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Luise-21
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Berlin

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Insgesamt 311 Bewertungen
Bewertung vom 21.10.2024
Shafak, Elif

Am Himmel die Flüsse


ausgezeichnet

Der Autorin Elif Shafak, gelingt es in ihrem neuen Roman “Am Himmel die Flüsse“, eine eindrucksvolle Geschichte über historische und gegenwärtige Ereignisse miteinander zu verweben und dabei geschickt über sich kreuzende menschliche Schicksale zu erzählen.

Inhalt:
Narin ist neun, als in dem ezidischen Dorf am Tigris Planierraupen auftauchen. Ihre Heimat soll einem Dammbauprojekt der türkischen Regierung weichen. Die Großmutter, fest entschlossen, die Enkelin an einem ungestörten Ort taufen zu lassen, bereitet alles für die Reise ins heilige Lalisch-Tal vor. Kurz vor Aufbruch stößt Narin auf das Grab eines gewissen Arthur – direkt neben dem ihrer Ururgroßmutter Leila. Wer war dieser „König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere“, der Junge aus dem viktorianischen London, von den Ufern der verschmutzten Themse? Und was hat er mit Narins eigener Vertreibung zu tun? Meisterhaft verwebt Elif Shafak Vergangenheit und Gegenwart zu einem soghaften Roman über sich kreuzende menschliche Schicksale und die Macht jahrhundertealter Konflikte.

Meine Meinung:
Das zentrale verbindende Element im Roman ist Wasser; es spielt in den Biografien von Arthur, Narin und Zaleekhah eine bedeutende Rolle. Auch die historische und gesellschaftliche Wichtigkeit des Wassers wird immer wieder deutlich. Die Themse, der Tigris, „verlorene“ Flüsse, künstliche Staudämme und die Klimakrise als globale Wasserkrise veranschaulichen eindrücklich, welchen Einfluss unsere Handlungen auf die Natur und auf zukünftige Generationen haben.

König Assurbanipal aus Ninive (in der Nähe des Tigris) hatte bereits lange vor unserer Zeitrechnung eine legendäre Bibliothek mit 32000 Tontafeln aufgebaut, liebte die Kunst und war ein machtvoller, aber auch grausamer Herrscher.

Scherben dieser Tontafeln faszinierten Arthur, der 1830 als Sohn einer Schatzsammlerin im Themseschlamm geboren wurde und den Namen „König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere“ erhielt. Arthur ist ein hochbegabter Junge, der einige Talente und ein hervorragendes Gedächtnis besitzt. Erst später wird sich herausstellen, dass er die Keilschrift der alten assyrischen Kultur entziffern kann.

Am Ufer des Tigris, 2014: Die 9-jährige Narin, lebt im Südosten der Türkei, in dem ezidischen Dorf am Tigris. Als ihre Heimat einem Dammbauprojekt der türkischen Regierung weichen soll, beschließt ihre Großmutter, Narin an einem ungestörten Ort taufen zu lassen und bereitet alles für die Reise ins heilige Lalisch-Tal vor.

Im Jahre 2018 am Ufer der Themse trennt sich Zaleekhah von ihrem Mann, zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und in ein Hausboot ein. Zaleekhah erforscht das Wasser, sie ist bei ihrem Onkel und ihrer Tante aufgewachsen, nachdem ihre Eltern ums Leben kamen. Zaleekhah umgibt eine Melancholie, eine Traurigkeit und die Frage, wie andere Menschen es schaffen auch nur für einen Moment glücklich zu sein…

Fazit:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, mit ihrer poetischen Sprache, historische Ereignisse harmonisch von der Gegenwart in die Vergangenheit zu verweben. Jede Zeile war für mich lesenswert.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 09.10.2024
Hannah, Kristin

Die Frauen jenseits des Flusses


ausgezeichnet

Die Autorin Kristin Hannah, erzählt in ihrem neuen Roman “Die Frauen jenseits des Flusses“, eine bewegende Geschichte über starke Frauen und ihren bewegenden Erlebnissen vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs

Inhalt:
Auch Frauen können Helden sein – für die junge Krankenschwesterschülerin Frances McGrath gleichen diese Worte einer Offenbarung. In der sich wandelnden Welt des Jahres 1965 wagt sie es, von dem ihr vorherbestimmten Pfad abzuweichen, und folgt ihrem Bruder nach Vietnam. Und während sie inmitten der Grausamkeit des Krieges über sich hinauswächst, erwartet sie die wahre Herausforderung bei ihrer Rückkehr.

Wie schon in »Die Nachtigall« lässt Weltbestsellerautorin Kristin Hannah einen besonderen Moment der Geschichte aus der Sicht von Frauen lebendig werden, deren Mut und Tatkraft allzu oft vergessen werden.

Meine Meinung:
Frankie wächst mit ihrem Bruder gut behütet und in wohlhabenden Verhältnissen in Kalifornien auf bis zu dem Tag, als Finley seine Einberufung nach Vietnam, erhält. Seine heiteren Briefe können Frankie nicht über seinen Verlust trösten und da erwacht in ihr der Wunsch, als Krankenschwester ihrem Bruder nach Vietnam zu folgen. Nach einigen Hürden gelingt es ihr endlich, ihre Einberufung, in den Händen zu halten. Ihre Eltern sind weniger erfreut und dann kommt die Nachricht von Finleys Tod.

Hin- und hergerissen von ihren Gefühlen, entscheidet sich Frankie, trotzdem nach Vietnam zu gehen. Das Neue und unbekannte ist ernüchternd für sie, wären da nicht die beiden Krankenschwestern, die sie an die Hand nehmen und ihr den Weg weisen. Die drei Frauen werden sogar zu Freundinnen fürs Leben. Ohne große Erfahrungen als Krankenschwester, wird Frankie schnell mit dem Alltag an der Front vertraut und steht immer mehr vor großen Herausforderungen. Bald wird klar, wie unsinnig dieser Krieg ist. Umgeben vom Leid lernt Frankie ihre große Liebe kennen …

Gefangen in ihren Gefühlen und kämpfend mit ihren inneren Dämonen, kehrt Frankie in ihre Heimat zurück, doch anstatt Freude, erwartet sie Verachtung und Hass. Von Kriegsgegnern und Protestierenden wird sie beschimpft und bespuckt. Auch wird sie weder von der Gesellschaft noch von staatlichen Einrichtungen als Veteranin anerkannt, da ja angeblich keine Frauen in Vietnam waren.

Traumatisiert, muss Frankie sich zurück ins Leben kämpfen.

Fazit:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, mit ihrem flüssigen Schreibstil, ihre Protagonisten wunderbar detailliert und lebendig, darzustellen. Auch richtet sie bewusst ihren Blick auf die übersehenen Frauen, die in Vietnam waren und mit ihrem tiefsitzenden Traumata zu kämpfen hatten und mit Drogen, Alkohol und Pillen der Realität zu entfliehen versuchten.
Von mir 5 Sterne und eine verdiente Leseempfehlung!

Bewertung vom 29.09.2024
Dark, Alice Elliott

Unsere Jahre auf Fellowship Point


ausgezeichnet

Die Autorin Alice Elliott Dark, erzählt in ihrem neuen Roman „Unsere Jahre auf Fellowship Point“ an dem sie 17 Jahre gearbeitet hat, eine Geschichte über eine lebenslange und tiefe Freundschaft zweier Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnte und eine bittersüße Liebeserklärung an Fellowship Point an der Küste von Maine inmitten unberührter Natur.

Inhalt:
Über achtzig Sommer haben Agnes Lee und Polly Wister zusammen verbracht, in den Sommerhäusern ihrer Familien auf Fellowship Point an der Küste Maines inmitten unberührter Natur. Auch jetzt, im Alter, ist ihre lebenslange Freundschaft unverbrüchlich, trotz ihrer sehr unterschiedlichen Lebenswege: Polly hat sich ihr Leben lang immer zuallererst um andere gekümmert, um ihren Mann Dick, der Karriere als Philosophieprofessor gemacht hat, und um ihre drei Söhne, denen sie ein behagliches Zuhause und eine unbeschwerte Kindheit ermöglicht hat. Agnes hingegen hat nie geheiratet, stets alleine gelebt und sich ihrer Arbeit gewidmet: Als Kinderbuchautorin hat sie große Erfolge gefeiert, und nun drängt ihre Lektorin sie, ihre Memoiren zu schreiben. Dabei kommen schmerzhafte Erinnerungen an die Oberfläche und eine tiefe, unerfüllte Sehnsucht, die sie lange verdrängt hatte …

Meine Meinung:
Obwohl die Autorin 17 Jahre an ihrem Roman gearbeitet hat, ist es ihr ausgesprochen gut gelungen, den Faden ihrer Geschichte im Laufe der Jahre nicht zu verlieren.
Das erste Drittel der Geschichte verlangt schon etwas mehr als Aufmerksamkeit um die Zusammenhänge der Eigentümergemeinschaft auf Fellowship Point, zu verstehen. Hier hätte ich mir auf jeden Fall ein kleiner Stammbaum, sehr gut gefallen.

Ist das erste Drittel überstanden, überschlägt sich die Geschichte mit zahlreichen Ereignissen, die wunderbar in der Gegenwart und Vergangenheit erzählen und tiefsinnig in einer schönen Sprache, miteinander verwebt sind.

Agnes Lee ist eine sehr erfolgreiche Kinderbuchautorin, schreibt aber auch Romane unter einem Pseudonym und niemand weiß, dass sie sich dahinter verbirgt. Aktuell ist sie verzagt, denn sie hat eine Schreibblockade und dazu kommt noch die Diagnose; Krebs. Ein Besuch von Polly könnte sie aufheitern, doch es kommt anders, denn die Eigentümergemeinschaft auf Fellowship Point soll verkauft werden um Platz für ein modernes Touristengebiet mit Yachthafen, zu machen. Die Freundinnen sind sich aber einig, dass dies massive Auswirkungen auf die Küstenlandschaft und die Naturlandschaft mit den dort heimischen Vogelarten haben wird.

Polly, die kaum eine Entscheidung ohne ihren Ehemann treffen kann, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ihren Mann Dick und ihre drei Söhne zu umsorgen, obwohl ihre Fürsorge oft an Unterwürfigkeit grenzt. Was sie sich jedoch nicht nehmen und reinreden lässt, ist der enge Kontakt zu ihrer Freundin Agnes. Erst nach dem Tod ihres Mannes, scheint sie langsam die wahren Gesichter ihrer erwachsenen Söhne zu erkennen und setzt sich zur Wehr.

Agnes macht es sich zum Ziel, dass fast unberührte Fleckchen Erde an der Küste Maines vor einem Bauprojekt zu schützen und taucht tief in die Vergangenheit verbunden mit ihren Erinnerungen ein, die berührend mit Briefen an ihre tote Schwester Elspeth, erzählt werden.

Mein Fazit:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, mit ihren Figuren eine atmosphärische Geschichte über die Kraft der Freundschaft zweier großartiger Frauen, geschickt zu erzählen. Der Schreibstil ist flüssig und mit einer Leichtigkeit geschrieben, der mir von Anfang an gut gefallen hat. Eine wunderbare Wohlfühlgeschichte begleitet mit bildhaft dargestellten Landschafts- und Umgebungsbeschreibungen.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 22.09.2024
Graw, Theresia

Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null


sehr gut

Die Autorin Theresia Graw, erzählt in ihrem neuen Roman „Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null“, die Geschichte über zwei ungleiche Freundinnen, die nach Kriegsende während der Besatzung der britischen Rheinarmee, für ihre Träume und gegen die Grenzen der Liebe kämpfen.

Inhalt:
Nach Kriegsende wird der mondäne Kurort Bad Oeynhausen zum Hauptquartier der britischen Rheinarmee. Durch die Innenstadt wird ein Zaun gezogen, tausende Einwohner müssen ihr Zuhause verlassen und Platz machen für die Besatzer. Auch Anne und ihre Familie sind gezwungen, ihr Kurhotel aufgeben und in eine Baracke außerhalb der Sperrzone zu ziehen. Während ihre Freundin Rosalie gewillt ist, sich die Briten zum Freund und das Leben dadurch ein bisschen einfacher zu machen, lehnt sich Anne auf und gerät immer wieder mit dem Colonel Michael Hunter aneinander. Erst ein verhängnisvolles Feuer lässt beide erkennen, dass sie auf derselben Seite stehen und sich viel näher sind, als sie jemals dachten …

Meine Meinung:
Der Krieg ist zu Ende und jeder Bewohner in Bad Oeynhausen hofft, dass das Leben besser wird, doch die britische Rheinarmee macht den einst mondänen Kurort Bad Oeynhausen, zu ihrem Hauptquartier. Tausende Einwohner müssen ihr Zuhause verlassen. Während Anna mit ihrer Familie in eine der Baracken außerhalb der Sperrzone umsiedelt, gelingt es Rosalie in Rehme auf dem Bauernhof von Helmut und dessen Vater unterzukommen.

Der Autorin gelingt es, das schwierige und unterschiedliche Leben von Anne und Rosalie während der Besatzung, fesselnd zu erzählen. Einst waren beide eng befreundet, wäre da nicht eine falsche Beschuldigung gegen Rosalie aufgetaucht, die einen Bruch zwischen beiden auslöste. Anne fällt es schwer sich mit der neuen Situation abzufinden, während Rosalie ganz darin aufgeht, als Kellnerin im „Victory Club“, dem Offizierskasino der Briten zu arbeiten, denn bald erkennt sie ihre Vorteile.

Anne wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich das geliebte Hotel Margarethenhof wieder eröffnen zu können und gerät dabei immer wieder mit Colonel Michael Hunter in Konflikt. Erst als Anne selbst für die Briten als Übersetzerin arbeitet, kommen sich beide näher und die Verbindung zu Rosalie, nimmt auch neue Formen, an.

Wie wird Annes und Rosalies Zukunft aussehen und werden sie ihre Freundschaft retten können …

Fazit:
Der Autorin ist es gelungen, eine lesenswerte fiktive Geschichte über Freundschaft, Vergebung und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten zu erzählen, der ich gerne gefolgt bin. Die Charaktereigenschaften und Entwicklung der Protagonisten, sind harmonisch und stimmig, ausgearbeitet.
Von mir 4 von 5 Sternen!

Bewertung vom 12.09.2024
Johnson, Abigail

Even If I fall


ausgezeichnet

Die Autorin Abigail Johnson, erzählt in ihrem neuen Roman „Even If I fall“ eine bewegende Geschichte über Geheimnisse und Lügen, Trauer und Vergebung.

Inhalt:
»Dieser fesselnde, emotionale Roman spinnt ein faszinierendes Geflecht aus Geheimnissen und Lügen und zeigt, was mit einer Familie passiert, wenn das Undenkbare zur knallharten Realität wird. Ein echter Pageturner!« – Booklist

Vor einem Jahr brach die Welt von Brooke zusammen, als ihr geliebter älterer Bruder den Mord an seinem besten Freund Calvin gestand. Brooke und ihre Familie wurden zu Ausgestoßenen, von allen gemieden, und unfähig einander zu trösten. Brookes einziger Trost bleibt das Eiskunstlaufen. Doch als sie Calvins jüngerem Bruder Heath begegnet, ändert sich alles. Brooke braucht jemanden zum Reden … und Heath auch. Nur sie können nachvollziehen, wie es sich anfühlt. Ihr Bruder: lebendig, aber weggesperrt. Sein Bruder: tot, aber allgegenwärtig. Bald treffen sie sich heimlich und neben seiner Wut und ihrer Schuld beginnen sie Gefühle füreinander zu entwickeln, mit denen beide nicht gerechnet haben …

Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte ist mir durch den flüssigen Schreibstil recht leicht gefallen, auch wenn das Thema, doch recht beklemmend wirkt.

Von Anfang an gefällt mir Brooke am besten, denn sie als Ich-Erzählerin, erzählt ausführlich über ihre Gefühle und ihren Schmerz während innerhalb der Familie nicht über Jasons Tat gesprochen wird.

Hilflos und seelisch verletzt sucht Brooke regelrecht den Kontakt zu Heath, dem Bruder des toten Calvin. Ist es nur Verzweiflung oder hofft sie, mehr über den Tathergang zu erfahren?

Zaghaft bewegen sich Brooke und Heath aufeinander zu und fast könnte man sie als gute Freunde bezeichnen, wären dann doch nicht da und dort, die Zweifel! Auf der einen Seite kämpfen beide mit ihren Dämonen aber auf der anderen, zeigen sie Hoffnung und Stärke.

Man spürt zwischen den Zeilen deutlich den Schmerz, in dem Brooke gefangen ist und doch bemüht sie sich innerhalb der Familie um Normalität. Auch ist Brooke gefangen in ihrem Denken nach der Wahrheit und die Wege, die sie einschlägt, sind unglaublich emotionsgeladen. Sie lässt nicht locker, bis ihr Bruder Jason, ihr die ganze Wahrheit offenbart. Brooke ist geschockt aber auch befreit.

Endlich erkennen Brooke und ihre Familie, dass sie nach dem Geständnis ihres Bruders/Sohns, ein Recht auf ihr eigenes Leben haben.

Fazit:
Was eine Familie von Außenstehenden alles ertragen muss, wenn ein Täter innerhalb der Familie überführt wird, ist unvorstellbar.
Die Autorin rollt die Emotionale Entwicklung Stück für Stück auf und offenbart ein intensives Leseerlebnis, dass mich total beeindruckt hat. Die Autorin baut mit ihrem Schreibstil eine fesselnde Spannung auf, die intensiv aufwühlt und mich tief berührt hat. In die Geschichte konnte ich wie ein Sog tief eintauchen und das Buch bis zum Ende kaum aus der Hand legen.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 05.09.2024
Kolb, Elli

9 Grad


gut

Die Autorin Elli Kolb, erzählt in ihrem Roman „9 Grad“ eine Geschichte über die Kraft der Kälte, das Zurückfinden zu sich selbst, echte und sprengbare Grenzen im Leben und Freundschaften, die bereichern.

Inhalt:
Neun Grad hat das Wasser, als Josie sich zum ersten Mal in den Fluss wagt, um ihrer schwer kranken Freundin Rena einen Wunsch zu erfüllen. Vielleicht betäubt der Kälteschmerz ja auch die Angst, sie zu verlieren. Doch was Josie dann erlebt, übersteigt alles, was sie sich erhofft hat. Beim Eisbaden spürt sie sich zum ersten Mal selbst, erlebt ihren Körper, mit dem sie immer gehadert hat, ganz neu. Und noch etwas ist neu: ihre Beziehung zu Lee, den sie über Tinder kennengelernt hat. Doch Lee kämpft mit seinen eigenen Dämonen, ist depressiv. Was bedeutet das für ihre Liebe - und was machen Grenzerfahrungen mit einem? Elli Kolb erzählt es in ihrem bewegenden Roman.

Meine Meinung:
Um in die Geschichte eintauchen zu können, brauchte ich schon einige Seiten, bis mir klar wurde, dass die Studenten Josie, Rena und Anton, seit ihren Kindheitstagen enge Freunde sind und jeder seine eigenen Probleme hat! Die drei Freunde scheinen unzertrennlich, denn sie teilen ihre Ängste und Sorgen, erleben aber auch gemeinsam ihre Erfahrungen.

Josies fühlt sich in ihrem Körper nicht wohl und ihre Freundin Rena überredet sie und Anton, mit in die Sauna zu kommen. Josie fühlt sich dabei nicht so richtig wohl, den die Hüllen vor allen Menschen fallen zu lassen, ist nicht ihr Ding, doch Rana beharrt darauf. Nach ihrem Zusammenbruch und Krankenhausaufenthalt, möchte Rena endlich ihren Freunden reinen Wein einschenken und sie über ihre Krankheit, die durch ein defektes Gen ihrer Eltern, an sie vererbt wurde. Auch versucht sie über ihre Grenzerfahrungen während ihres Zusammenbruchs zu erzählen. Nur wurde dieses Thema aus meiner Sicht, ziemlich oberflächlich sowie ohne Tiefe dargestellt und ergab für mich keinen Sinn.

Rena liebt Frauen und ihren geäußerten Gedanken konnte ich oft nicht folgen oder nachvollziehen. Irgendwie wirkt Renas Geschichte nicht rund! Anton ist genau das Gegenteil von Rena, er liebt Männer und hält sich lieber im Hintergrund, ist aber für seine Freundinnen jederzeit da.

Josie lernt Lee kennen und fühlt sich seit langem wohl in ihrer Haut. Lee gesteht Josie, dass er unter Depressionen leidet und dass verkompliziert ihre Beziehung dermaßen, dass sie darunter leidet, sie sich trennen und doch wieder zueinander finden. In all diesem Wirrwarr entdeckt Josie schließlich das Eisbaden für sich. In welche Gefahren sie sich damit begibt ist ihr scheinbar in dem Moment egal, denn das Gefühl ihren eigenen Körper zu spüren und ihn so zu akzeptieren wie er ist, ist ihr viel wichtiger.

Im Nachwort gibt die Autorin zum Glück, Tipps & Tricks, für den Einstieg ins Eisbaden.

Fazit:
Die Autorin hat einen Schreibstil, der recht verschachtelt daherkommt und ich bis zum Ende nicht wusste, wohin die Geschichte mich eigentlich hinführen sollte! Aus meiner Sicht werden die Themen: Freundschaft, Eisbaden, Grenzerfahrungen und Depressionen zwar immer wieder aufgegriffen aber nie so richtig abgerundet zu Ende, erzählt.
„9 Grad“ ist eine Geschichte, die mich nicht wirklich erreichen und überzeugen konnte!
Von mir 3 von 5 Sternen!

Bewertung vom 29.08.2024
Miglar, Astrid

Die Schwarze Gräfin. Geheimnisse an der Eisenstraße


ausgezeichnet

Die Autorin Astrid Miglar, erzählt in ihrem neuen Roman „Die Schwarze Gräfin“, eine historische Geschichte über eine junge Frau, die mit Raffinesse und Kalkül sich ihren Platz in der Männerwelt, erobert.

Inhalt:
Ein faszinierender Gesellschaftsroman aus der Nachkriegszeit – mit scharfer Feder geschrieben. 1949, an der Eisenstraße. Magdalena lebt in ärmlichen Verhältnissen und leidet unter den Wutausbrüchen ihres trunksüchtigen Mannes. Doch nach außen hin freundlich, beherbergt sie eine dunkle Seele und weiß genau, was sie will: ein Leben voller Luxus und Unabhängigkeit wie das der gerade verstorbenen Ehefrau von Oscar Schneeberg, Erbe einer Hammerherrendynastie. Dafür würde Magdalena sogar über Leichen gehen – auch über die ihres Mannes. Gelingt es ihr, den reichen Industriellen für sich zu gewinnen und zur »Schwarzen Gräfin« aufzusteigen?

Meine Meinung:
Schnell konnte ich in die Geschichte eintauchen, nicht nur wegen des sehr flüssigen und humorvollen Schreibstils, sondern auch weil die Autorin die Fähigkeit besitzt, mir mit ihren Charakteren ein schelmisches Lächeln zu entlocken.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Magdalena, die von ihren Eltern mit einem 20 Jahre älteren Mann verheiratet wurde und seitdem in ärmlichen Verhältnissen leben muss. Sie leidet unter den ständigen Wutausbrüchen ihres trunksüchtigen Mannes Gustav und weiß, niemand kann und wird ihr helfen. In Magdalenas Kopf drängen sich immer mehr die Gedanken, wie sie ihr Leben verändern könnte, denn sie will ein Leben voller Luxus und Unabhängigkeit. Da reift ein ungeheuerlicher Plan in ihrem Kopf, wie sie ihren ungeliebten Mann, loswerden kann!

Verstoßen von der Familie ihres verstorbenen Mannes, sucht Magdalena eine neue Bleibe beim Pfarrer als Haushälterin und bald sind die beiden ein Liebespaar. Es könnte ja eigentlich so schön sein aber da taucht der Jäger auf, der die beiden beobachtet und seine eigenen Pläne schmiedet. Doch Magdalena will hoch hinaus und an der Seite von Oscar Schneeberg, Erbe einer Hammerherrendynastie, stehen. Da kommt der Freitod des Pfarrers und des Jägers gerade zur richtigen Zeit, denn sie ist schwanger und weiß nicht mal von wem!

Mit Raffinesse und Kalkül erobert sie Oscar und in seiner Verliebtheit, merkt er nicht mal, was mit ihm geschieht und welche Hörner sie ihm aufsetzt ...

Fazit:
Der Autorin ist ein raffinierter Gesellschaftsroman aus der Nachkriegszeit gelungen, der mir mit seinem flüssigen und humorvollen Schreibstil, hervorragend gefallen hat. Ich mochte das Zusammenspiel und die vielen aufregenden Ereignisse, denn es war, als gäbe es an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken.
Mit der geschickt konstruierten Geschichte, hatte ich bis zum Ende, viele schöne Lesestunden. Gerne mehr davon!
Von mir 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 29.08.2024
Bidian, Maria

Das Pfauengemälde


gut

Die Autorin Maria Bidian, erzählt in ihrem Debütroman „Das Pfauengemälde“ eine außergewöhnliche Geschichte über Ana und ihrer Reise mit dem Zug von Dortmund nach Rumänien, zu der Familie ihres verstorbenen Vaters.

Inhalt:
Zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters steigt Ana im Sommer in den Zug nach Rumänien. Endlich soll ihre Familie enteigneten Besitz zurückerhalten. Während sich die Verwandtschaft – aus ganz unterschiedlichen Gründen – nur für das sagenumwobene Haus interessiert, will Ana vor allem eines finden: das Pfauengemälde, ein Familienerbstück, von dem der Vater so oft erzählt hat.

Können wir loslassen und uns gleichzeitig erinnern? Wann ist eine Geschichte wirklich wahr? Was brauchen wir, um Liebe festzuhalten? Selten fühlt sich der Blick zurück so gegenwärtig an wie in Maria Bidians mitreißendem Debütroman. Melancholisch, komisch, politisch und sehr persönlich.

Meine Meinung:
Der Einstieg in die Handlung gefiel mir am Anfang mit dem recht flüssigen Schreibstil richtig gut und machte mich Neugierig auf die Protagonistin Ana. In der Ich-Perspektive erzählt Ana tagebuchartig über ihre Reise und ihren turbulenten Erlebnisse mit ihrer Familie in Rumänien. Sie springt dabei viel zu oft zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und zum Teil fand ich es sogar schwierig, Ana zu folgen.

Nach langem Kampf soll Anas Familie enteigneten Besitz in Rumänien zurückerhalten und dafür müssen die Familienmitglieder, die aus unzähligen Tanten, Cousins und deren Partnern und Kindern, ihre jeweiligen Dokumente nachweisen und vorlegen. Für die Familie in Rumänien kein Problem, doch für Ana erhebliche. Die Behörde erkennen ihre Papiere nicht an und fordern ständig einen Ersatz, über Beglaubigungen oder dergleichen. Ana ist verzweifelt, doch ihre Verwandten sehen das Ganze, gelassen. Gelassen kommt mir die ganze Familie vor, nur Ana nicht, irgendwie scheint sie nicht mehr dazu zu gehören.

Die Suche nach dem Pfauengemälde, weicht durch die Vielseitigkeit der großen Familie und den umfangreichen Ereignissen, fast in den Hintergrund. Was Ana so wirklich mit dem Protest in Bukarest zu tun hatte, war für mich nicht nachvollziehbar. Eigentlich ist sie damit ein Risiko eingegangen, dem sie sich wohl nicht bewusst war! Doch endlich sitzt Ana, Elise gegenüber und spricht von dem Pfauengemälde, dass sie abholen möchte. Nach einem Moment der Stille antwortet ihr Elise: „Vielleicht kennst du die Parabel von der Wahrheit und dem Märchen?“ …

Die Geschichte um das Gemälde nimmt einen unerwarteten Verlauf, von dem ich so nicht gerechnet habe.

Fazit:
Die Autorin schildert in ihrem Debüt eine Familiengeschichte mit geschichtlichen und politischen Einblicken in die rumänische Kultur, die irgendwie gleichzeitig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, hin und her springt. Durch die Vielzahl der Charaktere und dem ständigen Wechsel der Handlungen, fehlte mir eine Tiefe für diese Geschichte.
Von mir 3 von 5 Sternen!

Bewertung vom 18.08.2024
Spence-Ash, Laura

Und dahinter das Meer


ausgezeichnet

Die Autorin Laura Spence-Ash, erzählt in ihrem Debütroman „Und dahinter das Meer“ eine berührende und emotionale Geschichte über Kinderlandverschickung während des Zweiten Weltkriegs aus der Sicht und mit den Empfindungen eines Kindes.

Meine Meinung:
Besonders gut hat mir gleich am Anfang das Inhaltsverzeichnis gefallen, welches unterteilt nach Prolog, drei folgenden Teilen und Epilog mit Jahresangaben, ist. In jedem Teil sind die kurz gefassten Kapitel übersichtlich mit dem Namen des jeweilig erzählenden Protagonisten wiedergespiegelt und der ständige Perspektivwechsel bringt eine entspannte Leichtigkeit in die Geschichte.

Eigentlich ist es der Vater, der darauf besteht, seine Tochter Beatrix in Sicherheit zu schicken. Mutter Millie bricht fast das Herz, nur sind ihr die Hände gebunden, doch Beatrix gibt ihr die Schuld. Warum, weil sie sich mehr zu ihrem Vater hingezogen fühlt!

Verängstigt und schüchtern trifft Beatrix nach der langen Schiffsreise In Boston an und lernt ihre Gastfamilie Mrs. Nancy und Mr. Ethan Gregory, sowie deren beiden Söhne William und Gerald, kennen. Liebevoll wird sie Bea gerufen und schon bald öffnet sie ihr Herz für ihre neue Familie. Besonders die Sommerferien in Maine haben es Bea angetan. Mrs. G. überschüttet Bea mit ihrer großen Liebe und Mr. G. weist immer zaghaft darauf hin, dass sie bedingt in ihrer Familie leben wird. Manchmal kam Mr. G. mir etwas verhalten rüber aber seine Liebe zu Bea, zeigte er immer mit kleinen Gesten. Besonders gefiel mir, als er Bea das Schwimmen beibrachte und sie so herzlich ermunterte. Ganz offensichtlich hatte auch Mr. G. seine Freude mit Beas Entwicklung. William und Gerald, beide so unterschiedlich und doch fühlen sie sich stark zu Bea, hingezogen.

Mit dem Kriegsende, heißt es für Bea, schweren Herzens Abschied nehmen und William für den sie große Gefühle entwickelt hat, zurückzulassen. Zurück in London, geht jeder seinen eigenen Weg, ohne den anderen je loszulassen. Es dauert Jahre, bis sie sich wiedersehen und ihre Kontakte, erneut festigen können. Zum Ende gibt es einige Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte, die mir aber sehr gefallen haben.

Fazit:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, hier eine berührende und emotionale Geschichte zu erzählen, der ich gerne gefolgt bin. Die Charaktereigenschaften und Entwicklung der Protagonisten, sind schön in der Gegenwart und gelungen mit der Vergangenheit ausgearbeitet. Der flüssige Schreibstil unterstreicht die emotionalen Momente und lässt auch die traurigen Ereignisse fühlbar werden. Mich konnte dieser Debütroman, mit der ich viele schöne Lesestunden hatte, von der ersten Zeile an, überzeugen.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 11.08.2024
Chan, Vanessa

Nach uns der Sturm


gut

Die Autorin Vanessa Chan, erzählt in ihrem Debütroman „Nach uns der Sturm“ eine
Geschichte über vererbten Schmerz, Kolonisierung und die Folgen unwiderruflicher Entscheidungen.

Inhalt:
Bintang Estate, Malaya, 1945. Cecily Alcantaras Familie ist in großer Gefahr: Ihr 15-jähriger Sohn ist verschwunden, ihre älteste Tochter wird von Tag zu Tag wütender, und ihre jüngste ist im Keller versteckt, damit sie nicht in eines der Kriegsbordelle für japanische Soldaten verschleppt wird. Cecily ist sich nur in zwei Punkten sicher: dass alles ihre Schuld ist, und dass ihre Familie nie erfahren darf, warum.

Ein Jahrzehnt zuvor sehnte sich Cecily im britisch kolonialisierten Malaya verzweifelt nach einem besseren Leben. Die zufällige Begegnung mit General Fuijwara, einem charismatischen japanischen Spion, lockte sie in ein Leben als Spionin, das ihr die Chance bot, mehr als nur Mutter und Ehefrau zu sein. Doch während Cecily in Fuijwaras Pläne verwickelt wurde, trug sie dazu bei, eine neue und noch brutalere Ära der japanischen Kolonialisierung einzuleiten ...

Meine Meinung:
Aus vier Perspektiven, lässt die Autorin ihre Protagonisten – Cecily, ihre drei Kinder Jujube, Abel und Jasmin – als jeweilige Ich-Erzähler ihre Geschichte erzählen. 

Cecilys Mann Gordon hat einen gehobenen Posten ergattert, der sie der britischen Gesellschaft etwas näher bringt. Ihre eurasische Herkunft, Mutter Portugiesin, Vater Malaie, sorgt für ein helleres Hautbild. In jungen Jahren litt Cecily sehr darunter, fühlte sich nicht zugehörig, weder in der Gesellschaft noch in ihrer Familie. Auch Jahre später sind ihre Kinder Opfer rassistischer Bemerkungen.

1935 im britisch besetzten Malaya sehnt sich Cecily Alcantara verzweifelt nach einem besseren Leben und da kommt ihr die zufällige Begegnung mit General Fuijwara, einem charismatischen japanischen Spions, der ihr die Chance bietet, mehr als nur Mutter und Ehefrau zu sein. Cecily verfällt dem Charme Fuijwaras und spioniert für ihn mit fatalen Folgen, ihren Ehemann aus, der für die britischen Besatzer arbeitet. Später wird sie Schwanger mit Jasmin und der Zweifel der Vaterschaft bleibt bis zum Ende der Geschichte bestehen.

Abel wird in ein Arbeitslager verschleppt, misshandelt und missbraucht und er greift bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Palmwein, der brennend in seinen leeren Magen fließt. Die ständigen Szenen über Abels Rausch bzw. seinem jeweiligen Delirium, fand ich nicht besonders gelungen. Wie er als Süchtiger zum Ende nach Hause gefunden hat, bleibt mir ein Rätsel.

Fazit:
Die Autorin schildert ein nicht ganz ausgereiftes Porträt über die Familie Alcantara in Kuala Lumpur, die am Krieg zerbricht, weil Cecily mit dazu beigetragen hat, eine neue und noch brutalere Ära der japanischen Kolonialisierung einzuleiten. Interessant hätte ich es gefunden, was passiert wäre, wenn Cecilys Verrat bekannt geworden wäre …
Von mir 3 von 5 Sternen!