zu haben, doch ich kann es auch nicht unbedingt weiter empfehlen. Es wird aber bestimmt auch begeisterte Leser geben.

Bewertung vom 11.07.2017
Winterblüte, 6 Audio-CDs
Bomann, Corina

Winterblüte, 6 Audio-CDs


gut

Anfang Dezember 1902 findet Christian Baabe am Ufer der Ostsee ein etwa 18 Jahre altes Mädchen. Scheinbar ist sie im Sturm der vergangenen Nacht von einem Schiff geweht worden. Er bringt sie nach Hause. Im Gästehaus seiner Eltern wird sie untersucht und gepflegt, sehr zum Ärger seiner Mutter, die befürchtet, es könne sich um eine Schmarotzerin handeln, die ihrer Familie nur Unglück bringt, wie es auch ihren Eltern passiert ist. Das Mädchen kann sich an gar nichts erinnern, hat keine Ahnung, wer sie ist. Sie bekommt den Namen Barbara, denn sie hatte einen Barbarazweig bei sich, ein Zweig, der am 4. Dezember geschnitten wird und Glück bringt, wenn er zu Weihnachten blüht. Barbara freundet sich mit Johanna, der Tochter der Familie Baabe an. Johanna soll zu Weihnachten endlich verkünden, welchen ihrer Verehrer sie heiraten will. Dabei will sie jedoch gar keinen ihrer offiziellen Verehrer, denn sie liebt nur Peter. Die Familie Baabe und Peters Familie entzweit jedoch eine alte Fehde und Johannas Eltern würden ihr nie eine Ehe mit Peter erlauben.

Es ist eine nette Geschichte, die mich gut unterhalten hat. Es handelt sich jedoch auch nicht gerade um hochgeistige Literatur. Die Probleme aller Personen sind recht schnell angesprochen: Die unglückliche Liebe von Johanna inklusive der alten Fehde der beiden Familien, die sich anbahnende Liebe von Christian und Barbara, der Gedächtnisverlust von Barbara und die durch nichts gestützte Angst der Mutter, Barbara könne eine Schmarotzerin sein und der Familie Unglück bringen. Die Probleme bleiben auch eine ganze Weile bestehen und es geht kaum voran, obwohl meiner Meinung nach die Lösung bzw. Entwicklung aller Probleme schon recht früh vorhersehbar ist. Ich wurde dann in meinen Erwartungen auch nicht enttäuscht, es gab keine Überraschungen.

Die Charaktere aller Personen werden nur recht knapp umrissen. Es sind allseits bekannte Stereotypen: Die herrschsüchtige Mutter, die alles kontrollieren will; die von Verehrern umschwärmte Tochter mit ihrer unglücklichen Liebe; die schutzbedürftige junge Frau, in die der junge Herr des Hauses sich verliebt; das neidische und intrigante Zimmermädchen, das den jungen Hausherren gerne selbst ehelichen würde. Die Charakterzüge jeder einzelnen Person sind jedoch nicht sehr stark ausgeprägt, sondern alles läuft recht gemäßigt ab. Überraschenderweise ändern sich einige Charaktere zum Ende hin und legen ihre negativen Eigenschaften ab bzw. erkennen, dass sie falsch lagen. Das fand ich dann doch etwas überraschend und nicht unbedingt zum Charakter bzw. zur damaligen Zeit passend, wo Selbsterkenntnis und Einsicht nicht unbedingt zum Alltag gehörten.

Ich habe das Hörbuch gehört mit Merete Brettschneider als Sprecherin. Es war mein erstes Hörbuch, das sie gesprochen hat. Und ich fand sie richtig gut. Sowohl ich wie auch mein Freund, der vieles mitbekommen hat, konnten ihrer hellen Stimme sehr gut zuhören. Und sie hat den verschiedenen Charakteren auch gut Leben eingehaucht, indem sie jedem eine eigene Stimme verliehen hat, ohne dass es kindisch wirkte. Und ihre Stimme passte auch sehr gut zur gesamten Geschichte. Ich würde ihr gerne wieder zu hören in anderen Hörbüchern.

Der Roman hat mich gut unterhalten, aber ich fand ihn zu vorhersehbar und mir fehlte der Tiefgang in den Charakteren. Die Änderungen in den Charakteren zum Ende hin fand ich nicht glaubhaft.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.06.2017
A Simple Favor - Nur ein kleiner Gefallen, 6 Audio-CDs
Bell, Darcey

A Simple Favor - Nur ein kleiner Gefallen, 6 Audio-CDs


weniger gut

Stephanie und Emily sind Freundinnen. Sie haben sich über ihre Söhne kennen gelernt, die gute Freunde sind. Emily ist berufstätig und Stephanie holt deshalb manchmal beide Jungen von der Schule ab. Eines Tages bittet Emily Stephanie mal wieder um diesen kleinen Gefallen. Allerdings wartet Stephanie vergeblich darauf, dass Emily kommt und Nicky abholt. Emily ist verschwunden …

In die Geschichte kommt man schnell herein. Die Charaktere sind überschaubar, genauso wie die Handlungsorte und die Handlungen. Insofern ist die Geschichte sehr minimalistisch gehalten. Die Persönlichkeiten der drei Hauptfiguren sind allerdings auch nicht richtig ausgefeilt, sondern eher schlicht gehalten. Grundsätzlich sind alle normale, stinklangweilige Charaktere mit einem normalen Leben. Stephanie soll dann zwar etwas verrucht und böse erscheinen, weil sie einen Geliebten gehabt hat, mit dem sie besser nichts angefangen hätte, aber sogar dies fand ich eher belanglos und zu sehr aufgebauscht. Ich hatte den Eindruck, dass Stephanie versucht, sich damit wichtig und interessant zu machen, weil sie ein Geheimnis hat. Auf mich wirkte es allerdings affig und machte sie noch unsympathischer. Sie nimmt sich auch selbst zu wichtig und nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle anderer. Ganz schlimm fand ich auch ihren Mami-Blog, mit dem sie immer wieder versucht, Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu bekommen.

Emily wurde mir anfangs fast sympathisch. Zur Charakterisierung fällt mir die Bezeichnung „böses Mädchen“ ein. Allerdings gab es dann auch zu viel Langweiliges und sie tut Dinge, die einfach nicht zu ihr passen und die aufkommende Sympathie schnell wieder zerstören. Und ihre Liebe zu ihrem Sohn konnte ich ihr nicht abnehmen. Dazu nimmt sie viel zu wenig Rücksicht auf ihn und scheint auch keine wirkliche Bindung zu ihm zu haben. Nicky scheint es auch kaum zu stören, dass seine Mutter verschwindet. Insgesamt spielen die Kinder, die eigentlich der Lebensinhalt ihrer jeweiligen Mutter sind, mir auch eine zu kleine Rolle in dem Buch.

Und wie die Charaktere ist dann auch die Handlung langweilig und minimalistisch. Sie besteht hauptsächlich aus dem Verschwinden von Emily – und anfangs darin, dass kaum einer sie sucht oder wirklich vermisst. Stephanies Suche beschränkt sich darauf, dass sie bloggt und am nächsten Tag bei Emilys Haus vorbei fährt. Die Polizei, die erst nach über einer Woche eingeschaltet wird, tut auch nichts und wird erst später tätig. Und weder den Ehemann noch den Sohn scheint das Verschwinden zu beeindrucken. Dies ist die Zusammenfassung des ersten Drittels des Hörbuches. Und auch danach kommt nie wirklich Fahrt auf. Das Ende fand ich verworren und nicht nachvollziehbar. Für mich lagen andere Möglichkeiten eigentlich viel.

Dem erzählenden Schreibstil konnte ich gut folgen, doch mir fehlte jegliche Art von Gefühl. Manchmal keimte ein bisschen davon auf, aber es war mir einfach viel zu wenig. Und die Blog-Einträge von Stephanie, die im ersten Drittel gefühlt die Hälfte des gesamten Buches ausmachten, waren mir einfach viel zu übertrieben und effekthascherisch.

Der Sprecherin Tanja Geke (Synchronstimme von Jane Rizzoli in der Serie Rizzoli and Isles) konnte ich sehr gut folgen. Ich mag ihre dunkle, leicht rauchige Stimme und wie sie versuchte, den einzelnen Personen Persönlichkeit zu geben und ihre Emotionen wieder zu spiegeln. Doch wenn die Geschichte einfach nichts hergibt, stößt auch sie an ihre Grenzen. So fand mein Freund, der große Teile mitgehört hat (mithören musste), sie dann auch relativ langweilig, wobei ich meine, dies lag eher an der Geschichte als an Tanja Geke.

Insgesamt fand ich die Geschichte relativ langweilig. Auf mich wirkten weder die Personen noch die Handlung richtig ausgereift oder durchdacht, obwohl viel Potenzial und gute Ansätze da waren. Dazu kommt, dass mir keine der Personen sympathisch ist. Die Sprecherin Tanja Geke fand ich dagegen sehr gut.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.05.2017
Vor dem Fall
Hawley, Noah

Vor dem Fall


sehr gut

Die kleine Privatmaschine des Medienmoguls Bateman stürzt auf dem Weg nach New York ab. Nur der ziemlich erfolglose Maler Scott Burroughs und JJ, der Sohn von Bateman, überleben den Absturz. Scott rettet JJ aus dem Wasser und wird dafür als Held gefeiert. Durch die Ermittlungen zum Absturz und durch Rückblenden zu den einzelnen Personen wird aufgedeckt, wie es dazu kam.

Die Geschichte an sich fand ich sehr interessant und der Autor hat hier einige vielschichtige Charaktere geschaffen. Doch insgesamt fand ich den Schreibstil ein wenig langatmig und musste mich manchmal überwinden weiter zu lesen. Dazu trug auch bei, dass es nicht so flüssig zu lesen war, da es verschiedene Zeitebenen gab und zwischen den Personen gesprungen wurde.

Insgesamt denke ich, dass das Buch sehr viel Potenzial hatte, aber es nicht ganz ausgeschöpft wurde, indem sich manchmal in zu vielen Einzelheiten verloren wurde. Dazu kam dann auch ein Ende, das mich persönlich nicht ganz überzeugt hat, was man aber auch anders sehen kann. Trotzdem finde ich die Geschichte sehr gut und fühlte mich gut unterhalten.

Bewertung vom 15.08.2016
Those Girls - Was dich nicht tötet
Stevens, Chevy

Those Girls - Was dich nicht tötet


sehr gut

Die Schwestern Jess, Courtney und Dani sind alle noch nicht erwachsen, als es zu einem folgeschweren Streit mit ihrem gewalttätigen Vater kommt. Ihre Mutter ist schon länger tot und so beschließen die Drei zu fliehen, weil sie Angst vor der Polizei haben und davor, wie in verschiedene Pflegefamilien zu kommen, die teilweise nicht besser waren als ihr Vater. Doch der Wagen bleibt liegen. Zunächst scheinen zwei junge Männer ihnen zu helfen, doch dann kommt alles noch schlimmer, als sie es sich je vorstellen konnten.

Dies war mein erster Thriller von Chevy Stevens und ich wusste nicht, was mich erwarten sollte. Doch gleich am Anfang ist man mitten im Leben der drei Schwestern und die Angst, die die drei haben, als sie ihren Vater zurück erwarten, nachdem er wochenlang auf Montage war, ist fast greifbar. Mich hat sie jedenfalls vollkommen in ihren Bann gezogen. Und ich habe mit Dani mit gelitten, als ihre Rühreier dem Vater nicht gut genug waren und er ihr Gesicht auf den heißen Herd drückt. Es war eine ganz eigenartige Mischung aus Ekel und Spannung, gepaart mit ein bisschen Voyeurismus, den glaube ich jeder empfindet, wenn man mitbekommt, dass anderen etwas Schlimmes passiert, einfach weil man erleichtert ist, dass es anderen passiert und nicht einem selbst.

Den Schreibstil von Chevy Stevens mochte ich. Er war ziemlich direkt und eher wenig ausschmückend. Vor allem benutzte er nicht so viele aufzählende Adjektive, sondern ließ eher Handlungen für sich sprechen, was mir sehr gefiel.

Ich habe dieses Buch verschlungen und mit den drei Mädchen mit gelitten. Es war eine ganz eigenartige Stimmung in dem Buch, wo ich einfach immer weiter lesen musste. Nur im Mittelteil fand ich es manchmal etwa langatmig, aber da habe ich dann einfach "normal" weiter gelesen.

Ich habe mich gefreut, dass ich es lesen durfte.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.06.2016
Maestra Bd.1
Hilton, L. S.

Maestra Bd.1


weniger gut

Judith Rashleigh kommt aus einem kleinen Ort und war schon in der Schule eher das Mobbingopfer als eine gute Schülerin oder gar beliebt. Sie will nach oben, will Ruhm und Reichtum, will Anerkennung. Sie hofft, dass ihr Kunststudium und die danach folgende Anstellung in einem der besten Auktionshäuser Londons ihr dazu verhilft. Doch es kommt ganz anders. Nach drei Jahren ist sie immer noch ganz unten. Ihr Chef schickt sie gar zu einem Kunden, von dem er weiß, dass dieser sie nur begrapschen wird und auch gern noch weiter geht. Da wittert Judith ihren großen Durchbruch, denn sie erkennt eine Fälschung eines wertvollen Bildes und will ihren Chef beeindrucken, indem sie ihn vor einem großen Skandal bewahrt. Doch es kommt anders: Ihr Chef feuert sie fristlos.

Judith ist maßlos enttäuscht. Sie sieht ihre Wünsche in weite Ferne gerückt. Sie reagiert sich erst einmal mit einem flotten Dreier ab. Die nächsten Tage arbeitet sie als Hostess in einem Club, wo reiche, verheiratete Männer nur reden und trinken mit schönen Frauen. Damit hatte sie schon einige Wochen zuvor angefangen, um ihr Gehalt aufzubessern. Ein Mann macht ihr das Angebot, mit nach Cannes zu fahren für ein Wochenende. Judith begleitet ihn. Sie hat aber nicht vorausgesehen, dass der Mann doch mehr will als nur trinken und reden. Sie denkt sich nichts dabei, als sie ihm Beruhigungsmittel in den Drink mischt und sich eine schöne Nacht in Cannes macht.


Der Schreibstil ist größtenteils ganz in Ordnung. Manchmal ist er einfach nur beschreibend, dann wieder äußerst nüchtern und objektiv, als es etwa um eine Sexszene geht. Gerade die Sexszenen finde ich dann eher abstoßend. Sie sind einfach nur vulgär. Immer, wenn es um Sex geht, wird nur von fi**** gesprochen. Und die Beschreibung, was wogegen klatscht und was wie feucht wird, brauche ich nicht. Ich habe nichts gegen erotische Szenen in Büchern, die auch mal detailliert beschrieben werden, aber bitte nicht so!

Das Buch strotzt von Modebegriffen und Namen, die Mode-Insidern wohl etwas sagen. Mich nervten die Begriffe aber mit der Zeit einfach nur! Ich hatte oft keine Ahnung, wovon da geschrieben wurde und was mir diese Aufzählung von Kleidungsstücken und Designern eigentlich sagen sollte. Mode und die ganzen Fachbegriffe sind ein Schwerpunkt in diesem Buch und wer davon nichts versteht, wird außen vor gelassen, gehört eben nicht zu diesem elitären Kreis, zu dem Judith unbedingt dazu gehören will. Da mich ein Buch wie dieses aber in erster Linie unterhalten soll, ärgert mich das. Ich hätte mir wenigstens ab und zu kleine eingestreute Erklärungen gewünscht.

Die Handlung entwickelt sich recht schwerfällig. Nach den Vorkommnissen in Cannes verändert Judith ihr Leben radikal. Für mich kam es doch etwas überraschend, denn ich fand dieses Verhalten auch nicht zu der Person von Judith passend. Sie war eigentlich immer der "Niemand aus Nirgendwo" und der es einfach nicht schafft, aus diesem Milieu heraus zu kommen. Und plötzlich war sie jemand ganz anderes, benahm sich auch ganz anders. Sie schien es doch geschafft zu haben! Der Weg, wie sie es dorthin geschafft hat, war für mich nicht so ganz verständlich bzw. glaubhaft.

Ich finde das Verhalten von Judith auch plötzlich viel zu emotionslos und eher in die Richtung eines Soziopathen tendierend. Es passt für mich einfach nicht zusammen, ich erkenne die Persönlichkeit von Judith nicht: Graue Maus? Karrierefrau? Soziopathin? Sie hat von allem etwas.

An sich müsste die Geschichte spannend sein. Trotzdem ist es kein Krimi oder Thriller. Und weil die Ziele von Judith im Unklaren bleiben, ihre Handlungen unvorhersehbar sind und man kaum weiß, wo das Buch hinführen soll, ist es auch nicht spannend. Es fehlt komplett ein Spannungsaufbau. Noch nicht einmal Judith ist gespannt, ob ihr jemand auf die Schliche kommt. Sie wartet nur. Und so hab ich auch eher darauf gewartet, wann sie wieder einkaufen geht, als darauf, dass etwas passiert.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.05.2016
Der Vorleser
Schlink, Bernhard

Der Vorleser


ausgezeichnet

Michael ist 15 und ein ganz normaler Junge, als er plötzlich krank wird. Auf dem Nachhauseweg von der Schule muss er sich übergeben. Hanna Schmitz, 21 Jahre älter, sieht die Bescherung und hilft Michael, sich zu säubern. Sie steckt ihn sogar in die Wanne, was ihm zwar ein wenig unangenehm ist, wo er aber zu schüchtern ist zu protestieren. Bei Michael wird eine Gelbsucht diagnostiziert. Als er wieder auf den Beinen ist, will er sich bedanken, und sucht sie mit einem Blumenstrauß in der Hand auf.

Zwischen den beiden entspinnt sich eine seltsame Beziehung. Michael ist fasziniert von der älteren Frau, die ihn nicht wie einen kleinen Jungen behandelt - und die irgendetwas an sich hat, was so ganz anders ist. Und es entwickelt sich etwas Erotisches zwischen ihnen, wobei das Vorlesen eine entscheidende Rolle spielt. Über mehrere Jahre haben die beiden eine Liebesbeziehung. Dann ist diese plötzlich beendet, denn Hanna ist von einem Tag auf den anderen verschwunden.

Michael beginnt ein Jura-Studium. Im Rahmen des Studiums nimmt er an einem Seminar teil, in dem es um KZ-Prozesse geht. Speziell ein Prozess, der gerade anfangen soll, soll von den Studenten begleitet werden. Michael fällt aus allen Wolken, als er Hanna auf der Anklagebank sitzen sieht. Michael besucht den Prozess an jedem einzelnen Verhandlungstag und wundert sich lange über Hannas Verhalten. Es dauert recht lange, bis er hinter ihr Geheimnis kommt. Und es stürzt ihn in einen inneren Konflikt, weil er nicht weiß, wie er sich nun verhalten soll.


Das eigentlich Faszinierende ist die Erzählweise. Ich habe selten einen Roman gelesen, der so feinfühlig erzählt, wie zwei Menschen miteinander umgehen und sich lieben. Es wird alles aus der Sicht von Michael geschildert, der diesen Roman rückblickend erzählt. Und ganz filigran erzählt er immer wieder kleine Aspekte, die mir als Leser aber einen guten Einblick ins Gesamtgeschehen gegeben haben. Es wird also nicht einfach platt etwas vom Akt zwischen beiden erzählt, sondern eben behutsam das Drumherum, sodass man sich den Rest denken kann. Ich finde diese Art des Erzählens einfach großartig! Jedes Wort war mit großem Bedacht ausgewählt und alle Worte zusammen ergaben eine großartige Schilderung einer einzigartigen Liebe und Beziehung zweier Menschen zueinander. So nüchtern die einzelnen Worte klingen, so gefühlvoll wirken sie im Zusammenspiel. Ich gestehe, dass ich hier gar nicht so viele Superlative finde, um auch nur annähernd auszudrücken, wie viel Spaß es machte, von der Beziehung der beiden zu lesen und wie viel Liebe in den Worten lag.

Ein weiteres Thema, das mich sehr nachdenklich gemacht hat, ist die Frage, die sich auch Michael stellen muss, als er Hannas Geheimnis entdeckt. Hat er das Recht, das Geheimnis aufzudecken und ihr damit einen Großteil der Strafe zu ersparen? Er ist in diesem Fall der Überlegene, denn er weiß. welche juristischen Folgen das Schweigen haben kann. Hat er vielleicht sogar die Pflicht, das Geheimnis zu offenbaren, um ein Fehlurteil zu verhindern? Nachdem Hanna die Schuld in einem Punkt auf sich nimmt, um ihr Geheimnis zu bewahren, wälzen die Mitangeklagten nämlich auch in anderen Punkten die Schuld auf sie ab. Michael erkennt dies, aber weder Hanna noch ihr Pflichtverteidiger unternehmen etwas. Oder muss Michael sich Hannas Entscheidung beugen, die offenbar unter allen Umständen ihr Geheimnis bewahren will?

Mir gefiel auch, dass an keiner Stelle der moralische Zeigefinger erhoben wird. Hanna wird in der Erzählung nicht vorverurteilt. Dem Leser wird es selbst überlassen, sich eine Meinung zu bilden. Dass Hanna sich strafbar gemacht hat, steht außer Frage - aber hier wird eben auch erzählt, wie es dazu kam und wie Hanna in diese Situation geraten ist. Hanna wird nicht entschuldigt, aber es wird erklärt, wie es so kommen konnte. Dieser gefühlvolle Umgang mit dem Thema hat mich fasziniert.

Ein großartiges Buch, was ich jedem empfehlen kann. Ich habe selten so etwas Gutes gelesen!

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.03.2016
Moni träumt vom grossen Glück
Bratt, Berte

Moni träumt vom grossen Glück


gut

Moni bekommt von ihrem Opa zum Geburtstag 100,- DM geschenkt. Sie überlegt, was sie sich davon kaufen kann. Nach reiflicher Überlegung entscheidet sie sich, das Geld zu sparen, um später den Führerschein machen und vielleicht sogar noch ein gebrauchtes kleines Auto kaufen zu können. Sie eröffnet ein Sparbuch und beginnt eifrig zu sparen. Dadurch verändert sich so einiges in ihrem Leben, einiges zum Negativen, aber auch einiges zum Positiven. Sie macht ganz neue Erfahrungen und findet schließlich ihr Glück, auch wenn es ganz anders kommt, als sie sich dachte.

Dem Buch merkt man deutlich an, dass es noch im Nachkriegsdeutschland geschrieben wurde. Monis Vater starb im Krieg, als sie sieben Jahre alt war, und auch andere Kinder haben nicht mehr beide Elternteile. Es gibt nicht nur Moni und ihre Mutter, die jeden Pfennig zweimal umdrehen müssen. Moni spart wirklich hart und dabei werden auch Dinge angesprochen, die Kinder heutzutage wohl gar nicht mehr kennen.

Es ist trotzdem ein typisches Schneider-Jugendbuch. Es ist überwiegend eine heile Welt. Moni und ihrer Mutter geht es gut, Moni hat dann doch nicht so viele Probleme, wie sie anfangs denkt, und sie bekommt überall gute Nebenjobs. Darüber hinaus findet sie dann auch noch ihre große Liebe, wobei die beiden so sittsam miteinander umgehen, dass ich mir das ein oder andere Lächeln nicht verkneifen konnte. Wie damals üblich, ist in dem Buch nur von einem Kuss und ansonsten Reden die Sprache, mehr gibt es zwischen den beiden nicht.

Ich habe das Buch ganz gern gelesen, aber musste schon des Öfteren schmunzeln. Es war kurzweilig und ganz lustig zu lesen, aber ich bin ja eigentlich auch nicht mehr die Zielgruppe dieses Buches. Zu meiner Jugendzeit habe ich diese Bücher ganz gerne gelesen, aber es war damals auch eine andere Zeit. Für die heutige Jugend dürfte es nichts mehr sein.

Bewertung vom 19.03.2016
Die Rose der Welt
Prange, Peter

Die Rose der Welt


sehr gut

Paul und Robert, 16 und 14 Jahre alt, träumen 1223 davon, einmal in Paris studieren zu können, um dann selbst große Gelehrte zu werden. Dabei stehen die Sterne für sie nicht günstig, denn Paul ist ein Leibeigener und Robert der Sohn eines Flickschusters. Doch mit Hilfe des Abbé Lejeune schaffen die beiden es, sich ihren Traum zu verwirklichen – allerdings nicht zusammen.

Fünf Jahre später treffen die beiden in Paris wieder aufeinander. Paul hat geheiratet und leitet eine große Kopierwerkstatt. Robert steht kurz vor seinem Examen in den freien Künsten und möchte danach Theologie studieren. Der große Freidenker Victor d’Alsace will ihn auch gerne als Studenten annehmen. Doch es kommt anders. Zu Karneval schlagen die Studenten über die Stränge und demütigen die Bevölkerung, indem sie sie mit Jauche begießen. Die Bürger schlagen zurück, wodurch sich insbesondere ein Student, ein enger Freund von Robert, in seiner Ehre beleidigt fühlt. Er zettelt einen Aufstand an, der durch Soldaten niedergeschlagen wird. Es gibt Tote dabei und Robert muss untertauchen, wobei ihm Paul hilft. Während Robert bei Paul Unterschlupf findet, kommen dessen Frau Marie und Robert sich näher, als es sich für sie gehört. Während die Magister der Pariser Universität in den Streik treten, weil sie sich nicht der weltlichen Macht unterwerfen wollen, und schließlich sogar der Papst eine Entscheidung treffen soll, geht es für Robert um seine Zukunft. Er will weiter studieren, kann jedoch nicht einmal das erste Examen ablegen, weil nach ihm gesucht wird. Und außerdem steht Marie seiner Zukunft als Theologiestudent und später –dozent im Wege.


Ich war am Zweifeln, ob mir dieses Buch gefallen würde – eine Geschichte um zwei Männer, in dem es um Liebe gehen soll und auch noch geschrieben von einem Mann. Der Roman hat mich jedoch positiv überrascht. Und er ist sehr viel vielschichtiger, denn es geht nicht nur um die Liebe vor einem historischen Hintergrund. Es geht auch sehr viel um Freundschaft und Verrat, den man in vielen Facetten in dieser Geschichte antrifft. Insgesamt ist es eine spannende Geschichte, die ich gern gelesen habe.

Ein wenig störend fand ich dann jedoch, dass die Persönlichkeiten der Hauptfiguren lange nicht richtig zum Leben erwachten. In dem Prolog, als Robert und Paul noch Jugendliche sind, habe ich die beiden sogar des Öfteren verwechselt. Erst ab etwa der Mitte entwickeln sie so langsam echte Charaktere, sodass man die beiden nicht nur aufgrund des Geschehens, sondern auch ihrer Eigenarten unterscheiden kann.

Gefallen hat mir der historische Hintergrund und dass es diesen Streik tatsächlich gab. Es ist auch alles toll geschildert, sodass man es auch aus heutiger Sicht gut verstehen konnte, ohne dass man von der damaligen Zeit Vorkenntnisse haben musste.

Wenn ich nun auf das Buch zurück blicke, kann ich dem Buch jedoch keine volle Punktzahl geben. Es ist mir an vielen Stellen zu oberflächlich und zu einfach gehalten. Es ist kein Buch, das mich in seinen Bann gerissen hat, sodass ich es nicht mehr weg legen konnte. Ich fand die Geschichte bis auf wenige Stellen nicht ergreifend. Es war eine nette, ordentliche Lektüre für nebenbei, aber nichts, wofür ich nachts auf bleibe, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen kann.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.