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Benutzername: smartie11
Wohnort: Laatzen
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Danksagungen: 33 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 415 Bewertungen
Bewertung vom 11.12.2018
Mythos
Fry, Stephen

Mythos


ausgezeichnet

Griechische Mythologie von A bis Z – wunderbar unterhaltsam und humorvoll zu lesen

„Niemand ist so kapriziös wie Götter.“ (S. 140)

Meine Meinung:
Autor Stephen Fry ist sicherlich vielen Lesern schon aus Film & Fernsehen ein Begriff (u.a. „Blackadder“, „Ein Fisch namens Wanda“, „Per Anhalter durch die Galaxis“ oder auch „Der Hobbit“). Nach eigenen Angaben ist Fry schon seit frühester Kindheit von den griechischen Mythen fasziniert. Nun hat er mit „Mythos“ seine eigene Nacherzählung der griechischen Mythen vorgelegt und schreibt selbst darüber: „Ich kann nicht oft genug betonen, dass es nie mein Ziel war, die Mythen zu interpretieren oder zu erklären, nur, sie zu erzählen.” (S. 438) – und genau das tut er in diesem Buch, und zwar auf höchst unterhaltsame Art und Weise!

Bevor ich angefangen hatte, dieses Buch zu lesen, dachte ich, dass ich schon viele der griechischen Sagen und Mythen kennen würde. Doch weit gefehlt, die griechische Sagenwelt ist noch viel umfassender und komplexer, als ich das jemals gedacht hätte! So startet die Geschichte am Anbeginn der Zeit, noch weit vor dem allseits bekannten „Göttervater“ Zeus. Nach einer gewaltigen, eruptiven Entstehung, an der uns Fry teilhaben lässt folgen unzählige Geschichten aus der Welt der griechischen Götter und Halbgötter. Man könnte nun befürchten, dass sich dies zu einer staubtrockenen und altbackenen Erzählung auswachsen könnte, doch weit gefehlt! In einer modernen, stellenweise schon flapsigen Sprache („Es war spritzig, wild und nass, es war wahrhaft ein Liebesspiel.“ - S. 256) erzählt Fry mit viel Humor und augenzwinkernden Details allerlei Epen und Unglaublichkeiten. Man möchte beim Lesen fast glauben, Fry säße in einem gemütlichen Ohrensessel vor einem prasselnden Kaminfeuer und schwadroniere hingebungsvoll von Zeus & Co – und als Leser kann man gar nicht anders, als ihm dabei gebannt zu folgen.

Dabei skizziert er ein erstaunlich „normal“ anmutendes Bild der griechischen Götter, die oft von den gleichen Themen und Sorgen bewegt werden wie ihre Schöpfung, die Menschheit („Wenn sein voller Terminkalender es erlaubte, streiften sie zusammen durch die Gegend, unterhielten sich über alles und jedes – über Glück, Freundschaft und Familie, über Krieg und Schicksal und jede Menge Quatsch, wie Freunde es nun mal tun.“ - S. 133). Selbstverständlich sollte einem bewusst sein, dass es hier ab und an auch mal äußerst brutal zugehen kann. Da werden Söhne von ihren Vätern den Gästen zum Verspeisen vorgesetzt oder Kinder von der Mutter erschlagen – ja, so ging es durchaus zu in diesen Kreisen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer wieder viel Unterhaltsames, ja sogar sehr Humorvolles zu lesen, wenn etwa der Unsympath Sisyphos Thanatis (Gevatter Tod) höchstpersönlich mehr als einmal erfolgreich überlistet. Dramatik & allerlei Liebeleien mit mal mehr, mal weniger gutem Ausgang dürfen hier natürlich auch nicht fehlen, gerade auch dank des umtriebigen Zeus (“Wenn seine libidinöse Jagdleidenschaft einmal geweckt war, gab es keine Möglichkeit, sie zu drosseln.“ - S. 213).

Dieses Buch ist aber noch viel mehr als „nur“ eine sehr gute & kurzweilige Leseunterhaltung. Ganz nebenbei habe ich auch noch viel Neues für mich dazu gelernt, insbesondere durch die zahlreichen Fußnoten über die Herkunft vieler noch heute geläufiger Worte und Fachbegriffe (wie z.B. Magnetismus oder auch Cerealien). Auch wusste ich bis dato noch nicht, warum Bienen einen Stachel haben oder warum es keine Menschen mit blauer Hautfarbe gibt (zumindest nach Auffassung der griechischen Mythologie). All dies kann man hier noch „lernen“.

FAZIT:
Griechische Mythologie – modern und unterhaltsam erzählt. Beste Leseunterhaltung mit viel Wissenswertem noch dazu. Super!

Bewertung vom 05.12.2018
Gruppentherapie
Kalpenstein, Friedrich

Gruppentherapie


sehr gut

Eine wunderbare Komödie zum lesen – auch ohne Herbert & Hans

„Irgendwann landete jeder beim Schlager“

Meine Meinung:
Ben Valdern führt ein anstrengendes Doppelleben: unter der Woche als strebsamer Architekt in der Firma des Vaters seiner Freundin, am Wochenende als Stimmungskanone „Benny Biber“ auf der Bühne des UNIVERSUM auf Malle. Kein Wunder, dass das schlaucht und auf Dauer nicht gut gehen kann…

Friedrich Kalpenstein ist mir von der großartigen „Herbert & Hans“-Reihe ein Begriff, deren Bücher ich regelmäßig mit großer Begeisterung verschlinge. In „Gruppentherapie“ beweist er erneut ein treffsicheres Händchen für wunderbar humorvolle Unterhaltung, auch ohne Herbert & Hans. Locker, flockig geht es auf der Bühne des UNIVERSUM los, was beim Lesen sofort für die passende Grundstimmung sorgt. Ben alias „Benny“ ist – nein, kein Typ wie Du und ich – aber auf jeden Fall ein absoluter Kumpeltyp, der mir von Beginn an durch und durch sympathisch war. Schnell merkt man, in welche Zwickmühle er sich da – mehr aus Zufall als geplant – hineinmanövriert hat: Zwischen Architekt und Schlagersänger, zwischen München und Mallorca, zwischen High- und Partysociety, zwischen Eva und Clarissa - zwischen Ben Valdern und Benni Bieber halt. Humorvolle Szenen und allerlei Unpässlichkeiten sind da also reichlich vorprogrammiert. Die Auswahl der Anzüge beim Herrenausstatter hatte z.B. schon etwas Loriot-haftes an sich („50 shades of grey“). Und wenn dann auch noch Clarissas Schwester Tina mit ins Spiel kommt, bringt das sogar den Party-Benny aus dem Takt. Dies alles als Leser mitzuverfolgen macht einfach nur Spaß, auch wenn Benny mir stellenweise schon richtig Leid getan hat.

Als „Herbert & Hans“-Fan hat mir doch ein klitzekleines Bisschen der dort stetig herrschende verbale Schlagabtausch gefehlt, aber mit Produzent und Kumpel Sascha hat Friedrich Kalpenstein auch seinem Benny einen echten Freund an die Seite gestellt. Reichlich weitere schräge Charaktere gibt es selbstverständlich auch hier wieder dazu – vom Schlagersternchen „Bibi Bordell“, über Szene-Wirt Kalle bis hin zum schmierigen Patriarchen ist die volle Bandbreite mit dabei.

Letztlich hat mich das Buch über seine volle, kurzweilige Länge hinweg wunderbar unterhalten und mich mehr als einmal an die typisch deutschen Filmkomödien á la „Der bewegte Mann“ oder auch „Lammbock“ erinnert.

p.s.: Multitalent Friedrich Kalpenstein hat zu seinem Buch gleich noch den passenden Soundtrack mit Benny Bibers Hits herausgebracht – passender Weise unter dem Pseudonym „Ben Valdern“!

FAZIT:
Friedrich Kalpenstein ist immer ein Garant für beste Leseunterhaltung mit viel Humor und schrägen Typen!

Bewertung vom 05.12.2018
Ein Reif von Silber und Gold / Die Königs-Chroniken Bd.3
Rother, Stephan M.

Ein Reif von Silber und Gold / Die Königs-Chroniken Bd.3


ausgezeichnet

Vom Ende und vom Neuanfang – das beeindruckende Finale eines intelligenten Fantasy-Epos


„Die vergessenen Götter zürnen. Und ihr Zorn hat geweckt, was in einem Schlaf lag, der seit der Zeit der Alten währte.“ (S. 272)

„Die Menschen womöglich konnten nicht Bestand haben, wenn sie nicht endlich anfingen zu lernen.“ (S. 342)

Meine Meinung:
Normalerweise stelle ich meinen Rezensionen gerne ein Zitat aus dem Buch voran, so wie ich es hier auch getan habe. Doch diesmal ist mir die Auswahl unglaublich schwer gefallen, denn Stephan Rother besitzt die Gabe, beeindruckend und bildgewaltig mit Worten und Sprache umzugehen und gleichzeitig tiefgründige Gedanken zu transportieren und im Geist des Lesers nachhallen zu lassen („Wahrheit ist das, worauf sich die Menschen einigen, dass es die Wahrheit ist.“ - S. 201).

Doch zunächst erst einmal zur Geschichte selbst: Sie knüpft (recht) nahtlos an die Geschehnisse des zweiten Bandes an. Obgleich es der Autor erneut scheinbar mühelos schafft, seine Leser abzuholen und die vorangegangenen Ereignisse noch mal Revue passieren zu lassen, kann ich nur jedem dringend anraten, zuvor die beiden ersten Bände gelesen zu haben. So ist es ein Leichtes, sofort wieder in die Geschichte hineinzufinden und wieder mit den Protagonisten vertraut zu sein. Sölva, Leyken und Pol bilden erneut das Dreigestirn, das die Geschicke dieser Welt in ihren Händen hält. Jede Figur hat ihren eigenen Platz, ihren eigenen Auftrag (auch wenn sie sich dessen zu Beginn selbst noch nicht bewusst sind) – und doch hängt Alles mit Allem zusammen, wie der Erzähler seit Band 1 so oft betont hat. Stephan Rother wäre nicht Stephan Rother, wenn er am Ende dieses Versprechen nicht einlösen würde – und seinen Lesern und Leserinnen auf eindrucksvolle Art und Weise beweist, wie sehr hier wirklich Alles mit Allem zusammenhängt. Auf diesem letzten Reiseabschnitt nimmt sich Rother viel Zeit, über das „große Ganze“ zu sinnieren. Es sind die Zusammenhänge, die in diesem Buch die gewichtigste Rolle einnehmen. Ganz nebenbei wirft Rother dabei Schlaglichter auf surreale Szenen, wie etwa im hohen Norden, wo sich der tapfere Bjorne Seelensaugern, Säbelzähnen, Winterwölfen und Schaudermännern zu erwehren hat. Große und verheerende Schlachten – weit mehr als eine – werden im „Vorbeigang“ skizziert, ohne doch dabei ins Detail zu gehen und sich in Einzelheiten zu verlieren. Hierbei gelingt es dem Autor immer wieder, phantastische Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen, wie beispielsweise im Raum der Machinista auf der heiligen Esche. Darüber hinaus gibt es gleich mehrere Figuren, die im Lauf der Geschichte eine ganz besondere, überraschende Rolle offenbaren, wie etwa die Zofe Nala.

Mit abnehmender Restseitenzahl habe ich immer mehr gezittert und mich gefragt, wie der Autor dieses epochale Werk auf den wenigen noch verbleibenden Seiten noch zu einem Ende führen will. Noch viel mehr habe ich mich allerdings gefragt, ob eine solche Geschichte überhaupt ein Ende finden kann. Doch im letzten, nur sieben Seiten umfassenden Kapitel, gelingt Rother ein Geniestreich. Ich habe selten ein finales Kapitel gelesen, das mehr Erklärungen, schon fast philosophische Gedankengänge enthalten hat, wie es hier der Fall ist. Und so möchte ich den Autor selbst ein letztes Mal zitieren: „Warum hört es auf? Warum hört es auf, in dem Moment, in dem es beginnt?“ (S. 374)

So ist diese im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Geschichte zugleich eine Parabel für die Welt, in der wir leben. Sie ist ein Plädoyer dafür, sich selbst keine Grenzen zu setzen – und erstrecht keine Grenzen setzen zu lassen. Denn Du bist der Held der Geschichte, die Du selber schreibst…

FAZIT:
Die Krönung der unglaublich atmosphärischen, fast schon epischen Fantasy Trilogie auf internationalem Niveau.

Bewertung vom 03.12.2018
Unter dem Messer
Parsons, Kelly

Unter dem Messer


gut

Ein Medizin-Thriller mit spannender Grundidee, aber leider auch einigen Längen

„Es war, als wäre sein Gram eine dichte, giftige Flüssigkeit, in der er zu ertrinken drohte und in der er hilflos und krank herumgewirbelt wurde.“ (S. 13)

Meine Meinung
Der US-Amerikaner Kelly Parsons ist Urologe mit Abschlüssen an der Stanford University, der University of Pennsylvania und der Johns Hopkins University of Baltimore. Wenn er also über Medizinisches schreibt, weiß er ganz genau, worüber er da schreibt. Nach seinem Debut „Auf ewig Dein“ legt er mit „Unter dem Messer“ nun seinen zweiten Medizin-Thriller vor.

Die Grundidee seiner Story ist ebenso faszinierend wie zugleich verstörend. Die Kurzbeschreibung verrät ja schon, um was für eine folgenschwere technologische Neuerung es hier geht. Nach einem sehr spannenden und zunächst auch rätselhaften Start, der mich leicht in die Geschichte hat hineinfinden lassen, flacht der Spannungsbogen allerdings gleich sehr schnell wieder ab. Parsons nutzt den Mittelteil seines Buches eher zur Charakterentwicklung und Beschreibung von allerlei medizinischen Themen. Hier hätte es mehr Story-Entwicklung sein dürfen. Es ist zwar alles durchaus interessant zu lesen und man merkt schnell, dass der Autor über profunde medizinische Fachkenntnisse verfügt, aber insgesamt fehlt es diesem Thriller über weite Strecken an Tempo und einem intakten Spannungsbogen. Selbst nach einem kleinen Spannungs-Intermezzo im Rahmen einer OP reißt der Thriller-Faden erstmal wieder ab und Parsons beschäftigt sich wieder mit seinen Charakteren und deren Zusammenspiel. Eine gekonnte und tiefgründige Charakterentwicklung ist an sich zwar etwas Anspruchsvolles und kann ein Buch ungemein bereichern, aber nicht in einem Thriller, wenn es zu Lasten von Spannung und Tempo geht – so wie hier. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich im Verlauf des ganzen Buches mit keinem einzigen Charakter so richtig warm geworden bin.

Zum Ende hin, auf den ca. letzten 70 Seiten, reißt Parsons dann auf einmal das Steuer komplett herum – und es wird nochmal so richtig spannend. Hierbei überschlagen sich die Ereignisse regelrecht! Im Gegensatz zu den ersten 400 Seiten sind die die Kapitel zuletzt nur noch so dahingeflogen und ich mochte gar nicht mehr aufhören mit dem Lesen. Das Ende ist dann – nunja, sagen wir mal „sehr amerikanisch“. Aber es wurden alle offenen Fragen geklärt und ich konnte das Buch mit einem zufriedenen Gefühl beenden.

Alles in allem ist das ein Buch, das mich nicht ganz überzeugen konnte. Für meinen persönlichen Geschmack hätte es gut 100-150 Seiten weniger haben dürfen, da mir die medizinischen Ausführungen und insbesondere auch die Beschäftigung mit den einzelnen Charakteren zu breiten Raum für einen Thriller eingenommen haben.

FAZIT:
Ein Buch mit starker Grundidee, einem fesselnden Beginn und einem extrem spannenden und temporeichen Finale. Dazwischen leider aber auch mit vielen Längen.

Bewertung vom 03.12.2018
Spiele-Comic Noir: Loup-Garou

Spiele-Comic Noir: Loup-Garou


ausgezeichnet

Super-spannend, extrem atmosphärisch und durchaus herausfordernd – ein fantastisches Comic-Spielabenteuer!

Zum Thema Spielcomic:
Pegasus Spiele ist eine sehr überzeugende Innovation gelungen: Spiele-Comics als Weiterentwicklung der Spielbücher, die ihre Wurzeln in den 1970´er Jahren haben. Ähnlich wie die artverwandten Pen-&-Paper-Rollenspiele á la „D&D – Dungeons & Dragons“ oder auch „DSA – Das schwarze Auge“ liegt der Fokus bei Spielbüchern darauf, den Fortgang der Geschichte durch eigene Entscheidungen aktiv zu beeinflussen („willst Du links herum gehen, lies weiter bei 306, gehst Du rechts herum lies 357“). Hieraus ergibt sich eine Vielzahl von möglichen Verläufen der Geschichten, so dass man ein Spielbuch durchaus mehrmals lesen kann, ohne dass es langweilig wird und selbst zum aktiven Held der Geschichte wird.

Zum Inhalt:
Du bist Eoras, der Gehilfe des alten Magiers Thedocred. Auf einem nächtlichen Besuch im tief verschneiten Wald wirst Du von einem Werwolf angegriffen. Glücklicher Weise kommst Du mit Deinem Leben davon, aber als Du zurückkehrst musst Du feststellen, dass dein Meister spurlos verschwunden ist. In dem ansonsten so beschaulichen Dorf Weissendorn geschehen zutiefst beunruhigende Dinge... Dein ganz persönliches Abenteuer beginnt!

Meine Meinung:
Dies ist mittlerweile mein dritter Spiele-Comic aus dem Pegasus!-Verlag und ich muss sagen, dass ich dieses Format liebe! Wie immer ist auch dieses Buch sehr liebevoll gestaltet (handliches, geprägtes Hardcover, Lesebändchen, Drehscheibe und Heldenbogen) und ich war erneut überrascht, wie viel langanhaltenden Spielspaß man mit dem auf den ersten Blick eher dünn anmutenden Buch haben kann. Mit 326 Sprungpunkten und verschiedenen möglichen Wegen durch das Abenteuer ergeben sich mehrere Stunden intensiver Spielspaß.

Wie bei einem konventionellen Rollenspiel gibt es auch hier einen Charakterbogen, auf dem die verschiedenen Eigenschaften des Helden festgehalten und Gegenstände eingetragen werden. Dieser befindet sich am Ende des Buches, kann aber auch von der Verlagshompage herunter geladen werden. Das Kampfsystem ist recht einfach und das zentrale Element ist eine sehr gelungene Drehscheibe als Pendant zum traditionellen Würfel (man kann aber auch einen klassischen Würfel benutzen). Die Kämpfe steigern sich im Verlauf des Abenteuers sehr schnell, sind teilweise durchaus herausfordernd, aber machbar. Daher sollte man einen besonderen Augenmerk auf die Weiterentwicklung und auch die Ausrüstung seines Charakters legen (Es gibt immer mal wieder Gelegenheiten, an Waffen, Tränke und / oder Rüstungsteile zu kommen – also fleißig Gold einsammeln!).

Folgendes hat mir an diesem Spiele-Comic besonders gut gefallen:
(+) erstaunlich langer Spielspaß
(+) eine absolut unterhaltsame Story
(+) sehr gelungene Atmosphäre und abwechslungsreiche Settings (Dörfer, Läger,…)
(+) viele Rätsel – die meisten ganz schön knackig (keine Sorge: zur Not kommt man aber auch ohne die passende Lösung weiter)
(+) man muss immer die Augen aufhalten, um Gegenstände und (oft sehr gut) versteckte Sprungpunkt-Zahlen zu finden
(+) mehrere Charakter-Spezialisierungsmöglichkeiten für echtes Rollenspiel-Feeling
(+) es gibt verschiedene Händler, bei denen man seinen Charakter ausrüsten kann
(+) der wohl dosiert aufblitzende Humor (wie etwa ein Bild von Garfield bei Sprungpunkt 123)
(+) hoher Anreiz, das Buch gleich nochmal durchzuspielen
(+) last but not least: wunderbares Artwork mit wirklich tollen Bildern!

FAZIT:
Bester Lese- und Spielspaß viel viele Stunden guter Unterhaltung! Eine absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung vom 21.11.2018
Jenseits des Nordlichts
Ulrich, Heike

Jenseits des Nordlichts


ausgezeichnet

Ein sehr atmosphärischer Mystery-Thriller mit toller Grundidee

„Der Moment der Magie ist so zerbrechlich und gleicht einer Schneeflocke, die ins Feuer fällt.“ (S. 143)

Meine Meinung:
Auf der Hochzeitsreise von Theresa und Hagen passiert auf Island ein Unglück: Nach einer spontanen nächtlichen Fototour wird Theresa bewusstlos und schon vollkommen unterkühlt aufgefunden. Zurück in Deutschland muss Theresa feststellen, dass dieser Unfall nicht folgenlos geblieben ist. Die Spurensuche führt sie dabei weit zurück in die Vergangenheit...

Autorin und Schauspielerin Heike Ulrich weiß, wie man Atmosphäre und Spannung schafft! Ein geheimnisvoller Prolog, der in das Jahr 1614 zurück reicht, sowie der mysteriöse Unfall Theresas reichen ihr aus, um eine spannende Story zu entwickeln, die mich von Beginn an gepackt hat. Dabei kommt sie ohne große Effekthascherei oder brutale Action aus – hier fesselt die Geschichte selbst! Gemeinsam mit Theresa, die mir von Beginn an sympathisch war, begibt man sich als Leser auf eine Spurensuche, die einem Puzzle gleicht. Stück für Stück ergeben sich neue Erkenntnisse, doch erst ganz zum Schluss fügen sich alle Teile nahtlos in ein großes Gesamtbild ein und geben eine Lösung preis, die für mich absolut überraschend, aber im Nachhinein dennoch voll und ganz nachvollziehbar war. Hinzu kommt noch eine faszinierende Grundidee, über die ich hier nichts schreiben kann, ohne zu viel zu verraten.

Neben der überzeugenden Story und den erfrischend „normalen“ Charakteren, die auch mit Beziehungs- und Alltagsthemen zu kämpfen haben, haben mir insbesondere auch die Schauplätze gefallen. Neben Island, das per se ja immer eine tolle Kulisse abgibt, spielen in der Geschichte das ehemalige Kloster Welver und das Schloss Corvey an der Weser, ein ehemals bedeutendes karolingisches Kloster, das über eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes verfügt, eine zentrale Rolle. Hier beweist Heike Ulrich – ähnlich wie Dan Brown - ein wirklich geschicktes Händchen für sehr atmosphärische, kirchliche Schauplätze.

FAZIT:
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite – ein überzeugender Mysterythriller mit atmosphärischen Schauplätzen.

Bewertung vom 13.11.2018
Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6
Theurillat, Michael

Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6


ausgezeichnet

Ein außergewöhnlicher, intelligenter und hoch politischer Krimi

„Der Mensch will Bestätigung in dem, was er glaubt und denkt. In dem Moment, in dem er seinen Horizont öffnet, wird er sich seiner Untiefen bewusst. Auch der Beliebigkeit seiner Glaubenssätze. Und seiner Schwäche.“ (S. 74)

Meine Meinung:
Schon der Beginn dieser Geschichte ist außergewöhnlich. Hier wird keine Leiche aufgefunden, lernen wir kein Opfer in seinen letzten Lebensstunden kennen. Nein, wir wohnen als Leser einer Versteigerung bei, in der ein brillanter Wissenschaftler seine Nobelpreismedaille versteigern lässt. Schnell ist also klar, dass „LENZ“ alles andere als ein „normaler“ Kriminalfall ist. Doch auch ohne spannungsgeladenen und effekthaschenden Prolog hat es Michael Theurillat geschafft, mich für seine Storyline zu interessieren, denn wie die verschiedenen Ereignisse zu Beginn zusammengehören sollten, war mir über lange Zeit ein absolutes Rätsel. Durch zwei Handlungsstränge in etwas verschobenen Zeitlinien muss man zu Beginn gut auf die Zeitangaben an den einzelnen Kapiteln achten, um nicht zu sehr verwirrt zu werden – aber daran hat man sich schnell gewöhnt.

Die meiste Zeit hat die Geschichte einen Verlauf genommen, bei dem ich mir nicht sicher war, was denn der eigentliche Kriminalfall hier sei – es ist also kein klassischer „who-dun-it“-Krimi, sondern eher ein „what-was-it“-Krimi. Für meinen Geschmack eine sehr intelligente und erfrischende Idee des Autors. Dazu kommt noch, dass der Plot im Fortgang der Geschichte eine zunehmend politische Dimension erreicht, die wirklich top-aktuell und für meinen Geschmack wahnsinnig interessant und schockierend zugleich ist. Hierzu kann ich leider nicht mehr schreiben, ohne zu spoilern.

Neben dieser aktuellen und intelligenten Storyline besticht dieses Buch durch seine außergewöhnlichen Charaktere und deren Zusammenspiel. Allen voran natürlich der titelgebende Ewald Lenz, ein pensionierter Archivar mir einem IQ von über 150 und einem Gedächtnis, das kaum jemals etwas vergisst. Arrondiert wird dieser Ausnahme-Charakter von seinem kleinen, aber ebenfalls sehr ungewöhnlichen Freundeskreis, sei es der auch abseits von ausgetretenen Polizeipfaden ermittelnde Kommissar Eschenbach, der gerade erst von einer Auszeit in den USA wieder zurück zur Züricher Kantonalpolizei gekommen ist, oder auch sein alter Studienfreund Walter Habicht, ein brillanter Wissenschaftler, der von schwerer Krankheit gezeichnet ist.

Besonders beeindruckt hat mich, dass einige Elemente dieser Geschichte auf wahren Gegebenheiten beruhen, was der Autor im Anhang auch beschreibt und entsprechende Quellen hierfür benennt. So ergibt sich für mich zum Schluss ein absolut überzeugendes Gesamtwerk.

FAZIT:
Ich habe selten so einen intelligenten, überraschenden und top-aktuellen Krimi gelesen. Chapeau, Herr Theurillat

Bewertung vom 08.11.2018
Profipfuscher
Kalpenstein, Friedrich

Profipfuscher


ausgezeichnet

Hans, die sechste – hier sind Lacher garantiert!

Meine Meinung:
„Profipfuscher“ ist der mittlerweile sechste Teil der „Herbert-Reihe“ von Friedrich Kalpenstein und meine Erwartungen als eingefleischter „Herbert & Hans“-Fan waren entsprechend hoch. Um soviel vorweg schon zu verraten: Meine Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt!

Nach Urlaubsreisen, Liebes-Irrungen und -Wirrungen sowie beruflichen Neuorientierungen und Ausstiegsambitionen in der Alpenkulisse geht es diesmal um ein Alltagsprojekt, das viele Leser selbst schon kennengelernt haben dürften: den Haus(um)bau mit allem Drum und Dran. Hier wollen Familie, Job und eine stetig wachsende Handwerkerschar gekonnt unter einen Hut gebracht und koordiniert werden. Wie schon in den Bänden zuvor beweist Friedrich Kalpenstein erneut ein ganz feines Näschen für humorvolle Alltagssituationen. Sei es auf dem latent chaotischen Bau, bei der Wohnungsbesichtigung durch potenzielle Nachmieter, im Baumarkt, zur Zerstreuung auf dem Golfplatz, beim „nebenbei“ organisierten Kita-Fest oder auch bei der kleinen Beziehungspflege-Auszeit im Wellnesshotel. Immer wieder ergeben sich wunderbar schräge und absolut humorvolle Situationen, die dieses Buch unglaublich unterhaltsam machen und mir vom breiten Grinsen bis zum spontanen Lachausbruch die volle Bandbreite an humoristischen Gefühlsregungen beschert haben. Das schöne an den „Herbert & Hans“-Büchern ist dabei, dass man beim Lesen garantiert die ein oder andere Situation aus den eigenen Lebenserfahrungen wiedererkennt. Sind wir nicht alle manchmal ein bisschen wie Herbert?

Sehr gefreut hat es mich, dass mein Liebling Hans diesmal wieder eine sehr präsente Rolle bekommen hat, nachdem er mir im Vorgänger „Gipelträumer“ ja viel zu kurz gekommen war. Hans & Herbert – die beiden sind einfach ein absolutes Traumpaar – sorry, Anja. Mit seinen markigen Sprüchen ist Hans immer für einen Lacher gut und gibt selbst als „Harry Potter“ noch eine gute Figur und einen erfolgreichen Womanizer ab. Dafür waren die anderen Charaktere diesmal nicht ganz so schräg wie in den Vorgängern, was mich aber überhaupt nicht gestört hat, da das „Gesamtpaket“ einmal mehr einfach nur gelungen ist.

Für Freunde humorvoller Lektüre ist die Herbert-Reihe einfach Pflicht! Ich frage mich wirklich, wann das mal ein Drehbuchautor entdeckt…

FAZIT:
Für unterhaltsame & unbeschwerte Lesestunden mit Lach-Garantie genau das richtige Buch.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.11.2018
Verloren in Eis und Schnee
Morosinotto, Davide

Verloren in Eis und Schnee


ausgezeichnet

„Zwei leuchtende rote Sterne inmitten einer sehr dunklen Zeit“ - ein bewegender, spannender und ganz besonderer Roman

„Der Winter kommt und mit dem Winter kommt der Feind. Er fegt alles weg. Menschen, Gedanken, meine Welt, so wie sie war und nie wieder sein wird. Alles ist zerstört.“ (S. 193)

Meine Meinung:
Eigentlich gehören Bücher und Geschichten rund um den zweiten Weltkrieg nicht zu meinen favorisierten Werken, aber dieses Buch ist wirklich etwas ganz Besonderes!

Es beginnt im Juni 1941, als die 13jährigen Zwillinge Viktor Nikolajewitsch Danilow und Nadja Nikolajewna Danilowa in das Museum der Eremitage in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, gehen. Dort hören sie zusammen mit ihren Eltern eine Radiodurchsage, die den Beginn des zweiten Weltkriegs für die Sowjetunion verkündet. Schon überschlagen sich die Ereignisse und Viktor und Nadja werden bei der Evakuierung der Kinder aus Leningrad getrennt. Von hier ab verzweigen sich die beiden Handlungsstränge und erzählen abwechselnd von den Erlebnissen der beiden Geschwister in dieser gefährlichen und lebensfeindlichen Zeit und Umgebung. Von Anfang an ist es unglaublich bewegend zu lesen, wie die beiden Kinder auf sich allein gestellt sind, über sich hinauswachsen und Gefahren ausgesetzt sind und auf sich nehmen, die wohl jedem Elternteil einen ganz dicken Kloß im Hals bescheren. Aber sie wachsen und reifen auch auf diesem Weg und werden trotz ihres jungen Alters vorzeitig zu jungen, verantwortungsvollen und bewundernswerten kleinen Erwachsenen, die ihre Kindheit und Jugend verloren haben. Gleichzeitig ist diese Geschichte aber auch ein Spiegel dieser dunklen Zeit und „ganz nebenbei“ auch eine einfach unglaubliche und spannende Abenteuergeschichte, die für mich an Klassiker wie „Tom Sawyer“ und ähnliche Werke heranreicht.

Ebenfalls begeistert hat mich die ungewöhnliche Gestaltung dieses Buches. Die Geschichte wird durch „Akten“ erzählt, die größtenteils aus den Tagebüchern der beiden Geschwister bestehen. Dazu gibt es Randnotizen des untersuchenden Oberst Smirnow und ganz viele historische Fotos, die für eine passende und oftmals auch beklemmende Atmosphäre beim Lesen sorgen.

Dieser Roman zeigt die unmenschlichen Schrecken des zweiten Weltkriegs aus einem ganz anderen Blickwinkel, portraitiert die entbehrungsreichen Lebensumstände der sowjetischen Bevölkerung und deren Blick auf den Feind aus Hitler-Deutschland. Es zeigt auf, wozu Menschen unter solchen Umständen im Stande sind – sowohl in negativer Hinsicht als auch in Positiver! Hier ist Davide Morosinotto für meinen Geschmack ein wirklich unglaubliches Werk gelungen, dass seinesgleichen sucht und für mich das Potenzial zu einem modernen Klassiker hat.


FAZIT:
Eine Geschichte über Familie, Mut und die Stärke, niemals die Hoffnung aufzugeben. Ein ganz großes Werk, spannend und zutiefst bewegend - und für mich schon jetzt ein moderner Klassiker.

Bewertung vom 02.11.2018
Dämonentage
MacKay, Nina

Dämonentage


sehr gut

Ein fesselndes Cross-Over mit faszinierender Grundidee

Meine Meinung:
1994 tobte ein Kampf zwischen Engeln und Dämonen, den die Boten des Himmels verloren. Daraufhin versiegelte der Erzengel Michael die Dämonentore mit seinem Blut. Doch er starb, bevor er seine Arbeit vollendet hatte und so blieben die jeweils letzten fünf Tage im Jahr ungeschützt vor den sich dann wieder öffnenden Toren zur Hölle. Seit dem sind die letzten fünf Tage jeden Jahres die Dämonentage, an denen des Nachts hungrige Dämonenclans unter der Führung der Alpha-Dämonen mordend die Welt heimsuchen…

Es ist schon eine gruselige, aber auch extrem faszinierende Grundidee, die sich die deutsche Autorin Nina MacKay (u.a. „Teenie Vodoo Queen“ und „Games of Flames“) für ihren neusten Roman erdacht hat. Der Beginn dieses Buches hat mich sehr an einen waschechten Horrorroman erinnert und ich war zunächst ein wenig enttäuscht, weil mir hier noch der gewisse „Kick“ gefehlt hat und die Charaktere zunächst noch ein bisschen zu blass geblieben sind. Doch schon bald darauf nahm die Geschichte an Fahrt auf und bekam deutliche Züge von Romantasy. Das Auftauchen des zweiten Protagonisten, Cruz Darkknight, hat dabei auch der Charakterentwicklung der ersten Protagonistin gut getan. Die 17jährige Adriana Astara bekam für mich durch die Wechselbeziehung der beiden deutlich mehr Kontur und wirkte ab da lebendig und voll und ganz sympathisch. Insbesondere das Zusammenspiel dieser beiden funkelnden Figuren hat mir sehr gut gefallen.

Ab diesem Zeitpunkt hat sich auch der Plot der Geschichte rasend schnell entwickelt und einen fesselnden Sog entfaltet. Durch einen geschickten „Count Down“ bis zum Jahresende sowie eine regelmäßige Einführung neuer, schillernder Figuren (von denen ich insbesondere die toughe Gesa mochte) schafft es die Autorin mühelos, die Spannung und das Tempo ununterbrochen auf hohem Niveau zu halten. Bis zum Finale – das eine faustdicke Überraschung parat hält! – mochte ich das Buch eigentlich kaum noch aus der Hand legen. Nur einen Wermutstropfen gab es hier für mich: das Buch hat ein sehr offenes Ende, dass mich extrem gespannt auf den zweiten Band warten lässt!

Sehr gut gefallen hat mir auch der moderne und flotte Schreibstil MacKays. Insbesondere durch Cruz´ Wortwitz, der sich schon fast zu einem Running-Gag entwickelte, hat sie diesem Roman noch eine wohl dosierte Prise Humor verpasst und somit die düstere Grundstimmung immer wieder ein bisschen aufgehellt. Auch durch die Darstellung mancher Dämonen, die durchaus auch mal unfähig-plump daher kommen, wurden die Horror-Elemente deutlich entschärft. Man merkt beim Lesen deutlich, dass Nina MacKay zu den Fans einschlägiger Filme und Serien gehört (wie etwa Vampire Diaries, Grimm etc.), was ich persönlich sehr sympathisch fand.

FAZIT:
Ein bisschen Horror, einen Schuss Mystery und eine gute Portion Romantasy – ein spannender Genre-Mix mit einer außergewöhnlichen Grundidee. Bitte mehr!