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Ann-liest
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Hessen

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Insgesamt 120 Bewertungen
Bewertung vom 19.09.2024
Stoltz, Nikolas

Todeskalt / Löwenstein & Berger Bd.2


gut

Solider Krimi mit Schwächen

Ich habe mich sehr auf „Todeskalt“ gefreut, da der Krimi im Taunus angesiedelt ist und damit in einer Region, die ich gut kenne.

In diesem Fall begleiten wir die Ermittler auf der Jagd nach der von einer Sagengestalt inspirierten „Erlöserin“. Zunächst einmal lässt sich sagen, dass die Idee hinter dem Fall wirklich sehr gut und spannend ist. Das ganze Setting ist sehr atmosphärisch und etwas bedrohlich - von der Winterlandschaft und der Kälte über die störrischen Dorfbewohner, die selbsternannte Wache bis zur etwas geheimnisvollen Tochter des Dorfwirts. Auch die Verbindung mit einer Sage, die Auseinandersetzung mit dem Thema Depressionen und der Spannungsbogen sind gut gelungen.

Was mich allerdings anfangs leicht, zum Schluss hin massiv gestört hat, ist das Verhalten der Ermittler, das mehr und mehr an Authentizität verloren hat. Immer öfter musste ich mich fragen, was das jetzt wieder sollte und welcher Ermittler so verantwortungslos handeln würde. Natürlich gibt es die schriftstellerische Freiheit, aber wenn man sich für einen Krimi als Sujet entscheidet, in dem klassische Ermittlungsarbeit aufgegriffen wird, erwarte ich auch eine möglichst realistische Umsetzung.

Insgesamt ein unterhaltsamer und solider Krimi, bei dem man bei den Entscheidungen der Ermittler doch mal beide Augen zudrücken oder wahlweise verständnislos den Kopf schütteln muss.

Bewertung vom 18.09.2024
Jones, Dan

Winterwölfe


ausgezeichnet

Gelungene Fortsetzung

Mit „Winterwölfe“ setzt Dan Jones seine Erzählung über die Essex Dogs gekonnt fort. Aus meiner Sicht empfiehlt es sich, zunächst den ersten Band „Essex Dogs“ zu lesen, da die Handlung hier fortgesetzt wird und die Bücher somit aufeinander aufbauen.

Auf ihrem Feldzug in und gegen Frankreich haben die Essex Dogs Verluste hinnehmen müssen und finden sich nun dezimiert vor den Toren von Calais wieder. Der zweite Band thematisiert schwerpunktmäßig die Belagerung der französischen Stadt durch die englische Armee 1346/1347.

Wie auch schon im ersten Band merkt man sehr deutlich, dass der Autor ein Historiker ist. Es gelingt ihm sehr eindrucksvoll, historische Fakten in eine durchweg spannende Handlung einfließen zu lassen: Die ersten Schießversuche mit Kanonen, Schmuggel, Gewalt, Drogen, der Aufbau der Belagerungsstadt Villeneuve etc.

Dabei geht es ihm auch hierbei darum, ein authentisches Bild zu zeichnen, extrem derbe Sprache und starke Gewalt inklusive. Eine Romanze im historischen Setting oder eine Verklärung des Krieges sucht man hier vergebens. Dieses Buch ist ganz eindeutig nichts für zart besaitete.

Die Charaktere sind vom Krieg stark gezeichnet, charakterlich sehr unterschiedlich aber allesamt äußerst spannend.

Mir hat der zweite Band sogar noch etwas besser gefallen als der erste - vielleicht auch, weil ich sehr schnell wieder im Geschehen war, mir die Charaktere bereits vertraut waren und mich der heftige Sprachstil nicht mehr überrascht hat.

Bewertung vom 09.09.2024
Whitaker, Chris

In den Farben des Dunkels


ausgezeichnet

Ein großer, sprachgewaltiger Roman

„In den Farben des Dunkels“ hat mich wirklich begeistert. Es ist ein Buch das Zeit braucht, denn die Themen sind nicht locker-fröhlich, der Autor lässt sich viel Zeit, seine Handlung und die Charaktere zu entwickeln und es wirkt definitiv auch noch nach.

Patch und Saint sind beste Freunde als Patch entführt wird und das Leben der beiden dadurch auf absolut prägende und tragische Weise nachhaltig verändert wird. Für Saint bleibt das Leben still stehen und ihr einziges Ziel ist es, ihn wieder zu finden. Tatsächlich gelingt es ihr, doch weiterhin überschattet das Ereignis ihr Leben.

Das Buch ist von vorne bis hinten stimmig und folgt erzählerisch gekonnt seinem roten Faden. Motive wie das Piratentum oder auch die Kunst sind komplett durchdacht in die Handlung eingebettet.

Dabei entwickelt der Autor unheimlich starke Charaktere. Vom Leben nicht gerade mit Blumen überschüttet, gehen sie ihren Weg ohne die Menschen, denen ihr Herz gehört jemals aus den Augen zu verlieren. Zeitweise dachte ich, einige Passagen hätten etwas schneller sein können, aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr war ich der Überzeugung, dass es so genau richtig ist. Geschildert wird eine Suche, ein ganzes Leben und ein Schicksalsschlag, der so viele Menschen nachhaltig erschüttert hat - dies wird somit sehr deutlich aufgezeigt und für den Leser greifbar gemacht ohne langweilig zu werden.

Dieser Roman ist wirklich ein sehr intensives Hörerlebnis über so viele starke Themen - insbesondere über bedingungslose Liebe, aber auch über Schicksal, Verlust und die Wirren des Lebens. Der Sprecher setzt die Stimmung sehr gut um und verleiht den Personen ihren einzigartigen Charakter. Auch über die etwas längeren Passagen im Mittelteil hat er mich gut mitgenommen und meine Aufmerksamkeit zu keinem Zeitpunkt verloren.

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch und diesen Autor für mich entdeckt habe - das wird für mich nicht das letzte Buch aus seiner Feder bleiben.

Bewertung vom 06.09.2024
Harrow, Alix E.

Starling House


ausgezeichnet

Düster und absolut fesselnd

„Starling House“ ist eines meiner diesjährigen Highlights. Alleine dieses wunderschöne Buch in den Händen zu halten - das edle Cover ist insbesondere in Kombination mit dem passenden Farbschnitt ein absoluter Hingucker.

Und auch der Inhalt konnte mich voll überzeugen. Das Buch spielt mit Horrorelementen und schafft es sehr überzeugend, eine düster-bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Dabei spielt die Autorin auch mit Elementen wie Fußnoten und diversen Theorien rund um das geheimnisvolle Starling House, die den Eindruck einer realen Begebenheit erwecken.

Besonders beeindruckt haben mich die beiden Protagonisten Opal und Arthur. Ihre Lebensgeschichten sind fesselnd und wir lernen die beiden nach und nach besser kennen. Dabei hat mich insbesondere begeistert, dass die Autorin komplett auf übliche Klischees verzichtet hat. Ich bin ein Fan von Opal, ihren schiefen Zähnen, ihrem bissigen Mundwerk, ihren Lügen, ihrer Feigheit, ihrer Unangepasstheit - hinter der letzten Endes dramatische Erlebnisse, Selbstlosigkeit und ein riesiges Herz stecken. Und von Arthur, seiner Hakennase, seiner Wut und Verzweiflung, seiner Unnahbarkeit und am Ende auch der Stärke und Zugewandtheit, die er besitzt.

Mich hat das Buch von Anfang bis Ende in seinen Bann gezogen. Die Story ist stimmig und birgt auch die ein oder andere Überraschung.

Absolute Leseempfehlung für Leser, die es auch gerne mal etwas düster und mysteriös mögen.

Bewertung vom 06.09.2024
Minnameier, Christoph

Lua Luftwurzel - Silberelfen fängt man nicht


sehr gut

Reise zu den Fabelwesen

Hexe Malicia fängt Fabelwesen, um diese als Haushaltshilfen zu trainieren und Gewinn bringend zu verkaufen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als mit Lua Luftwurzel eine sehr wertvolle Silberelfe in ihre Falle geht. Dabei könnte es sein, dass sie den kleinen Wirbelwind etwas unterschätzt…

Die Charaktere in diesem liebevoll und bunt illustrierten Buch sind wirklich schön entworfen. Die Geschichte hat einen gewissen Witz und man fiebert mit der kleinen Elfe mit. Dabei werden wertvolle Botschaften transportiert, die Kindern den Wert von Zusammenhalt, Freundschaft und Vertrauen sowie Toleranz und Hilfsbereitschaft vermitteln.

Sehr gefallen hat mir auch, dass ganz dezent thematisiert wurde, wie schnell man andere vorverurteilt oder falsch einschätzt, nur weil man z.B. aufgrund unterschiedlicher Sprachen nicht oder nur schwer kommunizieren kann.

Falls es noch zu Folgebänden kommen sollte, würde ich mich freuen, wenn die kleine Silberelfe in ihrem Lebensraum Wald und ihre Feenmagie noch eine etwas größere Rolle spielen würden.

Insgesamt ein schönes Kinderbuch zum vorlesen oder selber lesen, dass insbesondere mit seinen schönen großen Illustrationen begeistert.

Bewertung vom 29.08.2024
Padda, Amani

Und dazwischen irgendwo wir


ausgezeichnet

Sehr einfühlsam, viele wichtige Themen

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Macey und Vincent, die als Kinder beste Freunde waren, sich aber verloren haben.

Aufgrund tragischer Umstände und einer geheimnisvollen Geschichte voller persönlicher Bezüge finden die beiden nicht nur sich selbst sowie ihre enge Beziehung wieder, sondern darüber hinaus noch einige gute Freunde.

In dem Roman stecken wahnsinnig viele wichtige Themen, die Jugendliche im Speziellen aber auch unsere Gesellschaft ganz allgemein betreffen: (kulturelle) Identität, Familie, Freundschaften und Beziehungen, Leistungsdruck, Verlust und Tod, Depressionen…. Dabei schafft es die Autorin, diese Themen mit viel Einfühlungsvermögen und leisen Tönen zu platzieren. Es ist ein gediegener Roman, der uns Zeit lässt, die Protagonisten und deren Umfeld kennen zu lernen ohne dabei langweilig zu werden. Das Geheimnis um die mysteriöse Geschichte und den unbekannten Autor bringen zusätzlich eine spannende Komponente mit sich.

Ein sehr emotionales Buch voller Gefühle, thematisch nicht immer einfach, aber wirklich berührend und schön.

Bewertung vom 28.08.2024
Khayat, Rasha

Ich komme nicht zurück


ausgezeichnet

Poetisch und traurig schön

„Ich komme nicht zurück“ ist aus meiner Sicht ein ganz besonderes Buch. Traurig, berührend, vielschichtig und auch sehr poetisch geschrieben.

Aus der Ich-Perspektive erzählt Johanna aus ihrem aktuellen Leben und blickt zurück auf eine glückliche Kindheit und Jugend, die geprägt war von ihren liebenden Großeltern und einer starken und verbindenden Freundschaft, die sich bedingt durch Erlebnisse und Schicksal irgendwo verloren hat und immer noch ein Loch zurück lässt.

Insbesondere die Themen „Einsamkeit“ und „Heimat“ sind starke und auf vielfältige Weise behandelte Motive in dem Buch. Besonders berührt hat mich das Buch vermutlich auch, weil die Protagonistin und ihre Freunde ungefähr in meinem Alter sind und ich teilweise die geschilderten Ereignisse in einer ähnlichen Lebensphase erlebt habe.

Die Flucht aus einem Kriegsgebiet nach Deutschland, die gesellschaftlichen Nachwirkungen von 9/11 und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Individuum werfen Fragen nach Identität, Zugehörigkeit, Heimatgefühl, Ausgrenzung und Einsamkeit auf, die hier aufgegriffen und mit viel Gefühl poetisch umgesetzt werden.

Das Ende des Buches empfinde ich als absolut stimmig - ein besonderes Buch, das ich guten Gewissens empfehlen kann.

Bewertung vom 16.08.2024
Karim Khani, Behzad

Als wir Schwäne waren


ausgezeichnet

Beeindruckender Roman

Mich hat dieses Buch wirklich ergriffen. Es geht um die Geschichte eines Jungen, der als Kind der 1980er/90er Jahre mit seinen Eltern aus dem Iran fliehen muss und sich in einer Bochumer Siedlung wiederfindet. Gewalt, Drogen und Rassismus sind an der Tagesordnung und der Junge verliert sich selbst in dieser Spirale, in der am Ende nur Wut und Hass bleiben.

Der Erzählstil ist sehr direkt und dabei absolut schonungs- und emotionslos. Die Resignation und die Wut des Protagonisten scheinen in jedem Satz durch und zwingen einen in die Auseinandersetzung mit der Lebensrealität vieler Flüchtlinge wenn sie nach Deutschland kommen und sich alles andere als willkommen fühlen.

Dabei seziert der Autor das Verhalten und die Kultur, vor allem aber auch die Sprache in Deutschland. Diese Szenen haben mich wirklich beeindruckt und teilweise auch schockiert zurück gelassen.

Auch die geschilderten Gespräche zwischen dem Protagonisten und seinen hoch gebildeten Eltern haben mir sehr gefallen. Insgesamt hat einem das Buch so auch einen sehr guten Einblick in kulturelle Unterschiede gegeben und den Kulturschock, dem die Familie ausgesetzt war sehr drastisch gezeigt.

Mich hat das Buch wirklich auf mehreren Ebenen begeistert - erzählerisch, sprachlich aber auch die Geschichte an sich. Ein wichtiges Buch, das den Finger in die Wunde legt und mich sicherlich gedanklich noch eine Weile begleiten wird.

Bewertung vom 04.08.2024
Douaihy, Margot

Verbrannte Gnade / Die Punkrock-Nonne ermittelt Bd.1


gut

Das Cover hat mich sofort angesprochen - es ist herrlich schrill und provozierend. Erwartet habe ich einen spannenden Kriminalfall mit einer polarisierenden, schlagfertigen und unangepassten Protagonistin. Sprich viel Lesespaß.

Leider muss ich sagen, dass mich das Buch nicht ganz überzeugen konnte. Ich habe mir sehr schwer getan in die Handlung reinzukommen. Für meinen Geschmack fing der Krimi zu seicht und langsam an. Anfangs hat mir auch definitiv der Coolheitsfaktor einer schrillen Protagonistin gefehlt, den ich erwartet hatte.

Schwester Holiday entwickelt sich zum Glück gut weiter und bietet insbesondere im Zusammenspiel mit der Brandermittlerin Riveaux sehr unterhaltsame Momente und schlagfertige Dialoge. Auch ihr Hintergrund wird in den Roman eingeflochten, so dass man sie und ihre Motivation gut kennenlernt - das hat mir gut gefallen.

Der Kriminalfall selbst hat mich nicht begeistern können. Oft plätschert die Geschichte nur langsam dahin, während Schwester Holiday sehr unprofessionelle, eher emotional motivierte Verdächtigungen ausspricht.

Insgesamt ein Buch, dass sich gut lesen lässt und eine wirklich originelle Protagonistin einführt, als Krimi aber nicht überzeugen kann. Lässt mich insgesamt leider eher enttäuscht zurück.

Bewertung vom 13.07.2024
Towles, Amor

Eve


sehr gut

Die Schattenseiten der Filmindustrie

Das schöne Cover des Buches gibt uns schon einen Hinweis, in welcher Zeit und in welchem Setting wir uns bewegen. Im Hollywood der späten 1930er Jahre treffen wir auf die fiktive Figur Eve. Eine wunderschöne, geheimnisvolle Frau, die durch eine Narbe im Gesicht auffällt und es mit Selbstbewusstsein und Stil schafft, die Menschen um sie herum für sich einzunehmen.

Sie trifft auf einige reale Persönlichkeiten der Zeit, unter anderem die junge aufstrebende Schauspielerin Olivia de Havilland, und freundet sich mit ihr an. In den folgenden Handlungen gewinnen wir als Leser einen Einblick von der Filmindustrie und ihrer dunklen Ecken: Ehemalige Stars, deren Ruhm bereits verblasst ist, Machtspiele zwischen Produzenten, verzweifelte Künstler und nicht zuletzt der Umgang mit Frauen, insbesondere den jungen „Mädchen“, die versuchen, es in Hollywood ganz nach oben zu schaffen. Ein gesellschaftskritischer Roman, der einen satirisch-humorvollen Blick auf eine nach außen glanzvolle Welt wirft.

Eve wiederum ist eine starke Persönlichkeit, die all ihren Mitmenschen immer einen Schritt voraus ist und für einen Typ Frau steht, der sich nicht mit den typischen Rollenbildern zufrieden gibt. Eine beeindruckende wenn auch sehr geheimnisvolle Frau. Und auch wenn man etwas über ihre Hintergründe erfährt, fragt man sich doch bis zum Schluss: Wer ist eigentlich Eve?

Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und es hat mir durchaus ein paar neue Eindrücke vermittelt.