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badwoman
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Osterwald

Bewertungen

Insgesamt 162 Bewertungen
Bewertung vom 26.04.2019
Bösland
Aichner, Bernhard

Bösland


ausgezeichnet

Ben hatte eine sehr schwere Kindheit, wurde vom Vater immer wieder ins „Bösland“, dem Dachboden, geführt und schwer misshandelt. Seine Mutter verschließt ihre Augen vor diesem Geschehen und flüchtet sich in Krankheit. Bis Ben seinen Vater an seinem zehnten Geburtstag findet: erhängt mit dem Gürtel, den er für die Misshandlungen benutzt hatte. Für den Jungen ist es wie eine Befreiung, endlich gibt es kein „Bösland“ mehr. Oder doch? Vielleicht stirbt das Böse an so einem Ort ja nie…
Bernhard Aichner hat mit „Bösland“ einen ganz besonderen Thriller geschrieben, ganz anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Der Schreibstil ist sehr speziell, Abschnitte, in denen Ben erzählt, wechseln sich mit Kapiteln ab, die aus Dialogen bestehen. Jedes Kapitel hat eine eigene Überschrift und ist relativ kurz, was das Lesetempo recht schnell werden lässt. Trotz (oder wegen?) dieses Stils hat mir das Buch sehr gut gefallen, es ist spannend und hat einige unerwartete Wendungen. Durch Bens Erzählung kann man sich sehr gut in sein trauriges Leben hineinversetzen, das macht sein Handeln meist verständlich. Der zweite Protagonist, sein Freund aus Kindheitstagen Kux, ist ein sehr vielschichtiger Charakter, vielleicht ist er gerade deshalb zu Bens Freund geworden. „Bösland“ ist ein Thriller, in dem sich menschliche Abgründe auftun, teilweise menschenverachtend, oder auch voller Egoismus und Ignoranz. Ein tolles Buch, zu dessen Schreibstil es sehr unterschiedliche Meinungen geben wird.
Das Cover ist gar nicht so düster, wie die Geschichte es vermuten ließe. Es fällt durch die Farben, vor Allem aber durch den roten Schriftzug auf. Als Gesamtpaket gefällt mir das gut. Der Titel könnte nicht besser zum Buch passen und macht neugierig.

Bewertung vom 26.04.2019
Schatten der Toten / Judith Kepler Bd.3
Herrmann, Elisabeth

Schatten der Toten / Judith Kepler Bd.3


sehr gut

Judith Kepler hat einen besonderen Beruf: sie ist Tatortreinigerin. In dieser Funktion ist sie dem Tode sehr nahe und so kann sie gut mit Mord und Totschlag umgehen. Das kommt ihr jetzt zu Gute, denn sie ist auf der Suche nach einem scheinbar skrupellosen Agenten und Waffenhändler: Bastide Larcan. Zudem ist dieser Verbrecher auch noch ihr Vater… Nach dem Tod von Eva Kellermann, einer früheren Stasi-Spionin, ist Judith nicht die Einzige, die Jagd auf Bastide macht, seine Verbindung zu Eva ruft noch mehr Interessenten auf den Plan. Eine Spur führt nach Odessa, doch kann Judith wirklich dorthin fahren und ihr Leben völlig auf den Kopf stellen?
Der Thriller „Schatten der Toten“ der deutschen Autorin Elisabeth Herrmann führt den Leser in Kriese ehemaliger Agenten, die während des kalten Krieges skrupellos Menschen auf beiden Seiten der deutsch – deutschen Grenze für ihre Ziele missbrauchten. Die Folgen dieser Tätigkeit reichen bis in die Gegenwart, immer noch sind Menschen, besonders Angehörige und Partner dieser Spione, durch deren Lügen und Verbrechen traumatisiert. In einem flotten Schreibstil, der die Spannung fördert, erzählt Elisabeth Herrmann diese Geschichte. Judith ist eine meist sympathische Figur, manchmal etwas stur, handelt aber meistens verständlich. Bastide ist ein Verbrecher, hat aber auch gute Seiten, wie in der Realität ist niemand nur gut oder nur böse. Das gilt auch für die anderen handelnden Personen, und das gefällt mir sehr gut. Manchmal zieht sich die Handlung etwas, vielleicht wären etwas weniger als die 666 Seiten auch genug gewesen. Trotzdem ist der Thriller spannend zu lesen, einige unerwartete Wendungen tun ihr Übriges.
Das Cover ist düster, es führt uns, bildlich gesprochen, in die Abgründe der Menschen. Der Titel passt gut zum Inhalt.

Bewertung vom 25.04.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1


sehr gut

Das Buch beginnt mit einem verstörenden Prolog, in dem ein blutbesudelter Mann nackt auf die Straße rennt und völlig verwirrt zu sein scheint. Zehn Jahre später ist Holly Wakefield forensische Psychiaterin mit dem Fachgebiet Serienmörder. Sie hält Vorlesungen am King´s College und therapiert Schwerstverbrecher in einer geschlossenen Klinik. Und nun wird sie auch noch von Detective Inspector Bishop in einem brutalen Mordfall zu Rate gezogen. Die beiden entwickeln sich zu einem guten Team. Doch bald merkt Bishop, dass es in Hollys Vergangenheit einen dunklen Fleck gibt. Hat der etwas mit ihrer Berufswahl und ihren ausgezeichneten Fähigkeiten zu tun?
Der englische Autor Mark Griffin hat mit „Dark Call – du wirst mich nicht finden“ einen spannenden Thriller geschrieben. Der flüssige Schreibstil lässt den Leser durch das Buch eilen, die relativ kurzen Kapitel tun ihr Übriges. Bishop und Holly sind ein sympathisches Team mit Fachkenntnis und Empathie. Die Geschichte mit einigen Wendungen und einem spektakulären Finale gefällt mir gut. Einzig Hollys wiederholtes „Herunterleiern“ etlicher Fallbeispiele ihres Metiers habe ich als störend und langatmig empfunden. Da hätte der Autor sich einige der 414 Seiten sparen können. Sehr schade, denn sonst hat mir der Thriller wirklich gut gefallen und ich freue mich auf weitere Fälle dieses Teams.
Das düstere Cover mit dem blutroten Effekt lässt direkt auf den Thriller schließen – es wirkt aber schon etwas reißerisch. Der Titel „Dark Call – Du wirst mich nicht finden“ ist ein typischer Titel dieses Genres, lässt also den Thrillerleser sofort aufhorchen.

Bewertung vom 27.03.2019
Siam Affairs
Einsingbach, Thomas;Wilunpan, Sirirat

Siam Affairs


sehr gut

William LaRouche, Ex-FBI-Agent, soll als Trauzeuge seiner Ex-Freundin Penelope fungieren, die ihren thailändischen Freund in Bangkok heiraten will. Doch zuvor wird er um Hilfe gebeten – ein deutscher Geschäftsmann ist aus seinem Hotelzimmer verschwunden. Als dann auch noch abgetrennte menschliche Körperteile in der Nähe des Hotels gefunden werden, ein Chirurg entführt wird und sich ein Unwetter über der Stadt zusammenbraut, hat nicht nur die Polizei alle Hände voll zu tun.
Der Thriller „Siam Affairs“ von Thomas Einsingbach in Zusammenarbeit mit der Thailänderin Sirirat Wilunpan ist ein temporeiches, spannungsgeladenes Buch. In einem geradlinigen und flüssigen Schreibstil erzählt das Autorenduo eine manchmal sehr brutale Geschichte, die hauptsächlich in Thailand beheimatet ist. Zu Anfang hatte ich kleine Probleme mit den für mich fremden Namen, aber das legte sich relativ schnell. Man merkt den engen Bezug des Autors zu diesem Land, als Leser lernt man Einiges über Gebräuche und Leute dazu. Und nicht nur darüber, auch andere für Thriller eher ungewöhnliche Sachthemen wie z.B. Landgrabbing werden angesprochen und dem Leser nahe gebracht. Mir hat das sehr gut gefallen, von diesem Sachverhalt hatte ich bis dato noch nie gehört. Die Verbrechen, die Gegenstand dieses Thrillers sind, sind komplex und anfangs nur schwer zu durchschauen, doch zum Schluss ergibt sich ein logisches Ganzes. Doch bis es soweit ist, ist viel Blut geflossen, wer also zart besaitet ist, sollte sich nicht zwangsläufig diese Lektüre zu Gemüte führen, für alle anderen kann ich sie aber empfehlen, weil sie so gut Spannung mit Sozialkritik verbindet. Durch kurze Kapitel und einige unerwartete Wendungen wird der Spannungsbogen recht gut bis zum spektakulären Ende gehalten.
Das Cover mit der fernöstlichen Maske passt ebenso wie der Titel gut zum Inhalt des Buches.

Bewertung vom 27.03.2019
1793 / Winge und Cardell ermitteln Bd.1
Natt och Dag, Niklas

1793 / Winge und Cardell ermitteln Bd.1


ausgezeichnet

1793 in Stockholm: Die Stadt ist eine stinkende und dreckige Metropole. Der Alkohol fließt in Strömen, überall sitzen die Messer ebenso locker wie die Fäuste. Verbrechen, Willkür und Unterdrückung sind an der Tagesordnung. Wer Geld hat, kann sich einfach alles kaufen. Wer keins hat, kämpft täglich ums Überleben. Eines Tages wird in der stinkenden Stadtkloake der grausam verstümmelte Leichnam eines Menschen entdeckt. Cecil Winge, schwerkranker Mitarbeiter der Stockholmer Polizei und Mickel Cardell, versehrter Kriegsveteran, setzen alles daran, den Mörder zu finden – und stoßen in unvorstellbar menschenverachtende Kreise vor.
Der schwedische Autor Niklas Natt och Dag (schwieriger Name, aber unbedingt merken!) hat mit seinem historischen Krimi „1793“ ein tolles, bildgewaltiges Werk geschaffen. Von Beginn an ist der Leser in dieser Geschichte drin, man hat genaue Vorstellungen davon, wie es damals in dieser Stadt ausgesehen – und gerochen hat. Die Sprache ist der Zeit angepasst und tut ihr Übriges, den Leser in die Vergangenheit zu entführen. Trotzdem lässt sich das Buch sehr flüssig lesen, was wiederum der Spannung zu Gute kommt. Die zieht sich durch das Buch, so dass der Leser es nicht zur Seite legen möchte. Unterteilt ist das Buch in vier Teile, die nicht chronologisch geordnet sind, was aber durchaus Sinn macht. Die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang, so hat man auch immer das Gefühl, dass es schnell vorangeht. Manche Szenen sind unsäglich grausam, was mir als eingefleischter Thrillerleserin nichts ausmacht, wenn man jedoch kein Blut sehen kann (ja, in diesem Buch SIEHT man es förmlich vor sich), sollte man zu einer anderen Lektüre greifen.
Das auffällige Cover hatte mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht, einfach toll gemacht. Der kurze und knappe Titel passt!
Dieses Buch bekommt von mir fünf hochverdiente Sterne!

Bewertung vom 27.03.2019
Monstermäßig beste Freunde / Fjelle und Emil Bd.1
Scheller, Anne

Monstermäßig beste Freunde / Fjelle und Emil Bd.1


sehr gut

Fjelle, ein grünes zotteliges Monster, und Emil, ein ganz normaler netter kleiner Junge, sind beste Freunde. Sie wohnen in Flusenbek, wo sie auch zur Schule gehen, Fjelle in einer Hütte im Wald und Emil bei seinen Eltern. Ihre Mitschüler sind an Fjelles extremen Reaktionen gewöhnt, denn so groß, wie er selber ist, so groß sind auch seine Gefühle, mit denen er oft nur schwer hinter dem Berg halten kann. Doch als ein neuer Direktor seine Stelle an Fjelles und Emils Grundschule antritt, wird alles anders: Dieser Mann scheint nicht zu wissen, dass auch Monster nette Zeitgenossen sind, und macht den Freunden große Schwierigkeiten. Für Fjelle und Emil beginnt eine schwere Zeit.
Anne Scheller hat mit „Fjelle & Emil – Monstermäßig beste Freunde“ ein schönes Kinderbuch über Anderssein und Ausgrenzung geschrieben. Alle Themen rund um Mobbing sind ja leider sehr aktuell, dieses Buch kann sie jungen Kindern sehr verständlich nahebringen. Der Schreibstil ist kindgerecht und für größere Grundschüler zum Selberlesen, für kleinere Kinder auch zum Vorlesen geeignet. Fjelle ist ein meist sympathisches Monster, mit dem der Leser auch schon mal mitleiden muss, zu traurig ist es, als er realisieren muss, dass nicht alle Menschen anderen nur Gutes wollen. Emil ist ein lieber Junge, mit dem sich Kinder sicher sofort identifizieren können. Die Illustrationen sind schön und teilweise sehr detailliert gemacht und bringen uns dieses Monster näher, mit diesen Bildern vor Augen weiß man sofort: dieses Monster kann nur nett sein!
Titel und Cover passen perfekt zum Buch!

Bewertung vom 17.03.2019
The Hurting
Smit, Lucy van

The Hurting


sehr gut

Nell zieht mit ihrem Vater und ihrer krebskranken Schwester von England nach Norwegen, wo das Klima gesünder sein soll. Unzufrieden mit ihrer Situation, möchte sie nach England zurück, um einen Aufnahmetest an einer Musikschule zu machen. Doch dann kommt alles anders: Sie trifft auf Lukas, einen geheimnisvollen Jungen in einem Wolfsmantel. Nell verliebt sich auf den ersten Blick, obwohl sie so etwas immer für unmöglich gehalten hat. Jetzt sollte sie glücklich sein, doch Lukas zieht sie immer tiefer in seine dunklen Machenschaften hinein. Blind vor Liebe entführt sie ein Kind, ohne zu durchschauen, was Lukas mit diesem Verbrechen erreichen will. Und dann ist sie plötzlich allein und muss in den unwirtlichen Wäldern Norwegens um ihr Leben kämpfen.
Das Jugendbuch „The Hurting“ von Lucy van Smit ist ein recht spannender Roman um erste Liebe, Selbstaufgabe und Familienzusammenhalt. Direkt das erste Kapitel wirft viele Fragen auf, die dann nach und nach beantwortet werden. Die Autorin schreibt hauptsächlich aus Nells Sicht auf die Dinge, dadurch gelingt ihr, dass der Leser sich mit Nell identifiziert und mit ihr leidet. Manchmal habe ich aber auch mit ihr gehadert und hätte mir sehr gewünscht, dass ihre Liebesblindheit nicht ganz so weit geht. Lukas ist ein vielschichtiger, manchmal beängstigender und manipulativer Charakter. Die Sprache ist flüssig und schnörkellos, das lässt den Leser schnell durch das Buch eilen. Einige unerwartete Wendungen machen das Buch spannend. Dem empfohlenen Lesealter ab 14 Jahren kann ich zustimmen.
Das weiße Cover mit dem heulenden Wolf und dem Titel, der scheinbar hinter einer Gebirgskette auftaucht, ist auffällig und gefällt mir gut. Auch passt es sehr gut zur Geschichte. Der Titel mit dem Untertitel „Als du mich gestohlen hast“, ist ebenfalls gut gewählt.

Bewertung vom 10.03.2019
Böse Jungs Bd.1
Blabey, Aaron

Böse Jungs Bd.1


ausgezeichnet

In diesem Buch bekommen wir es mit mächtig bösen Jungs zu tun. Die vier, ein Wolf, eine Schlange, ein Piranha und ein Hai, haben es satt, dass alle vor ihnen Angst haben und möchten ihr Image aufpolieren, indem sie Gutes tun. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht…
Der australische Autor hat mit dem Kinderbuch „Böse Jungs“ eine wundervolle coole Geschichte vorgelegt, in der die vermeintlich Bösen meistens gar nicht so böse sind. Der originelle Schreibstil (der Wolf spricht den Leser direkt an) hat uns sehr gut gefallen, man ist wirklich in dieser Geschichte drin. Die verschiedenen Schriftarten im Buch, mal normal und ruhig, dann wieder fett und schreiend, machen das Geschriebene noch greifbarer und wirkungsvoller. Die Illustrationen sind einfach cool, dieses Wort trifft es, meine ich, am besten. Das Thema ist sehr witzig umgesetzt, nicht immer können die Protagonisten mit ihrem eigentlichen Naturell hinter dem Berg halten.
Das Cover fällt durch die Farbkombination orange – schwarz und die witzige Illustration auf. Der Titel passt und wir freuen uns schon auf weitere Geschichten mit den „Bösen Jungs“.
Ich empfehle dieses Buch gerne für Kinder ab ca. 5 Jahren zum Vorlesen und auch zum Selberlesen.

Bewertung vom 10.03.2019
Roh
Swidler, Uli T.

Roh


ausgezeichnet

Carl ist Streifenpolizist bei der Kölner Polizei – bis er in einen folgenschweren Hinterhalt gerät. Er wird zu einem bewaffneten Raubüberfall gerufen, bei der Verfolgung des vermeintlichen Täters nehmen ihm zwei Täter seine Waffe ab und erschießen damit den 15jährigen türkischen Jungen, den Carl verfolgt hatte. Der Verdacht fällt natürlich auf Carl, dessen Waffe nur seine Fingerabdrücke aufweist. Er verliert seinen Job und seine Familie. Doch Carl kann dieses Verbrechen nicht auf sich beruhen lassen, er möchte sich rehabilitieren. So gerät er mit seinen privaten Nachforschungen ein ums andere Mal in Gefahr und stößt auf verschiedene radikale Glaubensgemeinschaften, die sich jeweils für einzig wahre Glaubensrichtungen halten. Fundamentalistische Christen sehen in Carl einen der Ihren, weil er scheinbar einen muslimischen Jungen getötet hat. Carl dringt immer weiter vor in einen Sumpf aus Machtgier, radikale-religiöse Verbindungen und Missbrauch.
Der Berliner Autor Uli T. Swidler hat mit „Roh“ einen hochaktuellen Thriller geschrieben. In einem flüssigen Schreibstil erzählt er in teilweise atemberaubenden Tempo eine vielschichtige Geschichte. Geschickt benutzt er seine beiden gegensätzlichen Protagonisten Carl und Lena, um den verschiedenen Glaubensrichtungen einen Platz einzuräumen, gleichzeitig aber die radikalen Fundamentalisten dahin zu rücken, wo sie hingehören: in die Reihe von Schwerverbrechern. Carl und Lena sind Typen mit Ecken und Kanten, das gefällt mir gut. Dem Autor gelingt es, den Spannungsbogen über weite Teile des Buches zu halten, bis zum spektakulären Finale. Die anfangs schwer einzuordnenden Handlungsstränge ergeben am Schluss ein folgerichtiges Ganzes.
Das düstere Cover mit dem Kreuz als Waffe passt sehr gut zum Buch, der Titel „Roh“ ist kurz, knapp und zutreffend – perfekt gewählt!

Bewertung vom 10.03.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


ausgezeichnet

In Schweden wird eine Journalistin Opfer eines kaltblütigen Mordes. Und es bleibt nicht bei dem einen Opfer… Der Mörder, Carl Cederhielm, befindet sich mit Gleichgesinnten auf einem wohlüberlegten blutigen Trip gegen Journalisten, die sich in ihren Artikeln positiv über Schwedens moderate Flüchtlingspolitik äußern. Sie hinterlassen keine Spuren und scheinen nicht fassbar zu sein. Immer perfider gestalten sie ihre Verbrechen gegen die von ihnen verhassten Journalisten. Derweil hat es in Chile August, ein ehemaliger Fremdenlegionär, ebenfalls mit grausamen Verbrechen zu tun, in die er selber verwickelt wird. Gerne möchte er alles hinter sich lassen und mit seiner Lebensgefährtin in seine Heimat Schweden zurückkehren, doch hier ist er ein gesuchter Krimineller…
Der Thriller „Der Patriot“, geschrieben vom schwedischen Schriftsteller Pascal Engman, ist eine Geschichte voller Hass gegen Flüchtlinge – zumindest in dem einen Handlungsstrang, in dem wir den Mörder Carl kennenlernen. Sehr gut wird dem Leser hier veranschaulicht, wie eine Person wie Carl ticken kann, der Hass ist förmlich greifbar. Dieser Protagonist hat mich schockiert und manchmal richtig wütend gemacht, dieses Buch ruft also ziemlich heftige Reaktionen bei mir als Leser hervor, das finde ich richtig gut. Die anderen Hautpersonen in diesem Buch, August und Madeleine, haben auch ihre unsympathischen Seiten und sind für die eine oder andere Überraschung gut. Der Autor leitet uns in einem flüssigen Schreibstil schnell durch dieses sehr spannende Buch, das ich allen Thrillerlesern empfehlen möchte, die nicht allzu zart besaitet sind, die Beschreibungen der Verbrechen sind schon sehr drastisch. Das Thema ist leider hochaktuell, dadurch gewinnt das Buch noch an Brisanz.
Das Cover zeigt eine Ansicht von Stockholm (zumindest vermute ich das), über der Stadt ballen sich dunkle Wolken zusammen – ein passendes Sinnbild.