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Juti
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Insgesamt 789 Bewertungen
Bewertung vom 21.06.2025
Peters, Christoph

Innerstädtischer Tod


weniger gut

roter Faden fehlt

Da hat doch glatt der niederrheinische Heimatautor den Weg nach Berlin gefunden und auch inhaltlich zu Berliner Themen gewechselt. So jedenfalls, wenn du Denis Schecks Lobhudelei hörst.
Und auch der Plattentext verrät dazu auch nix.

Wir tauchen ein in die Welt des Künstlers Fabian Krahl, dessen Vater der letzte Krawatten-Fabrikant in Krefeld gewesen ist und immer wieder geht es dahin zurück.

Sein Onkel Hermann Carius dagegen ist Vorsitzender einer rechten Partei, sein Sohn Martin hingegen, ist Priester in der katholischen Kirche geworden, was dem bekennenden Atheisten Scheck kein Wort wert ist, aber für den Niederrhein-Autor gehört die katholische Kirche immer dazu wie das Weihwasser zum Waschbecken. (Der Vergleich ist von mir, mir fiel gerade nix besseres ein).

Damit nicht genug gerät auch noch der Galerist unseres Künstlers im Rahmen der „Me-Too“ Bewegung unter Missbrauchsverdacht.
All das wirkt wie ein Wimmelbild und all das lässt sich nur schwer in Bewegung bringen. Immer wieder werden aktuelle Themen wie Ukraine-Krieg und Corona angesprochen, aber der rote Faden bleibt auf der Strecke. Irgendwann gibt es doch eine Ausstellungseröffnung, wo sich alle irgenwie treffen.

Auch die Gender* sind aus meiner Sicht fehl am Platz, insbesondere wenn zwei in einem Wort auftauchen: Künstler*innendarsteller*innen (26)

Nein, mir fiel es schwer die Personen auseinanderzuhalten und vermutlich habe ich auch weniger als die Hälfte verstanden. So ist mir nicht einmal der Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Kapitel klar. Vielleicht kann jemand helfen? 2 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.06.2025
Bregman, Rutger

Moralische Ambition


weniger gut

nerviger Besserwisser

Es fing so gut an. Doch dann kommt ein regnerischer Sonntag in Heidelberg und die gute Laune verfliegt. Im Ernst: Ist schon mal untersucht worden, ob Buchkritiken bei besserem Wetter auch besser sind?

Die Nachwuchsprobleme der Klöster könnte diese Buch lösen, denn der Prolog verrät einen Mönch als den glücklichsten Menschen der Welt.

Auf S.21 dann eine interessante Tabelle von weniger idealistisch und weniger ambitioniert zu idealistisch und ambitioniert. Das diese Tabelle noch vertextet wird, versteht sich von selbst.

S.41 gefällt mir wieder. Es zeigt eine Gruppe Menschen, Hafenarbeiter wie sich zeigt, die den Führergruß machen, bis auf einen. Zwei Seiten später heißt dieser Mann August Landmesser, auf S. 110 dann Gustav Wegert und erst hier findet man ein Foto, auf dem etwas zu erkennen ist.

Außerdem geht es viel um die Befreiung der Sklaven. So stimme zum Beispiel die Geschichte von Equiano Olaudah nicht mit der Wirklichkeit überein, sondern sei zu Propagandazwecken nach Afrika verlegt worden. Jedenfalls fand der Literaturprofessor Vincent Carretta eine Geburtsurkunde aus South Carolia. (100)

„Die Überbetonung der eigenen Handlungsfähigkeit hingegen nervt“, schreibt die Rezensentin vom DLF. Nicht nur das. Es nerven die sinnlosen Überschriften. Kapitel 6 heißt „Melden Sie sich in einem Hogwarts für tugendhafte Menschen“. Was darf ich hier erwarten?

In Kapitel 7 wechselt der Autor völlig zusammenhangslos von der Anti-Baby-Pille zur Solarzelle. Da bin ich wohl nicht der einzige der den roten Faden vermisst.

Eigentlich müsste ich hier abbrechen und einen Stern geben. Da ich aber noch befürchtete noch auf etwas Interessantes zu stoßen, habe ich weiter durchgeblättert und komme so gerade noch auf 2 Sterne. Eigentlich schade. Für sein Buch „Utopien für Realisten“ hat derselbe Autor von mir noch 4 Sterne bekommen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.06.2025
Glattauer, Daniel

In einem Zug


ausgezeichnet

Kurioser Beginn

Da sitzen zwei Fahrgäste in einem Vierer-Abteil schräg gegenüber. Die Frau mittleren, jüngeren mittleren Alters und der Mann von dem wir erst später erfahren, dass er schon länger glücklich verheiratetet ist und schon eine größere Tochter hat. Die Frau wird gefragt, welchen Beruf sie ausübt, wo ich die Antwort im Zitat wiedergebe.

Also kommen die beiden ins Gespräch und reden über die Beziehungsprobleme oder eben nicht. Jetzt hätte ich fast vergessen zu erwähnen, dass der Mann der berühmte Schriftsteller Eduard Brünhofer ist und wir lernen viel über seinen Verlag, sein Schreiben und sein Hobby: Alkohol.

Das alles im witzigen Ton und mit hilreicher Übersetzung von Österreichisch ins Deutsche. Oder hättet ihr gewusst, dass Obers nur die feste Sahne ist? Bekannter ist schon eher, dass du in Österreich kein Abitur machst, sondern maturierst. Besonders witzig wird es, wenn man bei diesem Verb ein Buchstabe hinzufügt und das r in ein b ändert.

Ein witziges und unterhaltsames Buch noch dazu mit einer Schlusspointe, die ich nicht spoilern werde.Volle 5 Sterne.


Zitat „Ich arbeite als … [..]Physiotherapeutin.“ […]
Das Wort geht mir durch Mark und Bein, und instinktiv spanne ich meinen Beckenboden an, um mich zu vergewissern, dass er noch da ist. Physiotherapeuten haben bisher keinen festen Platz in meinem Leben gefunden, obwohl sie via hausärztlicher Überweisung schon seit längerem an meine Tür klopfen und in mein Bewusstsein drängen. Einige Male habe ich es mit ihnen probiert. Nach längstens drei „Einheiten“, wie man ihre Folterstunden nennt, konnte ich mich stets aus ihrer Umklammerung befreien und mich als vorzeitig geheilt entlassen. Ich vertrage ihre Übungen nicht, auch nicht die schroffe Art ihrer Vorgaben und den Befehlston, in dem sie sich schicken, die Kontrolle über meinen Körper an sich zu reißen. „Bis zum nächsten Mal machen Sie mir täglich…“ waren jeweils ihre letzten Worte. (21)

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.06.2025

Leibniz in Mainz


gut

Universalgelehrter am Rhein

Vor dem Kirchentag in Hannover wollte ich mich mit Leibniz beschäftigen und fand diesen Tagungsband, der belegt, dass Leibniz nach seinem Studium in Altdorf (ich hätte es glatt in die Schweiz verlegt und niemals die Universität Nürnberg damit verbunden.) auf den Weg nach Leiden (aber Leidensweg ist hier wohl fehl am Platze) für vier Jahre in Mainz steckengeblieben ist, um danach erst über den Umweg Paris in Hannover anzuheuern.

Der Grund seines Aufenthaltes ab 1668 dürfte der aufgeklärte Kurfürst und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn gewesen sein. Als er 1673 starb, zog Leibniz weiter. Der aus einem Juristenhaus stammende Gelehrte versuchte hier mit dem Landesherrn den Religionskonflikt des 30jährigen Krieg zu schlichten und wenn Rom darauf eingegangen wäre, hätte da durchaus etwas werden können.

Leibniz stellte die Philosophie auf neue Füße. Statt abstrakter Bilder zählte die Utilitas, der Nutzen. Weiter las ich, dass der Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Neuburg den polnischen Thron anstrebte, aus Angst vor Krieg aber dann doch verzichtete. Da hat er wohl vom Winterkönig gelernt.

Am meisten beeindruckt hat mich aber, dass er Probleme der Mechanik, die der Engländer Hobbes aufwarf erst naturphilosophisch beantwortet, bis 1669/70 die moderne Mathematik lernt und folglich mathematisch antworten kann.


Dieser wissenschaftliche Band übererfüllt meine Ansprüche. Seitenlang wird zitiert aus Originalquellen. Weniger und leichter lesbar wäre mir lieber gewesen. Machmal wird auch auf den alten Leibniz verwiesen, weil der junge nicht so bekannt ist. 3 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.06.2025
Mumm, Hans-Martin

Studien zur Heidelberger Stadtgeschichte


ausgezeichnet

Perlen der Lokalgeschichte

Schon der Titel verrät, dass es sich bei diesem Werk um eine Aufsatzsammlung handelt, die neben dem Beitrag zur Heidelberger Lokalgeschichte auch noch den Autor ehren will. So ist die Frage, ob die geehrte Leserin dieses Buch tatsächlich von Anfang bis Ende lesen soll. Sie wird immer auch weniger Spannendes finden. Die Reihenfolge der Aufsätze ist chronologisch nach ihrem Inhalt:

Zunächst befasst sich Mumm mit dem Alter Heidelbergs und schränkt anhand des Patronats der Heiliggeistkirche den Zeitraum auf das frühe Mittelalter ein.
Dann begibt er sich auf den Plättelsweg, vor allem weil andere Autoren hier auf dem Holzweg waren. Mit Ludwig V. feiert er den Sieg über die Bauern 1525, nein, er nimmt nicht so Partei, aber in Heidelberg selbst fanden keine Kämpfe statt, wohl aber die Siegesfeier. Der nächste Held ist unser Brückenaffe und wird zum Primatologen: „Berühmt sind die Schach spielenden Affen im Naumburger Dom.“ (122) Ich würde so gerne sofort hinfahren. Den Bonner Brückenaffen scheint er nicht zu kennen, aber sonst lässt er keine Banane aus.

Auch beim Hotel Ritter zieht er erstaunliche Vergleiche bis hin zur Hofapotheke in Öhringen, die nach seiner Forschung ebenfalls von Flüchtlingen aus Tournai erbaut sein muss. Eine kleine Schwäche Mumms ist es, steile Thesen aufzustellen: Johann Casimir sei der historische „Jäger aus Kurpfalz“ (154) Aber war das nicht Carl Theodor? Mumm wird noch einen weiteren Aufsatz schreiben müssen.

Carl Theodor kommt gar nicht gut weg (Zitat Münter: „Es wird ein Glück seyn, wenn Carl Theodor einmal stirbt und der Herzog von Zweibrücken wird.“ 161) , wird doch im nächsten Aufsatz sein Nachnachfolger Carl Friedrich von Baden gelobt, der gerade beim Bürgertum für neue Freiheiten sorgte, die als „Toleranzpolitik“ bezeichnen wurde. Baden war durch die katholische Linie in Baden und die lutheranische in Karlsruhe ohnehin konfessionell geteilt. Die Verbesserung des Schulwesens kam meines Wissens aber erst später.

Ludwig Börne ist der längste Artikel gewidmet. Er kam als Louis Baruch nach Heidelberg, nachdem die Universität in Halle wegen Napoleon 1806 aufgelöst wurde, mit ihm die auch die Brüder Eichendorff. (Ich wusste gar nicht, dass sie zu zweit kamen). Wieder schreibt Mumm, dass sie von der „konfessionsübergreifende[n] Schulordnung“ profitierten. Na denn. Er wohnte in der Schiffgasse 6, David Zimmer (2 Aufsätze später) in der Haspelgasse 12 war mit seinen Eltern bekannt.

Der Aufsatz über den Karlsruher Jude Abraham Ettlinger, der für die Freiheit Griechenlands kömpfte und in osmanische Gefangenschaft geriet, passt kaum in dieses Buch. Heidelberg besitzt nur eines der wenigen Originalbü.cher seiner Geschichte.
Da von David Zimmer schon die Rede war, folgt der Artikel, wie aus dem Turnverein die freiwillige Feuerwehr entstand. Der Name Feuerwehr wurde erstmals 1847 in der Karlsruher Zeitung verwendet. (271) Wie schlecht der Brandschutz war, zeigt, dass bei einem Feuer in der Bauamtsgasse 4 Wasser aus dem Brunnen des Pfarrhauses in der Sandgasse 1 geholt werden musste. (277) Peter Desaga ist der Name, den man sich zur Feuerwehr merken muss. Er produzierte mit Erlaubnis von Bunsen übrigens auch einen neuen Gasbrenner. (287)

Weiter wird an Johann Lorenz Küchler erinnert. Der aufrechte Demokrat war im April 1832 an der Weinheimer Versammlung beteiligt, eine Vorstufe des Hambacher Festes am 27. Mai. Außerdem gründete er und war bis zum Tod Vorsitzender der Deutschkatholiken. Warum Mumm glaubt, dass sie bis heute noch existieren, wird er vielleicht später einmal darlegen. (301) Nach der Revolution 1848 verteidigte er die Demokraten vor Gericht und konnte einige Todesurteile abwenden, andere nicht. Besonders traurig ist die Geschichte Friedländers, dessen Todesurteil nicht vollstreckt wurde, weil er nach Amerika ins Exil gehen wollte, dann aber starb, weil sein Schiff unterging. (304)

Ein Höhepunkt ist Mumms Zusammenstellung über die Industrie in Heidelberg um 1900. Stefan George und Karl Lohmeyer sind auch interessant. Den Abschluss bildet ein Ausatz über Mumms Ende als Betriebsratsvorsitzender.

Wegen der kleineren Mängel müsste ich eigentlich 4 Sterne vergeben, es gibt aber noch einen Ehrenstern zum 75. Geburtstag von Hans-Martin Mumm, also volle 5 Sterne.

Zitate:
(Börne): Ich Louis Baruch sei in der ganzen Stadt als halber Narr, und in der halben Stadt als ganzer Narr bekannt. (198f)
Mit der Liebe zum Leben hört das Leben der Liebe auf. (209)
Erziehung ist Erziehung zur Freiheit. (209)

(Mumm): Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts zeugt die salomonisch-unpraktische Entscheidung, die Bahnverbindung nach Frankfurt in der Mitte bei Friedrichsfeld an das bestehende Netz anzubinden, von der Gleichrangigkeit Heidelbergs mit Mannheim. (246)

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.06.2025
Wolff, Iris

Lichtungen


gut

Heimatroman von Siebenbürgen

Kummer und Leid bin ich ja schon gewohnt bei meinem Plan, die ganze Shortlist zu lesen. Inzwischen werfe ich den Autorinnen und Autoren nichts mehr vor, sondern hege meinen Groll gegen die Jury des Jahres 2024, offenbar das zeitgenössische Schreiben von WhatsApp- Kommentaren höher bewertet als die feine, interessante, mitunter lustige herkömmliche Erzählweise.

Iris Wolff trägt dazu bei, in dem sie ihre Geschichte chronologisch rückwärts erzählt. Das hat schon Autorin Mahlke in ihrem Buch „Archipel“ gemacht, den Buchpreis 2018 gewonnen, aber – wenn wir den Kundenbewertungen dieser Seite Glauben schenken – nicht die Herzen der Leserinnen und Leser.

Auch ich brauchte einige Zeit, bis ich merkte, dass die Kapitel nicht blind zusammengewürfelt sind. (Vielleicht ist das der überzeugende Tipp, wie du den Buchpreis 2025 gewinnst: Einfach die Reihenfolge der Kapitel würfeln.)
Aber spätestens als Lev unbewegliche Beine hatte und ich nicht wusste warum, war mir klar, wie der Hase läuft.

Inhaltlich dagegen ist der Roman bieder. Würdest du einen Heimatroman über Oberbayern lesen? Wohl kaum. Die Geschichte lebt also von den Gräueltaten des Kommunismus, in Rumänien also das Ceaucescu-Regime (wenn sich der Herrscher denn so schrieb) und von den vielen Völkern in Siebenbürgen, also Rumänen, Deutsche und Ungarn. So darf auch die Ausreise der vielen deutschen, evangelischen Siebenbürgersachsen nicht fehlen.

Zur FAZ möchte ich noch anmerken, dass „Lichtung“ im Singular noch zweimal vorkommt. Einmal auf S.132: „Vor ihm lag eine Lichtung. Zwei Wölfe kämpften ohne ein Laut.“ … und auf S.133 nochmal: „Zwei Wölfe auf einer Lichtung.“

Ich habe dieses Buch emotionslos gelesen, weil die Autorin es nicht geschafft hat, mich für das Thema zu begeistern. Aber es liest sich gut und schnell. 3 Sterne, auch weil ich nicht wieder eine schlechte Note verteilen will.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.06.2025
Bühler, Christoph

Burgen der Kurpfalz : Bergstrasse und Neckartal.


sehr gut

geschichtsträchtige Sammlung

Nach einer allgemeinen Einleitung, die die Begriffe Herrschaft und Lehen klärt, wird die Geschichte des Burgenbaus erklärt, inklusive der Doppelburgen, wie Burg Eltz in Moselnähe. Mit Modeänderung wurde auch die Burgen vom Gipfel eines Berges in Stadtnähe verlegt. Ebenso zeigt die unterschiedliche Mauerdicke wie wichtig die Verteidigung war und wie weit die Baukunst vorangeschritten war.

Der Hauptteil geht aber auf die einzelnen Burgen ein, wobei auch hier der Schwerpunkt auf der geschichtlichen Darstellung liegt. Die Burgen sind im einzelnen:

1. Burg Windeck: Diese Burg war umkämpft zwischen dem Kloster Lorsch und dem Pfalzgrafen. 1264 einigten sich dann das Erzbistum Mainz als Nachfolger des Klosters Lorsch und der Pfalzgraf das letzteren die Neustadt, inklusive Burg, Mainz aber die Altstadt zustand.
2. Burg Hirschberg (Leutershausen): Schenkung des Liuther 877 an Lorsch, Burg ab 1142 mit Konrad ganz oben, heute nicht einmal mehr Ruinen
3. Strahlenburg wohl vom Sohn des Konrad v. Hirschberg. Seit Corona ist aber die Burgschenke geschlossen.
4. Schauenburg: nicht abhängig von Lorsch. 1320 vom Pfalzgraf an Mainz verkauft.
5. Handschuhsheimer Tiefburg: Besitz von Lorsch
6. Die Neckarsteinacher Burgen: 4 Burgen, die alle wie der Autor glaubhaft belegt von der Hinterburg besiedelt wurden. Und die Sage vom Bligger, der als hartherzig galt, dann aber während eines Kreuzzugs maskiert den Anführer des Feindes tötete und vom Kaiser geadelt wurde.
7. Hirschhorn: Die Herren von Hirschhorn stammen vom Bligger von Steinach ab.
8. Dilsberg :Hier waren die Herren von Lauffen (am Neckar)
9. Neidenstein: Diese Burg in dieser Liste bewundere ich sehr. Bis heute ist sie in Familienbesitz von Venningen und ist nicht zu besichtigen. Aber das Burgdorf lohnt einen Besuch.
10. Burg Steinsberg: Wegen seines achteckigen Turms geht man von einer Staufergründung aus. Höchster Turm im Kraichgau 355m. 1972 von der Stadt Sinsheim übernommen, bis dahin Ruine.

Zu allen Burgen gibt es detaillierte Beschreibungen. Dank des geschichtlichen Schwerpunkt ist das Alter des Buches zu verkraften. Insbesondere für Neidenstein bin ich dankbar. 4 Sterne

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.05.2025
Dibdin, Michael

Himmelfahrt


gut

Heute ist wie gemacht für diesen Krimi. Und dann auch noch in Rom, der Stadt mit Vergangenheit, der Ewigen Stadt.
Ich bin gerne dort und lese immer gerne über diese jung gebliebene Mittelmeermetropole.

Bewertung vom 28.05.2025
Fuchs, Thomas

Mark Twain am Neckar


weniger gut

Abklatsch einer Biografie

Dieses Buch bietet nicht, was der Titel verspricht, sondern bringt nur wenig Neues für den Neckar, wenn das Buch „Ein Amerikaner in Heidelberg“ schon gelesen wurde.

Auf Seite 13 lesen wir, dass Mark Twain Schriftsetzer, deswegen viel las. Auf Ähnlichkeiten mit Nikodemus Dodge in Kapitel XXIII im Bummel durch Europa wird aber nicht hingewiesen.

Schon bekannt ist, dass Twain bevor er nach Europa kam, in Amerika Probleme hatte. Das Ziel Deutschland wählte er, weil er Katholiken nicht traute, Franzosen nicht mochte und Skandinavien und Benelux nicht kannte.(35)

Die Anekdote von Bayards Bedienstesten auf dem Atlantik kann gefallen, die Art der Schilderung von Heidelberg ist dagegen sehr schwach und gibt die heutige Situation gar nicht wieder. Die Fotos im Buch sind noch unpassender als Twains Zeichnungen im Original.

Kurios ist, wie der Autor das deutsche Gewitter schildert: Erst folgt der Blitz, dann der Donner. (64) Ist das nicht immer so? Was der Autor gut kann sind kleine Bonmots: „Die Musik von Wagner ist besser, als sie klingt.“ (64) könnte von Twain sein, ist es aber nicht.

Von ihm stammt: „Musik ohne Worte macht traurig, aber Musik ohne Musik kann noch schlimmer sein.“ (65) Von Fuchs selbst stammt wahrscheinlich: „ Durch [Wien] zu laufen und keine Musik zu hören, das hatte bislang nur Beethoven geschafft.“ (67) Weitere Beispiele: „Seitdem ich wusste, wie man Vorträge hält, musste ich nie wieder arbeiten.“ (84) „Als ich 17 war, war mein Vater so dumm, dass ich mich mit ihm nirgendwo blicken lassen konnte. Aber als ich 24 wurde, bemerkte ich mit Erstaunen, wie viel der alte Mann in den letzten Jahren dazugelernt hatte.“ (103) „Die Meldung von meinem Tod war übertrieben.“ (122)

Auf Seite 78 schreibt Fuchs: „Als Mark Twain in Heidelberg weilte, wurde er mittelbarer Zeuge von zwei Attentatsversuchen auf Wilhelm I.“ Das hätte gerne noch entfaltet.

Fuchs erkennt, dass Reisen witziger werden, wenn man dauernd das Verkehrsmittel wechselt. Als Vorbild diente Laurence Sterne „Empfindsame Reise durch Frankreich und Italien.“ Italien wird gar nicht erreicht. (113) Für die Schwarzwaldreise diente Berthold Auerbach „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ als Anregung.


Der Autor hat seine Twain-Biografie, die ich sicher nicht lesen werden, zum Anlass eines neuen Buches genommen. Aber nicht einmal zur Wiederentdeckung des Brunnenstollen zum Neckar sagt er ein Wort. 2 Sterne für ein nicht eingelöstes Thema

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.05.2025
Wahl, Caroline

Windstärke 17


gut

Traumabewältigung

„22 Bahnen“ gab Hoffnung, Hoffnung sich mit Tilda, der Mathematikerin zu identifizieren.
Nun ist die jüngere Schwester Ida die Protagonistin. Und die alkoholabhängige Mutter ist tot. Gestorben an einer Überdosis Medikamente.
Das muss man verraten, weil es eher rückblickend erzählt wird von Ida im inneren Monolog, weil sie es nicht einmal schaffte zur Beerdigung zu gehen. Sie fühlt sich schuldig, vermutlich zu Unrecht, aber als die Mutter starb war sie nicht daheim.

Tilda auch nicht. Längst in Berlin, längst mit Viktor und zwei Kindern, aber immer noch als Retterin zur Stelle.
Ida will ihr eigenes Leben leben, obwohl sie in der Ostsee weit, gefährlich weit rausschwimmt. Sie steht nicht auf der Glücksseite des Lebens, an der Uni Leipzig wird sie nicht genommen. Aber sie kellnert. Und findet ein Zimmer bei Knut und Marianne und mit Leif einen richtig guten Freund.
Dann trifft aber Marianne ein Schicksalsschlag und Ida wird gebraucht.

Nach wie vor stört mich die Art ihrer Dialog, auch wenn jetzt in kurzen Ansätzen Besserungen zu erkennen sind. Ich gebe zu, dass ich mit Ida nicht wirklich mitfiebern konnte und mich aufs Ende gefreut habe. Deswegen kann ich nicht mehr als 3 Sterne verantworten. Ich bin aber überzeugt, dass Wahls nächstes Buch wieder besser wird.

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.