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smartie11
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Insgesamt 935 Bewertungen
Bewertung vom 01.09.2015
Aichner, Bernhard

Totenhaus / Totenfrau-Trilogie Bd.2


weniger gut

Zum Inhalt:
Brünhilde Blum, genannt Blum, hatte ein schwere Kindheit und eine furchtbare Vergangenheit. Im Urlaub mit ihrer Familie wähnt sie sich weit weg von allen Problemen. Doch ein Foto in der Zeitung bringt ihre Welt plötzlich ins Wanken. Übereilt trifft sie eine Entscheidung, die sie später mehr als einmal bitterlich bereuen wird…

Meine Meinung:
„Totenhaus“ ist die Fortsetzung von Barnard Aichners Thriller „Totenfrau“, den ich auch gelesen habe und der mir damals wirklich gut gefallen hat (hierfür hatte ich 4 Sterne vergeben). Diese beiden Bücher haben durchaus Gemeinsamkeiten, die sie verbinden: Allen voran natürlich die sehr verschrobene und polarisierende Protagonistin Blum. Wer Blum bereits aus „Totenfrau“ kennt, erlebt in „Totenhaus“ eine alte Bekannte, die sich in keiner Weise verändert hat. Warum Blum ist wie sie ist, das versteht man m.E. aber am Besten, wenn man zuvor auch „Totenfrau“ gelesen hat, da man sie in diesem Buch sehr intensiv kennenlernt und auch die Gründe für ihre teilweise sehr merkwürdigen Verhaltensweisen (zumindest in Ansätzen) nachvollziehen kann. Wem dieses „Kennenlernen“ fehlt, der könnte es sehr schwer mit Blum haben.

Auch in Bezug auf den außergewöhnlichen Schreibstil ist sich Autor Bernhard Aichner treu geblieben: Kurze Stakkato-Sätze. Manchmal auch nur ein Wort. Folgerichtig auch kurze Kapitel. Und immer wieder der Name „Blum“, der schon fast Mantra-gleich immer und immer wieder genannt wird. Blum. Ich glaube, entweder sagt einem dieser Stil zu oder nicht. Wer sich unsicher ist, sollte vor dem Kauf lieber ein bis zwei Kapitel in der Buchhandlung oder auch online durch den „Blick ins Buch“ lesen. Schnell wird man dabei feststellen, ob einem dieser Schreibstil liegt oder nicht. Für mich ist er ein stilistisches Hilfsmittel, das sehr gut zu seiner Protagonistin Blum passt.

Es gibt aber auch deutliche Unterschiede zum ersten Band: Während „Totenfrau“ die Klassifikation „Thriller“ für meinen Geschmack zu Recht hatte (auch wenn es sicherlich kein 0815-Thriller ist), hat „Totenhaus“ recht wenig bis fast gar nichts von einem Thriller. Die Spannung blieb auf den rd. ersten 200 (von 416) Seiten sehr, sehr gering. Eigentlich war von Spannung kaum etwas zu spüren. In der zweiten Hälfte gab es Streckenweise thrillerartige Passagen, mehr aber auch nicht. Für mich ist diese Fortsetzung viel eher eine Mixtur aus Drama und Psychogramm. War die Story in „Totenfrau“ noch solide aufgebaut und folgte einem roten Faden, so wirkte die Storyline von „Totenhaus“ konzept- und richtungslos. Selbst die Auflösung am Schluss habe ich schon weit vor dem Ende erahnt. Schlimmer noch: Ich habe die ganze Zeit gedacht: „So kann es doch nicht sein, das wäre zu einfach“. Leider war es genau so: zu einfach…

Am Ende war es nett zu lesen, wie es mit Blums Schicksal weitergeht. Aber auch nur, weil ich schon „Totenfrau“ gelesen hatte. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich „Totenhaus“ wohl nach der Hälfte zur Seite gelegt.

Ein dritter Teil steht zu erwarten. Nach der Enttäuschung des zweiten Bandes bin ich mir aber alles andere als sicher, dass ich diesen auch noch lesen werde. Vielleicht ergibt sich ja dann ein rundes Gesamtbild.

FAZIT:
Eine für mich enttäuschende und über weite Strecken spannungsarme Fortsetzung. Kein wirklicher Thriller, eher eine Mixtur aus Drama und Psychogramm.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.08.2015
Schuberth, Gunnar

Der Kreuzweg


sehr gut

Zum Inhalt:
So richtig vom Glück verfolgt war der Nürnberger Schatzsucher und Abenteurer Paul Skamper noch nie. Ein einziges, dafür umso rätselhafteres Artefakt hat er auf seinen Expeditionen gefunden. Doch eines Tages bekommt er unverhofft Besuch von Lucius Brand, der ihm ein Artefakt präsentiert, dass seinem exakt gleicht. Zusammen sollen sie angeblich der Schlüssel zum Versteck einer der bedeutendsten Reliquien des Christentums sein: Der Lanze des Longinus.

Meine Meinung:
Der Titel "Der Kreuzweg - Ein Nürnberg-Krimi" impliziert für dieses Buch zwei Dinge: Erstens, dass es sich um einen Krimi handelt und zweitens, dass es einen starken regionalen Bezug aufweist. Ein reinrassiger Krimi ist dieses Buch für meinen Geschmack nicht, da es hierfür zu viel Elemente eines Abenteuerromans und auch einen deutlichen Mystery-Touch aufweist. Das sollte man vorher wissen, da das nicht jedermanns Geschmack ist. Mir gefällt diese Mischung jedenfalls. Zum Thema Regionalität: Hier hätte es ruhig etwas mehr regionaler Bezug sein dürfen. Hier erwarte ich einfach mehr bekannte Schauplätze und gerne auch ein bisschen Mundart aus der entsprechenden Region, als es „Der Kreuzweg“ bietet.

Trotz dieser Einschränkungen hat Autor Gunnar Schuberth eine durchaus spannende und fesselnde Story entwickelt, die streckenweise geschickt mit den Gegensätzen Realität / Illusion spielt. Über weite Teile des Buches bleibt der Protagonist über etwas vermeintlich „erlebtes“ um Unklaren wie auch der Leser selbst. Hinzu kommen noch die Mystery-Elemente, die i. W. auf einem Handlungsstrang in den 1940´er Jahren, kurz vor Kriegsende, fußen. Den Spannungsbogen habe ich als gut aufgebaut und über die nahezu volle Länge des rd. 240 Seiten umfassenden Buches als intakt empfunden.

Die Charaktere, die Gunnar Schuberth geschaffen hat, können durchaus polarisieren. Protagonist Paul Skamper ist kein „Everybody´s Darling“ wie beispielsweise Indiana Jones. Er hat schon seine ganz eigenen Macken. Vom eigentlichen, größenwahnsinnigen Bösewicht ganz zu schweigen. Mein Lieblingscharakter Arabella kommt für meinen Geschmack über die Story ein bisschen zu kurz. Hier hätte ich mir eine stärkere Einbindung in die Geschichte gewünscht.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Nur habe ich das Gefühl, dass der Autor sich nicht so recht entscheiden konnte, ob er nun wirklich Mystery-Elemente in seine Geschichte einbauen will oder nicht. So ist es diesbezüglich nicht Fisch und nicht Fleisch, was dabei herausgekommen ist.

p.s.: Nicht so gelungen finde ich persönlich, dass der Klappentext des Buches schon den Inhalt der ersten rd. 80 Seiten verrät, was ca. dem ersten Drittel des Buches leider den Überraschungsmoment genommen hat.


FAZIT:
Ein Mix aus Krimi, Abenteurer und Mystery – wer das mag, dem sei „Der Kreuzweg“ durchaus empfohlen.

Bewertung vom 05.08.2015
Till, Jochen

Spackos in Space - Der doppelte Labrox


ausgezeichnet

„Der doppelte Labrox“ ist nach „Spackos in Space“ und „Zoff auf Zombie 7“ das mittlerweile dritte Weltraumabenteuer von Jochen Zapf (u.a. „Einfach ungeheuerlich!“, „Raubritter Rocko“, „Charlie + Leo“) um Cornelius „Conny“ Spacko und das Team der RS Rumpel. Dennoch kann man das Weltallabenteuer um den „doppelten Labrox“ problemlos auch ohne Vorkenntnisse lesen (so wie ich).

Jochen Till präsentiert eine total abgefahrene Weltraumstory und nutzt dabei die unerforschten Weiten perfekt aus, um „seine“ Galaxien mit den schrägsten und witzigsten Aliens zu besiedeln. Beispielsweise mit der Riesenkakerlake – sorry – dem Riesenkokerloke Schmusie, dem Bobolaner Bruno (Wer hat denn bloß Benjamin Blümchen in ein Weltraumanzug gesteckt?) oder auch dem amputationsbegeisterten Doktor Meier-Metzel, der dank des unglaublichen Zeichentalents von Zapf aussieht wie ein… ja… ich weiß auch nicht so recht… wie ein interstellarer Doktor Meier-Metzel halt. Wer sich vorab schonmal selbst ein Bild über die multi-weltraumkulti Besatzung der RS Rumpel machen will, dem sei an dieser Stelle die Leseprobe auf der Homepage des Tulipan-Verlags wärmstens empfohlen (http://www.tulipan-verlag.de/out/media/Leseprobe_Spackos3.pdf). Neben den altbekannten Charakteren hält „Der doppelte Labrox“ aber auch eine ganz neue Spezies für seine Leser bereit: Die Trallalakaien, einer Art interstellarer Minions. Genauso fügsam, genauso fleißig und mindestens genauso liebenswert.

Neben der schrägen Story, die durchaus zu einer akuten Lachmuskelentzündung führen könnte, punktet Jochen Till vor allem auch mit seinem unglaublich kreativen Wortwitz und den skurrilsten Wortkombinationen und -schöpfungen. Verfrockte Schlotze aber auch! So ist beispielsweise Kapitän Tsching nicht einfach nur „Kapitän“. Nein seine förmlich korrekte Anrede lautet „Hochwohlgeborene und höchst erlauchte Hoheit Tschingis Rassa Bumbum Khan der Erste und Letzte, König, Kaiser, Kanzler und oberster Chefbefehler des Klein-aber-Oho-Reiches EGOZENTRIUS MAXIMUS“. Respekteinflößend, gell?

Aber Jochen Till wäre nicht Jochen Till, wenn er hier nicht auch noch eine schmalzig-triefende Friede-Freude-Eierkuchen-Ministory aus dem „Kuschelsamt & Schnuckelhörchen“-Mikrokosmos namens „Der schmuse-Biber hat Zahnweh“ einbauen würde. Als Sahnehäubchen obendrauf garniert Zapf die Ministory auch noch mit den entsprechenden Illustrationen á la „Bussi Bär“, die im krassen Kontrast zu Illustrationen wie z.B. dem Zombie Jörg stehen. Schauder. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle gerne auch noch auf die genialen Illustrationen von Zapf hinweisen, die perfekt zu Jochen Tills Story und Charakteren passen. Super Kombi!

FAZIT:
Einfach irre witzig und total schräg – Aber Vorsicht: Akute Gefahr einer Lachmuskelentzündung durch Überreizung!

Bewertung vom 03.08.2015
Franklin, Jo

Hilfe, ich bin ein Genie


sehr gut

Total schräg und oberwitzig

„Hilfe, ich bin ein Genie“ ist nach „Hilfe, ich bin ein Alien“ der zweite Band um die irrwitzigen Abenteuer von Daniel „Dan“ Kendal. Um diesen Band zu verstehen und eine Menge Spaß zu haben, muss man den ersten Band allerdings nicht gelesen haben (obwohl es dann bestimmt noch mehr Spaß machen würde).

Daniel ist schlaksig, 10 Jahre alt und trägt mit seinem Kumpel Freddo einen Dauerwettstreit aus, wer von ihnen beiden die größte Hohlbirne ist. Keine leichte Aufgabe für Daniel, sind Freddos Kernkompetenzen doch Chips-Wettessen und Rülpsen. Dritter im Bunde ist ihr nerdiger Freund Gordon, der eine hyperintelligente Streberleiche ist und einfach alles weiß. Die Charaktere sind also schon mal echt klasse und ein bisschen freaky.

Die Geschichte, die uns Jo Franklin hier auf rd. 150 Seiten (aufgeteilt in 25 Kapitel) präsentiert ist total schräg, latent chaotisch und absolut witzig. Wen stört es da, dass die Grundstory denkbar einfach und absolut vorhersehbar ist. Es geht hier ja nicht um anspruchsvolle Literatur sondern um ein solides Training der Lachmuskeln und gute Unterhaltung für junge (ab ca. 10 Jahren) und junggebliebene Leser. Besonders gut gefallen haben mir dabei die vielen witzigen und schrägen Ideen, mit denen Jo Franklin seine Story „gewürzt“ hat, angefangen beim regelmäßig erweiterten „Hohlbirnen-ABC“ bis zu den wunderbaren Ideen, wie man im Quiz erfolgreich und unentdeckt schummeln könnte.

Der Schreibstil ist locker-flapsig und sehr passend für die Zielgruppe und die Story. Der Text liest sich sehr flüssig und wird immer wieder von coolen und witzigen Illustrationen aufgelockert, die stets sehr gelungen zum Text passen. Meine persönliche Lieblings-Illustration ist die Übersicht der Wettkampfteilnehmer auf S. 118-119. Allerdings handelt es sich für mich NICHT um einen Comic-Roman, da hierfür m. E. doch noch zu wenig Illustrationen dabei sind.

FAZIT:
Eine total schräge, latent chaotische und absolut witzige Story mit freakigen Charakteren. Sehr cool!

Bewertung vom 31.07.2015
Jackson, Steve

SORCERY! Die Shamutanti-Hügel


sehr gut

Allgemeines zum Thema Spielbücher:
Spielbücher haben ihre Wurzeln in den 1970´er Jahren, also weit vor der Digitalisierung der Welt im Allgemeinen und der Unterhaltungsmedien im Speziellen. Ähnlich wie die artverwandten Pen-&-Paper-Rollenspiele á la „D&D – Dungeons & Dragons“ oder auch „DSA – Das schwarze Auge“ liegt der Fokus bei Spielbüchern darauf, den Fortgang der Geschichte durch eigene Entscheidungen aktiv zu beeinflussen („willst Du links herum gehen, lies weiter bei 306, gehst Du rechts herum lies 357“). Hieraus ergibt sich eine Vielzahl von möglichen Verläufen der Geschichten, so dass man ein Spielbuch durchaus mehrmals lesen kann, ohne dass es langweilig wird.

Zum Inhalt:
Die magische „Krone der Könige“ ist in die falschen Hände geraten, das vereinigte Königreich droht ins Chaos zu stürzen. Du wirst beauftragt, die mächtige Krone zurückzubringen. Doch Deine Reise wird sehr lang und extrem gefährlich werden und führt Dich zunächst in die berüchtigten Shamutanti-Hügel mit ihren merkwürdigen Bewohnern…

Meine Meinung:
Mit dem ersten Band der vierteiligen „Sorcery!“-Reihe von Steve Jackson hat der Frankfurter Mantikore-Verlag einen absoluten Klassiker der Spielbuch-Geschichte neu aufgelegt, der in den 1980´er Jahren unter dem Titel „Analand-Saga“ erstveröffentlicht wurde. In einem neuen, zeitgemäßen und sehr ansprechenden Cover ist die Originalgeschichte mit den ursprünglichen Illustrationen erhalten geblieben. Dies empfinde ich allerdings nicht als Nachteil, da die Story an sich zeitlos ist. Nur die alten Fans der Spielbücher, die vielleicht noch die Originalausgaben der Analand-Saga im Bücherregal stehen haben, sollten wissen, dass es für sie hier keine neuen Abenteuer zu bestehen gibt.

Die Vorbereitungen für den Einstieg ins Abenteuer sind relativ einfach, das Regelwerk ist übersichtlich und schnell gelesen. Zunächst gilt es mittels zweier Würfel individuelle Werte für die Eigenschaften Gewandtheit, Ausdauer und Glück zu ermitteln. Dann muss man noch rasch sein Abenteuer-Protokoll ausfüllen und sich entscheiden, ob man als Krieger oder als Magier spielen möchte. Die Krieger können sofort ins Abenteuer aufbrechen, die Magier müssen zunächst die Zaubersprüche aus dem Zauberbuch am Ende des Buches auswendig lernen. Es gehört zum Spielspaß dazu, dass man die Zaubersprüche beherrscht (zumindest weiß, welcher Zauber und welches benötigte Equipment sich hinter den Abkürzungen verbergen).

Die 200 Seiten starke Story verteilt sich über 456 Spielabschnitte und hat einen klassischen High-Fantasy-Touch. Der Auftrag, den man bekommen hat, ist denkbar einfach und so zieht man unbedarft ins Abenteuer los. Durch die sehr vielen Entscheidungsmöglichkeiten ergibt sich dabei eine Vielzahl von möglichen Verläufen, von denen einige zum Ziel, andere aber auch in den unweigerlichen Tod des Helden führen. Von daher ist es ratsam, immer einen Finger zwischen den Seiten der vorangegangenen ein oder zwei Spielabschnitte zu behalten, damit man nicht wieder ganz von vorne anfangen muss (es sei denn, man möchte es so).

Letztendlich war ich überrascht, wie schnell ich durch das Abenteuer durch gekommen bin, in ungefähr 3 Stunden. In dieser Zeit hatte ich aber eine ganze Menge Spielspaß und eine ordentliche Portion Abenteuer. Gut gefallen hat mir der schnelle und unkomplizierte Einstieg ins Spiel, weniger gut fand ich den sehr schnellen „Nacht- und Tagwechsel“, der dafür gesorgt hat, dass ich gefühlt ständig ein Quartier für die Nacht zu suchen hatte und etwas essen musste (was sonst meinen Ausdauerwert kontinuierlich reduziert hätte).

Ich werde das Buch mit Sicherheit nochmal als Magier durchspielen, wobei der Held dabei viel mehr Möglichkeiten hat, als einfach stumpf auf seine Feinde einzudreschen.

FAZIT:
Eine schöne Neuauflage eines absoluten Spielbuchklassikers, der Spannung und gute Unterhaltung garantiert, sowohl für Anfänger als auch für alte RPG-Hasen.

Bewertung vom 31.07.2015
Harder, Swen

Reiter der Schwarzen Sonne


ausgezeichnet

Für mich die unangefochtene Referenz in Sachen Spielbücher

Zum Regelwerk:
Es ist schon fast unglaublich, was für ein detailliertes Regelwerk sich Swen Harder für sein Spielbuch entworfen hat. Es kommt schon sehr, sehr nahe an die (deutlich umfassenderen) Regelwerke der Pen-&-Paper-Rollenspiele heran. Doch so komplex und ausgefeilt das Regelwerk erscheint, hat der Autor es doch geschafft, dass auch unerfahrene Spielbuch-Leser nicht überfordert werden und jeder schnell in das eigentliche Abenteuer eintauchen kann ohne vorher groß die Regeln „pauken“ zu müssen. Dies hat Swen Harder i.W. durch folgende „Tricks“ erreicht:
1. Allen voran ein sehr ausgefeiltes „Abenteuerblatt“, auf dem auf nur einer DIN-A4-Seite (kann man sich auch downloaden, wenn man nicht in das Buch schreiben möchte) wirklich alle Aspekte des Regelwerkes sehr übersichtlich und gut strukturiert dargestellt sind.
2. Man startet nicht gleich mit allen Regeln in die Geschichte. In den ersten drei Spielbereichen / Kapiteln kommen jeweils neue Regelaspekte in „homöopathischen Dosen“ hinzu.
3. Wann immer es wichtig ist, etwas auf seinem Abenteuerblatt zu notieren, zu streichen oder zu verändern, gibt der Autor einen kleinen Hinweis im jeweiligen Text und nimmt den Leser hierbei dezent an die Hand.


Meine Meinung:
Vorab: „Reiter der schwarzen Sonne“ wurde mit dem Jurypreis der RPC Fantasy Awards 2013 und dem Deutschen Rollenspielpreis 2014 ausgezeichnet. Und das meines Erachtens vollkommen zu Recht!
Die „Reiter der schwarzen Sonne“ gibt es in zwei Editionen, einmal in der normalen Edition (19,95) und in der „Special Edition“ (24,95), die als Gesamtkunstwerk im Schuber mit einer Farbkarte der Spielwelt, Lesezeichen im typischen Design des Buchs, Postkarten, dem 20-seitigen Making-of-Booklet „Die Geheimnisse von Reiter der schwarzen Sonne“ sowie einer Soundtrack-CD daher kommt. Persönlich würde ich jedem die S.E. empfehlen, aber das ist Geschmackssache.
Das Werk sticht gleich in mehrfacher Hinsicht aus dem leider recht kleinen Meer der Spielbücher hinaus:
-> Es ist mit seinen rd. 750 Seiten und über 1.300 Sektionen das wohl umfangreichste Spielbuch aller Zeiten

-> Es verfügt über ein unglaublich ausgefeiltes, aber dennoch nicht überforderndes Regelsystem

-> Es hat eine wegweisende Einteilung der Geschichte in mehrere Kapitel (die einen „Rückfallschutz“ bieten, sollte der Held tatsächlich mal sterben), die teilweise sogar Querbeziehungen zueinander aufweisen

-> Es bietet eine sehr hohe Abwechslung durch Kapitelkonzentrationen z.B. auf (teilweise echt knackige) Rätsel oder sogar auf einen ausführlichen, aktiven Luftkampf (!)

-> Es ist gleichermaßen für Anfänger wie für Rollenspiel-Profis geeignet

-> Es hat einen sehr hohen Wiederholungsanreiz

-> Es hat zahlreiche sehr gelungene und perfekt zur Story passende Illustrationen des Berliner Künstlers Fu Fu Frauenwahl, die teilweise sogar aktiver Teil der Story sind!

-> last but not least gibt es ein Bonuskapitel, das man sich erarbeiten muss / kann

Ich habe es inzwischen einmal komplett durchgespielt und bin noch immer fasziniert davon. Am Ende kann der Leser sogar einwerten, wie gut oder wie schlecht er das Ziel erreicht hat (es gibt ca. ein halbes Dutzend verschiedener Spielenden). Mit Sicherheit werde ich das Buch nochmal ganz von vorne anfangen und neu spielen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dabei eine zu großen Teilen (für mich) ganz neue Story erleben werde, schätze ich als sehr hoch ein.
Auch wenn heute das überwiegende Gros der Rollenspiele am Computer gespielt wird, hat für mich das Spielen eines Spielbuches noch immer einen ganz eigenen Reiz, den kein PC- oder Onlinerollenspiel der Welt bieten kann: Die eigene Fantasie!


FAZIT:
Für alle Fantasy-Liebhaber, die schon immer mal den Verlauf der Story beeinflussen wollten das perfekte Buch. Für Spielbuch-Liebhaber ein ultimatives „must-have“! Aber Bleistift und Radiergummi nicht vergessen!

Bewertung vom 29.07.2015
Meyer, Kai

Nachtland / Die Seiten der Welt Bd.2


ausgezeichnet

Die Macht der Bücher und Ideen – Eine äußerst faszinierende und spannende Fortsetzung

Zum Inhalt:
Sechs Monate sind vergangen, seit Furia und ihre Freunde die Umgarnte besiegt und Siebenstern verbannt haben. Doch der Kampf gegen die Unterdrückung der bibliomantischen Welt durch die Adamitische Akademie geht weiter, und dieser Kampf wird Opfer fordern…

Meine Meinung:
„Die Seiten der Welt – Nachtland“ ist der zweite Band zu Kai Meyers Bestseller „Die Seiten der Welt“, der Anfang 2015 mit dem Fantasy-Literaturpreis „SERAPH 2015“ in der Kategorie „Bestes Buch“ ausgezeichnet worden ist. M.E. ist es unbedingt empfehlenswert, zunächst den ersten Band gelesen zu haben, da die Geschichte über beide Bände hinweg verwoben ist und immer wieder kurze Rückblicke auf die Geschehnisse des ersten Bandes gegeben werden.

Auf rd. 600 Seiten spinnt Kai Meyer die Geschichte um Furia und ihre Freunde weiter, beginnend ca. 6 Monate nach dem Ende des ersten Bandes. Entsprechend leicht fiel mir das Wiedereintauchen in Kai Meyers faszinierende Welt. Ohne großes Vorgeplänkel startet die Story sehr action- und temporeich und katapultiert den Leser mitten hinein in die quirlige bibliomantische Welt von Libropolis. Über insgesamt 62 Kapitel hinweg führt Kai Meyer Handlungsstränge zusammen, reißt sie wieder auseinander um sie dann in veränderter Charakterkonstellationen weiter fortzuschreiben, führt den Leser immer tiefer hinein in seine fantastische Welt, die aus der Kraft der Bücher erschaffen worden ist. Diese literarische Reise führt in ganz neue Mikro-Welten, von düsteren und beängstigenden Gefängnissen bis hin zu bernsteindurchsrtahlten Geheimorten, versteckt in der Unendlichkeit zwischen den Seiten der Welt. Dabei trifft der Leser mitunter auf altbekannt Charaktere aber auch auf einige neue, schillernde Figuren, deren Absichten nicht immer auf den ersten Blick erkenntlich sind.

Tempo und Spannung variieren im Verlauf dieser Geschichte, fallen aber niemals zu weit oder gar zu lange ab. Es sind eher kleine Verschnaufpausen zwischendurch, um das gerade Gelesene ein wenig sacken zu lassen und sich für die kommenden Herausforderungen zu wappnen. So geht es den Charakteren im Buch und mir als Leser auch. Kombiniert mit regelmäßigen Sprüngen zwischen den Handlungssträngen und einigen unvorhersehbaren Wendungen hat es Kai Meyer problemlos geschafft, mich von der ersten bis zur letzten Seite an sein Werk zu fesseln, einem Absolonbuch gleich. Es ist schier unglaublich, wie viel neue und fantastische Ideen Kai Meyer für „seine“ bibliomantische Welt erdacht hat.

Das Ende dieses Buches, so viel sei an dieser Stelle verraten, ist offen. Band 3 ist für das Jahr 2016 angekündigt und ich erwarte es bereits jetzt sehnsüchtig.

FAZIT:
Eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Fortsetzung dieser unglaublich spannenden, fantasiereichen und immer wieder überraschenden Hommage an das gedruckte Buch.

Bewertung vom 28.07.2015
Müller, Nina

Die blubberbunte Weltmeisterschaft / Kuschelflosse Bd.2


ausgezeichnet

„Kuschelflosse - Die blubberbunte Weltmeisterschaft“ ist der zweite Band der Abenteuer rund um den knuddeligen Fellfisch Kuschelflosse („Kuschel“) und seine Freunde Seebrillchen Sebi, Schwimmerdbeere Emmi und Herr Kofferfisch. Das 77seitige Hardcover-Buch im handlichen Format ist sehr hochwertig und liebevoll gestaltet, das fängt bei der erhabenen Schrift auf dem Cover an und endet bei der umweltverträglichen und nachhaltigen Produktion (FSC-Papier, lösungsmittelfreier Klebstoff, Farben auf Pflanzen- und Lacke auf Wasserbasis).

Die Geschichte, die Nina Müller erzählt, sprüht nur so vor kreativen, ausgefallenen und vor allem lustigen Ideen und funktioniert auch problemlos ohne Kenntnis des ersten Bandes. Da gibt es heimtückische, verrückende Fischstäbchen-Labyrinthe, Käsefische in alten Schuhen, Pupsfische im Wettkampf, den Unterwasser-Gemischtwarenladen der Kraken Krims und Krams, Mechaniker- und Lieferfische, einen Unter- und Überwasser Himmelskratzer und, und, und. Die Charaktere, die Nina Müller neben ihren Protagonisten für ihre knallbunte Fantasiewelt liebevoll entworfen hat, passen perfekt in diese quirlige und immer wieder überraschende Umgebung, sei es nun der flinke Professorenfisch oder der quasselnde Ö-Baum, der das Vorlesen sowohl zu einer Leseübung als auch zu einer Mordsgaudi macht.

Komplettiert wird dieses wunderbare Gesamtpaket aus toller Story und liebevollen Charakteren von einer Vielzahl wunderbarer Illustrationen, mal kleiner, mal seitenfüllend. Es gibt einfach so viele Details zu entdecken, dass allein schon das Betrachten des Buches einfach Spaß macht und man das Gefühl hat, immer wieder neue Dinge zu entdecken. Fischhausens Unterwasserwelt ist knallbunt, wimmelig und einzigartig.

FAZIT:
Ein wunderbar kreativer, knallbunter und wimmelig aufregender (Vor-)Lesespaß für Klein und Groß. Wir haben großen Spaß gehabt und vergeben gerne eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

Bewertung vom 24.07.2015
Baisch, Milena;Haberstock, Meike

Nur Mut, Anton! / Anton Bd.2


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Anton ist 7 Jahre alt, geht in die 1a und ist mittelalt, mittelgroß und mittelmutig. Eigentlich wäre Anton gerne noch viel mutiger, doch leider steht ihm dabei immer der innere Angsthase im Weg. Als es dann für Anton das erste Mal auf Klassenfahrt geht, fährt der innere Angsthase natürlich auch mit. Aber dann bekommt Anton auf einmal ganz viele Gelegenheiten, ganz mutig zu sein…

Meine Meinung:
„Nur Mut, Anton“ ist der Folgeband zu dem ebenfalls sehr empfehlenswerten „Anton hat Zeit“, in dem Anton auf wundervolle Weise das Phänomen „Zeit“ für sich enträtselt hat. Wie der Titel schon andeutet, dreht sich diesmal alles rund um das Thema „Mut“. Auf rd. 125 Seiten, aufgeteilt in „Gutenacht-Geschichten-freundliche“ 16 Kapitel, erlebt Anton viele Alltagssituationen, in denen er mutig sein muss. Sei es nun der plötzlich im Dunkeln liegende Keller, der 3-Meter-Turm im Schwimmbad (der viel, viel höher ist wenn man oben drauf steht als wenn man von unten hoch schaut) oder auch der ungebetene Gast bei der Nachtwanderung der Klasse 1a. Bei allen diesen Situationen lernt Anton, dass „mutig sein“ nicht immer das Gleiche bedeutet und dass es zum Beispiel auch mal richtig mutig sein kann, etwas NICHT zu tun. Genauso lernt Anton, dass er nicht der einzige ist, der einen inneren Angsthasen hat, und dass man manchmal zusammen auch viel mutiger sein kann als allein. Und schließlich lernt Anton auch noch, dass es auch richtig doll mutig sein kann, die Wahrheit zu sagen.

Wenn Anton dann mal doch gar nicht mehr weiter weiß, steht ihm sein knuffiger Opa zur Not auch Nachts mit Rat und Tat und ganz viel toller Weisheit zur Seite (z.B., dass man ganz neue, frische Angst gut bekämpfen kann, denn sonst wird sie immer schlimmer, je länger man sie mit sich herum trägt).

Es ist wirklich wunderbar zu lesen, wie vielfältig und äußerst kreativ Autorin Meike Haberstock das Thema „mutig sein“ aus Kinderperspektive beleuchtet und für Alles bildliche und kindgerechte Vergleiche findet (z.B. den Indianerjungen „großes Bauchgrummeln“). Diese bildhaften und sehr treffsicheren Vergleiche, die den jungen Lesern auch abstrakte Themen anschaulich begreiflich machen, sind für mich eine ganz zentrale Stärke der „Anton“-Bücher.


Diese tolle Geschichte hat Meike Haberstock auch gleich mit zahlreichen quirlig bunten Illustrationen versehen, die das (Vor)Gelesene wunderbar in Bilder umsetzt (z.B. das Angsthäschen hinter dem Spaghetti-Eisbecher auf S. 114). Auf vielen Seiten gibt es liebevolle und witzige Details zu entdecken, die zum gemeinsamen Betrachten einladen. Wer sich selbst einen schnellen ersten Eindruck darüber machen möchte, braucht nur einmal die wunderschön gestalteten Umschlags-Innenseiten zu betrachten.

FAZIT:
Dieses wunderbar illustrierte Buch (vor-)zu lesen macht nicht einfach „nur“ eine ganze Menge Spaß, sondern beleuchtet das Thema „mutig sein“ federleicht und kindgerecht verständlich. Von uns eine absolute Leseempfehlung vom Kindergarten- bis zum Grundschulalter. Und natürlich auch für alle Erwachsenen, die sich ihr inneres Kind bewahren konnten!

Bewertung vom 21.07.2015
Etzold, Veit

Der Totenzeichner / Clara Vidalis Bd.4


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Los Angeles, Sommer 2014: Ein brutaler Serienkiller, „Angel of Death“ genannt, versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Er hinterlässt brutal verstümmelte und mit merkwürdigen Zeichen verunstaltete Leichen, bis er nach dem Mord an dem Sohn des Polizeipräsidenten von L.A. scheinbar spurlos verschwindet.
Berlin, 2014: Der Leichnam eines gefürchteten Rocker-Chefs wird in seiner Wohnung aufgefunden. Brutal verstümmelt und mit merkwürdigen Zeichen in der Haut. Gibt es einen Zusammenhang?

Meine Meinung:
Von Autor Veit Etzold habe ich schon sehr viel Gutes gehört, gelesen hatte ich von ihm bislang aber noch nichts. Vor diesem Hintergrund kann ich keinen Vergleich zu seinen früheren Werken ziehen und betrachte den „Totenzeichner“ also ganz isoliert.

Auch wenn das Team um Clara Vidalis vielen Lesern schon aus den drei vorangegangenen Teilen bekannt sein dürfte, hatte ich auch ohne diese Vorkenntnisse keinerlei Probleme in die Geschichte hineinzufinden und mit den Protagonisten „bekannt“ zu werden. Gerade zu Anfang überschlägt sich die Handlung regelrecht und weist sowohl in Bezug auf die Spannung als auch auf das Tempo einen extrem hohen Level auf. Es verwundert nicht, dass dieser hohe Level nicht kontinuierlich über die gesamte Länge des Buches gehalten werden kann. So gibt es zwischendurch immer mal „Verschnaufpausen“, die Veit Etzold dafür nutzt, seinem Leser seine sehr fundierten und gut recherchierten Kenntnisse bezüglich Rechtsmedizin und Profiling näher zu bringen und auch den Blick mal nach links und rechts schweifen zu lassen. Was manchem Leser sicherlich langatmig vorgekommen sein könnte, habe ich als sehr interessanten Einblick in die Ermittlungsarbeit wahrgenommen. Ich habe während des Lesens viele interessante Dinge dazugelernt. Auch etwas ausschweifende Ausführungen zum Thema „Körperkult / Body Modification“, abseits der gewöhnlichen Tattoo- und Piercing-Pfade, habe ich mit Interesse gelesen, auch wenn die Einzelheiten teilweise schon abstoßend waren. „Der Totenzeichner“ ist halt in allen Belangen durchaus (sehr) harte Kost und nicht unbedingt etwas für zartbesaitete Leser.

Der Spannungsbogen ist – wie gesagt – in Wellen, aber sehr kontinuierlich bis zum Schluss verlaufen. Die Auflösung, die Veit Etzold seinen Lesern am Ende präsentiert, habe ich zwar in Ansätzen, aber keinesfalls in seiner Gesamtheit vermutet. In sofern ist es dem Autor durchaus gelungen, mich zu überraschen. Dabei ist die zugrunde liegende Idee topaktuell und hat mich wirklich zum darüber Nachdenken angeregt. Mehr kann ich an dieser Stelle dazu leider nicht verraten, da sonst der ganze Clou der Story nicht mehr funktionieren würde. Mich haben die Story und ihre Auflösung jedenfalls rundum überzeugt.

Eines sei an dieser Stelle aber noch angemerkt, ohne allzu viel zu spoilern: Freunde von klassischen „whodunit“-Thrillern werden am „Totenzeichner“ wohl keine große Freude haben. Wer beim Lesen gerne zusammen mit den Ermittlern den Täter entlarven und Vermutungen anstellen möchte, wird es hier schwer bis unmöglich haben. Diese Frage gehört für mich persönlich aber auch nicht zum Konzept dieser Story.

FAZIT:
Hart, brutal und schonungslos offen mit einer faszinierenden wie gleichfalls beängstigenden Grundidee. Mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, mir hat es aber sehr gut gefallen.