Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: SternchenBlau
Danksagungen: 1 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 64 Bewertungen
Bewertung vom 29.08.2019
Miss Elli legt los / Miss Elli Bd.1
Fülscher, Susanne

Miss Elli legt los / Miss Elli Bd.1


ausgezeichnet

So „wonderful“ ist diese magische Babysitterin, dass Erstleser*innen großen Spaß mit ihr haben.

Das Buch stand seit einer Leserunder auf meiner Wunschliste. Jetzt kamen wir endlich mal dazu es zu lesen. Und so viel schon mal vorweg: Wir können die früheren begeisterten Rezensionen wirklich nachvollziehen.

Die Geschichte um die Geschwister Mieke und Ben, die mit Miss Elli eine ganz ungewöhnliche Babysitterin bekommen, ist wirklich charmant. Und Susanne Fülscher ist wirklich eine richtig schöne Geschichte für Erstleser*innen gelungen, mit tollen, melodischen Sätzen, die sich auch schön laut vorlesen lassen. Die Figuren sind trotz der Kürze liebevoll ausgestaltet, es gibt ein Abenteuer und Ben muss etwas ganz wichtiges lernen. Das schaffen leider eh schon nicht alle Erstlesebücher, „Miss Elli legt los“ macht dazu aber auch noch richtig Spaß. Wenn sich Mieke z.B. nicht ganz sicher ist, ob Miss Elli jetzt eine Kirsche ihres Ohrrings gegessen hat. Denn Miss Elli ist wohl mit Mary Poppins verwandt und bringt magische Elemente mit. Mein Sohn war von denen ganz hingerissen und hat sich immer wieder überlegt, wie die wohl funktionieren mögen.

„One, two, three – jetzt oder nie!“
Da Miss Elli früher Lehrerin in England war, bringt das Buch wie nebenbei den Kindern zusätzlich noch ein paar Wörter Englisch bei – also den Geschwistern im Buch UND den Leser*innen. Die englischen Begriffe sind schön nebenbei eingestreut und werden häufig wiederholt, so dass mein Sohn nach dem Buch die Begriffe „wonderful“ und „let’s go“ zuordnen konnte. Auch bei etwas ungewöhnlicheren deutschen Wörtern wird auf Wiederholung gesetzt, so dass „quietschen“ bspw. zwei Mal vorkam. Solche Techniken machen andere Erstlesebücher oft auf unangenehme Weise langweilig. Bei „Miss Elli“ sind die Wiederholungen einfach nur klasse Erinnerungshilfen.

Modern
Die Illustrationen von Kristina Nowothnig sind frisch und lebendig, haben aber auch etwas Nostalgisches, das mir sehr gut gefällt. Diese Mischung empfinde ich als sehr modern. Schön und modern fand ich auch das Gender- und Familienbild: Mieke spielt Weltraumforscherin, Ben darf auch mal ängstlich sein. Beide Eltern arbeiten, die Mutter ist Ärztin, der Vater Krankenpfleger. Einen Kritikpunkt habe ich allerdings an dem Buch: Mit den Farben der Badekleidung tritt die Autorin ein wenig in die Hellblau-Rosa-Falle. Da hätte ich mir gewünscht, dass das nochmal thematisiert und umgedreht worden wäre.

Fazit
Wer eine*r Erstklässler*in aktuell (oder später) etwas Schönes schenken möchte, ist mit diesem Buch wirklich gut beraten. Starten könnten die Kinder dann vermutlich damit ab Ostern, die Textmenge ist schon etwas höher und die Schrift auch etwas kleiner gesetzt als bei anderen Anfangsbüchern. Dafür macht „Miss Elli legt los“ sicherlich auch bei einer zweiten oder dritten Lektüre noch viel Spaß und auch in der 2. Klasse. „Miss Elli“ ist als Reihe angelegt und der zweite Band „Miss Elli und die magische Hunderettung“ ist jetzt am 1. August 2019 erschienen. Wir werden sicherlich die Augen nach weiteren Bänden offen offen halten. Darum geben wir 4,5 Sterne, runden auf und vergeben eine Kauf- bzw. Leseempfehlung.

Bewertung vom 29.08.2019
Mia Magie und der Liebestrank / Mia Magie Bd.3
Bender, Julie

Mia Magie und der Liebestrank / Mia Magie Bd.3


sehr gut

Einfühlsam Verliebtheit für Grundschulkinder erklärt

Der Schreibstil von Julie Bender liest sich super und sie hat viele zauberhafte Ideen. Und die Illustrationen von Alexandra Helm stehen dem in nichts nach. Das Allerschönste an diesem Kinderbuch: Bei „Mia Magie und der Liebestrank“ können Kinder mitfühlen, was die erste Verliebtheit mit einem macht. Das ist so sensibel und charmant erzählt, dass schon Grundschüler da richtig ernst genommen werden und daher klasse mitfiebern und -lesen können. Denn die erste Schwärmerei setzt ja meist schon lange vor der Pubertät ein.
Das war für mich das absolute Highlight an diesem Buch: Mias Verliebtheit wird als etwas total Natürliches beschrieben. Da braucht es keine Peinlichkeiten, auch, wenn Mia natürlich ganz oft nervös wegen ihrer Gefühle ist. Als Junghexe kann man ihr nämlich an einem magischen Gefühlsfleck im Gesicht ihre Gefühle ablesen. Und bei Verliebtheit färbt der sich rosa und leuchtet sogar pink. Und Mia kann plötzlich Gerüche besonders intensiv wahrnehmen, das ist auch eine super Anregung, dass die Kinder mehr auf ihre Umgebung und ihre Wahrnehmung darauf achten.
„Mia Magie und der Liebestrank“ ist der dritte Band einer Reihe um Mia Magie. Wir kannten die ersten beiden Bände nicht, sind aber trotzdem gut in die Geschichte rein gekommen. Einzig der Punkt, warum Mia nicht bei ihrer Mutter wohnt, hat meinen 7,5-jährigen Sohn etwas beschäftigt, nach einiger Zeit wurde aber auch das beantwortet.
Was mich gestört hat, war, wie Grenzüberschreitungen anderen gegenüber behandelt werden. Mia tut etwas, das sehr übergriffig ist, das wird meiner Meinung nach nicht adäquat aufgelöst. Liebestränke haben halt per se immer etwas übergriffiges, beim ersten Trank gibt es trotzdem einen super Umgang damit, beim zweiten leider nicht so. Und warum wird die Tierquälerei von Zauberer Zamponi nicht mehr aufgegriffen und geahndet? Dieser Handlungsstrang fällt meiner Meinung nach am Ende zu sehr unter den Tisch, was ich auch etwas unbefriedigend fand.
Obwohl Mia eine Junghexe ist, ist der Großteil ihres Lebens der eines ganz „normalen“ Kindes: Sie geht in die Schule, sie kümmert sich um die Tiere in der Pension ihrer Tante, sie trifft sich mit ihren Freunden. Diese Alltäglichkeit ist eine große Stärke von „Mia Magie“ und die bietet ein hohes Identifikationspotential für Kinder. Manchmal blieb es mir aber zu sehr in diesem Alltag und das Abenteuer rückte in den Hintergrund.
Meinen Sohn hat das überhaupt nicht gestört. Ich glaube, diese Changieren zwischen Magie und Normalität mochte er besonders gerne. Daran sieht man mal wieder, dass Kinder und Erwachsene ein Kinderbuch anders lesen. Er war von der Geschichte um Mia und ihre erste Verliebtheit auf alle Fälle total begeistert. Schade, dass der Verlag nicht mutiger war und ein gender-neutrales Cover gewählt hat. Viele Jungs werden sich von dem vielen Pink abschrecken lassen (meinem Sohn ist das egal, weil er die Farbe mag), und so entgeht ihnen dieser tolle Einblick, wie sich das erste Verlieben anfühlt.

Fazit
Wir möchten „Mia Magie und der Liebestrank“ für Mädchen UND Jungen ab ca. 7/8 empfehlen und vergeben 4 Sterne. (Ohne meinen Kritikpunkt wären es 5 geworden, weil das Buch ist wirklich sehr charmant und toll geschrieben.) Mein Sohn will UNBEDINGT auch die beiden ersten Bände noch lesen – er fragt schon immer wieder danach – und ebenso sicherlich mögliche Folgebände.

Bewertung vom 23.08.2019
Maus mit Mission / Extrem gefährlich! Bd.1
Fesler, Mario

Maus mit Mission / Extrem gefährlich! Bd.1


ausgezeichnet

Sprechende Agenten-Maus, diabolischer Bösewicht-Plan, ein rasant-spannendes Kinderbuch.

Gleich drei Generationen hat „Extrem gefährlich! Maus mit Mission. Band 1“ bei uns total begeistert. Oma, Mama und Kind geben also eine absolute Empfehlung für dieses rasant-spannende Kinderbuch ab mit Juan, der „Maus des Todes“. Wir waren richtig gebannt und der Autor Mario Fesler streut die Hinweise genial über das ganze Buch, so dass wir mitfiebern konnten, aber immer auch wieder überrascht wurden.

Spannung und Grusel
Max, eine der vier Hauptfiguren, lebt unter der totalitären Überwachung seiner Eltern. Die lieben ihn zwar, lassen ihn aber trotz andauernder Mobilüberwachung nicht einmal alleine die Straße langgehen. Doch dann bekommt Max als Geburtstagsgeschenk eine Maus, die hat nicht nur eine Agentenausbildung und kann sprechen – nein, sie hat auch eine gefährliche Mission im Gepäck. Meinem Sohn fielen auch gleich mehrere richtig spannende Szenen ein: Zwei diabolische Wissenschaftlerinnen forschen an unheimlichen Dingen und in der Villa des Bösewichts wird es richtig gruselig. Irgendwann müssen die Held*innen dann einen wilden Ritt durch die Abwasserkanäle hinlegen. Das alles war für meinen Sohn mit 7,5 Jahren richtig mitreißend und wir Erwachsene wollten auch UNBEDINGT wissen, wie es weitergeht. Aber es blieb trotzdem kindgerecht. Ganz besonders haben es uns bei den Hauptfiguren Shakira angetan, das Mädchen, das zunächst alle mit bissigem Intellekt von sich wegstößt, und natürlich die Maus des Todes. In dem Buch steckt so viel Fabulierlust und Fesler baut eine ganz eigene Welt, die zwar nah an unserer dran ist, trotzdem extrem klug gebaut ist. Auch die Informationsvergabe und der Plot ist geschickt gebaut, so dass wir oft verflucht haben, dass Vorlesen halt doch deutlich länger dauert als Selberlesen. (Obwohl das Buch sich hervorragend zum Vorlesen eignet. Gerade die Stimme von Pascal hat mir super Spaß gemacht.) Dass ein, zwei Fragen offen bleiben (etwa, warum der Großvater den Kindern nicht im Backoffice hilft), fallen da gar nicht ins Gewicht. Meine Mutter meinte: „So ein Buch hätte ich mir als Kind gewünscht!“

Bonbons und Zitate
Wer bei all dem an Agentenfilme denken muss, der liegt selbstverständlich richtig. Und Mario Fesler hat zahlreiche witzige Anleihen und viele Bonbons für Erwachsene im Gepäck. Welche Assoziation habe Ihr beispielsweise bei McKinsey? Vermutlich nicht die beste… Es gibt eine Babysitterin, die schier aus der Hölle kommen könnte, und natürlich – Horrorfilme lassen grüßen –ihr Fett abbekommt. Ich bin keine Gamerin, aber „Mouse on the run“ hätte für mich durchaus ein Atari-Jum’n Run sein können. Ab da hatte immer „Fox on the run“ im Ohr, wenn es um dieses Videospiel ging. Und hat jetzt Schubert eine Suppenkantate geschrieben oder nicht? Diese Fabulierlust ist einfach urkomisch.

Was das Buch so außergewöhnlich macht
Ich liebe ja horizontal erzählte Serien und Bücher, besonders, wenn die Figuren ambivalent und vielschichtig sind. Viele Kinderbücher können das schon aufgrund der Länge bzw. ja fehlender Länge nicht leisten. Und dafür brauchen sie dann ein klares Gut-Böse-Schema.
„Maus mit Mission“ bricht das aber auf und schafft ganz vielschichtige Helden. Zwar ist schon nach knapp vier Seiten Prolog klar, wer der Bösewicht ist. Und trotzdem: Shakira hat Ecken und Kanten und bleibt doch liebenswürdig. Max’ Helikopter-Eltern verlieren in ihrem überbordenden Beschützerinstinkt vielleicht ihre Zurechnungsfähigkeit, aber nie die Sympathie der Leser*innen. Nicht einmal der Bösewicht Antoine kommt um ein Quäntchen an Verständnis herum. Und das Genialste in Bezug auf Vielschichtigkeit… aber das verrate ich nicht, lest unbedingt selbst!

Fazit
Wir geben Euch einen Auftrag: Geht mit dieser Maus auf Mission! Denn Juan, die Maus des Todes, hat die 5-Sterne-Lizenz für ein grandiose Abenteuer.
(Wann erscheint bitte Band 2???????)

Bewertung vom 23.08.2019
Frische Brise auf dem Sommerdeich / Sehnsuchtsorte Bd.9
Just, Katja

Frische Brise auf dem Sommerdeich / Sehnsuchtsorte Bd.9


sehr gut

Auf der Hallig lebt die Autorin im Einklang mit Natur und mit sich selbst. Tolle Beschreibung des Lebens mitten im Wattenmeer.

Bitte nicht vom Titel abschrecken lassen: „Frische Brise auf dem Sommerdeich“ ist nicht etwa eine schnulzige Liebesgeschichte á la Rosamunde Pilcher. Sondern Katja Just erzählt darin ihre ganz persönliche Liebesgeschichte zu der Hallig Hooge, die mitten im Wattenmeer liegt, zu der Natur dort, den Pflanzen, Tieren und Menschen. Die Autorin ist eine engagierte Frau, die sich für den Umweltschutz und die kleine Gemeinschaft einsetzt.

Sehnsucht nach dem geerdeten Leben
Ich stamme, wie die Autorin ursprünglich auch, aus Bayern, und gerade das Wattenmeer übte daher auf mich schon immer einen ganz besonderen Reiz aus. Manchmal träume ich, wie so viele Großstadtbewohner vermutlich, vom schönen Leben auf dem Land. Und abgeschiedener als auf einer Hallig im Wattenmeer geht es ja wohl kaum. Das Buch von Katja Just erfüllt diese Sehnsucht. Und ich habe es genossen, mit ihr durch die Landschaft zu streifen, einem Kälbchen bei der Geburt zu helfen und ihre Liebe zu einer alten Tracht mitzufühlen.
Bei Katja Just liest sich alles total geerdet. Und sie spart auch die harten Seiten des Hallig-Lebens nicht aus. Also bin ich bei aller Sehnsucht ganz froh, dass ich nicht mein komplettes Hab und Gut regelmäßig vor einer Springflut sichern und danach noch eine Dreiviertelstunde einem Kälbchen hinterher laufen muss. Ich habe es aber sehr genossen, das mit Katja Just quasi Second-Hand in ihrem Buch erleben zu können.
Ihre Beschreibung, wie z.B. bei der Wattwanderung, sind immer in das persönliche Erleben eingebettet, das auch praktische Aspekte mit aufgreift: Beispielsweise sollte man über Muscheln nur mit Socken oder Schuhen laufen.

Tolles Engagement
Dass die Autorin sehr engagiert ist, wusste ich schon vor dem Lesen. Ich hatte aber an vor allem an Umweltschutz und Kommunalpolitik gedacht. Darum kam es für mich unerwartet, als sie eine Episode mit einer Dame schildert und sich da sehr deutlich gegen Rassismus positioniert. Das fand ich total stimmig und passend. Die Zusammenhänge mit der Klimakrise fand ich ebenso eindrückliche geschildert: Es sind eben nicht nur ein paar Halligen, die „absaufen“ werden, sie sind integraler Bestandteil des Küstenschutzes. Die Klimakrise betrifft uns alle. Und in Bezug auf die Kommunalpolitik hält sie uns allen den Spiegel vor, wenn sie erzählt, dass sich die Allgemeinheit gerne auf die wenigen verlässt, die sich engagieren.

Eine Art Tagebuch
Das alles liest sich flüssig und hat mich sehr berührt. Das Buch ist für mich eine Art Tagebuch. Just hat übrigens schon zuvor in „Barfuß auf dem Sommerdeich“ über ihre Zeit auf der Hallig geschrieben. Ich konnte trotzdem ohne Probleme in diesen zweiten Band einsteigen.
Ein paar Kritikpunkte habe ich aber dennoch: Manchmal hatte ich das Gefühl, Katja Just glaubt, sie müsse sich dafür rechtfertigen, warum sie sich als sogenannte Neubürgerin „anmaßt“ über ihr Leben auf der Hallig zu schreiben. Das hat Just überhaupt nicht nötig, da macht sie sich in meinen Augen ohne Not kleiner und das Buch dadurch etwas redundant. Ihre Schilderung von ihrem Aufenthalt in Hongkong und China fand ich großartig, in der Beschreibung dieses überbordendenden Chaos dort, kommen mir ein paar Sätze despektierlich vor. Ich bin mir sicher, dass das so nicht gemeint, war, aber das fand ich schade. Und so ausführlich die Autorin manchmal schreibt, so sehr bleibt sie an einigen Stellen bei Andeutungen. Da es dort meist sehr persönlich wird, ist das ihr gutes Recht, aber ist halt mit dem Rest nicht ganz ausgewogen. Zusammengefasst: Das Buch könnte für mich manchmal noch stärker auf den Punkt kommen und als Text in sich geschlossener. Dann hätte es für mich die 5 Sterne gegeben.

Fazit
Ich möchte das Buch allen ans Herz legen und vergebe sehr gute 4 Sterne.

Bewertung vom 19.08.2019
Faye - Herz aus Licht und Lava
Herzog, Katharina

Faye - Herz aus Licht und Lava


gut

Wunderschönes Setting, flüssiger Schreibstil, Schwächen bei der Durchführung der Geschichte: Sehr nettes Lesererlebnis.

Den Einstieg fand ich richtig toll: So richtig zum Schwelgen und gleichzeitig hat mir gefallen, wie die Feenwelt und paar Geheimnisse eingeführt wurden.

Fayes Umwelt-Einsatz
Dazu ist das Buch ein klasse Statement für den Umweltschutz, das hat mir am Allerbesten am ganzen Roman gefallen. Denn die Protagonistin Faye ist eine engagierte Jugendliche, die sich beim „Guerilla Gardening“ einbringt.
Optisch ist „Faye“ ein Highlight, der Loewe-Verlag hat eine wunderschöne Ausgabe herausgebracht. Neben dem Goldmuster auf dem Cover ist der Titel-Schriftzug mit einem Kreissymbol in schimmerndem Partial-Lack hinterlegt. Das sieht auf dem Couch-Tisch phänomenal aus. Daher eignet sich das Buch sicherlich großartig als Geschenk für die Kernzielgruppe der Teenager*innen.

Flüssiges Leseerlebnis
Weil Faye aufgrund ihres Aktivismus’ Ärger mit der Polizei bekommt, muss sie ihre Mutter auf einer Dienstreise nach Island begleiten. Dort erkundet sie ihre Umwelt und obwohl erstmal nichts groß Spektakuläres passiert, schreibt die Autorin recht spannend. Ihre Natur-Beschreibungen und botanischen Erklärungen der Pflanzen mochte ich sehr. Und auch das Setting in Island, das war für mich wirklich mal was neues. Stilistisch laß sich „Faye“ flüssig und sehr angenehm und sprachlich machte mir das Buch auch wirklich Spaß.

Zeitablauf und Spannung
Es waren die Zeitabläufe, die mich manchmal stolpern ließen. Sowohl im Großen: Da geht die Welt unter, aber von der Dringlichkeit ist oftmals wenig zu spüren – wie auch im Kleinen: „Einige Minuten stand ich unentschlossen herum, bevor ich mich dazu entschloss, so schnell nicht klein beizugeben und ihm zu folgen.“ Wenn sie mehrere Minuten wartet, wird Faye aber wohl eher nicht mehr hinterherkommen.
An sich finde ich Vorhersehbarkeit in einem Genre wie diesem nicht zwangsläufig schlimm, weil es bestimmte Konventionen gibt und man außerdem als Leser*in ja mitpuzzeln will. Bei Faye dachte ich mir aber, je mehr Seiten ich gelesen hatte: Jetzt muss der Groschen wirklich mal fallen! Schon im Prolog gibt die Autorin den Leser*innen sehr starke, oft recht eineindeutige Hinweise, aber wir erfahren den Rest des Buches aus Ich-Perspektive von Faye und durchblicken dort als Leser*innen trotzdem viel, viel mehr als sie und so wirkt Faye als Protagonistin zunehmend etwas begriffsstutzig. Und was das noch verstärkt: Manchmal akzeptiert Faye magische Elemente und Personen quasi sofort – und dann wieder überhaupt nicht. 
Von den Nebenfiguren sind mir einige total schnell ans Herz gewachsen, wie der Zwergen-große Schutz-Riese und die Mechatroniker-Oma, die an Feen glaubt. Leider fehlt ihnen der eigenen Bogen, sie sind eher Stichwortgeber oder lösen die Geschichte, was doch eigentlich die Protagonistin tun sollte. Aber so kämpferisch Faye am Anfang für die Umwelt kämpft, so wenig löst sie das Rätsel der Geschichte letztendlich selber.

Fazit
Insgesamt ist „Faye“ eine sehr nette Geschichte mit einem wunderschönem Setting. Ab der Hälfte wurde das Buch leider schwächer. Trotzdem fühlte ich mich ganz gut unterhalten und vergebe 3 von 5 Sternen.

Bewertung vom 19.08.2019
Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn
Casal, Mikel

Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn


ausgezeichnet

Ein Schmuckstück – optisch auf dem Kinderzimmertisch und erst recht inhaltlich: Dieses außergewöhnliches Bilderbuch lebt Akzeptanz vor.

„Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“ ermutigt hinter die Fassade zu blicken! Mit wunderschönen Bildern lernen wir in diesem Bilderbuch, wie vielfältig unsere Mitmenschen sind, wie sehr sie sich dem Schubladen-Denken entziehen. Mit den Vorurteilen, die wir auf den ersten Blick bilden, können wir diese nicht annähernd erfassen. Niko erzählt von seinen Nachbarn, wie dem Kellner Claude, dem bei seiner Arbeit im Café niemand ansieht, dass er ein begeisterter Astronom ist.

Gegen die üblichen Bilder
In diesem wundervollen Bilderbuch gibt kein schneller, höher, weiter. Die Besonderheit der Nachbarn ist nicht durch Wettbewerb geprägt (auch, wenn ein früherer Olympia-Teilnehmer vorkommt). Die Männer/Frauenbilder verweigern sich den „üblichen“ Gender-Zuschreibungen. Und die wunderschönen Illustrationen zeigen Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben und verschiedenem kulturellem Background. Hier ist Diversity Normalität. Durch diese Normalität predigt das Buch die Toleranz, Akzeptanz und Mitmenschlichkeit nicht, „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“ lebt Toleranz, Akzeptanz und Mitmenschlichkeit einfach vor. Und es ruft die Leser*innen dazu auf, selbst einmal etwas zu tun, das nicht der sogenannten Normalität entspricht. Mein Lieblingsbild ist mit Ali, der die Ladefläche seines Pickups als Pool für seine Neffen Cem und Silas umfunktioniert.

Highlight zur Selbstbestimmung
Meine Lieblingsgeschichte ist über Jule, die nicht gerne küsst. Auf einer knappen Seite Text fasst Mikel Casal damit genial zusammen, was Selbstbestimmung über den eigenen Körper bedeutet. Seine Illustration zeigt eine selbstbewusste Jule: „Leg dich nicht mit mir an“, scheint ihr Blick zu sagen. Text und Bild sollte man vielen Erwachsenen ins Poesiealbum kleben, die von Kindern verlangen, Bekannten und Verwandten ein Küsschen zu geben. Mit dieser Doppelseite kann man Kindern wundervoll vermitteln, dass sie das Recht haben „Nein“ zu sagen und das dies schon bei einem Küsschen anfängt. Schon allein aufgrund dieser Geschichte ist „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“ ein wundervolles Geschenk.

Grafischer Künstler
Der Autor Mikel Casal gibt in einer der Nachbar-Geschichten eine tolle Selbstbeschreibung: „Grafischer Künstler“. Seine Bilder sind so klar aufgebaut und doch bieten sie Raum für Entdeckungen. Ich habe das letztens erst geschrieben, die Bücher von Prestel sind einfach wunderschön. Und „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“ liegt nicht nur schön auf dem Kaffee- oder Kinderzimmertisch, sondern ist auch beim Lesen ein wundervolles Buch.

Das Gute im Menschen
„Last, but not least“, das Buch glaubt an das Gute in den Menschen und zeichnet sie in all ihrer Vielfalt. Denn viele Menschen sind gut und freundlich. Ich muss zugeben, dass mich die politischen Entwicklungen der letzten Jahre an diesem Guten manchmal zweifeln lassen. „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“ vermittelt einen tiefen Glauben daran, dass Menschen gut sind und freundlich. Das ist für das Urvertrauen von Kindern so wichtig und auch ein Seelenbalsam für Erwachsene, die manchmal an der Welt verzweifeln. Und für das Gute im Menschen und in der Welt brauchen wir Toleranz, Akzeptanz und Mitmenschlichkeit, die dieses Buch so spielerisch vermittelt.

Fazit
Wie jedes tolle Bilderbuch lässt sich hier für verschiedene Altersstufen etwas entdecken. Kinder nehmen die Komplexität dieses Buches mühelos an, wie ich bei meinem 7,5-jährigen Sohn gemerkt habe, er hat nachgefragt und überlegt. Als Erwachsene habe ich Spaß daran, die verschiedenen Ebenen zu entdecken. Und auch nach dem Schreiben dieser Rezi glaube ich, dass ich noch nicht alle wahrgenommen habe. Also freue mich schon auf viele weitere Lektüren dieses außergewöhnlichen Buches.
5 hingerissene Sterne und eine absolute (Vor-)Leseempfehlung!

Bewertung vom 12.08.2019
Das Girlfriend-Experiment
Lacey, Catherine

Das Girlfriend-Experiment


sehr gut

Mit diesem spannenden Experiment beginnt eine poetische Sinn-Suche.

Catherine Lacey hat einen ganz eigenen Stil und ich brauchte ein paar Seiten, um zu wissen, ob mir ihr Stil gefällt. Dann war ich begeistert: Spröde und doch poetisch, mein inneres Ohr liebte den Sprachrhythmus und die Worte. Tranceartig und wunderschön.

Die Hauptfigur Mary ist ebenfalls etwas spröde, ihre Lebensgeschichte war nicht einfach, aufgewachsen bei ultra-christlichen Eltern im Nirgendwo. Aber ich mag sie und, wie sie uns über weite Teile des Buchs als Ich-Erzählerin an ihrem Leben teilhaben lässt und es reflektiert. Mir gefällt, dass sie Geheimnisse hat. Und dass sie so vielem, auch diesem alternativem Medizinverfahren, das sie wegen unerklärlicher Schmerzen auf sich nimmt, so „agnostisch“ gegenüber steht. Sie weiß nicht, ob es hilft, sie weiß nicht, ob es ihr eigentlich zu esoterisch ist, aber sie macht es trotzdem. Das erste Viertel des Buchs erfahren wir Marys Sicht, dann liegt das Eigentliche auf dem Tisch:

Das Girlfriend-Experiment
Über das Girlfriend-Experiment selbst möchte ich nichts verraten. Der Klappentext gibt ja Hinweise, aber beim Lesen hätte ich sogar noch weniger wissen können. Das Experiment ist das Herzstück dieses Romans und die Idee dazu genial: Diese Idee fasst so viel zusammen, wie unsere westlichen Gesellschaften funktionieren, unsere Beziehungen, unsere Wirtschaft, unsere Wissenschaft. Die Autorin spannt die Fäden sehr gut und jongliert gekonnt mit der Spannung. Nach und nach erfahren wir als Leser*in, was dieses Experiment ist, und doch bleiben weitere Geheimnisse und die Intensionen der Beteiligten offen. Kurt, der Mitinitiator des Experiment, kennt seine eigenen Geheimnisse selbst nicht so genau.

Im Kopf der anderen
Für den Mittelteil wechselt die Autorin die Erzählperspektive und wir folgen den unterschiedlichen Akteuren ebenso wie Mary aus einer auktorialen Erzählhaltung. Die Sympathie liegt klar bei den Frauen. Bei den Männern-Charakteren geht es viel um deren Ego. Deren Teile empfand ich als etwas zäh, aber ich bin überzeugt, das ist die Absicht der Autorin. Einmal schildert Mary, dass sie stundenlang schweigen würde und es Kurt nicht auffallen würde. Diesen Narzissmus, diese Ödnis nebenbei als gepflegte Langeweile mitzuschildern, ist eine große Kunst von Catherine Lacey. Die Welt der Frauen ist gefährlicher. Es ist an sich schon heftig, dass Bücher über Frauen oftmals nicht ohne Missbrauchserfahrungen auskommen können. Diese sind von der Autorin sensibel, aber treffend geschildert, daher hier noch eine Content Note / CN sexuelle Gewalt an drei, vier kurzen Stellen.
Neben den klangvollen Gedankenbögen lebt der Roman immer wieder auch von nüchternen Betrachtungen, die ebenfalls in eine poetische Sprache überführt wurden. Daher blieb für mich über die ganze Länge der unglaublicher Sog bestehen, der mich immer tiefer in die Geschichte hineingezogen hat. Die Sprache ist fast schon tranceartig.
Das Ende empfand ich im Vergleich zum Rest des Buchs etwas blutleer. Ich hatte mir am Ende einen größeren Knall erwartet und auch erhofft. Das liegt aber daran, dass das Buch vorher richtig viel bei mir bewegt hat. Und ich bedauere immer mehr, wenn ein Buch über einen Großteil so toll ist, und dann schwächer endet. Schade eigentlich.

Fazit
Darum ziehe ich einen halben Stern ab und vergebe 4,5 Sterne. Diesmal runde ich ab, weil ich mir vorstellen kann, dass das Buch sprachlich nicht nach jedermanns*fraus Geschmack ist. Ich empfehle das Buch alle Fälle für seine kunstvolle Sprache und die geniale Idee mit dem Experiment. Ein tolles #frauenlesen und selbstverständlich für alle Geschlechter!

Bewertung vom 07.08.2019
Fitz Fups muss weg
Evans, Lissa

Fitz Fups muss weg


ausgezeichnet

Klug und vielschichtig, wir sind Fitz-Fups-Fans

Wir lieben dieses Buch, ganz und gar! Es ist warmherzig, witzig, charmant und erzählt gleichzeitig von ganz ernsten, wichtigen Themen. Mein 7,5-jähriger Sohn ist so begeistert, dass er seine zweite Fan-Fiction „Fitz Fups muss weg“ gewidmet hat.
Weil wir „Fitz Futz“ so lieben, umso schwerer ist es mir jetzt gefallen, darüber zu schreiben. Wie kann unsere Begeisterung am Besten von den Buchstaben ins Herz jener, die diese Rezension lesen, überspringen? Da „Fitz Fups muss weg“ uns mit so vielen kleinen und großen Dingen überrascht hat, möchte ich die Rezension so weit wie möglich spoilerfrei schreiben!

Vielschichtigkeit
Vielleicht die erste Frage vorneweg: Wenn Fitz Fups weg muss, warum muss er eigentlich weg? Mein Sohn hat diese Frage von Beginn an immer wieder gestellt. Und alleine in der realen Welt sind uns schon vier wichtige Antworten eingefallen. Diese Vielschichtigkeit zeichnet das ganze Buch aus. Später geht es dann in die Welt der Wimblis, tonnenförmige Wesen in unterschiedlichen Farben, und in ihrer Welt läuft einiges ziemlich schief, seit Fitz Fups das Sagen hat. Und jetzt müssen Phine und ihr Cousin Graham, die im Wimbil-Land gelandet sind, den Wimblis helfen.

Kindgerecht Diktatur erzählt
Das absolut Geniale an diesem Buch ist, das es für Kinder verstehbar macht, warum Unterdrückung, Diktatur und Faschismus so schrecklich sind. Dabei findet die Autorin Lisa Evans eine Form, dass selbst 7- oder 8-jährigen Alpträume erspart. So ist der Bestrafungsraum keine Folterkammer im eigentlichen Sinne, ohne diese aber zu verharmlosen (Glitter, sag ich nur).

Ein großes Abenteuer
Aber wegen dieser großen Themen darf man nun bitte nicht denken, „Fitz Fups“ wäre dröge erzählt. Phine und ihre Mitstreiter erleben ein großes, aufregendes Abenteuer. Die Cliffhanger an vielen Kapitelenden sind sehr nervenaufreibend. Ich rate, beim Vorlesen das Kapitelende kurz zu überfliegen, damit man weiß, ob man da aufhören kann. Zum Glück, da ist die Autorin sehr feinfühlig, erspart sie uns den ultimativen Cliffhanger und löst eine wichtige Frage vor dem Teil im Wimbli-Land. Das hätte mein Kind sonst nur schwer ertragen.

Die Fragen des Lebens
Neben der Spannung und den vor Einfällen sprühenden Ideen sind die ernsten Themen immer mit da: Wie schon gesagt Unterdrückung und der Mut zum Widerstand, aber auch Verantwortung und der Umgang mit Schuld, das muss Phine während der Reise mit sich klären. Trauer und Verlust werden genauso angesprochen wie Psychosen und die Akzeptanz von anderen. Dazu gibt es immer wieder unglaublich weise Stellen und ich habe dieses Buch mit vielen Bookdarts gespickt.

Die Auflösung
Die Altersempfehlung des Verlags ist ab 9. Mein Sohn war aber so neugierig auf die Geschichte, dass er unbedingt mitlesen wollte. Für Kinder, die schon bei einer komplexe Geschichte mitgehen und -denken, kann das Buch also schon ab circa 7 zum Vorlesen funktionieren.
Egal ob 7 oder 9, so eine Geschichte muss für die Kinder gut ausgehen. Überträgt man das Ende schlussendlich auf die reale Welt, hat das Ende so seine Tücken. Ich musste an den Ärzte-Song „Schrei nach Liebe“ denken. Aber „Fitz Fups“ ist ein Kinderbuch, und ich denke, Kinder brauchen das Urvertrauen, dass sich schließlich alles mit Vernunft lösen lässt und mit… Aber das zweite will ich hier nicht verraten, findet es selbst heraus!

Fitz-Fups-Fans
Das Buch ist ein Einzelband und die Geschichte abgeschlossen. Aber mein Sohn war so begeistert, dass er angefangen hat, eine Fortsetzung von „Fitz Fups“ zu schreiben. Das schafft wirklich nicht jedes Buch. Und – da waren wir noch nicht einmal mit dem Vorlesen fertig – hat er zudem angefangen, das Buch seinem Papa vorzulesen. Keine leichte Aufgabe nach einem Jahr Lesen-Lernen, aber auch das zeigt seine Liebe zu diesem außergewöhnlichen Kinderbuch.
Wir sprechen eine absolute Leseempfehlung mit 5 Wimbli-bunten Sternen Deluxe aus, und ich freue mich schon, wenn mein Sohn uns

Bewertung vom 06.08.2019
Faironomics
Koglin, Ilona; Rohde, Marek

Faironomics


ausgezeichnet

Erhellend und motivierend: Wie wird man ökologisch und fair bei Projekten und Social Enterpreneurship?

„Nur allein dadurch, dass wir andere Produkte kaufen und verkaufen, ändert sich das zerstörerische Prinzip, nach dem unsere Welt heute funktioniert, eben noch nicht.“
Gegen dieses Grundproblem ist außer des kompletten Umbau des vorherrschenden Wirtschaftssystems noch kein Kraut gewachsen. Mit ihrem Buch „Faironomics - Ökologisch, fair und frei“ geben Ilona Koglin und Marke Rohde Unternehmern und Projektgestaltern passende Bausteine mit auf den Weg.

Wichtig: Erwartungshaltung an das Buch
Um Enttäuschungen zu vermeiden, ist es ganz wichtig den Untertitel ernst zu nehmen: „Wie du in 8 Schritten dein Traumprojekt verwirklichst und damit die Welt verändert“. Es geht in nämlich um die Umsetzung in konkreten Projekten, das heißt, das Buch richtet sich an (potentielle) Freiberufler*innen, (Sozial-)Unternehmer*innen, Aktivist*innen oder Menschen, die sich in NGOs oder Vereinen engagieren wollen. Für Leser*innen, die auf der Suche nach Anregungen für ihr Handeln ad hoc im Privaten sind, haben die beiden Autor*innen bereits „Und jetzt retten wir die Welt“ und „Gärtnern für eine bessere Welt“ veröffentlicht.
Selbstverständlich bedienen sich die beiden Autor*innen immer wieder bekannter Techniken aus dem Projekt Management: Ihr Buch gibt daher einen tolle Übersicht, gerade für Einsteiger. Für erfahrenere Leser in diesem Bereich bündelt sie diese Aspekte und liefert diesen durch den ökologischen und gerechten Ansatz einen echten Mehrwert.

Am eigenen Beispiel
Koglin und Rohde waren mit ihren eigenen Tätigkeiten unzufrieden und wollten diese ökologisch und fair verändern. Ihr Buch zeichnet daher auch ihre „Lernreise“ nach und die beiden flechten immer wieder persönliche Erfahrungen und Entwicklungen ein. Allein mit der Produktion des Buches setzen die Autor*innen ihre Grundsätze selbst um, denn es ist Cradle-to-Cradle hergestellt und kommt dazu ohne Folieneinschweißung aus. Das Design ist durchweg stylisch, übersichtlich und edel. Die Infografiken, Übungen und Sonderseiten sind im schlichten und edlem blau, weiß und schwarz gehalten. Schon beim ersten Aufblättern dachte ich mir: „Wow, was für ein schönes Buch!“ Öko kann eben wunderschön sein.

Komplex mit viel Stoff zum Nachdenken
„Faironomics“ lässt sich nicht an einem Nachmittag lesen und ich habe mehrere Wochen dafür gebraucht, weil es mich wirklich gefordert hat. Erst recht, weil die eigentliche Arbeit in den Übungen liegt, für die man Stunden bis Tage braucht, was im Projektmanagement ja auch nicht ungewöhnlich ist. Und das schafft man nicht beim Lesen nebenbei. Eine dieser Übungen heißt „Verstehen lernen“ (S. 104): „Was steckt hinter den Dingen? Mach dir bewusst, was dein Büro für dich und die Welt bedeutet.“ Als Dauer sind dafür 30 Minuten angegeben, die man pro Objekt im Büro aufwenden musst. Und wenn man das richtig machen will, braucht es das auch, finde ich. Ich muss aber gestehen, dass ich das noch nicht durchgezogen habe. Aber eigentlich sollte man sich die Zeit nehmen, weil manchmal muss man erstmal viel Zeit aufwenden, um Ressourcen zu sparen.

Fazit
Mit den Übungen ist „Faironomics“ ist in doppelter Hinsicht ein Katalysator: Das Buch gibt einem Rüstzeug in die Hand, um die eigenen Ideen schneller umzusetzen – und dazu noch nachhaltig. „Faironomics“ ist erhellend und motivierend.
Ich empfinde das Buch daher als tolle Erinnerungshilfe, wofür und wie ich arbeiten möchte, und daher werde ich sicherlich immer mal wieder darin nachblättern und -lesen. Ich werde das Buch zudem auch Kolleg*innen verleihen, ganz nach dem Prinzip, dass Teilen besser ist als besitzen. Und ich werde bald auch die anderen beiden Bücher von Ilona Koglin und Marke Rohde lesen.
Mit der Einschränkung an den Leserkreis, den ich zum Anfang gemacht habe, kann ich „Faironomics“ wirklich von ganzem Herzen empfehlen und gebe 5 ökologische und faire Sterne.

Bewertung vom 05.08.2019
Einmal Hollywood und zurück / Das springende Haus Bd.1
Pfeiffer, Marikka

Einmal Hollywood und zurück / Das springende Haus Bd.1


ausgezeichnet

Hüpft ein Haus um die Welt - und wir hüpfen für verrückte Abenteuer mit!

Wie genial wäre es, wenn man ganz einfach an fremde Orte hüpfen könnte. Noch dazu fast CO2 frei! (Je nachdem, wie viel der Akku braucht) „Das springende Haus: Einmal Hollywood und zurück“ ermöglicht das der Familie Wendelin und der 10jährigen Lonni, die frisch in die Nachbarschaft gezogen ist. Allerdings ist das Springsteuerung gerade unvorhersehbar und die Großeltern Wendelin sind verschwunden. Also freut sich Nick Wendelin sehr, in der gleichaltrigen Lonni eine Mitstreiterin gefunden zu haben. In dieses witzig-fröhliche Grundgerüst fügen sich ein Marmelade-verrücktes Zwerghuhn, eine fiese Nachbarin (Gerüchte sagen sogar mit Nachtsichtgerät) und lustige Reiseziele großartig ein.

Erfindergeist
War mir besonders gut gefällt: Das Haus ist nicht „einfach“ magisch, wie solche Ideen in Kinderbüchern sonst oft erklärt werden, sondern die Sprungfunktion wurde ganz MINT-mäßig von Großvater Widu gebaut. Also hat es einen Akku, der geladen, und eine Steuerung, die gewartet werden muss. Irgendwie rückt für mich so ein „Traumhaus“ eher in den Bereich des „Möglichen“ als wenn es magischen Ursprungs wäre – und ich glaube, das kitzelt den inneren Erfindergeist mehr. Lonni und Nick müssen gegen Schluss ein Rätsel lösen, das mein mathebegeistertes Kind geknackt hat. Ansonsten liefert das Buch für alle anderen die nachvollziehbare Lösung.

Gleichberechtigung nebenbei
Ich achte ja gerade bei Kinderbüchern auf Gender-Bilder und „Das springende Haus: Einmal Hollywood und zurück“ erzählt diese mühelos, geschickt und nebenbei gleichberechtigt. Vater Henri trägt das Baby im Tragetuch, kümmert sich um den Garten (vor allem seine Tomurken, was Teil seines Berufs ist) und ist im Haushalt eingebunden. Von den Wendelins hat die Mutter anscheinend mehr Zeit damit sie sich um ihren Beruf (die Schriftstellerei) widmen kann. Lonnis Eltern arbeiten ebenfalls beide, gleichberechtigt als Kostümschneider, von zuhause aus. Und auch schon in der Generation zuvor waren Nicks Großeltern beide berufstätig als Forscher. Diese Gleichberechtigung bezieht sich aber nicht nur auf die Berufstätigkeit. Wir folgen zwar der Sichtweise von Hauptfigur Lonni, Nick ist aber ebenfalls sehr präsent. Die Ängstlichkeit der Großmutter hat sich geschlechtsunabhängig an Enkel Nick weitervererbt, der geniale Erfindergeist des Großvaters ging am Enkelin Leo genauso vorbei wie an Enkel Theo.

Beschwingt-hüpfende Lektüre
Beim Vorlesen hatten mein 7,5-jähriger Sohn und ich total viel Spaß. Es gibt so viele tolle kleinere und größere Ideen, wie dass das Haus immer Tiere mit zurückbringt, eine gesprengte Party der Nachbarn und dem Ausflug des Hauses in ein Hollywood-Studio. Und die liebevollen Illustrationen ergänzen die eigene Vorstellungskraft hervorragen. Als Bonus empfand ich die Vignetten mit Blumen oder Gartenzaun – so was mag ich einfach. Die Kapitel sind übrigens angenehm kurz, so dass Leser*innen ab der 2. Klasse sicherlich „Das springende Haus“ sicherlich gut selbst lesen können.
Ganz in die Tiefe geht zwar die Geschichte nicht: Die Wendelin-Eltern sind so in ihren eigenen Gedanken gefangen, dass sie das Verschwinden der Großeltern nicht beunruhigt. Die Zwillinge Theo und Leo fand ich noch recht funktional geschrieben. Das tat unserem Lesevergnügen aber keinen Abbruch.
Wir möchten noch alle weiteren Bände lesen, insgesamt umfasst die Reihe vier Bände. Der Band „Einmal Hollywood und zurück“ ist in sich genügend abgeschlossen, um ihn auch einzeln lesen zu können. Vom zweiten Band „Unter der Ritterburg“ gibt es am Buchende eine doppelseitige Leseprobe.

Wir sprechen eine klare Leseempfehlung aus und vergeben 5 volle Sterne.