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Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 743 Bewertungen
Bewertung vom 12.09.2018
Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück
Sabbag, Britta; Kelly, Maite

Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück


ausgezeichnet

Als die kleine Hummel Bommel gemeinsam mit Ricardo Schmetterling und Fina Floh eine Zeitung mit der Schlagezeile “Das große Glück wartet auf dich! Gewinne eine Weltreise!” findet, denkt er, um das Glück zu finden, muss man die Welt entdecken.
Daraufhin packt Bommel seine Sachen zusammen und geht auf große Reise. Damit er immer ein Stück Heimat dabei hat, packt seine Mama ihm ganz viele Honigbrote ein und Ricardo und seine Eltern sagen ihm, dass sie immer auf ihn warten.

Nun geht es für Bommel über London nach New York über Asien nach Paris. Derweil sitzt Ricardo Zuhause und fragt sich, wo sein Freund Bommel sich wohl gerade aufhält und was er auf seiner Reise erlebt.
Bommel lernt auf seiner Reise viele neue Bekannte und Freunde kennen, aber spätestens als sein letztes Honigbrot gegessen ist, holt ihn die Sehnsucht nach seinem Zuhause ein.

Nicht nur Bommel freut sich, als er von seiner Reise zurückkehrt, auch Ricardo und seine Eltern sind froh ihn nach seinen abenteuerlichen Erlebnissen wieder in die Arme schließen zu können!

“Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück” ist eine weitere Geschichte rund um die Hummel Bommel und ihre Freunde, welches wiederum durch eine wunderschöne Geschichte, traumhafte Illustrationen und passende Songs von Maite Kelly besticht.
Durch Hummel Bommels Reisen in diesem Buch gibt es zahlreiche neue Charaktere und Hintergründe zu entdecken.
In diesem Buch lernt man, egal wie schön es ist die weite Welt zu entdecken, dass das wahre Glück Zuhause bei Freunden und Familie zu finden ist.

Bewertung vom 12.09.2018
Ghost
Reynolds, Jason

Ghost


ausgezeichnet

Ghost kann schnell rennen… schneller als jeder andere. In einer Nacht rettete ihm das womöglich sein Leben, als er gemeinsam mit seiner Mutter vor seinem Vater davon rannte, der die beiden töten wollte. Vor einer Sache kann jedoch selbst Ghost nicht wegrennen: vor sich selbst.

Durch bloßen Zufall landet Castle Cranshaw, der sich selbst Ghost nennt, in der Laufmannschaft des Trainers Brody. Ghost sieht der Mannschaft beim Training zu und läuft just for fun neben der Bahn beim Rennen mit, eigentlich nur, um es dem eingebildeten Schnösel zu zeigen, der Mitglied in der Mannschaft ist und sich für unschlagbar hält. So wird der Trainer auf Ghosts Talent aufmerksam und nimmt ihn in die Mannschaft auf.
Seine Mutter erlaubt es ihm unter der Bedingung, dass Ghost keine Schwierigkeiten mehr macht und seine Schulnoten nicht darunter leiden. Doch das ist einfacher gesagt als getan.
Ghost ist eine Zielscheibe für Mobbing, durch das Stigmata der verrufenen Gegend in der er lebt und seinen familiären Verhältnissen. Wenn ihm jemand dumm kommt, diskutiert Ghost dies jedoch nicht aus oder geht weg, sondern lässt sich auf Schlägereien ein.
Seit seine Mutter ihn alleine aufziehen muss, ist das Geld knapp. Dies führt unter anderem dazu, dass Ghost zum Dieb wird… Diese Komponente in der Geschichte führt zum Reflektieren in den Augen des Lesers. Kann man seiner Herkunft entfliehen? Ist man mit einem bestimmten sozialen Hintergrund dazu verdammt kriminell zu werden? Hat jeder Dieb die gleichen Beweggründe? Auch wenn es nichts offensichtlich Lebensnotwendiges ist, das Ghost stiehlt, so kann man doch verstehen, welche Gründe zu dieser Tat führen und diese entschuldigen, zumal Ghost dank seiner neuen Freunde und Trainer Brody lernt für sich selbst einzustehen und nicht mehr vor allen Problemen davon zu laufen. Das Laufteam ist für Ghost die Chance seine scheinbar vorgegebenen Lebenspfade zu verlassen und eigene Wege zu beschreiten.

Da Jason Reynolds seinen Protagonisten selbst erzählen lässt, liest sich die Geschichte sehr flüssig und stimmig und man fühlt hautnah mit ihm, so dass man sich gut in seine Probleme hineinversetzen kann.
Die Sprache ist seinem Alter gemäß sehr jugendlich und teilweise umgangssprachlich.
Neben Ghost, seiner Mutter und Trainer Brody lernt man auch die Protagonisten der nachfolgenden drei Teile Patina, Sunny und Lu bereits gut kennen. Auch wenn dieser Band in erster Linie um Ghost geht, so werden die Probleme und sozialen Hintergründe der anderen drei Läufer bereits angeschnitten, so dass man in groben Zügen erahnen kann, was einen in den folgenden drei Geschichten erwarten wird.

Dank einem ausführlichen Ausblick auf den zweiten Band “Patina” erfährt man, dass Jason Reynolds nicht viermal parallele Geschichten über den gleichen Zeitraum erzählt, sondern dass mit dem Hauptdarsteller der Geschichte die begonnene Story fortlaufend weitererzählt wird. So beginnt der Erzählstrang mit Patina als Protagonistin an dem Tag, an dem die Geschichte mit Ghost als Hauptfigur endet.

Auch wenn Ghosts Geschichte in den USA angesiedelt ist, so schreibt Jason Reynolds dennoch von Problemen, mit denen sehr viele Jugendliche in diesem Alter konfrontiert werden wie Mobbing, schulischen oder familiären Problemen. Dass man sinnbildlich nicht vor seinen Problemen wegrennen kann, setzt der Autor hier in eine gelungene Metapher um. Durch das wortwörtliche Laufen schafft Ghost es, dass er nicht mehr vor seinen Problemen davon läuft, sondern für seine Fehler einsteht oder Konflikte zu lösen versucht und seinen Kontrahenten nicht einfach “eins aufs Maul gibt”.

Es ist ein Lösungsansatz, der sich auf alle Jugendliche unabhängig von dem Land, in dem sie aufwachsen, übertragen lässt: der Rückhalt und den Gemeinschaftssinn, den man in einem Team oder einer Mannschaft erfährt, stärkt den Charakter und kann einem auch in anderen Situationen seines Lebens helfen.

Bewertung vom 12.09.2018
Die andere Verbindung
Ems, Jonas

Die andere Verbindung


sehr gut

Auf dieses Buch bin ich aufmerksam geworden, da meine Tochter Generation YouTube ist. Mit persönlich fehlt das Verständnis dafür, was an (den meisten) YouTube Kanälen so reizvoll ist, dass man Stunden am Tag damit zubringen kann sich diese Videos anzusehen, aber umgekehrt verstehen Kindern bei ihren Eltern wohl auch so einiges nicht ;)
Mein Interesse an diesem Buch war dem Umstand geschuldet, dass ich sehr wohl weiß welchen Einfluss die Betreiber der YouTube Kanäle auf ihre Fans haben und Kinder und Jugendliche, die normalerweise nicht oder nur wenig lesen, urplötzlich Interesse am gedruckten Wort zeigen, sobald es aus dieser Richtung kommt.
Meine Erwartungen an dieses Buches waren nicht hoch. Vorschusslorbeeren bekam es bei mir allerdings bereits im Vorfeld aus dem eingangs erwähnten Grund, dass ein YouTube Influencer hier seine Popularität nutzt, um Jugendliche zum Lesen zu bringen und dafür, dass Jonas Ems auf seine Einnahmen zugunsten der NABU verzichtet.
Davon abgesehen findet der Leser hier tatsächlich ein sehr gut lesbares Buch, welches zwar auf den Bekanntheitsgrad der darin agierenden YouTuber setzt und die Storyline darum aufgebaut ist, aber auch ohne Fan und Verfolger dieser Kanäle zu sein, bietet die Geschichte kurzweilige Unterhaltung.

Sechzehn YouTuber – inklusive Jonas Ems – werden zu einem YouTube-Camp in Schweden eingeladen. Teils sind unter den YouTubern Freunde, mit denen Jonas auch abseits seines Kanals abhängt, teils sind es einfach Konkurrenten, und man liegt nicht zwingend auf einer Wellenlänge, nur weil man ein gemeinsames Hobby teilt. In der Größenordnung, in der Jonas’ und die Kanäle der anderen angesiedelt sind, zählen nur noch Klickzahlen und Abonnements, das Konkurrenzdenken wird immer größer, das letzte, von dem man da sprechen kann ist eine Gemeinschaft.
So sind die sechzehn Individuen auch ziemlich verloren, als ihr Bus mitten in der schwedischen Einöde stehenbleibt und der Busfahrer wortlos verschwindet und nicht wieder auftaucht. Abgeschnitten von der Medienwelt und ohne Empfang, um telefonisch oder per Internet Hilfe herbeizuholen, macht zunächst jeder sein eigenes Ding, und erst als die Situation mehr und mehr ausweglos erscheint, berufen sie sich auf die Gemeinschaft und ziehen an einem Strang.

Teilweise lasen sich die Satzstrukturen etwas gezwungen und holprig, was angesichts der Tatsache, dass Jonas Ems gerade einmal 21 Jahre alt ist und das Buch eindeutig auf seine Fans als Zielpublikum abzielt, entschuldbar ist.
Ansonsten weiß er mit dem Buch jedoch zu überzeugen. Es liest sich trotz einiger holpriger Stellen sehr flüssig. Bis auf ein oder zwei Passagen, die sich für mich etwas gezogen haben, war es durchgehend spannend und gezielt auf die Auflösung ausgerichtet. Für Fans der teilnehmenden YouTuber werden sich diese Durststrecken wahrscheinlich nicht ergeben, da die Geschichte für diese allein wegen des Personals interessanter ist als sie es für mich war.

Die inhaltliche Entwicklung schlägt eine Brücke zu NABU als Spendenzweck und abgesehen vom Thema Naturschutz bringt Jonas eine weitere sehr interessante und wichtige Komponente zur Sprache in diesem Buch, auf welche ich jedoch nicht näher eingehen kann, da die Auflösung der Geschichte eben darauf aufbaut.

Auch wenn “Die andere Verbindung” kein literarischer Höhenflug ist – und mitnichten sein will – so bietet sie jedoch kurzweilige und stimmige Unterhaltung, die mit Sicherheit den einen oder anderen Jugendlichen aus der Generation YouTube für einige Stunden vom Computer weglocken kann, um die Nase stattdessen in ein Buch zu stecken. Allein dafür ein Daumen hoch für Jonas Ems. Im Endeffekt zählt nämlich nur wenig, welche Bücher für Kinder und Jugendliche empfohlen werden, am Ende des Tages ist nur eines wichtig: DAS gelesen wird! Zudem zieht man aus der Geschichte tatsächlich eine wertvolle Moral, die nicht nur, wie in diesem Fall, auf die YouTuber anwendbar ist.

Bewertung vom 05.09.2018
Die kleine Hummel Bommel
Sabbag, Britta; Kelly, Maite; Tourlonias, Joëlle

Die kleine Hummel Bommel


ausgezeichnet

Die kleine Hummel Bommel hat ganz kleine Flügel, so wie alle anderen Hummeln auch. Die anderen Insekten haben jedoch große Flügel und machen sich über die kleine Hummel lustig, ob sie denn überhaupt mit so kleinen Flügeln fliegen könnte oder stattdessen nach Hause laufen müsste.
Daraufhin sieht sich die kleine Hummel in einem Tautropfen an und zweifelt an sich selbst. Tatsächlich sind ihre Flügel so klein, dass sie unmöglich damit fliegen kann, also läuft sie nach Hause.
Auf ihrem Heimweg kommt sie an vielen anderen Insekten vorbei. Zum Beispiel an Libelle Lilli, die riesige Flügel hat, da sie täglich lange über dem Wasser schweben muss auf der Jagd nach Insekten. So bringt Bommel nach und nach in Erfahrung, dass jedes Insekt andere Flügel hat, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Dennoch will sie nicht glauben, dass sie mit ihren winzigen Flügeln fliegen kann, bis Pastor Fliege sie zu Ricardo Raupe schickt. Mit ihm soll sie reden, denn auch Ricardo Raupe muss das Fliegen erst lernen. Doch auch nach dem Besuch bei Ricardo Raupe braucht es zwei weitere Begegnungen, bis die kleine Hummel Bommel an sich glaubt und das Fliegen lernt.
Zwei Dinge sind letzten Endes dafür ausschlaggebend: Es ist der Mut, der in einem selbst steckt, und in Falle der Insekten auch deren Bestimmung. So haben Hummeln zwar sehr kleine, aber auch besonders starke Flügel durch den Blütennektar, von dem sie sich ernähren.

Die Illustrationen von Joëlle Tourlonias sind ganz zart, sowohl in der Farbgebung als auch in der Ausführung. Die Bilder sind formatfüllend und alle Seiten inklusive Hintergrund coloriert.
Die Insektenwelt ist teilweise integriert in die menschliche Welt, so sitzen Bommel und seine Eltern am Ende des Buches in einem Wohnzimmer, wie jedes Kind es von Zuhause kennt. Sehr niedlich umgesetzt und darüberhinaus verstärkt dies die Identifikationsmöglichkeit für Kinder mit der Hummel Bommel.
Die Insektennamen haben alle eine Alliteration, wie Willi Weberknecht, Gerda Grille oder Ricardo Raupe. Bei Kinderbüchern finde ich dies immer sehr schön, um das Gefühl für Sprache zu entwickeln, zudem diese in der Regel einprägsamer sind.

Jeder ist anders, und das ist gut so, denn jeder hat andere Stärken. Mit der kleinen Hummel Bommel lernen Kinder anhand der bunten und vielfältigen Welt der Insekten, dass jeder seinen Platz in der Welt hat und keiner in den gleichen Sachen gut sein muss. Du bist du!

Bewertung vom 04.09.2018
Wo alles beginnt / Hazel Wood Bd.1
Albert, Melissa

Wo alles beginnt / Hazel Wood Bd.1


gut

Seit Alice denken kann werden ihre Mutter und sie vom Unheil verfolgt. So kommt es, dass die beiden ständig auf der Flucht von einem zum nächsten Ort sind und nie lange irgendwo bleiben. Alice' Großmutter ist die mysteriöse Märchenerzählerin Althea Proserpine, die ein Buch mit Märchen aus dem "Hinterland" geschrieben hat, welches jedoch nirgendwo mehr aufzutreiben ist, weder neu noch gebraucht. Als Alice' Großmutter stirbt und ihre Mutter entführt wird, versucht sie mit Hilfe der verschollenen Märchen das Geheimnis ihrer Herkunft zu entschlüsseln. Dabei kommen Sachen ans Tageslicht, die fern jeglichen menschlichen Vorstellungsvermögens liegen, in einem dunklen, märchenhaften Reich, gerade so, als wäre das Hinterland Wirklichkeit...

Melissa Albert hat mit "Hazel Wood: Wo alles beginnt" eine sehr düstere Märchenadaption geschrieben, die mit den tiefsten Ängsten der Menschen spielt. Meiner Meinung nach ist die Geschichte in einem Jugendbuchverlag eher deplatziert. Die Altersempfehlung vom Verlag ist mit 14 Jahren sehr niedrig angesetzt. Wenn die Protagonistin keine 17jährige wäre, wer weiß, ob der Titel dann überhaupt als Jugendbuch deklariert worden wäre.
Wer Märchenadaptionen liebt und sich gerne so richtig gruselt, da sollte unbedingt in Hazel Wood hineinlesen. An sich ist der Stoff wirklich großartig. Nur leider verliert sich Melissa Albert zu Beginn in zu vielen Details, so dass sich die ersten 100 Seiten des Buches für mich arg zogen, und ich eigentlich schon die Lust am Weiterlesen verloren hatte. Ab dann nehmen die Märchen aus dem Hinterland jedoch immer größeren Raum ein und fesseln den Leser an das grausige Geschehen, welches Alice auf der Suche nach ihrer Herkunft begleitet. Wer einen langen Atem hat, wird also belohnt.

Schade, dass Melissa Albert zu lange benötigt, um der Handlung einen roten Faden zu geben. Sie hat viel Potential verschenkt, in dem sie zu Beginn einige Längen in der Geschichte hat und man mehr schlecht als recht durch die Handlung stolpert.
Sehr lesenswert sind jedoch die Zitate an bekannte Märchen und Zitate an ebenso bekannte zeitgenössische Geschichten und Filme. Solche Querverweise lese ich in Büchern immer sehr gerne und dies konnte mich über einige Längen und Ungereimtheiten hinwegtrösten. Ein weiterer Höhepunkt ist die düstere Atmosphäre, die die Autorin heraufbeschwört.
Letzten Endes habe ich aber zu lange gebraucht, um wirklich in die Geschichte hineinzufinden und da das Ende in sich abgeschlossen ist, verspüre ich keinen Anreiz eine mögliche Fortsetzung zu lesen.

Bewertung vom 04.09.2018
Die Prinzessin von Bestimm
Lindemann, Johanna; Henn, Astrid

Die Prinzessin von Bestimm


ausgezeichnet

Die Prinzessin von Bestimm macht ihrem Namen alle Ehre, denn sie will wirklich alles bestimmen. Wenn ihre Eltern auch nur einmal NEIN sagen, hält sie die Luft an, wirft sich auf den Boden und fängt an zu schreien.

Prinzen und Prinzessinen von Bestimm kennen sicherlich alle Eltern. Und garantiert hat auch jeder bereits einmal nachgegeben, wenn das jeweilige Kind plötzlich in die Luft zu gehen droht.
Wohin das Ganze jedoch führen kann, wenn man seinem Kind nur noch den eigenen Willen lässt? Zunächst will die Prinzessin so lange wach bleiben wie sie möchte, nur essen, worauf sie Lust hat, irgendwann will sie das Wetter bestimmen, und wenn es nach ihr ginge, würde sie sogar bestimmen, wann ein Baby auf die Welt kommt oder wann jemand stirbt. Zum Glück geht das nicht!
Aber was die Angestellten am königlichen Hof alles machen, um der Launen der Prinzessin so gut es geht nachzugeben, ist schon verrückt: mit Gießkannen erzeugen sie Regen, damit die Prinzessin täglich einen Regenbogen zu sehen bekommt, den armen Pferden auf der Koppel kleben die Diener Hörner an, weil die Prinzessin Einhörner haben möchte. Davon träumt doch jedes Kind! Oder?

Leider stellt die Prinzessin eines Tages fest, dass es auch sehr langweilig werden kann, wenn man über alles bestimmen darf. Es gibt nichts mehr, was sie überrascht, und kein Kind will mehr mit ihr spielen.
So kommt es, dass die Prinzessin eines schönen Tages alleine zu einem Spaziergang aufbricht und dabei eine Entdeckung macht, auf Grund deren sie überdenkt, ob es wirklich so toll ist, wenn man immer die Bestimmerin ist…

Auch wenn die Geschichte von Johanna Lindemann überspitzt dargestellt ist, so erkennt sich sicherlich jede Mama und jeder Papa in den königlichen Eltern wieder, denn eine Bestimmer-Phase durchlebt jedes Kind über kurz oder lang.
Die herrlich verrückten Ideen und passenden Illustrationen dazu entlocken beim Vorlesen und Zuhören jede Menge Lacher und Kinder können sich gut in die Prinzessin hineinversetzen, dass es irgendwann langweilig wird, wenn man immer seinen Willen bekommt und nach und nach keiner mehr mit einem spielen will, weil sie neben ihren Ideen keine anderen gelten lässt.

Dass Freundschaft viel wichtiger ist, als immer seinen Willen durchzusetzen, lernt die Prinzessin auf ihrem Spaziergang, auf dem sie auf eine andere Bestimmerin trifft. Ob sich diese Erkenntnis nun wirklich dauerhaft bei ihr durchsetzt? Wer weiß ;)

Die Geschichte der Prinzessin von Bestimm bietet auf sehr lustige und skurrile Weise Diskussionsstoff für Eltern und Kinder.
Man sieht, wohin es führen kann, wenn man Kindern keine Grenzen aufsetzt, und erfährt die negativen Seiten davon, wenn man immer der alleinige Bestimmer ist.
Denn ganz ehrlich: wer spielt schon gern alleine? Und Freundschaften funktionieren nun einmal nur auf gleicher Augenhöhe, und nicht, wenn einer sich ständig über den anderen hinwegsetzen will.

Für die Moral benötigen weder Johanna Lindemann noch Astrid Henn einen erhobenen Zeigefinger – sie setzen auf Witz und verrückte Einfälle, so dass es nicht nur Spaß macht zu lernen, warum man nicht immer der Bestimmer sein sollte, es gibt auch nach mehrmaligem Lesen immer noch lustige Details zu entdecken.

Bewertung vom 04.09.2018
Warrior Cats - Katzenzeichnen
Hunter, Erin

Warrior Cats - Katzenzeichnen


ausgezeichnet

So groß, wie das Warrior Cats Universum mittlerweile angewachsen ist, und bei den vielen eingefleischten Fans, die nicht nur nach neuen Abenteuern, sondern auch nach Merchandise gieren, war es wohl nur eine Frage der Zeit bis solche Zusatzbände wie das nun vorliegende “Katzenzeichnen” in den Buchhandlungen zu finden sind.

Mittlerweile liest meine Tochter bei uns zu Hause die Abenteuer der Katzen und hat sich daran versucht, nach den Anleitungen in diesem Buch, ihre eigenen Warrior Cats zu erschaffen.

Inhaltlich ist das Buch gegliedert in Zeichenübungen für den Katzenkopf, den Katzenkörper, die Körpersprache und Bewegungsabläufe, sowie die verschiedenen Altersstufen.
Es geht also Schritt für Schritt los, bevor es richtig ans Eingemachte geht, so dass das Buch nicht nur für geübte Zeichner, sondern wirklich für Anfänger gemacht ist und auf jeden Fall Erfolge mit sich bringt.
Der Katzenkopf wird so beispielsweise nicht als großes Ganzes, sondern Stück für Stück erläutert. Wie man die einzelnen Komponenten wie Augen, Ohren oder Nase, teils aus verschiedenen Blickwinkeln, nachzeichnet, bis man letztendlich alles zusammenfügt und mit dem neugewonnenen Wissen einen kompletten Katzenkopf darstellen kann.
Frieda hat wirklich Ahnung von der Materie und kann sehr gut erklären, auch auf Anatomie und Proportionen wird eingegangen. Es wird sehr detailliert in Schritt für Schritt Anleitungen angewiesen und erläutert.
Immer wieder sind Freiflächen im Buch zu finden, auf denen man das neu Erlernte direkt in die Praxis umsetzen kann, so dass man nach erfolgreich ausgeübtem Zeichenkurs mit dem Buch ein individuelles Skizzenbuch hat.

Von den Grundlagen bis hin zu Katzen in Bewegung oder verschiedenen Altersstufen – es hört sich erst einmal wenig an, dass das Buch “nur” 200 Seiten hat, von denen ja auch etliche blanko zum Bemalen sind, tatsächlich finde ich den Zeichenkurs aber sehr ausführlich um umfangreich und er bietet Kindern und Jugendlichen, je nachdem, wie gründlich die den Kurs machen, über Wochen Beschäftigung.

Momentan ist meine Tochter noch am Anfang und hat erfolgreich Augen, Ohren und Nasen nachgezeichnet, am kompletten Katzenkopf beißt sie sich aktuell noch die Zähne aus.

Neben den Erläuterungen an jeder Vorzeichnung im Buch, bietet die Autorin und Illustratorin Frieda mit hilfreichen Tipps aber noch weitere Unterstützung, so dass es sicher nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich meine Tochter auf die nächsten Aufgaben in diesem Buch stürzen wird.

Fazit
Ich finde es toll, dass Fans der Warrior Cats Reihe mit diesem Buch noch tiefer in das Universum abtauchen und mit dessen Hilfe ihre eigene Fan Art erstellen können.
“Warrior Cats – Katzenzeichnen” ist eine tolle Ergänzung zu den Abenteuern der Katzenclans und darüber hinaus allein deshalb eine Empfehlung wert, weil es die Kinder von den digitalen Medien weglockt und bei dem ein oder anderen damit vielleicht ein Grundstein für ein neues Hobby gelegt wird.

Bewertung vom 04.09.2018
Schandfieber
Weichmann, Helge

Schandfieber


ausgezeichnet

Nachdem die beiden in ihrem letzten Abenteuer bereits zum größten Teil in Mainz zugange waren, sind Tinne und Elvis auch in “Schandfieber” hauptsächlich in Mainz unterwegs.
Trotzdem führen mehrere Ausflüge in die Umgebung, sei es in den Mäuseturm nach Bingen, wo die beiden eine Ausstellung rund um die Heilige Hildegard besuchen, oder in eine Firma nach Ingelheim, wo bezüglich des aktuellen Falls Ermittlungen durchgeführt werden.
Wieder einmal gelingt es Helge Weichmann Stein für Stein detailgetreu zu beschreiben. Jede Straße, jeden Stadtteil, jeden öffentlichen Platz könnte man nach der Lektüre aufsuchen und begehen. So fühlt es sich für ortskundige Leser tatsächlich so an, als würden sie Tinne und Elvis auf ihrer Spurensuche nicht nur lesend begleiten.

Es wird nie langweilig in Rheinhessen! Auch mit der Heiligen Hildegard und den alten mittelalterlichen Rezepturen hat der Autor ein weiteres historisches Thema gefunden, welches er den Fällen von Tinne und Elvis zu Grunde legen konnte. So verknüpft er wiederum die längst vergangene Zeit mit erst wenigen Jahren zurückliegenden Ereignissen und der aktuellen Situation.
Es wird schwer für den Leser dem Täter auf die Spur zu kommen, bevor Tinne und Elvis dies tun. Denn auch wenn im Hauptfall nur einer der Bösewicht ist, so schwelen hier und da kleinere Brandherde durch Intrigen und Konkurrenzkämpfe, die immer wieder von der eigentlichen Spur wegführen und sowohl die Protagonisten als auch die Leser weiter im Dunkeln tappen lassen.

In “Schandfieber” wird es meines Erachtens noch ungleich brutaler und ekliger gegen Ende als es in den vorausgegangen Abenteuern der Fall war. Ich für meinen Teil, der kaum Krimis und Thriller liest, musste bei einigen Passagen ganz schön schlucken, um das Gelesene zu verdauen. Wer eins und eins zusammenzählt, kann sich wahrscheinlich denken was ihn bei Forschungen an alten Arzneien, einem akuten Fall von Tollwut und spurlos verschwundenen Tieren erwarten wird… Es wird blutiger als sonst in Weichmanns Geschichten!

Die letzten Kapitel jagen den Leser durch einen gnadenlosen Showdown, an einer Stelle liest sich die Geschichte beinahe wie eine Hommage an Stephen Kings “Cujo”, andere Stellen erinnern an Gerichtsmedizin – zum Glück obsiegt am Ende wieder die humorvolle Seite seiner Rheinhessen-Krimis, die er an einer Stelle des Buches gelungen aufs Korn nimmt, so dass man die liebgewonnen Helden am Ende erleichterten Herzens verlassen kann, – nachdem man ordentlich durchgeschnauft hat! – in der Hoffnung, dass Helge Weichmann noch weitere Themen aufspürt, denen sich Tinne und Elvis in weiteren Fällen widmen können.

Bewertung vom 04.09.2018
Drachenerwachen
Zinck, Valija

Drachenerwachen


sehr gut

Frau Tossilo traut ihren Augen nicht. Kaum zurück aus dem Urlaub, will sie ihr mächtiges, pinkfarbenes Ungetüm von Koffer – genannt der “pinke Prinz” – auspacken, doch nachdem sie den Deckel aufgeklappt hat, traut sie ihren Augen nicht: die Reisegesellschaft muss zwei Koffer vertauscht haben! Statt ihren pinken Flanellbademantel zu erblicken, sieht sie auf ein zusammengeknülltes Kleiderbündel. Doch bevor sie ihre Beschwerde beim Veranstalter anbringen kann, wird sie auf etwas anderes im Koffer aufmerksam: eine verschnörkelte Schatulle, die eine seltsame Sehnsucht in ihr weckt…

“Drachenerwachen” ist der erste von zwei Bänden, in denen die Geschichte der schrulligen Frau Tossilo, den beiden Geschwistern Janka und Johann, und dem Drachen Kurmo Silfur erzählt wird.

Frau Tossilo hat mich in ihrer Art an den Klassiker von Christine Nöstlinger “Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse” erinnert. Frau Bartolotti, die dort unfreiwillig zur Adoptivmutter von Konrad wurde, war ebenso schrullig, menschenscheu, kaufsüchtig und hatte mit Kindern nichts am Hut. Genauso wirkt Frau Tossilo zu Beginn der Geschichte. Eine Frau, die ein eher unerfülltes, einsames Leben führt, welches sie mit unkontrollierten Käufen von allem möglichen für sie unnützen Schnickschnack zu kompensieren versucht.

Als Kurmo Silfur in ihr Leben tritt, ändert sie sich jedoch nach und nach. Mit dem Drachen werden nach einer Weile auch die beiden Kinder Janka und Johann Teil ihres Lebens und gemeinsam kämpfen die drei für ein Leben in Freiheit für Kurmo. Denn auch wenn Frau Tossilo nach der Entdeckung Kurmos, dessen Ei in der geheimnisvollen Schatulle lag, ihren Koffer nicht mehr wiederhaben möchte, so sucht jedoch der andere Besitzer nach ihr. Der Doppelgänger ihres “pinken Prinzen” gehört einem Energiekonzern, der seine eigenen Pläne mit dem Drachen verfolgt… So beginnt ein großes Abenteuer für Frau Tossilo und ihre zwei jungen Freunde, das über ein Versteckspiel bis hin zur Flucht führt.

Valija Zinck hat einen unheimlich schönen Schreibstil. Die Geschichte ist eine gelungene Mischung aus klassischer Kinderliteratur und einem modernen Abenteuer. An meine Leseerlebnisse aus Kindheitstagen haben mich beispielsweise die Kapitelüberschriften oder die Charakterzeichnungen erinnert, sowie die enge Verbundenheit zwischen den Geschwistern, trotz unterschiedlicher Interessen. Sehr modern kommt dagegen Johanns Hobby daher, denn er zockt begeistert Computerspiele und träumt auch von einem Beruf in diese Richtung. Zum Glück für Kurmo, Frau Tossilo und Janka! Denn mit seiner Computerleidenschaft schafft er es nicht nur einmal alle zusammen aus einer Patsche zu befreien. Gegen Ende nimmt diese Facette einen immer größeren Raum innerhalb der Geschichte ein bevor die Autorin zu einem regelrechten Überraschungsschlag dahingehend ausholt!

Das Cover ist sehr schön gestaltet, die Vignetten an den Kapitelanfängen lockern die Geschichte im Inneren des Buches auf. Die Kapitel haben eine gute Leselänge und Johanns Hobby dürfte ein weiterer ausschlaggebender Punkt dafür sein, dass die abenteuerliche Geschichte von Kurmo Silfur und seinen menschlichen Freunden auch bei Jungs großen Anklang finden dürfte. Valija Zinck ist da wirklich eine ausnehmend gelungene Mischung geglückt.

“Drachenerwachen” ist einerseits ein märchenhaftes Abenteuer mit klassischen Erzählelementen, andererseits nimmt eine hochtechnische Komponente einen großen Raum ein, so dass Mädels wie Jungs, Freunde klassischer Erzählbücher, sowie moderner Literatur im Kinderbuchbereich, allesamt auf ihre Kosten kommen sollten.

Einzig das Ende war mir doch zu abrupt und offen, auch wenn es bereits im Frühjahr 2019 mit dem Drachenabenteuer weitergehen soll.

Bewertung vom 04.09.2018
Als Larson das Glück wiederfand
Widmark, Martin; Dziubak, Emilia

Als Larson das Glück wiederfand


ausgezeichnet

Larsons Haus steht dunkel und einsam. Nur klein und weit entfernt sieht man ein beleuchtetes Fenster im Erdgeschoss des Hauses.
Dahinter sitzt der alte Larson. Er ist ganz allein in seinem großen Haus, denn seine Frau ist verstorben und die erwachsenen Kinder ausgezogen. Nun hat selbst sein Kater ihn verlassen. Doch irgendwie erleichtert Larson das, denn nun muss er sich keine Gedanken mehr darüber machen, was aus Johann Sebastian werden soll, wenn er nicht mehr da ist.

Abends geht Larson durch das Haus und löscht alle Lichter. Dabei merkt man, wie sehr der alte Mann doch in der Vergangenheit lebt.
Im Atelier hört er die Stimme seiner Frau, wie sie Larson nach seiner Meinung zu ihren Bildern fragt, in der Bibliothek denkt er daran, wie oft er hier zum Lesen saß, in den ehemaligen Kinderzimmern denkt er an seine Kinder, und wie sie waren, als sie noch ganz klein waren.
Zum Ende geht er in sein Schlafzimmer, zieht sich aus, legt sich hin und will gerade schlafen, als es an der Tür klingelt.

Das kann nur ein Irrtum sein…

Zu Beginn sieht der Leser den einsamen Larson durch sein dunkles, von Pflanzen zugewuchertes Haus wandern. Die Bilder sind düster, abgesehen von den Erinnerungen, die Larson in seinen Gedanken bewahrt.
Es bleibt auch noch düster als Larson seinem ungebetenen Gast – dem kleinen Nachbarsjungen – die Tür öffnet. Dieser vertraut ihm einen Blumentopf zur Pflege an, weil er selbst mit seinen Eltern in Urlaub fährt. Larson möchte sich eigentlich um gar nichts mehr kümmern, als Erwachsener liest man hier etwas ganz Trauriges zwischen den Zeilen…

»Aber …«, ruft er. »Ich kann mich doch nicht mehr um etwas kümmern! Ich werde doch …«‘

Doch dann geschieht etwas ganz Wunderbares! Langsam bricht eine kleine Pflanze durch die trockene Blumenerde, und dies weckt auch den Lebenswillen von Larson, der nun mit widererweckten Lebensgeistern und voller Motivation gegen den Staub und Unrat in seinem Haus vorgeht, der ihm nun erst auffällt. So zieht mit der kleinen Pflanze des Nachbarjungen endlich Sonne und Licht in Larsons Haus und selbst Kater Johann Sebastian kehrt zurück.

Martin Widmark hat ein wunderschönes, aber auch nachdenklich stimmendes Buch geschaffen mit Unterstützung der zauberhaften Illustrationen von Emilia Dziubak, die oftmals formatfüllend diese Geschichte untermalen und visualisieren.
Er zeigt auf, wie wichtig es ist im Alter noch gebraucht zu werden, damit man seinen Lebenswillen nicht verliert. Als Erwachsener liest man die traurigen Untertöne im Text und erkennt die Tragik in den in den Bildern eingebundenen Erinnerungen Larsons. Kinder werden diese ernsthaften Klänge vermutlich nicht direkt in ihrer Gänze erfassen, aber Text und Bilder bieten viele Anknüpfungspunkte, so dass Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen können.

Larson findet sein Glück wieder, denn obwohl er nicht mehr im Berufsleben steht und seine Angehörigen ihn auf verschiedene Weise verlassen haben, hat er neue Aufgaben und Freunde gefunden, die ihm das Gefühl geben wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Eine schöne Aussage eines noch schöneren Gemeinschaftswerks von Martin Widmark und Emilia Dziubak.