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Benutzername: Luise-21
Wohnort: Berlin
Über mich:


Bewertungen

Insgesamt 80 Bewertungen
Bewertung vom 20.09.2021
Der perfekte Kreis
Myers, Benjamin

Der perfekte Kreis


sehr gut

Der Autor Benjamin Myers erzählt in seinem neuen Roman „Der perfekt Kreis“ eine interessante Geschichte über eine berührende Liebeserklärung an die englische Landschaft, die Natur und nicht zuletzt an eine ungewöhnliche Freundschaft.

Inhalt:
Redbone und Calvert kennen sich seit Langem. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten und einander wenig von ihrem früheren Leben erzählen, fühlen sie von Anfang an eine starke Verbundenheit. Zwischen den beiden Männern entsteht über die Jahre eine ungewöhnliche Freundschaft. Hinter ihnen liegen Zeiten der Rastlosigkeit und tiefen Einsamkeit, bestimmt von traumatischen Erlebnissen. Eher zufällig entsteht in ihnen die Idee der Kornkreise. Während sie hoffen, dass sie in diesem Sommer den Kreis erschaffen können, kommen sie ihrem Land und seinen Bewohnern, ihren eigenen Träumen näher, erleben sie sowohl ernüchternde als auch traumgleiche Begegnungen. Geprägt von demselben Freiheitsdrang und derselben Abneigung gegen jegliche Obrigkeit, entstehen in ihnen ein tiefer Respekt für ihre Umwelt und der Wunsch, die beengende Realität des Alltags hinter sich lassen zu können. Gelingt der perfekte Kornkreis, dann kann ihnen auch alles andere gelingen.

Meine Meinung:
Dieser poetische Roman handelt aus dem Jahr 1989 im ländlichen Südengland. Die beiden befreundeten Außenseiter Calvert und Redbone, erschaffen in den Nächten auf den Feldern in ihrer Umgebung Kornkreise, mit immer schöneren und anspruchsvolleren Formationen, die gut und sorgfältig geplant sind. Ihre nächtlichen Aktivitäten sind natürlich nicht legal und keiner darf davon erfahren.
Bei all ihren Aktivitäten geht es ihnen dabei aber auch um die Achtung vor der Natur, Träume, den Umgang mit der eigenen Vergangenheit, Freundschaft und natürlich um den perfekten Kornkreis zu schaffen.
Es gelingt ihnen, ohne größere Störungen, neun Kornkreise zu schaffen. Erst bei ihrem Meisterwerk die Honigwabe-Doppelhelix, den sie fast fertiggestellt haben, passiert etwas Unvorhergesehenes …

Fazit:
In diesem Buch gibt es keine richtige Handlung, diese Geschichte ist in Kapiteln mit den Namen der entstehenden Kornkreise gegliedert.
Der Autor erschafft mit einer ungeheuren Stärke, eine großartige Atmosphäre mit wortreicher Sprache, die vor allem in den Beschreibungen der Natur und Naturereignissen, liegt.

Bewertung vom 16.09.2021
In den Klauen der Macht
Pawlik, Ana

In den Klauen der Macht


ausgezeichnet

Die Autorin Ana Pawlik, erzählt in ihrem beeindruckenden Debüt "In den Klauen der Macht" eine atemberaubende mittelalterliche Geschichte, die sich rund um die Geschehnisse in Steyr und im Ennstal, dreht. Die Geschichte beruht auf einem hervorragend gut recherchierten historischen Hintergrund, die mit einer fiktiven Handlung ausgezeichnet verknüpft ist.

Meine Meinung:
Schon alleine das Cover sowie der Klappentext und die Gestaltung des Buches haben es mir richtig angetan, ja mich neugierig auf die Geschichte gemacht. Das Buch ist schon einfach nur schön zum Anfassen und Anschauen.

Die Autorin erzählt mit einem lebendigen und spannenden Schreibstil das Alltagsleben von niederem Adel, Bauern und deren Ansehen im Ort, ihren Knechten und Mägden, die den Launen der Herrschenden unbarmherzig ausgesetzt sind. Ausgenommen hiervon sind die Ausgestoßenen, die Menschen, die im Wald leben und von der übrigen Welt, gemieden werden. Die einzelnen Charaktere werden bildlich und glaubwürdig sehr gut beschrieben und in die gesamte Handlung fest eingebunden.

Die Machtkämpfe zwischen Irenfried und Dietmar um das Amt des Burggrafen von Styra sind mit ausgeklügelter List und Tücke, richtig spannend und passend in die Geschichte, eingeflochten.

Die Erzählung um das Schicksal von Ännlin, ist einfach nur berührend. Immer auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater. Der Ritter Odo, der ihrer Mutter Ella sehr verbunden war, fühlt sich für Ännlin verantwortlich und erzählt ihr, wer ihr Vater gewesen sein soll! Doch was wird sein, wenn sie die Wahrheit um ihre Herkunft herausfindet?

Fazit:
Mit „In den Klauen der Macht“ ist der Autorin Ana Pawlik ein wunderbarer Start ihrer Trilogie gelungen. Neben einer hervorragenden historischen Recherche besticht das Buch durch eine spannende und berührende Handlung, die mich bis zum Ende mitgenommen hat.
Nach diesem für mich sehr gelungenen Romandebüt, bin ich mehr als gespannt auf den 2. Band und freue mich schon jetzt auf die Veröffentlichung.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 12.09.2021
Stille Verdrängung
Brosch, Corina

Stille Verdrängung


ausgezeichnet

Die Autorin Corina Brosch ist die erste gehörlose Autorin Deutschlands, die in ihrem beeindruckenden Debüt „Stille Verdrängung – der taube Psychiater“, eine wundervolle Geschichte über den tauben Psychologen Maik, geschrieben hat.

Inhalt:
Nachdem der taube Schüler Maik auf einer Abiturfeier von seinen engsten Freunden genötigt wird, durch eine Gruppenvergewaltigung ein Mädchen zu missbrauchen, ist er so verstört, dass er jeglichen Kontakt abbricht und sich in Berlin ein neues Leben aufbaut. Als Psychologe mit besonders empathischen Fähigkeiten ist er später hoch angesehen, auch öffentlich. Privat hat er ebenfalls sein Glück mit seiner Verlobten Kate gefunden. Doch dann holt ihn seine dunkle Vergangenheit wieder ein...

Meine Meinung:
Gerade die Gestaltung des Covers finde ich so was von passend zum Titel und hat mich erst recht, auf das Buch aufmerksam und neugierig gemacht.

Als Maik gehörlos geboren wird, fühlen sich die Eltern überfordert und bringen ihm das Sprechen und Lippenlesen bei, lassen jedoch die Gebärdensprache völlig außen vor. Mike ist in der Schule auf die Hilfe seiner engsten Freunde angewiesen und vertraut diesen bis zu dem Tag an dem die Gruppenvergewaltigung stattfand. Danach ist für Mike, nichts mehr wie es war …

Die Verzweiflung von Maik ist spürbar und seine Vergangenheit lässt ihn selbst als angesehener Psychologe nicht los.

Erst durch eine Freundin von Kate, wird Mike auf die Gebärdensprache aufmerksam und begreift, wie diese sein Leben verändern könnte. Teilweise fühlt er sich in seiner Umwelt und sogar in seiner Beziehung zu Kate, ausgeschlossen.
Gerade diese Situationen, hat die Autorin aufrichtig und einfühlsam, offengelegt.

Die Vergangenheit holt Mike mit Erpressung und Gewalt ein und das Drama nimmt seinen Lauf …
Bis zum Ende Spannung pur, denn Mike kann seinen Gegner nicht hören und tappt von einer Falle in die Nächste!

Fazit:
Die Autorin erzählt mit ihrem wunderschönen Schreibstil eine berührende, emotionale und aufwühlende Geschichte, die einfach nur zu Herzen geht. Der Protagonist und sein Umfeld sind bildlich in jeder Handlung sehr stimmig eingebunden.
Gerne und mit Freude, warte ich gespannt auf weitere Veröffentlichungen der Autorin.

Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 01.09.2021
Wellenflug
Neumann, Constanze

Wellenflug


sehr gut

Die Autorin Constanze Neumann entführt den Leser in die Vergangenheit ihrer zum Teil eigenen Familiengeschichte in ihrem neuen Roman „Wellenflug“ und erzählt in zwei Hauptsträngen, die Geschichte über zwei unterschiedliche Frauen.

Inhalt:
»Das faszinierende Doppelporträt zweier höchst unterschiedlicher Frauen. Genau recherchiert und opulent erzählt Constanze Neumann das Schicksal einer zerstreuten Familie, deren Geschichte mit der deutschen untrennbar verbunden bleibt.« Julia Franck

Als ihr Sohn Heinrich 1881 zur Welt kommt, setzt Anna Reichenheim große Hoffnungen auf diesen Erstgeborenen. Doch Heinrich schert sich nicht um die Konventionen seiner großbürgerlichen jüdischen Familie. Er erliegt den Verlockungen des Berliner Nachtlebens und verliebt sich in die ganz gewöhnliche Marie, die seine Mutter nicht akzeptieren kann. Gemeinsam suchen Heinrich und Marie in den USA ihr Glück, bis der Erste Weltkrieg sie zurück nach Deutschland holt. Sie bleiben ausgeschlossen aus der Familie, auch als die Schatten der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Nationalsozialismus sich über das Land legen. Anna stirbt 1932 unversöhnt mit Heinrich, nicht ahnend, was ihrer Familie bevorsteht. Während seine Geschwister fliehen oder vertrieben werden, bleibt Heinrich in Deutschland zurück. Wieder ist es Marie, die ihm Halt gibt, als sie ums Überleben kämpfen.

Meine Meinung:
In dem ersten Teil erzählt die Autorin die Geschichte von Anna Reichenbach einer Jüdin. Anna heiratet den jüngsten Sohn eines Textilhändlers und bekommt bald ihre Tochter Gertrud. Als ihr Mann plötzlich stirbt, heiratet sie den älteren Bruder ihres verstorbenen Mannes. Sie führen ein sehr angenehmes Leben in ihrem herrschaftlichen Haus, bekommen sechs Kinder und Anna legt allergrößten Wert darauf, dass sich ihre Kinder nur standesgemäß verheiraten. Ihr Sohn Heinrich jedoch, entpuppt sich zum Taugenichts und wird von der Familie nach New York verbannt, wo er die unstandesgemäße Ehe mit Marie eingeht, die nie von Anna, anerkannt wird. Selbst als beide ein Kind bekommen und Marie ihrer Schwiegermutter ihren Enkel vorstellen möchte, werden sie abgewiesen.

Im zweiten Teil erzählt die Autorin nun die Geschichte über Marie die aus sehr einfachen und ärmlichen Verhältnissen kommt. Nachdem Heinrich in New York Fuß gefasst hat, reist Marie hinterher und hofft, ihn von seiner Spielsucht abzuhalten, was ihr leider nur bedingt gelingt. Als in Deutschland der Erste Weltkrieg ausbricht, hofft Heinrich, wenn er für das Vaterland als Soldat in den Krieg zieht, dass er von seiner Familie wieder aufgenommen wird. Welch ein Irrtum! Eine Rückkehr nach New York, ist für Heinrich danach nicht mehr möglich und das Drama nimmt seinen Lauf …

Fazit:
Die Autorin hat mit ihrem sehr angenehmen Schreibstil eine durchaus lesenswerte Familiengeschichte über den Aufstieg der Kaufmannsfamilie bis hin in die Zeit der Judenverfolgung geschrieben, die mich fesseln konnte. Mit der strikten Trennung der beiden Hauptsträngen, war ich nicht ganz so glücklich und hätte mir hier einen weicheren Übergang, gewünscht.

Bewertung vom 28.08.2021
Das Kreuz des Pilgers / Pilger Bd.1
Schier, Petra

Das Kreuz des Pilgers / Pilger Bd.1


ausgezeichnet

Die Autorin Petra Schier entführt den Leser mit dem neuen ersten historischen Band ihrer Pilger-Trilogie „Das Kreuz des Pilgers“ auf eine Reise voller Geheimnisse, Intrigen und die Kraft einer mächtigen Reliquie. Mit der Pilger-Trilogie knüpft die Autorin an ihre erfolgreiche Kreuz-Trilogie an.

Inhalt:
1379: Im Schutz einer Handelskarawane wollen Reinhild und ihr Gemahl in ihre Heimat Koblenz zurückkehren. Als sie von einer marodierenden Räuberbande überfallen werden, entgeht Reinhild nur knapp dem Tod, während für ihren Mann jede Hilfe zu spät kommt. Langsam erholt sie sich von den schrecklichen Ereignissen, doch sie weiß: Um ein Auskommen für sich und ihren Sohn zu haben, wird sie wieder heiraten müssen. Ein Gedanke, der ihr Angst macht. Trotzdem wird ihr immer klarer, dass es nur einen Mann gibt, der für sie in Frage kommt – auch wenn sie sicher ist, dass ihr Vater diese Verbindung niemals gutheißen wird.

Meine Meinung:
Die Einleitung des Buches hat mir mit dem Stadtplan von Koblenz und dem anschließenden ausführlichen Personenverzeichnis, ausgesprochen gut gefallen.

Drei Familien wissen um das Geheimnis und die Kraft der mächtigen Reliquie, wobei alle Familienmitglieder doch recht unterschiedlich sind und scheinbar nicht recht zusammenzupassen aber es verbindet sie mehr als nur Freundschaft.
Reinhild, ist nun Witwe, muss sich alleine um ihren fünfjährigen Sohn und um den Haushalt kümmern. Ohne sich neu zu verheiraten, hat sie kein Auskommen und davor hat sie Angst. Was wird das Schicksal für sie bereithalten?
Conlin muss sich mit seinem älteren Bruder Oswald dem Alleinerbe, der das ganze Geld verspielt hat, auseinandersetzen. Auch mit seinem unwirschen Auftreten, verursacht Oswald mächtig Ärger und Conlin, versucht zu schlichten.
Palmiro fällt durch seine besonnene und herzliche Art, die von seinen Freunden sehr geschätzt wird, auf. Welches Geheimnis trägt er in sich und wird er den richtigen Weg finden?

Fazit:
Der Autorin ist es mit ihrem schönen und spannenden Schreibstil durchaus gut gelungen, die Geschichte lebendig und mit sehr gut recherchierten Details mit den fiktiven Handlungen der einzelnen Protagonisten, glaubhaft zu verknüpfen.
Jetzt bin ich natürlich mehr als gespannt, wie es in der Fortsetzung, mit den ach so vielen offenen Handlungssträngen, weitergeht …
Von mir auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 19.08.2021
Rochade
Tötschinger, Reinhard

Rochade


sehr gut

Der Autor Reinhard Tötschinger erzählt in seinem neuen Roman „Rochade“ eine interessante Geschichte über die Welt der Kunst. Der Roman spielt in naher Zukunft, im Jahr 2022.

Inhalt:
Original oder Fake? Ein unfreiwilliger Fälscher rettet ein Meisterwerk aus den Fängen eines machtgierigen Politikers.
Ein Anschlag auf Jan Vermeers ins Ausland verliehenes berühmtes Gemälde „Die Malkunst“0, das dabei stark beschädigt wird, weckt ein starkes Begehren: Der junge ambitionierte Kanzler, der auf dem besten Weg ist, das Land in eine illiberale Demokratie zu verwandeln, will sich das Gemälde, das einst als das Lieblingsbild Adolf Hitlers galt, für seine Amtsräume sichern und besteht auf einer beschleunigten Restaurierung. Für den sorgfältigen und gewissenhaften Restaurator Clemens Hartmann steht außer Frage, dass dies unmöglich ist. Also muss er sich etwas einfallen lassen. Ist er nicht selbst Maler? Und haben nicht alle großen Maler als Kopisten begonnen?

Meine Meinung:
Der Autor Reinhard Tötschinger erzählt über den Kunstrestaurator Clemens Hartmann, der am Kunsthistorischen Museum in Wien, dass nach einem Attentat schwer beschädigte Kunstgemälde, restaurieren soll. Als er merkt, dass dies fast unmöglich erscheint, reifen in ihm Überlegungen nach einer Lösung… Aber welche?

Mit seinem recht fließenden Schreibstil erzählt der Autor, eine spannende Geschichte über die Welt der Kunst, in der aber auch viel über die Themen Gesellschaft und Politik mit einfließt und nicht fehlen darf um die Geschichte abzurunden..

Der Autor lässt seinen Protagonisten in der Ich-Form erzählen und bindet den Leser dadurch fesselnd an die Geschichte obwohl es zwischendurch auch einige Längen gab.

Fazit:
Interessant fand ich, einiges über die Malkunst erfahren zu haben und den politischen Anteil, gerade in Bezug auf den Nazikunstraub von Bildern während des Zweiten Weltkrieges.
Der Protagonist und sein Umfeld sind bildlich in jeder Handlung sehr stimmig eingebunden.
Von mir eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 18.08.2021
Engelspost
Muhl, Iris

Engelspost


ausgezeichnet

Die Autorin Iris Muhl erzählt in ihrem neuen Roman „Engelspost“ eine sehr berührende und emotionale Geschichte um Verbrechen, Sühne und Erlösung, die sich in einem wundervollen Schreibstil, nach und nach langsam aufbaut und mit einem dicht gewobenen Ende aufwartet.

Inhalt:
Der Betrüger und das kleine Kind, das per Post verschickt wurde. Ein berühmter Studiogast ist zu Besuch beim New Yorker Radio. Eliott White, ein erfolgreicher Unternehmer, soll aus seinem Leben berichten. Was niemand weiß: Der alte Mann möchte die Chance nutzen, um eine Beichte abzulegen … Er gerät ins Erzählen, und seine Zuhörer trauen ihren Ohren nicht. 1913. Eliott White ist nichts anderes als ein gewitzter Hochstapler und Dieb. Wer sich wie er im Großstadt-Dschungel New Yorks auskennt, ist gegenüber dem nie abreißenden Strom an naiven Einwanderern klar im Vorteil! Ungerührt haut White jeden übers Ohr, der auf sein Lächeln und seine kuriosen Lügen hereinfällt. Sein Gewissen hat er längst betäubt und die dunkelsten, abscheulichsten Erinnerungen erfolgreich verdrängt. Auf einer längeren Zugreise trifft White allerdings auf ein verwahrlostes Waisenkind, dem man – als wäre es ein Gegenstand – eine Briefmarke aufgeklebt hat. Es sitzt ohne Essen oder Trinken im Zug und wird von Ost- nach Westamerika verschickt. Zu spät bemerkt White, dass die Arglosigkeit dieses engelhaften Wesens ihm gefährlich wird. Wie ein schonungsloser Spiegel zeigt das Mädchen ihm, wer er wirklich ist. Was er entdeckt, lässt ihn erschauern – und besiegelt für immer sein Schicksal.

Meine Meinung:
Schon alleine das Cover und die Gestaltung des Buches haben es mir angetan, ja mich neugierig auf die Geschichte gemacht. Das Buch ist einfach nur schön zum Anfassen und Anschauen. Dann der Titel, unter dem man sich erst mal einiges vorstellen kann, bis ich auf der letzten Seite den Hinweis auf den folgenden historischen Hintergrund, gefunden habe:
Vom 01. Januar bis zum 01. Juli 1913 wurden Dutzende von Kindern in Amerika per Post verschickt.
Wie grausam von Menschen, damals solche Gesetze, zuzulassen.

Endlich stimmt Eliott White (73 Jahre alt) ein erfolgreicher Unternehmer einem ersten Radiointerview zu. Auf die Fragen des Moderators schweift Eliott White geschickt ab und beginnt mit der Geschichte seiner kriminellen Vergangenheit.

Auf einer Zugreise nach Mexiko begegnet er einem verwahrlosten Waisenkind, dem jemand eine Briefmarke aufgeklebt hat und seine Neugierde auf dieses Mädchen, ist geweckt. Er beobachtet sie, ist fasziniert wie sie mit anderen Menschen spricht und beginnt langsam sich um sie zu kümmern. Als sie ihren Namen Palomina preisgibt, überläuft es Eliott White eiskalt. In Gedanken lässt er schaudernd die Zeit über die Geburt des Mädchens und seine dunkle, abscheuliche Tat die er begangen hatte, Revue passieren.

Genau diese schreckliche Tat wird zum Wendepunkt von Eliott White.

Fazit:
Die Autorin erzählt mit ihrem wunderschönen Schreibstil eine berührende, emotionale und aufwühlende Geschichte, die einfach nur zu Herzen geht. Der Protagonist und sein Umfeld sind bildlich in jeder Handlung sehr stimmig eingebunden.
Die Autorin hat mich richtig neugierig auf weitere Bücher von ihr gemacht!

Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 18.08.2021
Die Salbenmacherin und der Fluch des Teufels
Stolzenburg, Silvia

Die Salbenmacherin und der Fluch des Teufels


ausgezeichnet

In ihrem 6. und wohl letzten Band aus der Salbenmacherin-Reihe, erzählt die Autorin Silvia Stolzenburg, eine historische Geschichte über „Die Salbenmacherin und der Fluch des Teufels“.

Inhalt:
September 1412. Ein verzweifelter Ratsherr bittet Olivera um Beistand. Seine Tochter leidet unter unkontrollierten Zuckungen und einer Schwäche bis hin zur Ohnmacht. Gegen die rätselhafte Krankheit weiß selbst der Medicus keinen Rat. Olivera verspricht Hilfe, doch auch sie kann das Leid des Mädchens nicht lindern. Bald erkranken weitere Nürnberger, und es dauert nicht lange, bis das Gerücht entsteht, der Teufel hätte die Kranken verflucht. Olivera gerät unter Verdacht, mit den dunklen Mächten im Bunde zu stehen …

Meine Meinung:
Olivera und ihre Familie hoffen, endlich die Schrecken der Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben, doch dem ist nicht so!
Als Olivera von einem Ratsherrn gebeten wird, seiner Tochter zu helfen, die an einer rätselhaften Krankheit leidet, holt die Vergangenheit sie wieder ein. Weder Olivera noch der Medicus erkennen die Krankheit und können dem Mädchen nicht helfen, vorauf hin der Ratsherr sich an die Obrigkeit wendet und um Hilfe bittet. Ein Teufelsaustreiber soll sich um die Dämonen kümmern, da die Krankheit sich bereits ausbreitet. Fieberhaft sucht Olivera in alten Schriften nach dieser rätselhaften Krankheit und findet was sie sucht. Sie stellt Medikamente her, die den Kranken im Siechenhaus helfen doch der Rat, hält an dem Teufelsaustreiber fest. Olivera gerät wieder unter Verdacht. Es geschehen schreckliche Taten mit den Kranken und zum Schluss wird sogar der Medicus einer Teufelsaustreibung, unterzogen …

Fazit:
Der Autorin ist es mit ihrem schönen und spannenden Schreibstil durchaus gut gelungen, auch den 6. historischen Teil über die Salbenmacherin, lebendig und mit sehr gut recherchierten Details, zu erzählen. Und nicht zuletzt spielen auch in diesem Buch die seinerzeitige Heilkunde sowie Moralvorstellungen eine große Rolle.
Alle Protagonisten haben mir sehr gut gefallen, da sie in jeder ihrer Handlungen, mit großer Spannung jeweils gut eingebunden, wurden.
Von mir eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 15.08.2021
Heimatsterben
Höflich, Sarah

Heimatsterben


ausgezeichnet

Die Autorin Sarah Höflich, erzählt in ihrem Romandebüt „Heimatsterben“ eine spannende und rein fiktionale Familiengeschichte, die sich in naher Zukunft im Jahre 2023 abspielt und mich von der ersten Seite an, fesseln konnte.

Inhalt:
Ein großartiger Familienroman, der sich zusehends zum Politthriller entwickelt

Tilde Ahrens, mehrfache Mutter, Oma und Uroma, liegt im Sterben und bittet kurz vor ihrem Tod Lieblingsenkelin Hanna, die Familie zusammenzuhalten. Keine einfache Aufgabe für die freigeistige Journalistin, die eigentlich seit Jahren in den USA lebt, denn in dem weitverzweigten Ahrens-Clan prallen die unterschiedlichsten Weltanschauungen aufeinander. Hanna taucht ein in die Geschichte ihrer Familie und stellt sich der Auseinandersetzung mit ihrer erzkonservativen Schwester, deren Mann Felix Kopf einer nationalistischen Partei ist. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung. Doch dann gewinnt der charismatische Felix überraschend die Wahl, zieht ins Kanzleramt ein und ausgerechnet Hanna soll ihn bei seiner politischen Arbeit unterstützen. …

Meine Meinung:
Schon alleine die Aufmachung des Buches hat es mir richtig angetan. Einfach nur schön zum Anfassen und Anschauen. Die komplexe Familienstruktur ist gleich zu Anfang in einem gelungenen Familienstammbaum gelistet, der den Einstieg in die Geschichte und der Familienzugehörigkeit, erleichtert. Auch die Einteilung des Buches in Herbst – Versuchung, Frühling – Widerstand und Winter – Flucht, ist überaus gelungen.

Als Hannas Schwager, Felix Graf von Altdorff Mitbegründer und Kanzlerkandidat der rechten Partei „BürgerUnion“ die Wahl gewinnt, bittet er Hanna, ihn bei seiner politischen Arbeit zu unterstützen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren eigenen Werten und dem Versprechen am Sterbebett ihrer Großmutter. Hanna, willigt ein und bleibt dafür sogar in Deutschland.

Die Geschichte entwickelt sich erschreckend zur aktuellen politischen Lage, gerade in Bezug von Migranten und das Asylrecht. Als Hanna, den Widerstand gegen und innerhalb der „BürgerUnion“ erkennt, versucht sie Felix von den Plänen seiner Gegner zu überzeugen und legt schließlich ihr Mandat nieder. Es kommt zu dramatischen Ereignissen, die schwere Folgen haben…

Fazit:
Der Autorin ist mit ihrem Romandebüt eine grandiose Mischung aus Familiengeschichte und Politikthriller, gelungen. Der Schreibstil und die Geschichte konnten mich bis zum Ende, total fesseln und begeistern. Selbst die Protagonisten und Nebenfiguren sind im Handlungsverlauf sehr glaubwürdig dargestellt und richtig gut eingebunden.
Nach diesem gelungenen Romandebüt, bin ich sehr gespannt auf weitere Veröffentlichungen der Autorin!
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 11.08.2021
Vor Frauen wird gewarnt
Rehn, Heidi

Vor Frauen wird gewarnt


ausgezeichnet

Die Autorin Heidi Rehn erzählt in ihrem neuen Roman „Vor Frauen wird gewarnt“ eine biografische Erzählung über Vicki Baum, der Frau, die in den 20iger Jahren eine der erfolgreichsten Schriftstellerin der Weimarer Republik wurde.

Inhalt:
Vicki Baum war in den 20iger Jahren das, was man eine emanzipierte Frau nennt, und damit eine Pionierin ihrer Zeit. Ihr Roman „Menschen im Hotel“ war ein Bestseller, der sie schlagartig zum Star der Unterhaltungsliteratur machte.
Sie wurde zur Verkörperung der Karrierefrau, ein Begriff, der damals durchaus positiv war, von ihren Leserinnen verehrt und um ihre Eigenständigkeit beneidet.
Doch wie sah die Frau hinter der glänzenden Fassade aus?
Die Autorin Heidi Rehn erzählt in ihrem brillant recherchierten Roman vom Leben und Lieben dieser ungewöhnlichen Frau und setzt ihr damit ein unvergessliches Denkmal.

Meine Meinung:
Die Biografie über Vicki Baum beginnt, als sie in den 20iger Jahren ohne ihren Mann und ihren beiden Söhne, nach Berlin übersiedelt um als Verlagsangestellte für den Berliner Ullstein-Verlag tätig sein zu können. Als emanzipierte und selbstbewusste Frau, verfolgt sie zielstrebig ihre Karriere als Schriftstellerin.

Im Ullstein-Verlag einer dominierenden Männerwelt, gelingt es Vicki, sich zu behaupten um ihren Traum einer eigenen Karriere zu erfüllen. Sie wird von ihrem Ehemann, dem Dirigenten Richard Lert, unterstützt, obwohl er mit den beiden Söhnen vorerst in Mannheim blieb. Vicki und Richard führten zwar eine offene Ehe, fühlten sich aber stark miteinander verbunden. Zu ihren Söhnen hatte sie trotz der räumlichen Trennung, ein gutes Verhältnis.

Vicki gewinnt in Berlin schnell Freunde und genießt das Goldene Nachtleben der 20iger Jahre, während sie im Ullstein-Verlag arbeitet und nebenbei, ihre eigenen Werke verfasst. Es scheint, als bräuchte sie keinen Schlaf.
Während dieser Zeit siedeln ihre Söhne und ihr Mann, nach Berlin und arrangieren sich mit ihrem Umfeld. Das gemeinsame Familienleben nach zweijähriger Trennung gelingt ohne große Probleme.
Vicki kann endlich ihre nationalen Erfolge als Schriftstellerin und Verfilmung ihrer Romane, feiern und dabei gelingt ihr sogar noch der internationale Durchbruch. Die politische Lage in Deutschland spitzt sich in dieser Zeit immer mehr zu und wird von der Autorin, gut recherchiert und leise mit eingeflochten.

Vicki Baum, emigrierte bereits 1932 in die USA und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Fazit:
Die Autorin besticht durch ihre lebendig beschriebene biografische Erzählung und sehr gut recherchierten Details über die erfolgreiche und beeindruckende Schriftstellerin Vicki Baum.
Für mich waren die Einblicke über Vicki Baum, sehr nachvollziehbar und stimmig. Der Autorin ist es mit ihrem unglaublich fesselnden und poetischen Schreibstil gelungen, mir die Schriftstellerin Vicki Baum, näher zu bringen.
Von mir eine absolute Leseempfehlung!